Stille oder Geschwätzigkeit?

Die Adventszeit hieß in Bayern einmal die staade (stille) Zeit. Erwartungen und Vorbereitung waren auf die Geburt unseres Erlösers gerichtet. Lärm und Geschwätzigkeit überlagern heute diese Zeit.
Geschwätzigkeit ist zum Kennzeichen unserer Epoche geworden. Robert Kardinal Sarah sagt in seinem Buch „Kraft der Stille“: „Die moderne Kultur kann nicht mehr ohne die Diktatur des Lärms auskommen“ (S. 42) … „Die Stille der Lippen scheint für den Abendländer unmöglich zu sein“ (S. 50). Das wird besonders in der Politik deutlich. Weltwirtschaftsgipfel, Weltwirtschaftskonferenzen etc. jagen einander. Die Ergebnisse erinnern an den Berg, der kreist und ein Mäuslein gebiert.
In Deutschland versuchen die Abgeordneten eine neue Regierung zu bilden. Zu den Sondierungsgesprächen und Konferenzen reichen die Werktage nicht aus. Selbst die Sonntage werden dafür gebraucht. Es fehlt der Kompass. Den hatte auch die bisherige Regierung nicht, wenn es um ethische Fragen ging. Er ist auch jetzt nicht in Sicht. Welches Menschenbild haben unsere Abgeordneten?
Im Wahlkampf spielten Fragen, die mit unserer Zukunft zu tun haben, z.B. die Ursachen der demografischen Entwicklung, – unser Hauptproblem –, ebenso wie andere Fragen des Lebensschutzes keine Rolle. Ziele, wie die Installierung der Genderideologie, getarnt als „sexuelle Vielfalt“ in den Schulen – und jetzt in der Bundeswehr – werden klammheimlich durchgezogen. Wenn machtgefährdende Fragen auftauchen, entsorgt sie die Regie als „Gewissensfragen“, wie bei der „Ehe für alle“, anstatt Führungsstärke zu zeigen.
Eine wirkliche Erneuerung unserer Gesellschaft kann nur über Familien gehen. Das „Forum Deutscher Katholiken“ erwartet deswegen von einer neuen Bundesregierung eine Revolution der Familienpolitik.
Die Geschwätzigkeit ist auch in die Kirche eingedrungen. Auch in der Kirche gibt es eine „falsche Stille“, wenn Bischöfe zu Abtreibung, assistiertem Suizid, Genderideologie schweigen.
In der Bilanz zu 500 Jahre „Reformation“ haben einige hohe katholische Repräsentanten den Dissens, der uns im Sakramentenverständnis, besonders der Eucharistie und in der Ämterfrage trennt, verschwiegen und ausgeklammert. Nach katholischer Lehre besteht Reform in der Erneuerung und Vertiefung der Lehre. In ethischen Fragen, wie Abtreibung, Homosexualität, Genderideologie wird die Kluft nicht enger, sondern weiter. Wer die bestehenden Unterschiede verschweigt, kann nur Enttäuschung ernten.
„Die schönsten Dinge des Lebens ereignen sich“, so Kardinal Sarah, „in der Stille“. Das gilt auch für die Neuevangelisierung, die mit den Marienerscheinungen an die Kinder in Fatima ihren Ausgang genommen hat und schließlich ganz Portugal erfasst hat. Das geschieht in Hauskirchen, geistlichen Gemeinschaften und Klöstern, die sich dem Wort Gottes öffnen, der als Erlöser in der Stille von Nazareth empfangen und in Bethlehem geboren wurde.

Mit den besten Wünschen für einen gesegneten Advent und ein frohes Weihnachtsfest
Ihr Hubert Gindert und Team

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Christus naht, das Licht der Welt

Vielsagend ist die Symbolik der Weihnachtszeit. Der Adventkranz ist rund, die ganze Erde und alle vier Himmelsrichtungen darstellend, und grün, die Farbe der Hoffnung. Die vier Kerzen stellen die vier Jahrtausende Heilsgeschichte dar. Jede entzündete Kerze, gemäß den vier Adventsonntagen, vermehrt das Licht und vertreibt die Dunkelheit, denn es naht Christus, das Licht der Welt. Der Advent erinnert an das 3fache Kommen Christi: 1. Als Kind in Betlehem – 2. Sein Kommen in der Eucharistie – 3. Zum Weltgericht. Der Retter Jesus Christus wird alle, die in der Gnade Gottes (d.h. ohne schwere Sünde) sterben, heimholen in das Reich des Lichtes, in den Himmel. Advent ist Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott. Advent ist eine Bußzeit, eine Zeit der ernsten Vorbereitung auf das Kommen Jesu Christi.
Am 8. Dezember feiert die Kirche das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. In ihr ist schon verwirklicht, was wir ersehnen: Die Vereinigung mit Gott in seinem Reich des Lichtes und der Liebe. Die Unbefleckte weist den Weg: Wir sollen rein werden von aller Sünde als Vorbereitung auf das Kommen Christi.
Endlich am 24. Dezember: Weihnachten! Der hell erleuchtete Christbaum stellt Christus dar als „Baum des Lebens“, voll des Lichtes und der Gaben. Er selbst liegt als Gabe Gottes in der Weihnachtskrippe: Gottes Sohn ist Mensch geworden, um alle Menschen von Tod, Sünde und Satan zu erlösen!
Die Mitternachtsmesse (Christmette) lädt ein. Wie die „Heiligen drei Könige“ sollen wir in Christus den „Stern des Lebens“ entdecken, der uns sicher zum Ziel, zum Himmel, führt. Sie bringen: Gold dem König, Weihrauch dem wahren Gott, Myhrre dem, der uns durch Leiden erlöst hat.
Weihnachten:
Gottes Liebe weiterschenken
Das geschichtliche Ereignis der Geburt Christi (Matthäus 1,18f und Lukas 2,1f), war der Beginn unserer Zeitrechnung. Die Weihnachts-Botschaft ist ein aktueller Ruf an jeden Menschen:
* Gott existiert: Der Stern von Betlehem ist eine Tatsache. J. Keppler hat das nachgewiesen. Die Schöpfung verweist auf den Schöpfer-Gott.
* Gott ist die Liebe: Er schenkt uns seinen Sohn! Liebe ich Gott?
* Christus ist wahrer Sohn Gottes: 300 Prophezeiungen des Alten Testamentes erfüllten sich in Ihm. Seine Behauptung, Gott-gleich zu sein, bewies Er v. a. durch Wunder und seine Auferstehung.
* Christus in sein eigenes Herz aufnehmen: Dem Sohn Gottes wurde für seine Geburt eine Herberge verweigert. Nimm du ihn auf! „Allen, die ihn im Glauben aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1,12). Glaube an Christus, lebe als Christ!
* Die Armut Christi: Geboren in einem Stall, gelegt in eine Krippe, gestorben an einem Kreuz! Christen sollen zuerst das Reich Gottes suchen und nicht dem Mammon (Reichtum, Ehre, Vergnügen, Macht) dienen. Weihnachten lädt dazu ein, das Wesentliche zu suchen.
* Gott wurde ein Kind: Die Ungeborenen, die Kinder, alle Kleinen lieben und schützen. Im geringsten Menschen begegnen wir Jesus!
* Die Bibel ist Gottes Wort: Gottes Wort erweist seit 2000 Jahren seine Kraft. „Das Wort (Jesus) ist Fleisch geworden“ (Joh 1,14). Höre auf Gottes Wort (z.B. in der Sonntagsmesse), lies täglich in der Bibel.

Günther Zoppelt

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Wachet auf, ruft uns die Stimmes des Wächters sehr hoch auf der Zinne…

Liebe Mitglieder, Freunde und Leser,
es ist wieder soweit. In diesen angespannten Tagen der Polarisierungen und der Unsicherheiten mannigfaltiger Art dürfen wir Ihnen und uns zurufen: „Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet die erst Kerze brennt. Wir sagen euch an eine heilige Zeit. Machet dem Herrn die Wege bereit. Freut euch ihr Christen, freuet euch sehr. Schon ist nahe der Herr.“
Mit dem Schreiber des Hebräerbriefes gedenken wir der Mahnung, dass wir unsere Hoffnung nicht wegwerfen sollen; denn in einem der schönsten Weihnachtslieder Paul Gerhardts heißt es: „..lasset fahr’n , Schwestern und Brüder, was euch fehlt, was euch quält. Ich bring alles wieder.“
Voll Hoffnung blicken wir auf den Erlöser, der da ist und der da war und der da kommt. Und gleichzeitig hören wir den Wächterruf: „WACHET AUF, ruft uns die Stimme des Wächters sehr hoch auf der Zinne…“
So wollen wir also wachen voll Hoffnung und Vertrauen auf den Erlöser Jesus Christus, „der nicht fahren lässt das Werk seiner Hände.“
In diesem Sinne wünscht Ihnen und allen Menschen guten Willens das Team des Forums Deutscher Katholiken eine geistlich besinnliche und gesegnete Adventszeit.

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„Die Spione des Papstes. Der Vatikan im Kampf gegen Hitler“

Der Vorwurf gegen Papst Pius XII., zum Holocaust mit Eiseskälte geschwiegen zu haben, ist immer noch weit verbreitet. Nun wirbt der Historiker Mark Riebling um Verständnis für Papst Pius XII. und legt auch bisher unbeachtetes Material vor. Trotzdem halten Rezensenten, Journalisten und gar manche Lehrer an ihren Vorwürfen gegen den Papst fest. Warum das? Können sie die neuen Wahrheiten nicht brauchen, um an den zementierten Klischees gegen Papst Pius XII. festhalten zu können? Schon der Menschenkenner Albert Einstein formulierte einleuchtend: „Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom.“ Viele Argumente für Pius XII. waren bisher bereits bekannt.
Schon die vatikanische Verurteilung des Antisemitismus vom 25.03.1928 wäre ohne Eugenio Pacelli, den späteren Papst Pius XII., wohl kaum zustande gekommen. Das Gleiche gilt für das Verbot des Vatikans, Alfred Rosenbergs Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ zu lesen. Dieses Buch war die Grundlegung der nationalsozialistischen Rassenlehre, die gerade von der katholischen Kirche besonders bekämpft wurde. Das alles nehmen die Ankläger gegen den Papst ebenso wenig zur Kenntnis wie die Weihnachtsansprache des Papstes von 1942. Dort hatte der Papst mit Blick auf die rassisch Verfolgten beklagt, dass Menschen nur wegen ihrer Nationalität oder ihrer Abstammung der Verelendung und dem Tod preisgegeben werden. Die Nationalsozialisten in Berlin haben diese Klagen des Papstes als gegen sie gerichtet wohl verstanden. Nun versucht Mark Riebling einen anderen Weg zur Verteidigung des Papstes. Er belegt, dass und wie der Papst mit der deutschen Militäropposition zusammengearbeitet hat, um Hitler zu stürzen. Der nach dem Krieg als „Ochsensepp“ bekannt gewordene Münchner Rechtsanwalt Dr. Josef Müller war als Abwehroffizier getarnt in Italien, um im Auftrag von Admiral Canaris den Papst für eine konspirative Zusammenarbeit mit der deutschen Militäropposition und den alliierten Kriegsgegnern zu gewinnen. Diese Aktion verlief zunächst erfolgreich. Im Archiv des Foreign Office in London liegen die Beweise für diese für den Papst höchst gefährliche Unternehmung. Die deutschen Pläne zum Sturz Hitlers verliefen jedoch alle im Sande, so dass die britische Seite letztlich zurückhaltend blieb. Jedenfalls ist der Papst mit seiner Vermittlung ein unvorstellbares Risiko eingegangen für seinen Vatikanstaat, für die katholische Kirche in Deutschland und in den besetzten Gebieten und für sich persönlich. Trotzdem existiert das Bild vom eiskalt schweigenden Papst weiter. Sollte nun ein anderer Historiker noch zusätzlich auflisten, was Pius XII. zur Rettung von Juden allein in Italien bewirkt hat, so würde auch das sein Bild in der veröffentlichten Meinung kaum aufhellen. Die Medien brauchen das Bild vom eiskalten Papst, das unterschwellige Klischees gegen die katholische Kirche bestätigt. Da hilft auch kein Willi Brandt-Zitat in US-amerikanischen Geheimdienstkreisen, das da lautet: Die katholische Kirche sei „die verbreitetste und am besten organisierte Opposition in Deutschland“ gewesen.
Im Übrigen überschätzen die Papstkritiker die Wirkung eines flammenden Papstprotestes gegen den Holocaust, der über die Weihnachtsansprache von 1942 und über den Protest der niederländischen und belgischen Bischöfe hinausgegangen wäre. In Deutschland und in den besetzten Gebieten hätte kaum jemand von einem solchen Protest erfahren, da das heimliche Abhören von Radio Vatikan lebensgefährlich war. Überdies gab es beim damaligen Stand der Technik auch technische Schwierigkeiten. So verständlich das Abwägen des Papstes für oder gegen einen weiteren öffentlichen Protest erscheint, so deutlich wird die Erkenntnis: Das Bild vom Papst, der eiskalt schweigt, ist inzwischen eine so liebgewordene Droge, auf die man nicht mehr verzichten möchte. Nur wer dieses Thema unvoreingenommen sine ira et studio studiert, kann die historische Wahrheit wahrnehmen. 

Mark Riebling: „Die Spione des Papstes. Der Vatikan im Kampf gegen Hitler.“ Aus dem Englischen übersetzt. Piper-Verlag München 2017, 496 S. Euro 26;-

Eduard Werner

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Prälat Ludwig Wolker (1887 – 1955)

Jede geschichtliche Epoche hat ihre spezielle Herausforderung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es für die Kirche die Jugendseelsorge. Auf der einen Seite kämpfte der Marxismus um die Jugend, auf der anderen Seite begannen biologistische und rassistische Ideologien die Gedanken der Jugend zu prägen. Diese Strömungen waren der universal geprägten katholischen Kirche fremd. In der Publizistik setzte sich die kämpferische Maxime durch: „Wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft.“ Da musste auch die katholische Kirche aktiv werden und eine Jugendseelsorge einrichten. Dem Münchner Kardinal Faulhaber war der junge Priester und Studienrat Ludwig Wolker an der Berufsschule aufgefallen, Deshalb berief er ihn 1926 zum Präses des katholischen Jungmännerverbandes, erst für die Erzdiözese München-Freising, dann für ganz Bayern. Mit einer Zeitschrift begeisterte er die Jugendlichen für ein Bekenntnis zu Christus und zur Kirche. Wolker hatte früh erkannt, dass die Jugend offen ist für Gemeinschaft und für Sport. Deshalb sorgte er sehr schnell dafür, dass das Gemeinschaftserlebnis und fairer Sport in den Jugendgruppen eine große Rolle spielt.
Die Grundlage für jede Jugendseelsorge war jedoch die religiöse Bildung, gemeinsame Bekenntnistage und gemeinsame Liturgiefeiern. Wolker übersetzte lateinische Messtexte und gab Liederbücher heraus. Parallele Initiativen wie die liturgische Erneuerungsbewegung mit Romano Guardini und Initiativen mit dem zweisprachigen Schott-Messbuch nahm er bereitwillig auf. Dabei war Wolker so erfolgreich, dass er kurze Zeit später zum Generalpräses der katholischen Jungmänner Vereine Deutschlands ernannt wurde. Gleichzeitig wurde Wolker Bundespräses der katholischen Jugend in ganz Deutschland. In diesem Zusammenhang wurde ihm auch das legendäre Jugendhaus Altenberg und der Altenberger Dom in der Nähe von Köln anvertraut. Damit hatte er die ersehnte Begegnungsstätte. Der Begriff Jugendseelsorge bekam in ganz Deutschland rasch einen positiven Klang. Als 1933 die Nationalsozialisten plötzlich die Alleinherrschaft in Deutschland an sich rissen, riet Wolker zur Vorsicht, denn in Deutschland herrschte noch die leidvolle Erinnerung an die Zeit des so genannten Kulturkampfes unter Bismarck. Wolker wusste daher, wie schnell Priester und Bischöfe in die Gefängnisse geworfen werden können. Trotz dieser Gefahr stellten sich die Jugendlichen der kirchlichen Abwehrstelle in Köln bei der heimlichen Verteilung kirchlicher Post zur Verfügung. Millionen Broschüren gegen die nationalsozialistische Ideologie brachten die Jugendlich en zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Motorrad in die Pfarreien zur Weiterverbreitung. Trotz großer Vorsicht wurde Wolker am 6. Februar 1936 zusammen mit 57 Mitarbeitern im Jugendhaus Düsseldorf von der Gestapo verhaftet. Obwohl den Jugendlichen und ihrem geistlichen Leiter kein Gesetzesverstoß nachgewiesen werden konnte, wurden sie drei Monate festgehalten. Konfessionelle Jugendgruppen wurden verboten, Jugendhäuser von der Gestapo beschlagnahmt. Jugendseelsorge war nicht mehr möglich. Bei Kriegsbeginn 1939 ging Prälat Wolker zurück nach München und suchte mit Briefen und persönlichen Kontakten mit möglichst vielen Jugendlichen in Verbindung zu bleiben. Weil er ahnte, dass die die Post von der Gestapo überwacht wird, vermied er politische Äußerungen. Nach dem Krieg stellte er sich der Neuorganisation der Jugendseelsorge wieder zur Verfügung. Er wurde sogar Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees. 1955 starb Wolker plötzlich an Herzversagen. Heute spielt Wolker für die vielen DJK-Vereine immer noch eine wichtige Rolle. Jugendseelsorge braucht einen guten Sämann und guten Humus. 

Eduard Werner

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Maria, Jungfrau und Gottesmutter. Bericht über die 25. Augsburger Theologische Sommerakademie 2017

„Maria, Jungfrau und Gottesmutter – Ihre Bedeutung für die Kirche und die Menschheit“ war das Thema der diesjährigen 25. Theologischen Sommerakademie, die vom 13. bis zum 16. September in Augsburg stattfand. Es ging diesmal in erster Linie um die Bedeutung, die Maria für unsere Frömmigkeit und unser Leben als Christ hat, die großen dogmatischen Themen wie die Jungfräulichkeit oder der Anteil der Gottesmutter am Erlösungswerk wurden eher am Rande gestreift, was nicht bedeutet, dass sie den Referenten unwichtig waren, denn sie wurden immer mitgedacht. Aber vor allem bot diese Akademie den Teilnehmern die Möglichkeit, der Gottesmutter zu begegnen: Wie können wir dadurch, dass wir auf sie schauen und mit ihr gehen, in unserem Glauben an Gott Stärkung erfahren? Gerade aufgrund dieser Perspektive gab die Augsburger Akademie wieder frische Impulse, den Glauben zu vertiefen und zu leben.
Wegweisende Königin des Himmels und Vorbild im Glauben
Das marianische Thema war gerade auch deshalb gewählt worden, weil es in diesem Jahr 100 Jahre her ist, dass in der portugieischen Ortschaft Fatima die Gottesmutter erschien. So sollte auch Fatima im Mittelpunkt des ersten Vortrags stehen, den der wissenschaftliche Leiter der Akademie Prof. Dr. Dr. Anton Ziegenaus hielt. Der emeritierte Augsburger Dogmatiker und ausgezeichnete Kenner der Geschehnisse in dem bedeutenden Wallfahrtsort sprach zum einen über die Ereignisse des Jahres 1917, deutete dann aber auch die Botschaft von Fatima für unsere Zeit. So verwies er nicht nur auf das im letzten unerklärliche Sonnenwunder, das unzählige Anwesende in maßloses Staunen versetzte, sondern er machte auch deutlich, wie die Wallfahrt dorthin unaufhörlich wuchs, trotz massiver Repressalien durch die portugiesische Regierung und wegen unwegsamen Geländes. Die Mutter Gottes erwies sich letztlich als die Stärkere. Für unsere Zeit hat die Botschaft von Fatima, so Prof. Ziegenaus, gerade im Blick auf die letzten Dinge, also die Themen Himmel, Hölle, Fegefeuer, ihre besondere Bedeutung. Einerseits soll dadurch die Sehnsucht nach dem Himmel geweckt werden – beispielhaft waren die Seherkinder, die trotz ihrer Jugend auf die Ewigkeit hin dachten. Aber sie wollten auch einen Beitrag leisten, damit andere vor der Hölle bewahrt werden und waren daher bereit, ihre Leiden aufzuopfern. Fatima zeigt: Die Bereitschaft zum Sühneleiden ist ein ganz heroischer Akt der Nächstenliebe und vermag auch schwerem Leid einen Sinn abzugewinnen. Weiterlesen

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Die Problemlösung heißt Verzicht!

Die Zeitungsüberschrift „Jeder zweite Schüler steht unter Stress“ (Augsburger Allgemeine Zeitung, 2.9.2017) bezieht sich auf die Studie „Präventionsradar 2017“, die von der Krankenkasse DAK bei knapp 7000 Schülern der 5. bis 10. Klassen in sechs Bundesländern durchgeführt wurde. Danach leiden 43% der Schüler unter Stress. Viele Schüler empfinden den Unterricht als eine enorme Belastung. Liegen die Ursachen tatsächlich in der Schule? Erfahrene Pädagogen wie Josef Kraus, langjähriger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Leiter eines Gymnasiums, sehen das anders. Kraus spricht von einem „Jammern auf hohem Niveau“. Studienleiter Hanewinkel sieht „eine ganze Reihe von Wechselwirkungen am Werk“. Der „Konsum von Alkohol, Tabak und Marihuana erreichen ein bedenkliches Ausmaß“. Wissenschaftler vermuten, „dass die Schüler ihren Stress bereits von Zuhause mitbringen“: „Junge Leute, die in schwierigen Umständen aufwachsen, keine geregelten Tagesabläufe kennen, sich schlecht ernähren, wenig schlafen und ihre Freizeit vor dem Bildschirm, statt auf dem Spielplatz verbringen, sind besonders gefährdet.“
Ein Hauptfaktor für Stress ist die unersättliche Gier nach News. Wir wissen von anderen Untersuchungen, dass junge Menschen Stunden mit Fernsehen und mit Smartphones verbringen. Wie heißt die Problemlösung? Der berichtende Journalist schlägt vor: „Um den Teufelskreis zu durchbrechen und mehr schulische Chancengerechtigkeit zu erreichen, dürften sich unsere Bildungspolitiker durchaus etwas mehr Stress machen.“ Warum die Bildungspolitiker? Man könnte es viel einfacher ausdrücken. Die Problemlösung heißt Verzicht. Aber das traut man sich offensichtlich nicht mehr zu sagen.

Hubert Gindert

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Adolf Anton Falkowski: „Fragt mich nicht.“

Wie grausam die Nationalsozialisten Katholiken verfolgt haben, zeigt uns das Schicksal von Adolf Anton Falkowski. Sein Leben zeigt uns aber auch, unter welchen Opfern damals Menschen Christus die Treue gehalten haben.
Adolf Anton ist am 30. Juni 1917 in Mainz als Sohn des Schneidermeisters Falkowski und dessen Ehefrau Franziska geboren. Er besuchte die Oberschule. 1934 musste er in die Hitler-Jugend (HJ) eintreten, weil er von der Zahlung des damals üblichen Schulgeldes befreit war. Schule und HJ waren eine Qual für den jungen Mann, weil er ständig wegen seiner Religion verspottet wurde, besonders nachdem er bekannt hatte, dass er Priester werden wolle. In einem Schulaufsatz 1935 hatte Adolf Falkowski geschrieben: „Es ist eine Freude, wenn man hört, dass die Eintritte junger Theologen in die Priesterseminare sich nicht verringern, auch dann nicht, wenn eine falsche Welt von Großsprechern dem Priesterstand erlogene Verbrechen vorwirft.“ Das war eine mutige Kampfansage an die Nationalsozialisten in der Schule. Doch die Schule schlug zurück. Die Schulleitung wollte ihn aufs Glatteis führen und vor Zeugen erklären lassen, wen er mit den Ausdrücken „falsche Welt“ und „Großsprechern“ meine. Da Falkowski auf diese Fangfragen nicht einging, protokollierte der Direktor: „Die Ausführungen seines Aufsatzes beweisen seine gegnerische Einstellung zum nationalsozialistischen Staat, weshalb ich empfehle, auf diesen jungen Mann einzuwirken und ihm den Zugang zu dem in Aussicht genommenen Beruf zu versperren.“
Der Druck auf den Schüler wurde so stark, dass er rasch zu seinem Onkel nach Straßburg fliehen musste. Dort lebte er sich gut ein. Aber als 1936 der Einberufungsbefehl zum Militär bei seinen Eltern eintraf, wagte er nicht, diesen Befehl zu ignorieren. Außerdem hoffte er, dass über die früheren Auseinandersetzungen Gras gewachsen sei. Deshalb kehrte er am 1. Juli 1936 nach Deutschland zurück. Als er am nächsten Tag von der Frühmesse ins Elternhaus zurückkam, warteten dort bereits zwei Polizisten auf ihn. Falkowski wurde umgehend in das KZ Dachau transportiert. Erst im Frühjahr 1939 durfte er kahl geschoren und krank wieder nach Hause. Auf die besorgten Fragen seiner Angehörigen, wie es in Dachau gewesen sei, antwortete er nur kurz: „Fragt mich nicht.“ Wer das Glück hatte, aus dem KZ entlassen zu werden, musste nämlich unterschreiben, dass er über die Zustände dort nichts berichten werde. Andernfalls müsste er sofort wieder zurück ins KZ. Die Nationalsozialisten wollten einerseits, dass ihre Grausamkeiten nicht bekannt würden, andererseits aber sollten sie doch vor einem möglichen aktiven Widerstand abschrecken. Bei Kriegsbeginn 1939 wurde Falkowski zum Militär eingezogen. Er kam eine Strafkompanie für besonders gefährliche Einsätze, wo man kaum eine Überlebenschance hatte. Wann und wo er gefallen ist, wurde nicht bekannt. Sicher ist nur, dass er den Krieg nicht überlebt hat. Seine Angehörigen in Mainz sind bei einem Bombenangriff ebenfalls ums Leben gekommen.
Das Schicksal von Adolf Anton Falkowski zeigt, dass die Nationalsozialisten jeden Widerstand schon im Keim erstickten. Daher bleibt sein Heldenmut bewundernswert. Die Nationalsozialisten konnten sein Leben auslöschen, nicht aber seinen Geist.

Eduard Werner

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„Ist einer unter euch krank – dann rufe er die Priester“ (Jak 5,14-15)

Jesu Heilswirken an den Kranken geht tiefer, als ihnen die Gesundheit wieder zu schenken. Durch Seine Zeichen und Machttaten offenbart Er sich als Erlöser und Gott. Jesus will die Menschen von ihrer schwersten Krankheit befreien: der Sünde und Gottverlassenheit. Zudem zeigt uns die Heilige Schrift, dass gerade die Gerechten wie Jesus und die Gottesfürchtigen, wie etwa die Propheten, die Apostel und die Gottesmutter leiden müssen. Sie leiden aus Liebe für die Schuld anderer, die ihnen durch ihre Sünden schwer zusetzen. Im jüdischen Denken waren Sünde und Krankheit eng verbunden. Manche werden krank wegen ihrer Sünden, andere wegen der Sünden ihrer Vorfahren. Niemand werfe hier den ersten Stein, denn wir kennen die genauen Zusammenhänge nicht und sind alle Sünder. Wir alle leiden unter den Folgen der Erbsünde, unserer eigenen Sünden sowie der Sünden anderer Menschen. Wir verbessern hier nichts durch das Anklagen, was wiederum eine Sünde ist, sondern indem wir mit der Gnade und der Hilfe Gottes uns selbst anstrengen und bessern.
Jesus hat uns nicht das Paradies auf Erden versprochen, sondern das ewige Leben beim Vater, das wir durch die Kreuzesnachfolge erlangen. Er lässt uns dabei aber nicht alleine, sondern ist uns als Vorbild vorangegangen. Der Herr begleitet uns durch Seine Gnaden und Sakramente. Jesus sendet die Apostel zu den Menschen. Die Apostel predigen die Umkehr, salben die Kranken mit Öl und heilen sie (Mk 6,12f). Damit ist sicherlich auch im Zusammenhang mit der Predigt von der Umkehr eine innere Heilung intendiert. Die Bischöfe und die Priester stehen in der Nachfolge der Apostel und haben die gleichen Aufgaben. Im Jakobusbrief (5,14f) ist dies deutlich beschrieben: Die Schwerkranken sollen die Presbyter (= Priester) rufen. Diese beten über sie und salben sie mit Öl. Der Herr wird die Kranken retten, aufrichten, sowie die Sünden vergeben. Mit Rettung ist im Neuen Testament neben der Bewahrung vor dem zeitlichen Tod auch die Bewahrung vor dem ewigen Tod gemeint. Aufrichten bedeutet in der schweren Krankheit eine Stärkung durch Gott. Da die von Jesus Christus nach seiner Auferstehung eingesetzte heilige Beichte das Sakrament der Sündenvergebung ist (Joh 20,22f), ist dieses Sakrament vor der Krankensalbung zu spenden, wenn dies dem Kranken möglich ist. Wenn nicht, so ‚muss’ und wird er die heilige Beichte sobald es ihm wieder besser geht, nachholen, um seine Sünden zu bekennen und um die vielen schönen Gnaden, die Gott ihm schenken will, zu empfangen. Weiterlesen

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Paul Josef Kardinal Cordes: „Christus will neue Zuversicht geben“. Predigt beim Abschlussgottesdienst des Kongresses „Freude am Glauben“ 2017

Im Evangelium dieses Sonntags haben wir eben einen bei den Synoptikern wirklich ungewöhnlichen Abschnitt gehört. Der Herr öffnet den Jüngern sein Herz. Die Seinen erfahren Jesu ganz persönliches und kostbarstes Geheimnis. Er lässt sie wissen, wie er in der Tiefe seines Wesens zu seinem Vater steht. Und zwar mit einem Jubelruf. Die Jünger sind sogar einbezogen in dieses Preisgebet; mehr noch: sie sind der Grund für Jesu Freude. Jesu Sprachstil hebt mit größter Feierlichkeit an. Der gewählte Ton fällt heraus aus der nüchtern-sachlichen Art, die sonst die drei ersten Evangelien kennzeichnet. Man hat darum diesen Abschnitt auch eine „johanneische Weise der Jesus-Überlieferung“ genannt. Wir wollen die Sätze noch einmal hören und andächtig in uns aufnehmen: „Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil Du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber geoffenbart hast.“
Was treibt den Herrn zu solchem Enthusiasmus? Er dankt dem Vater, weil die Jünger etwas von Jesu Größe erahnen. Sie nehmen sein Geheimnis wahr. Das heißt doch: Jesus Christus möchte erkannt werden. Und zwar in ganz persönlicher Zuwendung und Anhänglichkeit. Christsein ist demnach nicht zuerst eine Einordnung in die Religionsstatistik, in die Zugehörigkeit zu einer Konfession, in die Mitgliedschaft einer Gemeinde oder der Kirche. Es ist persönliche Verbundenheit mit Jesus Christus, Aufmerksamkeit für ihn, die Vertrautheit mit ihm. Jemand gibt dem Sohn des allmächtigen Gottes Grund zum Jubel, wenn er mit wachem Interesse und liebender Annäherung Christus entgegengeht.
Jesu Wort galt nicht nur vor 2000 Jahren für die, die ihm damals folgten. Er wünscht auch von uns heute solche Sympathie. Wohl ist er zu seinem Vater heimgekehrt, doch mit seiner ganzen Menschheit, mit seinem Empfinden und Fühlen. Sein Geständnis muss uns wie das eines Freundes treffen. Es drängt uns dazu, uns für ihn Zeit zu nehmen, ihm unser Interesse und unsere Neugier zu schenken, uns ihm zuzuwenden in der Art von Liebenden.
Jesu Preisgebet lässt noch anderes Bemerkenswerts erkennen. Der Herr geht davon aus, dass es zu ihm unterschiedliche Zugehörigkeiten gibt. Da ist der Kreis derer, denen der Vater Jesus offenbart hat. Und da sind die andern, die gleichsam draußen stehen. Fraglos möchten wir alle zu den Erwählten zählen. Wer möchte nicht ein Grund sein dafür, dass Christus jubelt und dem Vater dankt: „Vater, ich preise Dich“! Dann aber können wir jetzt nicht umhin, uns nach unserm Ort in Jesu Nachfolge zu fragen: Gehören wir zu denen, die der Herr die „Unmündigen“ nennt? Denn sie sind es ja, die ihn frohlocken lassen: „Vater, Du hast alles den Unmündigen geoffenbart“. Weiterlesen

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