Willi Graf und die Weiße Rose

Zum Kern der Münchner Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ gehörte auch der Medizinstudent Willi Graf. Er ist 1918 in Euskirchen in einer bewusst katholischen Familie geboren und in Saarbrücken aufgewachsen, wo er das Gymnasium besuchte und im katholischen Schülerbund „Neudeutschland“ aktiv war. Als diese Vereinigung 1936 aus politischen Gründen aufgelöst wurde, lehnte er es ab, in die staatliche „Hitler-Jugend“ einzutreten. Nach dem Abitur begann Willi Graf in Bonn sein Medizinstudium. Weil er sich auch dort weigerte in die HJ einzutreten und stattdessen in verbotenen katholischen Jugendgruppen aktiv war, kam er 1938 für drei Wochen in Untersuchungshaft. 1940 wurde er als Sanitäter zum Militär eingezogen. Dort erlebte er die Schrecknisse des Krieges, was seine Abneigung gegen das NS-Regime noch verstärkte. 1942 wurde Graf zur Fortsetzung seines Medizinstudiums nach München abkommandiert. Dort fand er rasch Kontakt zu Menschen, die aus christlicher Weltanschauung heraus das ganze NS-System ablehnten. Neben diesem Kreis um Prof. Kurt Huber, Carl Muth und Theodor Haecker traf Graf an der Universität auch Hans und Sophie Scholl und Alexander Schmorell, der schon seit Jahren mit Christoph Probst befreundet war. Die Studenten waren formal zwar unterschiedlicher Konfession, sie waren jedoch von ihrem Freundeskreis her katholisch geprägt. Daher hatten sie auch den Mut, ihre lebensgefährlichen Gedanken untereinander auszutauschen. Auch Hans Scholl soll noch kurz vor der Hinrichtung vergeblich nach einem katholischen Priester verlangt haben. Die Freunde waren von der Grausamkeit des Krieges und der Verlogenheit der NS-Ideologie so angewidert, dass sie dagegen etwas tun mussten. Sie riskierten für ihre Überzeugung ihr Leben. Das beweist den hohen sittlichen Wert ihres Opfers. Bei ihren höchst vertraulichen Gesprächen reifte der Plan, die Verbrechen der Nationalsozialisten wenigstens einer kleinen Öffentlichkeit bekanntzumachen. Weiterlesen

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Hüte dich davor, dich zur Schau zu stellen! Die Versuchung der Selbstdarstellung

Mit dem 1. März beginnt in diesem Jahr 2017 die Vorbereitungszeit auf das Osterfest, gemeinhin auch „Fastenzeit“ genannt.
So ist gerade in dieser Zeit ein Wort des Herrn aus der Bergpredigt sehr aktuell. Es heißt in Mt 6,16-18: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten.“
Liest man diesen Text im Kontext zu Mt 6,1, wo es heißt: „Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten“, so wird sehr deutlich, dass dem Herrn wohl jede Selbstdarstellung von Menschen zuwider ist, und zwar deswegen, weil Selbstdarstellungen immer wieder vom Wesentlichen abbringen, nämlich der Liebe zu Gott und so zum Grund unseres ganzen christlichen Lebens. So ist es, wenn man das Fasten zur Schau stellt, aber es gibt auch viele andere Versuchungen der Selbstdarstellung, gerade auch bei sehr engagierten Christen. Und wenn die Fastenzeit eine Zeit ist, in der wir uns besonders auf unser christliches Leben besinnen sollten, so bietet sich auch an, sich zu fragen: „Wie weit neige ich zur Selbstdarstellung und was kann ich dagegen tun?“ Weiterlesen

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Die heilige Beichte – das Sakrament der göttlichen Barmherzigkeit

In diesem Beitrag wollen wir uns mit der heiligen Beichte beschäftigen, die uns der unendlich barmherzige Vater durch seinen einzigen Sohn Jesus Christus geschenkt hat: „Nachdem er [Jesus] das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20,22f). Damit wird den Aposteln und ihren Nachfolgern, den Bischöfen und Priestern nicht erlaubt, das Sakrament der Beichte willkürlich zu verwalten, sondern im Rahmen der Gesetze Gottes, der der barmherzige und vollkommene Arzt unserer Seele ist.
Wir dürfen weder unsere Krankheiten noch unsere Sünden auf die leichte Schulter nehmen. Kein Mensch würde sich freiwillig eine leichte Verletzung zufügen – bei den sogenannten lässlichen Sünden, die wir besser Wundsünden nennen, da sie unsere Seele anritzen und unser Verhältnis zu Gott verwunden, sind wir leider weniger vorsichtig. Steuern wir dagegen, indem wir das Gute tun und das Böse meiden. Maßstab dafür ist die Gottes- und Nächstenliebe, das Evangelium, die 10 Gebote und ein guter Beichtspiegel. Bilden wir danach unser Gewissen. Weiterlesen

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Aus aktuellem Anlass hier noch einmal: Schuster bleib bei deinen Leisten!

Einige deutsche Bischöfe äußern sich öffentlich zu politischen Parteien, konkret zur Alternative Deutschlands (AfD). Zählen Stellungnahmen zur Parteipolitik zu den bischöflichen Aufgaben? Was sagt die Kirche im Zweiten Vatikanischen Konzil im Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe: „Bei der Erfüllung ihrer Aufgabe zu lehren, sollen sie den Menschen die Frohbotschaft Christi verkünden; Das hat den Vorrang unter den hauptsächlichen Aufgaben der Bischöfe … „Das Geheimnis Christi sollen sie ihnen unverkürzt vorlegen … (Ziff 12)“
Das Zweite Vatikanische Konzil äußert sich auch zu den Aufgaben der Laien, wenn es sagt: „Die Laien aber müssen den Aufbau der zeitlichen Ordnung als die gerade ihnen zukommende Aufgabe auf sich nehmen… unmittelbar und entschieden handeln… den Hirten obliegt es, die Grundsätze über das Ziel der Schöpfung und über den Gebrauch der Welt klar zu verkünden, sittliche und geistliche Hilfen zu gewähren, damit die zeitliche Ordnung auf Christus ausgerichtet werde“. (Dekret über das Apostolat der Laien, Ziff 7)
Es gibt also eine klare Abgrenzung der Zuständigkeitsbereiche und der jeweiligen Verantwortung für Bischöfe und Laien.
Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt warnt die Kirchenvertreter, die AfD pauschal als nicht wählbar für Christen zu bezeichnen. „Viel besser wäre es, wenn sie Maßstäbe und Kriterien herausarbeiten würden, nach denen Christen Parteien beurteilen können“ (Konradsblatt, 4 2017, S. 4). Und Patzelt an anderer Stelle: „Statt dessen habe ich den Eindruck, dass viele Kirchen den institutionellen bequemen Kurzschluss suchen.“ „Kirchenführer verbündeten sich mit politischen Führern und machten sich zu spirituellen und transzendentalen Handlangern politischer Gestaltungsarbeit“ gibt die Tagespost (14.1.17) Patzelt wieder.
Die Päpste haben die Grundsätze politischen Handelns in ihren Sozialbotschaften (Enzykliken) von Leo XIII. bis Papst Franziskus immer wieder vorgelegt. Die Bischöfe müssten sie nur mit den ihnen gebotenen Möglichkeiten unter die Leute bringen! „Politische Aufgaben sind nicht von der Kirche zu bewältigen, sondern Politik ist für andere Bereiche zuständig als die Religion“ (Patzelt, Tagespost, 14.1.17).
Wenn sich die Bürger von den etab¬lierten Parteien nicht mehr verstanden, in ihren Sorgen nicht mehr ernst genommen und vertreten fühlen, rühren sich Proteste und entstehen neue Parteien, die die Probleme ansprechen. Ob sie diese lösen können, ist eine andere Frage. Die Kirche kann hier nur zur fairen Auseinandersetzung – an beide – appellieren.
Der Vorwurf von Bischöfen, die die für sie geltende „Rote Linie“ überschreiten, könnte schnell zum Bumerang für sie werden, wenn ihnen z.B. vorgehalten wird, dass sie ihren primären Aufgaben nicht nachkommen und sich selber populistisch verhalten. Die Gescholtenen könnten zurückfragen, wann diese Bischöfe sich das letzte Mal klar zur Genderideologie und Frühsexualisierung der Kinder in staatlichen Schulen, zur Massenabtreibung, zur beschlossenen aktiven Sterbehilfe, zum Religionsunterricht, zur Präimplantationsdiagnostik etc. geäußert haben. Anders ausgedrückt, ob sie sich nicht selber auf dem Mainstreamzug bequem eingerichtet haben?

Hubert Gindert

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So viele Wege zu Gott wie es Menschen gibt. Welcher ist Deiner?

Wir sind immer neu fasziniert, wenn wir erfahren, wie Menschen aus den Jedermann-Gewohnheiten ausbrechen, wenn z.B. aus einem unbekannten Schüler ein großer Wissenschaftler, aus einem gewöhnlichen Kicker ein Fußballstar oder aus einem Durchschnittschristen ein Heiliger wird.
Was ist ihr Geheimnis und welche besonderen Wege, die diese Verwandlung erklären, gehen diese Menschen? Etwa außerordentliche Lehrer, Trainer oder geistliche Begleiter? Woher nehmen diese Betreuer, neben ihren Erfahrungen und Fachkenntnissen ihre Autorität, die ihnen das Herz der ihnen Anvertrauten öffnet? Das Gefühl – ich bin nicht Prestigeobjekt meines Lehrers, der mich fördert – er mag mich, erklärt viel.
Wenn wir unsere Überlegung auf den Weg zu Gott hin lenken, tauchen ähnliche Probleme auf. Auf die Frage, wie viele Wege es zu Gott hin gibt, antwortete Papst Benedikt XVI. einmal: So viele wie es Menschen gibt. Das sind auch Wege einer Umkehr zu Gott hin. Das Leben heilig Gewordener zeigt das. Die Wege könnten kaum unterschiedlicher sein:
Augustinus zog als Lehrer der Rhetorik nach Mailand, nicht um den Bischof Ambrosius, sondern um den faszinierenden Redner Ambrosius zu hören und von ihm zu lernen und er wurde nicht nur von der Form, sondern auch vom Inhalt seiner Predigt überwältigt.
Theresa von Avila hatte sich schon 18 Jahre in ihrem Kloster bequem eingerichtet, als sie 40jährig in der Betrachtung der Leiden Christi die Liebe Gottes zu den Menschen begriff und ihr großes Reformwerk begann.
Edith Stein griff auf ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens in der Bibliothek eines befreundeten Ehepaares nach einem Buch der heiligen Theresa von Avila und sie verstand das Wort von Theresa: Dios solo basta – Gott allein genügt!
Theresa von Kalkutta gab, bewegt durch den Anblick des Elends auf der Straße, ihr Leben als Lehrerin eines renommierten Erziehungsinstituts auf und widmete sich fortan den Armen. In all den Fällen war es ein individueller Ruf, der von dem ausging, der schon auf Erden sprach wie einer, der Macht hat, und nicht wie die Pharisäer und Schriftgelehrten. Natürlich gab es in der Kirchengeschichte auch „Massenbekehrungen“, z.B. an Pfingsten nach der Rede des Petrus, durch die besondere Einwirkung des Heiligen Geistes. Aber allen „Umgekehrten“, die aus der religiösen Alltäglichkeit herausgetreten sind, ist gemeinsam, dass sie sich Gott ganz geöffnet haben. Schließlich gibt es nicht wenige, die in der Karwoche die Matthäuspassion hören, begeisternde Reden über Gott hören, das Elend unserer Zeit im Fernsehen beobachten und danach so von ihren Sesseln aufstehen, wie sie sich hingesetzt hatten. Hatten die „Unberührten“ etwa Pech? Wohl kaum. Wenn alle Menschen zum ewigen Leben bei Gott berufen sind, dann gibt es auch für jeden einen Weg zu Gott hin. Hatten sie also eine Chance? Wenn Gott gerecht ist, dann bekommt jeder eine. Die Fastenzeit ist eine solche. Wir müssen nur offen für unsere Chance sein.

Hubert Gindert

Bild: kathpedia

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Zur Diktatur der Genderideologie Der hessische Lehrplan für Sexualerziehung fordert den Protest heraus

Eine Übersicht von Hubert Hecker:
1. Frühsexualisierung und Überforderung der Kinder
Schon den Kindern der Grundschule soll ein ‚Sexualverhalten’ eingeredet werden, das sie in der Latenzzeit nicht haben. Erst recht ist es eine Überforderung, ihnen das Thema ‚gleichgeschlechtliche Partnerschaften’ aufzudrängen.
Die 10- bis 12-jährigen brauchen Zuwendung und klare Grenzziehungen. In der pubertären Orientierungsphase ist die geforderte Beschäftigung mit Bi-, Homo- und Transsexualität ebenso verwirrend wie hinderlich für die kindliche Entwicklung.
2. Fehlende Werteerziehung
Dem Konzept der hessischen Sexualerziehung liegt ein reduktionistisches Menschenbild zugrunde. Der Lehrplan beschränkt die Themenbehandlung auf Instrumente psycho-sozialer Bewältigung der sexuellen Impulse. Die Geschlechter-Erziehung sollte aber Orientierung leisten und Perspektiven aufzeigen:
• Von Liebe und Treue ist nicht die Rede, obwohl diese Lebensziele laut Shell-Jugendstudie bei der Mehrzahl der Jugendlichen einen höchsten Stellenwert haben.
• Die Perspektive auf Ehe und Familie hin soll kein Thema der Geschlechter-Erziehung sein, obwohl das Hessische Schulgesetz genau das vorschreibt.
• Es gehört zur menschlichen Würde und Fähigkeit, neues Leben zu geben und wachsen zu lassen. Aber eine perspektivische Orientierung auf Mutterschaft und Vaterschaft ist nicht vorgesehen. Schlimmer noch: Der Lehrplan redet vorwiegend negativ über ‚Kinder kriegen‘ – pointiert Verhütung und Abtreibung
3. Unterschlagung der Bedeutung von Ehe und Familie
Bei den 30 ‚verbindlichen Themen und Inhalte‘ des Lehrplans für alle vier Altersgruppen soll nicht ein einziges Mal die Familie der Mehrheitsgesellschaft (Vater, Mutter, Kind/er) behandelt werden. Die vom Grundgesetz Art. 6 privilegierte und geschützte Werteinstitution ‚Ehe und Familie‘ soll in der Schule unter den Tisch fallen. Die Lehrer sollen das Verfassungsgebot des Landes Hessen missachten. Dort bezeichnet der Artikel 4 ‚Ehe und Familie als Grundlage des Gemeinschaftslebens‘. Schließlich verstößt der Lehrplan gegen das hessische Schulgesetz. Nach Paragraf 7 soll Sexualerziehung ausdrücklich die ‚grundlegende Bedeutung von Ehe und Familie vermitteln’. Damit ist ein politischer Skandal gegeben: Der Lehrplan verlangt von den Lehrern gesetzwidriges Verhalten. Weiterlesen

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche – Papst Pius V. 1566 – 1572

Historische Krisen werden bewältigt, wenn beherzte Persönlichkeiten dem Schicksal in die Speichen greifen und Gefahren abwenden. Das hat auch Papst Pius V. getan.
Als er 1504 in Norditalien geboren wurde, war die Kirche durch Verweltlichung und die sich bereits abzeichnenden Spaltungen von innen her bedroht. Und Europa war überdies durch die Angriffe der Türken von außen bedroht. Das zeigten schon die Eroberung Konstantinopels 1453 und die türkischen Massaker im süditalienischen Otranto 1480. Als die Türken 1571 eine riesige Kriegs-flotte ausrüsteten, drohte Europa die endgültige Niederlage und die unaufhaltbare Islamisierung. Papst Pius V. suchte eine Koalition christlicher Staaten zusammenzubringen, die bereit waren Europa zu verteidigen. Bei den langen und mühseligen Verhandlungen mit den europäischen Mächten ließ er sich durch keine Enttäuschung entmutigen. Den glorreichen Sieg, den der päpstliche Heerführer Don Juan de Austria am 7. Oktober 1571 schließlich erzielte, schrieb Papst Pius V. der Hilfe der Gottesmutter zu. Folglich führte er das Fest „Unserer Lieben Frau vom Siege“ ein, das heute noch weltweit am 7. Oktober als Rosenkranzfest gefeiert wird. Weiterlesen

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Die Kirche sollte ihre Helden hoch halten!

Am 19. November 2016 hat Papst Franziskus 17 neue Kardinäle ernannt. Diese Kardinäle spiegeln, noch mehr als schon bisher, den Charakter der katholischen Weltkirche wider. Auch ein Brennpunkt des „Dritten Weltkrieges“, nämlich Syrien, bekam einen Kardinal.
Es war schon bisher so, dass bei Kardinalsernennungen neben Bischöfen, auch verdiente Männer die Kardinalswürde bekamen. Dieses Mal wurde ein einfacher Priester, der 88 jährige albanische Pfarrer Ernest Simoni zum Kardinal ernannt. Ihm war Papst Franziskus bei seinem Albanien-Besuch am 21. September 2014 begegnet.
Ernest Simoni ist ein Opfer der kommunistischen Unterdrückung, der die Verfolgung überlebt hat. Er ist ein leuchtendes Vorbild und ein wahrer Held, auf den die Katholiken der Weltkirche stolz sein können! Warum? Glaubenszeugen wie Simoni stellen so existentielle Fragen wie, woher nimmt ein Mensch die Kraft, brutale Unterdrückung, die Verweigerung aller Menschenrechte und selbst Folter zu ertragen ohne einzuknicken – jahrzehntelang? Wir bewundern zurecht die Bezwinger des Nangaparbat. Eine solche Expedition kann Wochen dauern. Wir bewundern die Ironmänner- u. frauen, die in 6-8 Stunden Wettkämpfe absolvieren, die 4 km Schwimmen, die Marathonstrecke von 42 km und noch 200 km Radfahren den Teilnehmern abfordern. Ernest Simoni hat von 1948 bis 1990 die brutale Unterdrückung des ersten atheistischen Staates der Welt ertragen, den der kommunistische Diktator von Albanien Enver Hodscha ausgerufen hat. Übrigens ein Hinweis dafür, was die Menschen in einem gottlosen Staat erwartet. Doch darüber reden die Gutmenschen von heute nicht.
Ernest Simoni wurde am 18. Oktober 1928 in Troshani/Albanien geboren. Mit zehn Jahren trat er in ein Franziskanerkolleg ein und nahm seine Studien auf. Er wollte Priester werden. 1948 wurde das Franziskanerkloster von den Kommunisten geplündert. Die Franziskaner wurden erschossen. Die Novizen wurden vertrieben. Das Kloster wurde in ein Folterzentrum für Gefangene umgewandelt. Simoni wurde vom Regime in ein verlassenes Nest in den Bergen geschickt. Er sollte dort Schulunterricht geben. Er nutzte aber die Möglichkeit, um die Menschen dort religiös zu unterrichten. Nach seiner Militärzeit (1953-1955) schloss er im Untergrund seine theologischen Studien ab und wurde zum Priester geweiht. Am Weihnachtstag 1963 verhafteten ihn die Kommunisten. Sie verurteilten ihn zum Tod, wandelten aber die Strafe in 25jährige Zwangsarbeit um. In der Kerkerhaft wurde Simoni zum geistlichen Vater und zum Bezugspunkt der Mitgefangenen. Am 27. Mai 1973 verurteilten ihn die Kommunisten als „Anstifter einer Revolte“ erneut zum Tode. Wegen des Eintretens seiner Mitgefangenen für ihn wurde aber das Urteil nicht vollstreckt. Kerkeraufenthalt und Zwangsarbeit dauerten insgesamt 18 Jahre. 12 Jahre davon musste er im Bergbau arbeiten. Nach der Haftentlassung 1981 galt er als erklärter „Feind des Volkes“. Er musste in der Kanalisation von Skutari bis zum Untergang des kommunistischen Regimes arbeiten. Nach der Befreiung forderte er nicht die Bestrafung der Unterdrücker, sondern setzte sich in ganz Albanien für die Aussöhnung seiner Landsleute ein.

Hubert Gindert

Bild: Centro Televisivo Vaticano Creative Commons

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Das Wort Gottes in der Verkündigung

Jesus, der ewige und einzig geborene Sohn Gottes, ist Gott und eins mit dem Vater (Joh 1,1ff; 10,30). Er ist das ewige Wort Gottes, das Mensch wurde, um uns zu erlösen. Jesus verkündet uns die Botschaft vom Reich Gottes, vom Barmherzigen Vater und der Vergebung der Sünden: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Mt 24,35). In jeder heiligen Messe wird das Wort Gottes verkündet, besonders in den Lesungen, dem Evangelium und der Predigt. Die aus dem Alten Testament entnommenen Psalmen stammen zum großen Teil von König David und seinem Sohn Salomon. Sie wurden im jüdischen Gottesdienst verwendet und von Jesus gebetet, auf den sie hinweisen. Die Psalmen werden in der heiligen Messe gesungen oder gesprochen – vor allem in den Zwischengesängen, dem Eingangsvers und dem Schlussvers. Auf ihnen basiert zum großen Teil der Gregorianische Choral, der sowohl im klassischen als auch im neuen lateinischen Ritus gesungen werden soll. Die deutschen Lieder lehnen sich teilweise an die Psalmen an.
Die ganze heilige Messe besteht aus dem Wort Gottes: Die Wandlungsworte in allen kirchlichen Messriten entsprechen sinngemäß den Worten Jesu beim Letzten Abendmahl: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“ (Lk 22,19). „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird“ (Lk 22,20). Weitere biblische Überlieferungen der Wandlungsworte finden wir bei Mt 26,26-28; Mk 14,22-24; 1 Kor 11,23-25. Insgesamt verbindet sich in den heiligen Riten die ältere mündliche Überlieferung (heilige Tradition) mit ihrer schriftlichen Fixierung in der Heiligen Schrift und den Büchern für den Gottesdienst. So werden bis auf den heutigen Tag die Worte Jesu weitergetragen bis Er wiederkommt in Herrlichkeit. Seine Worte sind selbstverständlich auch gegenwärtig im himmlischen Gottesdienst, an dem wir durch unsere Anwesenheit an der heiligen Messe auch teilnehmen dürfen.
Wenden wir uns nun den einzelnen Riten zu. Wir konzentrieren uns dabei auf die Gemeinsamkeiten im klassischen und im neuen lateinischen Ritus, erwähnen aber auch ab und zu die Unterschiede. Weiterlesen

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Fatima 1917 – 2017 mehr als ein Jubiläumsjahr?

Bei dem Wort „Fatima“ denkt ein Katholik heutzutage an einen Ort in Portugal, an dem 1917 vom 13. Mai bis 13. Oktober die Gottesmutter den Kindern Lucia, Jacinta und Francesco erschienen ist. Das hundertjährige Jubiläum dieser Erscheinungen, das wir in diesem Jahr begehen, lenkt unseren Blick auf die Berichte und Dokumentationen über diese Erscheinungen. Die authentischen Erinnerungen der Schwester Lucia wurden veröffentlicht unter dem Titel „Schwester Lucia spricht über Fatima“. Es gilt das Wort von Cardinal Cerejeiva, Patriarch von Lissabon: „Nicht die Kirche hat Fatima in der Welt durchgesetzt, sondern es ist Fatima selbst, das sich der Welt eingeprägt hat.“
Aber ebenso kann man den Mut des portugiesischen Volkes erkennen, das auch bei unfreundlicher Witterung und trotz des Verbots von religiösen Veranstaltungen im Freien aufgrund des Gesetzes über die Trennung von Staat und Kirche zu Hunderttausenden an den Erscheinungstagen im Jahr 1917 an den Wallfahrten teilnahm und so das staatliche Verbot wirkungslos machte.
Der Historiker und Publizist Michael Hesemann sagt:
„Doch nicht nur als Jubiläumsjahr war 1917 ein Schlüsseljahr. Es erwies sich auch welthistorisch als Wendejahr, und zwar in dreierlei Hinsicht: Der Kriegseintritt der USA am 6. April 1917 ließ den 1914 ausgebrochenen Konflikt tatsächlich zum ersten Weltkrieg werden. Als Jahr der kommunistischen Oktoberrevolution entschied es das Schicksal Europas für die nächsten 72 Jahre, als Schlüsseljahr für die Neuordnung des Nahen Ostens reichen seine Auswirkungen bis weit über die Gegenwart hinaus: Am 2. November 1917 hatte Großbritannien mit der Balfour-Deklaration die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina beschlossen, am 9. Dezember 1917 fiel Jerusalem an die Briten – es wurde kampflos durch den deutschen General von Falkenhayn übergeben, der ein Blutvergießen an den heiligen Stätten ausdrücklich vermeiden wollte.“
Die Frage heute ist, ob auch 2017 zu einem Wendejahr werden wird? In Portugal haben sich durch die Erscheinungen viele Menschen bekehrt und sich wieder Gott zugewandt. Von Schwester Lucia wird aus dem Jahr 1940 das Wort überliefert: „Deutschland wird noch in den Schafstall des Herrn zurückkehren; … und die Herzen Jesu und Maria werden dann mit Glanz herrschen.“ (Kirche heute 1/2017)
2017 stehen in Europa entscheidende politische Weichenstellungan an, z.B. Wahlen in Frankreich, Deutschland, evtl. auch in Italien und Spanien möglicherweise mit weitreichenden Entscheidungen gegenüber einer islamischen Überfremdung. Da sind auch die Christen herausgefordert. Man braucht keine künstliche Verbindung mit Fatima zu konstruieren. Sie ist gegeben. „Der Inhalt der Botschaft“ von Fatima, so Johannes Stöhr, „war in keiner Weise ein schönes Bild von Wohlstand und Wellness, sondern die Ansage eines geistlichen Kampfes“1. Kardinal Angelo Sodano erinnerte 2000 daran mit den Worten: „Die Vision von Fatima betrifft besonders den Kampf der atheistischen Systeme gegen die Kirche und die Christen1 …“ Die Christen sind auch im Jahr 2017 zum geistlichen Kampf aufgefordert, wie das Schwester Lucia in einem Interview mit Kardinal Vidal zum Ausdruck bringt: „Jesus hat gesagt, dass das Reich Gottes eine Armee im Kampfe ist, und die Kämpfer sind es, die gewinnen“1.
Die Erscheinungen von 1917 in Fatima sind kein punktuelles auf Portugal abgestelltes Ereignis. Michael Hesemann wird sie in den nächsten Felsausgaben in den historischen und weltweiten Zusammenhang stellen.

1Johannes Stöhr: „ Wir müssen kämpfen“ Kirche heute 12/2016,S. 26/27.

Eduard Werner

Bild des Sonnenwunders: Archiv

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