Warum sind die Christen in der Öffentlichkeit nicht präsent?

Den Platz der Weltchristen zeigt uns die „dogmatische Konstitution“ des Zweiten Vatikanischen Konzils deutlich auf: „Den Laien ist der Weltcharakter in besonderer Weise eigen“ (Dogmat. Konstitution, 4. Kap, Ziff 31) … „Die Laien sind besonders dazu berufen, die Kirche an jenen Stellen und in den Verhältnissen anwesend und wirksam zu machen, wo die Kirche nur durch sie Salz der Erde werden kann …“ (Ziff 33)
Der Jugendkatechismus (Youcat) spricht in seinem zweiten Kapitel „Die menschliche Gemeinschaft“ (Ziff 321 ff) über den Beitrag der Laien für die Gesellschaft: „Ein Christ kann niemals ein reiner Individualist sein, denn der Mensch ist von Natur aus auf Gemeinschaft hin angelegt … Der Einzelne kann sich frei in der Gesellschaft entfalten, wenn das Subsidiaritätsprinzip beachtet wird.“ Subsidiarität besagt „was der Einzelne für sich aus eigenen Kräften leisten kann, darf ihm nicht durch eine übergeordnete Instanz abgenommen werden“. Der katholischen Soziallehre geht es darum, den „Masterplan“ Gottes für die Menschen darzulegen.Warum ist das heute so wichtig? Jeder kennt das zunehmende Lamento: Christliches sprechen und Symbole (Kreuze) werden aus Politik, Vereinen, Schulen, öffentlichen Verwaltungen herausgedrängt.
Warum ist das so? Die Antwort ist einfach: Weil es immer weniger Christen gibt, die ihre Überzeugungen in der Öffentlichkeit präsent setzen. Das hat neben fehlender Zivilcourage auch mit Unwissenheit zu tun. Hinzu kommt der sich ausbreitende Individualismus, christlich gesprochen, eine schwindende Nächstenliebe. Das erinnert an die Vorhersage Christi … „und, weil die Gottlosigkeit zum Vollmaß steigt, wird die Liebe der meisten erkalten“ (Mt 24,12).
Warum war das früher anders? Ich nenne zwei Gründe: Der höhere religiöse Grundwasserspiegel war auch verbunden mit der Nächstenliebe. Junge Menschen wurden in kirchlichen Gemeinschaften wie Kolping, Katholisches Landvolk, KAB vorbereitet und motiviert, Verantwortung für die Gemeinschaft in Vereinen oder in der Kommunalpolitik zu übernehmen. Es ging dabei um dauerhafte Bindung und nicht nur um Mitarbeit für ein zeitlich begrenztes Projekt. Weiterlesen

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„An den eigentlichen Problemen vorbei“

Der Brief der zehn Generalvikare von Trier, Berlin, Essen, Hamburg, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Münster, Osnabrück und Speyer vom 21.10.2019 an Erzbischof Kardinal Marx und an den ZdK-Präsidenten Prof. Dr. Sternberg, soll die Synodalen bestärken, den von der Bischofskonferenz am 25. September 2019 beschlossenen Fahrplan ohne Wenn und Aber weiterzugehen.
Die Generalvikare sehen ihr Schreiben „Als Ermutigung für den eingeschlagenen Synodalen Weg“. Sie „unterstützen ausdrücklich die Haltung unserer Bischöfe, die sich… für den Synodalen Weg ausgesprochen haben… wir begrüßen und unterstützen… den Synodalen Weg, seine Themen und seine Zielsetzungen mit Nachdruck“.
Die Generalvikare sind überzeugt, „dass uns Gottes Wille zu deutlichen Schritten der Veränderung ermutigt“. Sie appellieren an alle Mitwirkenden und Beteiligten des Synodalen Weges… an alle verantwortlichen und engagierten Gläubigen, diesen Geist (Gottes) nicht voreilig einzugrenzen“. Woher nehmen die Generalvikare die Sicherheit, dass Gottes Geist auf Seiten derer ist, die „neue Wege“ für unsere Kirche gehen wollen. Stehen die Forderungen für diesen neuen Weg im Einklang mit dem Wort und Beispiel Jesu und mit der Lehre der Kirche? Rudolf Voderholzer hat dem am 25. September beschlossenen Synodalen Weg attestiert, „dass die wahren Probleme nicht angegangen werden“. Das ZdK fordert beispielsweise
Frauen den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu gewähren.
Den Pflichtzölibat abzuschaffen.
In der kirchlichen Sexualmoral die vielfältigen Lebensformen und Lebenswirklichkeiten positiv anzuerkennen.
Entscheidungskompetenz für alle Getauften auf allen Ebenen der Kirche zu verwirklichen.
Die Generalvikare appellieren, denen, die „neue Wege“ gehen wollen, eine „lautere Motivation und einen ehrlichen Glauben zu unterstellen“ und auf „Unterstellung – oder gar dem Vorwurf mangelnder ‚Rechtgläubigkeit‘ zu verzichten“. Hier wird versucht, einen Schutzschirm aufzubauen, wenn bei „deutlichen Schritten der Veränderung“ Glaubensinhalte auf dem Spiel stehen. Diese können nicht wegdialogisiert werden, sondern erfordern geistige Auseinandersetzung, Beurteilung und Abgrenzung. Es geht um die Wahrheit! Relativismus verbietet sich, auch, wenn er im Gewand von „Pluralität“ und „Diversität“ und als „offene Vielfalt“ daherkommt. Weiterlesen

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Viele Probleme in Kirche und Gesellschaft sind Ausdruck der gottfernen westlichen Gesellschaft.

Die deutschen Bischöfe haben am 25. September das Statut des „Synodalen Prozesses“ beschlossen. 12 Bischöfe stimmten dagegen. Einer enthielt sich der Stimme.
Erzbischof Woelki und Bischof Voderholzer hatten dem „Ständigen Rat“ der Diözesanbischöfe einen „Alternativentwurf“ vorgelegt, dessen Ziel die Ausrichtung auf Neuevangelisierung, katechetische Berufung der Laien, oder, um es mit den Worten von Papst Franziskus zu sagen, der „Primat der Evangelisierung“ war. In seinem Brief – „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ – hatte der Papst das deutlich zum Ausdruck gebracht. Die Diözesanbischöfe lehnten jedoch den „Alternativentwurf“ am 19. August mit der deutlichen Mehrheit von 21 Stimmen, bei drei Enthaltungen und drei Jastimmen, ab. Eine klare Mehrheit war nicht bereit, die Brücke zu betreten, die zu einem weiterführenden und konstruktiven Dialog hätte führen können.
Wie Bischof Voderholzer in seiner „Persönlichen Erklärung“ nach der Abstimmung in der DBK darlegt, geht die inhaltliche Ausrichtung der vier Foren „an der Realität der Glaubenskrise in unserem Land“ vorbei. Es werden die „wahren Probleme nicht angegangen“. Es gebe „kein Forum Evangelisierung“. Beim Thema „Laien“ geht es „von vornherein nur um Partizipation, statt um eine Theologie einer in Taufe und Firmung gründenden Sendung in alle weltlichen Lebensbereiche hinein“ (Weltcharakter der Laien). Der Verdacht einer „Instrumentalisierung des Missbrauchs“ sei nicht “ausgeräumt“.
Was ist zu tun?
Bischof Voderholzer begründet seine Ablehnung des Beschlusses der DBK vom 25. September wesentlich damit, dass er bei seiner Bischofsweihe „feierlich“ versprochen habe, den „katholischen Glauben unverkürzt zu vertreten und zu bezeugen“. Das haben auch wir Laien in der Firmung versprochen. Von dieser Weltverantwortung können wir uns nicht dispensieren.
Derzeit sind wir mit Massendemos konfrontiert, die apokalyptische Züge annehmen. Es besteht die Gefahr, die Gesellschaft zu spalten. Diktatorische Forderungen werden gestellt, um die „Klimaziele“ zu erreichen. Dabei besteht ein weitgehender Konsens darüber, dass es „sehr wohl überfällig (ist), Verschwendung natürlicher Ressourcen zu stoppen, den Raubbau an der Natur zu bremsen und Alternativen zu fossilen Treibstoffen zu entwickeln. Weil es vernünftig ist“ (Dieter Stein, JF, 27.9.19).
Die weltweite Massenmobilisierung mit totalitären gesellschaftsverändernden Forderungen ist nicht mit den „Wutreden“ der Greta Thunberg erklärbar und den dahinterstehenden nicht ganz durchsichtigen Netzwerken. Die Hysterie ist auch Ausdruck der gottfernen westlichen Gesellschaft. Sie steht vor einer Herausforderung und droht das Vertrauen in die menschlichen Fähigkeiten zu wirksamen Reformen zu verlieren. Wir Christen bleiben bei allen notwendigen Reformen auf das verpflichtet, woran uns Benedikt XVI. immer erinnert: Dem Glauben und der Vernunft (fides et ratio). Das sind die Kraftquellen, die aus Krisen herausführen.

Hubert Gindert

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Zeit der Bewährung. An die Mitglieder und Freunde des „Forums Deutscher Katholiken“

Natürlich beschäftigen kirchenverbundene Katholiken die zwei Megathemen: „Amazonassynode“ und der „Synodale Prozess“, weil es hier, wie Kardinal Brandmüller anmerkt, „ums Ganze geht“.
Die deutschen Bischöfe haben am 25. September mit großer Mehrheit den Fahrplan für den „Synodalen Prozess“ beschlossen. Bischof Voderholzer attestiert ihm, die „wahren Probleme nicht angegangen“ zu haben. Die Bischöfe erwarten sich von der „Amazonassynode“ Rückenwind für ihre „Reformvorhaben“. Es ist die Versuchung, um mit dem russischen Religionsphilosophen Nikolai A. Berdjajew zu sprechen, aus Liebe zum Menschen, Gott zu verdrängen. Wir kennen die Beschlüsse der Amazonassynode. Was daraus wird, werden wir im nachapostolischen Schreiben von Papst Franziskus erfahren.
Das Wort von Papst Franziskus an „das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ den „Primat der Evangelisierung für den synodalen Prozess zurückzugewinnen“ wurde nicht aufgegriffen, weil man es nicht verstehen wollte.
Die Medien geben in der Kommentierung der „Amazonassynode“ schon mal die Richtung für den deutschen „Synodalen Prozess“ vor. So schreibt die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ) vom 26.10. unter der Überschrift „Der Papst will die Kirche wieder zum Menschen bringen“, im „Versuch der Bedeutungslosigkeit zu entkommen“ und „wieder einen Draht zur Gegenwart zu bekommen, ist die ‚Amazonassynode‘ ein wegweisendes Ereignis“.
In dieser heillosen Verwirrung erinnerte Erzbischof Gänswein in Frankfurt am 17.10., dass Kirchenkrisen „kein historisch präzidenzloses Phänomen“ seien. Die Kirchengeschichte berichtet nicht nur von Großereignissen, wie das abendländische Schisma, die „Reformation“ und Aufklärung. Selbst in der römischen Verfolgungszeit der ersten Jahrhunderte gab es Irrlehren und Glaubensspaltung.
Der Unterschied zu früheren Kirchenkrisen besteht darin, dass Irrlehren heute in Sekundenschnelle rund um den Erdball und bis ins letzte Dorf gelangen und Verwirrung stiften. Allerdings könnten Katholiken darauf ebenso schnell reagieren! Weiterlesen

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Traumquoten für Fulton Sheen

Habe ich damals eine seiner Predigten im Radio gehört, habe ich sie gelesen? Viel Zeit ist seitdem vergangen, aber die Begeisterung für den großartigen Redner blieb lange erhalten. Dann kamen er und seine Texte nicht mehr vor. Ein Schauspieler gleichen Namens weckte noch die Erinnerung an den begnadeten Prediger.
Doch nun ist sie wieder lebendig geworden, denn die sterblichen Überreste des 1979 in New York verstorbenen Erzbischofs sind exhumiert und in seine Heimatdiözese Peoria übertragen worden. Es ist so etwas wie eine Auferstehung für den Himmel, denn nun endlich kann der Medienbischof auch offiziell selig gesprochen werden. Die Heilung des leblos geborenen James Fulton Engstorm wurde als Wunder anerkannt. Sein Herz hatte 61 Minuten nicht geschlagen, das EEG zeigte schwere Hirnschäden, die Beine waren gelähmt, er musste beatmet werden. Die Eltern rufen den Namenspatron ihres Kindes um Hilfe an und es wird zu einem gesunden, fröhlichen Jungen.
In der Kathedrale von Peoria hat Peter John Sheen, der am 8. Mai 1895 in El Paso geboren wurde, als Kind oft in der Heiligen Messe gedient. Seine Eltern hatten mit ihm und den drei jüngeren Brüdern ihre Farm verlassen und waren in die Hauptstadt von Illinois gezogen, damit die Kinder eine gute Schulbildung erhalten könnten. Peters Mutter hatte ihren Ältesten der Madonna geweiht und er erneuert diese Weihe am Tag seiner Erstkommunion.
Der Junge muss seine Mutter sehr geliebt haben, denn er macht ihren Mädchennamen Fulton zu seinem eigenen. Mit 24 Jahren wird er am 20. September 1919 – vor genau 100 Jahren – zum Priester geweiht. Damals beschließt er, jeden Tag eine Stunde bei Gott vor dem Allerheiligsten zu sein. Sechzig Jahre später stirbt er am 9. Dezember vor dem Allerheiligsten – so wie er es erbeten hatte. Kurz zuvor war er – alt und gebeugt – in der New Yorker St. Patricks-Kathedrale vor Johannes Paul II. auf die Knie gefallen. Der zieht ihn hoch, umarmt ihn und sagt: Sie haben gut von unserem Herrn Jesus Christus geschrieben und gesprochen. Sie sind ein treuer Sohn der Kirche.“ Weiterlesen

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Joseph Roth und sein Bekenntnis zur Kirche

Joseph Roth war ein katholischer Volksschullehrer. Er stammte aus einer katholischen Familie in Köln. Drei seiner Brüder waren Priester und eine Schwester von ihm war Ordensfrau. Mit seiner Frau Katharina und seinen drei Kindern lebte Joseph Roth in Friesdorf bei Bonn. Neben seiner Familie und seiner Berufstätigkeit fand er auch noch Zeit für die Politik. Er hatte Funktionen in der katholischen Partei „Das Zentrum“. Er war Mitglied im Kreistag Bonn-Land und auch Mitglied im Kreis-Ausschuss. Für den Katholiken Joseph Roth war von Anfang an klar, dass der „neuheidnische Nationalsozialismus“ mit christlichen Wertvorstellungen nicht vereinbar ist. Überdies hatten die Bischöfe schon 1932 in kirchlichen Rundschreiben bereits verboten, die Nationalsozialisten zu wählen. Diese Überzeugung vertrat Joseph Roth in der Öffentlichkeit. Der monatliche Empfang des Beichtsakramentes und der Kommunion waren damals wie in vielen katholischen Familien auch in der Familie Roth selbstverständlich. Als jedoch die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernommen hatten, rächten sie sich an ihren weltanschaulichen Gegnern. Auch Joseph Roth wurde gezwungen, vorübergehend aus dem Schuldienst auszuscheiden. Nur mit Unterstützung seiner Schwiegereltern und durch Artikelschreiben in den wenigen noch nicht verbotenen Zeitungen konnte er seine Familie ernähren. Seine Texte durften nur unter einem Pseudonym erscheinen. Von den Nationalsozialisten in seinem Wohnort Friesdorf wurde die Familie Roth heftig angefeindet. Eines Nachts wurden sogar ihre Fenster eingeschlagen und beide Eltern durch Steinwürfe verletzt. Da tat Roth etwas Außerordentliches: Um seiner Familie etwas Ruhe zu verschaffen, stellte er einen Aufnahme-Antrag in die ¬NSDAP. Solche Schutzversuche hatten in manchen Fällen zwar Erfolg, aber bei einem so bekannten Katholiken wie Joseph Roth lehnte die NSDAP den Aufnahme-Antrag sofort ab. Die Familie musste weiter leiden. Erträglicher wurde das Leben für die Familie Roth erst, als am 1. September 1939 der Krieg ausbrach. Das Militär brauchte Joseph Roth als Soldaten. Nach einer kurzen Verwendung als Soldat kam er wieder nach Hause, weil er noch an einer Verwundung vom Ersten Weltkrieg her litt. Auch als Lehrer wurde er nun wieder eingestellt. Das ging gut bis zum Stauffenberg-Attentat am 20. Juli 1944. Nun wurden viele politisch verdächtige Personen verhaftet. Am 22.08.1944 traf es auch Joseph Roth. Morgens um 4:00 Uhr wurde er von der Gestapo vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder aus dem Bett geholt und in Handschellen abgeführt. Der Sohn Wilhelm wurde einige Tage später vom Gymnasium weg gewiesen. Nach einem Gefängnisaufenthalt in Köln kam Roth ins KZ Buchenwald. Dort wurden an ihm medizinische Versuche durchgeführt. Todkrank wurde er dann nach Hause entlassen. Am 22. Januar 1945 starb er. Nun verlangten Parteidienststellen, dass der Tod als Folge von Bombenangriffen dargestellt werde. Sie verweigerten auch die Bereitstellung eines Leichenwagens. Treue Freunde schafften den Sarg in aller Frühe auf Schlitten auf den Friedhof und nahmen die Bestattung in aller Stille vor. Was mussten damals auch Katholiken unter Hitlers Terrorsystem nicht alles erleiden! Wer selbst nie in einer Diktatur gelebt hat, kann den Mut der Bekenner und den Hass ihrer Gegner kaum gerecht beurteilen.

Eduard Werner

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Zeit der Entscheidung!

Wo lebt die Kirche auf? Dort, wo das Christentum authentisch gelebt wird, am stärksten, wo die Christen verfolgt werden: In China, in afrikanischen Ländern, im Iran. Wo stirbt die Kirche? In den wohlstandsgesättigten Ländern des Westens, z.B. in Deutschland, wo die Menschen aufhören, nach dem Sinn des Lebens zu fragen.
Im Juli wurden die Kirchenaustrittszahlen 2018 veröffentlicht: 216.000 Katholiken haben der Kirche den Rücken gekehrt. Die Reaktion von Bischöfen war nicht der Aufruf: Zurück zu Gott, zum Wort Jesu und zur Lehre der Kirche. Nein! Die kraftlose Antwort war: „Besorgniserregend“.
Die Frage ist nicht, mit welchen Tricks kann man Katholiken bei der Stange halten, sondern man muss sie mit der Glaubensentscheidung konfrontieren. Als die Anhänger Jesu in Scharen wegliefen, fragte der Herr die Jünger: „Wollt auch ihr gehen?“ (Joh 6,68). Darauf Petrus: „Wohin sollen wir gehen? Nur du hast Worte des ewigen Lebens!“ Die Jünger wussten, was sie aufgeben würden, wenn sie sich auch davonmachten. Wer sich entscheidet, muss wissen, wozu er steht oder was er aufgibt. Weil das nicht mehr vorausgesetzt werden kann, sind Katechese und alle Formen der Glaubensunterweisung das Gebot der Stunde!
Die Kirche stolpert weiter auf dem Weg zum „synodalen Prozess“ mit den bekannten Forderungen, welche die Protestanten schon, in Anpassung an die Welt, durchgesetzt haben. Das ist das wirklich „Besorgniserregende“.
Eigentlich sind die Austrittszahlen nicht überraschend. Denn 91% der Katholiken geht die sonntägliche Eucharistiefeier mit dem Wort Gottes nicht ab. Wenn diesen Menschen bewusst wird, dass sie die Kirchensteuer sparen können oder ein Anlass (sexuelle Missbrauchsfälle), den letzten Schritt „rechtfertigt“, wird das dünne Band zur Kirche gekappt.
Kardinal Robert Sarah hat einem seiner Bücher den Titel gegeben „Gott oder nichts“. Denn die von den Menschen geschaffenen Götter sind „Nichtse“, z.B. Ruhm, Macht, Sex und alles, was mit dem Mammon gekauft werden kann. Auf der Strecke bleiben die Seelen.
Aber selbst eine geschwächte Kirche ist noch ein Ärgernis. Denn diese „Institution“ bezeichnet noch immer Abtreibung als „verabscheuungswürdig“, praktizierte Homosexualität „als Sünde“ und die Genderideologie als „teuflisch“. Daher muss auf dem „synodalen Prozess“ jetzt alles, was aneckt, auf den Prüfstand: Der Zölibat, die Sexualmoral, das fehlende Frauenpriestertum etc.. Da die deutsche Ortskirche dafür nicht zuständig ist, weil diese Fragen nur gesamtkirchlich geregelt werden können bzw. schon entschieden sind, schauen die „Reformer“ wie die Wächter auf das Morgenrot hin zur Amazonassynode, die im Oktober in Rom beginnt. Denn sie könnte der „gesamten Kirche eine radikale Kehrtwende verordnen“ (Guido Horst), „nach der nichts mehr so sein wird, wie es war“ (Bischof Overbeck).
In unserer Zeit wird das Wort Jesu wahr: „Viele falsche Propheten werden auftreten und viele verführen“ (Mt 24,11-12). Katholiken, die am Wort Gottes und an der Lehre der Kirche festhalten wollen, sind aufgefordert, die „ecclesia militans – die kämpfende Kirche“ – wach zu rufen. Überwinden wir die lähmende Decke von Frust, Angst und Bequemlichkeit und zeigen wir, was der Glaube für uns bedeutet: Die Hoffnung auf das ewige Leben bei Gott!

Hubert Gindert

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Gott will mit uns leben in allen Dingen.

Liebe Freunde und Leser,
hier ist eines meiner Lieblingszitate der großen heiligen Kirchenlehrerin Teresa von Avila: „Denke daran, dass Gott zwischen den Töpfen und Pfannen da ist und dass er dir in inneren und äußeren Aufgaben zur Seite steht.“
Es ist wirklich wahr: Gott ist auch zwischen den Töpfen und Pfannen. Vor vielen Jahren habe ich die ganze Heilige Schrift vom ersten Satz in Genesis eins bis zum letzten Satz der Offenbarung des Apostels Johannes sorgfältig durchgelesen. Jeder Christ sollte das wenigstens einmal in seinem Leben tun. Ich habe dafür ein Jahr gebraucht und dabei den roten Faden entdeckt, der sich durch die ganze Bibel zieht und alles miteinander verbindet. Es ist wie das Konzil in der dogmatischen Konstitution Dei Verbum sagt: der Heilige Geist, der uns in die Wahrheit führt. Beim kontinuierlichen Lesen der Bibel lernt man auch, dass die Bibel die Bibel erklärt. Ein Beispiel: In Levitikus 19 lesen wir: „Seid heilig; denn ich der Herr, bin heilig“. Was für ein Anspruch Gottes! Wie kann ich armer Sünder mit meiner unsäglichen Schwäche das erfüllen? Wenn man weiter liest, gibt ein Kapitel weiter Gott selbst die Antwort: „Ich bin der Herr, der euch heiligt.“ Ich muss es also gar nicht selbst machen, ich muss nur Gott an mir handeln lassen und mich nicht sperren und auf Jesu Gebet lauschen und vertrauen: „Ich heilige mich für sie.“ Weiterlesen

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Gedanken von Bischof Erwin Kräutler zur Amazonassynode

Der emeritierte Bischof Erwin Kräutler von Xingu/Brasilien schrieb im Osservatore Romano (Nr. 28, 12. Juli 2019, spanische Ausgabe) unter dem Titel „Amazonien: eine Herausforderung für die Kirche und die Menschheit“ einen Artikel. Im ersten Teil geht er auf die Bedeutung des Amazonasbeckens für die dort lebende indigene Bevölkerung ein, beschreibt deren wirtschaftliche und soziale Situation, ihre Ausbeutung und Einengung ihres Lebensraums sowie die Gefahren für das Weltklima, die von der Abholzung und Nutzung des Bodens durch gigantische Agrarunternehmen ausgehen.
Den zweiten Teil seiner Ausführungen widmet Kräutler der Synode, die im Oktober in Rom beginnt. In seinen Überlegungen geht er vom Bischofstreffen vom Mai 1972 in Santerrem aus. Kräutler sagt: „Wir fragen uns heute, was aus der Kirche in Amazonien geworden wäre ohne das Engagement der Laien, besonders der Frauen. In der Prälatur von Xingu wurden mindestens zwei Drittel der Gemeinden von Frauen geleitet. Ich bin sicher, in anderen Diözesen ist es nicht anders.“ Kräutler spricht dann über die Möglichkeiten von Eucharistiefeiern in Amazonien: „Nur 70% der Gemeinden haben die Möglichkeit drei- bis viermal im Jahr die heilige Messe zu feiern … Die Eucharistie wird zum Ausnahmefall.“ Kräutler nahm an der Vorbereitung des Arbeitspapiers zur Oktobersynode teil. Dort wurde gefragt: Wie kann die Rolle der Laien auf den verschiedenen pastoralen Feldern (Katechese, Liturgie, soziale Fragen) anerkannt und wertgeschätzt werden. Die abgefragten Beiträge aus den Gemeinden seien die Grundlage für die Ausarbeitung des Arbeitspapiers für die Oktobersynode geworden. „Die Synode findet im Vatikan statt, um so zum Ausdruck zu bringen, dass die behandelten Themen nicht nur eine Angelegenheit für die Amazonasländer, sondern für die ganze Welt sind.“ Papst Franziskus hat am 8. März 2018 die Synode mit dem Titel bezeichnet: „Amazonien: Neue Wege für die Kirche und für eine umfassende (integrale) Ökologie“.
Kräutler fasst am Ende seines Artikels die für ihn wichtigsten Themen noch einmal zusammen. Das sind u.a.:
• Die Wertschätzung der Laieninnen für den Dienst (Ministerio) ihrer Gemeinschaften.
• Die Rolle der Frau als Evangelisierende, nicht nur in der Familie, sondern auch in den Gemeinden und als tatkräftige Verteidigerin der Menschenrechte, mit Zugang zum Diakonat.
• Die Suche nach Alternativen, um den fehlenden Eucharistiefeiern zu begegnen, vielleicht dadurch, dass neben dem traditionellen Modell des Priesters andere Formen dazukommen – nicht nur für Männer.
• Die Stärke der kirchlichen Basisgemeinden als erstem und grundlegendem Kern der Diözesen.
• Die Inkulturation der Sakramente in das Leben der indigenen Bevölkerung und die Hereinnahme kultureller autochtoner Ausdrucksformen in die Liturgie.
• Die Bewusstmachung und Sensibilisierung der gesamten brasilianischen Gesellschaft für die Verteidigung von Amazonien gegen Unternehmen, welche die Umwelt schädigen.
Die Amazonassynode könnte der „gesamten Kirche eine radikale Kehrtwende verordnen“ (Guido Horst, Tagespost, 18.7.2019), „nach der nichts mehr so sein wird, wie es war“ (Bischof Overbeck, Münster).
Kardinal Müller hat die Verfasser des Arbeitspapiers der Bischofssynode mit der 2014 gegründeten „Rete Ecclesiale Panamazzonica (REPAM), in dem sich Anhänger der bisher unbekannten ‚Theologia India‘ zusammengeschlossen haben“, geortet. „Es ist eine geschlossene Gesellschaft von absolut Gleichgesinnten, wie sich auch leicht aus den Namenslisten der Vorbereitungstreffen in Washington und Rom erkennen lässt“ (Gerhard Ludwig Müller, Tagespost 18. Juli 2019). Kardinal Müller nimmt zum „Offenbarungsverständnis“ des Arbeitspapiers für die Amazonien-Synode Stellung und deckt die gravierenden theologischen Defizite auf (Tagespost 18.07.2019, S. 9/10).

Hubert Gindert

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Entsteht eine neue Welt: Das irdische Paradies per Umweltschutz?

Ein Protest geht um die ganze Welt“, titelte die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ, 21.09.19). „Vor einem Jahr begann die Schwedin Greta Thunberg ihren Schulstreik für das Klima. Inzwischen schließen sich ihr Millionen, nicht nur junge Menschen auf allen Erdteilen an. Die Fridays for Future Demos waren vielerorts die größten seit Jahren“. Tatsächlich gehen die Menschen weltweit auf die Straße. Dem Netzwerk, das hinter der Massenmobilisierung steht, gelang es in mehr als 100 Ländern vor dem Klima-Gipfel in New York „Klima-Streik-Aktionen“ durchzuführen, und das nicht nur in großen Metropolen, wie Berlin mit 270.000 Teilnehmern, sondern auch in kleinen Städten wie Landsberg am Lech mit rund 2.500 Demonstranten.
Selbst an der „Basis“ werden politisch-radikale Forderungen gestellt: „Wir müssen handeln, Systeme wandeln“ riefen hunderte von Menschen im Chor. Weitere Parolen waren „Kapitalismus tötet“. Im Frage-Antwort-Chor, der per Megaphon gesteuert wird, wurde in Landsberg, wie weltweit, „Klimagerechtigkeit“ gefordert. Aufgeheizte Demonstranten äußerten „wenn sich was bewegen soll, muss die Politik mit Verboten nachhelfen“, denn es sei „blauäugig“, sich auf die „Mündigkeit“ der Menschen zu verlassen. Wir müssen neue Wege des „glücklichen Lebens“ finden (Landsberger Tagblatt, 21.9.19). Bekommen wir neben Links- und Rechtsradikalität zusätzlich dem Ökoradikalismus hinzu? Es scheint so.
Revolutionäre haben schon immer mit Angst und Panik operiert. So heißt es im Bericht über die Landsberger Demo „viele Menschen drücken ihre Angst vor der Zukunft aus“. Wer Bilder großstädtischer Demos betrachtet, findet auf Transparenten, Schildern und Plakaten Angstparolen. Manche sind von Berlin bis Rio wortgleich. Es kommt aber auch Wut hinzu, wie beim Auftritt von Greta Thunberg auf dem Klimagipfel in New York. Dazu bemerkte Bundesminister Gerd Müller zurecht: „Nur Wutreden halten, wie Greta Thunberg vor den Vereinten Nationen, wird uns nicht weiterhelfen“ (AZ, 25.9.19). Roderich Kiesewetter, MdB, CDU sagt „wer da rational argumentieren will, ist von vornherein diskreditiert. Das ist die neue Qualität mangelnden Willens zur Sachlichkeit“ (AZ, 25.9.19). Selbst jene, wie der Politikwissenschaftler Alexander Straßner von der Uni Regensburg, die ein gewisses Verständnis für die Ungeduld von Demonstranten aufbringen, warnt vor einer Radikalisierung der Gruppierung: „Es ist ein gefährlicher Punkt erreicht… Es gibt Massenproteste, die Maßnahmen der Bundesrepublik werden als nicht ausreichend angesehen, da ist der Schritt zur Gewalt nur noch ein kleiner“. Die Fokussierung der Aktivisten auf die Wissenschaft sei ehrenwert, führe aber zur Errichtung einer Technokratie. „Wieso braucht es überhaupt noch zivile Eliten, wenn die Wissenschaft alles weiß?… In einer Demokratie geht es um Mehrheiten die erlangt werden müssen“. Weiterlesen

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