Resolutionen des Forums Deutscher Katholiken beim Kongress „Freude am Glauben“ 2019

  1. Gefährdung der Rechtsstaatlichkeit und unserer Freiheit

„Nach langjähriger Erhaltung des Friedens in unserem Land, wofür wir dankbar sind“, mahnte das „Forum Deutscher Katholiken“ auf seinem Kongress in Ingolstadt an, dass es höchste Zeit wird, nach Verlusten der Rechtsstaatlichkeit und unserer persönlichen Freiheit zu fragen. Die zentralen Defizite in Bezug auf diese beiden Säulen in einer Demokratie wurden u. a. an folgenden Punkten verdeutlicht und kritisiert:

• Das Thema „Ehe und Familie“ wurde in einem Schnellverfahren von nur ca. 1/10 der Abgeordneten im Deutschen Bundestag ohne Diskussion mit den Bürgern in eine Verantwortungsgemeinschaft umgedeutet. Die über viele Jahrhunderte in zahlreichen Ländern der Welt anerkannte Kulturtradition, sie als Gemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau (und Kindern) zu verstehen, spielte ebenso keine Rolle mehr wie der Art. 6 unseres Grundgesetzes, der Ehe und Familie, verstanden im herkömmlichen Sinne, „unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ stellt.

• Schon aus dem Buch „1984“ von Orwell konnte man lernen, wie eine Gedankenpolizei mit Gesinnungs- und Sprachdiktaten auftritt. Das wird heute mit der Keule der „political correctness“ erreicht. Jeder, der davon abweicht, was die Regierung vorgibt, wird diffamiert oder sanktioniert.

• Das grundgesetzlich verbriefte Wort „Deutsches Volk“ wird von Regierungsvertretern in „Bevölkerung“ umgewandelt.

• Die Ideologie von „Gender Mainstreaming“ wird zum „Leitprinzip und zur Querschnittsaufgabe der Politik“ der Bundesregierung erklärt, ohne das Parlament zu beteiligen, was auch bei anderen wichtigen Fragen in der Vergangenheit der Fall war.

• Die „sexuelle Vielfalt“, in der das Prinzip von Verantwortung in Lust umgewandelt wird, erklären Landesregierungen zum Pflichtprogramm.

• Beim Lebensschutz wird die Freiheit der Frau über das Lebensrecht eines ungeborenen, unschuldigen Kindes gesetzt. Das Werbeverbot für Abtreibungen wird de facto aufgehoben, auch wenn es als „gelungener Kompromiss“ politisch verkauft wird.

• Der zwangsfinanzierte Staatsfunk und zahlreiche Pressevertreter kommentieren so, als ob sie zum bezahlten Hofstaat der Regierung gehörten und

• in der Flüchtlingskrise hat unsere Regierung wissentlich und willentlich die eigene nationale Souveränität aufgegeben und den Begriff „Rechtssicherheit“ durch „Willkommenskultur“ ersetzt.

Wer das alles kritisiert, wird als „rechts“ diffamiert. Und wenn inzwischen sogar gläubige Christen als „Fundamentalisten“, „Rechtsradikale“ oder „Faschisten“ beschimpft werden, dann zeigt dies, wie weit diese Stigmatisierungen ohne Begründung schon in die Mitte des Bürgertums hineingezogen worden sind.

Es wird höchste Zeit, so stellten die Teilnehmer des Kongresses einmütig fest, „dass wir uns gegen diesen Verlust an Rechtsstaatlichkeit und Freiheit, vor allem Meinungsfreiheit, in unserem Land mutig und öffentlich zur Wehr setzen.“

2. Das Evangelium wieder zum Leuchten bringen

Die Situation der deutschen Ortskirche ist durch Verwirrung, Frustration und Spaltung charakterisiert. Kardinal Gerhard Ludwig Müller spricht von einer „kirchengeschichtlich einmaligen Krise“.

Papst Benedikt XVI. em. geht den Ursachen dieser Entwicklung nach. In seinem Brief über „Die Kirche und der Skandal des sexuellen Missbrauchs“ stellt er fest, dass „in den 60er Jahren ein ungeheuerlicher Vorgang geschehen ist, wie es ihn in dieser Größenordnung in der Geschichte wohl kaum gegeben hat, in der die bisher geltenden Maßstäbe in Fragen Sexualität vollkommen weggebrochen sind und eine Normlosigkeit entstanden ist …“

Wir sehen einen Neuanfang im Glauben nur, wenn die Übel beim Namen genannt werden und die Fehlentwicklungen, die Gott aus dem Mittelpunkt des Denkens und Handelns gerückt und den Menschen an seine Stelle gesetzt haben (anthropologische Wende), korrigiert werden. Gott und die Verantwortung vor Ihm müssen wieder im Mittelpunkt stehen. Wir fordern eine „theozentrische Wende“. Denn ohne Gott gibt es keine Zukunft!

Den Ursachen, die zur heutigen Situation geführt haben, will die Mehrheit der deutschen Bischöfe nicht nachgehen. Stattdessen werden die Weichen zu einem „synodalen Weg“ gestellt, welcher die bekannten Fragen (Zölibat, Frauenpriestertum, Sexualmoral, Homosexualität) thematisiert. Diese sind universalkirchlicher Natur. Sie verzögern nur Schritte der Erneuerung im Glauben. Einen deutschen Sonderweg, der von der Universalkirche wegführt, lehnen wir strikt ab!

Die wahren Reformer in der Kirche haben die Forderungen des Evangeliums und den Glauben der Kirche immer wieder zum Leuchten gebracht. Sie sind unsere Vorbilder. Einen Weg, der aus der Krise herausführt, hat Bischof Rudolf Voderholzer in Erinnerung gebracht: „Erneuerung der Kirche ist nicht von einer Anpassung an Zeitgeist diktierte Vorstellung oder durch Verbilligung der biblischen Botschaft zu erwarten. Die Geschichte zeigt, dass wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums … aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung, sowie aus einer radikalen Christusnachfolge erwachsen sind.“

Wir stimmen diesem Weg der Erneuerung ausdrücklich zu, und bitten alle Katholiken ihn mitzugehen.

Prof. Dr. Werner Münch

Forum Deutscher Katholiken e.V.
Eichendorffstr. 17
86912 Kaufering

Vertreten durch
Prof. Dr. Hubert Gindert, Vorsitzender und Sprecher
Dr. Martin Hafner, Stellvertretender Vorsitzender

Kontakt
Telefon: 08191-966744
Telefax: 08191-966743
E-Mail: gindert@forum-deutscher-katholiken.de

Eintragung im Vereinsregister:
Registergericht: Amtsgericht Landsberg/Lech
Registernummer: 733

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Hilflos vor den Erfolgen der Grünen

„Die Deutschen werden immer Grüner“ ist ein Artikel in der Augsburger Allgemeinen Zeitung (AZ, 29./30.5.19) überschrieben. Weiter heißt es: „Die Wahlerfolge der Grünen stehen auf einem soliden gesellschaftlichen Fundament. Denn den Deutschen wird Klima- und Umweltschutz immer wichtiger… die Bewahrung der Natur und der Kampf gegen die Erderwärmung ist für die Deutschen die derzeit drittwichtigste Aufgabe… nur 14% meinen, dass die große Koalition genug tut“.
Das Wahlergebnis zum EU-Parlament hat bei SPD u. Union Panik ausgelöst mit hektischen Überlegungen, wie von der „Ökopartei“ wieder Stimmen zurückgewonnen werden können. Die AZ schreibt 3.6.19 „Statt sich auf ihre Stärken zu besinnen, laufen die Christdemokraten dem Mainstream hinterher und vergessen dabei: Wer den Klimaschutz für so existenziell hält, dass er allein davon seine Wahlentscheidung abhängig macht, wählt im Zweifel das grüne Original und nicht die konservative Kopie“.
Eine nüchterne Analyse, was bisher bereits für Klima- und Umweltschutz getan wurde und mit welchem Erfolg, fehlt. Fragen, welche Probleme von Menschen verursacht sind und wieder in Ordnung gebracht werden müssen und was andere Ursachen hat, gehen in der Hektik unter. Dazu gehören auch Probleme, die nur länderübergreifend zu lösen sind
Berechtigte Feststellungen, wie die von Holger Steltzner: „Die Rettung des Weltklimas hat für große Teile der deutschen Gesellschaft mittlerweile den Rang einer Ersatzreligion. Darf man noch fragen, welchen Beitrag die extreme Subventionierung von erneuerbarer Energie für das Klima der Erde geleistet hat, angesichts der Tatsache, dass der Ausstoß von Kohlendioxid in Deutschland kaum gesunken ist? Oder ist ein Ketzer, wer fragt, ob die eine Billion Euro, mit der hierzulande Steuerzahler und Stromverbraucher Wind-, Solar-, Biogasanlagen und Netze fördern müssen, klug investiert wird?“ führen nicht zum Nachdenken, sondern dazu, dass Frager aus der Redaktion geschasst werden. Steltzner wurde am 18. März bei der FAZ als Mitherausgeber entlassen. Weiterlesen

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Diese Gesellschaft wirft das über Bord, was ihr einmal Festigkeit und Kraft gegeben hat.

Die neuen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin machen Vorgänge, die die menschliche Würde mit Füßen treten, möglich.
„Bundesjustizministerin Katharina Barley (SPD) will lesbische Paare bei der Geburt eines Kindes heterosexuellen Paaren gleichstellen“. Gemeint sind damit Ehepaare von Mann und Frau. „Die Partnerin der Frau, die ein Kind zur Welt bringt, soll als Mit-Mutter mit allen Rechten und Pflichten anerkannt werden. Dabei sollen dieselben Voraussetzungen gelten wie für die Vaterschaft: Mit-Mutter soll danach die Frau werden, die mit der Mutter verheiratet ist, die Mit-Mutterschaft anerkennt oder gerichtlich als Mit-Mutter festgestellt wird. Bislang ist dafür eine Adoption nötig“.
Die Neuregelung ist Teil eines Entwurfs, den das Ministerium am Mittwoch (13.3.) in Berlin veröffentlichte. Das Papier soll als Grundlage der Beratungen innerhalb der Regierung, mit den Fraktionen, Ländern und Verbänden dienen.
Für Schwule gilt weiterhin, dass die Frau, die das Kind zur Welt bringt, Mutter ist und einer der beiden Partner Vater werden kann, indem er z.B. die Vaterschaft anerkennt. Sein Partner kann nach bereits geltenden Regeln durch Adoption ebenfalls Vater werden, falls die Mutter das Kind dafür frei gibt“. Barley präsentiert „Vorschläge für eine seit Jahren geplante umfassende Reform des Abstammungsrechts. Das Abstammungsrecht ist mit Blick auf die Möglichkeiten der modernen Reproduktionsmedizin und die in der Gesellschaft gelebten Familienformen teilweise nicht mehr zeitgemäß“ so die Ministerin.
Wie Manfred Spieker in seinem Nachruf auf Robert Spaemann schreibt (Vatikan-Magazin 1/2019, S.21): „Am Anfang der modernen bioethischen Probleme steht die In-Vitro-Fertilisation. Sie ist die Voraussetzung der embryonalen Stammzellforschung, der Präimplantationsdiagnostik und der Gentherapie… die Abkoppelung der Weitergabe des Lebens vom Zeugungsakt eröffne ‚ein grauenerregendes Feld, das durch Stichworte wie Handel mit Embryonen, Experimente mit Embryonen, Leihmutter usw. gekennzeichnet ist‘, schrieb Spaemann schon 1987.
Alle, denen die Wahrung der Menschenwürde noch ein Anliegen ist, sind aufgerufen, mit allen legalen Mitteln den Weg in die Wertefreiheit zu stoppen.

Hubert Gindert

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Die Genderideologie macht sich in der Kirche breit

Am 1. April 2019 hat Frau Dr. Aurica Jax die Leitung der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) übernommen. Die Arbeitsstellen beraten die DBK in Sachfragen und tragen so zur Meinungsbildung und Entscheidungsfindung bei. Welche Voraussetzungen bringt die neue Leiterin für die o.a. Arbeitsstelle mit?
Frau Jax hat in der Vergangenheit in der „»Genderforschung und Zoologischen Theologie« gearbeitet. Ihr derzeitiges Forschungsprojekt trägt den Namen … »Leib Christi – gendersensible Rekonstruktion einer theologischen Metapher«. Diese Arbeit ist das Nachfolgeprojekt der Forschungsaufgabe »Leib Christi – gendertheoretische Dekonstruktion eines zentralen theologischen Begriffs«“. Frau Jax war bis zur Einstellung des Magazins Mitherausgeberin der feministischen Zeitschrift „Schlangenbrut“. (kath.net. 4.3.19)
Nach der Weltfrauenkonferenz von 1995 in Peking wurden unverbindliche Beschlüsse zu Gender-Mainstreaming gefasst. Die Rot-Grüne Bundesregierung führte sie – ohne Parlamentsdebatte – 1999 als „Querschnittsaufgabe“ ein. Inzwischen wird das Land von rund 200 Genderlehrstühlen indoktriniert, mit Richtlinien dieser Ideologie überschwemmt. Papst Franziskus hat sie als „dämonisch“ bezeichnet. Denn sie versucht den Menschen ihre Geschlechtsidentität zu nehmen und sie einer feministischen Kultur zu unterwerfen. Die DBK versucht mit dieser Besetzung einer Leitungsstelle für Frauenseelsorge offensichtlich nun mit dem Staat gleichzuziehen. Zumeist geschieht dies unter der Flagge „Gleichberechtigung für Frauen“. Für wie naiv halten die für die Besetzung dieser Arbeitsstelle Verantwortlichen die Katholiken?
Wer nachlesen will, wie „dämonisch“ die Genderideologie ist, dem sei das Werk „Die globale sexuelle Revolution – Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit“ von Gabriele Kuby (Fe-Medienverlag) empfohlen.

Hubert Gindert

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Das Kreuz und die Mutter darunter wieder in den Mittelpunkt rücken.

Wie wir aus der Apostelgeschichte erfahren, verharrten die Jünger „einhellig im Gebet mit Maria, der Mutter Jesu“ (Apg 1,14). Maria stand im Zentrum der Jerusalemer Urkirche. Es ist nicht überliefert, dass sie bei wichtigen Entscheidungen das Wort ergriff. Das wird aber auch nicht von Johannes berichtet, der sie nach dem Wort des Herrn auf Golgota … „Sohn, siehe deine Mutter“ von da an zu sich nahm (Joh 19,27).
Maria hatte schon am Anfang eine überragende Bedeutung in der Kirche, weil sie mit ihrer Zustimmung „siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38) am Beginn unserer Erlösung steht und ihrem Auftrag in vollkommener Weise nachkam. Immer wenn die Kirche durch menschliches Versagen in eine tiefe Krise geriet oder von außen bedroht wurde, kam sie ihr zu Hilfe. Das geschah in den Auseinandersetzungen mit den Häresien der ersten Jahrhunderte, in Zeiten des Niedergangs im Mittelalter und in der Reformationszeit. Das wird auch in der heutigen Krise wegen der sexuellen Missbrauchsfälle der Fall sein, wenn die Botschaften von La Salette, Lourdes, Fatima … aufgegriffen werden.
Alle Reformer in der Kirche, nicht die selbsternannten von außen, waren zugleich große Marienverehrer. Die Kirchengeschichte kennt sie in großer Zahl, bis in die jüngste Zeit hinein z.B. mit Papst Johannes Paul II. Sein Wahlspruch „Totus Tuus – ganz dein“ zeigt diese Haltung deutlich. Die Eigenschaften der Gottesmutter, die als Fürbitterin bei Gott angerufen wird – sie klingen auf in der Lauretanischen Litanei, bringen das Vertrauen der Gläubigen zum Ausdruck.
Der Jesuit Erich Przywara, ein Beobachter des Geschehens in der Kirche, konstatierte als Ursache der beginnenden Krise nach dem Vatikanischen Konzil, die Katholiken hätten „das Kreuz und die darunter steht“ aus dem Mittelpunkt der Betrachtung gerückt. Das war zweifellos der Fall. Dadurch ist aber nicht Jesus Christus stärker in das Zentrum gekommen, sondern nur die Götter der Diesseitsgesellschaft in den verschiedenen Formen des Egoismus. Wo das Kreuz verschwindet, verschwindet auch der Rosenkranz.
Was ist zu tun? Wer sich auf einem falschen Weg fortbewegt, hat, wenn er eine Änderung will, nur eine Wahl: Umkehren! Maria steht ihm dabei zur Seite. Wir erleben heute, wo ein Neuaufbruch im Glauben tatsächlich geschieht, sei es in neuen Gemeinschaften oder auch in Orden mit großer Vergangenheit, z.B. bei den Zisterziensern von Heiligenkreuz bei Wien, steht die Erneuerung immer unter einer wiederbelebten und vitalen Marienverehrung. Dort finden wir Hoffnung und Zukunft für die Kirche, aber auch für die zivile Gesellschaft.

Hubert Gindert

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Wenn Blinde das Geschehen erklären

„Verteidiger einer untergehenden Kirche?“ lautet die Überschrift eines Artikels von Alois Knoller (Augsburger Allgemeine Zeitung 16.5.2019). Knoller benutzt die Premiere des gleichnamigen Films von Christoph Röhl, um Kardinal Ratzinger als den Verteidiger des Glaubens „einer untergehenden Kirche“ zu zeichnen, in einer Welt, die sich „grundlegend gewandelt“ (hat) und in der „auch die katholische Kirche von den modernen Zeiten nicht unberührt blieb“.
Die Analyse von Röhl/Knoller ist falsch. Wer die prophetische Klarsicht des Theologen Joseph Ratzinger kennenlernen will, bräuchte nur nachzulesen, was er 1958 (!) über den Zustand der Kirche geschrieben hat: „Die Statistik täuscht. Das dem Namen nach christliche Europa ist seit langem zur Geburtsstätte eines neuen Heidentums geworden, das im Herzen der Kirche selbst unaufhaltsam wächst und sie von innen heraus auszuhöhlen droht. Kirche von Heiden, die sich noch Christen nennen, aber in Wahrheit zu Heiden wurden. Das Heidentum sitzt heute in der Kirche selbst.“ Das heißt, dass die Betroffenen „sich nicht mehr einfach den Glauben zueignen, sondern eine sehr subjektive Auswahl aus dem Bekenntnis der Kirche zu ihrer eigenen Weltanschauung machen…, so dass ein großer Teil von ihnen vom christlichen Standpunkt her nicht mehr eigentlich gläubig genannt werden darf, sondern einer mehr oder weniger aufklärerischer Grundhaltung folgt, die zwar die moralische Verantwortlichkeit des Menschen bejaht, sie aber nach rein rationalen Erwägungen begründet und begrenzt.“ („Die neuen Heiden in der Kirche“, Hochland I/59)
Knoller hängt seine Bewertung von Kardinal Ratzinger, vor allem an den sexuellen Missbrauchsfällen in der Kirche auf. Er charakterisiert Kardinal Ratzinger als einen, „der aus tiefster Überzeugung nicht fassen konnte, dass von geweihten Amtsträgern in der Kirche schrecklichste Verbrechen verübt wurden.“ Knoller zieht dafür als Beleg das Doppelleben des Gründers der Legionäre Christi Marcial Maciel heran und unterstellt: „Warum hatte Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation Untersuchungen darüber hartnäckig unterdrückt?“. Alois Knoller hätte leicht erfahren können, dass es gerade Kardinal Ratzinger war, der mit Nulltoleranz dagegen vorgegangen ist, als er davon – und auch bei weiteren Fällen – Kenntnis hatte. Weiterlesen

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Die Bischöfe sind als Hirten der Gläubigen um ihr Zeugnis gefordert!

Der Artikel „Mixa als Wahlkampfhelfer der AfD?“ (Augsburger Allgemeine Zeitung 14.05.2019) provoziert die Fragen: Können Bischöfe zu politischen Parteien Stellung beziehen?“ weiter, wie versuchen Medien das Grundrecht der Meinungsfreiheit außer Kraft zu setzen, wenn ihr Interpretationsmonopol der gesellschaftlichen Vorgänge gefährdet ist?.
Als Staatsbürger haben Kleriker alle Grundrechte, wie beispielsweise die Meinungsfreiheit, die allen zukommen.
In der Weimarer Zeit haben katholische Bischöfe gegen die Ideologien der Nationalsozialisten, der Sozialisten und Kommunisten Position bezogen. Die Namen von Bischöfen, wie von Galen, von Preysing, Faulhaber und Sproll stehen dafür. Pater Rupert Mayer SJ ging unerschrocken in Wahlveranstaltungen von Nationalsozialisten und Kommunisten und hielt ihren Parolen das katholische Menschen- und Gesellschaftsbild entgegen.
Auch in den Jahren, als um die politische Neuordnung der Bundesrepublik gerungen wurde, haben sich die katholischen Bischöfe, immer wieder, bis hin zu deutlichen Wahlempfehlungen, zu Wort gemeldet. Das änderte sich mit dem „Godesberger Programm“ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) von 1959. Dieses Programm enthielt eine Absage an den Marxismus und öffnete der SPD die Tür zur Volkspartei. Eine wichtige Station war eine Tagung der katholischen Akademie in München, auf der Herbert Wehner sprach.
Mit „Godesberg“ änderte sich die Haltung der Bischöfe zu den politischen Parteien. Die Bischöfe praktizierten nun zunehmend eine Politik der „Äquidistanz“.
„Äquidistanz“ meint den gleichen Abstand zu den politischen Parteien. Die bisherigen konkreten Wahlempfehlungen wurden zu allgemeinen Aufrufen, an Wahlen teilzunehmen.
Die Frage des Verhaltens der Bischöfe zu gesellschaftlichen Vorgängen, stellte sich aber mit der Kulturrevolution von 1968 neu. Die 68er haben das geistige Klima und den Stil der Auseinandersetzungen grundlegend verändert. Denn diese Kulturrevolution betraf das Verständnis von Ehe und Familie, die Rolle der Frau und die Sexualmoral. Weiterlesen

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Ratlos vor der Entscheidung? Christen sollten wissen, wer ihre Position am besten vertritt.

Die Wähler zur Europawahl sind wie nie zuvor unentschieden. In Bayern sagen beispielsweise nach einer Umfrage (AZ, 10.5.19) nur 24% der Befragten, dass sie zur Wahl gehen und wissen, welche Partei sie wählen werden. Die traditionelle Stammwählerschaft schrumpft überall. Die Wahlplakate bringen Allerweltsprobleme. Sie sind für die Wahlentscheidung nicht hilfreich. Die Unsicherheit hat auch damit zu tun, dass man den europäischen Institutionen und den Europapolitikern nicht mehr zutraut, die aktuellen Krisen und die ungelösten existentiellen Zukunftsprobleme zu lösen.
Mittlerweile erkennen die Menschen, dass sie von Fehlentwicklungen der Vergangenheit eingeholt werden. So spüren die Kranken, Behinderten und alten Menschen, die Betreuung brauchen, dass Pflegekräfte überall fehlen. Hier machen sich die demographische Entwicklung und die Überalterung der Bevölkerung besonders bemerkbar. Kein Wunder: Seit 1976 sind nach offiziellen Zahlen mindestens 5,5 Mio. ungeborener Kinder abgetrieben worden. Nach anderen Quellen sind es über 10 Mio.. Weiterlesen

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Erfahrungen mit Medien

Am 9.5.2019 hat das „Forum Deutscher Katholiken“ eine Erklärung gegen den Aufruf des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) zum Boykott der Gottesdienste durch Frauen vom 11. bis 18. Mai veröffentlicht.
Das „Forum“ wandte sich dagegen, die sexuellen Missbrauchsfälle für die Durchsetzung des Frauenpriestertums zu instrumentalisieren. Daraufhin wurde das „Forum Deutscher Katholiken“ vom Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) am 10.5. um ein Interview gebeten. Obwohl dem ZDF deutlich gemacht wurde, dass unsere Position gegen den Boykottaufruf der KDFB ausreichend dargestellt sei, drang das ZDF (Frau Andrea Budke) eindringlich darauf, dass sich das „Forum Deutscher Katholiken“ in vier Fragen näher erklären würde, um die Gegenposition bringen zu können. Das Interview fand am 10.5. statt. Es wurden folgende vier Fragen gestellt und beantwortet:
• Wie sehen sie die Aktion Maria 2.0?
• Welche Strategie der Frauen vermuten Sie dahinter?
• Welche Argumente halten sie dem Streben der Frauen nach geweihten Ämtern entgegen?
• Was schlagen Sie alternativ vor gegen den sexuellen Missbrauch?
Das ZDF scheute für dieses Interview weder Zeit noch Kosten für die Anfahrt des Aufnahmeteams (Hin- u. Rückfahrt ca. 130 km). Das Interview wurde am 11.5. um 23:15 Uhr ausgestrahlt. Dabei räumte das ZDF den Demonstranten ausreichend Zeit für die Begründung des Boykottaufrufs in Wort und Bild ein. Die Gegenposition der vier abgefragten komplexen Themen bestand aus einem Satz.
Wofür das ZDF in dieser Auseinandersetzung steht, wurde offenkundig. Es ging offensichtlich nur darum, nach außen sagen zu können: Wir haben auch die andere Seite gehört und zu Wort gebracht. Nun ist das ZDF eine öffentlich-rechtliche Anstalt, die mit Zwangsgebühren aller Bürger finanziert wird und deswegen auch zu objektiver und ausgewogener Berichterstattung verpflichtet ist. Das geschah in keiner Weise.
Am 11. Mai wurde das „Forum Deutscher Katholiken“ von RTL um ein Interview in der gleichen Sache gebeten. Es wurden drei Fragen gestellt und beantwortet. Das Interview wurde am 12. Mai um 18:45 Uhr ausgestrahlt. Die Darstellung der Gegenposition bestand wieder aus einem Satz. Fairerweise möchte ich anmerken, dass RTL keine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt ist.
Meine Empfehlung nach diesen Erfahrungen: Man sollte Sendeanstalten, bei denen die Darstellung der eigenen Position nicht gesichert ist, kein Interview geben, sondern die Kanäle nutzen, die uns heute zur Verfügung stehen um unsere Botschaft zu streuen. Sendeanstalten, die ihre eigene Politik betreiben, missbrauchen die Interviews für ihre Zwecke.

Hubert Gindert

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Aufruf des Forums Deutscher Katholiken gegen den KDFB-Kirchenstreik

Die Vor­sit­zende des „Ka­tho­li­schen Deut­schen Frau­en­bun­des“ (KDFB) der Di­ö­ze­se Rot­ten­burg-Stutt­gart Ka­rin Wal­ter ruft die Ka­tho­li­kin­nen vom 11. bis 18. Mai zum „Kir­chen­streik“ auf. Die Frau­en sol­len ge­gen se­xu­el­len Miss­brauch durch Geist­li­che und ge­gen den Aus­schluss von Frau­en zum Pries­ter­amt pro­tes­tie­ren, in­dem sie sich statt zu den Got­tes­diens­ten vor den Kir­chen­tü­ren ver­sam­meln (Ka­tho­li­sches Sonn­tags­blatt, 31.3.2019).
Hier wird in durch­sich­ti­ger Wei­se der se­xu­el­le Miss­brauch in­stru­men­ta­li­siert, um das Frau­en­pries­ter­tum durch­zu­set­zen. Ein Auf­ruf zum Boy­kott von Got­tes­diens­ten be­deu­tet ei­ne neue Qua­li­tät in der Aus­ein­an­der­set­zung in­ner­kirch­li­cher Kräf­te ge­gen die Leh­re der ka­tho­li­schen Kir­che.
Da nicht be­kannt ist, dass die Bun­des­lei­tung des KDFB ge­gen die Ini­tia­ti­ve des Di­ö­ze­san­ver­ban­des von Rot­ten­burg-Stutt­gart kor­ri­gie­rend ein­ge­grif­fen hat, ru­fen wir die Mit­glie­der des KDFB, die sich der Leh­re der ka­tho­li­schen Kir­che ver­bun­den füh­len, auf, aus dem „Ka­tho­li­schen Deut­schen Frau­en­bund“ aus­zu­tre­ten und ei­ne neue glau­bens­treue Or­ga­ni­sa­tion für Frauen zu grün­den.

Prof. Dr. Hubert Gindert, Spre­cher des Forums Deut­scher Ka­tho­li­ken

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