Anlass zum Feiern?

In Deutschland wird in diesem Jahr an zwei Ereignisse erinnert, die weit über die Grenzen unseres Landes hinaus von Bedeutung sind. Das sind der 200. Geburtstag von Karl Marx und die 68er-Bewegung vor 50 Jahren.
Der 1818 in Trier geborene Karl Marx wollte die Gesellschaft fundamental verändern, indem er diese tragenden Stützen, nämlich die Religion, Ehe und Familie und alle Autoritäten zerstörte.
Folgende Aussagen von Marx geben in komprimierter Form seine politischen Ziele an: „Alle Verhältnisse umwerfen“… „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei“. Dies schließt den Tod Gottes ein. Der Wirtschaftsordnung erklärt Marx mit seinem Hauptwerk „Das Kapital“ – „Kritik der politischen Ökonomie“ den unerbittlichen Kampf.
„Die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden“ und sein Credo „die Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte“ und „die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt“… schließt Überlegungen von „reformieren“, „entwickeln“ kategorisch aus.
Diese Haltung von Marx zeigt sich schon früh. Das Wort „vernichten“ kommt beispielsweise sechsmal in seinem Abituraufsatz vor. Hinzu kommt eine maßlose Überheblichkeit. Er sieht sich „göttergleich“. Auch das deutet sich schon in seinen frühen Schriften an.
Mutter Teresa antwortete einmal auf die Frage: Was müssen wir tun, um die Welt zu verändern und besser zu machen?:“Wir müssen uns verändern, ich und du.“ Eine solche Einsicht war für Karl Marx wesensfremd.
Für seine „wissenschaftliche“ Arbeit vergrub sich Marx in Londoner Bibliotheken, um Belege zu finden, die seine Ideologie stützen sollten. Mutter Teresa ging dagegen in die Elendesquartiere, um dort zu helfen.
Karl Marx pflegte einen großbürgerlichen Lebensstil. Das konnte er nur, weil er seinen Vater ausnutzte und ab 1844 den Fabrikanten Friedrich Engels zum Freund hatte, der ihn wirtschaftlich aushielt. Weiterlesen

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Josef Bordat: Von Ablasshandel bis Zölibat. Das Sündenregister der katholischen Kirche

In vielen Diskussionen und Medien werden falsche Klischees gegen die katholische Kirche vorgebracht, denen kaum widersprochen wird, weil es weithin an den notwendigen Kenntnissen fehlt. An den deutschen Hochschulen und Universitäten gibt es ja leider keinen Lehrstuhl für Apologetik. Daher ist das jetzt vorliegende Buch von Josef Bordat ein großer Gewinn, um Abhilfe zu schaffen. Auf den Vorwurf, die Kreuzzüge seien imperialistische Eroberungszüge der Kirche gewesen, fällt vielleicht manchem Katholiken zur Verteidigung noch ein, dass die Kreuzfahrer in Wahrheit zur Verteidigung ihrer Glaubensbrüder in den Orient aufgebrochen sind. Die Christen lebten dort ja schon weit über 700 Jahre weitgehend friedlich, bis sie von den Moslems zunehmend bedrängt wurden. Wenn man dazu die historischen Umstände bedenkt, dass beispielsweise zwischen 476 und 800 in Europa außer dem Papst keine weitere zentrale staatliche Macht existierte, die Recht und Ordnung hätte garantieren können, dann erscheint die Ausweitung der Aufgaben des Papstes schon verständlicher. Der Autor zeigt, wie den Päpsten daher die Aufgabe der Schutzmacht für die bedrohten Christen zugefallen ist. Sie konnten nicht tatenlos zusehen, wie ihre Glaubensbrüder von den Moslems bedrängt wurden. Nur wenn man Geschichte kennt, kann man die Kirche vor ungerechtfertigen Angriffen verteidigen. Schwieriger wird es bei den Anschuldigungen der gewaltsamen Missionierung angeblich guter Heiden oder gar der Inquisition gegen Unschuldige. Auch in diesem Bereich zeigt der Autor, dass die geschichtliche Entwicklung anders verlief, als sie gewöhnlich dargestellt wird. In einer Zeit der weitgehenden Rechtlosigkeit war der Beitrag der Kirche zur Findung eines gangbaren Rechtsweges beachtlich, so dass mancher Klient geradezu danach suchte, von der staatlichen Obhut weg in die kirchliche Obhut zu gelangen. Inquisitio heißt Untersuchung. Eine Anklage musste also erst einmal auf ihre Zulässigkeit untersucht werden. Diesen Vorgang hat die Kirche verdienstvollerweise in die Rechtsgeschichte eingeführt und der Staat hat dies später in Form von Staatsanwaltschaften übernommen. Damit wurde die Willkürlichkeit zurückgedrängt. In 36 Kapiteln zeigt der Autor, dass die Kirche nicht so schuldig geworden ist, wie sie von ihren Gegnern dargestellt wurde und wird. Daher ist diesem Buch eine große Verbreitung zu wünschen. Vor allem der Religionsunterricht könnte von diesem Buch profitieren.

Josef  Bordat: Von Ablasshandel bis Zölibat. Das Sündenregister der katholischen Kirche.  Lepanto Verlag 2017. Seiten 296, ISBN 978-3-942605-16-8. Preis 17;90 Euro 

Eduard Werner

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Die Antwort auf das Elend des Neuheidentums ist die christliche Hoffnung

Hoffnung, die unser Leben trägt, ist uns von Gott in die Seele gelegt. Sie lässt selbst Extremsituationen überwinden. Diese Hoffnung kann aber auch zugeschüttet werden, wie das bei Menschen, die sich von Gott emanzipiert haben, der Fall sein kann. Sie leben, nach einem Wort von Johannes Paul II. „Als ob es Gott nicht gäbe“. Und dieses Neuheidentum breitet sich rasant aus.
Das Profil solcher Menschen könnte so beschrieben werden:
Häufig vereinsamt und wie durch eine Mauer, selbst von den Menschen isoliert, mit denen sie in enger Tuchfühlung leben. Sie wechseln zwar ständig Botschaften untereinander aus, die aber nicht unter die Haut gehen, weil es im Grunde Selbstgespräche sind. Worüber sollten sie auch sprechen? Sie sind mit ihrem Weltbild wie in einem dickwandigen Bunker eingeschlossen. Die Zeit läuft für sie ohne Höhepunkte ab. Events berühren sie nicht wirklich. Zeiten wie Advent, Weihnachten, Fastenzeit, Ostern sind für sie nur unterschiedliche Überschriften, die ihnen nichts mehr sagen. Wenn sie die Glücksangebote, die diese Welt zu bieten hat, ausprobiert haben – Sex, diverse Partnerschaften, berufliche Kariere, Machtstreben – , sind sie desillusioniert. Sie klammern sich an das Leben, das sie noch ganz auskosten wollen. Denn danach ist für sie alles aus. Soweit sie sich noch einen Restglauben an eine bessere Welt bewahrt haben, engagieren sie sich für neue Ideologien, z.B. für „Geschlechtergerechtigkeit“ und „Genderideologie“ oder für den Umweltschutz.
Den Neuheiden unserer Tage, die wie ziellos auf dem Meer umher treiben, aber noch nach Hoffnung Ausschau halten, hat Benedikt XVI. mit seinem Schreiben „Über die christliche Hoffnung“ einen Rettungsanker zugeworfen. Keine neue Botschaft! Der Papst bringt nur in Erinnerung, was Christen über 2000 Jahre Hoffnung, Stütze und eine Perspektive selbst in die Ewigkeit gegeben hat: Hoffnung von Gott her!
Benedikt bezieht sich zunächst auf Paulus, der den Römern schrieb (Röm 8,24): „Auf Hoffnung sind wir gerettet“. Der Papst fährt fort: … „Erlösung ist uns in der Weise gegeben, dass uns Hoffnung geschenkt wurde, eine verlässliche Hoffnung, von der her wir unsere Gegenwart bewältigen können: Gegenwart, auch mühsame Gegenwart, kann gelebt und angenommen werden, wenn sie auf ein Ziel zuführt und wenn wir dieses Ziels gewiss sein können. Wenn dies Ziel so groß ist, dass es die Anstrengung des Weges rechtfertigt.“ Diese Hoffnung ist, so Benedikt weiter, mit dem biblischen Glauben austauschbar (Ziff 2). „Die wahre, die große und durch alle Brüche hindurchtragende Hoffnung des Menschen kann nur Gott sein, der uns bis ans Ende bis zur Vollendung geliebt hat und liebt“ (Ziff 27). Das ist jener Gott, der für uns am Karfreitag gestorben und am Ostersonntag auferstanden ist.
Freuen wir uns über das Osterfest, wenn in der Osternacht der Ruf „Christus ist erstanden“ in der noch dunklen Kirche aufklingt und das Licht der Osterkerze aufstrahlt! Christus ist auferstanden und lebt. Er ist bei uns alle Tage bis zum Ende der Welt.

Hubert Gindert

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Schweigen, beten, reden, zerreden. Als Gott Zacharias verstummen ließ

Im ersten Kapitel seines Evangeliums stellt Lukas den Zacharias vor, ein betagter Tempelpriester, dem der Engel des Herrn verheißt, er werde Vater des Täufers Johannes, der Wegbereiter Jesu Christi. Doch Zacharias ist skeptisch. Er und seine Frau Elisabet beteten schon lange um ein Kind, und Elisabet wurde nicht schwanger. Der Zweifel des Zacharias missfällt dem Herrn und er entzog dem skeptischen Tempelpriester die Sprache.
Auf den ersten Blick erscheint die Strafe Gottes doch recht streng. Zweifel können den Menschen überkommen, gerade dann, wenn etwas wirklich Ungewöhnliches verheißen wird. Und Zacharias wird, wie auch seine Gemahlin Elisabet, von Lukas als durch und durch gottesfürchtig beschrieben. Aber vielleicht geht es hier auch gar nicht um eine Bestrafung. Mir scheint, dass Gott die „Notbremse gezogen“ hat, indem er dem Zacharias die Sprache nahm. Sicher kann das Sprechen über Glaubenszweifel mit den richtigen Gesprächspartnern, die verständnisvoll Mut zum Glauben machen, helfen, aber es gibt auch die Gefahr, dass ein allzu intensives Nachdenken und Diskutieren über diese Zweifel diese erst recht manifestiert.
Wie Zacharias selbst mit seiner Verstummung umgegangen ist, beschreibt Lukas nicht. Allein erfahren wir, dass er nach der Geburt, anlässlich der Beschneidung und Namensgebung seines Sohnes wieder sprechen konnte. Und dann begann er Gott zu preisen und machte allen deutlich, dass sein Sohn Johannes Wegbereiter Jesu Christi wird. Weiterlesen

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Pfarrer Heinrich Schniers – „Misstraut dieser Propaganda!“

Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten1933 haben die katholischen Bischöfe wiederholt davor gewarnt, die Nationalsozialisten zu wählen. Sie haben auch erklärt, dass die nationalsozialistische Rassenpolitik mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar ist. Aber nach der Machtübernahme mussten die Bischöfe einen modus vivendi suchen, um die Zahl der Verhaftungen von Priestern und Laien nicht noch größer werden zu lassen. Die einzelnen Pfarrer haben jedoch weiterhin das Unrecht und die Lügen der Nationalsozialisten aufgezeigt, so dass Tausende von ihnen ins Gefängnis oder ins KZ kamen. So war es auch bei Pfarrer Heinrich Schniers aus Wippingen im Ostfriesland. Beim Ausbruch des 2. Weltkriegs am 1. September 1939 war Heinrich Schniers Pfarrer in Leer. Angesichts der Propaganda-Lügen des NS-Systems versuchte er mutig, seinen Mitmenschen die Augen zu öffnen für das Unrecht und für die drohenden Leichenberge. Vor allem während der siegreichen Feldzüge in den ersten Kriegsjahren warnte er in vertraulichen Gesprächen vor Kriegsbegeisterung. Dabei wurde er nach einem Gespräch in einer Familie bei der Gestapo verraten. Deshalb wurde Pfarrer Schniers am 17.12.1941 in so genannte Schutzhaft genommen. Der Ausdruck Schutzhaft ist eine Täuschung, denn geschützt werden sollte nicht der Häftling, sondern das nationalsozialistische System, das der jeweilige Häftling bloßgestellt hatte. Zu einer öffentlichen Demütigung des Pfarrers kam es am 19.03.1942, als Pfarrer Schniers in Sträflingskleidung durch die Straßen seiner Stadt geführt wurde. Bald darauf wurde er in das KZ Dachau gebracht. Dort musste er bei Wind und Wetter ohne jeden Schutz auf der so genannten Plantage arbeiten. Ständiger Hunger und Misshandlungen machten das Leben dort zur Hölle. Eines Tages blieb er am Ende einer Arbeitskolonne völlig erschöpft zurück. Den schon fast Bewusstlosen schoben die Mitgefangenen auf einem Schubkarren ins Krankenrevier, wo er wenige Tage später am 31.August 1942 starb. Die vorangegangenen Gesuche des Osnabrücker Bischofs um Gnade für Pfarrer Schniers beim Reichssicherheitshauptamt waren erfolglos geblieben.
Am 14.10.1942 wurde seine Urne auf dem Friedhof seines Heimatortes Wippingen beigesetzt. Mit seinen Warnungen vor Tod und Massenelend hatte er Recht behalten. Sein Eintreten für Wahrheit und Augenmaß auch unter Lebensgefahr waren zwar ein reines Opfer. Aber wie wahr ist doch der Ausspruch von Erich Kästner auf dem PEN-Kongress 1957 in Hamburg: „Widerstand ist keine Frage des Heroismus, sondern eine Sache des Terminkalenders. Denn wenn eine radikale Partei die Staatsmacht einmal übernommen hat, ist bei offenem Widerstand ein aussichtsloses Blutbad wahrscheinlicher als ein Sieg über den staatlichen Terror.“ Trotz dieser bitteren Erfahrung braucht es immer wieder Zeugen für die Wahrheit, überall wo Menschen sind. Und Pfarrer Heinrich Schniers war ein Zeuge für die Wahrheit.

Eduard Werner

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Christus ist erstanden! O tönt, ihr Jubellieder, tönt.

Christus ist erstanden! O tönt, ihr Jubellieder, tönt.
Die Schafe hat das Lamm versöhnt;
geschlachtet ward das Osterlamm, das von der Welt die Sünde nahm.
Hallelujah, Halleluja!

Christus ist erstanden! Es rang in wunderbarem Streit
das Leben mit der Sterblichkeit.
Es lebet, der gestorben ist, der Fürst des Lebens, Jesus Christ.
Hallelujah, Hallelujah!

Christus ist erstanden! O Magdalena künd uns an,
was staunend Deine Augen sahn!
„Ich sah das Grab vom Tod befreit und des Erstandnen Herrlichkeit.“
Halleluja, Halleluja!

Christus ist erstanden! „Ich sah, wie an des Grabes Rand,
im Lichtglanz Gottes Engel stand, das Kleid, das Leichentuch im Grab,
mit dem man seinen Leib umgab.“
Halleluja, Halleluja!

Christus ist erstanden! Wir wissen, dass der Herr erstand
und Tod und Hölle überwand. O Sieger, König sende Du,
uns allen Dein Erbarmen zu.
Halleluja, Halleluja!

Allen Mitgliedern, Freunden und Lesern und allen Menschen guten Willens
wünscht das Team des Forums Deutscher Katholiken ein gesegnetes und frohes Osterfest.
Möge das Licht des Auferstandenen alle Menschen und die ganze Welt erleuchten.

Für das Forum Prof. Dr. Hubert Gindert.

Bild: Adam Elsheimer: Die drei Marien am leeren Grab. Wikipedia.

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Romano Guardini (1885 – 1968)

Romano Michele Antonio Maria Guardini wurde am 17. Februar 1885 in Verona geboren. Seine Eltern ließen sich ein Jahr später in Mainz nieder. Hier wuchs Guardini auf. Nach dem Abitur und dem Studium der Philosophie und Theologie wurde er im Mainzer Dom zum Priester geweiht. Es folgten einige Jahre der Kaplans­zeit. In Freiburg promovierte er mit einem Thema zur Erlösungslehre bei Bonaventura.

Seine Schrift „Vom Geist der Liturgie“ (1918) gab der liturgischen Bewegung und Erneuerung starken Auftrieb. Die Kirche und jeder Gottesdienst in der Kirche muss als Gemeinschaftserfahrung begriffen werden. „Das Selbstinteresse muss geöffnet werden, bis es [also: der Mensch, Red.] gelernt hat, die Lebensinhalte der anderen, ihre Heilssorge, ihr Leid, ihre Anliegen, als eigene aufzunehmen“ (Liturgische Bildung, Rothenfels 1923). Als nach dem Tod des Vaters die Familie nach Italien zurückkehrte, blieb Romano Guardini (seit 1911 mit der deutschen Staatsbürgerschaft) in Deutschland. Er habilitierte sich 1922 in Bonn und engagierte sich in der katholischen Jugendbewegung, die ihr Zentrum auf Burg Rothenfels hatte. Dort war er von 1927 bis zur Konfiszierung der Burg durch die Nazis 1939 Burgleiter. Geistlich-geistig trug er dazu bei, die katholische Jugend gegen den Zeitgeist zu immunisieren.
Guardini lehrte 1922 Dogmatik an der Universität Bonn, wurde im folgenden Jahr an die Universität Breslau berufen und von dort dauerhaft zu einer Gastprofessur an der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin beurlaubt. Mit der Thematik „Katholische Weltanschauung und Religionsphilosophie“ gewann er viele Zuhörer aus verschiedenen intellektuellen Kreisen, zumal er große Gestalten der abendländischen Philosophie und Dichtung in seinen Vorlesungen behandelte. Mit ihnen blickte er prüfend auf das Christentum und betrachtete aus der Warte des Christentums andere Lebensentwürfe. Die zwischen 1932 und 1936 gehaltenen Predigten veröffentlichte er in dem Buch „Der Herr“, sein erstes Zeugnis des Widerstands gegen die nationalsozialistische Ideologie. 1939 wurde der konfessionell orientierte Lehrstuhl Guardinis vom totalitären Nationalsozialismus abgeschafft, weil man neben der eigenen Weltanschauung keine Konkurrenz duldete. Guardini wählte die Pensionierung. Die nächsten Jahre zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück und arbeitete überwiegend literarisch. Ab 1943 bis zum Kriegsende musste er sich verstecken. Nach dem Krieg erhielt er einen Ruf an die Universität in Tübingen und folgte 1948 dem Ruf an die Ludwigs-Maximilians-Universität in München, wo er bis zu seiner Emeritierung 1964 den Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie einnahm und eine große Breitenwirkung erzielte. Am 1. Oktober 1968 starb er. 1997 wurden seine Gebeine in die Universitätskirche St. Ludwig übertragen, wo er als Lehrer und Priester gewirkt hatte. Inzwischen ist der Prozess zur Seligsprechung eröffnet.
Guardini verstand es, die Philosophie und Theologie mit dem Leben so zu verknüpfen, dass die Zuhörer und Leser seiner Schriften zu einer vertieften Betrachtung des eigenen Lebens geführt wurden. Heute noch öffnet er mit seiner Methode und seinen Erkenntnissen den Horizont der Wahrheit über das Menschsein. Ausgangspunkt für die christliche Ethik ist folgender Gedanke:
Jeder Mensch verdankt sein Leben und alle Beziehungen, in denen er lebt, nicht sich selbst, sondern anderen, letztlich Gott. Aus diesem Willen Gottes gilt es, sich immer wieder anzunehmen, dieser Wirklichkeit treu zu bleiben und mit Tapferkeit sich den Aufgaben zu stellen. Dies schließt die Achtung vor sich selbst ein, die Erkenntnis der eigenen Grenzen und den Willen, das Menschsein immer mehr zu verwirklichen, bis es schließlich von Gott zur Vollendung gebracht wird. In allen Phasen des menschlichen Lebens ist der Wert der Person konstant, ihre Würde ist unantastbar.

Gerhard Stumpf

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Geld stinkt nicht

Die letzte Bundesregierung hat mehr Waffenexporte genehmigt als die Schwarz-Gelbe Regierung von 2009 bis 2013. Der Wert der Waffenverkäufe stieg von 2014 bis 2017 um 21% auf insgesamt auf 25,1 Milliarden Euro. Die Lieferungen außerhalb der EU und der NATO nahmen sogar um 47% auf 14,5 Milliarden zu. Zu den zehn wichtigsten Export-Ländern der deutschen Rüstungsindustrie gehören Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Algerien und Ägypten. (Quelle: Augsburger Allgemeine Zeitung 25.1.2018)
Martin Färber von der AZ nennt die Kritiker der Waffenexporte „naiv und welt-fremd“.
Natürlich gibt es auch heute das Recht, sich mit Waffen gegen ungerechtfertigte Angriffe zu wehren. Und es gibt berechtigte Ängste, z.B. in den baltischen Staaten und in Polen. Sie schauen mit Sorge, wie Putin die Krim kassiert hat und die Ost¬ukraine destabilisiert.
Die Nato ist von ihrer Definition her ein Verteidigungsbündnis. Aber selbst das NATO-Mitglied Türkei, das noch immer bestimmte Politiker in der EU haben wollen, führt gegen die Kurden in Syrien mit deutschen Panzern keinen Verteidigungs-, sondern einen Angriffskrieg.
Gerade zu lächerlich sind Versuche, die Waffenlieferungen an Saudi-Arabien zu rechtfertigen. Die Saudis führen Stellvertreterkriege und verursachen das Massenelend im Jemen mit, wodurch Millionen Menschen leiden. Saudi-Arabien ist, wie der verstorbene Nahost-Experte Peter Scholl-Latour deutlich gemacht hat, eines der reaktionärsten und repressivsten Länder, in dem Menschenrechte nicht das Papier wert sind, auf dem sie stehen. Waffenexporte mit Worten zu verharmlosen, wie, die Saudis seien unsere Verbündeten im Kampf gegen die IS oder mit dem Satz „auch Waffenexporte können Teil der deutschen Sicherheitspolitik“ sein, zeigen nur, dass die Sonntagsreden von „unseren Werten“, welche vorgeblich die Menschen und Bürgerrechte einschließen, hohle Phrasen sind.
Wenn die „Linke“ solche Waffenexporte kritisiert und die Bundesregierung als Handlungsgehilfen der Rüstungsindustrie bezeichnet, dann gilt der bekannte Spruch „Wer Recht hat, der hat Recht.“
Waffenexporte an Länder, die sich nicht gegen eine ungerechtfertigte Bedrohung wehren müssen, sind nichts anderes als ein einträgliches Geschäft. Für sie gilt, was Kaiser Vespasian den Kritikern geantwortet hat, als sie ihn tadelten, weil er in Rom Urinschalen gegen Entgelt aufstellen ließ: Geld stinkt nicht. Die kritisierten Waffenexporte sind ein durchsichtiges Lametta um die Götzenbilder von Geld, Gier und Macht.

Hubert Gindert

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Wie weit kann Gemeinwohl gehen?

In einer globalisierten Welt müssen alle Menschen „guten Willens“ zusammenarbeiten, wenn der Friede, die menschliche Würde, die Bewahrung der Schöpfung kurz, Anliegen, die alle betreffen, auf dem Spiel stehen.
Wer den Menschen nicht nur als biologisches Wesen sieht, das geboren wird, lebt und einmal stirbt, sondern ihm Transzendenz und eine unsterbliche Seele zuspricht, ist Gesprächspartner, weil er an einen Schöpfergott und eine unsterbliche Seele glaubt.
Christen, die dem gemeinsamen Missionsauftrag „geht hin und macht alle zu meinen Jüngern“ verpflichtet sind, sind Brüder, auch, wenn sie in getrennten Konfessionen leben. Die Bitte Jesu an den Vater „auf das alle eins seien“, sollte ihnen aber stets Stachel im Fleisch sein.
In der Realität bestehen wesentliche Unterschiede zwischen Christen verschiedener Konfessionen, z.B. im Sakramenten-Verständnis und in der Stellung der Gottesmutter Maria im Heilsplan Gottes. Es sind Unterschiede, die man nicht überspringen kann, z.B. in einem gemeinsamen Reli-Unterricht, wie wir ihn jetzt in den Diözesen Nordrheinwestfalens, außer in der Erzdiözese Köln, haben. Ein solcher Unterricht stiftet Verwirrung, die schließlich in Gleichgültigkeit gegenüber der Religion enden kann.
Die Spaltung der Christen in Westeuropa ist das Ergebnis der protestantischen Revolution zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Missstände in der Kirche, die Anlass zur Trennung waren, dürfen nicht unter den Teppich gekehrt werden. Die damaligen Reformer in der Kirche zeigen ein Verhalten, das auch für unsere Zeit gültige Maßstäbe setzt. Ein überzeugendes Beispiel liefert Peter Canesius, der zweite Apostel der Deutschen. Er geißelte scharf die Haltung eines großen Teils des verweltlichten Klerus und auch der Bischöfe in Deutschland. Er unterschied aber stets zwischen einem „bewussten und schuldhaften Abfall von der Kirche und einem bloß tatsächlichen und deshalb schuldlosen Getrenntsein von ihr“. Das war in der damaligen Zeit der scharfen Kontroversen keine selbstverständliche Frage. Petrus Canisius wäre aber nie in seinem Reformeifer auf den Gedanken gekommen, von der Lehre der Kirche z.B. von der Sakramentenlehre der Kirche Abstriche vorzunehmen, um Protestanten auf seine Seite herüber zu ziehen. Wie alle Reformer in der Kirche war Petrus Canisius auch ein großer Marienverehrer.
Für die religiöse Situation der Kirche in Deutschland ist u.a. der Mangel an Begeisterung für die befreiende Botschaft Jesu typisch. Besonders erschreckend und beispiellos ist, dass sich Viele von der Kirche abwenden und leben, „als ob es Gott nicht gäbe“ (Joh. Paul II.)
Die Augsburger „Mehrkonferenz“ hat einen fulminanten Gegenakzent gesetzt. Das Augsburger Treffen von rund 11.000 Menschen zeigt, dass auch in unserer Zeit religiöse Begeisterung geweckt werden kann. Die Grundausrichtung der verabschiedeten zehn Thesen steht mit der Forderung nach Neuevangelisierung diametral gegen die Verwaltung des Niedergangs, der sich in den etablierten Kirchen breit gemacht hat. Die „Mehrkonferenz“ gab das richtige Fanal, das auch vom „Forum Deutscher Katholiken“ begrüßt wurde.
Die Frage ist aber, wie geht es nach dem Augsburger Treffen konkret mit der Neuevangelisierung weiter? Was kann gemeinsam gemacht werden – rund 40% waren Evangelikale und 60% Katholiken – und wo endet diese Gemeinsamkeit.
Das Missionsmanifest, in dem die zehn Thesen für das „come back der Kirche“ beschrieben wird, gibt es auch als Buch. Weiterlesen

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„Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut“ (Karl Valtentin)

Bayerische Staatsregierung wird doch nicht vor dem BVG gegen die vom Bundestag beschlossene „Ehe für alle klagen.“ Wie die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ) unter „Ehe für alle – es bleibt dabei“ (7.3.2018) als Gründe für die unterlassenen Klage berichtet, überzeugt nicht.
„Die wesentliche Frage war die nach der Auslegung der Ehe“ erklärte der Augsburger Juraprofessor Ferdinand Wollenschläger, der neben der Göttinger Juristin Professor Dagmar Coester-Waltjen ein Gutachten für die Staatsregierung verfasste. die Ehe sei im GG nicht genau definiert. Richtig. Art. 6,Abs. 1 GG lautet: “Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“
Nun gibt es Juristen, wie der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier oder Rostocker Rechtsprofessor Jörg Benedict die das anders sehen. Ehe wurde auch deswegen nicht als Gemeinschaft von Mann und Frau in der Verfassung definiert, weil es für die Verfassungsväter so selbstverständlich war, dass sich eine Definition erübrigte. Denn das war bis dahin nicht nur für den jüdisch-christlichen Kulturkreis eine pure Selbstverständlichkeit, sondern auch für die heidnische Antike mit Athen und Rom als Zentren. die Verfassungsväter haben auch nicht das unterschiedliche Geschlecht von Mann und Frau näher begründet, sondern gingen von der allgemein anerkannten Tatsache aus. Sie sagen z.B. im Art.3,Abs.2: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“. Im Zeitalter des Genderismus ist eine solche Aussage eher anstößig.
Wollenschläger weiter: Weiterlesen

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