Soll da jemand verhindert werden?

Die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ) vom 22. Februar 2018 titelt „Auch für die katholischen Bischöfe endet die Zeit der Alleinherrschaft.“ In diesem Artikel wird aufgrund des „Finanzskandals“ in der Diözese Eichstätt nicht nur die Trennung von Vermögensverwaltung und Aufsicht gefordert, sondern gleichzeitig gefragt „ob künftig Laien Pfarrgemeinden leiten dürfen oder ob wiederverheiratete Geschiedene grundsätzlich von der Kommunion ausgeschlossen bleiben sollen“. Der Leser fragt, was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? In diesem Artikel wird durchsichtige Kirchenpolitik betrieben und versucht, das Prinzip „Demokratie in der Kirche“ voranzubringen.
Der Versuch den „Finanzskandal von Eichstätt“ kirchenpolitisch zu instrumentalisieren, setzt sich fort, obwohl der ursprünglich genannte Vermögensverlust von 50 Mio. Euro inzwischen mit weniger als 1 Mio. Euro beziffert wird und Bischof Hanke, sogleich nachdem die Sache ruchbar wurde, Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen den früheren Finanzdirektor gestellt hatte. Am 16. Mai 2018 berichtete die AZ: „Ende März hatten Katholiken Bischof Gregor Maria Hanke bei der Kleruskongregation angezeigt und gefordert, ein Verfahren gegen Hanke ‚wegen besonders schwerwiegender Verletzung der Sorgfaltspflicht mit dem Umgang des Anlagevermögens des Bistums Eichstätt einzuleiten‘“. Sie wollen eine „eigene unabhängige Untersuchung“ durch die Kurienbehörde.
Die Formulierung „Katholiken“, die den Bischof anzeigten, lässt einen großen Teil des Kirchenvolkes vermuten. Tatsächlich haben Walter Hürter und die Minigruppe der Kirchenvolksbegehrer in der Diözese Eichstätt die Anzeige in Rom gestellt. Die Kleruskongregation in Rom hat inzwischen geantwortet, dass sie die Ergebnisse der staatlichen Ermittlungen abwarte.
Die Wiederholung der Vorwürfe gegen Bischof Hanke durch die AZ ist für Kampagnen typisch. Sie lässt vermuten, dass es darum geht, einen missliebigen Bischof zu verhindern: Bischof Hanke gilt als „konservativ“ mit dem sogenannte „Reformen“ nicht zu machen sind. Er ist einer der sieben Bischöfe, die sich an die Glaubensbehörde in Rom gewandt haben, um überprüfen zu lassen, ob der Mehrheitsbeschluss der deutschen Bischofskonferenz zur Zulassung zur Kommunion protestantischer Partner konfessionsverschiedener Ehepaare, dem Glauben und der Einheit der Kirche entspricht. Bischof Hanke wird als möglicher Nachfolger von Bischof Konrad Zdarsa von Augsburg genannt. Bischof Zdarsa geht 2019 in den Ruhestand. Augsburg zählt zu den großen bayerischen Bistümern.

Hubert Gindert

Erschienen in der Juliausgabe der Monatszeitschrift „Der Fels“

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Der Katholikentag „Suche den Frieden“ war eine vertane Chance.

Wir leben in einer desorientierten westlichen Welt, in der es zunehmend schwierig wird, das Geschehen in Gesellschaft, Politik und teilweise auch in der Kirche zu verstehen. Veranstaltungen wie der Katholikentag mit dem Motto „Suche Frieden“ hätten Licht in das Dunkel bringen können. Ist das in Münster geschehen? Denn bedrängende Fragen warten auf eine Antwort. Ich nenne einige:
Ist der Islam, der an der Identifikation zwischen staatlicher und göttlicher Autorität festhält, mit der Werteordnung des Grundgesetzes vereinbar?
Wie können Religions- und Gewissensfreiheit gewahrt werden angesichts staatlicher Gesetze, die im Widerspruch zum Glauben stehen, weil sie die Mitwirkung bei Abtreibung und Suizid fordern?
Ist bei der anhaltenden Massenabtreibung, die Teresa von Kalkutta als die größte Gefahr für den Frieden bezeichnete, nicht eine Revision der Abtreibungsregelung erforderlich? Darf der Mensch alles, was er kann, z.B. in der Gentechnologie? Was sind die Ursachen der demographischen Entwicklung und wie kann eine demographische Katastrophe abgewendet werden?
Auf diese und weitere Fragen hätten die Katholiken in der Sozialbotschaft der Kirche einen klaren Kompass. Er wurde nicht gebraucht, weil die Regie Themen, die den Katholikentag in Widerspruch zur Bundesregierung und zur vorherrschenden Medienmeinung gebracht hätten, vermieden hat.
Ein Schlüssel zum Verständnis dieser Situation liefert Benedikt XVI. mit seiner Feststellung: „Auch die soziale Umwelt hat ihre Verwundungen. Doch sie alle sind letztlich auf dasselbe Übel zurückzuführen, nämlich auf die Idee, dass es keine unbestreitbaren Wahrheiten gibt, die unser Leben lenken, und deshalb der menschlichen Freiheit keine Grenzen gesetzt sind“. Weiterlesen

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Das Kreuz ist Zeichen einer Revolution der Liebe“von Bischof Rudolf Voderholzer

Seit einigen Wochen debattiert die Republik mal wieder mit Leidenschaft über das Kreuz. In solchen Debatten steht die Bedeutung des Kreuzes auf dem Prüfstand. Wie beschreiben Sie die Botschaft des Kreuzes?
Bischof Voderholzer: „Das Kreuz ist Folterwerkzeug und Hinrichtungsinstrument in einem, der Galgen der Antike. Christus ließ sich an dem Kreuz zu Tode martern. Er nahm das Kreuz an, weil er den Kreislauf von Hass und Vergeltung durchbrechen wollte. Vom Kreuz herab noch entschuldigte er seine Peiniger und lässt den Hass der Welt an sich austoben.
Am Kreuz hat der Herr das Werkzeug menschlicher Grausamkeit in ein Zeichen des Lebens und der Hoffnung und der Liebe verwandelt. Die Botschaft des Kreuzes lautet: Die Liebe ist die wahrhaft siegreiche Macht der Geschichte.
Dieser Sieg über Hass und Grausamkeit, ja letztlich über den Tod, wurde nicht erkämpft, sondern erlitten.“
Warum gehört das Kreuz in den öffentlichen Raum?
Bischof Voderholzer: „Das Kreuz ist Inbegriff der abendländischen Kultur. Es ist Ausdruck einer Kultur der Liebe, des Erbarmens und der Lebensbejahung. Es gehört zu den Fundamenten Europas. Wenn wir zum Kreuz aufschauen, werden wir selber groß und werden wir erhoben aus Traurigkeit und Niedergeschlagenheit.
Im Kreuz erkennen wir Hoffnung und Leben – beides errungen durch die Waffen der Liebe. Jede menschliche Gemeinschaft gewinnt Segen, Lebensfreude und Zukunft, die sich diesem Zeichen in seinem eigentlichen Sinne verpflichtet sieht.
Um das zu bejahen, muss man nicht einmal an Gott oder Christus glauben.“
Wo hat das Kreuz seinen Platz?
Bischof Voderholzer: „Das Kreuz hat seinen Platz überall dort, wo Menschen auf ihre Verwurzelung in unserer Kultur der Liebe und Barmherzigkeit verwiesen werden sollen.
Wir hängen das Kreuz in unsere Krankenzimmer. Zum Halt für die Kranken, und zur Stärkung für die, die tagaus tagein sich um die Pflege kümmern und auf diese Weise Christus dienen.
Wir errichten das Kreuz an den zu Unfallorten gewordenen Straßenrändern, zur Erinnerung, zum Trost, zur Mahnung …
Wir stellen es auf die Gräber unserer Lieben, denn das Kreuz ist die Leiter, die Brücke, die Gott selbst uns schenkt hinüber in seine Ewigkeit.
Wir bekrönen damit unsere Kirchtürme, um den Ort zu bezeichnen, an dem die Botschaft vom Kreuz verkündet und das Kreuzesopfer Jesu zu unserem Heil gegenwärtig wird.
Wir stellen es auf den Altar als Orientierung zur Ausrichtung unserer Gebete.
Wir hängen es in unsere Klassenzimmer, nicht um die Gewalt zu verherrlichen, wie manche unerleuchtete Kreuzeskritiker meinen, sondern um den jungen Menschen das Vorbild für wahre menschliche Würde und Freiheit vor Augen zu stellen.
Wir haben das Kreuz im Herrgottswinkel in unseren Häusern und Wohnungen, darunter beten wir, darunter versammeln wir uns, dort bildet es die Mitte unseres Lebensraumes.
Und wir stellen das Kreuz auf die Gipfel unserer Berge. Nicht die Nationalfahne oder andere Symbole menschlicher Herrschaft, wie dies andere zu anderen Zeiten vielleicht gerne gesehen hätten, sondern das Kreuz. Weithin soll es sichtbar sein, das Kreuz, das Zeichen des Heils und des Lebens, in dem Christus Himmel und Erde, Gott und Menschen, Opfer und Täter miteinander versöhnt hat.“
Quelle: www.bistum-regensburg.de

Erschienen in der Juni-Ausgabe der Monatszeitschrift Der Fels, S.163

Foto: Marianne Müller

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Erklärung katholischer und evangelischer Hochschullehrer zum Kreuzerlass der bayerischen Staatsregierung

Wir erklären, dass wir für jedes in öffentlichen Räumen sichtbare Kreuz dankbar sind. Denn das Kreuz steht für die in Gott gründende Würde des Menschen (vgl. Gen 1,26–27), die eines der wesentlichen Würdefundamente ist und die unsere Demokratie nicht aus sich selbst hervorzubringen vermag. Im Christentum und damit im Symbol des Kreuzes vereinen sich göttliche Offenbarung und philosophische Humanität bzw. Aufklärung. Auch Kants Vernunftreligion kommt nicht ohne Gott aus. Diese beiden Grundpfeiler mit ihrem sicheren Anker der unantastbaren Menschenwürde hatten auch die Gründerväter der deutschen und bayerischen Verfassung vor allem vor Augen, auch wenn selbstverständlich andere Quellen mit einfließen, wie das Judentum oder im Blick auf die christlich-scholastische Aristoteles-Rezeption des 13. Jahrhunderts der humanistische Islam. Ganz in der Tradition unserer Verfassung ist der Blick auf das Kreuz zweifellos der Blick auf ein Wertefundament unserer pluralistischen Gesellschaft, da es für den menschlichen Zusammenhalt aus einem Geist des Miteinanders auch gegenüber dem vermeintlich Fremden steht. Dieses Fundament freiheitlicher Toleranz ist sowohl im Grundgesetz als auch in der Bayerischen Verfassung gerade nicht auf einen gottlosen Humanismus reduziert. Es gründet im Heilswerk und in der Botschaft Jesu Christi, die er selbst auf vollkommene Weise vorgelebt hat.
Für uns unverständlich ist die jetzt öffentlich zur Schau gestellte Solidarisierung einiger kirchlicher Stimmen oder Organisationen mit den Laizisten, die die Kreuze schon lange zumindest aus öffentlichen Gebäuden verbannen wollen. Eine solche Haltung grenzt an Selbstaufgabe, was gerade die Menschen anderer Religionen nicht schätzen und viele Christgläubige befremdet. Weiterlesen

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Wie gehen wir heute mit dem Begriff des „Martyriums“ um?

Mit der Feier des Pfingstereignisses beendet die Kirche die österliche Zeit. Als der Geist Gottes auf die Urgemeinde herabkam, verstanden alle Menschen, die aus der damals bekannten Welt in Jerusalem zusammenkamen, die Rede von Petrus.
Als Papst Franziskus an Ostern 2018 die Krisengebiete unserer Tage von Venezuela über die Ukraine, Syrien bis Afghanistan ansprach, fragten die politisch Verantwortlichen nicht, wie damals die Zuhörer in Jerusalem „Was sollen wir tun?“, sie wollen heute die Antwort des Petrus „Kehrt um!“ nicht hören. Deswegen lösen die Zusammenkünfte in New York, Brüssel oder Berlin nicht die Probleme unserer Zeit. Wir feiern, eher rückwärtsgewandt Ereignisse, die unsere Gesellschaft gespalten und radikal verändert haben, wie den 200. Geburtstag von Karl Marx und die 68er Revolution vor 50 Jahren.
Der von den 68ern ausgelöste Damm- und Kulturbruch wirkt bis heute weiter: In der „Ehe für Alle“, in der Genderideologie, im portugiesischen Parlamentsbeschluss, wonach alle 16Jährigen, sogar in den offiziellen Dokumenten, ihr Geschlecht selbst bestimmen. Das ist im Grunde nicht ein Aufstand gegen ewig gestrige Konservative, sondern gegen Gott und gegen seine Schöpfungsordnung!
Wenn sich gegen diese Kulturrevolution Widerstand regt und daran erinnert wird, dass das Kreuz das Symbol unserer christlich geprägten Kultur ist, wie das der Ministerpräsident von Bayern getan hat, setzt eine Hetzkampagne in den Medien ein. Als in den 90er Jahren das Verfassungsgericht untersagte, Kreuze in den Schulen aufzuhängen, riefen der damalige Münchner Erzbischof und der Ministerpräsident von Bayern zu einer Demonstration in München auf: Tausende kamen, um ihren Protest auszudrücken. Wird der heutige Münchner Erzbischof zu einer Demonstration aufrufen?
Im Juni gedenken wir des heiligen Bonifatius, des ersten Apostels der Deutschen. Er ordnete gegen erheblichen Widerstand verweltlichter Bischöfe das verlotterte kirchliche Leben neu. Das wäre auch heute notwendig. Das bekannte Beispiel der „sieben Bischöfe“, die in Rom den Mehrheitsbeschluss der deutschen Bischofskonferenz überprüfen lassen, ob er mit dem „Glauben und der Einheit der Kirche“ übereinstimmt, lässt hoffen.
Wer bereit ist, die religiöse und kirchliche Situation in Deutschland zur Kenntnis zu nehmen, weiß, welche Eigenschaften notwendig sind, um die Verhältnisse heute neu zu ordnen. Es sind dieselben, die Bonifatius vorgelebt hat: „Das Martyrium“. Das sieht heute bei uns anders aus als zur Zeit des heiligen Bonifatius.
Martin Mosebach beschreibt es im PUR magazin 4/2018 so: „… Das Phänomen des Martyrers, der ganz bewusst für Christus leidet, löst eine gewisse Verlegenheit in der gegenwärtigen Welt aus. Da tritt eine Unbedingtheit des Bekenntnisses hervor, die uns irgendwie ein bisschen peinlich ist. In einer Welt, in der Dialog, Toleranz, Konsens, Kompromiss bis hin zum Indifferentismus große soziale Werte sind, wirkt derjenige, der bis zum Tod bei seiner Sache bleibt, eigentümlich starrsinnig, unbeweglich, fanatisch, fast bedauernswert vernagelt – kein wirkliches Vorbild. Aber für die Christen der frühen Jahrhunderte besaßen die Martyrer eine ganz eminente Funktion“.

Hubert Gindert

Erschienen in „Der Fels“ Ausgabe Juni 2018

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Schaffen wir das?

Wir stehen vor großen Herausforderungen, z.B. durch die Zunahme des Individualismus mit der Einsamkeit im Gefolge, durch die Überalterung der Bevölkerung, mit den Problemen der Betreuung der medizinischen Versorgung. Die demographische Entwicklung wird erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitswelt bringen. Hinzukommt die politische Unsicherheit in Europa und darüber hinaus. Das erfordert von den Herausgeforderten Mut und eine gute körperliche und psychische Verfassung. Denn die Probleme werden nicht allein mit Roboter, Digitalisierung und Fachwissen zu bewältigen sein. Wie steht es mit der psychischen Verfassung der Deutschen? Stephan Baier ist dieser Frage nachgegangen. Er hat seinen Artikel mit „Kranke Gesellschaft“ (Tagespost 22.3.18) überschrieben. Das Ergebnis seiner Recherchen lautet: „Eine steigende Relevanz psychischer Erkrankungen“:
Die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen hat sich binnen 20 Jahren verdreifacht (Ärzteblatt). Seit 2006 melden die Krankenkassen einen steten Anstieg psychischer Diagnosen: Die AOK meldet eine Verdoppelung der Krankschreibungen aufgrund psychischer Probleme und eine Steigerung der Ausfallstage um 70%. Die Arbeitsunfähigkeit wegen Depression war 2016 die drittwichtigste Einzeldiagnose. Wegen Burnout wurden 2015 fünfzehnmal mehr Menschen krankgeschrieben wie zehn Jahre davor.
Samuel Pfeiffer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie äußert: „Alles deutet darauf hin, dass mehr Menschen an leichten Depressionen und Erschöpfungssyndromen leiden und sich in Behandlung begeben“.
Was sind die Ursachen psychischer Erkrankungen? Smartphone mit seiner Informationsflut beschleunigt die Lebensabläufe. Die Wirtschaft fordert einen immer höheren Output pro Zeiteinheit. „Auch Kinder und Jugendliche überfordern ihr Gehirn, wenn sie sich auf oberflächliche und ständige Kommunikation und Informationsverarbeitung fokussieren“. Das „Mengenwachstum der Informationsgesellschaft“ bei steigender Vernetzung und ständiger Erreichbarkeit habe sogar die Kinder erfasst. Der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff gibt zu bedenken: Immer mehr Kinder seien „lernunwillig, rücksichtslos und leben nur lustorientiert“. Da Menschen nur eine bestimmte Menge an In-formationen aufnehmen und Entscheidungen treffen können, entsteht eine Reizüberflutung. Weiterlesen

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Sport dient der Freude und Gemeinschaft und nicht als Ersatzreligion.

Die Aussage „Sport ist die schönste Nebensache der Welt“ erinnert heute an Märchen, die mit dem Satz beginnen: „Es war einmal…“
Die Nebensache ist zur Hauptsache geworden. Der Sport ist heute ein gigantisches Wirtschaftsunternehmen, ein Milliardengeschäft mit Athleten, Trainern, Managern und Fans im Bund mit den Medien und der Werbeindustrie.
In diesem Sport spiegeln sich, neben großen Leistungen, auch alle Negativerscheinungen wider, die wir aus der Wirtschaft kennen. Ausbeutung, Personenkauf, totale Vereinnahmung der Spitzensportler, Doping und Korruption.
„Fußball – ein Spiel wird zur Ersatzreligion“, schreibt Dr. Josef Bordat (vgl. Tagespost 14.6.2018). Er spricht damit den Massensport an, dessen „Bedeutung weit über den Fußball hinaus weist“.
Fußballklubs sind „Glaubensgemeinschaften. Sie erfassen die Totalität der Glaubensvollzüge“. Die „Spieler sind die Heiligen des Rasens“. Auswärtsspiele sind „Pilgerfahrten“ mit Gesängen, Fahnen und Farbensymbolik.
FIFA-Chef Joseph Blatter meinte einmal nicht ohne Hybris: „Fußball ist mehr als eine Religion, mehr als alle Religionen zusammen“. Die Frage stellt sich: Hat der Sport die Religion ausgelöscht – oder ist er in das Vakuum der über 90% Christen eingedrungen, die am Sonntag in der Kirche fehlen und sich in irgendwelchen Freizeitparks tummeln? Trotzdem gibt es auch heute Sportler, die ihren Glauben praktizieren. Weiterlesen

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Der Wind dreht sich

Die Anfrage der sieben Bischöfe in Rom, ob der Mehrheitsbeschluss der deutschen Bischofskonferenz zur Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare mit dem Glauben und der Einheit der Kirche in Einklang steht, hat in Deutschland zu erheblichen Veränderungen geführt: Die Eucharistie und ihr Zusammenhang mit den übrigen Sakramenten ist in den Mittelpunkt gerückt worden. Die bisherige wohlwollende Berichterstattung über Papst Franziskus hat sich geändert. Die Instrumentalisierung von Papst Franziskus für kirchenpolitische Zwecke geht sowohl innerkirchlich wie Seitens der Medien dem Ende zu. Hatten die bisherigen „Sympathisanten“ die deutlichen Worte des Papstes, z.B. gegen Abtreibung, Genderideologie und die Existenz des Teufels überhört, so werden nun seine Worte zu Ehe und Familie, zur Homosexualität etc. hervorgeholt, um aufzuzeigen, dass Reformen mit Franziskus schwierig sind.
Erzbischof Charles J. Chaput hat in seinem Beitrag „Warum ein deutscher Sonderweg gefährlich wäre“ (Tagespost, 30.05.18) den engen Zusammenhang von Eucharistie mit den anderen Sakramenten in sechs Punkten deutlich gemacht. Chaput: „Da ist zum Einen die globale Bedeutung der Kontroverse und zum Anderen der lehramtliche Inhalt der Debatte. Wer wann und wo die Eucharistie empfangen darf, sind keine rein deutschen Fragen“.
Regina Einig und Guido Horst lassen im Artikel „Die Stunde der Kirchenrechtler“ (Tagespost, 14.6.18) den Kirchenrechtler Christoph Ohly zu Wort kommen. Der eigentliche Streitpunkt ist die Frage des „Notstandes“, der im Kirchenrecht (Can. 844) geregelt ist. Johannes Paul II. habe damals „in seiner eucharistischen Enzyklika bewusst von einer geistigen Notlage im Hinblick auf das Heil der Christen gesprochen und damit die bisherige Interpretation der Kirche, dass dies in Zeiten der Verfolgung oder des Gefängnisses gegeben ist, bestätigt. Die konfessionsverschiedene Ehe… würde nicht darunter gezählt, da es sich bei ihr nicht um eine Notlage handelt und die fehlende Einheit in der kirchlichen Gemeinschaft eine regelmäßige gemeinsame Kommunion ausschließt“. „Was den Unterschied zwischen Notlage und geistlichem Bedürfnis angehe“ – das wird von der Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz aufgeführt wird – „so ist das Bedürfnis kein Rechtsgrund, erläutert man im Vatikan“. Weiterlesen

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Toribio Alfonso de Mogrovejo

Am 21. Januar 2018 hat Papst Franziskus in Lima vor den Bischöfen von Peru über den Hl. Toribio Alfonso de Mogrovejo gesprochen. Was bewog den Papst, an einen Bischof des 16. Jahrhunderts zu erinnern und warum greifen wir das im „Fels“ auf? Toribio war ein leidenschaftlicher und wahrer Hirte. Er ist ein Vorbild nicht nur für die Bischöfe von Peru, sondern weltweit – und auch heute!
Als Toribio 1580 von Spanien in die Neue Welt aufbrach und seine Diözese übernahm, war er 42 Jahre alt. Lima war damals der politische und kirchliche Mittelpunkt von Südamerika. Seine Diözese erstreckte sich über 5000 km von Panama zum Rio de la Plata. In seinen 22 Bischofsjahren besuchte er viermal auf seinen Pastoralreisen das riesige Gebiet. Unterwegs mit einem Maulesel auf Pfaden, die, um mit seinem Sekretär zu sprechen, mehr für Ziegen als für Menschen geeignet waren, nahm Toribio alle Strapazen auf sich, um bei den Gläubigen das Wort Gottes zu predigen, die Priester zu bestärken und die Verhältnisse vor Ort kennenzulernen. In seiner Bischofszeit war Toribio insgesamt 18 Jahre auf Missionsreisen unterwegs.
Toribio erkannte auf seinen Pastoralreisen rasch, dass man nur dann von den Indios verstanden wird, wenn man ihre Sprachen Quechua und Aimara spricht, so wie man sich im digitalen Zeitalter in der Sprache der Kinder und Jugendlichen ausdrücken muss, wenn man sie erreichen will. Toribio lernte die Sprachen der Indios und verlangte das auch von den Priestern und Ordensgeistlichen. An der 1551 in Lima gegründeten Universität wurden Lehrstühle für die Indiosprachen eingerichtet. Der auf dem dritten Konzil von Lima 1583 erarbeitete Katechismus kam in Spanisch, Quechua und Aimara heraus. Weiterlesen

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Was gilt eigentlich noch? Richtiger gefragt, was wird noch akzeptiert?

Der Zustand der katholischen Kirche (Gottesdienstbesuch, Sakramentenempfang, Berufungen) ist aus der Statistik gut ersichtlich. Das ist aber nur die quantitative Seite. Über die qualitative Dimension hat sich der junge Theologieprofessor Joseph Ratzinger 1958 (!) geäußert, wenn er sagt: „Die Statistik täuscht. Das dem Namen nach christliche Europa ist seit langem zur Geburtsstätte eines neuen Heidentums geworden, das im Herzen der Kirche selbst unaufhaltsam wächst und sie von innen heraus auszuhöhlen droht“… d.h., dass die Betroffenen „sich nicht mehr einfach den Glauben zueignen, sondern eine sehr subjektive Auswahl aus dem Bekenntnis der Kirche zu ihrer eigenen Weltanschauung machen“ („Hochland“ 1,59).
Heute kommt hinzu, dass Glaubenswahrheiten, z.B. zu Interkommunion, Wie-derverheiratung nach Scheidung, Frauenpriestertum, die bisher unumstritten wa-ren aus dem Innern der Kirche, z.B. von Theologieprofessoren, kirchlichen Verbänden (ZDK, KDFB, kfd, etc.) offen abgelehnt bzw. uminterpretiert wer-den. Das lässt sich am Beispiel der Forderungen nach dem Frauenpriestertum gut näher darlegen.
Die Ablehnung von Glaubenswahrheiten trägt zur Verunsicherung und Läh-mung der Gläubigen bei und erklärt auch, dass die Neuevangelisierung nicht Tritt fassen kann.
Die Kirchenzeitung der Erzdiözese Freiburg (Konradsblatt, 10.2018, S. 24/25) berichtet über eine Tagung, die mit dem Titel „Frauen in kirchlichen Ämtern, Reformbewegungen in der Ökumene“ vom 7. bis 9. Dezember 2017 an der Universität in Osnabrück stattfand. Auf dieser Tagung wurde der Zugang zu allen kirchlichen Ämtern, einschließlich des Priestertums für Frauen gefordert. Die Hauptthesen der Osnabrücker Tagung werden im Artikel des Konradsblatt auf sieben Sprechblasen abgedruckt. Dort heißt es beispielsweise: „Das erklärte Ziel der ökumenischen Bewegung, die sichtbare Einheit der Kirchen, ist nicht zu erreichen ohne eine Verständigung über die Präsenz von Frauen in allen kirchlichen Ämtern“ (These 1), „Nicht der Zugang von Frauen zu den kirchlichen Diensten und Ämtern ist begründungspflichtig, sondern deren Ausschluss,“ (These 3) „Die Diskussion darüber, ob Gott eine unveränderliche Anweisung gegeben habe, wie oder durch wen Gott durch das kirchliche Amt bezeugt werden soll, kann und muss offen bleiben“, (These 4) „Die Unterscheidung von spezifischen Diensten innerhalb des einen (sakramentalen) Amtes (Episkopat Presbyterat und Diakonat) hat sich geschichtlich entwickelt und kann in ökumenischer Perspektive weiterentwickelt werden. Alle Dienstformen sollen für Frauen geöffnet werden“. (These 5) Weiterlesen

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