Zur Geschichte des „Forums Deutscher Katholiken“

Das „Forum Deutscher Katholiken“ und die Kongresse „Freude am Glauben“ haben eine Vorgeschichte, weil sich eine Reihe von Mitstreitern bei ihrem Engagement in kirchlichen Organisationen und in den Laienräten, vom Pfarrgemeinderat bis zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), dort kennen lernten.
Bereits in den 70er und 80er Jahren wurde die Mitarbeit in kirchlichen Gremien immer schwieriger. Die 68er Kulturrevolution wirkte sich aus. Die katholischen Organisationen, die im ZdK vertreten sind, fanden Gefallen an den Ideen der 68er und versuchten sie umzusetzen. Sie benutzten zum Teil ihre Apparate, um Ziele der 68er durchzusetzen. Wenige Mitarbeiter im kirchlichen Dienst stellten sich dagegen. Insgesamt ging die Identifikation mit der Lehre der Kirche zurück.
Selbst Bischöfe beugten sich dem Trend und verloren dadurch Autorität in der Gesellschaft und bei den Gläubigen. Als Folge der päpstlichen Enzyklika „Humanae vitae“ vom 25. Juli 1968 reagierten die deutschen Bischöfe am 30. August 1968 mit der „Königsteiner Erklärung“. Sie verabschiedeten sich von ihrer Lehrautorität und überließen die Gläubigen ihrem „Gewissensurteil“.
Die 70er Jahre waren auch innerkirchlich eine bewegte Zeit. Das Zweite Vatikanische Konzil wurde, in Kenntnis der Unwissenheit der Gläubigen über die Konzilstexte, für „Neue Wege“ in Liturgie und im Sakramentenverständnis missbraucht. Teilweise wurde ein „Drittes Vatikanisches Konzil“ gefordert. Es gab aber auch noch Begeisterung und Zulauf bei kirchlichen Veranstaltungen. Der Jesuit Pater Johannes Leppich sprach auf öffentlichen Plätzen von seinem Kombiauto aus zu Tausenden. Kirchen hätten diese Menschenmengen nicht gefasst. Der letzte Volksmissionar hielt nicht nur Reden und sammelte Geld, er gründete gleichzeitig die sogenannten „Leppichkreise“. Wer dort mitgearbeitet hat, erinnert sich: Es gab jeden Monat einen Rundbrief mit Betrachtung und einer konkreten Aufgabe, z.B. Bibelverteilen in Hotels und in anderen Unterkünften. Es waren die eigenen Mitbrüder, die das Werk von Pater Leppich zu Fall brachten.
Es gab Begeisterung für ein christlich geprägtes Europa. Die von Bischof Stimpfle von Augsburg initiierten „Ottobeurer Europatage“ brachten Tausende auf die Beine. Aber in den im ZdK zusammengeschlossenen Organisationen breitete sich das Gift innerkirchlicher Kritik aus. Die 68er Kulturrevolution gewann an Boden. Eine Dokumentation dieser Infiltration katholischer Organisationen, die dem damaligen geistlichen Beirat des Diözesanrats, Weihbischof Ziegelbauer, übergeben wurde, führte zum Entsetzen, aber nicht zu Konsequenzen. Weiterlesen

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Chancen über Chancen für das neue Jahr2021

Wir sind am Beginn des neuen Jahres 2021. Was wird es bringen? Chancen über Chancen! Denn der Herr der Welt ist gekommen „um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ Lk 19,10)
Wie sehen diese Chancen aus, die wir bekommen? Sie können denen ähneln, die wir im Evangelium geschrieben finden. Da ist die Chance des Zöllners Zachäus: Oberzöllner, Kollaborateur der Römer. Er repräsentiert nicht das Bild eines Menschen, wie ihn Gott gedacht hatte. Jesus kehrt bei ihm ein. Zachäus ergreift die Chance, er wird zu einem anderen Menschen.
Da ist auch der junge Mann. Er erfüllt alle Gebote und fragt den Herrn: „Was fehlt mir noch?“ (LK 18,21-22). Jesus will ihn von der Abhängigkeit von seinem großen Reichtum befreien und sagt ihm: Lass alles zurück und folge mir nach. Da geht er traurig weg; denn er war sehr reich. Er nimmt seine Chance nicht wahr, um sich von seiner Abhängigkeit zu lösen.
Es gibt auch die buchstäblich letzte Chance im Leben. Das ist die des einen Schächers am Kreuz. Er sprach zu Jesus: „Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Und er hört die Zusage: „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,40-43) Das war das Zeichen einer unvorstellbaren Barmherzigkeit und Großzügigkeit Gottes in der allerletzten Minute. Aber auch dieser Schächer musste den Willen zur Umkehr zeigen. Der andere tat es nicht. Er spottete und nahm seine Chance nicht wahr.
Die Chancen, die wir 2021 bekommen, werden sehr unterschiedlich sein. Es sind die Wege zu dem Ziel, das Gott uns zugedacht hat. Der Steuerpächter bleibt Steuerpächter, weil dieser Dienst evtl. in der Gesellschaft notwendig ist. Aber er ist ein anderer Mensch geworden.
So wird es mit den anderen Aufgaben sein. Eltern bleiben für ihre Kinder verantwortlich, Mitarbeiter für ihren Job, wenn sie ihre Chancen wahrnehmen. Wer sie aber wahrnimmt und seinen bisherigen Lebensstil überdenkt und eventuell auch korrigiert, der durchbricht den Glaubenssatz, der heute die westliche Welt durchzieht, nämlich die Emanzipation des Menschen von Gott, d.h. den Irrglauben, wir könnten unser Leben ohne Gott selber gestalten. Wer hellhörig für die Chance ist, wird für sich entdecken, dass die christliche Botschaft „nicht einengt, das Leben nicht versauert, die Freiheit nicht beschneidet, nicht in die Enge und ins Kleinliche, sondern in die Weite führt“, wie Joseph Ratzinger im Dialog mit Marcello Pera, einem erklärten Atheisten, dargelegt hat.
Last uns die Chancen für 2021 wahrnehmen!

Hubert Gindert

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Ohne Weihnachten keine Hoffnung.

Weihnachten ist das Fest des Lebens. Denn Jesus Christus ist der Erlöser über das irdische Leben hinaus. Das relativiert alles, was der Hoffnung im Wege steht. An dieser Hoffnung, die von der Geburt Jesu ausgeht, können alle Anteil haben.
Am 10. Oktober wurde der 15jährige Carlo Acutis in Assisi selig gesprochen. Carlo war ein fröhlicher, normaler junger Mann. Er war ein Computer-Genie. Seine überragenden Fähigkeiten setzte er ein, um im Internet die frohe Botschaft zu verbreiten. Carlo besuchte täglich die heilige Messe und betete den Rosenkranz. Das gab ihm die Kraft, seine tödliche Krankheit zu ertragen und sie für die Kirche aufzuopfern. Carlo Acutis gab der Kirche ein junges Gesicht. Er ist ein Hoffnungsträger!
Die Menschen sehen sich in der Corona-Pandemie nach Hoffnungsträgern um. Viele Politiker und etliche Wirtschaftsführer sowie Medienschaffende wollen die Krise ohne Gott bewältigen. Das Wort „Gott“ kommt ihnen nicht über die Lippen. Was die Menschen brauchen, ist die Zuversicht, die von Weihnachten ausgeht. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Weihnachtsgeschenke und die Anwesenheit lieber Menschen können einen stimmungsvollen Abend bescheren. Das darf man nicht kleinreden. Ob dabei die Geburt unseres Erlösers bewusst wird, ist nicht gesichert.
Die katholische Kirche in Deutschland ist in dieser Situation keine große Hilfe. Sie ist mit den Auswirkungen der Corona-Epidemie für das kirchliche Leben und mit dem „Synodalen Prozess“ beschäftigt.
Aber auch der „Synodale Weg“ kann zur neuen Hoffnung führen, wenn die Synodalen die Weihnachtshoffnung aufleuchten lassen: „Heute ist euch der Erlöser der Welt geboren.“
Die Freude, die von der Geburt Jesu ausgeht, können wir all jenen als ein „christliches Lebensmodell zeigen, das eine lebbare Alternative zu den immer leerer werdenden Vergnügungen der Freizeitgesellschaft bietet, weil sie die Dürftigkeit der gewohnten Freuden satt“ haben. (Joseph Ratzinger)
Mit dieser Weihnachtsfreude können wir hoffnungsvoll in das neue Jahr gehen.
Ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes Jahr 2021 wünscht Ihnen

Ihr Hubert Gindert und die Redaktionsteams des „Fels“ und des Internets.

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Sieg der „Gesinnung über rationale Urteilsfähigkeit“

Der Schweizer Publizist Milosz Matuschek forderte in einem Apell „freie Debattenräume“ in dem ein „Sieg der Gesinnung über rationale Urteilsfähigkeit“ … beklagt wird. (Junge Freiheit, 4.9.2020) Matuschek spricht damit eine sich ausbreitende sogenannte „Cancle-Culture“ an. Gemeint sind Meinungen, die nicht mainstream sind aus dem Diskurs zu verbannen und Personen „die unpopuläre Ansichten“ vertreten öffentlich bloßzustellen oder zu boykottieren. Anders ausgedrückt sollen Menschen mittels Diffamierung und persönlichen Attacken über sogenannte Shitstorms mundtot gemacht werden. Früher geschah das durch Bücherverbrennungen.
Dieter Stein hat in der jungen Freiheit (4.9.2020) solche Cancle-Culture-Aktionen beschrieben.
Als Folgen solchen Tuns wird eine geistige Auseinandersetzung erstickt. Die Gräben in der Gesellschaft werden vertieft. Radikalisierung der Unterdrückten nimmt zu. Wir sollten uns dagegen wehren und solche Praktiken beim Namen nennen, wo immer das geschieht, in Medien, in der Politik, in der Gesellschaft und in der Kirche. Gefährdet sind nämlich unsere Grundrechte!

Hubert Gindert

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Auffallend ist, dass die Frage, was will Gott uns mit der „Pandemie“ sagen, kein Thema ist.

Seit zehn Monaten bestimmt die Corona-Pandemie „weitgehend“ unser Leben, auch die religiöse Praxis. Da tauchen immer stärker Fragen auf, ob die Corona-Eindämmungsstrategie angemessen ist und wann die Einschränkungen sowie die Außerkraftsetzung von Grundrechten wieder vollständig zurückgenommen werden. Wer solche Fragen stellt, ist deswegen noch kein Spinner oder Corona-Leugner. Die „Corona-Pandemie“ zwingt die Erkenntnis auf: Der Mensch hat nicht alles im Griff.
Wer berechtigte Fragen stellt, stößt zunehmend auch bei Medien, die in der Gesellschaft eine Kontrollfunktion hätten, auf das, was als „cancel culture“ bezeichnet wird. Was ist „cancel culture“? Dieter Stein hat sie (JF, 4.9.2020) so beschrieben: Personen, die Meinungen vertreten, die nicht „Mainstream“ sind, werden „stumm geschaltet und stigmatisiert“, „markiert, an den Pranger gestellt und aus dem Diskurs aussortiert“, „umstrittene Verdächtige werden kaltgestellt“, „Anstößigen Autoren, Politikern werden Äußerungsmöglichkeiten entzogen.“ So wird geistige Auseinandersetzung, die in Zeiten der Verwirrung besonders nötig wäre, erstickt. Die Gräben in der Gesellschaft werden vertieft. Wir sollten uns dagegen wehren!
Die Corona-Pandemie kann das Leben gefährden. Das Leben hat für alle einen hohen Wert. Für Menschen, die nicht an Gott glauben, für die alles mit dem Tod endet, ist das Leben zum höchsten Gut geworden. Christen, die nicht nur in der Corona-Zeit, sondern jeden November den Tod als einen Teil der Lebenswirklichkeit bedenken, können gelassener sein. Als Erlöste können sie verängstigte Gottferne an ihrer Hoffnung teilhaben lassen. Weiterlesen

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Zum Tod des Fußballgottes Maradona. Ein etwas anderer Nachruf

Was in Villa Fiorito, am Stadtrand von Buenos Aires begann, endete am 11. November 2020. Diego Maradona starb kurz nach seinem 60. Geburtstag. Der Schöpfer hat ihm etwas mitgegeben, was ihn heraushob und zum Liebling aller Fußballfans machte: Eine einmalige Virtuosität für das „Runde Leder“.
Mit 15 war Diego in der ersten Liga, mit 16 Nationalspieler, mit 17 Torschützenkönig, mit 19 Südamerikas „Fußballer des Jahres“.
Der „größte Fußballer aller Zeiten“, der „genialster Fußballer des Planeten“, der „Stolz einer ganzen Nation“ brachte ein ganzes Stadion zum Beben. Die Fußballwelt riss sich um ihn. Der FC Barcelona zahlte 1982 die Rekordsumme von 7,3 Mio. Dollar. Der SSC Neapel, Abstiegskandidat, den Diego 1987 und 1990 zur Meisterschaft führte, legte 12 Mio. für ihn auf den Tisch. Bei seiner Begrüßung im Stadion San Paolo in Neapel empfingen ihn 70.000 Fans.
Was macht man als Star, den Begeisterte zum „Fußballgott“ emporstilisierten mit solchen Vorzügen.
Wir wissen nicht, wie viele junge Menschen Maradona für den Fußball, den Sport und Bewegung schlechthin animiert hat. Wir wissen nicht, ob sich die Mitspieler seiner Mannschaft menschlich deklassiert fühlten, wenn sie nur mehr die Rolle von Statisten spielten.
Jeder Mensch trägt eine Idee Gottes in sich, eine Berufung, die über das Körperliche hinausgeht und die Mitmenschen einbezieht. Auch Diego Maradona war eine Idee Gottes. Seine einmalige körperliche Begabung hat er bis zur Perfektion entwickelt. Wurde er aber auch den Zuschauern gerecht oder hat er sie nur 90 Minuten unterhalten und begeistert? Hat er Gott für sein großartiges Geschenk gedankt? Niemand konnte von ihm theologische Reden erwarten. Aber ein Statement auf seinem Trikot, eine bezeichnende Geste im Stadion hätten seine Fans sehr wohl registriert!
Wer Massen begeistern kann, hat auch eine Verantwortung für sie.
Es gibt „kurzlebige“ Künste, die im Gegensatz zu Gemälden, Bauwerken, Skulpturen scheinbar vorbeirauschen. Sie sind heute mit Hilfe der Technik reproduzierbar: Reden, Musik und auch sportliche Ereignisse. Sie wirken weiter. Die Reden von Joseph Göbbels können auch heute Hassemotionen wecken. Die Musik eines Anton Bruckners kann zu Gott führen. Sportliche Ereignisse können noch nach Jahren Wirkung zeigen.
Auch der größte Künstler sollte sich nicht überheben und sich zum Gott machen. Sonst stürzt er ab. Wenn er sich von ihm emanzipiert, überlässt ihn Gott seinen Schwächen. Auch das sollten wir bedenken, wenn wir des großen Fußballstars Diego Maradona gedenken, der in Buenos Aires mit einem Staatsakt geehrt wurde.

Hubert Gindert

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Am Nasenring der Kirchenveränderer

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern, das ist der Zusammenschluss der Diözesanräte, behandelte am 13./14. November die „Erfahrungen von Frauen in der Kirche“. Das Impulsreferat hielt die Ordensschwester Sara Thiel. Ihre Ordensgemeinschaft gehört zu den „Niederbronner Erlöserschwestern“. Ihr Thema beim Landeskomitee der Katholiken war „Verletzungsgeschichten von Frauen in der Kirche“. „Am Ende steht ein eindeutiges Votum“: Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern „fordert die volle Gleichberechtigung von Frauen“.
Man kann die Position der Kirche zur Frage der geweihten Ämter für Frauen von verschiedenen Seiten aufzurollen versuchen, auch von der emotionalen Seite.
Kurt Biedenkopf sprach 1973 mit Blick auf die 68er Kulturrevolution von einer „Revolution neuer Art: Es ist die Revolution der Gesellschaft durch Sprache… Sie besetzt Begriffe und damit die Information der freien Gesellschaft“. Was den 68ern weithin gelungen ist, wird heute innerkirchlich versucht. Weiterlesen

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Ist dieser Krieg noch zu gewinnen?

„Sind die islamistischen Anschläge in Frankreich und Österreich Angriffe auf Europas christliche Identität?“ lautet eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „INSA-Consuläre“, durchgeführt im Auftrag der Tagespost zwischen 6. bis 9. November bei 2030 Erwachsenen Personen. Nach dem Ergebnis der Befragung sind 56% der Deutschen der Meinung, dass die „islamistischen Anschläge auf Europas christliche Identität zielen“. Von den katholisch befragten sind 61% dieser Meinung; 13% teilen diese Meinung nicht, 17% wissen nicht, wie sie die Frage beantworten sollen. Die befragten Protestanten sind sogar zu 69% der Meinung, dass die islamistischen Anschläge auf die christliche Identität Europas abzielen. Nach der Partei-Affinität teilen diese Sicht 78% der AfD-Wähler, 71% der Unionswähler, 66% der FDP-Wähler, 57% der SPD-Wähler. Linke und Grüne teilen diese Ansicht mit der relativen Mehrheit von 49% und 46%.
Was lässt sich aus diesen Fragen schlussfolgern? Und was ergibt sich daraus für das politische Handeln, die Kulturpolitik und auch für die Kirchen?
Interessant ist insgesamt die hohe Zustimmung, die in den Antworten zum Ausdruck kommt. Sie liegt bspw. über der Zahl der Deutschen, die sich als „Christen“ bezeichnen (54%) und weit höher als die der praktizierenden Christen, gemessen an der Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst. Diese beträgt bei Katholiken rund 9%, bei Protestanten ca. 3%. Wer die Identität als bedroht empfindet, gibt damit zu verstehen, dass er sich geschützt haben will.
Was heißt Identität? Wikipedia definiert Identität so: „Identität ist die Gesamtheit der Eigentümlichkeiten, die eine Entität, einen Gegenstand oder ein Objekt kennzeichnen und als Individuum von Anderen unterscheiden. In ähnlichem Sinn wird der Begriff auch zur Charakterisierung von Personen verwendet.“ Die Bedrohten sehen durch den aggressiven Islamismus ihre kulturelle Gesamtheit gefährdet, wie sie sich bspw. im Verfassungsverständnis mit der menschlichen Würde, den Grundfreiheiten und Rechten ausdrückt. Dazu gehört nach deutschem Verständnis die Trennung von staatlicher Gewalt und Religion. Im Islam bilden sie eine Einheit. Weiterlesen

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Wer sich in Kirchenzeitungen präsentieren darf?

Christian Weisner, der Sprecher der „Kirchenvolksbegehrer“ mit dem bescheidenen Namen „Wir sind Kirche“ konnte in der Kirchenzeitung der Erzdiözese München (15.11.2020, Nr. 46, S. 29) auf einer ganzen Seite seine „Reformbewegung“ darstellen. Der Anlass war das sogenannte „Kirchenvolksbegehren“ vor 25 Jahren. Das Interview hat den Titel „Eine Kirche der Gleichen“.
Weisner bedauert in diesem Interview, dass sie „nicht in den Synodalen Weg einbezogen sind. Es gibt aber gute indirekte Kontakte, vor allem zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken… Die Synode kann auch für die Weltkirche ein Angebot sein, dass hier in Deutschland… neue Wege gefunden werden können“. Auf die Frage des Interviewers, wie Weiser die „Querschläge… die Instruktion im Sommer und die Äußerungen der Glaubenskongregation zum Abendmahl“ einschätze, meint Weisner: „Ich würde mir von Papst Franziskus ein noch deutlicheres Ja zum Synodalen Weg wünschen… und es wäre sehr ungut, wenn einzelne Bischöfe oder Kardinäle über Rom versuchen würden, den Synodalen Weg zu stören“. Gefragt nach seinen „Hoffnungen und Wünschen für die nächsten 25 Jahre“, gibt Weisener von sich: „Es geht uns letztendlich, um das, was der biblischen Botschaft von einer Kirche der gleichen und der verschiedenen Charismen entspricht. Darum, die Ständeunterschiede, die Kluft innerhalb der Kirche zwischen Klerikern, Priestern, Bischöfen, Diakonen und dem allgemeinen Kirchenvolk zu überwinden. Wenn man auf die Kirchengeschichte schaut, sieht man, dass die Tradition der klerikalen, zentralen, absolutistischen Kirche eine sehr junge Tradition ist, die eigentlich erst im 19. Jahrhundert in der Zeit des ersten Vatikanischen Konzils erfunden und installiert worden ist… Wichtig ist doch: Wie können Gemeinden überleben und gemeinsam Gottesdienst feiern? Und da darf es nicht mehr diese große Rolle spielen, ob Mann, ob Frau, ob verheiratet oder nicht verheiratet – wie es ja auch am Anfang nicht diese große Rolle gespielt hat“. Weiterlesen

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Innere Auflösung statt Freude am Glauben. Interview zu 20 Jahren Forum Deutscher Katholiken mit der Tagespost.

„20 Jahre nach seiner Gründung sieht das Forum Deutscher Katholiken die innerkirchlichen Zustände in Deutschland mit großer Sorge. Gründer Hubert Gindert hofft dennoch auf eine geistliche Wende.“
Regina Einig – Redakteurin – Kirche aktuell, Bildung „Die Tagespost“
Regina Einig
02. November 2020
1)Herr Professor Gindert, als sich das Forum Deutscher Katholiken im September 2000 gründete, stand die Kirche in Deutschland noch ganz unter dem Eindruck des Konflikts um den Ausstieg der Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung. Was bestärkte Sie damals in der Erwartung, dass das Forum Zukunft haben würde?
Vor allem das Gespräch mit Erzbischof Dyba im Juni 2000. Dann die Erwartung, wir könnten für unsere Ziele Bischöfe, wie z.B. Kardinal Meisner gewinnen, die mit der Einbindung der Kirche in die vom Bundestag beschlossene Abtreibungsregelung nicht einverstanden waren. Schließlich die angestrebte Zusammenarbeit mit lehramtstreuen geistlichen Bewegungen. Hier zeigte sich bald, dass einige wenig geneigt waren, den Weltauftrag der Christen aufzugreifen, der uns wichtig war.

2) Zu dieser Zeit verloren viele aktive Christen ihre politische Heimat, die C-Parteien. Wie hat das Forum darauf reagiert?
Wir haben uns nie als parteipolitische Bewegung verstanden. Haben aber verstärkt auf gesellschaftspolitische Themen (Fragen der Familie, des Lebensschutzes, etc.) die früher bei den C-Parteien in guten Händen waren, durch Stellungnahmen reagiert.

3) In den ersten Jahren waren die Kongresse vor allem durch Begegnungen mit Bischöfen geprägt, in denen Gläubige den Fels in der Brandung sahen: Kardinal Ratzinger, Kardinal Scheffczyk oder Kardinal Meisner zum Beispiel: Wen würden Sie heute nennen? Wer steht in den Fußstapfen dieser Kirchenmänner?
Aus unserer Sicht stehen Bischöfe, wie Voderholzer, Woelki, Kardinal Müller in den Fußstapfen der genannten Bischöfe. Dazu müssten auch noch Weihbischöfe wie Schwaderlapp, Wörner etc. erwähnt werden. Kardinal Scheffczyk steht für die Theologieprofessoren. Hier fallen einem heute Professoren wie z.B. Karl-Heinz Menke, Christoph Ohly, Helmut Hoping etc. ein.

4) Die Wahl Kardinal Joseph Ratzingers zum Papst erlebten viele lehramtstreue Katholiken in Deutschland als Sternstunde. Dennoch gab es in Deutschland keine nachhaltige geistliche Wende. Welche Ursachen hat das?
Als Ursache für die fehlende geistliche Wende sehe ich die – mit wenigen Ausnahmen – nahezu totale Ablehnung von Benedikt XVI. in der katholischen Kirche in Deutschland an. Auf das, was er sagte oder anordnete, reagierte die Mehrheit der Theologen mit „sprungbereiter Feindseligkeit“. Manche Bischöfe zeigten Papst Benedikt die kalte Schulter. Die großartige Chance wurde vertan.

5) Welche innerkirchlichen Entwicklungen der vergangenen zwanzig Jahren in Deutschland stimmen Sie zuversichtlich? Was macht Ihnen Sorge?
Sorge machen uns die zunehmende Gleichgültigkeit, die an die apokalyptische Warnung an die Gemeinde in Ephesus erinnert: „Du hast die erste Liebe verlassen. Darum bedenke, von welcher Höhe du gefallen bist“ (Off.2, 4-5) Diese Gleichgültigkeit zeigt sich im ständig abnehmenden Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes und in der Sakramentenpraxis (Beichte).Konsequenzen wurden daraus kaum gezogen. Die Entwicklung mündet seit einigen Jahren in Gottvergessenheit und massenhaften Auszug aus der Kirche ein. Die inneren Auflösungserscheinungen werden im „Synodalen Prozess“ deutlich. Dort versucht eine deutliche Mehrheit einen Weg zu gehen, der aus der Universalkirche herausführen muss.
Zuversichtlich stimmen zahlenmäßig kleine Gemeinschaften, die versuchen den Glauben authentisch zu leben und neue Initiativen wie z.B. Die „Neue katholische Frauenbewegung“ (NKF) und „Maria 1.0“ oder die von der „Tagespost“ erwähnte „Holyween statt Halloween“ , besonders aber die Renaissance der eucharistischen Anbetung durch junge Menschen.

6) Wo sehen Sie das Forum Deutscher Katholiken innerhalb des Parteienspektrums?
Wir sehen uns außerhalb des Parteienspektrums und positionieren uns nicht in ihm. Im Übrigen zeigen die politischen Parteien immer weniger ein klares Profil.

7) Nächstes Jahr findet der Kongress Freude am Glauben in Regensburg statt, einer Diözese, die eine gute Nachbarschaft mit den tschechischen Nachbarn pflegt, insbesondere dem Bistum Pilsen. Können Sie sich grundsätzlich vorstellen, den Kongress stärker auf Europa hin auszurichten?
Auf dem Kongress 2004 in Regensburg war Bischof Frantisek Radkovsky von Pilsen unser Gast. Der Präsident von Paneuropa Bernd Posselt ist Kuratoriumsmitglied unserer Kongresse. Europa ist bei uns gut vertreten. Wir wünschen uns, dass ein geeintes Europa ins Konzert der Kontinente Gewicht einbringt, im Inneren Europas aber die Eigenständigkeit der Länder, besonders im kulturellen Bereich, möglichst gewahrt bleibt.
8) Wie würden Sie die geistliche Ausrichtung beschreiben, die das Forum in Zukunft verfolgen soll?

Ich meine, angesichts der Verunsicherung vieler Menschen, geht es darum, ihnen Hoffnung zu geben und zu vermitteln, dass mit Gottes Hilfe eine geistliche Wende möglich ist. Benedikt XVI. hat einmal geäußert, Gott kann alles, aber er respektiert die Freiheit des Menschen. Er gab dem Kirchenverfolger Saulus die Chance zum größten Missionar der Kirche zu werden. Aber auch er kam nicht an einer persönlichen Umkehr und an der Frage vorbei: Was soll ich tun? Das dürfen wir nicht verschweigen. Das Motto des nächsten Kongresses 2021 lautet daher: „Was er euch sagt das tut (Joh. 2,5)“.
Und wir werden zu den Bischöfen stehen, die sich in der Verwirrung einen klaren Blick bewahrt haben.

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