Hanns Georg von Heintschel-Heinegg – ein katholischer Gegenpol zur NS-Ideologie

Viele Menschen, die in den KZs und in den Gefängnissen der Nationalsozialisten verbluteten, gehörten zur Elite Deutschlands und Österreichs. Schon der leiseste Widerstand war lebensgefährlich. Das zeigt auch das kurze Leben des Hans Georg von Heintschel-Heinegg. Er wurde 1919 auf Schloss Kneschitz im Sudetenland geboren. 1925 übersiedelte die Familie nach Wien. Das Elite-Gymnasium Theresianum, das er dort besuchte, war ein Hort katholischer Literatur. Hier gab es weder sozialistische noch germanisch-rassistische Einflüsse. Hanns Georg von Heintschel-Heinigg und seine Freunde vom Gymnasium öffneten sich lieber dem Zauber der Stadt Wien. Heintschel-Heinegg widmete dieser Stadt 23 Gedichte. Nach dem Abitur besuchte er die europäischen Kulturmetropolen Paris, Madrid und Rom. Anschließend studierte Hanns Georg von Heintschel-Heinegg an der Universität Innsbruck Theologie mit dem Wunsch, Priester zu werden. Er las mit Begeisterung George Bernanos, Léon Bloy, Paul Claudel und Gertrud von Le Fort sowie Calderon de la Barca. Am 12. März 1938 annektierte Hitler das Land Österreich. Das Priesterseminar in Innsbruck wurde geschlossen, das Haus von der Gestapo durchsucht und Hanns Georg verhaftet. Ein Brief wurde gefunden, in dem er seiner Schwester den Hergang der letzten Tage schildern wollte. Die Innsbrucker Priesterstudenten wussten, was die Kirche von den Nationalsozialisten zu erwarten hatte. Die deutschen Bischöfe hatten wiederholt davor gewarnt, NSDAP zu wählen.
Nach seiner baldigen Freilassung wurde von Heintschel-Heinegg in Wien von der Österreichischen Freiheitsbewegung angeworben. Er sollte an einem Entwurf für die politische Neuordnung Mitteleuropas nach einer Niederlage Hitlers mitwirken. Die wurde jedoch am 17.06.1940 von dem völlig verschuldeten und alkoholabhängigen Wiener Burgschauspieler Otto Hartmann der Gestapo verraten. Daraufhin wurden von Heintschel-Heinegg und 130 Freunde verhaftet und in verschiedenen Gefängnissen Deutschlands untergebracht. Erst im Februar 1944 wurde der Prozess gegen ihn eröffnet, der nach zwei Tagen mit dem Todesurteil wegen angeblicher Vorbereitung zum Hochverrat endete. Die Hinrichtung erfolgte am Abend des 5. Dezember 1944. Der evangelische Gefängnis-Seelsorger berichtete: „Als sich die traurige Eskorte (der zur Hinrichtung bestimmten Gefangenen) in dieser unvergesslichen Dezembernacht in dem nur spärlich erleuchteten und kalten Ganggewölbe des Landgerichts Wien in Bewegung setzte, öffnete der mir liebgewordene Freund und Bruder in Christo zum letzten Mal seine Lippen. Ich dachte, er wolle mit mir reden. Er aber sprach „Credo in unum Deum … Die Hände am Rücken gefesselt ging Heintschel-Heinegg dem Tod entgegen. Sein Blick ging in die Ferne, während er das ganze Credo laut betete. Das Amen erstickte in dem dumpfen Aufschlag des Fallbeils.“ – Im Vermächtnis unseres Helden steht u.a. … „die Ruhe des Christen beginnt erst im Tod … mit der unaussprechlichen Seligkeit …“ Einen solchen heroischen Einsatz brachten damals Tausende. Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus sollte ebenso wenig geleugnet werden wie der Holocaust.

Eduard Werner

Foto: Otfrid Pustejovsky in „Zeugen für Christus“ hg. von Helmut Moll, S. 861

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„Denn meine Augen haben das Heil gesehen“. Die Weisheit des Alters und „Mariä Lichtmess“

Im liturgischen Kalender, der bis 1970 gültig war, endete die Weihnachtszeit mit dem Fest „Mariä Lichtmess“ am 2. Februar. In manchen Kirchen und Familien ist es heute noch üblich, die Krippe bis zu diesem Datum stehen zu lassen.
Wenn auch „Mariä Lichtmess“, das heute aufgrund des Namens „Darstellung des Herrn“ mehr als Christus- denn als Marienfest gilt, seit der Liturgiereform nicht mehr offiziell zur Weihnachtszeit gehört, so ist es doch mit dem weihnachtlichen Geschehen eng verbunden – steht das Fest doch im Zusammenhang mit der Geburt Jesu: Genau 40 Tage nach der Niederkunft des Gottessohnes zieht die Heilige Familie zum Tempel von Jerusalem, weil dort Maria ein Reinigungsopfer darbringen musste, wie es das mosaische Gesetz forderte.
Das Evangelium des Tages (Lk 2, 21-27) lenkt den Blick auf zwei betagte Personen, denen die Heilige Familie begegnet. Zum einen ist dies der weise Simeon, zum anderen die Prophetin Hanna. Simeon war extra in den Tempel gekommen, um das Jesuskind zu sehen, denn ihm war verheißen worden, dass er noch zu Lebzeiten dem Messias begegnen werde. Er nimmt das göttliche Kind auf den Arm und spricht einen Lobpreis, der einer der wichtigsten Texte des Breviergebetes ist: das sogenannte „Nunc dimittis“, das im kirchlichen Nachtgebet, der Komplet, seinen festen Platz hat.
Die zentrale Aussage dieses Gebetes ist: „Nun kann ich, Simeon, in Frieden scheiden, denn ich habe den Messias gesehen“ (vgl. Lk 2,29f). Simeon kann getrost sterben, denn seine Lebensaufgabe ist erfüllt – er hat den Herrn gesehen. Weiterlesen

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Zur Politik von Zeitungen mit Leserbriefen

Zeitungen lassen mit Leserbriefen ihre Bezieher zu Wort kommen – besonders solche, die ihre politische Linie unterstützen. Ein Beispiel dafür ist die „Schwäbische Zeitung“, einstmals „Unabhängige Zeitung für christliche Kultur und Politik“.
Mit Datum vom 27.11.2017 war als „Zitat des Tages“ folgender Text abgedruckt: „Wir wollen, dass jede Biene, jeder Schmetterling und jeder Vogel weiß: Wir werden uns weiter für sie einsetzen!“ Unter dem Text ein Bild mit der Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt mit der Unterschrift „Göring-Eckardt will, dass sich ihre Partei weiterhin auf ökologische Kernthemen konzentriert“.
Annelies und Prof. Hans B. schrieben dazu folgenden Leserbrief: „Als Fraktionsvorsitzende möchte Frau Göring-Eckardt ‚dass jede Biene, jeder Schmetterling und jeder Vogel weiß“, dass sich die Grünen ‚weiter für sie einsetzen‘. – Demzufolge wäre es nur konsequent, wenn die Grünen in ihren Artenschutz auch den Menschen von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod einbeziehen würden – dann wäre ihre politische Grundlage doch einigermaßen stimmig. – Nur sollte Frau Göring-Eckardt auch wissen, dass bislang alle Ideologien gescheitert sind, welche ein gottfreies Paradies auf Erden schaffen wollten“.
Dieser Leserbrief wurde nicht abgedruckt. Eine Antwort erfolgte erst nach folgenden Reklamationsschritten:
a.) „eine Mail-Rückfrage vom 4.12.2017 blieb unbeantwortet
b.) mehrmalige Direktanrufe an den Redakteur landeten nach Warteschleife regelmäßig im Call-Center mit der Frage, wen man denn sprechen wolle;
c.) erst beim Direktanruf von einem der Redaktion bis dato unbekannten Telefonanschluss erfolgte eine direkte Gesprächsverbindung – d.h., mein Telefon ist bei der Redaktion automatisch auf ‚Abweisung‘ geschaltet.
d.) Leserbriefe mit Grün-kritischen Themen wurden auch in der Vergangenheit regelmäßig abgewiesen: 11.12.2015 Toleranz – eine beliebige Größe? / 22.7.2015 Bildungsplan 2015/16 – ohne Sex? / u.a.“
Als der Leserbriefschreiber den Politredakteur schließlich doch erreichte, bekam er folgende Antwort: „Sehr geehrter Herr Prof. B., es tut mir sehr leid, dieses Mal können wir Ihren Leserbrief nicht abdrucken. Sollten Sie jedoch zu einem anderen Thema einen Leserbrief schreiben wollen, können Sie dies gerne tun. Dann werden (wir) ihn berücksichtigen (so wie in der Vergangenheit bereits mehrfach geschehen). Mit freundlichen Grüßen, ein schönes Wochenende, Politredakteur/Assistent der Chefredaktion.“
Natürlich hat kein Leserbriefschreiber ein Recht auf Abdruck. Zeitungsleser sollten aber wissen, dass sie gelegentlich instrumentalisiert werden, weil Redakteure nicht einen „Informationsauftrag“ sondern einen „Meinungsbildungsauftrag“ als ihre Aufgabe ansehen.

Hubert Gindert

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Wollen wir unsere christlich-abendländische Kultur neu entdecken und wertschätzen?

Zunächst eine alte Geschichte: Im Jahre 476 n. Chr. hat der germanische Söldnerführer Odoaker den letzten römischen Kaiser Romulus Augustulus abgesetzt. Damit endete die letzte Epoche des Weströmischen Kaiserreichs. Odoaker verlangte vom römischen Senat, dass die kaiserlichen Insignien nach Byzanz, d.h. nach Ost-Rom, geschickt wurden. Das war das Zeichen des auch formalen Endes einer 800-jährigen ruhmreichen Vergangenheit, in welcher Rom die Hauptstadt (caput mundi) des Römischen Weltreichs war.
Der Senat, der sich noch immer versammelte, um die Entscheidungen des jeweiligen Machthabers formal abzusegnen, betrachtete den Vorgang als einen gewöhnlichen Verwaltungsakt. Ein solches Verhalten der Senatoren gegenüber einem welthistorischen Vorgang ist bezeichnend. War doch der Römische Senat jene Einrichtung, welche die Autorität des Römischen Weltreiches verkörperte. Aber im Jahre 476 raffte sich keiner der Senatoren zu einem Nachruf auf die einstige Größe Roms auf.
Diese Imperium Romanum war trotz seiner Schwächen und Fehler ein großartiges Reich, in dem die Pax Romana den Frieden sicherte und den Bewohnern, woher sie auch kamen, Aufstiegsmöglichkeiten in die höchsten Ämter gab, wenn sie bereit waren, sich die Errungenschaften einer großen Kultur anzueignen. Nur einer empfand die Tragik der Katastrophe, die im Untergang Roms lag und drückte seine Empfindungen in Worten aus. Es war kein gebürtiger Römer, sondern ein geborener Gallier, wahrscheinlich aus Narbonne. Er hieß Rutilius Numancius, kam aus der Verwaltung, war Präfekt in der Toskana und in Umbrien.
Bevor er in seine Heimat zurückkehrte, wollte er seine Dankbarkeit gegenüber Rom, das aus ihm einen zivilisierten, gebildeten Menschen gemacht hatte, zum Ausdruck bringen. Vielleicht ist sein Buch „Über die Rückkehr“ ein letztes großes Werk in klassischem Latein. Dort heißt es u.a.: „Höre, schönste Königin einer Welt, die du zu deiner gemacht hast. Rom, Mutter der Menschen und Götter, höre im gestirnten Himmel: Wir sind nicht fern vom Himmel, wenn wir uns in deinen Tempeln befinden. Du spendest deine Gaben an die Strahlen der Sonne, überall wo der Ozean uns umspült. Du hast aus unterschiedlichen Völkern eine Heimat gemacht, wer kein Gesetz hatte, ist zu deinem Schuldner geworden, weil du Menschen zu Bürgern und das was nur ein Globus war, zu einem Gemeinwesen gemacht hast“.
Und wir heute? Die Frage heute lautet: Ist uns bewusst, in welch großartiger Kultur wir leben, die sich in den vergangenen 13 Jahrhunderten in Europa in Musik, Literatur, Malerei und Baukunst entfaltet hat? Haben wir noch Bezug und eine innere Bindung zu ihr? Oder ist unser Verhältnis zu ihr wie zu weit entfernten Verwandten, deren fehlende Nähe wir nicht vermissen?
Ein Nicht-Europäer, der jüdische Professor Joseph Weiler aus den USA, hält den Europäern fehlende Wertschätzung, ja Abneigung und sogar Hass auf die eigene Kultur vor. Wenn wir zu den Wurzeln zu unserer christlich geprägten Kultur nicht zurückkehren, so hat das auch Konsequenzen. Wir können von Menschen, die aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen, nicht erwarten, dass sie sich in unsere Kultur integrieren, wenn wir sie selber nicht mehr wertschätzen.
Unsere Kultur beruht auf einem christlichen Fundament, deswegen ist die Rückkehr zum Christentum auch für die Erhaltung der Kultur entscheidend.
Erzbischof Johannes Dyba erklärte vor rund 20 Jahren: „Wir sind im freien Fall und überlegen: Wie schaffen wir es, dass das Ganze trotzdem funktioniert? Es gibt nur zwei Möglichkeiten, wenn die Entwicklung so weitergeht: Entweder unsere Gesellschaft verfällt in eine politische Barbarei oder aber sie erkennt, dass sie zu unserem gemeinsamen Fundament, zum Christentum zurückehren muss. Die dritte Möglichkeit ist, dass der Islam uns überrennt“. (Quelle: „Der Spiegel“, 22.12.1997.)
Der englische Dichter T.S. Eliot hatte bereits vor Bischof Dyba folgendes prognostiziert: „Sollte das Christentum verschwinden, so verschwindet die gesamte Kultur… Wir müssen durch Jahrhunderte der Barbarei gehen…“. Sollten wir Europäer unsere Kultur nicht wieder entdecken, z.B. in Kirchen, in einem Konzert, im Besuch von Museen und wieder wertschätzen und weiterentwickeln?

Hubert Gindert

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Aus den Pfarrnachrichten der katholischen Propstei Werl/Nordrheinwestfalen

Einer unserer Gemeindepriester schreibt ein Erlebnis in Werl vom Oktober 2017 auf. „Ich stelle mich Samstag am frühen Nachmittag nach erfolgtem Einkauf an die Kasse im Lidl/Werl, um zu bezahlen. Bekleidet war ich mit der üblichen priesterlichen Alltagsdienstkleidung, also als Priester erkennbar. Der Supermarkt war recht gut gefüllt, und wenn ich richtig gesehen habe, waren alle Kassen geöffnet. Vor mir waren noch drei Kunden und hinter mir noch ein weiterer Kunde. Direkt vor mir war eine alte Dame … mit einem langen beige-braunen Mantel bekleidet und einem dunkelbraunen Kopftuch. Sie legte gerade die Ware auf das Kassenband. Plötzlich kam (offensichtlich) der Ehemann dieser Frau hinzu. Als er mich sah, begann er mich in seiner Muttersprache zu beschimpfen. Dass es eine Beschimpfung war, war eindeutig! Ich habe darauf in keiner Weise reagiert. Dann aber fasste der besagte Mann an meinen Einkaufswagen und schüttelte/schob selbigen hin und her, während er weiter schimpfte. Daraufhin fühlte ich mich aufgefordert zu reagieren und sagte dem Herrn mit normal höflichem Ton, dass er ruhig in deutscher Sprache mit mir sprechen könne, da ich die durchaus verstünde. Er schaltete direkt um und schimpfte wie folgt: „Du Ungläubiger!“, „Du Schwein!“ Sofort wählte ich ohne Kommentar mit dem Handy die Nummer der Polizei, die sich aber nicht zuständig sah. Von den Umstehenden hat niemand etwas dazu gesagt.“
Bernhard Mihm kommentiert diesen Vorgang und sagt: „Er offenbart gleich dreierlei:
1. die Einstellung von mitten unter uns lebenden Muslimen
2. die Reaktion des Publikums, das dergleichen schon für alltäglich hält
3. die Verweigerung polizeilichen Einschreitens, aus welchen Gründen auch immer“.

Hubert Gindert

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Beispielhaftes Engagement

Mit Blick auf die meist leeren Kirchenbänke für Kinder und Jugendliche, fragt mancher: Wird für sie seitens der Kirche nichts getan? Dass es neben einem fehlenden Einsatz von Eltern solche Defizite gibt, kann kaum bestritten werden. Aber es gibt auch Beispiele eines großartigen Engagements von Priestern. Hier ein Beispiel:
„Um besonders junge Menschen zur Freundschaft (mit Gott) zu führen, war ich dieses Jahr wieder viel unterwegs – rund 40.000 km mit dem Auto und weitere 26.000 km mit dem Zug zu etwa 20 Jugendwochenenden, einem halben Dutzend Ferien-Camps, vier geistlichen Exerzitien, Christustagen in der Karwoche, zwei Familienfreizeiten, zahlreichen Impulsabenden, sowie etwa 350 Besuchen und rund 600 Seelsorge-Gesprächen.“
Was hier nüchtern aufgelistet wird, ist die „Bilanz“ eines Legionärs Christi. Wer diese Arbeit unterstützen möchte, der kann es. Die dafür nötigen Informationen: Legionäre Christi e.V., Pax-Bank Köln, BLZ 370 601 93, Kto.-Nr. 32420010, IBN: DE45 3706 0193 0032 4200 10, BIC GENODED1PAX.

Hubert Gindert

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Karl Borromäus

Die Bischöfe haben nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil die „Aufgabe zu lehren, zu heiligen und zu leiten … In der Kraft des Geistes sollen sie die Menschen zum Glauben rufen oder im lebendigen Glauben stärken“ (Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe, Ziff 11/12). Das war nicht immer so wie Petrus Canisius in seinem Brief vom 2. April 1567 zum Würzburger Bischof sagt: „Sie (Bischöfe) werden durch die erbärmliche Lage eingeschüchtert, sie fürchten immer neue Unruhen, einer wartet auf den anderen, der als erster das Glatteis betreten soll.“ Aber schon damals gab es mutige Bischöfe, die Reformen gegen Widerstände aufgegriffen haben, wie das der Mailänder Bischof Karl Borromäus vorbildhaft getan hat.
Karl Borromäus stammte von einer der vornehmsten Familien im Herzogtum Mailand ab. Er wurde von seinem Vater zum Kleriker bestimmt, um die vielen Kirchengüter verwalten zu können. Schon mit 12 Jahren erhielt er Tonsur und Talar. Mit 16 Jahren wurde er auf die Universität Pavia geschickt und erwarb den Doktorgrad beider Rechte. Nachdem sein naher Verwandter, Gian Angelo Medici, zum Papst gewählt war, wurde sein Neffe Karl nach Rom berufen und zum Kardinaldiakon erhoben. Karl bekam dazu weitere Karriereämter und Protektorate über Orden. Trotzdem erlag Karl Borromäus den Verführungen, die von diesen Machtpositionen ausgingen, nicht. Nachdem Pius IV. das Konzil von Trient erneut einberufen hatte, führte Karl seine Anweisungen „in großer Treue, pflichtverbunden, unerreichbar für Intrigen und mit einer außergewöhnlichen Leistungsfähigkeit“ aus. Er nutzte seine weitreichenden „Beziehungen, um der religiösen Erneuerung allen Widerständen zum Trotz zum Durchbruch zu verhelfen“. Karl gab bei der Erneuerung der Kirche durch seinen einfachen Lebensstil das beste Beispiel ab. Auf der Grundlage der Dekrete des Tridentinischen Konzils führte er die vorgesehenen Reformen durch: in Liturgie, Verwaltung der Kirchengüter, Ausbildung des Klerus, Kontrolle der Wohltätigkeitseinrichtungen, und Führung der Register über Taufe, Firmung und Ehe. Diese Beschlüsse dienten anderen eifrigen Bischöfen als Normen ihrer eigenen Reformtätigkeit. Karl führte einen umfangreichen Briefwechsel, der in hundert Bänden erhalten ist. Sein Reformeifer provozierte erwartungsgemäß Widerstand – innerkirchlich und in der Politik. Karl hatte keine „Illusionen über die Wirksamkeit seiner Gesetze und Strafen, die Missbrauch verhindern sollten“. Daher setzte er bei der Priesterausbildung an, so wie sie das Konzil vorsah. Für das Volk unterstützte er die vom Priester Castellino da Castello gegründeten Glaubensschulen. Seine Haupttätigkeit entfaltete Karl in den Pastoralvisitationen. Er nahm diese damals mühsamen Besuche in dem ausgedehnten Bistum Mailand auf sich, aus der Überzeugung, dass „nur die persönliche Anwesenheit, Aufmunterung und das eigene Beispiel die Missbräuche ausmerzen können“. Karls „Hirteneifer, Großmut und Organisationstalent zeigten sich besonders deutlich während der Pest im Sommer 1576“, als sogar Regierungsmitglieder aus Angst vor Ansteckung Mailand verließen. Karl Borromäus übernahm damals die Organisation der Hilfsmaßnahmen. Er organisierte Lebensmittel, Kleider, Medikamente und Unterkünfte für die Kranken und Sterbenden. Karl verstand seine Bischofsaufgabe als Nachfolge Christi. Als er 1584 vom Wallfahrtsort Monte di Varallo bei Novara nach Mailand zurückkehrte, stellten die Ärzte fest, „dass seine Kräfte hoffnungslos erschöpft waren“. Am 3. November 1584 starb er 46jährig in Mailand.

Hubert Gindert 

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Muss die Kirche auf „Donum vitae“ zugehen?

Die Augsburger Allgemeine Zeitung schreibt am (26. 1.18) „Abtreibung: Kirche geht auf „Donum vitae“ zu“. Weiter: „ Nun scheint der Streit beigelegt worden zu sein. Das erklärte ..der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Thomas Sternberg. Dies gehe aus einem Brief des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, an ihn hervor. Demnach würden die deutschen Bischöfe jetzt anerkennen, dass „Donum Vitae“ den Schutz des ungeborenen Lebens zum Ziel habe. Beschäftigte von „Donum vitae“ könnten außerdem in Zukunft auch in bischöflichen Schwangerenberatungsstellen angestellt werden.“
Die Frage ist, was hat sich bei „Donum vitae“ gegenüber bisher geändert? „Donum vitae“ stellt weiterhin den Beratungsschein für die „Rechtswidrige, aber straffreie Abtreibung“ aus. Erzbischof Dyba hat diesen Schein zu Recht als „Tötungslizenz“ bezeichnet. Die Kirche bezeichnet Abtreibung als „verabscheuungswürdiges Verbrechen“.
Nun ist sehr zu begrüßen, dass das Erzbistum Köln dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz nicht gefolgt ist sondern deutlich widersprochen hat. In einem internen Brief von Weihbischof Puff für das Erzbistum, der im Kölner Stadt-Anzeiger veröffentlicht ist (siehe auch „Die Tagespost“ und ausführlich kath.net) teilt das Erzbistum mit, dass ehemalige Donum-Vitae-Mitarbeiter, die in den Beratungsdients des Erzbistum wechseln wollen, sich ausdrücklich von der Scheinausstellung distanzieren müssen. Donum Vitae wird aufgefordert, die Ausstellung des Beratungsscheins einzustellen. Der Verein sei weiterhin eine „Vereinigung außerhalb der Kirche“. „An Abtreibungen will und darf die katholische Kirche nicht mitwirken“, schreibt der Weihbischof für das Erzbistum. Zu erinnern ist auch daran, dass sich Papst Franziskus mit der gleichen Eindeutigkeit gegen die Abtreibung (beim Donum Vitae- Beratungsschein handelt es sich um die Lizens zur Abtreibung) gewandt hat, wie seine beiden Vorgänger. Um so erstaunlicher ist der Brief von Kardinal Marx, der ja zum Beratergremium des Papstes gehört.
Die AZ bezeichnet die bisherige Haltung der Kirche als „rigid“ und als „umstritten“ , wohl wissend, dass diese Begriffen negativ besetzt sind. Manches, was die Kirche fordert oder ablehnt, wird von der säkularen Welt so bezeichnet. So erging es auch Jesus Christus. Das wissen auch seine Anhänger. die Ausstellung des Beratungsscheins hat jedenfalls nicht das Ziel „ungeborenes Leben zu schützen“. Der Schein dient ausschließlich, wie oben gesagt, der „rechtswidrigen, aber straffreien Abtreibung“. Eine Aufweichung der kirchlichen Haltung wird kein „ungeborenes Leben“ retten. Das Gegenteil wird der Fall sein. Was die Kirche aber tun könnte, wäre die massive Aufstockung der Mittel für kirchliche Schwangerenberatung!
Es bleibt zu hoffen, dass andere Bistümer sich der Haltung des Erzbistums Köln anschließen.

Hubert Gindert

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Vorbilder braucht unsere Zeit: Es gibt sie!

Am 16. Dezember wurde im Münchner Liebfrauendom der Seligsprechungsprozess für den Journalisten Fritz Gerlich eröffnet. Kardinal Marx verglich Gerlich in seiner Predigt mit Johannes dem Täufer: „Johannes sei kein unbeteiligter Zeuge gewesen, sondern ein Märtyrer, der selbst betroffen gewesen sei und aus tiefer Überzeugung gehandelt habe… Gerlich sei ein Mann auf der Suche gewesen… unter Einsatz seines Lebens habe er sich auf die Seite des Lichts gestellt und sein Leben für die Wahrheit riskiert“ (Tagespost, 19.12.2017).
Fritz Gerlich ist noch nicht selig gesprochen. Er ist trotzdem ein Vorbild. Gerlich wollte immer der Wahrheit auf den Grund gehen. Deshalb fuhr er nach Konnersreuth, um den „Schwindel“ mit Resl aufzudecken. Dort erfuhr er nicht nur die Wahrheit über die Resl, er entdeckte mehr: Die Wahrheit der katholischen Kirche. Aus dem Saulus wurde ein Paulus. Konnersreuth wurde für Fritz Gerlich zum Damaskus seines Lebens. Nach seiner Konversion nahm er den Kampf gegen seine persönlichen Schwächen und Fehler ernst. Damit sagt er auch uns etwas, wenn wir am 14. Februar dem Aschermittwochtag zur Umkehr aufgerufen werden. 1931 schrieb Fritz Gerlich über sich: „Mein Lebensweg… ist durch viele, viele Irrtümer hindurchgegangen… aber unser Herr und Heiland Jesus Christus wird dem Manne, der wegen der offenen Aussprache seiner Überzeugung mit dem Strick um den Hals eines Tages zum letzten Urteil vor ihn hin tritt, sicher vieles verzeihen“ (Tagespost 19.12.2017).
Die Zeitung, für die Gerlich schrieb hieß „Der gerade Weg“. Ein passender Name. Zu Gerlichs Zeit wurde in der politischen Auseinandersetzung die Wahrheit, besonders von den Nationalsozialisten auf den Kopf gestellt. Adolf Hitler, Goebbels und Co stellten die größte Gefahr für das Volk dar. Gerlich war ihr entschiedenster Gegner. Dafür wurde er am 1. Juli 1934 im KZ Dachau ermordet.
Wenn aber Kardinal Marx in seiner Predigt sagte: „Viele, auch viele Christen sind dieser Ideologie gefolgt“, so müsste diese Aussage gerechterweise differenziert werden. Es waren Christen, die in ihrem Glauben heimatlos geworden waren – und es waren, wie das Wahlverhalten nach Konfessionen zeigt, in der großen Mehrheit Protestanten.
Da Fritz Gerlich gegen jede Form von Diktatur auftrat, würde der Gott- und Wahrheitssucher Gerlich heute auch gegen die Diktatur des Relativismus aufstehen, die nach Joseph Ratzinger „nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigen Ich und seine Gelüste gelten lässt“. Dieser Relativismus ist das Credo des heutigen Zeitgeistes. Er ist auch in die Kirche eingedrungen. Deswegen wird sich die Zustimmung für Fritz Gerlich sowohl in den säkularen wie auch in den kirchlichen Medien in Grenzen halten. Gerade deswegen ist das Beispiel von Fritz Gerlich so zeitgemäß!

Hubert Gindert

erscheint auch in unserer Monatszeitschrift „Der Fels“.

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Kraft für unser Handeln aus dem Wort Gottes

Der Beginn eines neuen Jahres ist in allen Kulturen ein Ereignis, das spektakulär und mit Lärm gefeiert wird; bei uns mit Neujahrsansprachen, Feuerwerk und Sportereignissen. Sie haben so viel Zukunftsbedeutung, wie die guten Vorsätze, die meist den ersten Januar nicht überleben.
Kardinal Sarah sagt in seinem Buch „Kraft der Stille“: „Unsere Welt hört Gott nicht mehr, da sie ununterbrochen mit rasantem Rhythmus und Redefluss spricht und dabei doch nichts sagt. Die moderne Zivilisation kann nicht schweigen. Sie führt nach wie vor ein Selbstgespräch“ (S. 73).
In Berlin soll eine neue Bundesregierung entstehen. Zukunftsvisionen scheinen nicht auf. In den bisherigen Koalitionsverhandlungen standen Klimaschutz, Digitalisierung, der Soli und Rentenabsicherung im Vordergrund, nicht aber so existenzielle Fragen wie die demographische Entwicklung und eine neue Familienpolitik, damit Menschen heranwachsen, welche die Versäumnisse der Vergangenheit und die Probleme schultern können. Die Gemütslage in einer überalterten Bevölkerung wird nicht in den Blick genommen. Man fühlt sich an das Bild vom „Schrei auf der Brücke“ von Edvard Munch erinnert.
Das hat auch damit zu tun, dass eine kraftlos gewordene Kirche im Westen nicht mehr die Hoffnung und die Kraft ausstrahlt, die Menschen aufrichtet. Die „Light-Version des Evangeliums“, wie sie im Interview mit BDKJ-Bundespräses Pfarrer Bingener deutlich wird (Tagespost 11.11.17), lässt von dieser Seite wenig Hoffnung für die Zukunft aufkommen. Nach Neuevangelisierung sieht das nicht aus. Ist das aber das ganze Mosaik, das die deutsche Ortskirche an der Wende von 2017/2018 bietet? Nein!
Kardinal Sarah sagt im o.a. Buch „Die Kraft der Stille“: „Die schönsten Dinge des Lebens ereignen sich in der Stille“ (S. 44). Was im Stillen, meist in kleinen, aber vitalen geistlichen Gemeinschaften und in „Hauskirchen“ heranreift, im Kontrast zum Bild der „Volkskirche“, passt nicht zu dem, was uns die Medien gerne als „Kirche“ servieren: nämlich das Bild, das eine Zeitung in der Zeit der Säkularisation bereits mit einem „stinkenden Kadaver, der nur noch nicht verwesen kann“, verglichen hat. Kirche passt für viele Medien nicht mehr in diese Zeit. Sie möchten ihr endlich das Requiem singen.
Katholiken, die Christus nachfolgen wollen, sind nicht ohne Hirten. Ihre Aufgaben hat Bischof Voderholzer auf der Herbstkonferenz der deutschen Bischöfe in Fulda in Erinnerung gerufen: … „Nur wer mit seiner ganzen Person für den Glauben einsteht, nur wer zu erkennen gibt, dass er sich als Bote dem sendenden Gott und nicht dem Zeitgeist, den Erwartungen der Medien oder sonstigen vorläufigen Instanzen verantwortlich weiß, wird bei anderen Glauben wecken. Kirchliches Leben braucht mehr als nur Sympathisanten. Leitbilder sind gefragt, Menschen die brennen und so das Feuer des Glaubens weitergeben können.“
Christen stellen das neue Jahr nicht unter irgendein Symbol oder unter das Zeichen von Geschöpfen, wie z.B. Chinesen oder Inder, sondern unter das Kreuz. Von ihm sagt Paulus: „Das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen eine Torheit. Uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft“ (1 Kor. 1,18). Mit dieser Kraft kommen wir sicher durch das Jahr 2018.

Hubert Gindert

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