Christoph Probst: „Hitler muss fallen, damit Deutschland lebe“

Die Münchner Widerstandgruppe „Weiße Rose“ wird in der Publizistik weithin auf die Geschwister Scholl reduziert. Das katholische Umfeld dieser Gruppe, das die Studenten inspirierte, wird dagegen kaum erwähnt. Da sind vor allem der Verleger Carl Muth, dessen Freund Theodor Haecker und Professor Kurt Huber. Auch die katholischen Mitglieder dieser Gruppe selbst wie Professor Kurt Huber, die Studenten Willi Graf und Christoph Probst sowie der orthodoxe Alexander Schmorell erscheinen in den meisten Darstellungen nur als Randfiguren, obwohl sie zum Kern der „Weißen Rose“ gehörten. Die meisten Mitglieder der Weißen Rose mussten bei ihren Fronteinsätzen selbst sehen, wie Juden, Russen und Polen massenweise vernichtet wurden. Sie gewannen die Überzeugung, dass Hitler und der Nationalsozialismus einen diabolischen Charakter hatten, der in direktem Gegensatz zu ihren christlichen Überzeugungen stand. Als Medizinstudenten bekamen sie Urlaub von der Front, so dass sie in München und Innsbruck ihr Studium fortsetzen konnten. Dort verfassten sie Flugblätter, die den verbrecherischen Kern des ganzen Nazi-Systems für die Zivilbevölkerung aufzeigen sollten. Auch Christoph Probst war Mitglied dieses Freundeskreises. Er war 1919 in Murnau geboren. Da sich seine Eltern sehr früh trennten, wuchs Christoph abwechselnd bei Mutter und Vater auf. Die beiden Kinder Christoph und seine Schwester Angelika wurden zwar nicht getauft, sie wurden aber religiös erzogen. Religiös beeinflusst wurde Christoph auch von seinem Schulfreund Alexander Schmorell. In einem Brief an seine Mutter schrieb Christoph: „Mein Leben war ein einziger Weg zu Gott.“ 1939 begann er als Soldat in München das Studium der Medizin. 1940 heiratete er Herta Dohrn, deren Vater vor Kriegsende ebenfalls erschossen wurde. 1942 wurde er zum Studium nach Innsbruck beurlaubt. Dort hat er das siebte Flugblatt der „Weißen Rose“ verfasst und an seinen Freund Hans Scholl weitergeleitet. Dieser trug den folgenreichen Text bei sich, als er am 18. Februar 1943 verhaftet wurde. Die Polizei ermittelte durch Schriftvergleich schnell, dass Christoph Probst der Verfasser dieses Textes war. Es begann: „Hitler muss fallen, damit Deutschland lebe ….“ Christoph Probst ahnte zunächst nichts von den Vorgängen in München. Am 19. Februar 1943 ging Probst in die Schreibstube seiner Kompanie, um seinen Sold abzuholen und um Urlaub zu beantragen. Er wollte seine Frau besuchen, die gerade das dritte Kind im Tegernseer Krankenhaus geboren hatte. In der Schreibstube wurde er sofort verhaftet und nach München gebracht, wo er am 22, Februar 1943 zusammen mit Hans und Sophie Scholl zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet wurde. Eine Stunde vor der Hinrichtung empfing er die schon lang ersehnte Taufe. Wir fragen uns heute: „Warum haben die Mitglieder der „Weißen Rose“ diese Gefährdung auf sich genommen?“ Sicher, weil sie das himmelschreiende Unrecht nicht mehr ertragen konnten. Und warum hat das System so schnell und so hart reagiert? Sicher, weil die massenweise Vernichtung von Menschen nicht bekannt werden durfte. Die ganz Wenigen, die etwas wussten, erzitterten und schwiegen. Die Deutschen hatten damals nur von KZs wie Dachau, Buchenwald oder Sachsenhausen gehört. Auschwitz aber durfte nicht bekannt werden. Der Versuch es aufzudecken brachte den Tod. Christoph Probst hat dieses Opfer bewusst auf sich genommen.

Eduard Werner

Bild: Georg Schweiger in Martyrologium „Zeugen für Christus“ I  S. 507-509

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Mehr Sicherheit durch die „Sicherheitskonferenz“?

Am 18./19. Februar fand in München die 53. „Sicherheitskonferenz“ statt. 30 Staats- und Regierungschefs, mehr als 70 Außen- und Verteidigungsminister kamen zu dieser Konferenz nach München. Eine Veranstaltung der Superlative! Sie wurde von einem riesen Aufgebot von Polizisten abgesichert. Im Vorfeld wurde diese Konferenz als „historisch“ qualifiziert. Was ist das Ergebnis? Hat diese Sicherheitskonferenz mehr Sicherheit für die Welt gebracht? Sind Probleme gelöst worden, die die Sicherheit gefährden, z.B. in der Ukraine, in Syrien, zwischen Israelis und Palästinensern, im Kampf gegen die Terroristen der IS, in Afghanistan, in der Auseinandersetzung zwischen Iran und Saudi Arabien? Man könnte noch einige Krisenherde hinzufügen. Es haben sich keine der ehemaligen Verfeindeten miteinander ausgesöhnt. Konferenzteilnehmer haben meist gut bekannte Statements abgegeben. Die Amerikaner haben von ihren NATO Partnern gefordert, ihre Verteidigungsanstrengungen auf 2% der Wirtschaftskraft ihres Landes anzuheben. Für Deutschland liegt der Wert bei derzeit 1,2%. Die Forderungen der Amerikaner sprechen auch nicht dafür, dass man die Sicherheit für gefestigt ansieht.
Von einer Aufbruchsrhetorik, die Begeisterung und eine Zukunftsperspektive weckt, war wenig zu spüren. Da geht der Blick in die Geschichte zurück.
Vor rund 200 Jahren gab es auch einen Kongress. Er hieß „Wiener Kongress“ und versuchte nach den Napoleonischen Kriegen eine Neuordnung und einen Ausgleich zwischen den Kriegsparteien. Das besiegte Frankreich war Verhandlungspartner. Die Monarchen nannten sich damals noch „Von Gottes Gnaden“. Sieht man von Kriegen ab, in die einzelne Länder verwickelt waren, dauerte es rund 100 Jahre bis zum nächsten großen Krieg, es war der I. Weltkrieg. Nach ihm diktierten die Sieger einen Diktatfrieden. Die Besiegten saßen nicht am Verhandlungstisch. Die Sieger bemühten sich nicht um einen Frieden, der zugleich ein Ausgleich war. Die Folgen sind bekannt.
Nach dem II. Weltkrieg gab es zwischen den „Erbfeinden“ Deutschland und Frankreich eine echte Zukunftsperspektive und einen dauerhaften Frieden mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft als Vehikel. Die Friedensordnung schufen Robert Schumann, Konrad Adenauer und Alcide de Gaspari. Alle drei waren praktizierende Christen, um es genauer zu sagen, Katholiken. Die christliche Haltung dieser drei Staatsmänner war wichtiger als ihre Nationalität. Da fällt einem bei der „historischen“ 53. „Sicherheitskonferenz“ von München und ihren Ergebnissen das Wort Jesu ein „ohne mich könnt ihr nichts tun“, wenn es Bestand haben soll.

Hubert Gindert

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Die enttäuschten „Sympathisanten“ des Papstes

Anlässlich des 80. Geburtstages wurde deutlich, dass Papst Franziskus manche „Sympathisanten“ enttäuscht hat, die ihn für ihre „Kirchenreformen“ instrumentalisieren wollten. Der Bericht „Alles nur schöner Schein?“ von Julius Müller-Meiningen in der Augsburger Allgemeinen Zeitung (17.12.16) illustriert das. Papst Franziskus wird zunächst freundlich gezeichnet und als „weiter leutselig aber auch nachdenklich“ geschildert, dann mit „ich habe das Gefühl, mein Pontifikat wird kurz sein“ zitiert. Danach werden die Reaktionen auf „solche Spekulationen“ beschrieben: „Da sind diejenigen, die aus Sorge um das Abdriften ihrer Kirche in die Beliebigkeit einen Rücktritt kaum erwarten können … sie sind die Minderheit. Andere wiederum sorgen sich, dass das zarte Pflänzchen der Erneuerung stirbt, sobald der Argentinier nicht mehr im Amt ist“ … „Bergoglio hat zweifellos einen neuen Stil in der Kirche geprägt“. Als Beleg wird angeführt: „Die Zeiten der Förmlichkeiten und des blinden Gehorsams“ seien passé, weiter, der „offene Stil, mit dem inzwischen bis auf höchster Ebene diskutiert werde“. „Franziskus habe neue Freiheiten geschaffen“. Wenige Zeilen vorher spricht der gleiche Artikel von einem „manchmal sehr autoritären und oft auch populistischen Franziskus“.
Dann kommt der Angriff auf den „harten Kern von Kardinälen und Bischöfen, die alles tun, um Vorstöße Bergoglios zu delegitimieren“. Dafür werden die vier Kardinäle mit ihren „Dubia“ (Zweifeln) zu „Amoris Letitiae“ genannt, die ihre „fünf Zweifeln am päpstlichen Lehramt sogar öffentlich gegen Franziskus“ geäußert hätten. Redlicherweise hätte Müller-Meiningen sagen müssen, dass die vier Kardinäle ihre Anfragen und Bitten um Klärung erst öffentlich gemacht haben, als sie nach acht Wochen noch keine Empfangsbestätigung hatten, weiter, dass Stil und Ton des Schreibens respektvoll und sachlich gehalten sind, schließlich, dass Anfragen dieser Art im Kirchenrecht ausdrücklich vorgesehen sind. Das Thema „Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion… wirkt meilenweit entfernt von den Bedürfnissen der Menschen,“ so der Kritiker Müller Meiningen. Es sei „aber von entscheidender Bedeutung für die Kirche, weil hier die grundsätzliche Frage entschieden wird, ob das Gewissen des Einzelnen Vorrang vor absoluten Normen haben kann“. Weiterlesen

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Ökumenischer Religionsunterricht?

Der Religionsunterricht hat die Aufgabe, die Kinder mit dem Glauben der Kirche vertraut zu machen. Damit ist das Wissen, aber auch die Liebe zur eigenen Kirche gemeint. Von der Wissensvermittlung ist der Religionsunterricht abgerückt, als der Katechismus entsorgt wurde. Die emotionale Seite setzt Religionslehrer voraus, die den Glauben praktizieren und auch persönlich davon Zeugnis ablegen. Deswegen bräuchte kein Religionslehrer Fehler und menschliche Schwächen von Christen, die in der Kirchengeschichte ihren Niederschlag gefunden haben, unter den Teppich zu kehren. Schließlich weist die Kirchengeschichte auch glänzende Seiten auf mit ihrem Heer von Glaubenszeugen sowie ihren caritativen und kulturellen Leistungen.
Der Reli-Unterricht kann nicht ausgleichen, wenn die sogenannte Primärsozialisation im Elternhaus ausfällt. Es wird aber zur Ausrede, wenn im Religionsunterricht nicht das getan wird, was die Aufgabe ist, nämlich den Schülern das Grundwissen des Glaubens zu vermitteln. Fakt ist, dass die Absolventen nach 8-9 Jahren Religionsunterricht den Glauben der Kirche nicht kennen und auch nicht als attraktiv empfinden. Nach Kommunion und Firmung sieht man die Jugendlichen, von Ausnahmen abgesehen, nicht mehr in der Kirche – und das seit mindestens zwei Generation.
Die Verantwortlichen der Diözesen wissen das alles. Es wurde ihnen in zahlreichen Stellungnahmen zur Kenntnis gegeben. Das eigentliche Problem ist die fehlende Bereitschaft, Fehlentwicklungen zu korrigieren und eine Kursänderung vorzunehmen. Was wir in Politik und Gesellschaft vorfinden, nämlich die Konfliktscheue, findet sich ebenso ausgeprägt in der Kirche. Wer auf Mängel hinweist, wird als Unruhestifter abgestraft, mindestens aber nicht beachtet.
„Die Deutsche Bischofskonferenz sieht in der Ökumene die Zukunft des konfessionellen Religionsunterrichts“, schreibt das Westfalen-Blatt vom 17./18.12.2016: „Für die Zukunft ist die Kooperation beider Fächer von großer Bedeutung“, sagt Erzbischof Hans-Josef Becker. Becker ist der Vorsitzende der bischöflichen Kommission für Erziehung und Schule. „Die Kooperation von katholischem und evangelischem Religionsunterricht dürfe aber nicht mit einem überkonfessionellen Religionsunterricht verwechselt werden … Ziel ist es vielmehr, dass die Schüler zu einem besseren Verständnis konfessioneller Gemeinsamkeiten und Unterschiede gelangen“, so Becker.
Wäre es nicht vorrangig, dass die Schüler zuerst einmal den Glauben ihrer Kirche kennenlernen, bevor sie die konfessionellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede kennenlernen? Ein Beobachter dieser Bestrebungen sagt: „Die Selbstzerstörung schreitet fort. Die Bischöfe verraten eine den Gläubigen durch den freiheitlichen Verfassungsstaat gesicherte Errungenschaft: Den konfessionellen Religionsunterricht“.

Hubert Gindert

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Der Zölibat: Unerträglich für Relativisten

Die Augsburger Allgemeine Zeitung nimmt die „Erste deutschlandweite Seelsorgstudie der katholischen Kirche“ über „Ressourcen und Belastungen“ von katholischen Seelsorgern zum Anlass, die Zölibatsverpflichtung für katholische Priester zu kritisieren. Der Titel lautet „Wenn nur der leidige Zölibat nicht wäre“ (AZ, 18.4.15, S. 6). Im Untertitel dazu heißt es: „Jeder dritte katholische Priester in Deutschland empfindet die vorgeschriebene Ehelosigkeit als schwere Belastung.“
„Eine fünfköpfige Forschungsgruppe unter der Leitung von P. Prof. Eckart Frick SJ hat dazu mehr als 8.000 in der katholischen Seelsorge tätige Personen befragt. In der Studie werden Ressourcen, Anspruch und Belastung der pastoralen Berufe in der katholischen Kirche Deutschlands untersucht: Erreichbar sein, trösten können, spirituelle Orientierung geben, kompetent leiten können … Was aber passiert, wenn die Gemeinden zu immer größeren Einheiten zusammengelegt werden? Wie wirken sich die Herausforderungen unserer Zeit auf Engagement und Gesundheit aus … Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft sind erstaunlich hoch … Dennoch gibt es natürlich Hauptamtliche in der Seelsorge, die für Unterstützung oder auch eine stärkere Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten in der Seelsorge dankbar wären, so das Fazit des Forschungsteams“ (Pressemitteilungen der deutschen Bischofskonferenz, 16.4.15).
Sprechen diese Feststellungen der AZ gegen den Zölibat? „Herausforderungen“ für eine Aufgabe werden üblicherweise als etwas Positives betrachtet. Sie geben Gelegenheit, Fähigkeiten zu beweisen.
Zum Zölibat sagt die Lehre der Kirche: „Mit Ausnahme der ständigen Diakone werden alle geweihten Amtsträger der lateinischen Kirche normalerweise aus den gläubigen Männern gewählt, die zölibatär leben und den Willen haben, den Zölibat ‚um des Himmelreiches willen‘ (Mt. 19,12) beizubehalten“ (KKK 15,79). Der Zölibat ist zweifellos eine „Herausforderung“, um ungeteilt für die priesterliche Aufgabe zur Verfügung zu stehen. Ist er lebbar? Laut Seelsorgstudie wird er von sieben Achtel gelebt. Der Priesterkandidat prüft sich dafür in einem jahrelangen Entscheidungsprozess. Wer sich gegen die Zölibatsverpflichtung ausspricht, traut offensichtlich einem Menschen nicht zu, eine solche Bindung einzugehen und ein Leben lang durchzuhalten. Die Frage hier ist, was geschehen kann, dass Priester ihr Zölibatsversprechen durchhalten oder erneuern können. Im AZ-Artikel wird beispielsweise angedeutet, dass Priester, die zusammen mit anderen in einer Wohngemeinschaft leben, zufriedener seien als allein lebende“. Weiter sind „wesentlich für die Lebenszufriedenheit positive spirituelle Erfahrungen, vor allem im privaten Gebet“. Eine Stärkung für die Priester ist außerdem die „Anerkennung ihrer Arbeit“. Wenig hilfreich ist dagegen, wenn selbst innerhalb der Kirche der Zölibat infrage gestellt wird. So fordert Joachim Frank, der neue Vorsitzende der „Gesellschaft katholischer Publizisten“ von den Bischöfen „alternative Zugänge zum Priesteramt anzubahnen“. Frank verschweigt bei seiner Forderung, dass er verheirateter Expriester ist (kath.net 17.4.2015).
In der Diktatur des Relativismus steht die Zölibatsforderung auch für das unterscheidend Katholische. Diese Alleinstellung ist für Relativisten unerträglich. Der verbissene Kampf gegen den Zölibat findet darin seine Erklärung.

Hubert Gindert

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„Christliche Amtskirchen ohne Rückgrat?

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sagt in Art. 139: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“ Kann man tatsächlich nach dem Verfassungsgerichtsurteil vom November 2016 mit der Relativierung der stillen Feiertage, des Karfreitags, noch davon sprechen? Dazu äußert der Gesprächskreis „Christsozialer Katholiken“ (CSK) in seiner Pressemitteilung vom 7. Dezember 2016: „Mit einigem Befremden stellen wir ChristSoziale Katholiken in der CSU fest, dass Kardinal Marx für die Katholiken erst nach einer Woche Bedenkzeit weiß, was die vorgebliche Neutralitätsstunde geschlagen hat. Hier soll sichtlich die Grundorientierung der Gesellschaftsordnung untergraben und schließlich eliminiert werden.“ Der Sprecher der CSK, Staatsminister a.D. Dr. Thomas Goppel sagt: „Desinteressiertheit an der eigenen Identität und Präsentation sind den Beobachtern der Protestantenszene nicht neu. Dass allerdings der eigene Glaubensauftrag nur mehr dann auf dem Spiel zu stehen scheint, wenn die von Dritten eingeforderte Gleichbehandlung angegriffen wird, kommt einer Bankrotterklärung der eigenen Mission gleich.“
Das Statement auf eine Kirche, die freiwillig abdankt, könnte kaum drastischer ausfallen.

Hubert Gindert

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Hundert Jahre Fatima – Was wird aus der Botschaft?

Kein Jahr in unserem Leben ist ohne seine besondere Bedeutung, ob es scheinbar ruhig dahinfließt oder von aufrüttelnden Ereignissen geprägt ist. Das gilt auch für die Gesellschaft insgesamt. „Das Kommen des von den Propheten angekündigten Messias ist das in qualitativer Hinsicht wichtigste Ereignis der gesamten Geschichte, der es ihren letzten und vollen Sinn verleiht.“ (Informationen aus Kirche und Welt, Nr.01, Januar 2017)
Wer auf den Verlauf der Zeiten schaut, hat den Eindruck, dass aus dem Strom der Ereignisse solche mit einer langen Nachwirkung herausragen – im Guten, wie im Bösen.
Die „Reformation“ durch Martin Luther, der in diesem Jahr gedacht wird, erinnert an Kriege, Verwüstungen, Spaltung – auch quer durch die Familien. Eine Nachwirkung: Grund zur Besinnung, aber sicher nicht zum Feiern.
Das Jahr 2017 erinnert auch an Fatima und die Erscheinungen der Gottesmutter vor 100 Jahren mit der Botschaft zur Umkehr, Buße und Sühne. Für Hunderttausende in Portugal waren sie der Anstoß zur Bekehrung. Dem Land brachten sie die Freiheit von der atheistischen Freimaurerherrschaft.
Das Jahr 1917 brachte aber auch die kommunistische Machtergreifung in Russland, die mit Blick auf China und Nordkorea immer noch nicht überwunden ist.
Es gibt ein weiteres Ereignis aus diesem Jahr, das nachwirkt: Der Eintritt der USA in 1.Weltkrieg, der Europa seinen Vorrang und seine Weltgeltung gekostet hat.
Westeuropa hat nach dem 2.Weltkrieg unter der Ägide von Konrad Adenauer, Robert Schuman und Alcide de Gasperi noch einmal alle Kräfte für einen Neuanfang auf christlicher Basis gebündelt. Quantitativ ist dieses Europa, vor allem nach dem Fall der Berliner Mauer, gewaltig gewachsen. Das Fundament, das die großen Europäer der Nachkriegszeit gelegt haben, ist inzwischen kein trittfester Boden mehr. Es gleicht eher einer Geröllhalde. Die leeren christlichen Kirchen, neben denen Moscheen aus dem Boden sprießen, unterstreichen den seelischen und religiösen Bankrott.
Diese Gesellschaft kann sich aus eigener Kraft nicht befreien. Die Ansage einer moralischen Erneuerung durch Helmut Kohl verpuffte ebenso wie die „Hauruck“-Rede des Bundespräsidenten Roman Herzog am 26. April 1997. Auf seinen eindringlichen Appel: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen. Alle sind angesprochen, alle müssen mitmachen“ herrschte im Vortragssaal danach, so die Presse, „eisiges Schweigen“.
Unser Blick richtet sich auf Fatima. Nach vorn? Wird das eintreten, was als Aussage von Schwester Lucia berichtet wird: „Deutschland wird in den Schafstall Christi zurückkehren?“ Nun ist Deutschland nicht der Nabel der Welt. Es hat jedoch, wie uns Siegfried Ernst, der unvergessene Kämpfer für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder, einmal nahegebracht hat, nicht zufällig eine zentrale geografische Lage im Herzen Europas, die nach allen Seiten ausstrahlt. Entscheidend wird für 2017 und die Jahre danach sein, ob die Botschaft der Gottesmutter vom 1917 im Jahr 2017 aufgegriffen wird.

Hubert Gindert

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Katholiken in Diktaturen

Unser Mitarbeiter Dr. Eduard Werner, der Autor der letzten Seite im Fels, stellt in seinem neuen Buch „Helden und Heilige in Diktaturen“ den heldenhaften Widerstand der Katholiken unter dem Hitler-Regime und unter dem Kommunismus dar. Die frühzeitigen Warnungen der Päpste und der Bischöfe vor dem Nationalsozialismus und vor dem Kommunismus sind auch unter Historikern weithin unbekannt. Ebenfalls wenig bekannt sind auch die erschütternden Glaubenszeugnisse der Märtyrer in den Gefängnissen und KZs des 20. Jahrhunderts. Die hier dargestellten Märtyrer sind im Deutschen Martyrologium „Zeugen für Christus“ dokumentiert, das Professor Dr. Helmut Moll herausgegeben hat. Die Lebensläufe der Bekenner wurden aus verstreuten Berichten gesammelt. Den vielen Bekennern, welche die Verfolgung überlebt haben, kann der Ehrentitel Märtyrer nicht zugesprochen werden. Sie haben jedoch den gleichen Mut und die gleiche Todesbereitschaft wie die ermordeten Glaubenszeugen aufgebracht. Auch sie werden in diesem Buch als Vorbilder gewürdigt. Dieser erstaunliche Einsatz der Priester und Laien für den katholischen Glauben, für Wahrheit und Mitmenschlichkeit geschah stets in Übereinstimmung mit der Hierarchie, in Übereinstimmung mit dem Papst und mit den Bischöfen.
Der Autor zeigt im ersten Teil des Buches, dass die Vorwürfe, die gegen die Kirche erhoben werden, entweder auf Unkenntnis oder auf bösem Willen beruhen. Die Kirche hatte bekanntlich keine Armee. Daher konnte sie auch keine Kanonen gegen Hitler ins Feld führen. Sie hatte aber geistige Waffen. Und die hat sie auch eingesetzt. Früher als andere hat die Kirche festgestellt, dass die beiden extremen Ideologien mit der katholischen Kirche nicht vereinbar sind und dass daher Katholiken die NSDAP nicht wählen dürfen. Kardinal Faulhaber hat bereits am 1. November 1923 den „blinden Hass der Nationalsozialisten gegen Juden und Katholiken“ öffentlich missbilligt, worauf ihn diese als Judenkardinal beschimpften. Am 25. März 1928 verurteilte Papst Pius XI. den Antisemitismus aufs schärfste. 1932 warnten die katholischen Bischöfe Deutschlands davor, die Nationalsozialisten zu wählen. Die Landkarten mit den Wahlergebnissen von 1932 und 1933 belegen, dass die NSDAP in katholischen Gebieten die wenigsten Stimmen bekam. Die Adventspredigten von Kardinal Faulhaber 1933 bezeugen schon sehr früh die Wachsamkeit der Kirche gegenüber der braunen Ideologie. Am 7. Februar 1934 ließ Papst Pius XI. Alfred Rosenbergs Buch „Mythus des 20. Jahrhunderts“ , die ideologische Grundlage des Antisemitismus, auf den „Index“ der für Katholiken verbotenen Bücher setzen. 1934 und 1935 stellten das bischöfliche Ordinariat Münster und das erzbischöfliche Ordinariat Köln in ihren Amtsblättern wiederum die Unvereinbarkeit der NS-Ideologie mit der katholischen Kirche fest. Das Joseph Teusch-Werk der Erzdiözese Köln verbreitete in zwanzig Millionen Flugschriften die Unvereinbarkeit der NS-Ideologie mit der katholischen Kirche. Das Weltrundschreiben „Mit brennender Sorge“ von 1937 und viele bischöfliche Predigten dokumentieren den geistigen Kampf zwischen dem mächtigen Staat und der fast wehrlosen Kirche. Für dieses Bekenntnis zu Wahrheit und Mitmenschlichkeit hatten Katholiken als Kriegsdienstverweigerer, als Judenhelfer und als Helfer von Kriegsgefangenen in den KZs und in den Gefängnissen einen hohen Blutzoll zu entrichten. Ihr Glaubensmut und ihre Einsatzbereitschaft verpflichten uns zur Dankbarkeit und Wachsamkeit gegenüber neuen Gefahren.

Gerhard Stumpf

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche – Severin von Noricum

Die Zeit des heiligen Severin von Noricum war eine Epoche des Umbruchs und des Übergangs in eine neue Ära Europas. Sie zeigt Parallelen zu unserer Zeit.
Im Jahr 476 wurde der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustulus vom germanischen Söldnerführer Odoaker abgesetzt. In den vorausgegangenen Jahrzehnten wurde das weströmische Imperium von den germanischen Invasoren überschwemmt. Die Mission, die die Römer außerhalb Italiens noch hatten, bestand darin, die Barbaren noch ein wenig mit der lateinischen Kultur, dem römischen Recht, der verwaltungsmäßigen Ordnung und Infrastruktur vertraut zu machen.
Wenn sich die alte politische Ordnung auflöst und sich das Chaos ausbreitet, besteht die Gefahr, dass die Macht des Stärkeren triumphiert, Minderheiten unterdrückt werden, und das Gemeinwohl aus dem Blick gerät, weil jeder nur mehr seine eigene Haut retten will. Das war die Situation, als Severin um 460 n. Chr. nach Noricum kam. Severin wurde zum Hoffnungsträger.
Die römische Provinz Noricum reichte vom Wienerwald und von der Donau bis zur Drau. Severin hatte ursprünglich die militärische Laufbahn eingeschlagen, war dann aber Mönch geworden und hatte einige Jahre als Einsiedler gelebt. Als er nach Noricum kam, war das Gebiet bereits christianisiert. Severin fand ein voll entwickeltes religiöses Leben und eine intakte kirchliche Organisation vor. Nun befand sich alles in Gefahr. Nördlich der Donau standen die germanischen Rugier, die in die römische Provinz Noricum hineindrückten. Die Rugier waren, wie alle Germanenstämme außer den Franken, arianische Christen, die die katholische Bevölkerung der römischen Provinz unterdrückten und ausbeuteten. In dieser Situation war Severin der „gottgesandte Helfer“. Er sah die materielle und geistliche Not seiner Landsleute und hatte auch ohne Militärmacht den Mut, bei den Germanenfürsten religiöse Toleranz und Glaubensfrieden einzufordern. Severin konnte zwischen Katholiken und Arianern den Glaubensfrieden herstellen. Zur Linderung der materiellen Not baute er ein Netz von Hilfseinrichtungen auf, das er durch den „Zehnten“ finanzierte, den er von den Vermögenden in den Städten und Kastellen mit Nachdruck einforderte. Was Severin tat, formulierte Papst Pius XII. so: „Politik kann eine der höchsten Formen der Caritas sein“. Severin, der sich nach dem Leben als Mönch sehnte und sich auch immer wieder in das von ihm gegründete Kloster Tavianis (Mautern) bei Krems zurückzog, ließ sich von den „Wirklichkeiten des Lebens“ immer wieder in den Dienst in und an der Welt rufen. Den Glauben beim einfachen Volk zu erwecken und wach zu halten, war ihm, angesichts der religiösen Wirren seiner Zeit, ein besonderes Anliegen. Er praktizierte das, was Benedikt XVI. ca 1500 Jahre später sagte: „Man muss den Glauben der einfachen Leute schützen.“ Der kraftvollen Persönlichkeit Severins konnte sich auch der Rugierkönig nicht entziehen und zog Severin in der Auseinandersetzung mit den Goten zu Rate. Der Mönch war politische Autorität und geistliches Oberhaupt der Provinz geworden. „Selbst die Bischöfe zollten seinem Wort die gebührende Achtung.“ Vor allem war Severin der anerkannte Repräsentant der Romanen. Als die Bedrohungen durch die Alemannen einsetzten, organisierte Severin den geordneten Rückzug der katholischen romanischen Bevölkerung in das Gebiet von Laureacum (Lorch an der Enz) und später nach Mautern, wo er am 8. Januar 482 starb. Severin konnte zwar die frühere Ordnung nicht mehr wieder herstellen, aber er konnte den geordneten Übergang gestalten.

Gerhard Stumpf

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Stellungnahme des „Forums Deutscher Katholiken“ zum Wort der Deutschen Bischofskonferenz zu „Amoris Laetitia“.

Die Deutschen Bischöfe haben am 23. Januar in einem Wort zu “Amoris Laetitia“
die individuelle Gewissensentscheidung als Zulassungskriterium für den Kommunionempfang geschiedener Wiederverheirateter dargestellt. Das erinnert an die „Königsteiner Erklärung“ zur Empfängnisregelung nach dem päpstlichen Schreiben „Humanae vitae“. Der klare Hinweis, dass sich das Gewissen an der Lehre der Kirche ausrichten muss, würde viele Unsicherheiten beseitigen.
Der Verzicht geschiedener Wiederverheirateter, die ehelich zusammenleben auf den Empfang der Sakramente kann zweifellos schmerzlich sein. In der Situation der katholischen Kirche in Deutschland ist es schwierig, einen solchen Verzicht zu vermitteln, weil das Kreuz und der Satz Jesu: „Wer mir nachfolgen will, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ ( Mt.16,24) aus der Katechese ausgeklammert wird. Wenn dieser Kernsatz der Botschaft Jesu in Predigt und Katechese nicht wieder seinen gebührenden Platz bekommt, ist nur mehr ein Wohlfühlchristentum zu vermitteln.

Prof.Dr.Hubert Gindert

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