Erklärung des Forums Deutscher Katholiken: Wir stehen zu Bischof Vitus Huonder!

Wir stehen zu Bischof Vitus Huonder!

Bischof Vitus Huonder aus Chur hat auf dem Kongress „Freude am Glauben“ am 31.07.2015 über „Ehe – Geschenk ,Sakrament und Auftrag“ die Lehre der Kirche dargestellt.
In seinem Vortrag hat Bischof Huonder auch Bibelstellen aus dem Alten und Neuen Testament zur Homosexualität zitiert. Eine zitierte Bibelstelle (Leviticus) lautet: „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel. Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen“( Lv 18,22; 20,13).

Bischof Huonder kommentierte: „Die beiden Texte legen mit weiteren anderen Stellen der Heiligen Schrift, insbesondere im Buch Levitikus, die göttliche Ordnung vor, welche für den Umgang mit der Sexualität gilt.
In unserem Fall geht es um die gleichgeschlechtliche Praxis. Die beiden zitierten Stellen allein würden genügen, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben.
Die Aussage hat daher auch Bedeutung für die Definition der Ehe und der Familie.“

Dem Bischof von Chur, Vitus Huonder, „öffentliche Aufforderung zu Verbrechen oder zur Gewalttätigkeit“ (www.blick.ch) vorzuwerfen, auszuposaunen, Bischof Huonder „zieht gegen Homosexuelle ins Feld“ (srf), er habe „indirekt die Tötung von Homosexuellen legitimiert“ (Wochenblatt), zeugen von einer böswilligen Verleumdung mit totalitärem Gehabe seitens der Homolobby und deren Krakenarme in Medienlandschaft, Politik und sogar Kirche.

Das „Forum Deutscher Katholiken“ steht zu Bischof Huonder und zu seinen Ausführungen.
Das Forum Deutscher Katholiken hat bisher zu den Vorgängen, nach Rücksprache mit der Medienstelle des Bistums Chur, keine öffentliche Stellungnahme abgegeben, weil es in einer Situation, in der sich bestimmte Kreise„mit sprungbereiter Feindseligkeit“ (Benedikt XVI) auf Bischof Huonder gestürzt haben, keine Möglichkeit sah, zur Versachlichung der Diskussion einen Beitrag zu leisten.

Prof. Dr. Hubert Gindert

Forum Deutscher Katholiken

Zur ergänzenden Information zu dieser Erklärung bitten wir unsere Leser, das Interview nachzulesen, dass Bischof Huonder dem Schweizer “Blick” gegeben hat. Er hat in hervorragender Weise auf die aggressiven Fragen des Interviewers geantwortet.

http://www.blick.ch/news/schweiz/exklusiv-interview-bischof-huonder-rechtfertigt-seine-schwulenfeindlichen-aussagen-id4065627.html

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In welcher Welt wollen wir leben?

In welcher Welt wollen wir leben? Das kann ich mir nicht aussuchen, werden die Meisten spontan antworten. Das ist nur teilweise richtig, weil diese Welt aus vielen Teilwelten mit unterschiedlichen Einflussmöglichkeiten besteht. Was sind diese Welten? Die Familie, wo wir die meiste Zeit verbringen, der Arbeitsplatz, der Ort wo wir unseren Hobbys nachgehen.
Die Welt in der wir leben, meint aber nicht so sehr einen geographischen Ort. Es sind die Menschen, denen wir dort begegnen. Was erwarten wir von ihnen? Was wünscht sich jeder: Das Kind, das die ersten Schritte setzt, der Angestellte am Arbeitsplatz, der Kranke, der Mensch, der im Hospiz seinen letzten Stunden entgegensieht: Einen zugewandten Blick, ein hörendes Ohr, Respekt, Liebe. Das wäre die Spitze! Denn sie kann die Welt verwandeln.
Blicke einer Teresa von Kalkutta sind so selten. Aber es gibt den, von dem Benedikt XVI. sagt: „Jesus sehnt sich nach uns, er erwartet uns, und wir? Haben wir wirklich eine Sehnsucht nach ihm, verspüren wir in unserem Inneren einen Anstoß, ihm zu begegnen, ersehnen wir seine Nähe?“ (Quelle: L‘Osservatore Romano 1.5.11) Weiterlesen

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Wenn der Mut zu Reformen fehlt

In der Auseinandersetzung auf der Römischen Synode der Bischöfe im Oktober um Ehe und Familie geht es um den „Kern jeder Sozialordnung“ (Benedikt XVI.), in den Worten von Papst Franziskus um die „Krone der Schöpfung“. Der us-amerikanische Präsident Barak Obama hat Recht, wenn er die 5:4 Entscheidung des Obersten Gerichtes für die „Homo-Ehe“ als „historisch“ bezeichnet. Er hat aber Unrecht wenn er diese Entscheidung einen „historischen Sieg“ für die amerikanische Gesellschaft nennt. Tatsächlich ist es eine historische Niederlage für die Menschen.
Für die zweite Sitzung der Außerordenlichen Sitzung der Bischöfe in Rom gibt es ein Arbeitspapier (Instrumentum laboris). Zu diesem Papier sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz u.a. …“Man spürt im gesamten Text das Bemühen, keine Vorfestlegung zu bestimmten Themen treffen zu wollen …die Bedeutung der Barmherzigkeit wird erwartungsgemäß stark herausgestellt … gerade bei den komplexen Themenbereichen im Umgang mit Paaren in Krisen-, Trennungs- und Scheidungssituationen und der Aufmerksamkeit gegenüber Personen mit homosexueller Orientierung zeigt das Dokument in einer vorsichtigen Sprache verschiedene Blickwinkel auf. Es ist auch hier das Bemühen spürbar, die Diskussion offen zu halten …für die bevorstehende Bischofssynode bietet das „Instrumentum laboris“ eine Diskussionsgrundlage, die die Gesprächsperspektiven mit verschiedensten Formulierungen offen hält“. (Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz, 23.6.2015).
Guido Horst erklärt dazu: „Es (Instrumentum laboris) enthält keine klare Linie, sondern gibt Stimmen wieder, auch, wenn diese sich widersprechen“. (Tagespost, 25.6.15)
Was die Vertreter der deutschen Ortskirche, Erzbischof Marx, Erzbischof Koch und Bischof Bode wollen, hat Kardinal Marx nach der Frühjahrskonferenz der deutschen Bischöfe in Hildesheim deutlich gemacht, nämlich „neue Wege zu gehen“ und „mitzuhelfen, dass Türen geöffnet werden“. Die Synode müsse einen Text finden, der die Diskussion „weiter voranbringe“ und zugleich „in Grundsatzfragen eine gemeinsame Position finden“. In der Lehre bleibe man in der Gemeinschaft der Kirche, in Einzelfragen der Seelsorge „kann die Synode nicht vorschreiben, was wir in Deutschland zu tun haben“. Darum sollten die Bischöfe laut Marx nach der Synode ein eigenes Hirtenwort zu Ehe und Familie veröffentlichen. Zum geplanten postsynodalen Hirtenwort der deutschen Bischöfe nach der Römischen Synode meint Erzbischof Heiner Koch „wenn man sehen werde, was Papst Franziskus uns ans Herz legen wird, werden wir dann versuchen, das auf unsere Situation nochmal zu übersetzen‘“. (Tagespost, 20.06.15) Das Bestreben einen deutschen Sonderweg zu gehen wird hier unterstrichen. Was die Mehrheit der deutschen Bischöfe will, hat Regina Einig so charakterisiert: „Die deutschen Bischöfe richten sich auf einen langen Gesprächsprozess über Ehe und Familie mit viel Spielraum für die Ortskirche ein.“ (Tagespost, 26.2.15) Weiterlesen

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München Hauptstadt der Bewegung und Hauptstadt des Widerstandes Teil IV (Resümee)

Resümee:

Am Ende zeigt sich, dass die wichtigsten Thesen dieser Ausstellung falsch sind. Die Behauptung, dass „die Münchner“ zwölf Jahre NS-Geschichte nicht aufgearbeitet, sondern in sträflicher Weise verdrängt hätten, hätte der Architekt Nerdinger nicht aufstellen können, wenn er die einschlägige Literatur und Dokumentationen zur Kenntnis genommen hätte. Schon allein die einschlägigen Bücher des ehemaligen KZ-Häftlings Weihbischof Neuhäusler belegen eine intensive Beschäftigung der Kirche mit diesem Thema. Dass 2756 katholische Priester im doch recht nahen KZ Dachau gefangen waren, hätte in dieser Ausstellung gewürdigt werden müssen. Dass Weihbischof Neuhäusler nach dem Krieg viel Zeit und Geld aufgewendet hat, um auf dem KZ-Gelände Dachau zur bleibenden Erinnerung und zur bleibenden Mahnung ein Sühnekloster zu errichten, wird in der Ausstellung nicht einmal erwähnt. Das verdrängt der Ausstellungsmacher. Der Vorwurf der Verdrängung trifft also umgekehrt zu. Dr. Nerdinger verdrängt die intensive Beschäftigung der Kirche mit dem NS-Thema, um seinen Vorwurf erheben zu können. Dieses Vorgehen beruht aber nicht auf wissenschaftlichen Kriterien, sondern auf politischer Ideologie. Das ist für das Ansehen der Träger dieser Ausstellung unangemessen.
Dr. Nerdinger will auch den Eindruck erwecken, als seien die Münchner überwiegend Nationalsozialisten gewesen. Dabei musste er übersehen, dass die NSDAP bei den letzten freien Wahlen im November 1932 nur 18,44 % der Stimmen errang. So steht es laut Münchner Stadtarchiv in der Untersuchung von Mathias Rösch „Die Münchner NSDAP 1925 – 1933“ auf Seite 548. Auch dieses Wahlergebnis passt Herrn Dr. Nerdinger nicht in sein Konzept und muss daher unerwähnt bleiben. Weiterlesen

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München Hauptstadt der Bewegung und Hauptstadt des Widerstandes Teil III

Haben die Münchner die NS-Zeit verdrängt?

Durch die ganze Ausstellung zieht sich die Behauptung, die Nachkriegsgesellschaft hätte die NS-Zeit verdrängt. Das trifft nicht zu.
Aus der Mitte der Kirche kamen mit Neuhäuslers Erfahrungsbericht „Kreuz und Hakenkreuz“ sowie mit dem Buch „Saat des Bösen; Kirchenkampf im Dritten Reich“ sehr bald nach dem Krieg Analysen und Anklagen gegen das NS-Regime. Auch der Katholik Eugen Kogon hat mit seinem Buch „Der SS-Staat“ schon bald nach dem Krieg zur Aufklärung über die nationalsozialistische Weltanschauung und über die damals begangenen Verbrechen beigetragen. Der Münchner Weihbischof Neuhäusler hat nicht nur seine eigenen KZ-Erfahrungen in zwei Büchern geschildert, er hat auch auf Bitten von Papst Pius XII. den österreichischen Geistlichen Pater Johann Lenz gebeten, seine KZ-Erfahrungen aufzuschreiben und zu veröffentlichen. P. Lenz hat es getan und sein Buch hat in kurzer Zeit hohe Auflagen erreicht. In den Kirchenzeitungen und vor allem in den Predigten spielten damals diese Analysen und Erfahrungsberichte ständig eine große Rolle. Es stimmt einfach nicht, dass die Kirche oder die Münchner und darüber hinaus die Deutschen insgesamt die NS-Zeit verdrängt hätten. Wer die einschlägigen kirchlichen Druckerzeugnisse nicht gelesen hat und die Predigten der aus den KZs zurückgekehrten Priester nicht gehört hat, kann heute leicht das Gegenteil behaupten. Der jüdische Professor Michael Wolffsohn hat kürzlich in der Fernsehsendung bei Günter Jauch ebenfalls darauf hingewiesen, dass dieser Vorwurf der Verdrängung nicht zutrifft. Er sagte, allein die Diskussionen um die Verfassungsentwürfe der Länder und des Bonner Grundgesetzes beweisen das Gegenteil. Die Präambeln, auf die man sich dann geeinigt hat, beginnen: „Angesichts des Trümmerfeldes …“. Oder „In Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Diese Verfassungstexte wurden in den politischen Gremien und in der Öffentlichkeit lebhaft diskutiert. Das waren nach Michael Wolfsohn ausgesprochene Gegenentwürfe zum NS. Wer heute behauptet, das NS-System sei verdrängt worden, hat nicht recht. Dass sich viele Menschen damals zunächst für Wohnungen, Kleidung und Essen interessierten, ist doch verständlich. Primum vivere, deinde philosophare – zuerst leben und dann philosophieren – ist eine alte Menschheits-Erfahrung. Auch hier muss man sich noch mal fragen: Ist der Ungeist des Braunen Hauses mit seinen heutigen Unwahrheiten immer noch nicht ganz tot? Es ist geradezu beängstigend zu sehen, wie hier mit Weglassungen einseitig Politik gemacht wird.
Aber nicht nur skandalöse „Weglassungen“ kennzeichnen diese Ausstellung. Auch ein ideologisch falscher Ansatz!
Hinsichtlich des angeblich fehlenden Widerstandes stellt die Ausstellung beide Kirchen auf die gleiche Stufe. Die Bedingungen, die Vorgehensweisen und die Resultate waren so verschieden, dass sie nicht gleichgesetzt werden können. Mit dieser Gleichsetzung unterschlägt Dr. Nerdinger auch die zahlreichen Konvertiten, die – beeindruckt vom katholischen Widerstand – katholisch wurden. In München waren dies u.a. der Präsident der Evangelischen Landes-Synode Freiherr von Pechmann und Rechtsanwalt Adolf von Harnier. Weiterlesen

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München Hauptstadt der Bewegung und Hauptstadt des Widerstandes Teil II

Weitere Belege des Widerstandes in München.
Einen außerordentlichen Widerstand gegen Hitler leistete Innenminister Dr. Schweyer. Schon im März 1922 rief er alle Parteiführer im Bayerischen Landtag zusammen, um mit ihnen „das unerträgliche Bandenunwesen, das Hitler auf den Straßen Münchens organisiere“, zu erörtern.
Schweyer stellte auch Strafantrag gegen Hitler. Er wollte Hitler aus Bayern ausweisen, was am Widerstand der DNVP (Deutsch-Nationale Volkspartei) scheiterte. Nach der Machtübernahme rächte sich Hitler an seinem Gegner Schweyer. (P. Ch. Düren in: „Zeugen für Christus“ I, S. 93-97).
Im März 1933 suspendierte Kardinal Faulhaber den früheren Abt Alban Schachleiter aus Prag, weil dieser die Machtergreifung Hitlers begrüßt hatte. Schon in seinen vier Adventspredigten 1933 und in seiner Silvesterpredigt 1933 wies Kardinal Faulhaber nach, dass aus dem Alten Testament kein Antisemitismus begründet werden könne und dass das Ansehen der deutschen Wissenschaft vor der Weltöffentlichkeit Schaden nehmen müsse, wenn weiterhin versucht werde, auf diese Weise antisemitische Propaganda zu betreiben. Vielmehr werden im Alten Testament hohe sittliche Werte gelehrt. Der Zustrom der Münchner zu diesen Predigten war so groß, dass sie in eine weitere Kirche übertragen werden mussten. Kardinal Faulhaber warnte seine Zuhörer vor Beifallskundgebungen, um der Gestapo keinen Vorwand zu Verhaftungen zu geben. Die Juden in München begrüßten diese Predigten sehr, zumal sie wussten, dass Kardinal Faulhaber Münchner Juden auch materiell unterstützte. Dafür wurde er von den Nationalsozialisten öffentlich als „Judenkardinal“ beschimpft. Am 27. 01.1934 wurde durch ein Fenster in sein Arbeitszimmer geschossen. Weil er wusste, dass sich die Gestapo für seine Ablehnung des Nationalsozialismus an den einfachen Geistlichen rächen werde, mahnte er den Klerus zur Zurückhaltung bei politischen Äußerungen.
Den schärfsten journalistischen Gegner Hitlers, Fritz Gerlich mit seiner Zeitung „Der gerade Weg“, verteidigte Faulhaber. Er schrieb 1932: „Gerlich hat diese Zeitung zu einem Volksblatt erhoben, das im Sturm in die Reihen der Nationalsozialisten eingebrochen ist und zum ersten Male dem „Völkischen Beobachter“ einen überlegenen Gegner ins Feld stellte. Der hiesige Klerus ist begeistert.“ Fritz Gerlich warnte konsequent vor dem Kommunismus und vor dem Nationalsozialismus, bis er am 1. Juli 1934 im KZ Dachau erschossen wurde. Auch sein Wirken und seine Konversion sind in der Ausstellung mit einer kurzen Erwähnung nicht hinreichend eingeordnet.
Die Zahl der Widerstandsgruppen war in München besonders groß. Von der Gruppe um Carl Muth und Theodor Haecker führt eine Spur zur Widerstandsgruppe der Weißen Rose mit Kurt Huber, Willi Graf, Christoph Probst und den Geschwistern Scholl. Diese Spur verschweigt Gründungsdirektor Dr. Nerdinger. Die Gruppen um Adolf von Harnier und Josef Zott, die Gruppe um Franz Sperr, um Walter Klingenbeck, die Gruppe um Graf von Marogna-Redwitz, die Freiheitsaktion Bayern usw. erforderten eine ausführliche Würdigung, um den Umfang und die Gesamtwirkung des Münchner Widerstandes erkennen zu können. Ritter von Lama und Dr. Karl Biack wurden im Gefängnis München-Stadelheim ermordet, weil sie Radio Vatikan gehört hatten. Weiterlesen

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München Hauptstadt der Bewegung und Hauptstadt des Widerstandes.

Während des Zweiten Weltkriegs und auch in den Jahren danach wusste jeder, dass die katholische Kirche ein bedeutendes Opfer der nationalsozialistischen Christenverfolgung war. Heute ist es anders. Heute wird von verschiedenen Seiten der Kirche vorgeworfen, sie hätte kaum Widerstand geleistet. Wer diesen Vorwurf dennoch erhebt, muss sich fragen lassen, warum er die einschlägigen Veröffentlichungen und Dokumentationen nicht gelesen hat, bevor er sich zu Wort meldet. Auch wer behauptet, die katholische Kirche hätte mehr Widerstand leisten sollen, muss sich fragen lassen, ob er denn nicht weiß, dass die Nationalsozialisten in Deutschland und in den besetzten Ländern 4000 katholische Priester ermordet haben – hätten es denn noch mehr sein sollen?
Um dieser unwissenschaftlichen Polemik entgegenzuwirken, bringen wir hier in Fortsetzungen eine Stellungnahme des Historikers Dr. Eduard Werner, der zunächst für das international renommierte Münchner “Institut für Zeitgeschichte” und dann bis zu seiner Pensionierung für das Goethe-Institut arbeitete und sich den größten Teil seines Lebens mit den Fakten zur Geschichte der Kirche im Nationalsozialismus befaßt hat. In unserer Monatszeitschrift “Der Fels” veröffentlicht er seit Jahren Kurzbiografien zum Martyrologium katholischer Persönlichkeiten in der NS-Zeit. Dort erscheint auch die folgende Untersuchung.
Auslöser für die hier in Fortsetzungen gebrachte Untersuchung war ein unglaublicher Vorfall in München. Zu unserem Erstaunen hat weder die Deutsche Bischofskonferenz noch das Erzbistum München und Freising Protest erhoben und Widerspruch eingelegt. Weiterlesen

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Weitergabe des Glaubens

Gräfin Monika Metternich schreibt in einem Offenen Brief an Klaus Kelle (VATICAN 6-7/2015, S. 4) über die Erneuerung der Sakramentenpastoral. Dabei schlägt sie vor, die Reihenfolge der Sakramentenspendung von bisher Taufe, Eucharistie (Erstkommunion), Firmung zu ändern und die Firmung vor der Erstkommunion und zwar „beides im Kindesalter“ zu spenden, weil die „Kinder von heute besonders die Wappnung und Stärkung durch den Heiligen Geist“ benötigten.
Ausgangspunkt der Überlegungen von Gräfin Metternich waren die bekannten deprimierenden Erfahrungen, dass die Kinder trotz Sakramentenvorbereitung nach der Erstkommunion am Sonntag nicht mehr zur hl. Messe kommen. Als Ursache dafür sieht Monika Metternich, dass es „entscheidend am Vorbild der Eltern liegt, ob ihre Kinder nach dem Weißen Sonntag nochmal im Gotteshaus auftauchen“. Das ist eine richtige Beobachtung und eine allgemeine Erfahrung. Wenn aber dieses Vorbild der Eltern entscheidend ist, warum soll sich dann durch die Änderung der Reihenfolge der Sakramentenspendung etwas ändern? Bei allem Vertrauen auf die Wirkung des Heiligen Geistes ist die Frage erlaubt, ob die Sakramente wirken können, wenn nicht das Dazutun der Eltern und die größere Offenheit gegenüber dem Heiligen Geist hinzukommen.
Lassen wir einmal die Qualität der bisherigen Sakramentenvorbereitung außer Betracht und schauen auf die Realität: Nur rund 10% der Katholiken gehen am Sonntag zur heiligen Messe. Bezogen auf das Alter der Eltern der Firm- und Kommunionkinder sind es eher weniger als 10%. Das ist bei der Vorbildwirkung der Eltern auf die Kinder keine günstige Voraussetzung für den Kirchenbesuch ihrer Kinder.
Die Frage ist, will man wirklich am bisherigen Zustand der Sakramentenvorbereitung etwas ändern. Seit vielen Jahren gibt es den Vorwurf, die Sakramente würden zu Billigpreisen verramscht, um die Fassade einer Volkskirche aufrecht zu erhalten. Da kann ein Blick auf die frühe Kirche der ersten Jahrhunderte weiterhelfen. Die Taufbewerber mussten damals ein langes Katechumenat, das bis zu zwei Jahre umfassen konnte, auf sich nehmen. Das wird jemand nur tun, wenn er in der Zugehörigkeit zur Kirchengemeinschaft einen hohen Wert sieht. Warum haben die Verantwortlichen mit den in der Zwischenzeit jahrzehntelangen Erfahrungen mit der bisherigen Praxis nicht den Mut, Forderungen an die Kinder, die zur Kommunion anstehen, zu stellen, z.B. den regelmäßigen sonntäglichen Kirchenbesuch ein Jahr lang vor der Spendung des Sakramentes? Selbstverständlich würde damit die Zahl der Bewerber drastisch zurückgehen. Es würde aber der Wirklichkeit des kirchlichen Lebens entsprechen. Natürlich kann man einen solchen Schritt nicht von einem einzelnen Pfarrer verlangen. Er müsste vom Bischof ausgehen und der Pfarrer muss wissen, dass er die Unterstützung seines Bischofs dafür hat. Von einer solchen, kleiner gewordenen Kirche könnte aber eine neue Faszination ausgehen.

Hubert Gindert

Dieser Beitrag erscheint auch in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Augustheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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Leben wir in einem weltweiten Krieg eines neuen Totalitarismus?

Liebe Leser,
die 68er hatten den flotten Spruch „stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“. Was ist aber, wenn der Krieg ungerufen zu uns kommt? Wir leben heute in einem Krieg. Er ist totalitär und weltweit. Niemand kann ihm entweichen: Nicht das Kind in der Kita oder in der Grundschule, nicht der Beamte oder Angestellte eines Unternehmens, nicht der Fernsehzuschauer, nicht der Radiohörer. Es ist der Krieg, aus dem der neue Mensch hervorgehen soll, befreit von letzten Bindungen, die seinen Flug in die absolute Freiheit behindern können. Dieser moderne Mensch, der sich Gott gleich macht, bestimmt in der Genderpolitik, ob er Mann oder Frau ist. Er hat viele „Spielarten“ von Partnerschaften zur Verfügung. Er bestimmt, wie ein Mensch entsteht, durch natürliche Zeugung oder im Reagenzglas, mit welchen Eigenschaften er ausgestattet ist, ob er geboren werden darf oder abgetrieben wird. Und er bestimmt schließlich, wann er sich von dieser Erde verabschiedet. Sciencefiction? Mitnichten! Es ist die Realität. Es ist die absolute „Freiheit von“.
Kann ich noch frei sein, wenn ich mich an etwas binde? Heißt Bindung nicht Abhängigkeit oder sogar Unterwerfung? Auch Edith Stein stellte sich solche Fragen vor ihrer Konversion: Bleibe ich frei, wenn ich mich an Gott oder die Kirche binde? Ist da noch Platz für mich? Jean Paul Sartre gab die Antwort: „Wo Gott ist, kann ich nicht sein“. Es gibt jedoch die freiwillige Bindung, die Hingabe an einen Menschen oder eine Aufgabe, eben die „Freiheit zu“, z.B. in Ehe und Familie.
Die Gesellschaftsveränderer wussten immer schon, dass die auf die Ehe gegründete Familie das stärkste Bollwerk gegen ihre Absichten darstellt. Um sie einzuebnen, wird jetzt die „Ehe für alle“ mit Adoptionsrecht für wehrlose Kinder gefordert.
Wer hilft uns in diesem weltweit geführten Krieg der heutigen Auseinandersetzungen? Wie können wir uns dagegen wehren? Wir leben in der westlichen Welt in Demokratien. Hier brauchen die Gesetzgeber Mehrheiten. Öffentliche Zustimmung oder Ablehnung, die in Petitionen, Schreiben an Abgeordnete, in Leserbriefen und Demonstrationen zum Ausdruck kommt, sind wichtig. Die Frage ist, wie können wir Menschen begeistern und motivieren, sich zu engagieren? Wie überwinden wir Einschüchterung und Lähmung, die wie eine bleierne Decke auf unserem Land lastet? Das eigentliche Problem liegt in uns selber: Der Mangel an Begeisterung und die Bereitschaft, aufzubrechen. Papst Franziskus hat kürzlich darüber gesprochen, als er meinte: „Wir müssen wieder nach Galiläa zurück“, wo die Jünger alles zurück ließen und mit Begeisterung aufgebrochen und dem Herrn gefolgt sind. Ja, wir müssen wieder nach Galiläa zurück!

Hubert Gindert

Dieser Beitrag erscheint auch in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels” im Augustheft. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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Wilhelm Paul Kempa – katholischer Widerstand unter Hitler

Die vielfältigen Formen des Widerstandes aus dem katholischen Milieu werden in den Medien systematisch unterschlagen. Dazu gehört auch die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen. 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg lassen sich aus den Akten noch etwa 20 Fälle von Katholiken eruieren, die lieber ihren Kopf auf das Schafott legten, als unter Hitler Kriegsdienst zu leisten. Die Mehrheit von ihnen lehnte den Militärdienst nicht grundsätzlich ab, wohl aber den Fahneneid auf einen „Führer“, dem sie jedes Verbrechen zutrauten. Sie sind nicht einfach desertiert, um ihr eigenes Leben zu retten. Sie blieben und opferten ihr Leben, um Zeugnis abzulegen für sittliches Handeln. Das taten sie in der sicheren Hoffnung auf ewiges Leben. Nur einer von ihnen ist einer kleinen Öffentlichkeit bekannt geworden – der selige Österreicher Franz Jägerstätter. In Deutschland dagegen sind die Kriegsdienstverweigerer wie Alfred Heiß, Pater Franz Reinisch oder Josef Ruf völlig unbekannt geblieben. Zu diesen unbekannten Helden gehört auch der Kunstmaler Wilhelm Paul Kempa. Er wurde am 20.Mai 1906 in Hamborn im Ruhrgebiet in einer kinderreichen Familie geboren. Die Kinder wurden im katholischen Glauben erzogen. Wilhelm Paul wurde nach der Schulausbildung Kunstmaler. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September 1939 traf auch Wilhelm Paul der Einberufungsbefehl zum Militär. Er wäre zwar bereit gewesen, Sanitäter zu werden, aber auf Menschen zu schießen und schon gar auf seine polnischen Verwandten kam für ihn gar nicht in Frage. Deshalb wurde er verhaftet und in das Gefängnis Berlin-Moabit gebracht. Dort malte er ein Selbstbildnis mit einer Axt und schickte es an seine Familie. Diese verstanden das Bild als Andeutung der ihm bevorstehenden Hinrichtung. In der Tat beantragte der Militäranwalt am 23.8.1940 die Todesstrafe gegen Kempa, weil sich dieser der Verweigerung des Wehrdienstes schuldig gemacht und sich dabei auf seine religiöse Überzeugung berufen habe. Das Gericht folgte diesem Antrag und verurteilte den Angeklagten zum Tode. Das Urteil wurde am 24. September 1940 vollstreckt. Der Todgeweihte überwand seine natürliche Todesangst vor der Guillotine. In der Nacht vor der Hinrichtung schrieb er an seine Mutter: „In diesen Zeilen lege ich Dir meine ganze Liebe und Dankbarkeit wieder zum Herzen zurück … Unser Gott möge Dir Dein Leben segnen und lohnen in dem Bewusstsein unseres Wiedersehens im Reich Gottes. Es ist vollbracht!“ – Dieser übermenschliche Heroismus ist auch heute nur wenigen Menschen gegeben.
Das NS-Regime kannte viele Gründe für Todesurteile: Kritik am System, Judenhilfe, Hören ausländischer Rundfunksender usw. Wer heute angesichts dieses perfekten Überwachungsstaates fordert, die Kirche hätte damals dem Regime mehr Widerstand entgegensetzen müssen, überträgt die ungefährlichen Protestmöglichkeiten unserer freiheitlichen Demokratie auf das Hitler-Regime. Damit wird das damalige Terrorsystem verharmlost, um die ganze Gesellschaft publikumswirksamer anklagen zu können. Aus gut bezahlten Wohlstands-Sesseln heraus lässt sich diese Lüge heute Beifall heischend verbreiten.
Auch wenn diese Lüge gern geglaubt wird, bleibt sie dennoch eine Lüge.

Eduard Werner

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