Auch in Europa gilt: „Der Mensch lebt nicht von Brot allein!“

Am Donnerstag, den 23. Juni haben die Briten darüber abgestimmt, ob sie weiterhin in der Europäischen Union (EU) bleiben, oder austreten wollen. Das Ergebnis ist bekannt. Sie haben bei einer hohen Wahlbeteiligung von 72% zu 51,9% für den Austritt gestimmt. „Im Kern“ – so der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen Zeitung (AZ, 25.6.16) Walter Roller – „jedoch spiegelt das Ergebnis jene Stimmung wieder, die in weiten Teilen der EU herrscht und sich aus zwei Quellen speist: dem Misstrauen gegenüber den Eliten aus Politik und Wirtschaft und dem Unbehagen an einer gleichmacherischen EU, die ohne hinreichende demokratische Legitimation über die Köpfe der Menschen hinweg regiert“.
In Brüssel und Straßburg brach nach dem Brexit eine Panik aus. Der EU-Vertrag sieht aber ein Austrittsrecht vor. Wer das nicht akzeptiert, hat ein Demokratieproblem. Auch in der EU bleibt das Volk der Souverän. Statt sich ernsthaft mit den Gründen der Briten für den Austritt zu beschäftigen, versuchte man mit den EU-Gegnern in Britannien und in den übrigen EU-Ländern abzurechnen. In einer schwarz-weiß-Malerei hat man wenig zwischen denen, die grundsätzlich ein vereinigtes Europa ablehnen, wie die Französin Marine Le Pen und jenen, die Reformen wollen, um die EU zu retten, unterschieden. Das Thema Europa ist zu wichtig, um es im Kampf gegen politische Gegner, die als „Rechtspopulisten“ abqualifiziert werden, zu missbrauchen.
Dass die abgehobene Politik der Brüsseler Eurokraten bei den Menschen wenig ankommt, hätte man schon früher aus der geringen Wahlbeteiligung bei Europawahlen wissen können. Es war auch nicht der „britische Krämergeist“, der das Abstimmungsergebnis vom 23. Juni erklärt. Die Aufschrift auf den Plakaten der britischen EU-Gegner „wie want our country back – wir wollen unser Land zurück“, kann nicht mit „wir wollen unser Geld zurück“ übersetzt werden. „Denn der Verdruss über Europa ist auf der Insel ja nicht ausgeprägter als in vielen anderen Ländern“ (AZ, 25.6.16). Weiterlesen

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Amoris Laetitia – Liebe in der Familie – im Licht der katholischen Ehelehre!

Es ist schon erstaunlich, wie schnell Journalisten über das umfangreiche, 300 Seiten umfassende Schreiben und über das komplexe Thema Ehe und Familie ein Urteil abliefern können. Stand das Urteil evtl. schon fest, bevor der Text veröffentlicht war? Brauchte man nur einige Zitate aus dem quergelesenen Text, um die Bewertung abzustützen? Einige Aritkelüberschriften und Zitate zum päpstlichen Schreiben „Amoris Laetitia – über die Liebe in der Familie“ nähren diesen Verdacht.
Die Augsburger Allgemeine Zeitung vom 9./10.4.16 brachte in drei Artikeln: „Geschiedene Katholiken dürfen hoffen“, „Katholischer Frühling“ und „Lieber täglich einen Kuss, als moralische Felsblöcke“ folgende Zitate:
„Niemand darf auf ewig verurteilt werden“, Deutsche Bischöfe erwarten „weitreichende Konsequenzen“ für geschiedene Wiederverheiratete, Papst Franziskus fordert „deutliche Selbstkritik“, Positionen der katholischen Kirche werden von Gläubigen als „weltfremd“ empfunden, „Vollkommenheit gerade in der Partnerschaft ist ein utopisches Ziel“, Papst Franziskus ersetzt „strikte Verbote durch eine Tugendethik“. In der Konsequenz: „Jeder suche sich das für ihn Passende heraus oder interpretiere die Stellen nach seinem Gusto“.
Die Kommentierung des päpstlichen Schreibens „Amoris Laetitia“ (AL) durch den Regensburger Bischof Voderholzer und durch den Münchner Pastoraltheologen Prof. Andreas Wollbold liest sich etwas anders. Weiterlesen

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Eine Studie lässt aufhorchen

„Islam für viele Türken wichtiger als Gesetze“ (Obertitel). „Wenn es um die Regeln für ihr Leben geht, fühlt sich aber fast jeder Zweite eher an die Religion gebunden, als an die deutsche Verfassung“ (Untertitel), so steht es in einem Zeitungsartikel der Augsburger Allgemeinen Zeitung (AZ vom 17.6.16).
Das, was in der Überschrift mit „für viele Türken“ angedeutet wird, heißt nach einer Studie der Universität Münster, die vom Religionssoziologen Detlef Pollack geleitet wurde „fast jeder zweiter Türkischstämmige in Deutschland“. Der genaue prozentuale Anteil wird im Bericht der AZ leider nicht angegeben. Der Text fährt fort: „Ein Drittel der Zuwanderer und ihrer Nachkommen sprach sich sogar dafür aus, Muslime sollten zur Gesellschaftsordnung aus der Zeit des Propheten Mohammed zurückkehren“.
Was sagen diese Feststellungen der Münsteraner Studie für das Zusammenleben der Menschen in Deutschland aus? Bedeuten solche Aussagen, dass sich eine Parallelgesellschaft entwickelt, in der „fast jeder zweite Türke“ sich nicht an die geltende Verfassung hält, sondern versucht, ein Leben gemäß dem Koran und den Rechtsvorschriften der Scharia mit der Benachteiligung der Frau, der Verheiratung der Kinder etc. zu führen? Moslems können sich nicht auf die Religionsfreiheit bei uns berufen, wenn Vorschriften des Korans fundamentalen Rechten unserer Verfassung widersprechen. Das geht auch dann nicht, wenn der Münsteraner Bericht zum Ausdruck bringt: „Viele Menschen mit türkischen Wurzeln betrachten den Islam als ‚eine angegriffene Religion, die vor Verletzungen, Vorurteilen und Verdächtigungen zu schützen ist‘“. Von einer „angegriffenen Religion“ könnten gelegentlich auch die Katholiken in Deutschland sprechen, wenn sie unter dem Deckmantel von Meinungs- und Kulturfreiheit hinnehmen müssen, wie die Lehre der Kirche, Papst, Bischöfe und auch Laien, die zur Kirche stehen, verhöhnt werden. Der Religionssoziologe Pollack meint, „dass wir dieses Gefühl der Nichtanerkennung (bei Moslems) ernst nehmen müssen“. Aber bitte, auch bei den Christen! In mehrheitlich muslimischen Ländern sind Christen ohnehin nur Bürger zweiter Klasse. Detlef Pollack fordert die Deutschtürken dazu auf, sich selbst kritischer als bisher „mit den fundamentalistischen Tendenzen in den eigenen Reihen auseinanderzusetzen“. Im Bericht der AZ heißt es weiter: „Generell ist der Studie zufolge die zweite und dritte Generation besser integriert…“ „Allerdings pocht die zweite und dritte Generation weit mehr auf kulturelle Selbstbehauptung als die erste“, sagt Pollack“. „So sagten 72% der ersten Generation, Muslime sollten sich an die deutsche Kultur anpassen, jedoch nur 52% der Folgegenerationen“ (AZ, 16.6.16).
Anpassung an die deutsche Kultur ist wenig konkret. Es interessiert nicht so sehr, ob z.B. Türkinnen deutsche Sexillustrierte lesen und den gleichen knappen Bikini wie Deutsche tragen, sondern, ob ihnen die deutsche Rechtskultur wichtiger ist, als die Vorschriften der Scharia. Denn hier hört die „Buntheit“ der kulturellen Vielfalt auf. Wer anderes behauptet, der ist eben nicht verfassungstreu! Wer sich nicht an das Grundgesetz der Bundesrepublik halten will, bringt damit zum Ausdruck, dass er sich nicht integrieren will. Niemand muss das. Die Konsequenz ist, dass er kein Bürger der Bundesrepublik Deutschland werden kann.

Hubert Gindert

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Es stinkt doch!

„So rüstet Deutschland die Welt auf“, heißt eine Artikelüberschrift (Augsburger Allgemeine Zeitung 16.6.16). Die Analyse: „Nur Amerikaner und Russen verkaufen noch mehr Waffen ins Ausland“.
Die Bundesrepublik Deutschland wurde im vergangenen Jahr zum drittgrößten Waffenexporteur der Welt. Deutsche Firmen exportierten 2015 Militärgüter im Wert von 4,2 Mrd. Euro. Werden Kleinwaffen und Munition dazugerechnet, steigt der Gesamtwert sogar auf 7,5 Mrd.. „Maschinenpistolen, Handgranaten und Raketenwerfer gelten als neue Art von Massenvernichtungswaffen, durch die in Bürgerkriegen die meisten Menschen sterben… Mit fast 30% landete der Großteil der deutschen Rüstungsgüter in Krisenregionen des Nahen Ostens und Nordafrika. Der beste Kunde bleibt Saudi Arabien. Ein Land, dessen Führung mit unerbittlicher Härte gegen Kritiker vorgeht, das in den Kriegen in Syrien und im Jemen mitmischt. …ein Land, in dem Folter an der Tagesordnung ist, in dem Menschenrechte mit Füßen getreten werden und im Januar 47 an einem einzigen Tag hingerichtet wurden“ (AZ, 16.6.16). Es gibt keine Entschuldigung für diese Waffenexporte, nicht nur nach Saudi Arabien, einem der reaktionärsten Länder der Welt.
In seinem polemischen Rundumschlag gegen Papst Franziskus meinte Alexander Kissler: „Mindestens naiv, wenn nicht töricht war sodann die päpstliche These, Kriege gäbe es, ‚weil es Waffenproduzenten gibt‘. Als ob nicht mit bloßen Händen und Steinen schon Kriege geführt worden wären, als ob nicht Ben-zinkanister, Knüppel, Speer beinahe ausgereicht hätten, um den Völkermord der Hutu an den Tutsi ins Werk zu setzen. Etc. pp. Ein unreflektierter Antikapitalismus führt den Papst in die Irre“.
Natürlich weiß der Papst, dass eine kriegerische Gesinnung die eigentliche Ursache von Kriegen und Zwist ist, und dass, man auch mit der Steinschleuder jemand umbringen kann. Das ist aber kein Gegenbeweis dafür, dass Waffenproduzenten die Mittel zur Verfügung stellen, um Kriegslüsternheit zu verstärken, weil der Besitz moderner Waffen die Aussichten verbessert, Gegner ohne allzu großes Risiko zu unterjochen. Um es deutlicher zu sagen, Maschinenpistolen richten einen größeren Schaden an, als Steinschleudern. Würde die IS, und andere Terrororganisationen nur mit Knüppel und Speer am Werk sein, wären sie schon längst besiegt. Die Schelte von Herrn Kissler gegen Papst Franziskus mutet reichlich „unreflektiert“ an.
Das oft gehörte Argument Waffenproduktion schaffe auch Gewinn für Unternehmen und sozialversicherungsfähige Arbeitsplätze, stimmt natürlich. Waffenexport ist ein Milliardengeschäft! Aber mit diesem Argument ließe sich auch die Einrichtung von Bordellen und die Beschäftigung von „Sexualarbeiterinnen“ rechtfertigen. Tatsächlich geht es um Geld und Profit.
Als Kaiser Vespasian in Rom öffentliche Schalen zum Urinieren gegen einen Obolus aufstellen ließ und deswegen getadelt wurde, entgegnete er trocken: „Non olet – Geld stinkt nicht“! Geld aus Waffenexporten stinkt auch nicht, vielleicht aber der Schaden, der damit angerichtet wird.

Hubert Gindert

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Katholiken sind keine nützlichen Idioten

Wer die Medien kritisch begleitet, weiß, die meisten haben mit der Katholischen Kirche nicht viel am Hut. Vielmehr geht es ihnen darum, sie auf das Maß jener kirchlichen Gemeinschaften einzunivellieren, die vor dem Mainstream kapituliert oder sich bereits zum Medienecho gemacht haben. Zur Medienstrategie zählt auch eine verwirrende Berichterstattung, um selbst jene Katholiken zu spalten, die zur Lehre der Kirche stehen wollen. Um dieses Ziel zu erreichen, versuchen Medien Papst Franziskus zu instrumentalisieren. Die Kommentierung der Römischen Bischofssynode, des postsynodalen Schreibens des Papstes und seiner Aussagen zum Frauendiakonat sind ein Lehrstück dafür.
Den Katholiken müsste auffallen, dass die Medien dem Papst Aussagen nachse-hen, die sie im Übrigen strikt ablehnen, z.B. über den Teufel, über die „dämoni-sche“ Genderideologie, über die Auswüchse einer kapitalistischen Wirtschaft mit Kinderarbeit, Menschenhandel, die brutale Entsorgung unerwünschter Menschen durch Abtreibung oder Euthanasie. Warum wird Papst Franziskus dort „geschont“ wo seine Vorgänger heftig attackiert wurden? Der Grund ist einsich-tig. Würden sie ihn heruntermachen, könnten sie ihn schwerlich für ihre Zwecke einspannen, um so die Katholiken zu verwirren und gegeneinander aufzubrin-gen. Wir konnten jüngst hören, natürlich würde Franziskus Frauen zum Diako-nat und sogar zur Priesterweihe zulassen, wenn da nicht der konservative Präfekt der Glaubenskongregation und andere reaktionäre Kurienkardinäle im Weg stünden. In diesem Verwirrspiel der Medien mischen auch katholische Verbän-de, wie das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, der Bund der Katholi-schen Jungend und katholische Frauenverbände mit.
Daniel Wirsching, von der Allgemeinen Augsburger Zeitung, der bisher nie durch Sympathien für die katholische Kirche aufgefallen ist, sondern sie oft als „überholt“ und „weltfremd“ apostrophiert hat, bringt die Medienstrategie auf den Punkt, wenn er schreibt: …“Außerhalb der katholischen Kirche verfügt er (Franziskus) über eine bemerkenswerte Strahlkraft, innerkirchlich hat er an Glanz verloren. …Franziskus ist ein bedeutender Papst, etwa weil er die Wich-tigkeit von Barmherzigkeit und Seelsorge betont und dadurch die Kirche den Menschen näher bringt. Ein Revolutionär ist er nicht. Wer das noch glaubt, ist naiv. …Wirklich sensationell ist etwas anderes, und zwar, dass sich dieser Papst auch Diskussionen nicht verschließt, die in der Kirche seit Jahrzehnten geführt werden (aus Vatikansicht als beendet galten). In dem Sinn ist er Reformer. Unter Reform versteht er allerding nicht einen abrupten Kurswechsel, sondern das Lostreten eines Prozesses. In dessen Verlauf oder an dessen Ende kommt es ja vielleicht zu einem Umdenken.“ (AZ, 23.5.16)
Katholiken, die zur Kirche stehen und die glauben, einen Grund zu haben päpst-liche Aussagen zu kritisieren, sind, um mit Lenin zu sprechen keine „nützlichen Idioten“. Sie werden sich nicht in eine öffentliche Antihaltung gegen den Papst hineinziehen lassen und immer beachten, in welchem Kontext ein Wort gefallen ist, und ob ihnen der präzise Wortlaut vorliegt, den sie ansprechen.

Hubert Gindert

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Schöne neue Welt

Die „schöne neue Welt“ ist eine dämonische Welt! Wir sind dabei, die Welt zu verwirklichen, die Aldous Huxley in seinem 1932 erschienenen Zukunftsroman „Schöne neue Welt“ (Brave new World) beschrieben hat. Wikipedia schreibt zu diesem Zukunftsroman:
„Mittels physischer Manipulationen der Embryonen und Föten sowie der anschließenden mentalen Indok¬trinierung der Kleinkinder werden die Menschen gemäß den jeweiligen gesellschaftlichen Kasten geprägt, denen sie angehören sollen und die von Alpha-Plus (Führungspositionen) bis zu Epsilon-Minus (für einfachste Tätigkeiten) reichen.
Allen Kasten gemeinsam ist die Konditionierung auf eine permanente Befriedigung durch Konsum, Sex und die Droge Soma, die den Mitgliedern dieser Gesellschaft das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen ihrer Weltordnung nimmt. Die Regierung jener Welt bilden Kontrolleure, Alpha-plus-Menschen, die von der Bevölkerung wie Idole verehrt werden.“
Der Unterschied zwischen der von Huxley beschriebenen Gesellschaft und jener, die wir gerade dabei sind einzurichten, besteht darin, dass es sich bei Huxley um eine totalitäre, heute aber um eine mit demokratischen Mehrheiten eingeführte handelt. Es ist eine Gesellschaft, die vom Ehrgeiz nach dem perfekten Menschen getrieben ist und die andererseits – vom Rausch nach Konsum, Sex und Drogen verführt –, ihre Freiheit aufgibt. Weiterlesen

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Die Hartnäckigkeit der Tabus verhindert ein Umdenken

Die Augsburger Allgemeine Zeitung behandelt in drei Beiträgen „Studie facht Streut um Rentenalter an“, „Baustelle Rente“, „Ohne Sorgen alt werden“ der Ausgabe des 14. Juni 2016 das Thema Rentenalter. In keinem wird die Ursache , nämlich die zu geringe Zahl der geborenen Kinder als Grund der Misere angesprochen. Die verdrängte Wahrheit schreckt auf. Die Hartnäckigkeit der Tabus verhindert ein Umdenken. Der Verschiebebahnhof führt zu einer Inflation an Vorschlägen: „Rente mit 70“, „Rente mit 67+“ etc.. Der AZ-Beitrag „Studie facht Streit um Rentenalter an“ sagt: Die Rente mit 67 ist möglicherweise nur eine Etappe auf dem Weg zu deutlich längeren Arbeitszeiten: Ohne weitere Reformen droht nach einer Studie des Prognos-Instituts im Auftrag der Deutschen Versicherungswirtschaft bis zum Jahr 2040 ein Anstieg der Beitragssätze von gegenwärtig 18,7 auf 23,7% und ein weiteres Absinken des Rentenniveaus von 48,1 auf nur noch 41,7% eines Durchschnittslohns.
In der „vergreisten“ Republik ist ein Rentenniveau von wenigstens 43% nur bis zum Jahr 2030 sicher. Ehrentraut vom Prognos-Institut nennt indirekt die Ursache des Problems wenn er sagt: „Je länger wir die geburtenstarken Jahrgänge im Erwerbsleben halten, umso besser ist das für das System“, d.h. uns fehlen Geburten. Es fehlen die nicht geborenen Kinder! Warum wird diese Tatsache ausgeklammert? Weil dahinter die Tabus stehen, die, würden sie ausgesprochen werden, die Republik erschüttern müssten. Die Ursache der Misere sind
die Politiker, die eine Abtreibungsregelung beschlossen haben, die nach den offiziellen Zahlen – und das seit mehr als 20 Jahren 100 000 Abtreibungen pro Jahr ermöglicht – gesetzwidrig aber straffrei. Fachleute schätzen die Zahl sogar auf 200 000 abgetriebene Kinder pro Jahr
die Politiker, die zu feige sind, das Abtreibungsgesetz auf den Prüfstand zu stellen, obwohl das Bundesverfassungsgericht das bei der Einführung des Gesetzes gefordert hatte
die Politiker, die eine Familienpolitik betreiben, die die kinderreiche Familie nicht fördert, sondern auseinanderreißt, damit die Frau möglichst bald das Kind in der Krippe abgibt und für den Arbeitsprozess zur Verfügung steht
die Medien, die diese Familienpolitik nicht auf den Prüfstand stellen und vor den Folgen nicht gewarnt , sondern die Situation forciert haben
jene Ehepaare, die sich von den Sirenengesängen der Konsumwelt nach mehr Freiheit, Wohlstand, „unbeschwertem“ Urlaub abbringen ließen, auch die schönen Seiten zu entdecken, die nur eine Familie mit Kindern bietet.
Alle werden die Zeche bezahlen. Die Grünen und die Linke fordern das Niveau der gesetzlichen Rente generell bei 46 bzw. 48% zu stabilisieren. Das erinnert an zornige Kinder, die bei einer Fehltat ertappt werden und mit dem Fuß auf den Boden stampfen. Die Forderung der Grünen und Linken ist unredlich, weil sie wissen, dass diese Stabilisierung nur mit höheren Beiträgen, einem höheren Rentenalter oder einem höheren Steuerzuschuss zu finanzieren ist. Der einzige Ausweg auf lange Sicht ist, sich endlich der Wahrheit zu stellen und eine wirkliche Förderung kinderreicher Familien in die Wege zu leiten. Dazu ist es schon sehr spät. Aber alles andere gleicht der Weiterfahrt der Titanic in Richtung Eisberg.

Hubert Gindert

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Unzeitgemäße Überlegungen zum Sport

Der Sport hat viele Gesichter. Er hat auch ein hässliches Antlitz. Fernsehzuschauer konnten das bei den Europameisterschaften im Fußball erleben. Wer am 12. Juni die Abendnachrichten sah, konnte Hooligans sehen, die einen wehrlos am Boden Liegenden mit Fußtritten und mit einem Stuhl traktiert haben. Das war in Marseille. Von anderen Städten wurden ähnliche Brutalitäten berichtet. Wenn die Veranstalter solcher Sportevents friedliche Zuschauer, die in die Privatkriege von gewaltbereiten Club-Fans hineingezogen werden, nicht mehr schützen können, sollten sie vom Staat, dem die Sicherheit der Bürger aufgetragen ist, verboten werden. Wir erleben sonst eine Rebarbarisierung. Sie ist auch in einer Gesellschaft möglich, die mit Messer und Gabel isst und sich viel auf ihre fortschrittliche Verfassung einbildet, sie aber nicht mehr ganz praktiziert, wie die Mißachtung des Rechts auf Leben, z.B. durch Abtreibung beweist.
Auch die römische Gesellschaft des fünften Jahrhunderts hielt sich für kultiviert. Dort spielten die Zirkusspiele mit den Gladiatorenwettkämpfen, bei denen sich zumeist Kriegsgefangene gegenseitig niedermetzeln mussten, eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Kaiser Konstantin verbot die Gladiatorenkämpfe. Aber der Kaiser war weit weg in Ostrom und die Römer hielten sich nicht an das Verbot. Als im Jahr 404 gefangene Goten zur Verfügung standen und sich zum Spektakel der Römer umbringen mussten, stürzte ein Mann mit Namen Telemach in die Arena, um die Kämpfer zu trennen. Er wurde von den Zirkusfans gesteinigt. Dieser Anlass führte dazu, dass durch Kaiser Honorius das endgültige Aus für diese Gemetzel kam.
Wird der Staat den Massensport Fußball im Griff behalten? Das hieße bestimmte Freiheiten beschränken. Die Veranstalter haben viel Geld in die Spiele investiert. Für sie lautet die Devise „The Show must go on“ – Das Spiel muss weitergehen.
„Sport ist die schönste Nebensache der Welt!“ hört sich heute wie ein Witz an. Der Spruch stammt von anno dazumal, aus einer Zeit, als es noch Amateure gab und Spitzensportler nicht Spitzenverdiener waren, der Sport noch kein Milliardengeschäft war und Sportwettkämpfe mit Massenbeteiligung noch nicht das gesellschaftliche und politische Leben wie heute bestimmten. Politiker, Gewerkschafter, Organisatoren von Demos müssen sich heute überlegen, ob sie eine Veranstaltung ansetzen, wenn gleichzeitig ein wichtiges Fußballmatch in der Nähe stattfindet.
Die Fans fühlen sich bei Veranstaltungen wie die freien Schweizer Bürger, wenn sie durch Applaus, Spruchbänder und Sprechchöre das Geschehen auf dem Rasen scheinbar mitbestimmen können. Ihnen erweisen die Spieler nach dem Abpfiff ihre Referenz. Bei internationalen Veranstaltungen zeigen die Fans auch patriotische Gefühle, die ihnen , nicht viel abverlangen, z.B. mit Fahnen, Nationalfarben im Gesicht und auf dem Körper.
Natürlich kann der Sport auch echte Werte vermitteln. Bei hehren Anlässen kommen sie auch zur Sprache: Fairness, Selbstüberwindung, Ausdauer etc.. Gelegentlich sieht man neben, den Fouls auch etwas davon auf dem Rasen.
Von sportlichen Werten erfuhr man früher regelmäßig auch in der Fastenzeit, wenn in der Kirche aus dem Paulusbrief (1, Kor 9,21-27) an die Korinther zitiert wurde: „Jeder, der am Wettkampf teilnimmt, legt sich alle Entbehrungen auf… jene, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Kranz zu erhalten“. Der „unvergängliche Kranz“ ist für Paulus das Leben bei Gott. Für jene, denen aktiver Sport oder Teilnahme an Sportveranstaltungen zum Ersatz für den Gottesdienst geworden ist, werden Paulus nicht mehr verstehen. Trotzdem, sportlicher Lorbeer welkt dahin. Urkunden, Pokale, Medaillen und Erinnerungen an tolle Sportereignisse verschaffen kein Eintritts-Billett ins Ewige Leben. Das eigentliche Problem heißt aber: Wollen diese Menschen noch das Ewige Leben? Wollen sie erlöst sein? Sicher gibt es den Wunsch nach Erlösung von Krankheit, den Schwierigkeiten, die das Alter mit sich bringt, von einem unangenehmen Chef etc.. Aber das meint Paulus nicht. Er meint viel mehr mit seinem Vergleich die alles entscheidende Frage, ob wir am Ende auf der Siegertreppe stehen, die ins Ewige Leben führt?

Hubert Gindert

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Die Machtverfilzung behindert Reformen

Im Schreiben „Amoris Laetitia“ (Die Freude der Liebe) von Papst Franziskus finden sich auch eindeutige Aussagen zu den Gendertheorien (vergl. AL 56). Franziskus bekennt sich klar zur schöpfungsmäßigen Geschlechterpolarität: Der Mensch ist von Gott als Mann und Frau geschaffen. Leider fehlt eine solche eindeutige Aussage seitens der Deutschen Bischofskonferenz. Nur von einigen Bischöfen (z.B. Voderholzer, Algermissen) liegen uns klare Stellungnahmen vor.
Die parlamentarische Staatssekretärin Maria Flachsbarth (CDU) hat zum Genderdiskurs „auch in der katholischen Kirche“ aufgerufen: „Das Kirchenvolk sei keine geschlechter¬homogene Masse. Die Kategorie Gender eröffne die Chance, die soziale Wirklichkeit differenziert wahrzunehmen – ‚eine unabdingbare Voraussetzung für jedes gesellschaftspolitische und kirchliche Handeln‘ … Gender ist für Flachsbarth ein Unterscheidungsmerkmal, das ebenso wie Alter, Religion oder Hautfarbe Gesellschaften strukturiere und hierarchisiere“.
Die Genderideologie, richtet sich eindeutig gegen die schöpfungskonforme Geschlechterpolarität und gegen den gesunden Menschenverstand. Papst Franziskus hat sie als dämonisch bezeichnet. Die Genderideologie kann sich in der Bundesrepublik Deutschland nur deswegen so rasch ausbreiten, weil sie im Kartell von Politikern, kirchlichen Funktionären und Medien unter dem Schweigen der meisten Bischöfe forciert wird. Die Gegenposition tut sich auch wegen der Machtverfilzung der Vorkämpfer der Genderideologie schwer. Oft vereinigen diese in einer Person mehrere Funktionen. Maria Flachsbarth ist ein sprechendes, deutliches Beispiel für diese Machtverfilzung. Flachsbarth ist Präsidentin des katholischen Frauenbundes Deutschlands, stellvertretende Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZDK) und Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium. Von 2009 bis 2013 war sie die Beauftragte ihrer Bundesfraktion für Kirche und Religionsgemeinschaften. Bei dieser Machtverflechtung sind zeitgeist-konforme Themen, wie die Genderideologie, mit dem Rückenwind der Medien gut voranzubringen. Dem entgegenzutreten erfordert den „Mut vor Königs Thronen“.

Hubert Gindert

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Antwort auf Kritik an der liturgischen „Aufwertung“ des Magdalenengedenktages zum Fest.

Ein Kommentator hat auf unserer Facebookseite die „Aufwertung“ von Maria Magdalena in der kirchlichen Liturgie als Häresie des Papstes bezeichnet und seinen Austritt aus der Kirche angekündigt. Dazu nehmen wir wie folgt Stellung:

Wir glauben, dass Sie das zu einfach sehen. Wir müssen unterscheiden zwischen dem APOSTEL-AMT und einem apostolischen Dienst. Wenn der heilige Kirchenlehrer Thomas von Aquin, der größte Theologe und Denker des Hochmittelalters, Maria Magdalena „Apostola Apostolorum“ nennt, dann wird wohl kein Katholik das als Häresie empfinden. Es freut uns, dass Papst Franziskus immer wieder sich auf den großen Aquinaten bezieht, der nach dem Konzil lange in der Kirche von den Modernisten abgewertet wurde. Es heißt ausdrücklich: „Maria Magdalena ist das Beispiel einer wahren, authentischen Verkünderin der Frohen Botschaft: einer Evangelistin, die die frohmachende, zentrale Botschaft von Ostern verkündet.“
Glaubt irgend ein Katholik ernsthaft, dass Christus sich irrte und eine Häresie beging, als er ZUERST der Magdalena erschien und ihr auftrug: „Geh hin und verkünde meinen Brüdern (den Aposteln)…..“?
Wir alle, Mann und Frau, sind zum apostolischen Dienst der Verkündigung durch unser Leben und zur Evangelisation gerufen als „königliches Priestertum“ (Petrus). Das heißt noch lange nicht, dass Maria von Magdala oder wir zur Teilnahme am AMT der Apostel berufen sind.
Dass Kardinal Sarah die Ausführung der päpstlichen Anordnung kommentiert, sollte jedem Kritiker ein weiterer Beweis für „Rechtgläubigkeit“ sein, die leider mancher, der sich katholisch nennt, heutzutage dem päpstlichen Lehramt glaubt nicht mehr zubilligen zu können. Siehe hierzu:
http://de.radiovaticana.va/news/2016/06/10/maria_magdalena_wird_liturgisch_den_aposteln_gleichgestellt/1236162

http://www.kath.net/news/55511

„In den Bischöfen, denen die Priester zur Seite stehen, ist also inmitten der Gläubigen der Herr Jesus Christus, der Hohepriester, anwesend. Zur Rechten des Vaters sitzend, ist er nicht fern von der Versammlung seiner Bischöfe, sondern vorzüglich durch ihren erhabenen Dienst verkündet er allen Völkern Gottes Wort und spendet den Glaubenden immerfort die Sakramente des Glaubens. Durch ihr väterliches Amt (vgl. 1 Kor 4,15) fügt er seinem Leib kraft der Wiedergeburt von oben neue Glieder ein. Durch ihre Weisheit und Umsicht endlich lenkt und ordnet er das Volk des Neuen Bundes auf seiner Pilgerschaft zur ewigen Seligkeit…“
II. Vatikanisches Konzil, Dogmatisches Konstitution „lumen gentium“ über die Kirche, 21

Michael Schneider-Flagmeyer

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