Es fehlt der Mut die Ursachen beim Namen zu nennen.

„Fachkräfte fehlen: Es klemmt beim Wohnungsbau“ heißt eine Artikelüberschrift in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 13.8.2018. Weiter: „Der Wohnungsbau in Deutschland wird ausgebremst, weil es im Handwerk zu wenig qualifizierte Leute gibt … Der Mangel an Fachkräften ist nach Einschätzung der staatlichen Förderbank KfW die wichtigste Ursache für die schwache Dynamik am Bau … Und wir haben den Höhepunkt des Fachkräftemangels noch nicht einmal erreicht … Die Zahl der fehlenden Fachkräfte im Handwerk wird auf 200.000 bis 250.000 geschätzt“. Es fehlen aber nicht nur im Handwerk Facharbeiter. Sie fehlen insbesondere in den Pflegeberufen, im Schul- und Bildungsbereich und in der Verwaltung.
Verwunderlich ist aber das Erstaunen darüber. Wir haben seit 1968 eine ständig rückläufige Kinderzahl, d.h. seit 50 (!) Jahren. Die durchschnittliche statistische Kinderzahl pro Frau pendelt um 1,4. Hat das in diesem Zeitraum niemand bemerkt? Kein Politiker, welcher die Entwicklung beobachten sollte, um Sorge für die Zukunft eines Volkes zu tragen? Natürlich auch die Familien selbst, die wissen, dass es ohne Kinder keine Zukunft und keine gesicherte Altersversorgung geben kann. Die SPD will Thilo Sarrazin aus der Partei werfen, weil er mit Büchern, wie „Deutschland schafft sich ab“ unbequeme Wahrheiten auftischt, bzw. an Tabus rührt. Nur, auch ein Herausschmiss aus der Partei löst das Problem nicht.
Es kommt aber noch ein Tabu hinzu. Das ist die Abtreibung. In Deutschland werden jährlich, nach offizieller Statistik, rund 100.000 ungeborene Kinder abgetrieben. Die Dunkelziffer ist hoch. Fachleute schätzen die tatsächliche Zahl der im Mutterleib getöteten Kinder auf rund 200.000. Das wären alle fünf Jahre eine Million. Wir haben die bestehende Abtreibungsregelung seit 1994, d.h. seit rund 24 Jahren. Die Abtreibung ist, lt. Bundeskanzlerin, „gut geregelt“. Eine Änderung dieser Regelung wagt kaum ein Politiker anzusprechen. Es ist aber auch eine Frage, in der es um das Menschenrecht auf Leben geht. Hier ist auch die Kirche gefordert. Von der deutschen Ortskirche ist dazu wenig zu hören. Wenn aber die warnende Stimme fehlt, macht man sich an der Entwicklung mitschuldig!

Hubert Gindert

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Änderungen sind möglich! Man muss sie nur wollen! Das Beispiel Ungarn beweist das.

Deutschland schlittert mit den übrigen westeuropäischen Ländern – geräuschlos – in eine demographische Katastrophe hinein. Wer den Mund aufmacht und sich dazu äußert, wie Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“) wird entweder in eine radikal rechte Ecke gedrängt oder mit dem Satz abgefertigt „den kann man nicht mehr ernst nehmen“, bestenfalls wird er totgeschwiegen. Die Kinderarmut verschafft sich mittlerweile Gehör mit Klagen über fehlende Lehrlinge und Fachkräfte und ängstlichen Fragen nach der Sicherheit der Renten. Kaum einer hat den Mut, auf die Ursachen der demographischen Entwicklung hinzuweisen, nämlich auf die geringe Geburtenzahl und die Massenabtreibung ungeborener Kinder.
Wer eine geänderte Familienpolitik mit mehr staatlichen Hilfen für Familien mit Kindern fordert, wird damit konfrontiert, dass gegen die inzwischen etablierte Mentalität auch mit finanziellen Hilfen nichts zu machen sei. Dieser Einwand kommt von verschiedenen Seiten: Die Einen haben den Kampf für die traditionelle Familie fast schon aufgegeben, die Andern wollen sie gar nicht, weil ihnen als Ziel eine Multi-Kulti-Gesellschaft vorschwebt.
Nun helfen Analysen und Zustandsbeschreibungen nicht weiter. Jürgen Liminski zeigt mit seinem Artikel „Ungarn setzt sich ab“ (Tagespost 8.11.18) dass auch heute Mentalitätsänderungen möglich sind. Das ungarische Beispiel, das er anführt, ist daher ermutigend und sollte verbreitet werden, denn die Mainstreammedien werden es nicht aufgreifen. Die ungarische Orban-Regierung ist seit 2010 im Amt. Die Resultate ihrer Familienpolitik sind kurz zusammengefasst:
• Die Geburtsrate stieg von 1,20 auf 1,50.
• Die Zahl der Abtreibungen nahm um ein Drittel ab, in Zahlen von 40.449 auf 28.500.
• Die Scheidungsrate ging um ein knappes Viertel zurück, nämlich von 23.873 auf 18.600.
• Die Zahl der Eheschließungen stieg um 42%.
Diese Erfolge wurden durch materielle Hilfen für die Familien mit Kindern erreicht, z.B. u.a. durch Kreditsubventionen und Steuervorteile. Die Frist vom Antrag auf Abtreibung bis zum Vollzug wurde um drei Tage verlängert, um Zeit zum Nachdenken zu geben. Die Adoption für Kinder wurde erleichtert. Das Ergebnis der ungarischen Familienpolitik ist unseren Medien keine Notiz wert. Die Regierung Orban hat eine Volksbefragung über ihre Familienpolitik angekündigt. Das Ergebnis bestimmt wie sie weiter ausgestaltet wird. Diese Form der direkten Demokratie straft Vorwürfe Lügen, Orban würde seine Vorstellungen mit seinen politischen Machtmitteln durchsetzen. Man kann übrigens auch fragen, ob die Stärkung der Familie gegen „europäische Werte“ verstößt. Der Unmut bestimmter EU-Funktionäre speist sich darin, dass Orban das demographische Problem in seinem Land nicht mit der Migrationspolitik der EU, sondern mit Stärkung der Familie lösen will.
Für alle, welche die traditionelle Familie mit Kindern befürworten, ist das Beispiel Ungarns eine starke Ermutigung!

Hubert Gindert

Artikel erscheint in der Monatszeitschrift „Der Fels“, Januar 2019

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Änne Meier (1896 – 1989): „Ich wusste, dass ich das Kreuz mittrage“

Das katholische Milieu leistete im Nationalsozialismus vor allem einen geistigen Widerstand. Das zeigen nicht nur 99 % der Priester. Auch viele katholische Politiker, Offiziere und vor allem die katholischen Lehrerinnen waren mit ihrer Ablehnung des Nationalsozialismus im katholischen Milieu fest verankert. Eine dieser Lehrerinnen war Änne Meier aus dem Saarland. Sie wurde 1896 als fünftes von sieben Geschwistern geboren. Nach dem Abitur wurde sie 1917 Grundschul-Lehrerin. In diesem Beruf war sie glücklich. Leider musste sie nach wenigen Jahren ihre Stelle an einen aus dem 1.Weltkrieg zurückgekehrten Lehrer wieder abgeben. Deshalb wurde sie Fürsorgerin. Auf der Fachschule in Heidelberg fand sie Kontakt zur neuen Liturgischen Bewegung und lernte damit den Freundeskreis um Romano Guardini kennen.
1925 übernahm sie die Leitung des Fürsorgewesens in St. Ingbert im Saarland. Daneben war sie beim Aufbau der katholischen Jugendarbeit im Saarland engagiert. 1931 war sie führend daran beteiligt, im Saarland den „Bund katholischer Pfadfinderinnen“ zu errichten. Damit konnte sie ihren pädagogischen Idealen in veränderter Form treu bleiben. Im ganzen Saargebiet konnte die religiöse Jugendarbeit weitergehen, als sie im übrigen Reichsgebiet durch die Nationalsozialisten schon sehr eingeschränkt war, denn das Saargebiet war durch den Versailler Vertrag vom Reichsgebiet abgetrennt. Hier fühlten gar manche Saarländer einen schmerzlichen Zwiespalt in sich. Sie wollten zwar politisch zu Deutschland gehören, sie fürchteten aber gleichzeitig die Einschränkungen der bürgerlichen und religiösen Freiheiten. Weiterlesen

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Die Zerstörung der zwei Grundpfeiler der Gesellschaft

Liebe Leser, wer eine andere Kirche will, der wird am Zentrum ansetzen. Das ist die Eucharistie. Sie ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (LG 11). Der Märtyrerbischof Saturninus erwiderte auf den Vorwurf, die Christen hätten an einer verbotenen sonntäglichen Veranstaltung teilgenommen: „Ohne die sonntägliche Eucharistie können wir nicht leben.“ Heute kommen über 90% der Katholiken in der deutschen Ortskirche ohne den sonntäglichen Gottesdienst scheinbar gut zurecht.
Wer die Gesellschaft grundlegend ändern will, muss zwei Pfeiler, auf denen sie ruht, zerstören: Ehe und Familie und die in die Natur des Menschen gelegte Ordnung von Arbeit und Ruhe.
„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ (GG, Art. 6). Im ersten Kapitel des Schöpfungsberichtes (1 Gen. 26/27) steht: … „So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, nach Gottes Bild schuf er sie, männlich und weiblich.“ Im Gegensatz dazu steht die Genderideologie, die dem Menschen seine geschlechtliche Identität nimmt. Das ist nicht nur das Werk von Ideologen, sondern auch des Staates. Die Durchsetzung der Genderideologie ist in Deutschland „Querschnittsaufgabe“, aber auch in Westeuropa und darüber hinaus. Diese Ideologie hat im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken und z.B. im Bund der Deutschen Katholischen Jugend und in den katholischen Frauenverbänden, Fuß gefasst. Es ist nicht der erste Versuch, Ehe und Familie zu zerstören. Die Französische Revolution hat die Ehescheidung eingeführt, die Kommunisten die „freie Liebe“. Im Neuheidentum unserer Zeit wird die Ehe nicht abgeschafft. Die Fassaden bleiben erhalten. Sie wird aber durch Parlamentsbeschlüsse wie die „Ehe für Alle“ und durch eine scheinbare Sexualaufklärung der Kinder in den staatlichen Pflichtschulen im Sinne der Genderideologie ausgehöhlt. Weiterlesen

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Wer repräsentiert die Zukunft der Kirche?

In Rom ging die fast vierwöchige Bischofssynode über die Jugend zu Ende. Guido Horst gab seinem Kommentar den Titel „Was die Bischöfe lernen sollten“ (Tagespost 31.10.18). Er fasste zusammen: „Nicht die Jugend soll sich ändern, sondern der Stil der Kirchenführung“. Das ist jedenfalls der Wille von Papst Franziskus. Was sollten die Bischöfe auf der Synode lernen? „Das Zuhören“! Konkreter: „Die 270 Bischöfe sollten darauf achten, was ihnen der Heilige Geist durch die 36 unter 30 Jahre alten jugendlichen Auditoren der Synode in der Aula sagt“ (Horst). Papst Franziskus äußerte: „Mit dieser Grundhaltung des Zuhörens hatten die Synodalen versucht ‚die Realität zu lesen, die Zeichen der Zeit zu erfassen… um pastorale Entscheidungen zu treffen, die der Realität entsprechen‘“.
In der Abschlussmesse wandte sich Franziskus mit den Worten an die Jugendlichen: „Ich möchte den jungen Menschen im Namen von uns Erwachsenen sagen: Verzeiht uns, wenn wir euch oft kein Gehör geschenkt haben, wenn wir anstatt euer Herz zu öffnen eure Ohren vollgeredet haben“. Die Bischofssynode suchte nach pastoralen Wegen, um die Jugend über das gegenseitige aufeinander hören zu erreichen.
Diese Bischofssynode hatte das Thema: Jugend, den Glauben und das Erkennen der Berufung. Horst äußerte in einem früheren Kommentar (Tagespost 18.10.18), das Wort „Veränderung (stand) von Anfang wie ein Leitwort über der Versammlung“. Es ging also nicht nur um das „Zuhören“. Die Wünsche nach „Veränderung“ betrafen u.a. die Sexualmoral der Kirche, die Bewertung der Homosexualität, den Zugang von Frauen zu Leitungsämtern.
Das gegenseitige Zuhören gab die Möglichkeit, nicht nur darüber zu sprechen, warum z.B. die Sexualmoral geändert, die Homosexualität neu bewertet, der Zugang für Frauen zur Diakonen- u. Priesterweihe geöffnet werden sollen, sondern auch darüber, was solchen Änderungen im Wege steht. Wurde die Chance dazu genutzt? Weiterlesen

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Judenhelfer Andreas Girkens – „Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit …“

In Deutschland ist ein Dogma weit verbreitet, nach dem fast alle Deutschen Nazis und Antisemiten gewesen seien. Folglich sind alle Hinweise auf „gute“ Deutsche, auf Judenhelfer tabu. Wer trotz dieses Tabus Geschichten von Judenhelfern sammelt und damit gegen das Kollektivschuld- Klischee verstößt, wird in den Medien als Unperson behandelt. Das Prinzip von der Freiheit der Forschung und das sonst so hochgelobte Grundrecht zur freien Meinungsäußerung sind hier außer Kraft gesetzt. Wer bei seiner Judenrettung von der SS nicht erfasst wurde, hatte Glück bei seinen Aktionen, aber Pech vor der Geschichte. Er wurde einfach vergessen oder verdrängt. Bekannt sind eher die Judenhelfer, die ihren Einsatz für die Menschenwürde mi dem Leben bezahlt haben. Sie bilden jedoch nur die sprichwörtliche Spitze des weithin unsichtbaren Eisberges. Allein im katholischen Martyrologium „Zeugen für Christus“ sind 40 ermordete Judenhelfer dokumentiert. Einer dieser Helden ist der Bäckermeister Andreas Girkens.
Er ist 1883 im Dorf Mechernich im Raum Aachen geboren. Dort brachte er es zu einem wohlhabenden Bäckermeister mit ansehnlichem Hausbesitz. Im Nachbarhaus wohnten ein jüdischer Arzt und ein jüdischer Zahnarzt. Mit ihnen pflegte Girkens einen freundschaftlichen Umgang. Als nach Hitlers Machtübernahme 1933 Patienten der jüdischen Ärzte von den Nazis belästigt wurden, schleuste der Bäckermeister diese Patienten durch seinen Laden zu einem rückwärtigen Eingang in das Ärztehaus. Anlässlich der Reichspogromnacht am 9.11.1938 suchten mehrere Juden in der Bäckerei Zuflucht. Das blieb den Nazis nicht lange verborgen. Deshalb überfielen sie zwei Tage später die Bäckerei, zerschlugen Schaufenster und Vitrinen und den Bäckermeister selbst schlugen sie krankenhausreif. Die Schikanen gegen die ganze Familie Girkens steigerten sich von Jahr zu Jahr. Selbst für ein zu frühes Öffnen oder zu spätes Schließen von nur zwei Minuten gab es empfindliche Strafen. 1944 unterstellten die Nazis dem Bäckermeister, er hätte ausländische Rundfunksender gehört, was damals strengstens verboten war. Girkens kam deshalb in das Kölner Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Dort wurde Girkens gefoltert. Als ihn Wochen später Verwandte kurz besuchen konnten, waren sie von seinem Aussehen erschüttert. Girkens war abgemagert. Er hatte blaue Flecken im Gesicht und verschwollene Augen. Am 3.Oktober 1944 erlag er seinen Verletzungen. Durch Beziehungen und mit Hilfe von damals sehr wichtigen Lebensmittelspenden gelang es der Familie, den Leichnam im geschlossenen Sarg zur sofortigen Beerdigung frei zu bekommen. Ein SA-Mann fotografierte die wenigen Trauergäste bei der Beerdigung.
Andreas Girkens war als regelmäßiger Kirchgänger im religiösen Leben der Kirche fest verankert. Er wollte zeitlebens nicht hinnehmen, dass unschuldige Juden nur wegen ihres „Judeseins“ verfolgt werden. Als bekennender Katholik wusste er schließlich, dass Christus, Maria und die Apostel auch Juden waren. Nach dem Urteil seiner Nachbarn und des Ortspfarrers hatte Andreas Girkens einen gesunden inneren Instinkt für Wahrheit und Gerechtigkeit. Der NS-Weltanschauung stand er von Anfang an ablehnend gegenüber. Ohne große Worte hat er die Konsequenzen seiner Haltung bis hin zum Lebensopfer auf sich genommen. Ein Zurückweichen vor der Gewalt war für diese geradlinige Persönlichkeit nicht denkbar. Andreas Girkens könnte ein Vorbild sein für jene, die versucht sind, sich dem Zeitgeist anzupassen. Während die Intellektuellen an Deutschlands Universitäten vorsichtig schwiegen, waren es neben den Priestern oft einfache Menschen, die zwischen Recht und Unrecht unterschieden und entsprechend geholfen haben. Sie sind die besseren Vorbilder
Quelle: Herbert Arens im Martyrologium „Zeugen für Christus“ I S. 41 – 45

Eduard Werner

Quelle: Eduard Werner: Helden und Heilige in Diktaturen, Media Maria Verlag, Illertissen 2017

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Andreas Hermes – ein Leben für die Wahrheit.

Viele Menschen haben sich in der Zeit des Nationalsozialismus und des Kommunismus einen klaren Blick bewahrt und sogar ihr Leben riskiert für Gottes unvergängliche Ordnung. Ein Beispiel hierfür ist der deutsche Politiker Andreas Hermes. Er ist 1878 in Köln geboren und 1964 auf seinem Landsitz in der Eifel gestorben. Schon frühzeitig kam er als Abgeordneter der katholischen Zentrumspartei nach Berlin. In der Zeit der großen Not nach dem 1. Weltkrieg wurde er zunächst Reichsernährungsminister und später Reichsfinanzminister. Dann wurde er Präsident der christlichen Bauernvereine und der Raiffeisen-Genossenschaften. Seine Sachkenntnis und vor allem seine Geradlinigkeit waren eben an vielen Orten gefragt.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 durfte er kein öffentliches Amt mehr ausüben. Er hatte schon frühzeitig vor dem Terrorsystem gewarnt und war bald davon überzeugt, dass dieses Terrorsystem nur noch militärisch vom Ausland her beseitigt werden könnte. Als 1943 auch an ihn die Frage gerichtet wurde, ob er zur Mitwirkung beim gewaltsamen Sturz Hitlers bereit sei, war seine Reaktion klar: „Keine Beteiligung an einem Attentat, aber ich will mich einer Mitarbeit beim Wideraufbau eines Rechtsstaates nach dem Krieg nicht versagen.“ Die Diskussion, ob ein Tyrannenmord erlaubt sei, hatte auch ihn berührt. Darüber hinaus ahnte Hermes, dass das nun von Goerdeler und Stauffenberg geplante Attentat ebenso wie die 40 vorausgegangenen Attentate scheitern werde. Hitler würde dann  grausam Rache nehmen. Auch schien ihm Gördeler nicht vorsichtig genug vorzugehen. Wie recht er hatte, zeigte sich bald. Nach dem 20. Juli 1944 wurde auch Andreas Hermes verhaftet. Möglicherweise hatten Mitwisser seinen Namen unter Folter preisgegeben. Von  dem berüchtigten Richter Roland Freisler wurde auch Hermes zum Tode verurteilt. Was dann folgte, ist  erstaunlich. Eine große Gebetsgruppe von Frauen, die über ganz Deutschland verteilt waren, bestürmte den Himmel mit Gebeten. Sie suchten zugleich juristischen Beistand und Trost für alle Gefangenen zu beschaffen. Unter strenger Bewachung durften Frau Hermes und ihr Sohn Peter  dem  verurteilten Vater einen Abschiedsbesuch machen. Zwei Söhne waren schon gefallen. Als am 3.Februar 1945 der  Richter Freisler bei einem Bombenangriff ums Leben kam, wurde die Hinrichtungsmaschinerie langsamer und schließlich wurde Berlin von russischen Truppen besetzt, bevor das Todesurteil an Hermes und anderen vollstreckt werden konnte. Für viele war die ersehnte Rettung  geschehen. Nach dem Krieg gründete Hermes mit einigen Freunden die CDU in der sowjetisch besetzten Zone, um einen neuen Rechtsstaat aufzubauen. Dieses Wirken fand ein jähes Ende, als Ende 1945 die Sowjets die Popularität von Hermes dazu nutzen wollten, die so genannte Bodenreform gutheißen zu lassen. Hätte Hermes diese Reform öffentlich begrüßt, so hätte dies auch als Zustimmung zur rechtlosen Enteignung der Großgrundbesitzer, zur Zwangskollektivierung    und darüber hinaus zur grundlosen Erschießung der meisten Großgrundbesitzer gedeutet werden können. Das kam für Hermes nicht in Frage. Um ihn umzustimmen, hatten die Sowjets einen teuflischen Plan. Sie sagten zu Hermes: „Hinter dieser Tür ist Ihr Sohn! Wenn Sie jetzt endlich unterschreiben, geht die Tür auf und Ihr Sohn ist frei. Wenn Sie nicht unterschreiben, muss Ihr Peter zurück in die sowjetische Kriegsgefangenschaft.“ Das war eine herzzerreißende Versuchung für den Vater, denn er wusste, welch lebensbedrohliche Strapazen dort auf seinen letzten Sohn warten. Aber eine Zustimmung zum Unrecht kam für den Mann, der gerade erst dem Galgen entronnen war, nicht in Frage. Deshalb musste sein Sohn  wieder nach Russland.  Erst fünf Jahre später wurde er krank entlassen. Nach dem Abschluss seines Studiums konnte nun der Sohn zusammen mit seinem Vater und vielen anderen Verfolgten in Westdeutschland am Aufbau des Staates mitarbeiten.
Eduard Werner

Quellen: Marianne Hapig – Tagebuch und Erinnerung, Plöger, Mooshausen  2008
Peter Hermes: Meine Zeitgeschichte, Schöningh, Paderborn 2008

Quelle: Eduard Werner: Helden und Heilige in Diktaturen, Media Maria Verlag, Illertissen

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Getreu bis in den Tod.

Von manchen Menschen verlangt das Schicksal plötzlich eine Entscheidung, welche ihre natürlichen Kräfte übersteigt. So auch von dem deutschen Soldaten Leonhard Andersag. Er ist am 14. 10. 1913 in Südtirol geboren. 1919 kam er in eine vierjährige Volksschule, in der nur Italienisch gesprochen werden durfte. Nach dem Ersten Weltkrieg war Südtirol an Italien gefallen. Alle deutschen Namen wurden zwangsweise italienisiert. Aus dem Familiennamen Andersag wurde Dallasega. Nach der erzwungenen Teilnahme am Abessinienkrieg lebte Leonhard D. mit seiner Familie wieder in dem 1400 Meter hochgelegenen Dorf Poveis, der südlichsten deutschen Sprachinsel auf dem Nonsberg. Das Leben dort war hart und entbehrungsreich.
Als 1943 deutsche Truppen Oberitalien besetzt hatten, wurde Leonhard zum deutschen Militär einberufen und mit vorgehaltener Pistole gezwungen, in die Waffen – SS einzutreten. Bis zum Kriegsende war er in Italien eingesetzt. Beim Rückzug passierte Folgendes:
Eine deutsche Kompanie wurde von italienischen Partisanen bei Giazza überfallen. Die Deutschen wehrten den Angriff ab. Anschließend verhafteten sie alle männlichen Bewohner des nahen Dorfes Giazza, um zur Abschreckung für jeden gefallenen Deutschen zehn Italiener zu erschießen. Da meldete sich der italienische Dorfpfarrer Don Domenico Mercante und sagte: „Diese Leute aus dem Dorf sind unschuldig. Nehmt mich und lasst sie gehen!“ Nach einigem Zögern nahm der deutsche Offizier das Angebot an. Er ließ den Pfarrer vor einen Bombentrichter führen und stellte das Erschießungskommando auf. Da rief Leonhard: „Dieser Mann ist unschuldig! Einen Unschuldigen erschießen ist ja Mord.“ Nun fragte ihn der Kommandant, ob auch er katholisch sei, weil er so rede. „Ja,“ war die Antwort. „Ich bin katholisch und habe Frau und vier Kinder daheim, aber lieber sterbe ich, als auf einen unschuldigen Priester zu schießen.“ Darauf zynisch der SS-Offizier: „So, jetzt werden Sie den Pfarrer erschießen.“ Als Leonhard sich weigerte, wurde er wegen Befehlsverweigerung zum Tode verurteilt. Er musste zuerst noch zusehen, wie der Pfarrer erschossen wurde. Dann musste Leonhard vor den Bombentrichter treten. Er rief fassungslos „Aber ich habe vier Kinder daheim.“ Da krachten schon die Schüsse und Leonhard stürzte tot neben die Leiche des Priesters in den Bombentrichter. Das geschah am 27. April 1945, wenige Tage vor dem Ende des Krieges. Bauern aus der Umgebung pflegten zunächst das provisorische Grab der beiden Helden. Später wurde die Leiche des Priesters nach Giazza überführt und die Leiche von Leonhard Dallasega in den Soldatenfriedhof von Meran, Grabnummer 1018.
Als ein heimkehrender Soldat die Nachricht über dieses Geschehen in das Haus der Familie Dallasega (Andersag) in Poveis brachte, war der Schock entsetzlich. Heute empfinden Leonhards Kinder bei aller Trauer eine tiefe und dankbare Verbundenheit mit ihrem Vater. Sie brauchen sich seiner nicht zu schämen, denn er ist dem Sittengesetz treu geblieben. Nach den Worten seines Sohnes Ewald, der jetzt in Deutschland lebt, hat sein Vater mehr für die Versöhnung der Völker getan, als mancher Diplomat mit Reden überhaupt tun kann.

Eduard Werner

Quellen: Siegfried Staudinger: Geistliche Miniaturen, Journal-Verlag, 2002
Internet –Auszug aus der Zeitung Dolomiten…..

 

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Alfred Andreas Heiß – ein klares Zeugnis in dunkler Zeit

Wie wir aus der Demoskopie wissen, veranlasst die Schweigespirale die meisten Menschen dazu, ein Bekenntnis zur eigenen Meinung zu unterdrücken. Wer wagt es schon, seine abweichende Meinung gegen eine Mehrheit kundzutun ? Um so erstaunlicher ist das Zeugnis jener Märtyrer, die gegen eine erdrückende Mehrheit und unter Lebensgefahr ein Bekenntnis für ihre Überzeugung abgelegt haben. Dies waren allein in der Zeit des Nationalsozialismus viertausend katholische Priester und zweihundert evangelische Pastoren. Sie alle fanden den Tod gemäß Christi Wort:“ Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ Zu diesen Märtyrern gehört aber auch eine unüberschaubare Zahl von Laien, deren Mut und Gewissen stärker waren als die Todesangst. Einer von ihnen ist der Justizangestellte Alfred Andreas Heiß. Er ist 1904 in Triebenreuth in Oberfranken geboren. Durch Fleiß und Ausdauer erwarb er in der schwierigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg die Position eines Verwaltungs- angestellten in Stadtsteinach. Fotos aus dieser Zeit zeigen Alfred Heiß als fröhlichen Fußballspieler, als Wanderer und als geselligen Gast auf Faschingsveranstaltungen. Um beruflich vorwärts zu kommen und auch um von der weiten Welt etwas mehr zu sehen, ging er schließlich nach Berlin, wo er beim Arbeitsgericht tätig war.
Er fand Anschluss in der katholischen Gemeinde, besuchte Fortbildungskurse und arbeitete in der Freizeit auch für Kaplan Fahsel. Dieser hatte in ganz Deutschland eine Vortragstätigkeit entfaltet, welche ihn in Konflikt mit den Nationalsozialisten brachte, weshalb er 1933 in die Schweiz emigrieren musste. 1934 verbrachte Heiß seinen Urlaub in der fränkischen Heimat. Im Gespräch mit Triebenreuthern äußerte er, dass die Ursachen für den Reichstagsbrand noch nicht geklärt seien. Er glaube auf keinen Fall, dass der Täter in das Reichstagsgebäude gelangt wäre, wenn ihm die Nationalsozialisten nicht absichtlich dazu verholfen hätten. Seine Gesprächspartner zeigten ihn an. Heiß wurde verhaftet und sofort aus dem Dienst entlassen. Seinen Verrätern und Belastungszeugen verzieh er großmütig. Schließlich fand er wieder eine Beschäftigung. 1940 lehnte er es als Soldat ab, eine Uniform mit Hakenkreuz zu tragen. „Da der Nationalsozialismus antichristlich eingestellt ist, muss ich es ablehnen, für den nationalsozialistischen Staat Dienst als Soldat zu tun.“ (Aus der Anklageschrift des Reichskriegsgerichtes). In der Gefängniszelle erlebte er die totale Einsamkeit. Es gab keinen Besuch. Ohne jede Aussicht auf menschliche Hilfe blieb er seinem Gewissen treu.. Er war allein gegen Millionen. Nur glaubensstarke Zeiten bringen derart mutige Zeugen hervor.
Erwartungsgemäß wurde er „wegen Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt und am 24.09.1940 hingerichtet. In seinem Abschiedsbrief heißt es u.a. : „Haltet fest an Christus und an seiner Kirche !“ Das Zeugnis von Alfred Andreas Heiß ist erschütternd. Ein hoffnungs- voller junger Mensch muss für sein Gewissen in den Tod gehen. Ein Mensch von dieser Glaubenskraft und von diesem Opfermut ist so rein, dass er wohl von Gott sofort in den Zustand der Seligen aufgenommen wird. Märtyrer sind Heilige. Tröstlich ist hier ein Gedanke von Georges Bernanos:“ Ein paar Sekunden Ewigkeit werden alles wieder in Ordnung bringen!“.

Eduard Werner

Quelle: Eduard Werner: Helden und Heilige in Diktaturen, Media Maria Verlag, Illertissen 2017

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Die Gebrüder Baiz – Verfolgte der Hitlerdiktatur

Es wird immer noch viel über die Hitlerzeit diskutiert. Manchmal kann man von Jüngeren hören: „Die Alten haben total versagt! Wie konnten sie im Dritten Reich mitmachen! Sie hätten Widerstand leisten müssen!“
Doch man fragt sich: Wären die heutigen Generationen wirklich besser? Laufen wir nicht auch am liebsten dem großen Haufen – immer dem Zeitgeist, dem gerade Modernen – hinterher? Zum Beispiel: Wie viele von uns Christen verteidigen wirklich unseren Glauben, obwohl es keine Verfolgung sondern höchstens Verachtung kostet?
Mancher fragt wohl zurecht: Wenn wir die Not von 1932 wieder hätten, müsste dann nicht nur wieder der richtige „Rattenfänger“ auftauchen?
Sind die Menschen heute nicht noch viel leichter zu verführen, weil sie meist keinen festen Rückhalt mehr im Glauben haben und die modernen Medien etc. noch viel mehr Möglichkeiten zur Manipulation der Massen bieten.
Man kann aus der Geschichte viel lernen! Das folgende Schicksal der Gebrüder Baiz aus dem Allgäu zeigt, wie hart die Nazis im Dritten Reich sogar gegen den geringsten Widerstand vorgingen und wie gemein und hinterhältig „liebe“ Mitbürger und sogar bisherige Gegner Hitlers Andersdenkende zum Schweigen gebracht haben!
Das Klima der Angst führte zum „Nichts hören“, „Nichts sehen“ und „Nichts wissen“ wollen!
Wenn ich nicht noch aus den Erzählungen meines inzwischen längst verstorbenen Vaters von diesem Fall gewusst hätte und wenn nicht noch ein paar Angehörige etwas über die damaligen Vorkommnisse beitragen hätten können, wäre die Verfolgung der Gebrüder Baiz bald ganz vergessen worden. Mit Hilfe des Münchner Staatsarchivs konnte Genaueres ans Licht gebracht werden.
Das Geschlecht Baiz ist eines der ganz wenigen alten Geschlechter in Kleinweiler, deren Name in Kleinweiler seit über 200 Jahren noch fortlebt. Weiterlesen

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