Jetzt ist für uns Katholiken die Bewährungszeit gekommen!

Natürlich beschäftigen kirchenverbundene Katholiken die zwei Megathemen: „Amazonassynode“ und der „Synodale Prozess“, weil es hier, wie Kardinal Brandmüller anmerkt, „ums Ganze geht“.
Die deutschen Bischöfe, die am 25. September mit großer Mehrheit den Fahrplan für den „Synodalen Prozess“ beschlossen haben, erwarten sich von der „Amazonassynode“ Rückenwind für ihre „Reformvorhaben“. Es ist die Versuchung – um mit dem russischen Religionsphilosophen Nikolai A. Berdjajew zu sprechen – aus Liebe zum Menschen, Gott zu verdrängen. Das Wort von Papst Franziskus an „das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“, den „Primat der Evangelisierung zurückzugewinnen“, wurde nicht aufgegriffen, weil man es nicht verstehen wollte.
Die Medien geben in der Kommentierung der „Amazonassynode“ schon mal die Richtung für den deutschen „Synodalen Prozess“ vor. So schreibt die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ) vom 26.10. unter der Überschrift „Der Papst will die Kirche wieder zum Menschen bringen“ u. a. beim „Versuch der Bedeutungslosigkeit zu entkommen“ und „wieder einen Draht zur Gegenwart zu bekommen, ist die ‚Amazonassynode‘ ein wegweisendes Ereignis“.
In dieser heillosen Verwirrung erinnerte Erzbischof Gänswein in Frankfurt am 17.10., dass Kirchenkrisen „kein historisch präzedenzloses Phänomen“ seien. Die Kirchengeschichte berichtet nicht nur von Großereignissen, wie das abendländische Schisma, die „Reformation“, die Aufklärung und den Glaubensabfall im Kommunismus und in der Nazizeit. Selbst in der römischen Verfolgungszeit der ersten Jahrhunderte gab es Irrlehren und Glaubensspaltung.
Jetzt ist für uns die Bewährungszeit gekommen und wir haben noch Bischöfe, die verlässliche Orientierung geben: So wies z.B. Erzbischof Gänswein in seiner Predigt in Frankfurt auf den Tagesheiligen Ignatius von Antiochien hin: Ignatius „stand und starb für das, was unsere Kirche zu einer apostolischen Kirche macht. Eine Schwächung der apostolischen Dimension der Kirche würde jede katholische Gemeinde, auch und gerade heute, nicht nur von der Universalkirche scheiden, sondern von der Kirche aller Zeiten seit ihrem Uhrsprung in Jesus Christus … Wenn Priester und Bischöfe nicht mehr den Mut haben, das Evangelium kraftvoll und unverkürzt zu verkünden, sondern eigene Weisheiten zum Besten zu geben, dann gibt es Unheil“ (Tagespost, 24.10.10).
Worin besteht unsere Bewährung? Gänswein empfahl in Frankfurt, den Auftrag des Papstes nach Glaubensvertiefung und Neuevangelisierung ernst zu nehmen. Er machte dazu den praktischen Vorschlag mit „Gleichgesinnten kleine Glaubenszellen zu bilden“. Sie können sich gegenseitig im Glauben bestärken und nach außen missionarisch wirken. Das wird zu einem neuen Advent führen.

Mit den besten Wünschen
für einen gesegneten Advent und ein frohes Weihnachtsfest

Ihr Hubert Gindert

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Eduard Müller

Ein Priester in der katholischen Kirche versteht sich nicht als einer, der sich einen Job wählt, seine Existenz finanziell absichert und in eine Karriere einsteigt. Er weiß sich von Gott gerufen, erwählt durch den Bischof, übernimmt einen Dienst in der Kirche und stellt sich den ihm anvertrauten Menschen zur Verfügung. Im Gehorsam gegenüber seinem Bischof verkündigt er das Evangelium, spendet die Sakramente der Kirche und weiß sich in der Verantwortung vor Gott.
So muss Eduard Müller, geb.am 15. November 1818 in Quilitz bei Glogau, seine Lebensentscheidung verstanden haben. 1843 wurde er in Breslau zum Priester geweiht und war dann Kaplan in Löwenberg in Schlesien sowie Religionslehrer in Sagan. In der Seelsorge und im Lehren erwarb er sich einen guten Ruf.
Auf dem ersten Katholikentag in Mainz hörte man deutschlandweit zum ersten Mal etwas von der katholischen Gemeinde in Berlin. Friedrich der Große (1749-1786) hatte mit der Errichtung eines Rundtempels in Anlehnung an das Pantheon in Rom in besonderer Weise der Freimaurerei dienen wollen. Nach der Eroberung des katholischen Schlesiens wollte er sich die Katholiken geneigt machen. Er übertrug den Katholiken den Rundtempel mit dem Patrozinium der hl. Hedwig, der Schutzpatronin Schlesiens. Ein Jahr nach dem Katholikentag sagte der Bischof von Münster, Johann Müller: „Ich kenne keine der Fürsorge bedürftigere Missionsgemeinde auf dem Kontinent als Berlin.“
Eduard Müller meldete sich freiwillig für die Seelsorge in der Diaspora von Berlin und bekam 1852 die Stelle eines Vikars. Sein Mühen und Arbeiten im Weinberg Gottes verglich man mit der Arbeit eines Sämanns und Ackerers auf dem kargen Sandboden Berlins, Brandenburgs und Pommerns, welcher der breslauischen Delegatur angehörte. Müller gründete Gemeinden als Seelsorgeeinheiten, mangels Kirchen mietete er Lokale an, um dort die hl. Messe zu feiern. Er suchte Wege der Verkündigung: Katechismusunterricht, Versammlungen, Gründung von Schulen und anderen katholischen Bildungseinrichtungen. Von Adolph Kolping lernte er die Bedeutung der Vereine für die christliche Bildung, die berufliche Entwicklung und das gesellschaftliche Engagement kennen. Eduard Müller wurde der erste Präses des Berliner Gesellenvereins und des späteren Kolpingwerks. Das Netzwerk seiner um die Bildung bemühten Vereine fand seinen Knotenpunkt in der Akademie der allgemeinen und beruflichen Fortbildung. Ein Historiker schrieb: „Als wahrer Hausknecht Gottes heizte er überall ein, um katholisches Leben zu entzünden.“ Auch die studentische Jugend wusste er in St. Hedwig zusammenzuführen und Kontakte zu den jungen Handwerkern oder auch Arbeitern, sog. Proletariern, herzustellen.
Müller hatte ein Herz für Schwache in der Gesellschaft: Das Gesellenhaus wurde zum Zentrum für Arbeiter, sozial Schwache und Durchwanderer. Er war Mitbegründer eines akademischen Lesevereins, der schließlich in eine studentische Verbindung einmündete. 1848 gab er das „Märkische Kirchenblatt“, eine Wochenzeitung für die Katholiken in der Mark Brandenburg, heraus, ab 1863 zusätzlich den „Berliner St. Bonifatius-Kalender“.
Eduard Müller war Abgeordneter des Preußischen Landtages, ab 1871 auch Mitglied des Deutschen Reichstages für die deutsche Zentrumspartei, an deren Gründung er 1870 beteiligt war. Im antikatholischen Kulturkampf Bismarcks geriet Eduard Müller mit dem preußischen Staat in Konflikt. Der Berliner Gesellenverein wurde als staatsgefährdend eingestuft, der geistliche Präses Müller wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Auf Drängen des Breslauer Fürstbischofs Kopp legte Müller 1891 sein Mandat nieder und zog sich auch von seinen kirchlichen Aufgaben zurück. Bis zu einem Tod am 13. Oktober 1895 lebte er im Kloster der Grauen Schwestern in Neisse. Nachdem Müller zunächst auf dem Alten St. Hedwigs-Friedhof beigesetzt worden war, fand er 1920 seine letzte Ruhestätte in der Kirche. St. Eduard in Berlin-Neukölln.

Gerhard Stumpf

Foto:  revolvy.com/page/ Eduard M.

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Mein Leben als Opfer für die Welt. Zum 75. Jahrestag des Todes von Matthias Kaiser

Am 29. November 1944, also vor 75 Jahren, endete auf dem Hof des Wehrmachtsgefängnisses von Anklam (heute Mecklenburg-Vorpommern) das junge Leben des Soldaten und tiefgläubigen Christen Matthias Kaiser. Der 23-jährige, der fest vorhatte, Priester zu werden, wurde standrechtlich erschossen mit der Begründung „Feigheit vor dem Feind“. Es gibt allerdings triftige Gründe dafür, dass dieses sehr harte Todesurteil damit im Zusammenhang steht, dass Matthias aus seinem Glauben keinen Hehl gemacht hatte. Andere Soldaten waren wegen des gleichen Delikts nicht zum Tode verurteilt worden, und auch die Anklage hatte damals beim Gerichtsverfahren für Zuchthaus plädiert – das Gericht aber auf Tod durch Erschießen entschieden. Matthias Kaiser wurde so auch in das Martyrologium des Erzbistums Bamberg aufgenommen.
Sein Gedenken hält auch die KIM-Bewegung aufrecht, eine kirchliche Jugendbewegung, die 1962 in Ingolstadt gegründet wurde und jetzt noch in Österreich präsent ist. KIM hat das Kreuz und den Rosenkranz übernommen, die Matthias Kaiser lange Zeit begleitet haben, bis zu seinem Märtyrertod.
Matthias Kaiser stammt aus der Stadt Kronach in Oberfranken. Hier wurde er am 28, Juni 1922 geboren. Matthias wuchs in einer Familie auf, die eine Brauerei, eine Landwirtschaft und einen Gasthof betrieb. Seine Gymnasialzeit verbrachte er zunächst sechs Jahre lang bei den Benediktinern in Metten und dann in Bamberg. Matthias lebte in einem ursprünglich kirchlich geführten Schülerheim, das aber durch den Beschluss der Nazis vom Staat übernommen worden war und so im Sinne der NS-Doktrin geleitet wurde. Der junge Schüler fand in dieser Zeit einen väterlichen Freund in dem Bamberger Diözesanjugendseelsorger Jupp Schneider.
Als Matthias ein Jahr nach dem Notabitur im Jahr 1941 als Soldat in den Krieg musste, schlug ihm Jupp Schneider vor, er solle sich ein Kreuz schmieden lassen mit den griechischen Worten „Phos“ und „Zoe“, also „Licht“ und „Leben“. Eine befreundete Goldschmiedin stellte dieses Kreuz her, das Matthias nun immer trug. Weiterlesen

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„Synodenkerze“ statt Kreuz Christi? Steine statt Brot.

Liebe Leser,
als der heilige Papst Johannes Paul II. den Ausstieg aus der Scheinberatung anordnete, wurde Kardinal Lehmann im Fernsehen gefragt, warum er nicht Widerstand leiste wie Bischof Kamphaus. Der Kardinal antwortete: “ Wenn ich mich dem Papst widersetze, bin ich kein katholischer Bischof mehr.“
Heute muss dieses gewichtige Wort des damaligen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz für die überwiegende Mehrheit der deutschen Bischöfe gelten. Sie widersetzen sich dem Papst etwas subtiler. Sie drehen seine Worte um und lehnen damit den Vorrang von Evangelisation (Mission und Katechese) indirekt ab, indem sie in ihrem perfiden Schreiben an die Gläubigen den dringenden Wunsch des Petrusnachfolgers, (der genau genommen eine Anweisung ist) für den Evangelisation und Mission die beiden Prioritäten sind, einfach beiseite schieben.
Sind diese Bischöfe dann noch katholische Bischöfe im Sinne von Kardinal Lehmann?
Ein besonders dreistes Beispiel hat Bischof Bode in Osnabrück am 1. Advent geboten. Er setzte im Dom an die Stelle des Kreuzes die „Synodalkerze“ und predigte über Strukturen und die sogenannten „Reformen“ und erntete damit Standing Ovations. Er mag sich dieser erfreuen. Aber er zeigte damit auch die Situation eines Teils des Klerus und der großen Mehrheit der Bischofskonferenz, die glaubt mit Strukturen und Verwaltungsmaßnahmen dem mangelnden Glaubenswissen und der Resignation vieler treuen Katholiken begegnen zu können, und damit den Menschen Steine statt Brot geben. Kein Wort von Bode zur biblischen Botschaft am 1. Advent.
In der 1. Lesung zum 1. Advent hörten wir vom Propheten Jesaja (Jes.2,1-5): „Denn vom Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort.“
In Jerusalem haben deutsche Bischöfe unter Führung ihres Vorsitzenden Kardinal Marx das Kreuz auf dem Zion von ihrer Brust genommen, so wie Bischof Bode in seiner Kathedrale das Kreuz beiseite räumen ließ und eine „Synodenkerze“ präsentierte. Dass Kardinal Marx zusammen mit einer SPD-Politikerin ähnlich im Liebfrauendom in München handelte, macht die Sache noch schlimmer. Weiterlesen

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Der Heilige Geist rettet aus menschlichen Nöten

Seit Beginn unseres Glaubens sprechen wir Christen vom Heiligen Geist. Was meinen wir eigentlich damit. Ist er nicht vielen von uns fremd geblieben, dieser „vergessene Gott“, wie er schon genannt worden ist? Und wo sollte er auch Platz finden in der nüchternen Atmosphäre unserer Alltagswelt? In den Büros und Werkstätten regieren eher die Kühle des Verstandes und ein oft unentrinnbarer Leistungsdruck. Im Lärm von Sensationen und Reklame, da ist kein Raum für den Heiligen Geist. Sollten wir also lieber vom Heiligen Geist schweigen?
Andrerseits erleben wir in unserer Zeit eine Art Wiederentdeckung des Heiligen Geistes. Seit der zweiten Hälfte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts entstehen in vielen Ländern neue Gruppen von Christen. Diese Gruppen wollen zur Erneuerung der Kirche beitragen nicht mit Reden, Plänen, Strukturreformen, Sitzungen und Konferenzen. Sondern sie wollen sich in gemeinsamem Gebet öffnen, bereithalten für das Wirken des Heiligen Geistes. Auf unsere Weise wollen auch wir das heute tun. Wir wollen den Geist zu erkennen versuchen in seinen Wirkungen und wir wollen uns seinem Wirken öffnen. Ich möchte Ihnen zeigen, wie der Heilige Geist drei Nöte des Menschen lindert; wie er eine dreifache Sehnsucht des Menschen stillt. Weiterlesen

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Dr. Albert Münch – ein glaubensstarker Verteidiger der Kirche

Seit es die Kirche gibt, wird sie immer wieder von zeitgeistigen Strömungen bekämpft. Wenn die Vertreter des Zeitgeistes aus der Kirche selbst kommen, gilt 1 Joh 2: „Sie kamen zwar aus unserer Mitte, sie haben aber nie zu uns gehört.“ Deshalb kommt es in solchen Fällen stets zu Abspaltungen. Wenn dagegen die Vertreter des Zeitgeistes die Kirche von außen angreifen, rücken die Katholiken enger zusammen. Das führt immer zur Bereitschaft, Zeugnis für Christus abzulegen.
Diese Erfahrung zeigt sich auch beispielhaft im Leben von Dr. Albert „Abbé“ Münch in der Zeit des Nationalsozialismus. Dieser mutige Priester war 1932/33 Kaplan in Bensheim an der Bergstraße. In dieser Notzeit gab es viele Arbeitslose, politische Unruhen und viele Attentate. Obwohl auch Kaplan Münch die Friedensbedingungen von Versailles für Deutschland und St. Germain für Österreich für unangemessen hart empfand, predigte er dennoch den Versöhnungsgedanken mit Frankreich. Kaum hatte er seine erste Kaplanstelle in Bensheim angetreten, warb er im neuen Kolpinghaus in einem gut besuchten Vortrag für Aussöhnung mit Frankreich. Er organisierte Jugendlager, auf denen Kaplan Münch den Jugendlichen die Abgrenzung zu den Nationalsozialisten nahe brachte. Sein schwungvoller Einsatz ließ zunächst keine „Hitlerjugend“ aufkommen. Im April 1933 organisierte Kaplan Münch eine Aufsehen erregende „Friedensfahrt“ der Bensheimer Jugend nach Paris, vorbei an den Gräbern von Verdun und Reims. Dort entwickelten sich dauerhafte Freundschaften zwischen Deutschen und Franzosen, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu Keimzellen der deutsch-französischen Verständigung wurden. Die Franzosen nannten Münch liebenswürdigerweise „ihren Abbé“, was die Deutschen dankbar übernahmen. Am 1. Mai 1933 stahl er den Nationalsozialisten die Schau. Nach einem feierlichen Gottesdienst in der Kirche strömten die Jugendlichen mit ihren Eltern und mit Fahnenschmuck und Musikzug auf den Stadtplatz. Sie sangen gemeinsam das Deutschlandlied. Als ein kleines Grüppchen Hitler-Jugend das Horst Wessellied anstimmen wollte, trat peinliche Stille ein. Kaplan Münch und seine Jugendlichen beherrschten die Straße, so dass die Nationalsozialisten wiederholt seine Versetzung an andere Orte durchsetzten. Kaplan Münch kritisierte überall die Untaten, die Lügen und das Neuheidentum der Nationalsozialisten, so dass nach mehreren Verhaftungen die Einweisung in ein KZ drohte. Da schritt sein Schulkamerad Dr. Werner Best ein. Dieser Schulkamerad war inzwischen zu einem hochrangigen SS-Offizier aufgestiegen. Er wollte aber seinen Schulkameraden Albert Münch vor dem grausamen Schicksal Tausender anderer Priester bewahren. Deshalb schickte er ihn rasch nach Italien. Dass mancher NS-Funktionär heimlich gefährdete Zeitgenossen rettete, wurde bis jetzt in der Geschichtsforschung kaum beachtet. In solchen Fällen haben sich die Helfer selbst in Gefahr gebracht.

Eduard Werner, Eduard Werner, Verfasser des Buches „Helden und Heilige in Diktaturen“. Media Maria, Illertissen 2017

Foto: Manfred Forell: „Dr. Albert Abbé Münch, ein mutiger Priester in schwerer Zeit“ Dokumentation hrsg. Kolping-Familie, Bensheim

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Stimmt die Zielrichtung?

Im „Synodalen Prozess“, der im Dezember 2019 beginnt, beschäftigen sich die Arbeitskreise mit Sexualmoral, priesterliche Lebensform (Zölibat), Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche, Gewalt, Partizipation und Gewaltenteilung. Sind das Themen der Kirche Jesu? Haben sie mit Glaubensvertiefung und Neuevangelisierung zu tun, die Papst Franziskus in seinem Brief an das „Pilgernde Volk in Deutschland“ angemahnt hat? Sind es Themen, welche die Kirche aus ihrer tiefen Krise herausführen?
Konzentrieren wir uns auf die Themen „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“. Diese spielen in der Politik und in der Gesellschaft eine herausragende Rolle. Aber in der Kirche? In der Kirche geht es um Dienst! „Machtausübung“ ist ihr wesensfremd. Das Wort und Beispiel Jesu sagt es überdeutlich. So heißt es bei Matthäus:
„Ihr wisst, dass die Herrscher die Völker knechten und dass die Großen sie ihre Macht fühlen lassen. Nicht so soll es unter euch sein. Viel mehr, wer unter euch der Erste sein will, sei euer Diener“ (Mt. 20, 26-28).
Lukas schreibt im 22. Kapitel:
„Die Könige der Völker herrschen über sie und ihre Gewalthaber lassen sich Wohltäter nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll wie der Jüngste sein, der Gebieter wie der Dienende“ (Lk. 22, 25-26).
Im Johannesevangelium leuchtet das Beispiel Jesu auf:
„Jesus erhob sich vom Mahl, legte sein Obergewand ab und umgürtete sich damit. Dann goss er Wasser in ein Becken und schickte sich an, seinen Jüngern die Füße zu waschen.“ (Joh. 13, 4-5).
Um einem Missverständnis vorzubeugen: Jesus wählt aus der Jüngerschar die 12 Apostel aus und gibt ihnen Vollmacht. Das wird deutlich als er nach der Auferstehung den Aposteln im Abendmahlsaal erscheint und ihnen die Vollmacht zur Sündenvergebung gibt.
Schon in der Jerusalemer Urgemeinde und in den von Paulus gegründeten Gemeinden war es notwendig, Verhältnisse zu regeln und zu korrigieren.
Wir haben in der Kirchengeschichte auch Machtmissbrauch, aber auch die Erinnerungen an den Dienstcharakter der übertragenen Macht. Das geschieht manchmal mit drastischen Worten, wie z.B. bei Katharina von Siena. Sie mahnte Bischöfe und den Papst ihren Dienstaufgaben nachzukommen. Was ihr aber nicht über die Lippen kam, waren Worte wie Machtumverteilung, Gewaltenteilung oder Partizipation an der Macht.
Wo Machtmissbrauch bei Bischöfen, Pfarrern oder auch bei Laien im kirchlichen Dienst vorkommt, ist der Dienstcharakter der „Machtausübung“ einzufordern. Das ist nicht nur möglich, sondern sogar gefordert!
Das Vorhaben des „Synodalen Weges“ mit „Macht- und Gewaltenteilung“ den Dienstcharakter der Kirche zu ändern, evtl. auch, um dem Ziel des Frauenpriestertums näher zu kommen, widerspricht dem Wesen einer dienenden Kirche.

Hubert Gindert

Wird auch in der Monatszeitschrift „Der Fels“ erscheinen.

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Warum sind die Christen in der Öffentlichkeit nicht präsent?

Den Platz der Weltchristen zeigt uns die „dogmatische Konstitution“ des Zweiten Vatikanischen Konzils deutlich auf: „Den Laien ist der Weltcharakter in besonderer Weise eigen“ (Dogmat. Konstitution, 4. Kap, Ziff 31) … „Die Laien sind besonders dazu berufen, die Kirche an jenen Stellen und in den Verhältnissen anwesend und wirksam zu machen, wo die Kirche nur durch sie Salz der Erde werden kann …“ (Ziff 33)
Der Jugendkatechismus (Youcat) spricht in seinem zweiten Kapitel „Die menschliche Gemeinschaft“ (Ziff 321 ff) über den Beitrag der Laien für die Gesellschaft: „Ein Christ kann niemals ein reiner Individualist sein, denn der Mensch ist von Natur aus auf Gemeinschaft hin angelegt … Der Einzelne kann sich frei in der Gesellschaft entfalten, wenn das Subsidiaritätsprinzip beachtet wird.“ Subsidiarität besagt „was der Einzelne für sich aus eigenen Kräften leisten kann, darf ihm nicht durch eine übergeordnete Instanz abgenommen werden“. Der katholischen Soziallehre geht es darum, den „Masterplan“ Gottes für die Menschen darzulegen.Warum ist das heute so wichtig? Jeder kennt das zunehmende Lamento: Christliches sprechen und Symbole (Kreuze) werden aus Politik, Vereinen, Schulen, öffentlichen Verwaltungen herausgedrängt.
Warum ist das so? Die Antwort ist einfach: Weil es immer weniger Christen gibt, die ihre Überzeugungen in der Öffentlichkeit präsent setzen. Das hat neben fehlender Zivilcourage auch mit Unwissenheit zu tun. Hinzu kommt der sich ausbreitende Individualismus, christlich gesprochen, eine schwindende Nächstenliebe. Das erinnert an die Vorhersage Christi … „und, weil die Gottlosigkeit zum Vollmaß steigt, wird die Liebe der meisten erkalten“ (Mt 24,12).
Warum war das früher anders? Ich nenne zwei Gründe: Der höhere religiöse Grundwasserspiegel war auch verbunden mit der Nächstenliebe. Junge Menschen wurden in kirchlichen Gemeinschaften wie Kolping, Katholisches Landvolk, KAB vorbereitet und motiviert, Verantwortung für die Gemeinschaft in Vereinen oder in der Kommunalpolitik zu übernehmen. Es ging dabei um dauerhafte Bindung und nicht nur um Mitarbeit für ein zeitlich begrenztes Projekt. Weiterlesen

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„An den eigentlichen Problemen vorbei“

Der Brief der zehn Generalvikare von Trier, Berlin, Essen, Hamburg, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Münster, Osnabrück und Speyer vom 21.10.2019 an Erzbischof Kardinal Marx und an den ZdK-Präsidenten Prof. Dr. Sternberg, soll die Synodalen bestärken, den von der Bischofskonferenz am 25. September 2019 beschlossenen Fahrplan ohne Wenn und Aber weiterzugehen.
Die Generalvikare sehen ihr Schreiben „Als Ermutigung für den eingeschlagenen Synodalen Weg“. Sie „unterstützen ausdrücklich die Haltung unserer Bischöfe, die sich… für den Synodalen Weg ausgesprochen haben… wir begrüßen und unterstützen… den Synodalen Weg, seine Themen und seine Zielsetzungen mit Nachdruck“.
Die Generalvikare sind überzeugt, „dass uns Gottes Wille zu deutlichen Schritten der Veränderung ermutigt“. Sie appellieren an alle Mitwirkenden und Beteiligten des Synodalen Weges… an alle verantwortlichen und engagierten Gläubigen, diesen Geist (Gottes) nicht voreilig einzugrenzen“. Woher nehmen die Generalvikare die Sicherheit, dass Gottes Geist auf Seiten derer ist, die „neue Wege“ für unsere Kirche gehen wollen. Stehen die Forderungen für diesen neuen Weg im Einklang mit dem Wort und Beispiel Jesu und mit der Lehre der Kirche? Rudolf Voderholzer hat dem am 25. September beschlossenen Synodalen Weg attestiert, „dass die wahren Probleme nicht angegangen werden“. Das ZdK fordert beispielsweise
Frauen den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu gewähren.
Den Pflichtzölibat abzuschaffen.
In der kirchlichen Sexualmoral die vielfältigen Lebensformen und Lebenswirklichkeiten positiv anzuerkennen.
Entscheidungskompetenz für alle Getauften auf allen Ebenen der Kirche zu verwirklichen.
Die Generalvikare appellieren, denen, die „neue Wege“ gehen wollen, eine „lautere Motivation und einen ehrlichen Glauben zu unterstellen“ und auf „Unterstellung – oder gar dem Vorwurf mangelnder ‚Rechtgläubigkeit‘ zu verzichten“. Hier wird versucht, einen Schutzschirm aufzubauen, wenn bei „deutlichen Schritten der Veränderung“ Glaubensinhalte auf dem Spiel stehen. Diese können nicht wegdialogisiert werden, sondern erfordern geistige Auseinandersetzung, Beurteilung und Abgrenzung. Es geht um die Wahrheit! Relativismus verbietet sich, auch, wenn er im Gewand von „Pluralität“ und „Diversität“ und als „offene Vielfalt“ daherkommt. Weiterlesen

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Viele Probleme in Kirche und Gesellschaft sind Ausdruck der gottfernen westlichen Gesellschaft.

Die deutschen Bischöfe haben am 25. September das Statut des „Synodalen Prozesses“ beschlossen. 12 Bischöfe stimmten dagegen. Einer enthielt sich der Stimme.
Erzbischof Woelki und Bischof Voderholzer hatten dem „Ständigen Rat“ der Diözesanbischöfe einen „Alternativentwurf“ vorgelegt, dessen Ziel die Ausrichtung auf Neuevangelisierung, katechetische Berufung der Laien, oder, um es mit den Worten von Papst Franziskus zu sagen, der „Primat der Evangelisierung“ war. In seinem Brief – „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ – hatte der Papst das deutlich zum Ausdruck gebracht. Die Diözesanbischöfe lehnten jedoch den „Alternativentwurf“ am 19. August mit der deutlichen Mehrheit von 21 Stimmen, bei drei Enthaltungen und drei Jastimmen, ab. Eine klare Mehrheit war nicht bereit, die Brücke zu betreten, die zu einem weiterführenden und konstruktiven Dialog hätte führen können.
Wie Bischof Voderholzer in seiner „Persönlichen Erklärung“ nach der Abstimmung in der DBK darlegt, geht die inhaltliche Ausrichtung der vier Foren „an der Realität der Glaubenskrise in unserem Land“ vorbei. Es werden die „wahren Probleme nicht angegangen“. Es gebe „kein Forum Evangelisierung“. Beim Thema „Laien“ geht es „von vornherein nur um Partizipation, statt um eine Theologie einer in Taufe und Firmung gründenden Sendung in alle weltlichen Lebensbereiche hinein“ (Weltcharakter der Laien). Der Verdacht einer „Instrumentalisierung des Missbrauchs“ sei nicht “ausgeräumt“.
Was ist zu tun?
Bischof Voderholzer begründet seine Ablehnung des Beschlusses der DBK vom 25. September wesentlich damit, dass er bei seiner Bischofsweihe „feierlich“ versprochen habe, den „katholischen Glauben unverkürzt zu vertreten und zu bezeugen“. Das haben auch wir Laien in der Firmung versprochen. Von dieser Weltverantwortung können wir uns nicht dispensieren.
Derzeit sind wir mit Massendemos konfrontiert, die apokalyptische Züge annehmen. Es besteht die Gefahr, die Gesellschaft zu spalten. Diktatorische Forderungen werden gestellt, um die „Klimaziele“ zu erreichen. Dabei besteht ein weitgehender Konsens darüber, dass es „sehr wohl überfällig (ist), Verschwendung natürlicher Ressourcen zu stoppen, den Raubbau an der Natur zu bremsen und Alternativen zu fossilen Treibstoffen zu entwickeln. Weil es vernünftig ist“ (Dieter Stein, JF, 27.9.19).
Die weltweite Massenmobilisierung mit totalitären gesellschaftsverändernden Forderungen ist nicht mit den „Wutreden“ der Greta Thunberg erklärbar und den dahinterstehenden nicht ganz durchsichtigen Netzwerken. Die Hysterie ist auch Ausdruck der gottfernen westlichen Gesellschaft. Sie steht vor einer Herausforderung und droht das Vertrauen in die menschlichen Fähigkeiten zu wirksamen Reformen zu verlieren. Wir Christen bleiben bei allen notwendigen Reformen auf das verpflichtet, woran uns Benedikt XVI. immer erinnert: Dem Glauben und der Vernunft (fides et ratio). Das sind die Kraftquellen, die aus Krisen herausführen.

Hubert Gindert

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