Am Nasenring der Kirchenveränderer

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern, das ist der Zusammenschluss der Diözesanräte, behandelte am 13./14. November die „Erfahrungen von Frauen in der Kirche“. Das Impulsreferat hielt die Ordensschwester Sara Thiel. Ihre Ordensgemeinschaft gehört zu den „Niederbronner Erlöserschwestern“. Ihr Thema beim Landeskomitee der Katholiken war „Verletzungsgeschichten von Frauen in der Kirche“. „Am Ende steht ein eindeutiges Votum“: Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern „fordert die volle Gleichberechtigung von Frauen“.
Man kann die Position der Kirche zur Frage der geweihten Ämter für Frauen von verschiedenen Seiten aufzurollen versuchen, auch von der emotionalen Seite.
Kurt Biedenkopf sprach 1973 mit Blick auf die 68er Kulturrevolution von einer „Revolution neuer Art: Es ist die Revolution der Gesellschaft durch Sprache… Sie besetzt Begriffe und damit die Information der freien Gesellschaft“. Was den 68ern weithin gelungen ist, wird heute innerkirchlich versucht. Weiterlesen

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Ist dieser Krieg noch zu gewinnen?

„Sind die islamistischen Anschläge in Frankreich und Österreich Angriffe auf Europas christliche Identität?“ lautet eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „INSA-Consuläre“, durchgeführt im Auftrag der Tagespost zwischen 6. bis 9. November bei 2030 Erwachsenen Personen. Nach dem Ergebnis der Befragung sind 56% der Deutschen der Meinung, dass die „islamistischen Anschläge auf Europas christliche Identität zielen“. Von den katholisch befragten sind 61% dieser Meinung; 13% teilen diese Meinung nicht, 17% wissen nicht, wie sie die Frage beantworten sollen. Die befragten Protestanten sind sogar zu 69% der Meinung, dass die islamistischen Anschläge auf die christliche Identität Europas abzielen. Nach der Partei-Affinität teilen diese Sicht 78% der AfD-Wähler, 71% der Unionswähler, 66% der FDP-Wähler, 57% der SPD-Wähler. Linke und Grüne teilen diese Ansicht mit der relativen Mehrheit von 49% und 46%.
Was lässt sich aus diesen Fragen schlussfolgern? Und was ergibt sich daraus für das politische Handeln, die Kulturpolitik und auch für die Kirchen?
Interessant ist insgesamt die hohe Zustimmung, die in den Antworten zum Ausdruck kommt. Sie liegt bspw. über der Zahl der Deutschen, die sich als „Christen“ bezeichnen (54%) und weit höher als die der praktizierenden Christen, gemessen an der Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst. Diese beträgt bei Katholiken rund 9%, bei Protestanten ca. 3%. Wer die Identität als bedroht empfindet, gibt damit zu verstehen, dass er sich geschützt haben will.
Was heißt Identität? Wikipedia definiert Identität so: „Identität ist die Gesamtheit der Eigentümlichkeiten, die eine Entität, einen Gegenstand oder ein Objekt kennzeichnen und als Individuum von Anderen unterscheiden. In ähnlichem Sinn wird der Begriff auch zur Charakterisierung von Personen verwendet.“ Die Bedrohten sehen durch den aggressiven Islamismus ihre kulturelle Gesamtheit gefährdet, wie sie sich bspw. im Verfassungsverständnis mit der menschlichen Würde, den Grundfreiheiten und Rechten ausdrückt. Dazu gehört nach deutschem Verständnis die Trennung von staatlicher Gewalt und Religion. Im Islam bilden sie eine Einheit. Weiterlesen

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Wer sich in Kirchenzeitungen präsentieren darf?

Christian Weisner, der Sprecher der „Kirchenvolksbegehrer“ mit dem bescheidenen Namen „Wir sind Kirche“ konnte in der Kirchenzeitung der Erzdiözese München (15.11.2020, Nr. 46, S. 29) auf einer ganzen Seite seine „Reformbewegung“ darstellen. Der Anlass war das sogenannte „Kirchenvolksbegehren“ vor 25 Jahren. Das Interview hat den Titel „Eine Kirche der Gleichen“.
Weisner bedauert in diesem Interview, dass sie „nicht in den Synodalen Weg einbezogen sind. Es gibt aber gute indirekte Kontakte, vor allem zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken… Die Synode kann auch für die Weltkirche ein Angebot sein, dass hier in Deutschland… neue Wege gefunden werden können“. Auf die Frage des Interviewers, wie Weiser die „Querschläge… die Instruktion im Sommer und die Äußerungen der Glaubenskongregation zum Abendmahl“ einschätze, meint Weisner: „Ich würde mir von Papst Franziskus ein noch deutlicheres Ja zum Synodalen Weg wünschen… und es wäre sehr ungut, wenn einzelne Bischöfe oder Kardinäle über Rom versuchen würden, den Synodalen Weg zu stören“. Gefragt nach seinen „Hoffnungen und Wünschen für die nächsten 25 Jahre“, gibt Weisener von sich: „Es geht uns letztendlich, um das, was der biblischen Botschaft von einer Kirche der gleichen und der verschiedenen Charismen entspricht. Darum, die Ständeunterschiede, die Kluft innerhalb der Kirche zwischen Klerikern, Priestern, Bischöfen, Diakonen und dem allgemeinen Kirchenvolk zu überwinden. Wenn man auf die Kirchengeschichte schaut, sieht man, dass die Tradition der klerikalen, zentralen, absolutistischen Kirche eine sehr junge Tradition ist, die eigentlich erst im 19. Jahrhundert in der Zeit des ersten Vatikanischen Konzils erfunden und installiert worden ist… Wichtig ist doch: Wie können Gemeinden überleben und gemeinsam Gottesdienst feiern? Und da darf es nicht mehr diese große Rolle spielen, ob Mann, ob Frau, ob verheiratet oder nicht verheiratet – wie es ja auch am Anfang nicht diese große Rolle gespielt hat“. Weiterlesen

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Innere Auflösung statt Freude am Glauben. Interview zu 20 Jahren Forum Deutscher Katholiken mit der Tagespost.

„20 Jahre nach seiner Gründung sieht das Forum Deutscher Katholiken die innerkirchlichen Zustände in Deutschland mit großer Sorge. Gründer Hubert Gindert hofft dennoch auf eine geistliche Wende.“
Regina Einig – Redakteurin – Kirche aktuell, Bildung „Die Tagespost“
Regina Einig
02. November 2020
1)Herr Professor Gindert, als sich das Forum Deutscher Katholiken im September 2000 gründete, stand die Kirche in Deutschland noch ganz unter dem Eindruck des Konflikts um den Ausstieg der Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung. Was bestärkte Sie damals in der Erwartung, dass das Forum Zukunft haben würde?
Vor allem das Gespräch mit Erzbischof Dyba im Juni 2000. Dann die Erwartung, wir könnten für unsere Ziele Bischöfe, wie z.B. Kardinal Meisner gewinnen, die mit der Einbindung der Kirche in die vom Bundestag beschlossene Abtreibungsregelung nicht einverstanden waren. Schließlich die angestrebte Zusammenarbeit mit lehramtstreuen geistlichen Bewegungen. Hier zeigte sich bald, dass einige wenig geneigt waren, den Weltauftrag der Christen aufzugreifen, der uns wichtig war.

2) Zu dieser Zeit verloren viele aktive Christen ihre politische Heimat, die C-Parteien. Wie hat das Forum darauf reagiert?
Wir haben uns nie als parteipolitische Bewegung verstanden. Haben aber verstärkt auf gesellschaftspolitische Themen (Fragen der Familie, des Lebensschutzes, etc.) die früher bei den C-Parteien in guten Händen waren, durch Stellungnahmen reagiert.

3) In den ersten Jahren waren die Kongresse vor allem durch Begegnungen mit Bischöfen geprägt, in denen Gläubige den Fels in der Brandung sahen: Kardinal Ratzinger, Kardinal Scheffczyk oder Kardinal Meisner zum Beispiel: Wen würden Sie heute nennen? Wer steht in den Fußstapfen dieser Kirchenmänner?
Aus unserer Sicht stehen Bischöfe, wie Voderholzer, Woelki, Kardinal Müller in den Fußstapfen der genannten Bischöfe. Dazu müssten auch noch Weihbischöfe wie Schwaderlapp, Wörner etc. erwähnt werden. Kardinal Scheffczyk steht für die Theologieprofessoren. Hier fallen einem heute Professoren wie z.B. Karl-Heinz Menke, Christoph Ohly, Helmut Hoping etc. ein.

4) Die Wahl Kardinal Joseph Ratzingers zum Papst erlebten viele lehramtstreue Katholiken in Deutschland als Sternstunde. Dennoch gab es in Deutschland keine nachhaltige geistliche Wende. Welche Ursachen hat das?
Als Ursache für die fehlende geistliche Wende sehe ich die – mit wenigen Ausnahmen – nahezu totale Ablehnung von Benedikt XVI. in der katholischen Kirche in Deutschland an. Auf das, was er sagte oder anordnete, reagierte die Mehrheit der Theologen mit „sprungbereiter Feindseligkeit“. Manche Bischöfe zeigten Papst Benedikt die kalte Schulter. Die großartige Chance wurde vertan.

5) Welche innerkirchlichen Entwicklungen der vergangenen zwanzig Jahren in Deutschland stimmen Sie zuversichtlich? Was macht Ihnen Sorge?
Sorge machen uns die zunehmende Gleichgültigkeit, die an die apokalyptische Warnung an die Gemeinde in Ephesus erinnert: „Du hast die erste Liebe verlassen. Darum bedenke, von welcher Höhe du gefallen bist“ (Off.2, 4-5) Diese Gleichgültigkeit zeigt sich im ständig abnehmenden Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes und in der Sakramentenpraxis (Beichte).Konsequenzen wurden daraus kaum gezogen. Die Entwicklung mündet seit einigen Jahren in Gottvergessenheit und massenhaften Auszug aus der Kirche ein. Die inneren Auflösungserscheinungen werden im „Synodalen Prozess“ deutlich. Dort versucht eine deutliche Mehrheit einen Weg zu gehen, der aus der Universalkirche herausführen muss.
Zuversichtlich stimmen zahlenmäßig kleine Gemeinschaften, die versuchen den Glauben authentisch zu leben und neue Initiativen wie z.B. Die „Neue katholische Frauenbewegung“ (NKF) und „Maria 1.0“ oder die von der „Tagespost“ erwähnte „Holyween statt Halloween“ , besonders aber die Renaissance der eucharistischen Anbetung durch junge Menschen.

6) Wo sehen Sie das Forum Deutscher Katholiken innerhalb des Parteienspektrums?
Wir sehen uns außerhalb des Parteienspektrums und positionieren uns nicht in ihm. Im Übrigen zeigen die politischen Parteien immer weniger ein klares Profil.

7) Nächstes Jahr findet der Kongress Freude am Glauben in Regensburg statt, einer Diözese, die eine gute Nachbarschaft mit den tschechischen Nachbarn pflegt, insbesondere dem Bistum Pilsen. Können Sie sich grundsätzlich vorstellen, den Kongress stärker auf Europa hin auszurichten?
Auf dem Kongress 2004 in Regensburg war Bischof Frantisek Radkovsky von Pilsen unser Gast. Der Präsident von Paneuropa Bernd Posselt ist Kuratoriumsmitglied unserer Kongresse. Europa ist bei uns gut vertreten. Wir wünschen uns, dass ein geeintes Europa ins Konzert der Kontinente Gewicht einbringt, im Inneren Europas aber die Eigenständigkeit der Länder, besonders im kulturellen Bereich, möglichst gewahrt bleibt.
8) Wie würden Sie die geistliche Ausrichtung beschreiben, die das Forum in Zukunft verfolgen soll?

Ich meine, angesichts der Verunsicherung vieler Menschen, geht es darum, ihnen Hoffnung zu geben und zu vermitteln, dass mit Gottes Hilfe eine geistliche Wende möglich ist. Benedikt XVI. hat einmal geäußert, Gott kann alles, aber er respektiert die Freiheit des Menschen. Er gab dem Kirchenverfolger Saulus die Chance zum größten Missionar der Kirche zu werden. Aber auch er kam nicht an einer persönlichen Umkehr und an der Frage vorbei: Was soll ich tun? Das dürfen wir nicht verschweigen. Das Motto des nächsten Kongresses 2021 lautet daher: „Was er euch sagt das tut (Joh. 2,5)“.
Und wir werden zu den Bischöfen stehen, die sich in der Verwirrung einen klaren Blick bewahrt haben.

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Die Katholiken sind nicht heimatlos geworden! – Stellungnahme des Forums Deutscher Katholiken

Medienberichte verunsichern lehramtstreue Katholiken. Sie sehen darin den Versuch, unter den Gläubigen Verwirrung zu schaffen. So schrieb die „Augsburger Allgemeine Zeitung(AZ) vom 23.10.2020,S. 1 unter der Überschrift „Papst bestärkt Homosexuelle“ und zitiert Papst Franziskus aus einem Dokumentarfilm: „Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu sein. Sie sind Kinder Gottes, sie haben das Recht auf eine Familie“, weiter “Wir müssen ein Gesetz für zivile Partnerschaften schaffen. Sie haben das Recht, rechtlich abgesichert zu sein“
In der gleichen Ausgabe der AZ (S.5) wird unter der Überschrift „Papst unterstützt homosexuelle Paare“ Papst Franziskus mit Bezug auf seine Aussage, die er dem Rückflug vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro gemacht hat, zitiert: „ Wenn eine Person homosexuell ist, Gott sucht und guten Willen hat, wer bin ich, über sie zu urteilen“.
Was sagt der Katechismus der katholischen Kirche, der die Lehre der Kirche (KKK) wiedergibt zur Homosexualität:
„…Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind. Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen. Und in Ziff. 2358… Ihnen(Homosexuellen) ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen“…
Die Lehre der Kirche unterscheidet deutlich zwischen „homosexuellen Handlungen“ und „homosexuell veranlagten Menschen“. Handlungen werden als „schlimme Abirrung“ bezeichnet, homosexuell veranlagte Menschen dürfen nicht diskriminiert werden. Die Aussagen von Papst Franziskus sind keine Rechtfertigung der Homosexualität. Sie beziehen sich auf die Behandlung Homosexueller als Menschen und Glieder der Zivilgesellschaft.

Für das Forum Deutscher Katholiken: Prof. Dr. Hubert Gindert

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Ein Röntgenbild der Gesellschaft und der Kirche, das wir nicht hinnehmen können.

Auf der Herbstkonferenz der deutschen Bischöfe 2020 in Fulda hat der päpstliche Nuntius Erzbischof Eterovic mit wenigen Zahlen dargelegt, wo die Aufgabe der katholischen Kirche in Deutschland liegt. „Lt. den Statistiken glauben von den 54% der Bevölkerung in Deutschland, die Christen sind, nur 61% der Katholiken und 58% der evangelischen Christen an die Auferstehung Jesu Christi; Ferner glauben nur 57% der evangelischen Christen und 63% der Katholiken, dass Jesus Christus auch der Sohn Gottes ist“.
Wenn jemand von denen Christ ist, der an Tod und Auferstehung Jesu Christi glaubt, dann sind noch rund 32% der deutschen Christen. Erzbischof Eterovic fügt noch an… „31% der Deutschen glauben an ein Schicksal, 24% an Astrologie und 15% an eine Wiedergeburt“.
Damit wird die eigentliche Aufgabe eines Reformprozesses, wie des „Synodalen Weges“ unausweichlich: Neuevangelisierung, d.h. die Wahrnehmung des Missionsauftrages Jesu.
Zum „Röntgenbild“ der katholischen Kirche tragen die repräsentativen Untersuchungen des in Erfurt ansässigen Meinungsforschungsinstitutes „INSA Consuläre“, die im Auftrag der Tagespost durchgeführt werden, bei. Die im Weiteren aufgeführten Daten beziehen sich darauf. Weiterlesen

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Der „Synodale Prozess“ schleppt sich mühsam weiter

Warum ist der „Synodale Prozess“ so mühsam? Weil die Mehrheits- und die Minderheitsfraktion unterschiedliche Vorstellungen von Reform haben. Die Mehrheit ist an Strukturveränderungen interessiert, die Minderheit an Neuevangelisierung, ausgerichtet am Wort Gottes und der Lehre der Kirche.
Guido Rodheut drückt das so aus: „Dass es sich nämlich bei der konkreten Verfassung und Ausrichtung des ‚Synodalen Weges‘ jenseits aller redlich bekundeten Absichten und Schönfärbungen um ein gigantisches, die katholische Kirche durch ihre Wesensverkennung schwer beschädigendes Unternehmen handelt“ (Vatikan-Magazin 8-9, 2020, S. 36).
Das Problem der sogenannten Reformvorhaben hat auch damit zu tun, dass sich der Relativismus in den Köpfen der Synodenmehrheit breit gemacht hat. Noch einmal Rodheut: Er zitiert zur Verdeutlichung die Pastoraltheologin Christiane Bundschuh-Schramm, Mitarbeiterin des Bischofs von Stuttgart-Rottenburg: „Die Wahrheit ist nicht unveränderlich, weil sie nicht etwas Objektives ist. Sie ist wandelbar, weil sie im Subjekt entsteht und folglich müssen wir Schluss machen mit überholten Gottesbildern und Denkmodellen“. Mit einer solchen Geisteshaltung ist der demokratischen Mehrheit der Synodalen die Tür geöffnet und sie macht vor Abstimmungen, auch über die Lehre der Kirche, nicht Halt. Diese synodale Gesinnung stieß inzwischen auf zwei Staumauern: Das Schreiben von Papst Franziskus zur Amazonassynode. Es öffnete nicht den erhofften Türspalt zum Frauendiakonat/Priesterweihe und zu den „Viri probati“. Die Instruktion der Kleruskongregation beugt der Entmachtung des Pfarrers durch Teams, in welcher der Pfarrer einer von mehreren ist und jederzeit überstimmt werden kann, vor. Eine Reihe von Bischöfen (Kohlgraf, Schick, Ackermann, Overbeck, Feige, Bode, Marx) übten heftige Kritik an dieser Instruktion. Andere Bischöfe (Wölki, Hanke, Ipolt, Meier, Oster, Voderholzer) halten die Instruktion für richtig, weil sie der Laienarbeit Raum bietet. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sieht durchaus Möglichkeiten, aus der Universalkirche auszuscheren. Die ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann meinte: Es helfe nicht, „wenn wir nur einen Einheitsbrei auf Weltkirchenebene, der für alle eine Gültigkeit hat, immer im Blick haben… Kirche ist wie alle anderen lebendigen Gemeinschaften von Ort zu Ort, von Land zu Land, von Voraussetzungen und Bedürfnissen her unterschiedlich“ (Passauer Bistumsblatt, Nr. 36, 6.9.2020, S. 3). Einen Weg, der aus der Universalkirche herausführt, werden wir nicht mitgehen! Weiterlesen

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Hoffnung für Europa?

Im Leitartikel des Konradsblatts (21.06.2020) „Hoffnung für Europa?“ meint Brigitte Bottner: Die deutsche Ratspräsidentschaft ab 1. Juli 2020 „weckt Hoffnungen in vielen europäischen Mitgliedsstaaten“, zumal im ersten Amtsjahr der deutschen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. „Hoffnungsvoll sind auch die Kirchen … Europa ist kein loser Staatenverbund, den strategische und wirtschaftliche Interessen zusammenhalten; hier geht es um ein großartiges, einzigartiges Erbe mit christlichem Fundament“.
In einem weiteren Artikel der gleichen Ausgabe des Konradsblatts mit der Überschrift „Solidarisches Europa statt nationaler Alleingänge“ sprechen sich der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz (DBK) Bätzing und der Vorsitzende der evangelischen Kirchen Deutschlands (EKD) Bedford-Strom in einer gemeinsamen Erklärung (17.6.2020) zur deutschen Ratspräsidentschaft für ein „solidarisches Europa, das die Schwächsten der Gesellschaft“ im Blick hat und für die „Bewahrung der Schöpfung“ aus. Sie äußern die Überzeugung, dass unser aller Zukunft nicht allein bei den Nationalstaaten, sondern in Europa liegt… Die wichtigsten Herausforderungen sehen beide Kirchen in der „Bekämpfung der Wirtschaftskrise“. Gleichzeitig wollen sie auf dem Weg zu einer „klimaneutralen Gesellschaft“ weitergehen. Sie haben „strukturschwache Länder und ärmere Bevölkerungsschichten weltweit“ im Blick. Schließlich fordern sie eine „menschenwürdige, gerechte und solidarische Asylpolitik, die schutzsuchenden Menschen sichere Zugangswege ermöglicht mit „hohen Aufnahme- und Verfahrungsstandards“.
Die „gemeinsame Erklärung“ liest sich wie eine Aufzählung von Wünschen von „Gutmenschen“, die nicht in politischer Verantwortung stehen und zumeist Allgemeinplätze wiederholen. Eine „öffentliche Stimme“ wird man so nicht. Von dem „großartigen, einzigartigen Erbe mit christlichem Fundament“, wie es im Leitartikel heißt, ist da nichts zu lesen. Wie sollte das in einer europäischen Union auch sein, die sowohl den Gottesbezug in der Verfassung, wie die Nennung der christlichen Wurzeln Europas abgelehnt hat und eine Kultur entwickelt, die Gott aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannt. Dieses Erbe wird in der „gemeinsamen Erklärung“ nicht angesprochen. Weiter hieß es im Leitartikel, die Kirchen sähen Europa nicht als losen Staatenverbund. Die gemeinsame Erklärung hat als „wichtigste Herausforderung“ die Bekämpfung der Wirtschaftskrise, nicht aber die geistige Krise Europas. Die Zukunft läge nicht bei den Nationalstaaten, sondern in Europa. Das ist ein Allgemeinplatz, der aber nichts darüber aussagt, wie ein gemeinsames Europa zusammengehalten werden kann, in dem die Übergriffe des Europäischen Gerichtshofes und der Kommission das Subsidiaritätsprinzip immer mehr aushöhlen. Auch das hätten die Verfasser der „gemeinsamen Erklärung“ ansprechen müssen, wenn ihnen der Fortbestand der Europäischen Union am Herzen liegt.

Hubert Gindert

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Katholische Wahrheiten im „Neuen Westfernsehen“ suchen?

Das Konradsblatt, die Kirchenzeitung der Erzdiözese Freiburg druckt in ihrer Ausgabe Nr. 25 vom 21.6.2020 kommentarlos einen Text mit der Überschrift „kfd erneuert Forderung nach Weiheämter-Zugang“ ab. Dort heißt es: „Die katholische Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) hat die Forderung nach einem Zugang von Frauen zu Weiheämtern unterstrichen. ‚Wir Frauen wollen der Kirche nicht nur dienen, sondern auch Verantwortung und Macht übernehmen‘, sagte die kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil. Ein Jahr nach der Verabschiedung des Positionspapiers ‚gleich und berechtigt‘ fällt die Bilanz der kfd zuversichtlich aus.“
Die Forderung der kfd ist nicht so brandneu und hochwichtig, dass sie allen Gläubigen der Diözese zur Kenntnis gebracht werden müsste. Vielmehr verwundert, dass eine Kirchenzeitung diesen Text ohne Kommentierung bringt. Das ist der Skandal. Entweder gibt es in der Redaktion keine Person, die willens und in der Lage ist, diese gegen den Glauben der Kirche gerichtete Haltung klarzustellen oder man will diese kirchenspalterische Position ins Kirchenvolk tragen. Immerhin möchte man annehmen, dass außerhalb der Redaktion Theologen, Priester oder auch der Erzbischof dafür zur Verfügung gestanden wären, Position zur Haltung der kfd zu beziehen. Offensichtlich müssen sich gläubige Katholiken außerhalb der kirchlichen Medien umsehen, wenn sie den katholischen Standpunkt zu den modernen Häresien kennenlernen wollen.

Hubert Gindert

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Sollten sich Kirchenzeitungen in den US-Amerikanischen Wahlkampf einmischen?

Sollten katholische Kirchenzeitungen den allgemeinen Anti-Trump- bzw. den Pro-Biden-Trend praktizieren? Natürlich ist die Versuchung mit dem großen Haufen zu laufen, wie Frau Nölle-Neumann vor vielen Jahren konstatiert hat, groß. In einer katholischen Kirchenzeitung geschieht das mit der Titelüberschrift „Mit Rosenkranz gegen Gewehre. Der Untertitel lautet Joe Biden könnte nach John F. Kennedy der zweite Katholik werden, der ins Weiße Haus einzieht. Der demokratische Bewerber beruft sich auf seinen Glauben, der ihm geholfen habe, mit Schicksalsschlägen fertig zu werden.“ Die katholische Haltung Joe Bidens wird mit Zitaten unterstrichen wie „Er hat immer den Rosenkranz dabei“… „Das Versprechen Jesu spendet ihm Trost“, sagt die Ordensfrau Simone Campbell… „Seit dem Tod seines Sohnes Beau trägt der Katholik stets dessen Gebetskette bei sich… geprägt wurde Biden durch zwei ‚Johns, den ersten katholischen US-Präsidenten John Kennedy und Papst Johannes XXIII. dessen Einsatz für soziale Gerechtigkeit ihn prägte“… „Mit seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten hat der regelmäßige Kirchgänger derzeit gute Aussichten als zweiter Katholik ins Weiße Haus einzuziehen“. Soweit die seriös klingende Beschreibung Bidens.
Auch der Amtsinhaber Trump wird zitiert mit Worten, die ihn eher ins Abseits stellen: „Er (Biden) ist gegen Gott. Er ist gegen Gewehre“. Biden wolle „eine Welt ohne Religion schaffen… Gott würde die Wahl Bidens ins Weiße Haus ‚weh tun‘“. Niemand kann beurteilen, in welchem Zusammenhang diese Worte gefallen sind.
Nun werden im gleichen Artikel auch katholische Stimmen gebracht, die auf Bidens „angebliche (!) abtreibungsfreundliche Haltung“ hinweisen. „Tatsächlich verteidigt“, so heißt es „der demokratische Kandidat politisch die Selbstbestimmung von Frauen – auch wenn er Schwangerschaftsabbrüche persönlich ablehne“. Hier werden Katholiken, die ihren Glauben ernst nehmen, hellhörig. Sie wissen, dass die Kirche Abtreibung für ein „verabscheuungswürdiges Verbrechen“ hält. Es mag stimmen, dass Biden persönlich Abtreibung ablehnt, entscheidend ist, was er als Präsident tut. Informierte Zeitgenossen wissen, dass sich Biden für eine Lockerung der Abtreibungsgesetze ausgesprochen hat. Biden als „katholischen“ Kandidaten herauszustellen, erscheint etwas gewagt. Das kann man wohl nur, wenn man für die „Selbstbestimmung“ der Frauen in der Abtreibung ist, die in Wahrheit eine „Fremdbestimmung“ über das Kind bedeutet.

Hubert Gindert

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