Wer war Dr. Alois Hundhammer?

Wenn man die Ausstellung im NS-Dokumentatioszentrum in München ansieht, könnte man glauben, dass Alois Hundhammer ein Wegbereiter des Nationalsozialismus gewesen wäre. Doch das Gegenteil ist wahr. Der Bauernsohn Alois Hundhammer fand nur mit Mühe eine Möglichkeit, ein Gymnasium zu besuchen. Noch vor dem Abitur wurde er 1918 zum Kriegsdienst eingezogen. Nach dem Ersten Weltkrieg studierte er in München unter ärmlichen Bedingungen Geschichte und Philosophie. Schon mit 23 Jahren wurde er an der Universität München zum Doktor der Philosophie promoviert. Während er auch noch Volkswirtschaft studierte und den Dr. rer. pol. erwarb, wurde er gleichzeitig Generalsekretär des Christlichen Bauernvereins. In dieser Zeit herrschte in den Städten Arbeitslosigkeit und Inflation und auf dem Land das Höfesterben. In der oft verzweifelten Lage gab es in Deutschland auch viele politische Morde. In dieser Not versuchte Hundhammer mit vielen Vorträgen aufklärend zu wirken. Aus seinen Vorträgen wurden bald die „Staatspoltischen Schriften“, die landesweit verbreitet wurden. Hundhammer griff die Nationalsozilisten scharf an und legte ihre Widersprüche offen. Er stellte fest: „Die Nationalsozialisten sind einerseits gegen das Privateigentum und andererseits doch vom Großkapital abhängig. Wenn eine solche Partei behauptet, sie stehe auf dem Boden des positiven Christentums, dann begeht sie eine glatte Heuchelei. Lasst Euch nicht blenden von den Hakenkreuzagitatoren!“ Hundhammer verwies immer wieder auf den grundsätzlichen Gegensatz zwischen der „neuheidnischen Germanenideologie“ und der christlichen Weltanschauung. 1932 wurde er in den Bayerischen Landtag gewählt. Nach der Machtübernahme Hitlers im Berlin am 30. Januar 1933 war der Kampf mit Waffen nicht mehr zu vermeiden. Am 9. März 1933 forderte Hundhammer vom Ministerpräsidenten Held mehr Polizei, um den Landtag zu schützen. Auch die Schusswaffen sollten eingesetzt werden. Doch die bayerische Polizei zögerte. Verflogen war der Kampfesmut der Polizei vom 9. November 1923. Man fürchtete ein aussichtsloses Blutbad.
Da besetzten die Nationalsozialisten überraschend die Bayerische Staatskanzlei und übernahmen die Regierung nun auch in Bayern. Kommunisten, Sozialdemokraten und Katholiken wurden rasch verhaftet.. Auch Hundhammer kam in das KZ Dachau. Dort wurde er verhöhnt und misshandelt. Nach seiner Entlassung am 22.07.1933 musste er als Schuhverkäufer seinen Lebensunterhalt verdienen. Als er nach dem Stauffenberg-Attentat am 20.07.1944 wieder verhaftet werden sollte, konnte ihn die Polizei an der Westfront nicht finden. Nach der Rückkehr aus dem Krieg 1945 war Hundhammer Mitbegründer der CSU. 1946 wurde er Kultusminister. Schulen und Universitäten lagen in Trümmern. Die große Aufbauleistung Hundhammers konnte wegen seines Rohrstockerlasses, pressewirksam Prügelstrafe genannt, verfälscht werden. Körperliche Strafen waren damals fast in ganz Europa üblich. Dankbar blieben ihm aber seine jüdischen Freunde, die er in der Zeit der Verfolgung unterstützt hatte.

Eduard Werner

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Georg und Maria Luise Thurmair

„Wir sind nur Gast auf Erden.“
In Zeiten des Überflusses und des Übermutes braucht es Propheten, die zur Besonnenheit und Verinnerlichung aufrufen. So war es auch in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Nach dem 1. Weltkrieg und vor allem nach den Wirren der Weltwirtschaftskrise 1929/1930 wurden Arbeitslosigkeit und Hunger allmählich überwunden. Sportliche Leistungen und technische Neuerungen hatten das Selbstbewusstsein der Deutschen wieder hergestellt. Oberflächlichen Zeitgenossen schien das „Tausendjährige Reich“ wohl begründet. Man glaubte mit Zuversicht in die Zukunft sehen zu können. In diese überhebliche Siegesstimmung hinein rief schon 1935 der Münchner Kirchenmusiker Georg Thurmair: „Wir sind nur Gast auf Erden!“ Das Leid und die Not, die durch Verfolgung und Krieg schon wieder drohten, haben Künstler schon Jahre vorausgespürt. Offene Kritik am politischen System war verboten und wäre gefährlich gewesen. Aber während in Deutschland offiziell Parteilieder angestimmt wurden, erklangen auch jeden Sonntag zwischen der Nordsee und den Alpen in den Kirchen religiöse Lieder, die den Sinn der Menschen auf bleibende Werte richteten. Und die Priester haben diesen Ruf in ihren Predigten und Gebeten vorsichtig aufgenommen: „Möge uns der Herr bewahren vor dem drohenden Unheil.“ Das war der Tenor in vielen Predigten damals. Wer Ohren hatte zu hören, der hörte auch. Thurmair zeichnete schon vor dem Krieg die Not, die Verlassenheit an der Front und in den zerbombten Städten „Die Wege sind verlassen und oft sind wir allein, in diesen grauen Gassen will niemand bei uns sein.“ … „Dann stell ein Licht uns aus, o Gott in Deiner Güte, dann finden wir nach Haus.“ In der äußersten Not fanden die Menschen nur bei Gott noch einen Funken Überlebenswillen. Weiterlesen

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Erklärung des Forums Deutscher Katholiken zur Diskussion über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche

Die deutschen Bischöfe befassen sich auf ihrer Herbstkonferenz mit dem Bericht der Missbrauchsfälle in der deutschen Ortskirche von 1946-2014
.Dieser Bericht kam vorzeitig (!) in die Presse. Er nennt 3677 sexuelle Missbrauchsfälle, die von 1670 Klerikern begangen wurden.
Das ist erschreckend und erfordert die volle Offenlegung, Verurteilung und – soweit noch möglich – Brestrafung. Diese Vorkommnisse sind Grund zur Scham für alle Katholiken.
Wir wenden uns aber dagegen, wenn diese Verbrechen dazu missbraucht werden, nicht nur die Schuldigen zu verurteilen, sondern damit die Kirche insgesamt zu treffen und die „mindestens 95 Prozent der Priester, die noch nie einen Missbrauchsdelikt begangen haben“ (kath.net 10. Sept. 2018) unter Generalverdacht zu stellen. Wir fragen, wann wird der sexuelle Missbrauch, der in Familien und Vereinen geschehen ist, mit gleicher Konsequenz angegangen?

Prof. Dr. Hubert Gindert, Vors. des Forums Deutscher Katholiken

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Frustration ist die große Versuchung

Das Geschehen in der Welt kann man besser verstehen, wenn man davon ausgeht, dass sich auf der Weltbühne Gott und der Widersacher gegenüberstehen. Gott, der aus Liebe die Freiheit des Menschen achtet und der Widersacher, der diese Freiheit für seine Zwecke missbraucht. Während Gott zur Umkehr ermutigt und dazu, den schmalen Weg zu gehen, entmutigt Satan die Menschen, damit sie kraftlos den breiten Weg nehmen, der ins Verderben führt.
Der Widersacher Gottes zeigt uns ein auswegloses Negativbild der Welt und der Menschen. Den Gottsuchern stellt er ihre Fehlerhaftigkeit und ihr Versagen vor Augen. So versucht er ihnen Lebensfreude und ihre Identität zu nehmen.
Ein Blick auf das Weltgeschehen erinnert uns an das, was die Evangelisten über die Endzeit berichten. Sie sprechen von „Kriegen und Kriegsgerüchten … von einem Volk, das sich gegen andere erhebt … von Seuchen und Hungersnöten … von vielen falschen Propheten, die die Menschen verführen … von der Verfolgung der Gläubigen und vom Massenabfall“ (Mt 24).
Papst Franziskus sprach in einer Rede an die Delegierten des Patriarchen von Konstantinopel am 28. Juni 2018: … „Von der Verdunkelung des Glaubens, der nicht mehr die persönlichen und öffentlichen Entscheidungen beeinflusst, von der Missachtung der menschlichen Würde der Person, der Vergötzung des Geldes, der Verherrlichung der Gewalt, der Absolutsetzung der Wissenschaft und der Technik, der Ausbeutung der Naturschätze“. „Wir sehen schwerwiegende Zeichen einer tragischen Wirklichkeit, vor der wir nicht resignieren dürfen. Weisen wir den zynischen Satz zurück: Es gibt keine Alternative.“ Weiterlesen

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Hat das Wort der Kirche noch Gewicht?

Wenn wir Zeitungen aufschlagen, den Fernseher öffnen, springen uns in den Schlagzeilen Misstrauen, Aggressionen, Unordnung bis zum Chaos entgegen. Der Eindruck ist: Die große und die kleine Welt geraten aus den Fugen: Erklärte Kriege, Stellvertreterkriege, Handelskriege füllen die Seiten. Und wir sollten nicht so tun, als hätten wir damit nichts zu tun. Deutschland gehört zu den größten Waffenexporteuren. Unser Hauptabnehmer Saudi Arabien führt Stellvertreterkriege, z.B. im Jemen und braucht auch keine Waffen, um sich zu verteidigen. Letzteres gilt auch für Ägypten und Algerien. Das sind zwei weitere Großeinkäufer von Waffen in Deutschland.
Nicht nur die USA verlangen Zölle auf Importe. Das fordern auch Deutschland und andere Länder der EU. Wir verlangen sie sogar gegenüber Entwicklungsländern und beschneiden ihre Möglichkeiten, wirtschaftlich Fuß zu fassen. Die Entwicklungshilfe wird im derzeitigen Haushalt um 500 Mio. gekürzt, obwohl wir behaupten, wir wollten Fluchtursachen durch Wirtschaftshilfe bekämpfen.
Die Medien prangern den Stil der politischen Auseinandersetzung an. Sie sollten sich fragen, was sie selber durch die Form der Berichterstattung dazu beitragen. Auch Medien pflegen Feindbilder. Wenn notwendige Kurswechsel herbeigeführt werden müssen, ist Auseinandersetzung vorprogrammiert. Oft ist der vielzitierte „Streit“, auch auf die fehlende Bereitschaft zur geistigen Auseinandersetzung zurückzuführen. Man kann ja fragen, wie Jesus, der Schriftgelehrte und Pharisäer als „übertünchte Gräber“ (Mt 23,2) bezeichnete, heute in den Medien apostrophiert würde, womöglich als Spalter, Demagoge, Populist. Weiterlesen

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Aufruf zum Marsch für das Leben am 22. September in Berlin

MARSCH FÜR DAS LEBEN 2018:
22. September ab 13 Uhr vor dem Reichstag in Berlin
Wir hören oft, dass die Abtreibung eine freie Wahl der Frau sein muss, und dass diejenigen, die sich gegen Abtreibungen wenden, die Freiheit der Frauen einschränken.
Aber um welche Wahl geht es eigentlich? Eine wirklich freie Wahl, das ist eine Wahl deren Konsequenzen man für den Rest seines Lebens überblickt. Eine falsche Berufswahl macht unglücklich – aber sie lässt sich ändern. Wahlfreiheit hat nur der, der lebt. Der Tod lässt einem keine Wahl mehr: er ist endgültig.
Eine Abtreibung ist eine endgültige Entscheidung. Oft sind sich Paare dieser Endgültigkeit gar nicht bewusst: sie treffen eine Entscheidung, die sie nie wieder zurücknehmen können. Viele Frauen (und Männer) leiden ihr Leben lang darunter. Wir wollen, dass Frauen umfassend informiert werden – über alle Konsequenzen von Abtreibungen. Wir wollen Hilfe für Frauen, denen das JA zum Kind schwerfällt. Wir wollen keine Werbung für eine Tat, die so viele Frauen bitter bereuen. Wir kämpfen für das Recht auf Leben – für alle Menschen! Sei dabei – komm mit nach Berlin!
Ablauf am Samstag, 22.09.2018
13:00 Uhr: Beginn mit Kundgebung vor dem Reichstag in Berlin (Platz der Republik, 10557 Berlin), anschließend Beginn des Marsches. Die Wegstrecke ist voraussichtlich rund 5 km lang und barrierefrei. Im Anschluss findet ein Ökumenischer Gottesdienst statt, Ende der Veranstaltung gegen 17:30 Uhr. Eine Anmeldung zum Marsch für das Leben ist nicht erforderlich. Bundesverband Lebensrecht e. V.
„Wenn man den Sinn für Gott verliert, verliert man bald auch den Sinn für den Menschen, für seine Würde und für sein Leben.“ Johannes Paul II.

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Predigt zum Kreuz Christi von Bischof Algermissen im Pontifikalamt zum Kongress „Freude am Glauben“ 2018

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Vor einiger Zeit schrieb eine anonyme Katholikin in einem wehleidigen Gastbeitrag einer großen deutschen Tageszeitung (FAZ), sie fühle sich im atheistischen Berlin diskriminiert. Und sie belegte das so: Ihr Sohn sei in der Schule gehänselt worden, weil er zugegeben habe, abends zu beten. Sie selbst sei von einer Bekannten ironisch gefragt worden, warum denn ein Kreuz in ihrer Wohnung hänge. „Ich fand das einfach nicht gut“, schrieb sie.
Wenn indes solche Vorkommnisse heute schon als Diskriminierung und schwere Prüfung durchgehen und das katholische Selbstbewusstsein verunsichern, ist es um die Belastbarkeit des christlichen Glaubens wirklich schlecht bestellt. Kein Wunder, dass eine Glaubensgemeinschaft, die viel Verunsicherung ausstrahlt sowie Ansprüche und Maßstäbe abgebaut hat, vor dem Zeitgeist in die Knie geht. Selbstmitleid und Indifferenz schaffen tatsächlich keinen missionarischen Impuls. Nur das selbstbewusste Bekennen und Leben des Glaubens an den und mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn.
Oder, wie es im 1. Petrusbrief (3, 15) heißt: „Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt …“
Nach Auskunft des 11. Kapitels der Apostelgeschichte (Vers 26) wurden die „Anhänger des neuen Weges“, wie die frühen Christen ursprünglich hießen, in Antiochia erstmals „Christen“ genannt. Der Begriff bezog sich auf den Erlöser und Heiland Jesus Christus als den Weg (vgl. Joh 14, 6) der Nachfolge derer, die zu ihm gehörten und durch ihn verwandelt wurden. Und „nur von Verwandelten können Verwandlungen ausgehen“, wie der Philosoph Sören Kierkegaard zu Recht feststellt.
Angesichts all dessen hat der heute beginnende 18. Kongress „Freude am Glauben“ das richtige und notwendige Motto gefunden: „Selbstbewusst mit Christus“. Weiterlesen

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Erklärung des Forums Deutscher Katholiken zur Unterschriftensammung für die Interkommunion durch Publik-Forum

Publik-Forum ruft zur Unterschriftensammlung für eine Petition an Papst Franziskus auf. Darin wird der Hl. Vater aufgefordert: „Lassen Sie nicht zu, dass in einer wichtigen ökumenischen Frage ein elitärer Geist das Miteinander der Christinnen und Christen verhindert.“
Kurz vor der Herbstversammlung der deutschen Bischöfe soll Papst Franziskus offensichtlich den „Mehrheitsbeschluss der deutschen Bischöfe zur Öffnung der Eucharistie für evangelische Christen vom Februar 2018 bestätigen“.
Nach dem Glauben der katholischen Kirche ist die Eucharistie „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (LG 11).
„Mit der Eucharistie stehen die übrigen Sakramente in Zusammenhang; auf die Eucharistie sind sie hingeordnet“(KKK 1324).
Der Empfang der Kommunion bezeugt also das vollständige Bekenntnis zum Glauben der katholischen Kirche und zur Einheit mit der katholischen Kirche.
Bei der Frage nach der gemeinsamen Kommunion, auch für konfessionsverschiedene Ehepaare, geht es also nicht um „Ausgrenzung vom Tisch des Herrn“, „Zank ums Abendmahl“ oder um einen „elitären Geist“, der das Miteinander von Christen verhindert, sondern um das Herzstück des katholischen Glaubens und der Kirche.
Interkommunion hat ein gemeinsames Eucharistieverständnis und die Kirchengemeinschaft zur Voraussetzung!
„Die aus der Reformation hervorgegangenen, von der katholischen Kirche getrennten kirchlichen Gemeinschaften haben vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt.
Aus diesem Grund ist für die katholische Kirche die eucharistische Interkommunion mit diesen Gemeinschaften nicht möglich“ (KKK 1400).
Das „Forum Deutscher Katholiken“ sieht in der Unterschriftensammlung von Publik-Forum den Versuch, evangelische Christen gegen ihren Glauben zu vereinnahmen und katholischen Christen eine häretische Auffassung von der Kommunion zu vermitteln.

Prof. Dr. Hubert Gindert, Sprecher des „Forums Deutscher Katholiken“

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche

Der heilige Vinzenz Maria Strambi erblickte zur großen Freude seiner gut situierten Eltern am 1. Januar 1745 in Civitavecchia, einer Stadt vor den Toren Roms, das Licht der Welt. Er blieb das einzige Kind, auf das der Vater seine Hoffnung setzte, er könne einmal sein Erbe antreten, und die Mutter, er könne als Katholik mit einer guten Bildung sein Leben meistern.
Mit Beginn des Schulalters gaben die Eltern den Jungen in die Erziehung der Franziskaner. Der junge Vinzenz Maria bekam im Zusammenwirken des Elternhauses mit der franziskanischen Spiritualität sein Temperament in den Griff und zog sich, wie seine Mutter feststellte, immer wieder in sein Zimmer zurück, um im Gebet die Nähe Gottes zu suchen.
Im Alter von 15 Jahren bat Vinzenz Maria seine Eltern, ihn in den Klerikerstand eintreten zu lassen. Als Jugendlicher vertiefte Vinzenz sein Glaubenswissen und teilte es mit seinen Freunden. Der Heimatpfarrer übertrug ihm katechetische Aufgaben. Den engeren Weg zum Priestertum schlug Vinzenz mit der „Tonsur“ und dem Eintritt ins Seminar 1762 ein. Als der Vater ihn für eine lukrative Heirat zu überzeugen suchte, schickte Vinzenz ihm ein Bild der Muttergottes und schrieb dazu: „Dies ist meine Braut.“ Weiterlesen

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Kardinal Höffner und seine Judenhelfer: Risiko mit glücklichem Ausgang.

Kardinal Joseph Höffner hat mit seinen über 4000 Veröffentlichungen schon als Sozialwissenschaftler eine überragende Bedeutung. Seine Wirksamkeit als Bischof und Kardinal ist jedoch nicht geringer einzuschätzen. Seine menschliche Größe als Judenretter verlangt aber noch größere Hochachtung.
Wer einmal in einer Diktatur gelebt hat, weiß wie gefährlich eine humanitäre Hilfe für einen Verfolgten sein kann. Joseph Höffner ist 1904 auf einem Bauernhof im Westerwald geboren. Dass einem Menschen das Leben viel abverlangt, musste er schon mit vier Jahren erfahren, als er das Sterben seiner Mutter miterlebte. Der begabte Junge kam auf das Gymnasium und später zum Studium nach Rom. Als er 1934 als Priester nach Deutschland zurückkam, herrschte hier die Hitler-Diktatur. Dass der Nationalsozialismus mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar ist, hatte er schon durch bischöfliche Rundschreiben und durch das Studium der nationalsozialistischen Literatur erfahren. Willi Graf, der später als Mitglied der „Weißen Rose“ hingerichtet wurde, zählte in Saarbrücken zu seinen Ministranten. In Berlin hatte Höffner öfter zu tun, einmal weil dort seine Schwester Elisabeth Seelsorgehelferin war und dann auch, weil er zur Fertigstellung seiner Habilitationsschrift in Berlin Professoren und Archive aufsuchen musste. Bei einem dieser Berlin-Besuche lernte er die jüdische Familie Meyerowitz mit dem siebenjährigen Kind Alice Esther kennen. Schnell entschlossen organisierte Höffner eine „Kinderlandverschickung“ und ließ die kleine Alice Esther in seinen Seelsorgebezirk Kail an der Mosel bringen. Unter strengster Geheimhaltung vertraute er das Kind der Bauernfamilie Wilhelm Heucher an. Dort bekam das Kind den Namen Christa Koch und konnte mit den anderen Kindern des Dorfes die Schule besuchen. Die Rolle eines katholischen Kindes spielte Christa Koch nun so überzeugend, dass keine Zweifel über ihre Herkunft aufkamen. Als Pfarrer Höffner bald darauf nach Trier versetzt wurde, musste er seinen Vorgesetzten Generalvikar Meurers in die Geheimaktion einweihen. Er unterstützte das Kind durch häufige Besuche und vor allem durch heimliche Geld- und Sachspenden. Das Kind überlebte den Krieg und Pfarrer Höffner konnte es Ende 1945 den glücklichen Eltern in Berlin zurückgeben. Sie selbst hatten den Krieg in Berlin in einem leeren Eisenbahnwagen überlebt. Alice alias Christa wanderte später nach Amerika aus und kam 2007 als verheiratete Lisa Lehner nach Deutschland zurück, um sich für die Rettung zu bedanken.
Im Sommer 1943 vermittelte Höffners Schwester Elisabeth ihrem geistlichen Bruder auch das jüdische Arzt-Ehepaar Dr. Edith Nowak zum Verstecken. Dieses Ehepaar brachte Pfarrer Höffner zu seiner Schwester Helene Hesseler auf den elterlichen Bauernhof in Hornhausen im Westerwald. 1946 schrieb Frau Dr. Nowak an Pfarrer Höffner „mit Freuden, um Ihnen endlich einmal zu danken. Damals, als wir nicht wussten wohin, haben Sie uns bei Ihrer Familie im Westerwald untergebracht. Es wäre nicht ohne böse Folgen für Sie und die Ihren geblieben, wenn man erfahren hätte, dass Sie eine Jüdin im Hause verbargen. Glauben Sie mir, dass ich dieses mutige und menschliche Verhalten niemals vergessen werde.“

Eduard Werner

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