Brief an Johnnes Hartl über unser Zeugnis als Christen.

Dr. Johannes Hartl, der Leiter des Gebetshauses in Augsburg und vielen Christen und Nichtchristen bekannt durch seine segensreiche Evangelisationsarbeit auf den katholischen Fernsehsendern, Internet, DVD’s und anderen Medien, hat jüngst sich mit den an Schärfe zunehmenden ideologischen Grabenkämpfen auseinandergesetzt und sich in überzeugender Weise über die Haltung von Christen in diesen Grabenkämpfen geäußert. Siehe hierzu:
http://www.kath.net/news/49582
Er hat in berührender Weise das Dilemma eines gläubigen Christen in diesen Diskussionen aufgezeigt: auf der einen Seite die Probleme offen anzusprechen und andereseits durch Wut und des daraus resultierenden Rachegelüstes den Weg Christi und Seine große Liebe zu den Menschen zu verdunkeln, indem man sich durch Wut zu Härte und Lieblosigkeit hinreißen lässt. Ganz offen gibt er zu, dass auch ihm diese menschlichen Gelüste nicht fremd sind und reflektiert in beeindruckender Weise über den Umgang des Christen mit Gegnern und Feinden.
Ich habe zwei Tage über seine Darlegungen nachgedacht und möchte ihm hier in einem offenen Brief antworten. Weiterlesen

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Tausende von Kirchenschändungen. Wo bleibt die Antwort der DBK?

Alleine in Nordrhein-Westfalen gab es seit Januar 2010 3.504 Einbrüche in Kirchen. Das teilte NRW-Innenminister Jäger (SPD) auf die Anfrage der CDU-Landtagsfraktion mit. Siehe:   http://www.kath.net/news/49462 

Es wird nicht nur gestohlen in Kirchen sondern es werden auch die Kirchen als Toiletten benutzt, die Beichtstühle und die Orgelemporen als Lodderbett missbraucht, der Altarraum als Kulisse für Pornodreh provokativ geschändet, die Tabernakel aufgebrochen und Hostien für satanische Riten entwendet sowie allerlei Verwüstungen angerichtet wie z.B. die Zerstörung von wertvollen alten Kirchenfenstern etc. und das nicht  nur in Deutschland, sondern auch in ganz Europa besonders in Frankreich.
Woher kommt dieser Hass auf das Christentum und dieser Zerstörungswille? Bevor wir dieser Frage nachgehen, müssen wir noch betonen, dass in ganz Europa Christen ihres öffentlichen Bekenntnisses wegen berufliche Nachteile hinnehmen müssen und sogar wie in Großbritannien verhaftet und vor den Kadi gezerrt werden.
Man kann es einfach nicht mehr übersehen, dass in Europa das Christentum nicht nur verdunstet, sondern die Frage sei gestellt, ob das Christentum bei uns noch Wurzeln hat. Mattias Matussek hat das jüngst bestritten. (Siehe kath.net-Bericht)
Was also ist der Grund für diese immer aggressiver werdende Haltung gegenüber dem Christentum? Es ist nicht ein Grund sondern es sind viele. Zunächst ist da die Verdunstung des Glaubenswissens unter denen, die sich noch offiziell als Christen bezeichnen und von denen ein immer kleiner werdender Teil seinen Glauben praktiziert.
Daran ist die Kirche besonders bei uns nicht unschuldig. Katechese und Religionsunterricht, der den Namen christlich oder gar katholisch verdient, findet seit Jahrzehnten selten statt und wenn, dann nur in Nischen. An den theologischen Fakultäten glauben nur noch zwei von hundert Lehrenden nach der Aussage des bedeutenden Exegeten und Bibelforschers Klaus Berger  an die Auferstehung Christi. Dieses fasste ein katholischer Priester in Baden in einer Predigt so zusammen: „Die Krippe in Bethlehem war leer und das Grab in Jerusalem war voll.“ Weiterlesen

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Neue Töne des Osservatore Romano

Bislang waren wir von der Zeitung des Vatikans eine vornehm-zurückhaltende, wenn auch manchmal durchaus deutliche Sprache gewöhnt. Aber bei dem folgenden Ereignis legte der Osservatore Romano jede vornehme Zurückhaltung ab und drückte sich so drastisch aus, wie es noch nie zu vernehmen war.
Was war geschehen?
Zum Europa-League-Spiel von Feyenoord in den Niederlanden gegen AS Rom waren aus den Niederlanden 6500 Fans angereist, unter ihnen eine große Masse von Hooligans, die die römische Innenstadt verwüsteten unter anderem den berühmten frisch restaurierten Brunnen am Fuß der Spanischen Treppe, die Navicella, eines der schönsten Kunstwerke Berninis in der Ewigen Stadt. Die römische Polizei nahm zwei Dutzend der wüsten Randalierer fest, wobei 13 Polizisten verletzt wurden.
Die Vatikanzeitung sprach von “Gangstern” und “einer vom Bier benebelten Horde” und warf den Behörden vor, dass niemand rechtzeitg eingeschritten sei, obwohl die Krawalle vorhersehbar gewesen seien.
http://www.kath.net/news/49541
Die Bereitschaft der Hooligans zur Gewalt sei leicht an den “irrsinnigen Symbolen” ihrer Hooligan-Organisationen zur erkennen gewesen, hielt der Osservatore den römischen Behörden vor.
Eine Sprache die, wie wir meinen, durchaus angemessen ist, angesichts eines solchen Ereignisses, bei der die Behörden Roms offensichtlich geschlafen haben.
Trotzdem verwundert sie, weil so ungewohnt. Aber mit Papst Franziskus haben wir einen Pontifex, der eine überdeutliche Sprache führt und kein Blatt vor den Mund nimmt, wie aus seinen täglichen Ansprachen in der Kapelle des Gästehauses Santa Marta hervorgeht. Sie sind jeden Tag als “Franziskusperlen” auf der größten deutschsprachigen Webseite kath.net nachzulesen. Verwundert über diese drastische Sprache der Vatikanzeitung können nur die sein, die gerade bei uns in Deutschland päpstliche Ansprachen gerne ignorieren. Und das ist ein Großteil der Amtskirche, von der wir uns öfter eine ähnlich klare und deutliche Sprache wünschen, wie sie jetzt aus Rom kommt statt der angepassten Zeitgeistsprache und ihrer langweiligen Inhalte der offiziellen deutschen katholischen Internetseite.

Michael Schneider-Flagmeyer

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“Und Stephanus sank in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an”

Am 15. Februar ging ein Schreckensvideo um die Welt. Die Schlächter des Islamischen Staates IS hatten in Lybien 21 koptische Gastarbeiter, die auf dem Rückweg nach Ägypten waren, in ihre Gewalt gebracht und sie “hingerichtet”. Das Wort “hinrichten” erscheint uns unangemessen und einmal mehr ein Zeichen dafür, wie wir auf unsere Sprache achten müssen, denn in dem wort “hinrichten” steckt ja auch das Wort “Gericht”. Die 21 koptischen jungen Christen wurden aber nicht gerichtet sondern abgeschlachtet gemäss der Sure 47, Vers 4 des Korans:
“Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt. Die übrigen legt in Ketten.” Hier spricht der Koran selbst von Gemetzel und nicht vom Gericht. Unseren 21 koptischen Brüdern wurden mit Messern bei lebendigem Leib die Köpfe abgeschnitten.
Hier zeigt sich die ganze Bosheit, die im Menschen steckt und zum Ausdruck kommt, wenn er/ sie die Hand Gottes loslässt. Und wieder wird uns die Forderung Papst Benedikts bewusst, dass der Islam sein Verhältnis zur Gewalt klären muss. Denn die große Mehrheit der bei uns lebenden Muslime wird den gleichen Abscheu vor solcher Handhabung des Korans empfinden wie wir.
Ich möchte aber hier eines der schrecklichen Bilder herausgreifen und dem Leser freistellen, durch Klicken auf den Link am Ende dieser Betrachtung es anzuschauen.
Die abgeschnittenen Häupter wurden den Leichen der Jungen Männer auf den Rücken gelegt und dann fotografiert. Gleichzeitig stießen die IS-Schlächter wüste Drohungen gegen alle Christen der Welt aus und besonders gegen Rom, das sie erobern wollen. Das ihr Handeln satanischen Einflusses entspringt, begreifen sie nicht. Und sie begreifen nicht, was die von Gott durch Jesus Christus gewirkte Stärke des Christentums ist, die von Unwissenden als Schwäche ausgelegt wird.
Unsere 21 sterbenden koptischen Brüder schrien: “O Gott, Jesus Christus, mein Herr!” Weiterlesen

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Die im Schatten stehen: Geschiedene nicht wieder Verheiratete

In der aufgeregten Diskussion über den Kommunionempfang geschiedener Wiederverheirateter kommen die Geschiedenen, die nicht wieder geheiratet haben, kaum vor. Ihre Treue vor dem Altar zum gegebenen Ja-Wort, das sie leben, bleibt weitgehend unerwähnt. Und wenn sie keinen Antrag auf Annullierung ihrer Ehe stellen, dann deswegen, weil sie zu dieser Ehe freiwillig und überlegt Ja gesagt haben. Getrennt lebende oder nicht wiederverheiratete Geschiedene „sind eher still, stellen keine lautstarken Forderungen, haben aber ebenso das Recht auf eine besonders barmherzige Seelsorge“ (Tagespost 11.12 14).
Warum wird die beispielhafte Haltung, die Geschiedene nicht wieder Verheiratete in oft schwieriger Situation durchstehen, so wenig beachtet?
Stören sie bei der vehement, mit dem Argument der Barmherzigkeit, vorgetragenen Forderung nach Zulassung zur Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete?
Wird das Ja-Wort zu lebenslanger Treue als überholt, vielleicht heroisch, aber kaum lebbar angesehen?
Wer in dieser übersexualisierten Gesellschaft Enthaltsamkeit als nicht mehr lebbar betrachtet, der wird auch eine „Josefs-Ehe“ für unmöglich halten. Er wird aber dann auch den priesterlichen Zölibat für unehrlich, weil nicht haltbar, ansehen.
Auch Geschiedene, die sich nicht wieder verheiratet haben, verfolgen die aktuelle Diskussion zur Frage der Zulassung zur Kommunion von geschiedenen Wiederverheirateten. Ein Betroffener hält es für „den größten Fehler“, dass die Frage des Sakramenten-Empfangs so im Mittelpunkt steht. „Die Debatte trage dazu bei, dass Ehebruch nicht mehr als Sünde empfunden werde“ (Die Tagespost 11.12.14). Weiterlesen

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Ein Skandal und ein großes Ärgernis in der Pastoral der deutschen Teilkirche.

Immer häufiger erhalten wir Klagen und Berichte darüber, wie in Gemeinden die Menschen um die heilige Messe gebracht werden. Viele Priester wollen nicht mehr täglich zelebrieren und erklären das mit Arbeitsüberlastung. Ein junger Pfarrer erzählte mir vor zwei Jahren, dass er bürokratische Dinge in seiner Pfarrei einfach liegen lasse und nicht bearbeitete. Auf mahnende Nachfragen des Ordinariats antwortet er, dass er in erster Linie für die Sakramentenspendung und für die Seelsorge da sei und nicht für Statistiken und bürokratische Erhebungen.
Ich habe ihn in seiner Meinung und in seinem Handeln sehr bestärkt; denn bei fünf Pfarreien erfordert die Pastoral seine ganze Kraft. Auch habe ich ihm meinen Dank dafür ausgedrückt, dass er das tägliche Messopfer für sich und die Gemeinde in der unmittelbaren Begegnung mit Christus für den Lebensmittelpunkt hält.
Man könnte vielleicht noch ein gewisses Verständis dafür aufbringen, wenn ein Pfarrer sich für absolut überfordert hält und am Rande seiner Kräfte ist und keine Hilfe in der Nähe.
Aber ein ungeheurer Skandal ist es, wenn er rüstige Pensionäre oder Ordenspriester daran hindert, in seinem Sprengel Messen zu halten. Es gibt nur einen Grund, ein solches Hilfsangebot eines Mitbruders abzulehnen und der besteht darin, dass der sich zur Hilfe anbietende Priester gegen den Glauben der Kirche anpredigt oder die Gemeinde gegen die Kirche aufhetzt. Auch das gibt es genauso wie die bedauerliche Tatsache, dass viele Pfarrer – Gott sei Dank nicht die Mehrheit – selber den Bezug zum Glauben und zur Kirche verloren haben.
Vor ein paar Jahren erzählt mir ein Gemeindepfarrer, dass der Kardiologe ihm während eines Klinikaufenthaltes dringend geraten hatte, unverzüglich in Pension zu gehen, weil sein Herz nur noch 30 % Leistung aufweise. Er sagte mir, er könne und wolle dem nicht nachkommen; “denn wenn ich in Pension gehe, habe ich keinen Altar mehr, an dem ich zelebrieren kann.” Weiterlesen

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Nicht Feinde, sondern Brüder!

Aus dem 1. Weltkrieg wird berichtet, dass an Weihnachten 1914 deutsche und britische Soldaten aus ihren Schützengräben stiegen, aufeinander zugingen, Zigaretten austauschten, miteinander sprachen und erklärten, dass sie persönlich nichts gegeneinander hätten. Sie sangen sogar gemeinsam „Stille Nacht, heilige Nacht“. Als die Weihnachtsfeiertage vorbei waren, gingen sie wieder zurück in ihre Schützengräben.
Die Offiziere sahen diese Fraternisierung (Verbrüderung) nur ungern, konnten sie aber nicht verhindern. Es war keine Meuterei sondern das spontane Handeln einfacher Soldaten, das dem Gefühl der Mitmenschlichkeit entsprang. Trotzdem schien diese Szene, die sich an der Front abspielte, irgendwie absurd.
Monate zuvor waren die Soldaten begeistert in den Krieg gezogen. Auf den Zügen, die sie an die Front brachten, standen martialische, großspurige Parolen und Sätze wie „Weihnachten in Paris oder in Berlin“. Nun waren sie nicht in Paris oder Berlin, sondern in Schützengräben irgendwo in Nordfrankreich, in einem Stellungskrieg, der, mit geringen Veränderungen der Frontlinie, vier Jahre dauerte, Millionen Tote forderte, auch, wenn die Soldaten persönlich nichts gegeneinander hatten.
Gewiss gab es einen Anlass zur Auseinandersetzung. Serbische Nat¬io¬-nalisten hatten den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie in Sarajewo ermordet. Das war ein Verbrechen, und ein Grund, Genugtuung dafür zu fordern. Keiner kann Tote wieder lebendig machen. Es kann auch keine Genugtuung sein, wenn weitere abertausende Unschuldige für das erste Opfer sterben. Das ist das absurde Gesicht eines Krieges, der keine Probleme löst sondern nur neue schafft. Dieser Weltkrieg hatte nur Verlierer. Und, wer sich als Sieger fühlte, musste 20 Jahre später im 2. Weltkrieg teuer dafür bezahlen.
Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen. Am Mitmenschen lernt er, sich zu entwickeln, Mensch zu werden. Seit der Ursünde neigt er auch zum Bösen gegenüber seinem Bruder. Dagegen darf er sich schützen. Wer Verantwortung für andere hat, für Frauen, Kinder, Alte, insgesamt für Wehrlose, muss sogar einen ungerechten Angriff abwehren. Das gilt auch heute z.B. in Syrien, Pakistan, Nigeria und anderswo. Die Kirche anerkennt die Abwehr gegen einen ungerechtfertigten Angriff. Zuschauen, wenn sich Mörder, Vergewaltiger wie Bestien gegenüber Menschen aufführen, ist kein Zeichen von Friedfertigkeit. Papst Franziskus hat darauf hingewiesen. Er hat aber auch verfeindeten Parteien zugerufen: „Ihr seid Brüder nicht Feinde“! Denn alle haben den gleichen Gott zu ihrem Vater.

Hubert Gindert

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Vom Scheitern und dessen Folgen. Daniel Deckers und die Frankfurter Allgemeine Zeitung

Eigentlich müsste Dr. Daniel Deckers ein glücklicher Mensch sein. Er ist verheiratet und hat sechs Kinder und hat bei dem ehemals seriösen Flaggschiff des deutschen Journalismus, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung , einen leitenden Posten als Redakteur inne.
Aber Daniel Deckers ist nicht glücklich! Woher wir das wissen? Aus seiner Biographie und seiner Haltung zur katholischen Kirche und deren Lehramt.
1960 geboren trat er nach dem Abitur in den Dominikanerorden ein, verbrachte sein Noviziat im Kloster Warburg, studierte an der “Dominikaner-Universität” in Freiburg (Schweiz), in Bonn, in Bogota, wo er vermutlich in engerem Kontakt mit der Theologie der Befreiung kam, und in Köln. Er promovierte an der Jesuiten-Hochschule St. Gorgen in Frankfurt mit einer bemerkenswerten Arbeit über den Dominikanertheologen des 16. Jahrhunderts Francisco de Vitoria. Er verließ den Orden, heiratete und trat in die Redaktion der FAZ ein. Dort ist er nun seit vielen Jahren für die katholische Kirche in Deutschland aber darüber hinaus in der ganzen Welt zuständig und hat sich zu einem Mann entwickelt, der in nahezu blinder Wut über die Kirche und ihr Lehramt insbesondere über die Päpste herfällt. Dabei offenbart er immer wieder, wie wenig er über die Kirche weiss. Seine Spekulationen gehen gewöhnlich ins Leere wie z.B über die Nachfolge von Kardinal Meisner. Die Texte der Päpste liest er nicht, das geht aus seinen Artikeln eindeutig hervor. Mit Hass und Häme übergießt er die Kirche und die Päpste und hat sich nun auf Papst Franziskus eingeschossen, dessen Predigten und Texte er auch nicht liest, wie seine Artikel beweisen. Weiterlesen

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Eine Resolution des Familienbundes zur Ehe und Familie im Trend des Zeitgeistes

In der Stimme der Familie Heft 5/2014 des Familienbundes der Katholiken stellt Dr. Heiner Koch, Bischof von Dresden-Meißen, Vorsitzender der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz und geistlicher Begleiter des Familienbundes der Katholiken, den von der Bischofskonferenz herausgegebenen Flyer „Trauen Sie sich! – Zehn gute Gründe für die Ehe – Ein Denkanstoß der katholischen Kirche“ vor und entfaltet gedanklich die dort angeführten Punkte. In der Diskussion über die Ehe stellt er in Antithesen zusammen, worüber  hauptsächlich geredet wird und was vordringlich bedacht werden muss. Seltsam und paradox erscheint ihm die gegenwärtige Fokussierung auf die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Er schreibt (S. 3):
„Über die Scheidung und Wiederverheiratung soll geredet werden, aber keiner fordert Aussagen über die Bewahrung der Ehe. Der Kommunionempfang wird gefordert, aber immer weniger gehen zur Eucharistie. Die sakramentale Anbetung spielt eine immer geringere Rolle. Wiederverheiratung soll ermöglicht werden, aber die Zahl der Paare, die nach der Scheidung nicht wiederverheiratet zusammenleben, wächst ständig. Wir streiten um ein innerkirchlich zweifelsohne bedeutsames Thema, aber gesellschaftlich relevant sind andere Themen. Die Ausgrenzung kinderreicher Familien, die Sorge um Migrantenfamilien, die demographische Entwicklung, Familienarmut, Sterben und Sterbehilfe in der Familie, Leihmutterschaft … Eine Entscheidung durch die Autorität der Kirche wird verlangt, aber angeblich hört sie keiner mehr. Jeder kennt Franziskus, aber keiner bringt seine differenzierten Aussagen zusammen.“
Das Thema der Synode in Rom, so der Bischof, seien die „pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung“: „Wie sollen Kinder in unseren Familien in den Glauben eingeführt werden, wenn die Schweigespirale des Glaubens in unseren Familien so hoch ist und die meisten Familien nur punktuelle Kontakte zur Kirche halten? Oder wie soll dies geschehen, wenn ein Elternteil gläubig ist und der andere ungläubig und folglich um des Friedens in der Ehe willen die Weitergabe des Glaubens ausgeklammert wird.“
In derselben Nummer S. 17 ist eine Resolution der Delegierten des Familienbundes der Katholiken abgedruckt. Schon zu Beginn des Textes reduzieren die Delegierten das Thema der Bischofssynode „ Pastorale Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“. Sie streichen die Evangelisierung und aus dem Bestreben, die Familien im Glauben zu aktivieren, wird der Versuch, die Familien zu betreuen und ihnen eine neues Familienbild überzustülpen. Dabei wird der sog. gesellschaftlichen Entwicklung, die im eigentlichen Sinne eher eine Verkümmerung ist, der Vorrang vor dem Glauben der Kirche eingeräumt. Weiterlesen

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“Europa ist müde geworden”, sagt Papst Franziskus. Und die Kirche?

Der Blick der Christen richtet sich in die Zukunft. Er reicht bis ins Jenseits. „Vertröstung“ wurde ihnen deswegen vorgehalten. Katholiken haben aber auch keine Angst zurückzuschauen. Der Kirchenhistoriker Walter Brandmüller spricht dabei von „Licht und Schatten“. Die Kirche kennt keinen Robespierre, Hitler, Stalin oder Pol Pot, dagegen eine Schar von Heiligen, die „niemand zählen kann“. Unter der Eisdecke von Gleichgültigkeit und Ablehnung Gottes reift in der größten Christenverfolgung seit Kaiser Diocletian die Saat für einen neuen Frühling der Kirche heran.
Die Kirche hat immer wieder zu Umkehr und Neuanfang aufgerufen, jetzt die Ordensgemeinschaften. Diese waren im Verlauf der Geschichte Träger der kirchlichen Erneuerung. Wenn ihre Vitalität nachgelassen hat, mussten sie zu ihrem Gründungsideal zurückkehren oder sie wurden bedeutungslos. Kosmetische Än¬derungen, Erleichterung des Klosterlebens sind kein Ersatz für fehlenden Geist. Gefragt sind Reformen a la Teresa von Avila!
In der Fastenzeit richten wir unseren Blick auf Ostern. In der Auferstehung Christi ist unsere Hoffnung verankert. Es ist zweifellos großartig, wenn Menschen zum Mond oder Mars fliegen können. Aber was nützt es ihnen, wenn sie am Lebensende den Himmel nicht erreichen?
Vor Ostern und Himmelfahrt ging für Christus der Weg nach Golgotha. Steinige Wege bleiben denen nicht erspart, die Christus nachfolgen wollen. Dieser Pfad verläuft neben der breiten Straße des Mainstreams. Die Versuchung ist groß, hinüberzuwechseln zum breiten Weg der Mehrheit und der Anpassung an den Zeitgeist, wo es doch darum ginge, Menschen auf den schmalen Pfad herüberzuholen, der wahres Glück und Erfüllung bringt.

Die Ortskirche steht immer neu vor der Herausforderung, die seit der Rede von Papst Benedikt als „Entweltlichung“ diskutiert wird, aber als Anstoß zur inneren Reform der Kirche gedacht war. Die von den Bischöfen geplante Neuregelung und „Nachjustierung“ der Anforderungen an Mitarbeiter im kirchlichen Dienst, obwohl die bisherige Regelung vom BVG-Urteil bestätigt wurde, wird Aufschluss geben, was sie unter Reform verstehen.
„Europa ist müde geworden, wir müssen ihm helfen wieder jung zu werden“ sagte Papst Franziskus. „Europa, wo ist deine Kraft und dein Durst nach Wahrheit“ hat der Papst vor dem Europaparlament gefragt. Und er erinnerte, was von Europa seinen Ausgang genommen hat: Die Würde der menschlichen Person, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Achtung der Menschenrechte. Das sind Errungenschaften, keine Besitzstände, auf denen man sich ausruhen kann.
Papst Franziskus hat in einer Meditation in St. Martha gefragt: „Warum hat Jerusalem den Herrn nicht aufgenommen?“ Er antwortete: „Weil es zufrieden war mit dem, was es hatte. Es wollte keine Probleme. Es fühlte sich sicher mit dem, was es im Griff hatte … Wir haben alles gerichtet und brauchen keinen Besuch des Herrn.“ Jerusalem ist überall, auch bei uns in Europa. Wir haben alles organisiert und geordnet. Wir haben Apparate und Organisationen. Wir brauchen keine Konkurrenz, die wir nicht im Griff haben und die unsere Ruhe stören könnte. Was wir tatsächlich brauchen, ist ein neuer Geist, die Überraschung durch Gott, der diese Haltung aufbricht und uns hilft, wieder jung zu werden.

Hubert Gindert

Dieser Beitrag erscheint auch in der katholischen Monatszeitschrift “Der Fels”. Probehefte dieser Zeitschrift können angefordert werden unter der Telefonnummer 08191-966744 oder per E-mail: Hubert.Gindert@der-fels.de

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