Gottes Vorsehungen

Die Hl. Schrift ist angereichert mit Berichten über die Fügungen Gottes: Er rettet Noah aus der Sintflut und schenkt Abraham im hohen Alter Isaak. Abraham wird für uns alle zum Vater im Glauben – ihm wird der Erlöser – der Messias prophezeit. Gott rettet das auserwählte Volk aus Ägypten und macht den Schafhirten David zum König über Israel, dem Er die Sünden des Ehebruches und des Mordes nach dessen Reue verzeiht. Jesus, der einzige Sohn des ewigen Vaters, tritt an die Stelle Isaaks und an unsere Stelle und gibt sich dem Vater aus Liebe am Kreuz für uns dahin, um uns zu erlösen, die Gerechtigkeit Gottes für uns zu erfüllen sowie die Liebe und Barmherzigkeit des Vaters zu offenbaren.
Das Leben eines jeden einzelnen Menschen wird durch die liebende Vorsehung Gottes gelenkt und begleitet. Der Herr berücksichtigt dabei unsere Freiheit und in Seiner Allwissenheit und Allmacht jede nur denkbare Situation. Eine Legende aus Slowenien berichtet uns, wie Jesus zusammen mit Petrus durch das Land wandert und eine gottesfürchtige Bauernfamilie trifft, die sich über die zu erwartende reiche Ernte dankbar freut. Sie will den Sohn in die Stadt zum Studium schicken. Jesus und Petrus werden freundlich bewirtet und verabschiedet. Bei deren weiteren Wanderung zieht ein fürchterliches Gewitter auf und vernichtet zum großen Teil die Ernte der Bauern. Petrus macht Jesus Vorwürfe. Dieser entgegnet ihm, dass Sein himmlischer Vater sehr wohl weiß, was Er tut. Der gottesfürchtige Sohn wäre in der Stadt vom rechten Weg abgekommen – wogegen er hier als Bauer dem Herrn treu bleiben wird. Diese Legende lässt sich leicht auf unser eigenes Leben übertragen. Selbstverständlich dürfen wir nicht die uns widerfahrenden Unglücke Gott direkt zurechnen, als ob Er uns quälen wollte. Gott respektiert die menschliche Freiheit und so sind die meisten schlechten Dinge von den Menschen hausgemacht – manchmal mit böser und sündhafter Absicht, oft aber auch als gedankenlose Handlungen. Weiterlesen

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Tapferkeit, Selbstachtung und eine gute Gemeinschaft 18. Kongress „Freude am Glauben“ zum Thema: Selbstbewusst mit Christus

„Wo aber bekreuzigen sich in unserem Umfeld noch katholische Christinnen und Christen außerhalb des ‚geschützten‘ Kirchenraums in der Öffentlichkeit, mitten im Leben? Faktisch überwältigt sie fast überall die Scham, sich zum eigenen Glauben und Hoffen zu bekennen, unbewusst verbunden mit der elenden Furcht, gegenüber Nichtglaubenden aufdringlich zu wirken.“ Er hat schon die Hand in eine tiefe Wunde gelegt – Bischof Heinz-Josef Algermissen beim Eröffnungsgottesdienst zum 18. Kongress „Freude am Glauben“, und er hat nicht Unrecht. Kaum noch sieht man Christen im Gasthaus oder Restaurant, die vor dem Essen ein Gebet sprechen, und noch seltener, die mit dem Kreuzzeichen beginnen. Andererseits scheint es, es brauche heute wieder mehr denn je den „miles Christi“, den tapferen Soldaten für den Herrn, der für diesen Herrn einsteht und ihn bezeugt. An ihn erinnerte Weihbischof Athanasius Schneider aus Kasachstan beim Abschlussgottesdienst des Kongresses. Und zwischen diesen beiden Pontifikalgottesdiensten gab es viel Gelegenheit, sich mit einem christlichen Selbstbewusstsein auseinanderzusetzen – und es auch zu lernen.
Kompromisse beschleunigen den Untergang
„Selbstbewusst mit Christus“ war denn auch das Thema des Kongresses, der in Fulda vom 20. bis zum 22. Juli stattfand und vom „Forum Deutscher Katholiken“ organisiert wurde.
Eröffnet wurde er vom Vorsitzenden des Forums Prof. Dr. Hubert Gindert, der in seiner Begrüßung den heiligen Petrus Canisius zitierte, der im Zeitalter der Reformation und katholischen Reform deutlich machte: „Kompromisse beschleunigen den Untergang.“
Und ganz in diesem Sinn sprach auch Bischof Algermissen in einem Grußwort über die zur Zeit intensiv diskutierte Erlaubnis für nichtkatholische Ehepartner, die Kommunion im Rahmen der Eucharistiefeier zu empfangen. Der emeritierte Fuldaer Bischof positionierte sich dazu eindeutig im Sinn der kirchlichen Tradition und machte deutlich, dass die Eucharistie Kirche bildend ist – Kirche und Eucharistie also untrennbar zusammenhängen. Darum muss kirchliche Einheit Voraussetzung für den Empfang der heiligen Kommunion sein. Weiterlesen

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Klare Unterscheidung gegen die diabolische Rhetorik der Verharmlosung

Liebe Brüder und Schwestern,
breit und bequem ist der Weg, der ins Verderben führt, und viele gehen auf ihm. Es gehört zur Strategie des Teufels, die Sünde zu verharmlosen und so den Menschen ganz sachte und schmeichelnd anzulocken, einzufangen und von Gott, vom Quell des Lebens abzutrennen, bevor wir Menschen uns dessen überhaupt erst recht versehen. Wenn wir den biblischen Bericht vom Sündenfall, der unserer heutigen ersten Lesung aus dem Buch Genesis vorausgeht, auf uns wirken lassen, dann fällt vor allem die diabolische Intelligenz der Schlange auf. Mit listiger Insinuation fragt der Versucher: „Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem Baum des Paradieses essen dürft?“ Damit verdreht der Teufel das Wort Gottes nur ein ganz klein wenig, so dass man es fast nicht merkt. Gott hatte aber etwas anderes gesagt, nämlich: Von allen Bäumen dürft ihr essen – nur den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, der die Gottheit Gottes symbolisiert, den lasst unangerührt. Das heißt, ohne Bilder gesprochen: Freut euch an der Schöpfung, aber macht euch nicht selbst zu Gott, macht nicht eure eigene Lust und Laune zum Maßstab dessen, was gut und böse heißen soll, oder kurz: Widersteht der Versuchung, Gott spielen zu wollen.
Die Schlange stellt das in Frage und erweckt bei der Frau den Eindruck, es werde dem Menschen hier ein unglaublicher Genuß vorenthalten, nämlich wie Gott zu sein. Und Eva fällt prompt darauf herein, will vom Baum naschen und selbst festlegen, was gut und was böse ist – so wie wir heute uns oft unsere eigenen Moralvorstellungen machen, nicht selten gegen das natürliche und göttliche Sittengesetz. Vielleicht sagt Eva sich auch: „Einmal ist keinmal“. Verharmlosung der Sünde! Was aber folgt, ist kein Genuss, sondern die schamvolle Erkenntnis der eigenen Armut und Blöße. Der Mensch ist nicht wie Gott geworden, sondern mit Gott entzweit, er hat das ewige Heil verloren. Weiterlesen

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Leitbilder sind gefragt. Gedanken am Grab des heiligen Bonifatius zu Fulda.

In Fulda ist am 22. Juli der 18. Kongress „Freude am Glauben“ zu Ende gegangen. Der Kongressort liegt geographisch in der Mitte von Deutschland. Es ist aber das Grab des heiligen Bonifatius, das Fulda für Katholiken zur Herzmitte Deutschlands macht. Denn Bonifatius war es, der im achten Jahrhundert der Kirche in Deutschland, gegen den Widerstand verweltlichter Bischöfe und Kleriker, sowie ins Heidentum zurückgefallener Christen, ein neues vitales und verjüngtes Gesicht zurückgab. Auch im hohen Alter war der missionarische Eifer des Bonifatius nicht erloschen. Als der über 70jährige auf seiner letzten Missionsreise am 5. Juni 754 in Friesland zusammen mit seinen Gefährten erschlagen wurde, ließ er eine Kirche im Aufbruch zurück.
Bischof Rudolf Voderholzer von Regensburg, dessen Bistum 739 von Bonifatius kanonisch errichtet wurde, hat auf der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 28. September 2017 an ihn mit den Worten erinnert: Bonifatius habe „das Christentum als »Gewissensreligion gelehrt und verkündet«. Nur wer mit seiner ganzen Person für den Glauben einsteht, nur wer zu erkennen gibt, dass er sich als Bote dem sendenden Gott und nicht dem Zeitgeist, den Erwartungen der Medien oder sonstigen vorläufigen Instanzen verantwortlich weiß, wird bei anderen Glauben wecken. Kirchliches Leben braucht mehr als nur Sympathisanten. Leitbilder sind gefragt. Menschen, die brennen und so das Feuer des Glaubens weitergeben können“.
Der diesjährige Kongress „Freude am Glauben“ hat sich die Aufgabe gesetzt, die heutigen Fragen, die kirchenverbundene Katholiken bedrängen, aufzugreifen. Das Motto „Selbstbewusst mit Christus“ mag manchen, die den Zustand der deutschen Ortskirche kennen, überzogen erscheinen. Die Betonung liegt aber auf Christus. Denn auf unsere Kraft gestellt, hätten wir keinen Anlass zu einem solchen Selbstbewusstsein. Das gilt sowohl für den gesellschaftspolitischen wie den kirchlich-religiösen Kontext.
Wenn wir z.B. auf den Zustand der Europäischen Union schauen, sehen wir einen „Tummelplatz widerstrebender Ideologien“ (Stephan Baier). Es ist zu befürchten, dass das Erbe der Gründungsväter Konrad Adenauer, Robert Schuman und Alcide de Gasperi verschleudert wird, weil die EU die christlichen Fundamente verlassen und die tragenden Prinzipien der katholischen Soziallehre, Subsidiarität und Solidarität, über Bord geworfen hat.
Wenn die Zukunft der Ortskirche in neuen größeren Seelsorgeräumen, aber nicht in einem erneuerten Geist gesehen wird, weil sich die Katholiken – Bischöfe, Priester und Laien – nicht zu einer Neuevangelisierung aufraffen, wird die Zukunft nur die weitere Verwaltung des Niedergangs bedeuten.
„Leitbilder sind gefragt“, hat Bischof Voderholzer gefordert: Menschen, die ihre Gewissensentscheidung gegenüber staatlichen Gesetzen, die im Widerspruch zur katholischen Lehre stehen, praktizieren und zu verteidigen gewillt sind. Dann werden Christen in einer neuheidnisch gewordenen Umwelt wieder wahrgenommen. Sie werden zunächst eine verschwindende Minderheit sein. Aber das waren die Christen nach dem ersten Pfingstfest auch.

Hubert Gindert

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Leserbrief an die Tagespost zu “Karl Marx und das Menschenbild“ von Peter Schallenberg S.28

Dankenswerterweise zeigt Prof. Schallenberg, wie utopisch die Lehre von Karl Marx ist. Die Zeit der Verherrlichung dieses Ahnherrn so vieler Leichenberge scheint nun endgültig zu Ende zu gehen. Vor allem der Ausspruch von Nell-Breuning, nach dem wir alle auf den Schultern von Karl Marx stünden, wurde von Professor Konrad Löw im Fels Nr. 7/2018 als unbegründet entlarvt. Als der Jesuitenpater diesen fragwürdigen Ausspruch tat, war er noch der Meinung, dass die Spaltung der Gesellschaft in Klassen zuerst von Marx entdeckt worden wäre. Dies war aber ein schwerer Irrtum, wie Pater Nell-Breuning später selbst zugeben musste. Auch die gehässigen Äußerungen von Karl Marx selbst über die zeitgenössischen Sozialreformer sollten nicht unerwähnt bleiben. Über Bischof von Ketteler schrieb Marx : „Die Hunde kokettieren (z.B. Bischof Ketteler in Mainz, die Pfaffen auf dem Düsseldorfer Kongress usw.) wo es passend scheint, mit der Arbeiterfrage.“ (MEW Werke Bd. 32 Seite 371) Auch jene, die mehr oder weniger seine Gedanken übernahmen, wurden von Marx auf das Heftigste beschimpft, wenn sie es unterließen, Karl Marx als den Vater dieser Gedanken entsprechend herauszustellen. Wäre es ihm primär um die proletarische Sache gegangen und nicht um die eigene Person, so hätte er sich nicht über Spaltungen innerhalb des sozialistischen Lagers gefreut oder Krisen bewusst geschürt. Über einen Streit innerhalb der italienischen Sozialisten schrieb Marx:„Die Spaltung unter den Italienern ist wunderschön. Es ist vortrefflich, dass dem getriebenen Schwärmer Mazzini endlich die materiellen Interessen auch einmal in die Quere kommen. .. Auch die anderen Gründe der italienischen Dissidenten sind erfreulich, und schließlich ist es sehr schön, dass die einzige bisher wenigstens öffentlich ungespaltene Emigration jetzt sich auch in den Haaren liegt.“ (MEW, Werke Bd. 27, Seite 342) Karl Marx hat über die Misserfolge seiner Weggenossen eine abnorme Freude empfunden statt sie zu bedauern.

Dr. Eduard Werner

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Papst Benedikt XVI: Anbetung und Eucharistiefeier gehören zusammen

Heute Abend möchte ich mit euch über zwei miteinander verbundene Aspekte des eucharistischen Geheimnisses meditieren: Die eucharistische Verehrung und ihre Sakralität der Eucharistie. Es ist wichtig, diese beiden Aspekte zu überdenken, um sie vor einem unvollständigen Verständnis des eigentlichen Mysteriums zu bewahren, so wie es in letzter Zeit beobachtet werden konnte.
Zunächst eine Reflexion über den Wert der eucharistischen Verehrung, besonders der Anbetung des Allerheiligsten Altarsakraments. Wir werden sie auch an diesem Abend wieder erleben nach der Messe und bei der Prozession, vor ihrem Beginn, bei ihrem Vollzug und an ihrem Ende. Eine einseitige Interpretation des II. Vatikanischen Konzils hat die Dimension der Verehrung vernachlässigt und die Eucharistie praktisch auf den eigentlichen Vollzug in der Feier reduziert. Tatsächlich ist es sehr wichtig gewesen, die Zentralität des Vollzugs der Feier anzuerkennen, in der der Herr sein Volk ruft und es um den zweifachen Tisch des Wortes und des Brotes des Lebens versammelt, es nährt und vereint mit sich in der Opfergabe. Diese Wertschätzung der liturgischen Feiergemeinschaft, in der der Herr wirkt und sein Geheimnis der Gemeinschaft verwirklicht, bleibt natürlich gültig, aber sie muss wieder in das rechte Gleichgewicht gerückt werden. Denn um einen Aspekt zu betonen, wird – wie so oft – ein anderer aufgegeben. In diesem Fall ist die Betonung des Feiervollzugs der Eucharistie auf Kosten der Anbetung gegangen, die ein Akt des Glaubens ist und ein Akt des Gebets zum Herrn Jesus, der wirklich gegenwärtig ist im Sakrament des Altars. Dieses Ungleichgewicht hat auch Rückwirkungen auf das geistliche Leben der Gläubigen. Indem die ganze Beziehung mit dem eucharistischen Jesus allein auf den Augenblick der Heiligen Messe konzentriert wurde, riskiert man, die restliche Zeit und die existenziellen Räume seiner Gegenwart zu entleeren. Und so nimmt man weniger die ständige Gegenwart Jesu mitten unter uns und mit uns wahr, eine konkrete, nahe Präsenz, in unsern Häusern, als „pulsierendes Herz“ der Stadt, des Landes, der Region mit ihren verschiedenen Vollzügen und Aktivitäten. Das Sakrament der Liebe Christi muss unser ganzes Leben durchdringen.
In Wirklichkeit ist es falsch, die Feier und die Anbetung als Gegensätze anzusehen als würden beide in Konkurrenz zueinander stehen. Es ist genau andersherum: Die Verehrung des Allerheiligsten Sakraments schafft gleichsam das geistliche „Ambiente“ in dem eine Gemeinde gut und in wahrhaftiger Weise die Eucharistie feiern kann. Nur wenn ihr diese innere Haltung des Gebets und der Anbetung vorangeht, sie begleitet und ihr folgt, kann die liturgische Handlung ihren vollen Sinn und Wert ausdrücken. Die Begegnung mit Jesus in der Heiligen Messe vollzieht sich wahrhaftig und in vollständiger Weise, wenn die Gemeinschaft erkennt, dass Er im Sakrament in Seinem Haus, gegenwärtig ist, dass Er uns erwartet, dass er uns an Seinen Tisch einlädt und – wenn die Versammlung sich aufgelöst hat – Er bei uns bleibt mit Seiner diskreten und stillen Präsenz und uns begleitet durch seine Fürsprache und auch weiterhin unsere geistlichen Opfer sammelt, um sie dem Vater darzubringen. Weiterlesen

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2. Resolution des Forums Deutscher Katholiken beim Kongress „Freude am Glauben“ 2018.

Die Politik der Europäischen Union (EU) leidet unter einem Werteverlust

„Die Staatengemeinschaft der Europäischen Union wurde aufgebaut auf christlichen Wurzeln, was vor allem die Würde eines jeden Individuums meint, unabhängig von Geschlecht, Rang oder Volkszugehörigkeit. Menschenrechte und Menschenwürde wurden zur ethischen und moralischen Grundlage. Und diese Persönlichkeiten bestimmten als zentrale Akteure die Politik im Wiederaufbau Europas: Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi und Robert Schuman. Alle 3 hatten eine Vision von einem neuen Europa als gläubige katholische Christen mit gemeinsamen religiösen Werten und Überzeugungen.“
Dies stellten die Teilnehmer des 18. Kongresses „Freude am Glauben“ am letzten Wochenende in Fulda fest, der unter dem Motto stand: „Selbstbewusst mit Christus“.
Wenn man diese kongruente Sicht von Mensch und Gesellschaft der Gründerväter – Romano Guardini bezeichnete diese Vision einmal als „Seele Europas“ – , mit der heutigen Politik der EU vergleicht, kommt man leider zu dem Ergebnis, dass Europa kein gemeinsames Wertefundament mehr hat und wohl auch nicht mehr haben will. Dies bewiesen zentrale Felder der europäischen Politik wie z. B. bei Ehe und Familie, bioethischer Forschung, Lebensschutz, vor allem Abtreibung und Suizid-Assistenz, Anerkennung des Rechts sowie der Entwicklungs- und Migrationspolitik.
In diesem Zusammenhang wurde u. a. auf den „Internationalen Tag der Familie“ am 15. Mai, der von den EU-Institutionen totgeschwiegen wurde ebenso hingewiesen wie auf den erschütternden Fall des Jungen Alfie Evans, der Ende April in einem Krankenhaus dem Tod preisgegeben wurde, obwohl die Eltern die Weiterbehandlung ihres Sohnes wollten und dafür sogar den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte angerufen hatten, der ihren Antrag für unzulässig erklärte wie auch auf die Tatsache, dass eine europäische Bürgerinitiative zum verbesserten Tierschutz mit 1,1 Mio. Unterschriften angenommen und in konkrete Maßnahmen umgesetzt wurde, während die EU-Kommission die Initiative „One of Us“ mit 1,9 Mio. Unterschriften zur Streichung von Finanzmitteln für Forschungsprojekte zum Töten menschlicher Embryonen verworfen hat. Dies alles beweise, dass die EU in ihrem derzeitigen Zustand weit davon entfernt ist, noch eine Wertegemeinschaft auf christlicher Grundlage zu sein.
Die Kongress-Teilnehmer betonten ausdrücklich, dass sie eine vertiefte Integration der EU wollen, aber unter Wahrung von Solidität, Solidarität und Subsidiarität und eine EU als Wertegemeinschaft, die in ihrer konkreten Politik nicht nur auf Wachstum und Transferunion setzt, sondern wieder eine Gemeinschaft von Staaten wird, „die auf eine christliche Gesinnung Wert legt und die Rechte und Würde des Menschen über alles stellt.“

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Resolution des Forums Deutscher Katholiken beim Kongress „Freude am Glauben“ 2018: „Der Mensch sehnt sich nach Orientierung.“

„Der Mensch ist orientierungslos geworden und sehnt sich als Gläubiger besonders nach einer geistlichen Führung durch die Priester“. Dies forderten die Teilnehmer des 18. Kongresses „Freude am Glauben“ am letzten Wochenende in Fulda, der unter dem Motto stand: „Selbstbewusst mit Christus“, bei dem die Frage, was die größten Herausforderungen seien, mit denen sich der Mensch heute auseinandersetzen müsse, im Mittelpunkt stand.
In Referaten und Podiumsdiskussionen wurde festgestellt, dass ihm von einer selbsternannten gesellschaftlichen Elite sozusagen als Leitgedanke die absolute Freiheit angeboten würde, weil sie ihn glücklich mache. Dies stimme aber nicht, sondern stattdessen würde dieser Ego-Kult sie unsicherer und orientierungsloser machen. Hierfür wurden vor allem folgende Beispiele genannt:
1. Eine jahrhundertealte Kulturtradition der selbstverständlichen Akzeptanz der zwei menschlichen Geschlechter männlich und weiblich wird durch die neue Ideologie Gender Mainstreaming ersetzt, die ein biologisches Geschlecht verneint und durch ein soziales ersetzt, das jeder Mensch für sich selber bestimmen müsste.
2. Jede moralische Bewertung der intimsten sexuellen Beziehung wird beseitigt. Sexualität wird als Ware angeboten, für die allein das Lustprinzip gelte.
3. Zur Unterstützung werden Konzepte der „sexuellen Vielfalt“ für Kitas und Schulen angeboten, ohne den jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder zu berücksichtigen.
4. Die seit Jahrhunderten von vielen Kulturen auf der Welt praktizierte heterosexuelle Ehe – denn Gott schuf Mann und Frau – wird ersetzt durch alle anderen Arten von Beziehungen, die dann als Ehe bezeichnet werden, wenn die Partner „gegenseitige Verantwortung“ übernehmen. In dieser sog. „Ehe für alle“ mit dem Recht, über Adoptionen und Leihmutterschaften auch Kinder zu bekommen, wird das Wohl der Kinder völlig ausgeklammert.
5. Die Betreuung der Kinder ab dem 1. Lebensjahr in einer staatlichen Einrichtung wird gegenüber der häuslichen Erziehung mit finanziellen Anreizen favorisiert, obwohl insbesondere die Hirnforschung eindeutig belegt, dass Bindung vor Bildung kommt.
6. Auch die Menschenwürde wird nicht mehr als christlicher Grundwert anerkannt, sondern bei Abtreibung und Präimplantationsdiagnostik (PID) wird das Recht der Mutter über den Schutz des ungeborenen Lebens gestellt. Auch den Zeitpunkt seines Todes und eine Hilfe dabei („Assistenz“) soll der Mensch selbst bestimmen können.

In dieser von Gottesferne bestimmten teuflischen Angebotspalette, die man „modern“ nennt, kann sich der Mensch nicht mehr alleine zurechtfinden. Er braucht zur eigenen Orientierung einen Priester, der ihm als „guter Hirte“ zur Seite steht und ihn auf seinem Weg zu Gott begleitet. Nur wer auf der Grundlage der Wahrheit Jesu Christi zu leben versuche, würde Halt und Sicherheit finden. Deshalb sei allen Bischöfen und Priestern zu danken, die die Laien durch ihre klare christliche Position auf diesem Wege unterstützen würden.Diese Vermittlung an junge Menschen ist jedoch nur möglich, wenn die erwachsenen Vorbilder in allen Bereichen selbst begeistert und mitreißend wirken, wenn fundiertes Glaubenswissen vermittelt wird und das Brennen für den Glauben sichtbar ist.
Wir rufen daher die erwachsenen Christen auf, den Aufbau dieser besseren Welt glaubwürdig vorzuleben und weiterzutragen. Wir brauchen mutige, gebildete, engagierte Eltern und Lehrkräfte, wir brauchen begeisterte Geistliche.
Wir brauchen Vorbilder, die all dies auf normale Art und Weise einfach tun, damit die Jugend dieses Vorbild aufnehmen und selbst verwirklichen kann und damit das christliche Wirken auch in der heutigen Gesellschaft wieder so normal wird, wie es eigentlich ist.

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Katholikentagssplitter

Zustimmung oder Ablehnung zu Referaten oder Podiumsdiskussionen sagen etwas aus über die Gesinnung der Zuhörer. Die Befindlichkeit des Katholikentags-Publikums bei der Diskussion zwischen Kardinal Woelki und dem evangelischen Kabarettisten Eckard von Hirschhausen über das Thema „Wann stört Religion? Was stört an Religion?“ ist sehr aussagekräftig. Eckard von Hirschhausen, der mit einer katholischen Frau verheiratet ist und eine gemeinsam veranschlagte Kirchensteuer für die katholische Kirche zahlt, forderte in dieser Diskussion: „Dafür will ich auch eine Oblate, wenn ich mit meiner Frau zur Messe gehe“ (Kathnet 12.05.2018).
„Hirschhausen wurde für seine Polemik vom Publikum gefeiert“! Kardinal Woelki hielt dagegen, dass die „Eucharistie das Allerheiligste ist, die auch eine bekenntnishafte Dimension habe“.
Ob die Lehre der Kirche einem solchen Publikum noch zu vermitteln ist, darf bezweifelt werden. Die katholische Lehre sagt: „Die Eucharistie als Sakrament der Sakramente nimmt eine einzigartige Stellung ein: Alle Sakramente sind auf sie als Ziel hin geordnet“ (KKK 1211) … „Die Teilnahme am göttlichen Leben und die Einheit des Volkes Gottes machen die Kirche zur Kirche; beide werden durch die Eucharistie sinnvoll bezeichnet und wunderbar bewirkt“ (KKK 1325) … „Die Eucharistie ist also der Inbegriff und die Summe unseres Glaubens“ (KKK 1327) … „Eine besonders schwere Sünde ist das Sakrileg dann, wenn es sich gegen die Eucharistie richtet, denn in diesem Sakrament ist der Leib Christi substantiell gegenwärtig“ (KKK 2120).
Vielleicht sind Bischöfe, Priester und katholische Laien am Zustand dieses Katholikentags-Publikums mitschuldig, weil sie die deutsche Ortskirche noch immer als Volkskirche sehen, die mit dem großen Mercedes der 24 Millionen Kirchensteuerzahler daherkommt. Tatsächlich wird sie weder in der Politik, noch in der Gesellschaft für wichtig angesehen. Die deutsche Ortskirche sollte realistischer Weise in den kleinsten fahrbaren Untersatz der 1-5 Prozent der Katholiken umsteigen, die noch bereit sind, ihr Leben an der Lehre der Kirche auszurichten. So könnte sie vielleicht wieder zum Licht auf dem Berg und zum Salz der Erde werden.

Hubert Gindert

Erschienen in der Juliausgabe der Monatszeitschrift „Der Fels“

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Kein zweite Chance?

„Wer ist umstritten“? Ein junger Mann, der vor einem Jahr zum Diakon und am 22. April 2018 zum Priester geweiht wurde.
Der neugeweihte Priester musste 2013 das Priesterseminar Würzburg verlassen. Der Grund: „Er soll mindestens drei KZ-Witze gemacht, sowie Adolf Hitler imitiert und parodiert haben.“ Das liegt fünf Jahre zurück! Nun haben wir von der AZ nie den Wortlaut der Witze erfahren, um uns über die Schwere des Inhalts ein Bild machen zu können. Und wer „Hitler imitiert und parodiert“ muss sich noch nicht mit der Person Hitler identifizieren. Wäre das so, dann müsste man den Sprecher auf dem Nockerberg oder bei Faschingsveranstaltungen, wenn andere Politiker „imitiert und parodiert“ werden, wohl mit ganz anderen Augen ansehen als bisher.
Bischof Hanke, der den jungen Mann zuerst zum Diakon und jetzt zum Priester geweiht hat, hat sich den Kandidaten genau angesehen, geprüft und prüfen lassen. Er kam zur Überzeugung „der junge Mann habe sich geändert“. Das wurde aus der Sicht der Vorgesetzten und „auch durch mehrere Gutachten anerkannt“. Der Diakon, der zum Priester geweiht wurde, sprach „gegenüber Journalisten von ‚Bockmist‘, den er gemacht habe und bat, die von ihm verletzten Menschen um Verzeihung. Er sei „weder Antisemit, noch Ausländerhasser oder Rechtsradikaler“.
Die entscheidende und grundsätzliche Frage ist, ob wir Angeklagten die Fähigkeit zuerkennen, ihre Gesinnung zu ändern und ihnen deswegen eine neue Chance geben. Die katholische Kirche hat eine lange Erfahrung damit. Bei jeder Beichte wird Barmherzigkeit praktiziert. Im Kalender ihrer Heiligen und Seligen finden sich auch ehemalige Verbrecher, Christenhasser und Christenverfolger, Sünder jeder Kategorie. Die Kirche hat mit „Barmherzigkeit“ gute Erfahrungen gemacht. Auch die Gesellschaft hat die Chance erkannt, dass es besser ist, den Versuch zu machen, straffällig gewordenen Verurteilten eine zweite Chance zu geben, wenn sie Zeichen der Reue erkennt, statt die Gefängnisse bis zum Dachboden anzufüllen. Garantie für die Richtigkeit einer solchen Annahme gibt es nicht. Die AZ sieht das offensichtlich anders – besonders bei Katholiken.

Hubert Gindert

Erschienen in der Juliausgabe der Monatszeitschrift „Der Fels“

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