Nicht die persönliche Beziehung zu Gott bis „zuletzt“ aufschieben.

Christen leben ihre Zeit bewusst – ohne Angst und Furcht, aber in der Gewissheit, dass der Herr einmal kommen wird. Überlegungen dazu sind immer zeitgemäß, auch im schon begonnenen Jahr 2019.
Der Philosoph und Schriftsteller Arthur Schopenhauer sagt in seiner Schrift „Über Schriftstellerei und Stil“: „Zuvörderst gibt es zweierlei Schriftsteller, solche die der Sache wegen und solche, die des Schreibens wegen schreiben. Jene haben Gedanken gehabt oder Erfahrungen gemacht, die ihnen mitteilenswert erscheinen. Diese brauchen Geld, und deswegen schreiben sie für Geld … sobald man es merkt, soll man das Buch wegwerfen: Denn die Zeit ist edel.“
Ein überdenkenswerter Satz, gerade in einer Zeit, in der wir von einem Tsunami an Informationen überschwemmt werden. „Die Zeit ist edel d.h. wertvoll – und sie ist begrenzt“. Schopenhauer verstand sich nicht als Christ. Aber auch Christen fordert das Evangelium auf, das geschenkte Leben zu nutzen. Das ist kein Aufruf zu rastloser und hektischer Aktivität, möglichst bis ins hohe Alter. Unser ganzes Leben steht unter dem Wort: „Denkt um und glaubt an das Evangelium.“ Die Forderung an die Kirche, sich ständig zu reformieren, d.h. zur ursprünglichen Form zurückzukehren, gilt natürlich für jeden Christen. Was heißt aber, sich um eine neue Gesinnung zu bemühen?
Wer in die Kirche oder in ein Konzerthaus geht, um die Passion Christi von Johannes Sebastian Bach zu hören, kann sie evtl. mit der Partitur in der Hand mitverfolgen und am Ende eine perfekte Leistung der Chöre und Sänger, gewissermaßen einen musikalischen Leckerbissen, konstatieren. Wenn er aber vom Geschehen, das dargestellt wurde, innerlich unberührt bleibt und so aus dem Konzert herausgeht, wie er hineingegangen ist, schrammt er an seinem Lebensziel vorbei. Er hat nicht erfasst, dass es bei der Passion auch um seine Erlösung geht.
Unsere Welt bietet ein kaum noch überschaubares Angebot an interessantem Zeitvertreib. Theater, Konzerte, Museen, Fitnesseinrichtungen, Reisen und Kreuzfahrten über die Weltmeere. Wer ständig auf den gepackten Koffern sitzt, fragt der sich noch, was seine Seele braucht? Seele? Ist das nicht ein vergessener und unverständlicher Begriff geworden, der vielen so wenig bedeutet wie „Erlösung von der Sünde“? Wir kennen das Wort noch vom Sprachgebrauch, wenn wir sagen, einer Sache eine Seele geben und meinen damit das Eigentliche, das Wesentliche.
Und wenn das Leben hedonistisch ausgekostet ist und Krankheit und Pflegebedürftigkeit die Fortsetzung des bisherigen Lebensstils nicht mehr erlauben, bleibt uns dann noch die Kraft umzusteuern? Um diese Frage zu beantworten, hat Martha von Jesinsky zwei Wochen lang in einem Alters- und Pflegeheim in Zürich die Insassen beobachtet und befragt. Sie kam zum Ergebnis: „Die meisten Menschen meiner Zielgruppe waren leicht bis schwer depressiv, beklagten sich über den Verlust ihrer körperlichen Kräfte und zeigten (fast) kein Interesse an Ereignissen der Gegenwart. Auch Religion und Glaube interessierten sie wenig“ (SKS, 9.12.18, S.11).
Wir sollten die wesentlichen Dinge des Lebens, vor allem die persönliche Beziehung zu Gott, nicht für „zuletzt“ aufschieben. Es gibt auch ein anderes Bild von Kranken, Behinderten und Alten, die nicht mehr am „aktiven Leben“ teilnehmen können, nämlich der gelassenen Zuversicht. Das Geheimnis? Die Geborgenheit in Gott!

Hubert Gindert

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Haltet euch an Friedrich Spee! Der Liederdichter und Streiter gegen den Hexenwahn eignet sich bis heute als Vorbild

Die meisten Scheiterhaufen der Hexenprozesse brannten nicht im vermeintlich „finsteren“ Mittelalter. Kernzeit des Hexenwahns war die frühe Neuzeit, das Zeitalter der Konfessionalisierung, das 16. und 17. Jahrhundert. Insbesondere während des Dreißigjährigen Krieges fielen Hunderte, meist Frauen, dem kollektiven, konfessionsunabhängigen Wahn zum Opfer.
Mehrfach ist mittlerweile die Hexenverfolgung in die Schuldbekenntnisse der Kirche eingegangen, explizit etwa beim Bamberger Bistumsjubiläum 2007, ebenso im Hildesheimer Jubiläumsjahr 2015. Papst Franziskus hat die kirchliche Mitwirkung bei diesen Justizskandalen als großes Unrecht angeprangert. Jüngst war es der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, der die Prozesse als „monströsen Irrsinn“ bezeichnete und als „unentschuldbar“. Er mahnte zudem an, dass wir uns nicht zu sicher sein dürfen, dass nicht auch heute und künftig Personengruppen Opfer eines ähnlichen Wahns werden können.
Umso wichtiger ist der Blick auf Personen, die sich früh, entschieden, couragiert und aufklärend den Verfolgungen entgegen gestellt haben, die Vorbilder für uns heute sein können. Einer der wichtigsten in der katholischen Kirche war Friedrich Spee von Langenfeld. Auch unter Protestanten hat er bis heute zahlreiche Bewunderer. Das ist erstaunlich, war er doch eine markante Figur der Gegenreformation.
Der evangelische Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz sagt über Spees wirkmächtige Schrift gegen den Hexenwahn, die 1631 anonym im niedersächsischen Rinteln erschienene Cautio criminalis, sie sei „das männlichst Buch, das je der Feder eines Kämpfers für Wahrheit und Recht, gegen Lüge und Unrecht entflossen ist“. Dem schließt sich Georg Wilhelm Friedrich Hegel an. Gegen die Hexenprozesse und gegen die Falschheit der Kriminaljustiz habe sich „Pater Spee, ein edler Jesuit“ gestellt. In einem lobt der protestantische Philosoph die „Sammlung herrlicher Gedichte unter dem Titel Trutznachtigall“. Der evangelische Spee-Kenner und vor wenigen Jahren verstorbene Autor des Romans „Der Hexenwahn“ Wolfgang Lohmeyer bemerkt: „Wenn meine Kinder mich fragen sollten: Kannst du uns ein menschliches Vorbild nennen, an das wir uns halten können, auch dann, wenn wir einmal in eine Lebenssituation geraten sollten, in der wir gar nicht mehr ein und aus wissen?, dann werde ich sagen: Haltet Euch an Friedrich Spee!“ Weiterlesen

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Welcher Weg ist der richtige?

Stanislaw lebte inmitten eines weiten einsamen Waldgebietes. Eines Tages verspürte er die Sehnsucht, aus der Trostlosigkeit seines Daseins heraus in die helle und leuchtende Geborgenheit der großen Stadt zu kommen, von der ihm erzählt worden war. Entschlossen, das ersehnte Ziel zu suchen, machte er sich auf den Weg.
Nach einigen Tagen mühsamen Umherwanderns in den dunklen Tiefen der Wälder kam er an eine Lichtung. Dort verzweigte sich der Weg in verschiedene Richtungen. Ratlos stand er da. Welcher Weg war der richtige? Welcher führte am sichersten in die große Stadt? Er sah einen alten Einsiedler. „Guten Tag, Brüderchen, du bist meine letzte Hoffnung“, sprach er ihn an. „Weißt du, auf welchem Weg ich am sichersten und kürzesten in die große Stadt komme?“
Der Mann deutete auf die erste Abzweigung: „Schau! Dieser Weg hier führt mitten in den Wald. Dann ist er zu Ende. Wenn du den anderen Weg dort nimmst, kommst du wieder dahin zurück, woher du gekommen bist. Dieser Weg dort macht eine große Schleife und du gelangst wieder hierher, wo wir jetzt stehen.“ – „Und was ist mit diesem schönen breiten Weg dort, Brüderchen? Er ist doch bequem zu beschreiten!“ – „Sein Aussehen täuscht dich“, sagte der Einsiedler. „Schon nach einer halben Tagreise endet er in einem Sumpf. Du versinkst im Morast.“ – „So bleibt nur dieser Weg hier übrig“, sagte Stanislaw. „Aber sieh nur die Dornen, die hereinhängen. Außerdem ist er eng und steinig. Sicherlich gibt es da auch gefährliche Tiere und steile Schluchten.“
„So ist es“, nickte der Einsiedler. „Aber eben dieser ist der einzige Weg, der dich schließlich in die wunderbare Stadt führen wird. Mühe dich durch diese Dornen und Steine. Schon nach kurzer Zeit wirst du klug und stark damit umgehen. Bete zu Gott und vertraue dich Seiner weisen Führung an. Mache dich mit Mut und Vertrauen auf die Reise. Du wirst sehen …“ Weiterlesen

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Eine durchsichtige Medienkampagne – Erklärung des Forums Deutscher Katholiken

Was ist eine Medienkampagne? Wenn Meldungen über Vorgänge, die schon mehrmals gebracht wurden, immer wieder aufgewärmt werden, um eine Institution oder eine Person, die dafür steht, zu diskreditieren.
Gegenwärtig geht es um die katholische Kirche und um den Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke.
Die Kampagne zeigt sich darin, dass mit einem Geschehen, wie mit Finanzen oder dem sexuellen Missbrauch alle Themen verbunden werden, die schon lange auf der Agenda des Zeitgeistes stehen:
Priesterbild, hierarchische Verfassung der Kirche, Zölibat, Frauenpriestertum.
Um das „System“ aufzubrechen“, wird die katholische Kirche als „Männerbund“, denunziert und durch Begriffe wie wie „Machtmissbrauch“, „Klerikalismus“, „systemische Defizite“, Machtcliquen etc. charakterisiert“..
Bischof Gregor Maria Hanke hat lange seinen Mitarbeitern in der Finanzverwaltung vertraut. Als sich der Verdacht des finanziellen Missbrauchs bestätigte, hat er von sich aus den gesamten Vorgang der Staatsanwaltschaft übergeben und eine Transparenzoffensive eingeleitet, um alles offenzulegen.
Bischof Hanke ist nicht Täter, sondern Opfer des Finanzskandals, dessen gerichtliche Klärung im Gange ist.
Wenn Bischof Hanke jetzt unter Druck gesetzt wird, zurückzutreten, dann wegen eines anderen „Makels“:
Er gilt als ein profilierter Verteidiger des katholischen Glaubens.
Dafür sind ihm die lehramtstreuen Katholiken dankbar!

Prof. Dr. Hubert Gindert, 1.Vors. des Forums Deutscher Katholiken

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Erklärung des „Forums Deutscher Katholiken“ zu Forderungen von Theologen nach Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen

„Prominente“ Katholiken u.a. die Jesuiten Wucherpfennig und Mertes wenden sich mit Forderungen vor dem Bischofstreffen in Rom an Kardinal Marx. Diese Forderungen sind seit langem bekannt: „Reform“ des Zölibats, Priesterbild, hierarchische Verfassung der Kirche, Priesterweihe für Frauen, Sexualmoral inkl. Neubewertung der Homosexualität. Es ist der Versuch die Missbrauchsfälle für eigene Ziele zu instrumentalisieren.

Dieses Vorhaben reizt dazu, das Wort von Leon Bloy „Die Bürger schlucken alles außer Gott“ in „Theologen schlucken alles außer das Wort Jesu“ umzuwandeln.
Bischof Voderholzer hat in seiner Silvesterpredigt den Weg aus der Krise mit den Worten aufgezeigt: Die Geschichte zeige, dass „wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums… aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung, sowie aus einer radikalen Christusnachfolge erwachsen sind“
Das „Forum Deutscher Katholiken“ begrüßt die Klarstellung von Bischof Voderholzer!

Prof. Dr. Hubert Gindert

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Die Demut Gottes. Von der Krippe zur Nachfolge Christi

Während in der Volksfrömmigkeit Weihnachten sehr verwurzelt ist und auch für die weithin säkulare Welt immer noch bei manchen eine letzte Brücke zum christlichen Glauben ist, gibt es auf der anderen Seite gerade bei Theologen – nicht unberechtigte – Skepsis. Wird Weihnachten nicht überbewertet? Denn das wirkliche Fest der Christenheit ist doch Ostern, dessen Botschaft freilich heute noch weit weniger bewusst ist als die von Weihnachten. Dabei wurde ja bereits bei den ersten Christen regelmäßig Ostern gefeiert – bei jedem Sonntagsgottesdienst, der viel mehr Höhepunkt der Woche für die Gläubigen war als er es heute ist. Das Weihnachtsfest indessen entstand erst Anfang des vierten Jahrhunderts und wurde erst gar nicht so groß begangen, wie wir es heute kennen.
Die Krippenfrömmigkeit, die maßgeblicher Grund für die große Aufwertung des Weihnachtsfests im Lauf der Zeit wurde, kam erst im Mittelalter auf. Einer, der entscheidend dazu beigetragen hat, war der heilige Franz von Assisi.
Die Krippenfrömmigkeit des heiligen Franziskus hat eine ganz wichtige Grundlage: nämlich, dass in der Menschwerdung uns Gott ganz nah gekommen ist. Diese Bereitschaft, uns nah zu sein, und dies in einer ganz einfachen Familie, geboren in einem Stall, ist Zeichen der übergroßen Demut Gottes. Gott macht sich klein, um bei uns zu sein. Und dieses Sich-Kleinmachen Gottes, findet Franziskus nicht nur in der Menschwerdung, sondern auch in der Passion und schlussendlich in der Eucharistie, in der sich Gott nicht zu schade ist, in der kleinen Form des Brotes zu uns zu kommen. So schlägt Franziskus die Brücke von der Krippe hin zum Christusgeheimnis als Ganzem, zum Erlöser, der für uns gelitten hat, an Ostern auferstanden und immer gegenwärtig ist – gerade auch in der Feier der Eucharistie. Weiterlesen

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Das christliche Abendland – Was war das denn eigentlich?

Der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx sagte im Januar 2019, dass er den Begriff „Christliches Abendland“ ablehne, weil er ausgrenzend wirke. In der Tat unterscheidet sich das christliche Europa von den Kulturen der muslimischen, hinduistischen und buddhistischen Länder. Bei der Ablehnung des Begriffes „Christliches Abendland“ geht Erzabt Notker Wolf noch einen Schritt weiter als Marx. Notker Wolf schreibt in seinem neuen Buch „Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Was Heimat wirklich ausmacht“ Seite 82: „Das so genannte Christliche Abendland hat unter anderem zwei Weltkriege vom Zaun gebrochen. Wenn man vom Evangelium kommt, war das Christliche Abendland nie wirklich christlich.“ Diese Aussagen sind erstaunlich! Den Zweiten Weltkrieg haben doch nicht die Päpste Pius XI. und Pius XII. sowie die Gelehrten Romano Guardini und Josef Pieper verursacht. Auch die Kardinäle Faulhaber, Bertram und Bischof von Preysing können für das Ausbrechen dieser Kriege nicht ernsthaft verantwortlich gemacht werden.
Den Zweiten Weltkrieg verursacht haben Männer, die das Christliche Abendland bis aufs Blut bekämpften. Das waren doch Adolf Hitler und sein Chef-Ideologe Alfred Rosenberg. Die Führer des Nationalsozialismus waren allesamt grundsätzliche Gegner des Christlichen Abendlandes. Exponenten des Christlichen Abendlandes waren vielmehr die 4000 von Hitler ermordeten Priester sowie Tausende christlicher Missionare, die als Ausgesandte des Christlichen Abendlandes in Afrika und Asien ihr Leben für die Verbreitung des Christentums eingesetzt haben. Und jedes Mal wenn ein Priester zu einem Brautpaar spricht. „Was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen!“ dann spricht das Christliche Abendland zur Welt. Wer eine gültig geschlossene Ehe für auflösbar hält, hält damit konsequenterweise auch das Christliche Abendland für entbehrlich. (siehe Amoris laetitia) Einen Unterschied zwischen dem Christlichen Abendland einerseits und den Ländern außerhalb dieses Kulturbereiches stellte der Nobelpreisträger Heinrich Böll fest: „ Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen Welt vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache und mehr noch als Raum gab es für sie Liebe, für die, die der heidnischen. wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen.“ Diese christliche Grundhaltung wurde in zahllosen Stiftungen und Pflegeeinrichtungen des christlichen Abendlandes sichtbar. Auch die Kirchen, Dome und Kathedralen sind in der Kultur des christlichen Abendlandes entstanden. Auch unsere Kirchenmusik brauchte zu ihrer Entwicklung die Umwelt des christlichen Abendlandes. Jedenfalls hätten die Werke von Beethoven, Bach, Mozart und Anton Bruckner weder in Saudi-Arabien noch in Thailand entstehen können. Vor allem aber bildeten die Klöster und die Bischofssitze von ihrem Anfang her bis in die Neuzeit herauf die Grundlagen für die Entwicklung der Wissenschaften. Den krönenden Abschluss stellt wohl der belgische Priester Georges Lemaitre dar. Er hat die Ausdehnung des Universums durch die Infrarotverfärbung nachgewiesen. Notker Wolf bezweifelt, ob das Abendland je christlich war. Das war es aber sicher, als am 7.Oktober 1571 die christliche Flotte des Abendlandes unter Don Juan de Austria Europa vor einem türkischen Angriff schützte. Damals haben viele Katholiken des Abendlandes auf den Knien den Rosenkranz gebetet und ihnen blieb das Schicksal der Christen von Otranto erspart. Das Christliche Abendland hat bis jetzt jedenfalls noch nie jemand mit den Menschen identifiziert, die den Zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen haben.

Eduard Werner

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Jesus Christus, Lamm und schöner Hirt: Begegnung mit dem Schleier von Manoppello

Das Ungeheure der Situation erfasst man nur schwer. Sr. Blandina Paschalis Schlömer beschreibt in diesem Buch den Weg, den sie persönlich gegangen ist in Bezug auf den Schleier von Manoppello, das kleine, durchsichtige Schleiertuch mit dem sichtbaren Antlitz Jesu Christi darin, irgendwie freischwebend um die Fasern herum. Wie soll man das glauben? Es erscheint doch ganz absurd, dass es ein fotoähnliches Bild Christi in einem Tuch heute noch geben soll.
Sr. Blandina wollte es auch nicht glauben und sich auch nicht damit beschäftigen.-Sie hatte gelesen, dass es eine Entsprechung in den Proportionen geben sollte mit dem Gesicht des Gekreuzigten im Grabtuch von Turin. Unmöglich! Eigentlich begann ihre Arbeit damit, das Gegenteil beweisen zu wollen. Die Ereignisse auf dem Weg, von Ende 1979 an, führten jedoch in eine andere Richtung. Es kristallisierte sich immer mehr heraus, dass es sehr wohl eine konkrete Beziehung zwischen den beiden so ganz unähnlichen „Bildern Christi“ gibt, und zwar eine Beziehung in den konkreten, sichtbaren Verletzungen.
Gleichzeitig gab es eine Entdeckungsreise durch die Welt der Christusikonen und Christusbilder der Kunst im allgemeinen. Hatten die alten Ikonenmaler den Schleier in irgendeiner Form gekannt? War er im Mittelalter in Westeuropa? Es gab unendlich viele Fragen. Eigenartige Besonderheiten im „Porträt“ Christi kehrten stilisiert fast überall wieder. Die Zahl der Argumente zu Gunsten einer Kenntnis des Schleierbildes (in den Jahrhunderten lange vor der Renaissance!) stieg ständig an. Weiterlesen

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Papst Benedikt XVI: Unsere Aufgabe: Friedensstifter und Verteidiger der Würde der Menschen und ihrer Rechte zu sein

Liebe Brüder und Schwestern!
Die Liturgie betrachtet heute wie in einem Mosaik verschiedene Tatsachen und messianische Wirklichkeiten, aber ihr Augenmerk konzentriert sich vor allem auf Maria, die Mutter Gottes. Acht Tage nach der Geburt Jesu gedenken wir der Mutter, der »Theotókos«, derer, die »den König geboren hat, der in Ewigkeit herrscht über Himmel und Erde« (Eröffnungsvers; vgl. Sedulius). Die Liturgie meditiert heute über das menschgewordene Wort und wiederholt, dass es von der Jungfrau geboren wurde. Sie denkt über die Beschneidung Jesu als einen Ritus der Eingliederung in die Gemeinschaft nach, und sie betrachtet Gott, der seinen eingeborenen Sohn als Haupt des »neuen Volkes« durch Maria geschenkt hat. Sie erinnert an den Namen, der dem Messias gegeben wurde, und hört ihn voll Zärtlichkeit aus dem Mund seiner Mutter. Die Liturgie erbittet für die Welt den Frieden, den Frieden Christi, und sie tut es durch Maria, die Mittlerin und Mitarbeiterin Christi (vgl. Lumen gentium, 60–61).
Wir beginnen ein neues Kalenderjahr, das ein weiterer Zeitabschnitt ist, den uns die göttliche Vorsehung im Kontext des Heils schenkt, das von Christus eröffnet worden ist. Ist aber das ewige Wort nicht gerade durch Maria in die Zeit eingetreten? Daran erinnert in der soeben gehörten zweiten Lesung der Apostel Paulus, und er bekräftigt, dass Jesus »von einer Frau« (vgl. Gal 4,4) geboren wurde. In der Liturgie ragt heute die Gestalt Marias heraus, der wahren Mutter Jesu, des Gott-Menschen. Am heutigen Hochfest wird deshalb keine abstrakte Idee gefeiert, sondern ein Geheimnis und ein geschichtliches Ereignis: Jesus Christus, göttliche Person, wurde von der Jungfrau Maria geboren, die im wahrsten Sinn seine Mutter ist.
Außer der Mutterschaft wird heute auch die Jungfräulichkeit Marias hervorgehoben. Es handelt sich um zwei herausragende Eigenschaften, die immer untrennbar miteinander verkündet werden, denn sie ergänzen und kennzeichnen sich gegenseitig. Maria ist Mutter, aber jungfräuliche Mutter; Maria ist Jungfrau, aber mütterliche Jungfrau. Lässt man den einen oder den andern Aspekt außer Acht, versteht man das Geheimnis Marias, wie die Evangelien es uns vorlegen, nicht zur Gänze. Als Mutter Christi ist Maria auch Mutter der Kirche, wie mein verehrter Vorgänger, der Diener Gottes Paul VI., am 21. November 1964 während des II. Vatikanischen Konzils verkünden wollte. Maria ist schließlich geistliche Mutter der ganzen Menschheit, weil Jesus am Kreuz sein Blut für alle vergossen hat und vom Kreuz aus alle ihrer mütterlichen Sorge anvertraut hat. Weiterlesen

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Pfarrer flieht auf dem Transport zum Volksgerichtshof

„Satan löscht die Lichter aus!“ Wieder und wieder hämmert Pfarrer Heinrich Ostermann aus Bochum-Linden den Besuchern der Neujahrsmessen 1941 diesen Satz ein. „Keine katholische Zeitung mehr! Keine katholischen Jugendvereine! Kein katholischer Religionsunterricht!“ 19 Punkte listet er in allen Messen auf. Der letzte Satz: „Alle Beamten sollen vor die Wahl gestellt werden, entweder aus der Kirche auszutreten oder ihr Amt niederzulegen.“ Jeder Zuhörer wusste, wer für Ostermann der Satan war. Das braune neuheidnische Regime.
Über zwanzigmal wurde er von der Gestapo verhört, dreimal für einige Tage verhaftet. Die Konfliktliste war lang. Den Kampf um seine Freilichtbühne „Wienkopp e.V.“ konnte er in den Dreißiger Jahren nicht gewinnen. Der NS-Oberbürgermeister warf ihm „kommunistische Propaganda“ vor. Den Einfluss auf über 70 000 Besucher jährlich wollte man ihm nicht belassen. Das Vereinsvermögen wurde wegen „staatsabträglicher Bestrebungen“ beschlagnahmt. Geräuschlos zog sich Pfarrer Ostermann nicht zurück. Seine Beschwerde-Schreiben gingen reichsweit an alle Ministerien. Dass er sogar den Hitlergruß verächtlich mache, warf man ihm zusätzlich vor. Den besonderen Zorn Ostermanns erregte ein Schaukasten für das NS-Hetzblatt „Der Stürmer“ unmittelbar vor der Liebfrauenkirche. „Das hässliche Gerüst“, so predigte er, stelle Zeitungen aus, „die alles was uns Katholiken heilig ist, in den Kot ziehen.“ Als er hörte, dass SA-Männer ihn aus der Protestversammlung im Pfarrheim holen wollten, erklärte er unter Beifall der Anwesenden und unter Beisein eines Spitzels in Don Camillo-Manier am 6. März 1937: „Wir haben genug Stühle hier, um sie mit blutigen Köpfen heimzuschicken.“ – Der Schlag des gefürchteten Volksgerichtshofs gegen Pfarrer Ostermann erfolgte erst am 20. Oktober 1944. Die Anklage lautete auf Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung. Darauf stand damals die Todesstrafe. Dem Bochumer Gefängnisgeistlichen sagte Ostermann: „Nach Berlin gehe ich auf keinen Fall! Unter Freisler ist mir das Fallbeil sicher.“ Der Tag der Verlegung nach Berlin kam schnell. Schon am 3. November 1944 ging es im Eisenbahnzug in Richtung Berlin. Ostermanns Gebet zum Herrgott lautete: „Ich bin bereit, für Dich meinen Kopf auf den Bock zu legen. Du hast aber gesagt, Du schützt Deine Priester wie Deinen Augapfel. Ich bin Dein Priester. Nun tu es!“ Ostermann wusste, dass es bei dem Blutrichter Freisler kein Entrinnen mehr gibt. Aber unterwegs gab es noch Möglichkeiten. Bei einem kurzen Halt im Güterbahnhof Lippstadt in der Nähe seines Heimatdorfes ergriff er die Chance. Er sprang in die Freiheit. Den Häschern schlug er die Tür vor der Nase zu und verschwand im abgedunkelten, ihm wohl bekannten Bahnhofsgelände. Die Verfolger verloren ihn aus den Augen. Ostermann tauchte fünf Monate lang bei Verwandten als Onkel Nolte unter. Zusätzliche Dramatik erhielt Ostermanns Flucht dadurch, dass er an diesem 4. November aus großer Entfernung den Luftangriff der Alliierten auf Bochum beobachtete. Hunderte Bewohner kamen ums Leben, auch Dutzende seiner Mitgefangenen aus dem Gefängnis, das er einen Tag zuvor verlassen hatte. Nach Kriegsende kam Pfarrer Ostermann nach Bochum zurück und nahm seinen Dienst wieder auf. 1966 ging er im Alter von 85 Jahren in den Ruhestand. Ein Jahr später verstarb der eigenwillige und mutige Priester.

Alfons Zimmer

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