Wir brauchen eine Praxis des religiös-existenziellen Helfens

Der Fels: Es gibt die Erfahrung, dass sich Einrichtungen der kirchlichen Caritas kaum von anderen Einrichtungen säkularer Träger unterscheiden.

Prof. Heinrich Pompeÿ: Jedes schwere Leid, so eine irreversible Behinderung, soziale Ausgrenzung als Migrant, Verlust eines geliebten Menschen, die Erfahrung, dass die Kräfte im Alter deutlich nachlassen etc., schlägt nicht nur äußere Wunden sozialer, physischer oder psychischer Art sondern verletzt stets auch innerlich und damit seelisch-existentiell, wie jeder Helfer weiß.
Solche Menschen können oft nicht mehr glauben, dass in ihnen und in ihrem Leben noch irgendetwas Gutes zu finden ist. Der verbliebene Lebensrest ist für sie nur grundschlecht. Sie fühlen sich „Gott-verlassen“, also verlassen von Gott, d. h. von allem Guten verlassen und ihr Glaube an den Beistand Gottes bricht zusammen. Somit können so Betroffene auch nicht mehr hoffen, dass ihnen die Zukunft gelingende Lebensmöglichkeiten schenken wird. Ihre Hoffnung hat kein Glaubensfundament mehr. Alle Lebenschancen und Lebensperspektiven sind für sie aus ihrer Sicht dahin. Ferner können schwer leidende Menschen sich und ihr Leben nicht mehr liebevoll annehmen. Am liebsten möchten sie ihr Leben wegwerfen, d. h. aus diesem Leben scheiden.
Aus diesem Grund ist es für so Verzweifelte Lebens-Not-wendig, dass Mitmenschen stellvertretend im Geist der Enzyklika „Deus caritas est“ den Dienst des Glaubens, Hoffens und Liebens für einen schwer Leidenden leisten und, wie Benedikt XVI. in diesem Zusammenhang sagt, dies mit Demut und Geduld tun (DCE 39). So geht es beim caritativen Dienst der heilenden und helfenden Nähe – insbesondere bei schwer Leidenden, z. B. bei einem irreversibel seelisch, sozial, materiell oder physisch angeschlagenen Menschen – konkret darum, den Glauben an das von Gott geschenkte Gutsein jeden Lebens (Gen 1,1-31) und damit den Glauben an das Gutsein dieses verzweifelten Menschen in das leid-volle, nicht mehr gelingen-wollende Leben eines solchen Menschen hineinzutragen. Für die helfenden Begleiter bedeutet das, stellvertretend an das tiefe Gutsein dieses leidenden Menschen zu glauben, da dieser – angesichts seines Leidens, seiner Lebenskatastrophe – nicht mehr an sich wie an sein Leben und damit an Gottes bleibende Präsenz in seinem Leben glauben kann. Insofern ist es entscheidend, dass der Helfer glaubwürdig ist, und bleibt. Ferner geht es in der christlichen Lebensdiakonie darum, gemeinsam mit dem Verzweifelten und seelisch Gebrochenen auf eine Lebensperspektive für ihn zu hoffen, die angefangen von kleinen, beglückenden Begegnungs- und Lebenserfahrungen der nächsten Stunden und des nächsten Tages bis zur Hoffnung auf die Erfüllung des irdischen Lebens bei Gott reicht. So geht es darum, nicht zu resignieren, sondern sich und den Leidenden Gott anzuvertrauen. Für die christliche Lebensdiakonie soll so der Satz des Petrus aus seinem Ersten Brief gelten (1. Petr 3,15): „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt, aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig.“ Weiterlesen

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Wenn die Herrschaft über die Natur zur Tyrannei für den Menschen wird

Benedikt XVI. spricht in seiner Enzyklika „Über die christliche Hoffnung“ über den Menschen, der zu Beginn der Neuzeit „den Sieg der Kunst über die Natur erreichen möchte“ (Ziff.16). Hinter diesem Bestreben steht der Philosoph Francis Bacon, der in seinem Werk das „Interesse an uneingeschränkter Naturbeherrschung“ als Ziel darlegt. Ein solches Verständnis von Natur kann, wenn es den Menschen nur mehr als Teil der Natur sieht, folgenreich sein. In der Genmanipulation am Menschen wird das deutlich.
In Österreich wird nach 1997 ein zweites „Frauen-Volksbegehren“ für Anfang kommenden Jahres vorbereitet. Zu den Forderungen zählen kostenloser und anonymer Zugang zu Verhütungsmitteln mit Schwangerschaftstest und rechtlich bundesweit zulässigem Schwangerschaftsabbruch. Das bedeutet auch eine Vergewaltigung der Natur, wie es Benedikt XVI. in seiner Sozialenzyklika „Liebe in Wahrheit“ (Caritas in veritate) ausdrückt: „Die Offenheit für das Leben steht im Zentrum der wahren Entwicklung. Wenn eine Gesellschaft den Weg der Lebensverweigerung oder -unterdrückung einschlägt, wird sie schließlich nicht mehr die nötigen Motivationen und Energien finden, um sich für das wahre Wohl des Menschen einzusetzen. Wenn der persönliche und gesellschaftliche Sinn für die Annahme für ein neues Leben verlorengeht, verdorren auch andere für das gesellschaftliche Leben hilfreiche Formen der Annahme.“ (Ziff. 28) Die Folgen des „Frauen-Volksbegehrens“ führen in eine inhumane Gesellschaft. Weiterlesen

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Und wenn es dich nicht gäbe?

Nein, du bist nicht gefragt worden, ob du überhaupt existieren und in dieser Welt leben wolltest. Wie solltest du auch gefragt werden, wenn es dich vorher noch gar nicht gab. Soweit du zurückdenken kannst, befandest du dich bereits auf dieser Erde. Du konntest das auch nicht rückgängig machen, dem Leben also nicht mehr entfliehen. Deine Erbanlagen konntest du dir ebenso wenig aussuchen wie die Umweltverhältnisse, in die du hineingeboren wurdest: deine Eltern, Geschwister, Verwandte, die Landschaft und das Klima deiner Heimat, Reichtum, Armut, Hunger, Gesundheit, Krankheit, die politischen Verhältnisse … Alles dies wurde dir vorgegeben und erwartete dich. Da blieb dir nichts anderes übrig, als es anzunehmen und dich darin zurechtzufinden.
Töpfer und Ton
Als junger Mensch habe ich mir schwer getan mit jener Bibelstelle in Römer 9, 20-21, wo es heißt: „Wer bist du denn, dass du als Mensch mit Gott rechten willst? Sagt etwa das Werk zu dem, der es geschaffen hat: ‚Warum hast du mich so gemacht?‘ Ist nicht vielmehr der Töpfer Herr über den Ton …?“ Ich habe viel darüber nachgedacht, auch bin ich immer wieder Menschen begegnet, die Gott den Vorwurf machten: „Warum hast Du mich überhaupt erschaffen? Warum musste ich auf diese Welt kommen? Hast du mich gefragt, ob ich das überhaupt will? Und wenn schon, warum hast Du mich dann nicht besser ausgestattet – schöner, intelligenter, gesünder, weniger anfällig für Krankheiten und Versuchungen …?“ Weiterlesen

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Stirbt Europa lachend?

Als Charles de Gaule starb, sprach der französische Kulturminister Malraux „von Eichen, die man fällt“. Dieses Wort trifft auch auf andere Männer der Politik zu, z.B. auf Konrad Adenauer oder Franz-Josef Strauß. Es gilt aber auch für Männer der Kirche, wie Johannes Paul II. oder den verstorbenen Kardinal Joachim Meisner. Er war eine Säule der Kirche in Deutschland und ein Mann deutlicher Worte, wie sein Ausspruch zeigt: „Der Wachhund, der nicht bellt, verdient sein Fressen nicht“. Meisner war mehr als ein Wachhund. Er hat als Bischof das katholische Leben in Berlin und danach 25 Jahre in Köln geprägt. Manche fragen, ob er den Niedergang der deutschen Ortskirche hätte aufhalten können, wenn er von seinen bischöflichen Mitbrüdern mehr unterstützt worden wäre. Das ist nicht sicher. Was wir aber wissen, ist, dass es in der Kirchengeschichte gelungene Reformen gab und dass die europäischen Ortskirchen ein unterschiedliches Bild bieten, wenn wir z.B. Polen mit Deutschland vergleichen. In jedem Fall ist es, sowohl für die Kirche wie für die profane Welt von Segen oder von Unheil, wenn in Krisenzeiten, wie wir sie durchleben, große Hirten und weitblickende Führungspersönlichkeiten zur Verfügung stehen oder fehlen. Die Krisensituation der Kirche hat Papst Benedikt XVI. angedeutet, als er beim Requiem für Kardinal Meisner, vorgetragen von Erzbischof Gänswein, sagte … „auch, wenn manchmal das Boot schon fast zum Kentern angefüllt ist“.
Die Krise in der Politik ist beim sogenannten Weltwirtschaftsgipfel G20 in Hamburg deutlich geworden. Wenn die staatliche Gewalt Leib, Leben und Eigentum der Bürger nicht mehr schützen kann, wie das an den Chaostagen in Hamburg geschah, verliert der Staat seine Legitimation. Der Wert dieses Treffens selber ist darüber hinaus mehr als fraglich: Wenn die mächtigen und reichen Länder keine gerechtere Weltwirtschaftsordnung schaffen können, die den unterentwickelten Regionen, besonders in Afrika, eine faire Entwicklungschance sichert, wird das auch zur Überlebensfrage für Europa. Die Invasion steht vor der Haustür.
Am sogenannten „schwarzen Freitag“, dem 30. Juni, haben die Abgeordneten des Deutschen Bundestages mit 393 – darunter 75 CDU/CSU-Abgeordnete – zu 226 die „Ehe für alle“ beschlossen und „eine zutiefst gesellschaftsverändernde Entscheidung getroffen. Ab jetzt ist unser Land ein anderes geworden. Es ist ausgestiegen aus einer jeweils institutionalisierten Überzeugung vom Wesen der Ehe, die einerseits Jahrtausende alt und andererseits global und universal gewesen ist“ (B. Mihm, 30.6.17). Die SPD, die Grünen und Linken haben das Abstimmungsergebnis mit frenetischem Jubel begrüßt. Wer diesen moralischen Verfall betrachtet, wird an den Priester Salvian erinnert. Er kam wenige Jahrzehnte vor dem Untergang des Römischen Reiches von Marseille nach Rom. Er sah die Korruption, die Unterdrückung der Armen und die Unmoral und kommentierte: „Rom stirbt und lacht.“
In einer müde gewordenen, desillusionierten Gesellschaft ist es zweifellos schwierig, Menschen für eine Änderung ihres Lebensstils und der gewohnten Haltung zu gewinnen. Wenn es aber der einzige Weg zur Rettung ist, ist es wert, alle Energien dafür zu mobilisieren. Helfen wir mit, damit Europa eine Zukunft hat!

Hubert Gindert

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Das Herumeiern um unsere Zukunftsprobleme

Ein Rückblick auf die TV-Debatten vor der Bundestagswahl.
Die Zukunft wird nicht durch Digitalisierung, Glasfaserkabel und Roboter gesichert, sondern durch Kinder. Die nicht mehr auszusitzende Frage, ob die Menschen bis 67 oder 69 Jahre arbeiten müssen, wird nicht durch ein markiges Nein entschieden. „Zahlen kann man nicht anschreien“, hat einmal Franz-Josef Strauß angemerkt. Und Recht hatte er.
Die Kanzlerin, die als Physikerin „alles vom Ende her denkt“, weiß eines genau: Wenn das Problem der fehlenden Kinder („Beitragszahler“) in voller Härte aktuell wird, ist sie nicht mehr im Amt. Sie kann es sich also leisten, keine Wähler, die sie bei der Bundestagswahl noch braucht, zu verprellen. Und sie weiß, die Konkurrenten um die politische Macht, werden ihr nicht in die Parade fahren, weil sie das Zukunftsproblem der fehlenden Kinder nicht aufgreifen können. Denn auch sie haben Jahrzehnte lang – seit 1968 gehen die Geburtenzahlen zu-rück – diese Entwicklung tot geschwiegen. Wenn aber die letzte Mutter vom Kinderzimmer in Arbeit, genannt „Karriere“, gebracht ist, sind die Arbeitskraftreserven aufgebraucht. Dass die Lösung „Frau in Arbeit, Kinder in Kitas“ zu mehr Kinder führt, glauben nur jene, die selber keine Kinder aufgezogen haben. Der Vorschlag, das Problem über ein Zuwanderungsgesetz zu lösen, „wo wir bestimmen, welche Fachkräfte und Ingenieure wir hereinlassen“, stellt eine besonders inhumane Form nachkolonialer Ausbeutung dar, die Entwicklungsländern jene Kräfte wegnimmt, die sie selber am dringendsten brauchen.
Wir haben seit der geltenden Abtreibungsregelung (Angela Merkel: „Es ist doch alles gut geregelt“) Millionen Kinder abgetrieben, die uns fehlen. Darüber gab es in der TV-Debatte kein Wort.
Wenn schon die politischen Verantwortungsträger nicht mehr die Kraft haben „Schaden vom Volk abzuwenden“, würden wir uns von den kirchlichen Verantwortungsträgern nicht ein mainstreamkonformes Schweigen, sondern ein deutliches Wort zur Zukunft unseres Volkes wünschen.

Hubert Gindert

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Kirche verzichtet auf konfessionellen Religionsunterricht

Wie die Presse am 4. September berichtete, haben sich die katholischen Bischöfe Nordrhein-Westfalens mit den im Lande bestehenden evangelischen Landeskirchen darauf geeinigt, künftig einen konfessionsübergreifenden schulischen Religionsunterricht anzubieten. Auf den im Grundgesetz garantierten konfessionellen Unterricht soll verzichtet werden, da die Zahl der christlichen Schüler zurückgehe und der Religionsunterricht schon jetzt vielfach im Klassenverband ohne konfessionelle Akzentuierung erteilt werde. Konfessionelle Besonderheiten sollen durch einen planmäßigen Wechsel katholischer Lehrer mit evangelischen gewahrt bleiben.
Mit dieser Neuregelung, die in allen Diözesen außer Köln ab dem kommenden Schuljahr praktiziert werden soll, verzichtet die katholische Kirche auf eine von Sozialisten und Freimaurern seit Jahrzehnten angegriffene und gegen diese schon bei der Beratung des Grundgesetzes und mehrerer Landesverfassungen tapfer verteidigte Präsenz der von ihr verkündeten ganzen Wahrheit in unseren Schulen. Die verbreitete Verluderung des schulischen Religionsunterrichtes wird geradezu oberhirtlich abgesegnet. Der als Instrument der Wahrung konfessioneller Belange ausgegebene planmäßige Lehrerwechsel befördert nur jenen Relativismus, den Papst Benedikt XVI. als Grundübel unserer Zeit unermüdlich gebrandmarkt hat. Schülerinnen und Schülern wird kein verlässliches Koordinatensystem mehr vermittelt. Der eine Lehrer sagt dies und hat recht. Der andere lehrt jenes und hat auch recht. Und wenn ein Schüler das erkennt und dazu Fragen stellt, hat er auch recht.
Das biblisch begründete Selbstverständnis der Kirche, „Säule und Feste der Wahrheit“ zu sein, wird durch das seichte Motto „seid nett zueinander“ ersetzt.
Dass die Zahl der konfessionell gebundenen Schüler zurückgeht, kann dies alles nicht rechtfertigen. Gewiss gerät dann der schulische Religionsunterricht unter den Druck staatlicher Finanzierungsrahmen und personalwirtschaftlicher Überlegungen. Hier aber sollte sich die Kirche dazu berufen wissen, durch ihre eigenen Ressourcen beizuspringen, zumal die früher zur Schule hinzutretende Gemeindekatechse fast flächendeckend ausfällt. Hier eröffnete sich ein nun wirklich sinnvolles Arbeitsfeld für Laientheologen im kirchlichen Dienst.
Und speziell für Nordrhein-Westfalen stellt sich die Frage, wie die dort noch vorhandenen Bekenntnis-Grundschulen zu halten sind, wenn denn sogar der konfessionelle Religionsunterricht von den Kirchen aufgegeben wird.

Bernhard Mihm, Stadtrat a.D.

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Ökumenische Einheit ist der Wahrheit verpflichtet

Der „Ökumenebischof“ der Deutschen Bischofskonferenz Gerhard Feige hat zu weiteren Schritten gegen die „konfessionelle Spaltung“ aufgerufen. Sie sei „zu einem großen Teil dafür mitverantwortlich, dass das Christliche und Kirchliche in unserer Gesellschaft an Bedeutung und Glaubwürdigkeit verloren hat“ (Konradsblatt, 25/2017, S. 4).
Natürlich kann die konfessionelle Spaltung dazu führen, dass außerkirchliche Beobachter sagen, wenn die christlichen Kirchen selber nicht wissen, was sie wollen, ist Missionierung zwecklos. Es gilt das Wort Christi: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir und ich in dir … damit die Welt zum Glauben komme, dass du mich gesandt hast“ (Joh 1721). Aber diese Einheit gilt für die Wahrheit. Die Einheit unter den Christen muss dem Wort Christi und den Geboten Gottes entsprechen. Eine Überwindung der „konfessionellen Spaltung“ erhöht die Bedeutung und Glaubwürdigkeit der Kirchen nicht, wenn sie z.B. in Fragen von Ehescheidung und Wiederverheiratung, der Homosexualität, der Abtreibung, der Gentechnologie, der Genderideologie, der Euthanasie die gleiche Sprache sprechen, aber nicht mit dem Wort Gottes in Einklang stehen.
Das Gewicht und die Glaubwürdigkeit der Kirchen nimmt auch nicht zu, wenn sie im ökumenischen Gleichklang zu wichtigen Fragen, bei denen man eine Stellungnahme erwarten kann, schweigen oder nur das Echo des Mainstreams wiedergeben.

Hubert Gindert

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Wohin sollen sich Katholiken in Zukunft wenden?

Am 18. August 2017 gab der designierte Mainzer Bischof Peter Kohlgraf der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Regionalteil) ein Interview. Die Frage der FAZ lautete: „Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich dafür ausgesprochen, viele kirchliche Hochzeiten durch Segensfeiern zu ersetzen. Ihm ist aufgefallen, dass viele Brautpaare nicht ins kirchliche Leben eingebunden sind und gar nicht wissen, was eine sakramentale Trauung bedeute. Wie wollen Sie es im Bistum Mainz handhaben?“ Der designierte Mainzer Bischof Peter Kohlgraf antwortete darauf: „Eine Segensfeier finde ich einen guten Ansatz, das kann ich mir vorstellen. Ohne dass man natürlich die Sakramentalität der Ehe aufgeben wird. Aber da gibt es noch etwas zu bedenken. Es ist Fakt, dass die große Mehrheit der Paare zusammenlebt, bevor sie sich für eine Hochzeit entscheiden. Nach der strengen katholischen Lehre ist der sexuelle Verkehr zweier Menschen, die nicht verheiratet sind, Sünde. Wenn ein Priester Paare künftig nur segnet, diese später aber weiter zusammenleben, dann dürften diese Paare nach der traditionellen katholischen Lehre, nachts nur philosophische Gespräche führen. Da merkt man, dass wir als Kirche an unserem Sündenverständnis arbeiten müssen und die traditionelle Moraltheologie nicht der Wirklichkeit entspricht.“
Dieses Interview ist aufschlussreich. Weil viele Brautpaare nicht mehr wissen, was eine sakramentale Trauung bedeutet, will Bischof Oster Segensfeiern einführen. Das mag ja „pastoral“ gemeint sein. Wenn aber Bischof Oster den Grund in der Unwissenheit sieht, warum viele nur mehr zusammenleben, aber nicht mehr heiraten, wäre es dann nicht richtig, bei der Ursache anzusetzen, nämlich in einer Katechese und in einem Religionsunterricht, die den Wert der sakramentalen Ehe deutlich machen? Die Hoffnung des Bischof Oster, die „Gesegneten“ würden dann später kirchlich heiraten, ist recht unsicher. Die „Gesegneten“ können auch zur Überzeugung kommen, dass sie jetzt zu einer schönen kirchlichen Feier mit Freunden und Verwandten kommen, gewissermaßen zu einer „Ehe light“. Eine solche Segensfeier verpflichtet zu nichts. Die Partner können ihr bisheriges Leben, inkl. Sex, beibehalten. Es ist eine unverbindliche Feier, bei der sich die beiden Partner einer „endgültigen und ganzen gegenseitigen Hingabe“ (KKK 7391) entziehen können. Im Übrigen müsste der ehemalige Dogmatik-Professor Oster wissen, dass er Partner segnet, die nach der Lehre der Kirche, objektiv in Sünde leben. Er müsste weiter das Wesen einer Sünde kennen. Sie ist nicht nur Unwissenheit, sondern auch Ablehnung Gottes und Widerspruch gegen ihn (KKK 386) und gegen seine Kirche. Weiterlesen

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Fatamorgana ist kein Ersatz für die Wirklichkeit

Bischöfe sind nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Erstverantwortlichen für den Glauben in der Diözese. Unklare, zweideutige Aussagen, die dem Zeitgeist und den Medien ihre Referenz erweisen, sind verheerend. Wie sollen sich Gläubige entscheiden, wenn sogar Bischöfe die kirchliche Lehre relativieren oder sich um klare Aussagen herumdrücken? Wenn Bischof Franz-Josef Bode von Osnabrück äußert, wir sollten „über den Diakonat der Frau nachdenken“ oder „eine Zulassung von Frauen zur Priesterweihe stehe zurzeit (!) nicht zur Diskussion“ (Konradsblatt 24.2017, S. 4) provoziert das die Frage: Kennt der Bischof die Lehre der Kirche nicht oder hat er nicht den Mut, dazu zu stehen?
Was die Zulassung der Frauen zur Priesterweihe betrifft, hat Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben „Über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe“ vom 22. Mai 1994 die Lehre der Kirche erneut bekräftigt. Dort heißt es: „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich Kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“ Das gilt auch für Bischof Bode. Im Katechismus der katholischen Kirche steht: „Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann“ (CIC, can. 1024, Ziff 1577).
Der Katechismus der katholischen Kirche hat außerdem deutlich gemacht (Ziff 1536), dass das Priesteramt dreigestuft ist in Diakonat, Priester- und Bischofsamt. Deswegen braucht Bischof Bode nicht weiter über den Diakonat der Frauen nachzudenken.
Es ist verständlich, dass der Osnabrücker Bischof versucht, die Lücken bei den nichtbesetzten Priesterstellen zu füllen. Wird doch im Jahr 2017 kein einziger Neupriester aus seiner Diözese geweiht werden. Aber er sollte nicht mit Vorschlägen kommen, die unerfüllbare Erwartungen erwecken – auch wenn sie bei manchen gut ankommen – die aber ins Leere gehen, weil sie der Lehre der Kirche nicht entsprechen.

Hubert Gindert

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Standfestigkeit von Christen unter dem IS-Terror

Trotz Verfolgung und Bedrohung durch den IS-Terror ist im Irak kein Christ zum Islam übergetreten: „Uns ist kein einziger derartiger Fall bekannt“, sagte Erzbischof Martin Alberto Ortega, der den Papst im Irak und in Jordanien vertritt. Martyrium und Verfolgung hätten die Christen der verschiedenen Konfessionen sehr gestärkt. Das ist die Ökumene der verfolgten Christen! Weil sie ihrem Glauben treu blieben, verloren viele Christen in den vom IS besetzten Gebieten ihren Besitz und die Freiheit. Erzbischof Ortega stellte auch fest, dass sich die befreiten Christen nicht über das angetane Unrecht beschwert hätten: „Sie haben sogar Worte der Vergebung und Beten für die Bekehrung jener, die sie vertrieben haben.“ Vom Westen wünschen sich die verfolgten Christen nicht Geld oder Hilfen, „sondern dass wir unseren Glauben leben, da ihnen in Wahrheit das am meisten helfe“. Das ist eine erstaunliche Botschaft und eine Anfrage an uns. (Qu.: Die Tagespost, 17.06.17)

Hubert Gindert

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