„Das ist der Wille Gottes: Eure Heiligung!“ (1, Tess, 4, 3).

Dass Glaube und Kirchlichkeit in Westeuropa und in Deutschland nicht blühend dastehen, ist keine aufregende Neuigkeit. Ein deutscher Bischof sieht eine wesentliche Ursache dafür darin, dass die Christen Christus nicht mehr kennen. Diese Christen hören, wenn sie überhaupt kommen, in Predigt und Katechese ein weichgespültes Evangelium, in dem alle Sätze, die die Zuhörer stören oder beunruhigen könnten, eliminiert sind. Ähnlich ist es mit dem Religionsunterricht. Die Jugendlichen, die in dieser Zeit ihre Lebensentscheidungen treffen, empfinden Religion und Kirche zumeist als gähnend langweilig. Die authentische Botschaft Christi kennen sie gar nicht.
An Allerheiligen hat die Kirche der großen Schar jener Christen gedacht, die die Person Christi und sein Wort zum Kompass für ihr Leben genommen haben. Wer sich einmal die Mühe macht, das Leben eines Heiligen unter die Lupe zu nehmen, sieht, dass ihr Leben der Fahrt in einer Nussschale auf dem Ozean gleicht. Man kann eine solche Fahrt nur im festen Vertrauen auf den, für den man unterwegs ist, wagen. Das kann jeder nachvollziehen, der sich z.B. bei Paulus oder bei Mutter Teresa von Kalkutta umsieht.
Als Paulus bei Damaskus die Komfort-Zone eines angehenden Rabbiners verlassen hatte, wurde er gewahr, wie es dem ergehen kann, der sich Christus ausliefert. Im Zweiten Korintherbrief (11, 23 – 28) spricht er darüber. Er berichtet von seinen Mühsalen, von Gefängnissen, Todesgefahren, Auspeitschung, Schiffbruch, von den Gefahren durch reißende Flüsse, den Gefahren durch Räuber und durch die eigenen Volksgenossen und die falschen Brüder, von Hunger und Durst. Langweilig war sein Leben nicht. Auch Mutter Teresa hätte ein ruhiges Leben als Lehrerin einer renommierten Schule in Indien bis zu ihrer Pensionierung führen können, wenn sie nicht in den Gesichtern der Ärmsten Christus erkannt hätte.
Das Zweite Vatikanische Konzil spricht in der dogmatischen Konstitution „Christus, Licht der Völker“ im fünften Kapitel von der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit. Diese aufregende Botschaft wird durch das Wort des Apostels Paulus unterstrichen: „Das ist der Wille Gottes: Eure Heiligung!“ (1, Tess, 4, 3).
Nun ist das Leben eines Christen, der sich auf seine Berufung einlässt und dem Herrn nachfolgt, keine vorgefertigte Uniform. Die Lebensaufgabe ist für jeden maßgeschneidert. Auf die Frage „wie viele Wege es zu Gott gibt“, antwortete Kardinal Ratzinger einmal „so viele wie es Menschen gibt“.
Vor Silvester fassen viele Menschen auch heute noch gute Vorsätze für das nächste Jahr. Meist kreisen sie um die eigene Person und häufig überleben sie kaum den Jahresanfang. Auch beim Blick auf die Ereignisse des Kalenders 2017 steht schon vieles fest: Die üblichen Termine, die freien Tage, wozu auch Weihnachten, Ostern und Pfingsten gehören, der vorgebuchte Jahresurlaub, etc.. Alles wenig aufregend. Das Jahresende könnte aber auch Anlass sein, einmal über die eigene Lebensaufgabe nachzudenken und evtl. die zweite oder dritte Chance wahrzunehmen, die Gott uns gibt, und hellhörig das Wort aufgreifen, das Philippus an Nathanael richtete (Joh. 1,46): „Komm und sieh!“
Wir wünschen Ihnen
ein gesundes und
glückliches Jahr 2017
Ihr Hubert Gindert im Namen der Fels-Redaktion, Der Internet-Redaktion und der Facebook-Redaktion des Forums Deutscher Katholiken.

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Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland e.V. – Vorstellung eines wichtigen Gremiums

Der Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland ist ein gemeinnütziger Verein der in Deutschland lebenden Christen, die den orientalischen Kirchen angehören. Er wurde am 18.03.2013 in München gegründet und ist im Vereinsregister des Amtsgerichtes München unter der Bezeichnung „Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland e.V.“, kurz „ZOCD“, eingetragen.
Vorgeschichte
Viele orientalische Christen sind größtenteils aus dem Nahen Osten nach Deutschland gekommen, weil sie als christliche Minderheiten in ihrem Heimatland wenig Aussicht auf eine sichere Zukunft hatten. Als religiöse und politisch-verfolgte Randgruppe waren sie in ihrer Heimat oft verschiedenen Unterdrückungen ausgesetzt. Mit dem Wirtschaftswunder in Deutschland wurden in den 1960er Jahren zunehmend Arbeitnehmer aus dem Ausland gesucht und angeworben. Viele bedrängte Christen nutzten diese Gelegenheit und kamen als „Arbeitsmigranten“ nach Deutschland. Sie haben ihr Heimatland meist nicht aus wirtschaftlichen Gründen verlassen, sondern um der ständigen Gewalt auf religiöse Minderheiten und den daraus resultierenden schlechten Lebensbedingungen in ihrer Heimat zu entkommen; mit dem Ziel, sich später in der Bundesrepublik eine gut situierte und sichere Existenz aufzubauen.
Heute leben allein in Deutschland geschätzte 650.000 orientalische Christen, die sich fest eingebürgert und etabliert haben. Die orientalischen Christen haben sich immer um Anpassung und Integration in ihrer neuen Heimat bemüht. Viele, vor allem Angehörige der zweiten Generation, fühlen sich als Deutsche orientalisch christlichen Glaubens und nicht als Orientale im Exil. Die orientalischen Christen betrachten sich somit als Bürger der deutschen Gesellschaft und möchten gerne ihren Beitrag in den Bereichen: Integration, interreligiöser Dialog, kultureller Austausch und politisch-historische Aufklärung leisten.
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Christliche Weihnachtslieder singen, reicht nicht!

„Wir sind die Partei mit dem „C“ im Namen. Haben wir eigentlich noch Selbstbewusstsein?“, fragt die deutsche Bundeskanzlerin auf einem Landesparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommern in Wittenberg (kathnet 24.10.16). Eine bemerkenswerte Äußerung von Angela Merkel. Es geht aber weniger um „Selbstbewusstsein“, sondern, um die Frage, ob die CDU noch zu Recht das C in ihrem Namen führt. Einige erinnern sich noch an die Aufforderung von Kardinal Meisner, die CDU möge sich in „Volkspartei“ umbenennen, weil er das C nicht mehr als gerecht fertigt ansah. Angesichts der Wahlergebnisse der letzten Jahre in Bundesländern ist auch das Wort „Volkspartei“ schon etwas hoch gegriffen, denn eine Volkspartei gibt es nur mehr mit der CSU in Bayern.
Das C steht bekanntlich für „christlich“. In diesem Fall für die „Christlich Demokratische Union“. Der Punkt ist, ob die von der CDU-Bundeskanzlerin zu verantwortende Politik noch „christlich“ genannt werden kann? Ist das noch eine Politik, die dem christlichen Menschenbild entspricht? Ist es eine Politik, die mit der Soziallehre der katholischen und der evangelischen Kirche konform geht? Bei der Genderpolitik, die als Querschnittsaufgabe für alle Politikbereiche ausgegeben wird und die jetzt in der schulischen Sexualerziehung in den Bundesländern durchgeboxt wird, kann man das wohl kaum behaupten. Ist die immer stärker werdende Angleichung aller Formen des Zusammenlebens mit der Ehe noch mit dem C zu vereinbaren? Wohl kaum. Ist die fehlende Bereitschaft, die Abtreibungsregelung, die massenhaft „rechtswidrig“ zur Tötung ungeborener Kinder führt, wenigstens auf den Prüfstand zu stellen, wie es das Bundesverfassungsgericht fordert, „christlich“? Sicher nicht. Ist die beschlossene Regelung eines assistierten Suizids Ausdruck einer „christlichen“ Gesinnung? Wohl kaum. Können die zugelassenen Möglichkeiten der Embryonenforschung, bei der Menschen im Frühstadium wie Wegwerfmaterial behandelt werden, als „christlich“ verantwortbar deklariert werden? Nein!
Die aufgeführten Bereiche umfassen nicht das Insgesamt der politischen Aufgaben. Sie stellen aber einen Ausschnitt aus der von der Bundeskanzlerin zu verantwortenden Politik dar.
Das Wort von Angela Merkel: „Ich muss ihnen ganz ehrlich sagen: Wir haben doch alle Chancen und Freiheiten, uns zu unserer Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen“ reicht nicht aus. Es geht vielmehr darum, dieses Bekenntnis in praktische Politik umzusetzen. Das Singen christlicher Lieder hat schon mit „Beheimatung“ zu tun, aber es müsste weit mehr als Folklore sein. Sollte mit dem Singen christlicher Lieder auch „Volksfrömmigkeit“ gemeint sein, dann ist anzumerken, dass auch Volksfrömmigkeit den festen Boden der Glaubenslehre braucht. Um „christliches“ Selbstbewusstsein zu zeigen, muss man nicht zu Afd oder Pegida laufen, hat Angela Merkel gemeint. Wenn aber das C im Parteinamen nur mehr Teil des Aushängeschildes ist, kommt der Verdacht auf, dass der Zulauf zur Afd den Anstoß gegeben hat, wahltaktisch „christliches“ Selbstbewusstsein zu zeigen.

Hubert Gindert

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Bereit zur Selbstunterwerfung?

Was der Terror von Islamisten mit dem Koran zu tun hat, wird in Westeuropa und Deutschland heftig diskutiert. Der Politikwissenschaftler Hamet Abdel-Samad gilt als einer der „streitbarsten Islamkritiker“. Er studierte in Augsburg und war Mitglied der Islamkonferenz. Sein Buch „Der Koran – Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses.“ wurde mit dem Sacharow-Preis ausgezeichnet. Abdel-Samad gab der Augsburger Allgemeinen Zeitung (15.10.16) ein Interview mit der Überschrift „Was hat Terror mit Religion zu tun?“. Abdel-Samad äußert sich dazu wie folgt: … „Die Zahl der gewaltbereiten Islamisten wächst weltweit, auch in Europa und Deutschland. Selbstverständlich hat der Terror mit Geopolitik, mit ungelösten Konflikten in der Arabisch-Islamischen-Welt und sozialen Fragen zu tun. …aber das Ganze wäre nicht so gefährlich und bedrohlich für die gesamte Welt, wenn nicht dahinter eine Ideologie der Gewalt stehen würde. Diese Ideologie kommt leider aus dem Herzen des Islams … Im Koran sind tatsächlich, wie in einem Supermarkt alle möglichen Produkte enthalten … Es gibt darin Hass und Vergebung. Es gibt Mitgefühl und Ausgrenzung. Es gibt Frieden und Krieg … Das Problem ist aber, dass dieser Supermarkt als heilig und unantastbar gilt … Das Problem ist nicht, was im Koran im Einzelnen steht, sondern der Stellenwert, der dem Koran als solchem gegeben wird. Alles, was im Koran steckt, gilt als eine absolute Wahrheit, die Gott an die Menschheit geschickt hat. Als seine letzte Äußerung, als Manifest einer Gesellschaftsordnung, mit einer Rechtsordnung, mit einer politischen Weltordnung. Der Koran verlangt von den gläubigen Muslimen, dass sie das Wort Gottes in die Tat umsetzen. … Die Religion wird gebraucht, sie wird benutzt. Leider bietet sie sich dafür geradezu an. Der Islam ist beides zugleich: Eine Religion und eine politische Ideologie. Eine Ideologie, die Ungläubige für Unmenschen hält, sich über alle Religionen stellt und nicht den Menschen für den Gesetzgeber hält, sondern Gott höchstpersönlich. …Durch diesen Stellenwert wird der Koran zu einem machtpolitischen Instrument, der Krieg zu einem Gottesdienst erklärt und aus Hass eine heilige Mission macht… Natürlich ist die große Mehrheit der Muslime in der Welt friedlich … Das Problem ist aber, dass auch die friedliche Mehrheit darauf beharrt, dass das Buch unantastbar ist … Wenn ich mir Europa und Deutschland anschaue, gibt es bestimmte Entwicklungen, die mir Sorgen machen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ich bin sehr enttäuscht von meiner Universität Augsburg. Ich habe hier studiert und wurde mehrfach ausgezeichnet … Damals hat sich die Universität mit mir geziert. Jetzt wollte ich dort mit Studenten und Dozenten den politischen Diskurs führen, über das Gewaltpotential des Islam. Aber man wollte mich nicht. Auch an der Münchner Universität, wo ich früher selbst gelehrt habe, bekomme ich keine Räume für eine Veranstaltung. Ich wurde 2015 für mein Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus geehrt. Doch man rückt mich in die Nähe von Rechtspopulisten. Wenn die Mitte der Gesellschaft aus falsch verstandener Rücksicht nicht über die Probleme des Islams diskutieren will, überlässt sie den Diskurs den Rändern.“ Weiterlesen

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Anmerkungen zu „Letzte Gespräche“

Das Interview „Letzte Gespräche“ von Peter Seewald mit Papst Benedikt XVI. ist nur die Ouvertüre zu einer umfassenden Biographie über diesen Papst. Aus ihr lässt sich aber schon erahnen, dass die ganze Zeit¬epoche, die das Leben Benedikts umfasst, aufscheinen wird. Wer global denkt, wie der Papst der Weltkirche, kann sich nicht zu lange mit Details aufhalten. Ein solches ist die katholische Kirche in Deutschland und ihr aktueller Zustand. Trotzdem, auch Details in dem Buch „Letzte Gespräche“ werden in der großen Biographie wie in einem Vergrößerungsglas noch einmal auftauchen.
Auf Fragen von Peter Seewald hat Papst Benedikt XVI. in knappen, treffsicheren Aussagen zur Situation der katholischen Kirche in Deutschland Stellung bezogen. Das hat einigen Lordsiegelbewahrern des Status Quo, wie Daniel Deckers von der FAZ, nicht gefallen. Andreas Batlock SJ, Chefredakteur der „Stimmen der Zeit“ meinte sogar: „Dieses Buch sollte es nicht geben.“ Er sah in der Aussage Benedikts ein „stilloses und taktloses Verhalten“. Erzbischof Gänswein konterte darauf: „Getroffener Hund bellt.“
Womöglich hat Batlock bei den „Letzten Gesprächen“ an die angekündigte Gesamtbiographie gedacht, die, wie zu erwarten ist, auf der Bestsellerliste erscheinen wird, nach seiner Meinung aber auf den Index der verbotenen Bücher gehöre.
„Letzte Gespräche“ räumen zunächst mit verbreiteten Märchen auf, die in Deutschland von der säkularen Presse und von trendkonformen Katholiken für ihre Ziele instrumentalisiert werden. Gemeint ist das angeblich angespannte und schwierige Verhältnis zwischen dem Papst em. und dem regierenden Papst Franziskus, als würde die „Chemie“ zwischen beiden nicht stimmen. Weiterlesen

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„Habe ich heute schon an meine Kinder gedacht?“

In vielen Dokumenten sind Menschenrechte verankert. Eine Gruppe von Menschen ist dort häufig ausgenommen: Kinder vor der Geburt. Außer mit Verweis auf ein Dokument von 1959 in der Präambel der Kinderrechtskonvention zum Beispiel gelten die Artikel selbst alle ab der Geburt.
Auch das Lebensrecht alter und kranker Menschen ist bedroht. In Deutschland wurde der assistierte Suizid, nicht gewerblich und nicht auf Dauer angelegt, zulässig. Einmal im Jahr, zum Beispiel bei einer Erbtante, geht aber in Ordnung. Mit diesem Gesetz kann ich meiner pubertierenden Tochter, die sich aus Liebeskummer aus dem Fenster stürzen will, den störenden Blumentopf zur Seite räumen, statt sie von ihrem Vorhaben abzubringen.
Experten prophezeien, dass die Hemmschwelle für Selbstmord sinken wird, weil die Sicherheit, dass es „klappt“, steigt – es gibt ja Hilfe. In Ländern, wo Euthanasie legal ist, steigen die Zahlen: Im Jahr 2010 wurden in den Niederlanden 3.800 Euthanasiefälle registriert, 2014 waren es 5.033, davon 25 % ohne Einwilligung der Getöteten. Dort gibt es inzwischen Sterben auf Rädern, Lebensendkliniken, Euthanasie für schwerstkranke Neugeborene und Jugendliche.
Zurück zum Anfang des Lebens: Abtreibung ist die größte Todesursache der Welt, mit über 40 Millionen toten Kindern in jedem Jahr. Dass es sich hier um ein Kind handelt, ist für uns selbstverständlich – kein Arzt sagt einer Frau: Herzlichen Glückwunsch, Sie bekommen einen Zellhaufen. Andere, die sich zum Beispiel in UNO-Organisationen oder bei der EU sammeln, sehen das anders, sie fordern Abtreibung als Frauenrecht und bieten „Home Abortion“ mit der Abtreibungspille RU 486 an.
Was bedeutet Schwangerschaft heute? Dazu möchte ich Ihnen zwei ganz normale Beispiele der Notrufberatungsstelle vitaL – Es gibt Alternativen geben:
Eine Stewardess, weinerliche Stimme, kann sich nicht vorstellen, das Kind zu bekommen. Sie fühlt sich zu jung, möchte das Leben noch genießen. Sie will wissen, wie eine Abtreibung abläuft.
Frau in der 7. SSW. Sie ist umgezogen und seit kurzem mit ihrem Freund zusammen. Dieser freut sich auf das Baby. Er ist fertig mit dem Studium und hat eine Arbeitsstelle. Sie möchte ein neues Studium beginnen und „es passt gerade nicht“.
Jede Situation ist anders, viele Komponenten spielen eine Rolle, aber ein Faden durchzieht die meisten dieser Lebenssituationen: das Gefühl, alleingelassen zu sein, die Angst vor der Zukunft. Immer öfter beinhaltet die Lebensplanung keine Kinder. Schwangerschaft gilt dann als Problem und Ende des bisherigen Lebens.
Wie sieht es international aus?
Die Senkung der Müttersterblichkeit (MS) spielt hier eine große Rolle, ein Millenniumsziel. MS bezeichnet Todesfälle auf 100.000 Geburten (während Schwangerschaft und Geburt bis 42 Tage nach Ende der Schwangerschaft). Etwa 300.000 Mütter sterben jährlich unter diesen Umständen, darunter angeblich 13% wegen unsicherer Abtreibung. Manche Organisationen schlagen als Lösung den sicheren und legalen Zugang zu Abtreibung vor. Bei der Betrachtung verschiedener Länder stellt man jedoch fest, dass von der Tendenz her die MS eher dort niedriger ist, wo Abtreibung verboten ist (Irland, Malta; Mauritius; Chile; Philippinen). Hoch ist sie tendenziell eher in Ländern mit legaler Abtreibung, zum Beispiel Guayana, Südafrika (hier auch wegen Aids), Bangladesch. Obiger Lösungsvorschlag kann folglich in dieser Pauschalität nicht funktionieren und ist möglicherweise eher der Ideologie als der Vernunft geschuldet.
Auch die Diskriminierung von Mädchen wird bei der Abtreibung hingenommen: Beim „Social Sexing“ wünscht sich die Familie ein Geschlecht, in der Regel das männliche – Mädchen werden abgetrieben. Das findet sich in China, Südkorea, Indien, Armenien, Aserbeidschan und Georgien, auch Großbritannien hatte einen solchen Skandal. In China und Indien wurden bis 2012 85 Millionen Mädchen abgetrieben. China hat für seine Ein-Kind-Politik (mit Zwangsabtreibungen bis zur Geburt) 1983 von der UNFPA (United Nations Population Fund) eine Auszeichnung erhalten. Seit 1979 wurden in China 400 Millionen Geburten „verhindert“.
Massen-Abtreibungen haben einen neuen Markt geschaffen: Die Verwertung der abgetriebenen Kinder. Von Zellsuspensionen für Verjüngungskuren über Organnutzung bis hin zur Nutzung von Kinderzellen für die Prüfung von Medikamenten und Geschmacksstoffen ist eine Verwertungsindustrie entstanden.
In den USA wurde eine solche Geschäftsbeziehung aufgedeckt. Lebensrechtler vom Center for medical research ließen sich von Planned-Parenthood-Vertretern bei Rotwein und Salat schildern, wie man am besten abtreibt, um bestimmte Organe zu erhalten. Für Hillary Clinton veranstaltete Planned Parenthood übrigens eine Love-Party, auf der sie versicherte: „I will always defend Planned Parenthood. (…) I believe we need to protect access to safe and legal abortion.“ Volle Unterstützung also für die Organisation und die Beibehaltung der sicheren und legalen Abtreibung.
Die ideologiefreie Wahrheit der Abtreibung ist: Jedes Mal ein totes Kind, jedes Mal eine verletzte Frau, jedes Mal eine beschädigte Familie.
Was können wir persönlich tun?
Vermitteln Sie, dass Schwangerschaft etwas Positives ist! Auch wenn es Ihre 16-jährige Tochter oder der Sohn der Nachbarn ist, die Sie nicht leiden können. Bieten Sie Hilfe an.
Werden Sie Karteileiche in einem Lebensrechtsverband, gerne auch aktiv! Jedes Mitglied gibt mehr Gewicht. Unterstützen Sie vitaL, ALfA, Projekte und Organisationen mit Geld! Pecunia non olet.
Gehen Sie auf die Straße! Zum Beispiel am 16.09.2017 beim Marsch für das Leben in Berlin.
Was werden wir unseren Kindern also sagen, wenn wir einst im Lehnstuhl sitzen, leicht erschöpft?
Wir haben gekämpft und hatten Erfolg! Du bist gewollt, so wie du bist, ohne Einschränkungen und immer. Pro Familia? Ach, das war mal so ein merkwürdiger Verein. Aber der wurde im Jahr 2020 aufgelöst.

Alexandra Maria Linder M.A.

Die Autorin fasst im nachstehenden Text einige Gedanken ihres Vortrags, den sie auf dem Kongress „Freude am Glauben“ am 23. April 2016 in Aschaffenburg gehalten hat, zusammen. Ihr Thema „Habe ich heute von der Zukunft meiner Kinder geträumt?“ ist ein Zitat von Papst Franziskus. Alexandra Maria Linder ist Bundesvorsitzende der „Aktion Lebensrecht für Alle e.V.“ (ALfA). Frau Linder spricht auf dem Kongress am 7. Juli 2017 über das Thema „Nur die Sache ist verloren, die man aufgibt – über die Lebensrechtsarbeit im 21. Jahrhundert“.

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Reformer und Wegbereiter in der Kirche – Joseph Görres (1776 – 1848)

Josepf Görres, Publizist, der der katholischen Kirche eine Stimme gab. Am Vorabend der französischen Revolution wurde Joseph Görres am 2. Januar 1776 als ältestes von acht Geschwistern in Koblenz geboren. Mehr als 40 Jahre seines Lebens verbrachte Joseph Görres in Koblenz. Daher rührte seine Bodenständigkeit und seine Vertrautheit mit der Kultur und Lebensart am Rhein. Görres erlebte in seiner Kindheit ein einfaches und elterlich wohlgeordnetes Familienleben. Mit zehn Jahren wurde er an dem von Jesuiten geführten Gymnasium in Koblenz angemeldet. Dort lernte Görres besonders das aufklärerische Fortschrittsdenken des 18. Jahrhunderts kennen. Schulisch unterfordert betrieb er eigene Studien in Geschichte, Geographie und Naturwissenschaften. 1793 verließ Görres das Gymnasium, um in Bonn Medizin zu studieren, was wegen der Wirren der Zeit jedoch nicht möglich war. So blieb er zu Hause (bis 1799) und bildete sich selbst weiter in Medizin, Mathematik und Naturwissenschaften. 1794 besetzten die Franzosen Koblenz. In dieser Zeit schwärmte Görres für die ldeale der Französischen Revolution –– Freiheit und Gleichheit. Er fühlte sich berufen, als philosophischer Politiker der Menschheit den Weg zu einer sittlichen Bestimmung zu zeigen. Nach dem Einmarsch der Franzosen ins Rheinland (1794) nutzte Görres die damit gegebene Möglichkeit, seine Ideen öffentlich zu äußern. Er wurde Publizist. Seine Schriften offenbaren Revolutionsbegeisterung: die überkommenen Herrschaftsstrukturen von Staat und Kirche werden abgelehnt. Frankreich wird als Heimat der Menschheit betrachtet, von wo aus sich Freiheit und Republikanismus zum Wohl der Menschheit verbreiten werden. Er setzte sich für den Anschluss der linksrheinischen Gebiete an Frankreich ein.
Seine Begeisterung für die französische Revolution änderte sich allerdings sehr rasch, als Revolutionstruppen das Rheinland besetzt hatten und er wegen Protestes mit 20 Tagen Haft bestraft wurde.1799 lernte er die Vorgänge in Paris mit der Machtergreifung Napoleons mit wachen Sinnen kennen. Er warnte nun die Bürger publizistisch vor den Folgen einer Revolution. Die Zukunft liegt nicht in der Umsetzung revolutionärer Ideen, sondern in den Wurzeln der Kultur der Menschen. Er vertieft seine Studien in Richtung eines Universalwissens und lehrt als Professor in Heidelberg Philosophie, Physiologie und Anthropologie.
Nach der Völkerschlacht von Leipzig gründet er den Rheinischen Merkur, das Presseorgan für die geistige, religiöse und politische Freiheit.
Als nach dem Wiener Kongress die politische Restauration erfolgte, attackierte Görres den absolutistischen Geist und bürokratische Schikanen. Als Folge wurde der Rheinische Merkur verboten, Görres ging ins Exil. Dort fand Görres, der sich aufgrund des ursprünglich revolutionären Geistes von der katholischen Kirche entfernt hatte, durch seine Studien, die genaue Betrachtung der geschichtlichen Ereignisse und die Unterscheidung der Geister mit der ganzen Familie wieder zur Kirche (1824) zurück. Jetzt plädierte er für einen Ausgleich zwischen Staat und Kirche. Presseorgan wurde (1826) „Der Katholik“. Seine Grundüberzeugung war, dass ein lebensfähiger Staat mit Zukunft nur auf der Grundlage der Religion in Verbindung mit der Kirche gelinge.
Seine nachhaltigste Schrift wurde „Athanasius“, mit der er fair und deutlich die preußische Regierung angriff, die den Kölner Erzbischof auf der Festung Minden internierte. Für den Erzbischof war die von der preußischen Regierung aufgezwungene Mischehenregelung unannehmbar.
König Ludwig I. von Bayern berief Görres schließlich an die Universität in München, wo Görres eine ganze Generation von Studenten geistig, geistlich und politisch prägte. König Ludwig I. erhob ihn in den Adelsstand. Am 29. Januar1848 starb Joseph Görres und fand sein Grab in München.
Ohne Lernbereitschaft, Wertbewusstsein, Überzeugungskraft und Mut hat keine Gesellschaft Überlebenschancen.„Das Volk, welches seine Vergangenheit von sich wirft, entblößt seine feinsten Lebensnerven allen Stürmen der wetterwendischen Zukunft“ (J. Görres im Rhein. Merkur, 11. Sept. 1814)

Gerhard Stumpf

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Das Credo von der Selbsterlösung

Am 10. September hat Papst Franziskus zu den Menschen auf dem Petersplatz über die „Wahre Freiheit“ und über neue Formen der Versklavung gesprochen. Franziskus: „Im Namen einer falschen Freiheit bleibt der heutig Mensch Gefangener neuer Versklavungen. Er weist das Geschenk der Erlösung, das von Gott kommt, zurück. Das Wort Erlösung“, so der Papst, „wird wenig gebraucht. Trotzdem ist es fundamental, weil es die radikalste Befreiung aussagt, die Gott für uns, für die ganze Menschheit und Schöpfung, geben konnte. Es scheint, dass der heutige Mensch ungern denkt, dass er durch das Eingreifen Gottes befreit und gerettet wurde. In der Tat gibt sich der heutige Mensch der Illusion von einer eigenen Freiheit hin, als einer Kraft, mit der er alles erreichen kann. Er rühmt sich dessen. In Wahrheit ist es aber nicht so. Wie viele Phantastereien werden unter dem Vorwand von Freiheit angeboten und wie viele neue Versklavungen werden in unseren Tagen im Namen einer falschen Freiheit geschaffen?“ (OR, 16.9.2016, Nr. 37, spanische Ausgabe)
Die Versuchung des heutigen Menschen hat auch Papst Benedikt XVI. in seinem Buch „Jesus von Nazareth“ thematisiert. Papst Benedikt schreibt: „Der Kern aller Versuchung ist das Beiseiteschieben Gottes, der neben allem vordringlicher Erscheinenden unseres Lebens als zweitrangig, wenn nicht überflüssig und störend empfunden wird.“ Die eigentliche und schwerste Versuchung, die den Menschen bedroht, besteht für Benedikt darin, „die Welt aus Eigenem, ohne Gott, in Ordnung zu bringen, auf das Eigene zu bauen, nur die politischen und materiellen Realitäten als Wirklichkeiten anzuerkennen und Gott als Illusion beiseite zu lassen“ (Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, S. 57) Weiterlesen

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Lobt Gott, ihr Christen allzugleich in seinem höchsten Thron

Lobt Gott ihr Christen allzugleich in seinem höchsten Thron,
der heut schleußt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn.

Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein,
er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein.

Er äußert sich all seiner Gewalt, wird niedrig und gering
und nimmt an sich eins Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding.

Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein!
Wie könnt es doch sein feundlicher das Herzejesulein?

Heut schleußt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis;
der Cherub steht nicht mehr dafür, Gott sei Lob, Ehr und Preis!

(Nikolaus Herman ca. 1550)

Prof. Hubert Gindert und das Team des Forums Deutscher Katholiken wünscht allen Mitgliedern, Freunden, Lesern und allen Menschen auf Erden eine frohe und gesegnete Weihnacht mit allem Licht des göttlichen Kindes aus der Krippe in Bethlehem. Erinnern wir uns gerade in diesen Tagen daran, dass das Kind in der Krippe der Friedensfürst ist, der einst alles vollenden wird.

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Mitten in der Stadt den Menschen begegnen. Zukunftsträchtige Wege der Evangelisation heute.

Mitten im Zentrum der bayerischen Stadt Ingolstadt befindet sich die gotische Pfarrkirche St. Moritz, in einer Fußgängerzone, umgeben von vielen Geschäften. Es ist also tagsüber immer viel Betrieb auf den Straßen, und auch abends sind etliche Passanten unterwegs. Nicht von ungefähr wurde die St.-Moritz-Kirche auch schon mehrfach ausgesucht, um dort das „Nightfever“ zu veranstalten, wo Jugendliche die Passanten einladen, Christus im Gotteshaus zu begegnen. In Ingolstadt trafen sie in der Kirche in der Fußgängerzone überraschend viele, die gern dieser Einladung folgten.
Jetzt zum Ende des Barmherzigkeitsjahres hat sich Udo Pabst von der Cityseelsorge ein neues Projekt an der Moritzkirche überlegt, um Menschen wieder neu zum Glauben hinzuführen. Es geht darum, die Barmherzigkeit Gottes wieder neu zu entdecken und dadurch auch einen neuen Zugang zum Bußsakrament zu erhalten. Unterstützt wird Pabst, der hauptberuflich als Religionslehrer tätig ist, dabei von zwei Priestern aus Ingolstadt, die auch zu den „Missionaren der Barmherzigkeit“ gehören, die Papst Franziskus ernannt hat. Unter ihnen ist Dr. Lorenz Gadient, Seelsorger am Klinikum Ingolstadt.
Gemeinsam mit Udo Pabst steht immer einer der beiden Priester am Donnerstagabend vor der Kirche. Auf dem Platz befindet sich, umgeben von einigen Kerzen und einer Laterne, ein Schild, auf dem zu lesen ist: „Herzlich willkommen! Hier in der Kirche können Sie zur Ruhe kommen oder mit uns ins Gespräch kommen. Haben Sie ein Gebetsanliegen oder einen Segenswunsch?“
Und im Rahmen seiner neuen Aufgabe hat der Klinikseelsorger da auch schon interessante Erfahrungen gemacht – als etwa jemand zu ihm gekommen ist, der glaubte, seine Sünde sei so schlimm, dass sie gar nicht vergeben werden kann und deshalb auch nie zur Beichte ging. Jetzt aber wurde ihm, so Gadient, die Erfahrung geschenkt, dass alles vergeben ist. Weiterlesen

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