Maria, Jungfrau und Gottesmutter. Bericht über die 25. Augsburger Theologische Sommerakademie 2017

„Maria, Jungfrau und Gottesmutter – Ihre Bedeutung für die Kirche und die Menschheit“ war das Thema der diesjährigen 25. Theologischen Sommerakademie, die vom 13. bis zum 16. September in Augsburg stattfand. Es ging diesmal in erster Linie um die Bedeutung, die Maria für unsere Frömmigkeit und unser Leben als Christ hat, die großen dogmatischen Themen wie die Jungfräulichkeit oder der Anteil der Gottesmutter am Erlösungswerk wurden eher am Rande gestreift, was nicht bedeutet, dass sie den Referenten unwichtig waren, denn sie wurden immer mitgedacht. Aber vor allem bot diese Akademie den Teilnehmern die Möglichkeit, der Gottesmutter zu begegnen: Wie können wir dadurch, dass wir auf sie schauen und mit ihr gehen, in unserem Glauben an Gott Stärkung erfahren? Gerade aufgrund dieser Perspektive gab die Augsburger Akademie wieder frische Impulse, den Glauben zu vertiefen und zu leben.
Wegweisende Königin des Himmels und Vorbild im Glauben
Das marianische Thema war gerade auch deshalb gewählt worden, weil es in diesem Jahr 100 Jahre her ist, dass in der portugieischen Ortschaft Fatima die Gottesmutter erschien. So sollte auch Fatima im Mittelpunkt des ersten Vortrags stehen, den der wissenschaftliche Leiter der Akademie Prof. Dr. Dr. Anton Ziegenaus hielt. Der emeritierte Augsburger Dogmatiker und ausgezeichnete Kenner der Geschehnisse in dem bedeutenden Wallfahrtsort sprach zum einen über die Ereignisse des Jahres 1917, deutete dann aber auch die Botschaft von Fatima für unsere Zeit. So verwies er nicht nur auf das im letzten unerklärliche Sonnenwunder, das unzählige Anwesende in maßloses Staunen versetzte, sondern er machte auch deutlich, wie die Wallfahrt dorthin unaufhörlich wuchs, trotz massiver Repressalien durch die portugiesische Regierung und wegen unwegsamen Geländes. Die Mutter Gottes erwies sich letztlich als die Stärkere. Für unsere Zeit hat die Botschaft von Fatima, so Prof. Ziegenaus, gerade im Blick auf die letzten Dinge, also die Themen Himmel, Hölle, Fegefeuer, ihre besondere Bedeutung. Einerseits soll dadurch die Sehnsucht nach dem Himmel geweckt werden – beispielhaft waren die Seherkinder, die trotz ihrer Jugend auf die Ewigkeit hin dachten. Aber sie wollten auch einen Beitrag leisten, damit andere vor der Hölle bewahrt werden und waren daher bereit, ihre Leiden aufzuopfern. Fatima zeigt: Die Bereitschaft zum Sühneleiden ist ein ganz heroischer Akt der Nächstenliebe und vermag auch schwerem Leid einen Sinn abzugewinnen. Weiterlesen

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Die Problemlösung heißt Verzicht!

Die Zeitungsüberschrift „Jeder zweite Schüler steht unter Stress“ (Augsburger Allgemeine Zeitung, 2.9.2017) bezieht sich auf die Studie „Präventionsradar 2017“, die von der Krankenkasse DAK bei knapp 7000 Schülern der 5. bis 10. Klassen in sechs Bundesländern durchgeführt wurde. Danach leiden 43% der Schüler unter Stress. Viele Schüler empfinden den Unterricht als eine enorme Belastung. Liegen die Ursachen tatsächlich in der Schule? Erfahrene Pädagogen wie Josef Kraus, langjähriger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Leiter eines Gymnasiums, sehen das anders. Kraus spricht von einem „Jammern auf hohem Niveau“. Studienleiter Hanewinkel sieht „eine ganze Reihe von Wechselwirkungen am Werk“. Der „Konsum von Alkohol, Tabak und Marihuana erreichen ein bedenkliches Ausmaß“. Wissenschaftler vermuten, „dass die Schüler ihren Stress bereits von Zuhause mitbringen“: „Junge Leute, die in schwierigen Umständen aufwachsen, keine geregelten Tagesabläufe kennen, sich schlecht ernähren, wenig schlafen und ihre Freizeit vor dem Bildschirm, statt auf dem Spielplatz verbringen, sind besonders gefährdet.“
Ein Hauptfaktor für Stress ist die unersättliche Gier nach News. Wir wissen von anderen Untersuchungen, dass junge Menschen Stunden mit Fernsehen und mit Smartphones verbringen. Wie heißt die Problemlösung? Der berichtende Journalist schlägt vor: „Um den Teufelskreis zu durchbrechen und mehr schulische Chancengerechtigkeit zu erreichen, dürften sich unsere Bildungspolitiker durchaus etwas mehr Stress machen.“ Warum die Bildungspolitiker? Man könnte es viel einfacher ausdrücken. Die Problemlösung heißt Verzicht. Aber das traut man sich offensichtlich nicht mehr zu sagen.

Hubert Gindert

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Adolf Anton Falkowski: „Fragt mich nicht.“

Wie grausam die Nationalsozialisten Katholiken verfolgt haben, zeigt uns das Schicksal von Adolf Anton Falkowski. Sein Leben zeigt uns aber auch, unter welchen Opfern damals Menschen Christus die Treue gehalten haben.
Adolf Anton ist am 30. Juni 1917 in Mainz als Sohn des Schneidermeisters Falkowski und dessen Ehefrau Franziska geboren. Er besuchte die Oberschule. 1934 musste er in die Hitler-Jugend (HJ) eintreten, weil er von der Zahlung des damals üblichen Schulgeldes befreit war. Schule und HJ waren eine Qual für den jungen Mann, weil er ständig wegen seiner Religion verspottet wurde, besonders nachdem er bekannt hatte, dass er Priester werden wolle. In einem Schulaufsatz 1935 hatte Adolf Falkowski geschrieben: „Es ist eine Freude, wenn man hört, dass die Eintritte junger Theologen in die Priesterseminare sich nicht verringern, auch dann nicht, wenn eine falsche Welt von Großsprechern dem Priesterstand erlogene Verbrechen vorwirft.“ Das war eine mutige Kampfansage an die Nationalsozialisten in der Schule. Doch die Schule schlug zurück. Die Schulleitung wollte ihn aufs Glatteis führen und vor Zeugen erklären lassen, wen er mit den Ausdrücken „falsche Welt“ und „Großsprechern“ meine. Da Falkowski auf diese Fangfragen nicht einging, protokollierte der Direktor: „Die Ausführungen seines Aufsatzes beweisen seine gegnerische Einstellung zum nationalsozialistischen Staat, weshalb ich empfehle, auf diesen jungen Mann einzuwirken und ihm den Zugang zu dem in Aussicht genommenen Beruf zu versperren.“
Der Druck auf den Schüler wurde so stark, dass er rasch zu seinem Onkel nach Straßburg fliehen musste. Dort lebte er sich gut ein. Aber als 1936 der Einberufungsbefehl zum Militär bei seinen Eltern eintraf, wagte er nicht, diesen Befehl zu ignorieren. Außerdem hoffte er, dass über die früheren Auseinandersetzungen Gras gewachsen sei. Deshalb kehrte er am 1. Juli 1936 nach Deutschland zurück. Als er am nächsten Tag von der Frühmesse ins Elternhaus zurückkam, warteten dort bereits zwei Polizisten auf ihn. Falkowski wurde umgehend in das KZ Dachau transportiert. Erst im Frühjahr 1939 durfte er kahl geschoren und krank wieder nach Hause. Auf die besorgten Fragen seiner Angehörigen, wie es in Dachau gewesen sei, antwortete er nur kurz: „Fragt mich nicht.“ Wer das Glück hatte, aus dem KZ entlassen zu werden, musste nämlich unterschreiben, dass er über die Zustände dort nichts berichten werde. Andernfalls müsste er sofort wieder zurück ins KZ. Die Nationalsozialisten wollten einerseits, dass ihre Grausamkeiten nicht bekannt würden, andererseits aber sollten sie doch vor einem möglichen aktiven Widerstand abschrecken. Bei Kriegsbeginn 1939 wurde Falkowski zum Militär eingezogen. Er kam eine Strafkompanie für besonders gefährliche Einsätze, wo man kaum eine Überlebenschance hatte. Wann und wo er gefallen ist, wurde nicht bekannt. Sicher ist nur, dass er den Krieg nicht überlebt hat. Seine Angehörigen in Mainz sind bei einem Bombenangriff ebenfalls ums Leben gekommen.
Das Schicksal von Adolf Anton Falkowski zeigt, dass die Nationalsozialisten jeden Widerstand schon im Keim erstickten. Daher bleibt sein Heldenmut bewundernswert. Die Nationalsozialisten konnten sein Leben auslöschen, nicht aber seinen Geist.

Eduard Werner

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„Ist einer unter euch krank – dann rufe er die Priester“ (Jak 5,14-15)

Jesu Heilswirken an den Kranken geht tiefer, als ihnen die Gesundheit wieder zu schenken. Durch Seine Zeichen und Machttaten offenbart Er sich als Erlöser und Gott. Jesus will die Menschen von ihrer schwersten Krankheit befreien: der Sünde und Gottverlassenheit. Zudem zeigt uns die Heilige Schrift, dass gerade die Gerechten wie Jesus und die Gottesfürchtigen, wie etwa die Propheten, die Apostel und die Gottesmutter leiden müssen. Sie leiden aus Liebe für die Schuld anderer, die ihnen durch ihre Sünden schwer zusetzen. Im jüdischen Denken waren Sünde und Krankheit eng verbunden. Manche werden krank wegen ihrer Sünden, andere wegen der Sünden ihrer Vorfahren. Niemand werfe hier den ersten Stein, denn wir kennen die genauen Zusammenhänge nicht und sind alle Sünder. Wir alle leiden unter den Folgen der Erbsünde, unserer eigenen Sünden sowie der Sünden anderer Menschen. Wir verbessern hier nichts durch das Anklagen, was wiederum eine Sünde ist, sondern indem wir mit der Gnade und der Hilfe Gottes uns selbst anstrengen und bessern.
Jesus hat uns nicht das Paradies auf Erden versprochen, sondern das ewige Leben beim Vater, das wir durch die Kreuzesnachfolge erlangen. Er lässt uns dabei aber nicht alleine, sondern ist uns als Vorbild vorangegangen. Der Herr begleitet uns durch Seine Gnaden und Sakramente. Jesus sendet die Apostel zu den Menschen. Die Apostel predigen die Umkehr, salben die Kranken mit Öl und heilen sie (Mk 6,12f). Damit ist sicherlich auch im Zusammenhang mit der Predigt von der Umkehr eine innere Heilung intendiert. Die Bischöfe und die Priester stehen in der Nachfolge der Apostel und haben die gleichen Aufgaben. Im Jakobusbrief (5,14f) ist dies deutlich beschrieben: Die Schwerkranken sollen die Presbyter (= Priester) rufen. Diese beten über sie und salben sie mit Öl. Der Herr wird die Kranken retten, aufrichten, sowie die Sünden vergeben. Mit Rettung ist im Neuen Testament neben der Bewahrung vor dem zeitlichen Tod auch die Bewahrung vor dem ewigen Tod gemeint. Aufrichten bedeutet in der schweren Krankheit eine Stärkung durch Gott. Da die von Jesus Christus nach seiner Auferstehung eingesetzte heilige Beichte das Sakrament der Sündenvergebung ist (Joh 20,22f), ist dieses Sakrament vor der Krankensalbung zu spenden, wenn dies dem Kranken möglich ist. Wenn nicht, so ‚muss’ und wird er die heilige Beichte sobald es ihm wieder besser geht, nachholen, um seine Sünden zu bekennen und um die vielen schönen Gnaden, die Gott ihm schenken will, zu empfangen. Weiterlesen

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Paul Josef Kardinal Cordes: „Christus will neue Zuversicht geben“. Predigt beim Abschlussgottesdienst des Kongresses „Freude am Glauben“ 2017

Im Evangelium dieses Sonntags haben wir eben einen bei den Synoptikern wirklich ungewöhnlichen Abschnitt gehört. Der Herr öffnet den Jüngern sein Herz. Die Seinen erfahren Jesu ganz persönliches und kostbarstes Geheimnis. Er lässt sie wissen, wie er in der Tiefe seines Wesens zu seinem Vater steht. Und zwar mit einem Jubelruf. Die Jünger sind sogar einbezogen in dieses Preisgebet; mehr noch: sie sind der Grund für Jesu Freude. Jesu Sprachstil hebt mit größter Feierlichkeit an. Der gewählte Ton fällt heraus aus der nüchtern-sachlichen Art, die sonst die drei ersten Evangelien kennzeichnet. Man hat darum diesen Abschnitt auch eine „johanneische Weise der Jesus-Überlieferung“ genannt. Wir wollen die Sätze noch einmal hören und andächtig in uns aufnehmen: „Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil Du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber geoffenbart hast.“
Was treibt den Herrn zu solchem Enthusiasmus? Er dankt dem Vater, weil die Jünger etwas von Jesu Größe erahnen. Sie nehmen sein Geheimnis wahr. Das heißt doch: Jesus Christus möchte erkannt werden. Und zwar in ganz persönlicher Zuwendung und Anhänglichkeit. Christsein ist demnach nicht zuerst eine Einordnung in die Religionsstatistik, in die Zugehörigkeit zu einer Konfession, in die Mitgliedschaft einer Gemeinde oder der Kirche. Es ist persönliche Verbundenheit mit Jesus Christus, Aufmerksamkeit für ihn, die Vertrautheit mit ihm. Jemand gibt dem Sohn des allmächtigen Gottes Grund zum Jubel, wenn er mit wachem Interesse und liebender Annäherung Christus entgegengeht.
Jesu Wort galt nicht nur vor 2000 Jahren für die, die ihm damals folgten. Er wünscht auch von uns heute solche Sympathie. Wohl ist er zu seinem Vater heimgekehrt, doch mit seiner ganzen Menschheit, mit seinem Empfinden und Fühlen. Sein Geständnis muss uns wie das eines Freundes treffen. Es drängt uns dazu, uns für ihn Zeit zu nehmen, ihm unser Interesse und unsere Neugier zu schenken, uns ihm zuzuwenden in der Art von Liebenden.
Jesu Preisgebet lässt noch anderes Bemerkenswerts erkennen. Der Herr geht davon aus, dass es zu ihm unterschiedliche Zugehörigkeiten gibt. Da ist der Kreis derer, denen der Vater Jesus offenbart hat. Und da sind die andern, die gleichsam draußen stehen. Fraglos möchten wir alle zu den Erwählten zählen. Wer möchte nicht ein Grund sein dafür, dass Christus jubelt und dem Vater dankt: „Vater, ich preise Dich“! Dann aber können wir jetzt nicht umhin, uns nach unserm Ort in Jesu Nachfolge zu fragen: Gehören wir zu denen, die der Herr die „Unmündigen“ nennt? Denn sie sind es ja, die ihn frohlocken lassen: „Vater, Du hast alles den Unmündigen geoffenbart“. Weiterlesen

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Wenn Brandstifter Biedermann spielen

Wir leben in einer Zeit der verkehrten Frontstellungen.
Die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ) brachte am 27.10.17 unter der Überschrift „Der Papst braucht Unterstützung“ ein Interview mit Christian Weisner. Im Untertitel heißt es : „Warum und wie Christian Weisner von „Wir sind Kirche“ Franziskus in seinem Reformkurs bestärken will“.
Christian Weisner und die Bewegung „Wir sind Kirche“ sind seit 1995, als sie das sogenannte „Kirchenvolksbegehren“ inszenierten, keine Unbekannten.
Dass ihr „Kirchenvolksbegehren“ 1995 mit seiner Unterschriftenaktion 1,8 Mio Stimmen erreicht hat, liegt an drei Umständen: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hatte mit seiner Agitation für „Demokratie in der Kirche“ , unter Anette Schavan als Vorkämpferin, Jahre vorher den Weg dafür geebnet. Die religiöse Unwissenheit des Großteils der Katholiken und die fehlende Bereitschaft der Bischöfe über die wahren Absichten der „Kirchenvolksbegehrer“ aufzuklären, ließ die Gläubigen ins Messer laufen. Dieses Verhalten der Bischöfe ist auch deswegen unverständlich, weil im Jahr zuvor in Österreich dieselbe Unterschriftenaktion mit einem Ergebnis von rd. 500.000 Stimmen über die Bühnen ging und alle Diözesanbischöfe von einer Gegeninitative angeschrieben und um eine Hirtenwort gebeten wurden, um die Gläubigen aufzuklären. Es geschah nichts. Ein Frau schrieb damals: „Sollen die Schafe die Hirten hüten?“ Hinzu kam die mediale Unterstützung der „Kirchenvolksbegehrer“ Selbst in lokalen und regionalen Blättern wurde ihre Botschaft ins letzte Dorf getragen und die Stellen angegeben, in denen man sich in die Unterschriftenlisten eintragen konnte. Weiterlesen

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Wir sind nur Gast auf Erden. Gedanken zu Allerseelen

Ein König gab eines Tages seinem Hofnarren einen Stab. „Sieh her“, sagte er, „das ist der Stab der Dummheit. Er gebührt dir. Wenn du aber meinst, es gäbe jemanden, der noch dümmer ist als du, gib ihm diesen Stab. Denn dann brauchst du nicht mehr als der Dümmste in meinem Reich zu gelten. Der Hofnarr nahm den Stab und machte sich auf den Weg. Lange Jahre suchte er. Aber er fand niemanden, der ein noch größerer Narr gewesen wäre als er selbst.
Überraschend wurde der König sehr krank und es hieß, dass er bald sterben müsse. Da ließ er seinen Hofnarren zu sich rufen und seufzte: „Ich gehe jetzt bald in ein fernes Land und kehre nie mehr zurück.“ Erstaunt fragte der Narr: „Hast du denn gewusst, dass du eines Tages in dieses ferne Land auswandern musst?“ – „Ja, das habe ich gewusst“, erwiderte der König. – „So hast du dich sicherlich gut vorbereitet und Vorsorge getroffen, dass du in diesem neuen Land eine gute Aufnahme findest und es dir dort gut geht?“ forschte der Hofnarr weiter. Da schüttelte der König traurig seinen Kopf. „Was, das hast du nicht?“ sagte der Narr. Und er griff in seinen Mantel, holte den Stab der Dummheit hervor und sprach zum König: „Da, nimm diesen Stab. Er gebührt dir. Du bist ohne Zweifel ein noch größerer Narr als ich.“
Erkenntnisse der Psychologie
Gleicht die Lebenseinstellung heutiger Menschen nicht dem kurzsichtigen Verhalten dieses Königs? Wie steht es mit dir? Läufst auch du ständig dem kurzlebigen Genießen und all den weltlichen Verlockungen des diesseitigen Lebens nach? Tust du so, als ob du für ewige Zeiten auf dieser Erde bleiben könntest? Verwendest du viel Zeit, Kraft und Denken darauf, nichts zu versäumen, was das Leben dir so bietet? Psychologische Studien kommen zu der Erkenntnis: Die Jagd nach Besitz, Macht, Konsum, Erleben und Genießen verhindert geistige Sammlung und Besinnung auf die echten Werte menschlicher Lebensbewältigung. Das ständige Schauen auf das, was du haben möchtest, verhindert den Blick in dein Herz, in das Gott die Sehnsucht nach den ewigen Werten wahrer Liebe gesenkt hat. Nur mit dieser Liebe, der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen, wirst du die Bewährung deines Lebens bestehen können, nicht mit den Egoismen der Selbstbezogenheit. Weiterlesen

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Was das „Forum Deutscher Katholiken“ von einer neuen Bundesregierung erwartet

Die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD sind in den Wahlen zum Bundestag in der Wählergunst abgestürzt. Parteifunktionäre fragen, wie kann eine Regierung trotz hoher Beschäftigung und boomender Wirtschaft so abgestraft werden? Die Antwort heißt: „Der Mensch lebt nicht von Brot allein“. Er hat noch Bedürfnisse und Sorgen, die für ihn zu kurz kamen, z.B. ausreichende Sicherheit, die Furcht vor Überfremdung durch Massenzuwanderung, drohende Altersarmut.
Das größte Zukunftsproblem stellt die demographische Entwicklung dar. Es kann nicht durch Roboter, Digitalisierung und ein Einwanderungsgesetz aus der Welt geschafft werden, mit dem wir bestimmen, welche Fachkräfte wir ins Land lassen. Global gedacht ist das auch nicht. Es sind nämlich jene Fachkräfte, die wir Ländern wegnehmen, die diese selber dringend brauchen.
Die demographische Entwicklung gehört zu den Fragen, die in einer unheiligen Allianz von Medien und Parteien bei den Wahlanalysen außen vorgelassen wurden, weil hier wesentliche Versäumnisse der Vergangenheit offenkundig geworden wären.
Wo liegt nun das Hauptversäumnis der bisherigen Regierung? In der vernachlässigten Familienpolitik und zwar in doppelter Weise: Die Leistungen der Familie für die Gesellschaft wurden nur brosamenhaft gefördert, das Sozialprestige der Familie wurde von Medien und Politik ausgehöhlt. Ideologen konnten sich austoben nach dem Motto „Frauen weg von Küche und Kind“.
Warum muss die Familie im Zentrum „einer Politik mit Zukunft?“ stehen? Familie ist der Ort, wo sich die Menschen regenerieren. In der Familie erholen sie sich von der Hektik des modernen Lebens und vom Stress des Berufslebens. Hier entsteht die psychische Stabilität, um Sorgen und Zukunftsängste zu bewältigen. In der Familie werden die sogenannten „Sekundärtugenden“ eingeübt, wie Zuversicht, Fleiß, Verzicht, mit denen wir die Aufgaben, die das Leben stellt, meistern.
Ehe und Familie stehen aus gutem Grund „unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ (Art. 6, Abs. 1, GG), weil sie mit ihren Kindern die Zukunft einer Gemeinschaft sichern. Weiterlesen

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Fortschrittsglaube statt gläubiger Hoffnung?

Wer in der Allerseelenzeit Friedhöfe aufsucht, findet viele Grabinschriften, die Hoffnung und Zuversicht auf ein Wiedersehen ausdrücken. Das war schon bei den ersten Christen so, denen Paulus zurief: „Unsere Hoffnung für euch steht fest!“ (2 Kor 1,7) oder wie es in der Todesanzeige für den verstorbenen Bischof von Köln heißt: „Christus, der den Tod überwunden hat, rief Joachim Kardinal Meisner in sein Reich des Lebens und des Friedens“.
Der Glaube, der sich hier als Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott ausdrückt, ist heute für viele nicht mehr nachvollziehbar, weil sie – wie Ergebnisse von Befragungen auch bei praktizierenden (!) Christen zeigen – gar nicht mit einem Weiterleben nach dem Tod rechnen. Sie wollen nicht das ewige, sondern das diesseitige Leben.
Das Wort … „denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt. Denn das ist der Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube“ (1 Joh 5,4) ist vielen unverständlich geworden. Deswegen ist ihnen auch nicht einsichtig, dass Christen ihres Glaubens wegen in KZs und Gulags gegangen sind und heute aus dem gleichen Grund in China oder Nordkorea im Untergrund ausharren oder in westlichen Ländern gesellschaftliche Nachteile dafür auf sich nehmen. Was die Leugner des jenseitigen Lebens tatsächlich wollen, ist die Wiederherstellung eines irdischen Paradieses.
Sie erwarten dieses Paradies nicht mehr von den Ideologien des 20. Jahrhunderts, sondern von den Wissenschaften und dem technologischen Fortschritt in Naturwissenschaften, Medizin, der Entschlüsselung der Gene, der Psychologie …
Dieser gottabgewandte Fortschrittsglaube ist in mehrfacher Hinsicht einäugig. Er lässt die negativen „Errungenschaften“ vom Giftgas bis zur Wasserstoffbombe außer Acht. Er blickt weg von nicht heilbarem Leid und vom Tod. Was er anzubieten hat, ist eine schmerzlose Entsorgung per assistiertem Suizid. Das sind die Kennzeichen einer vereinsamten Singlegesellschaft ohne Gott.
Aufgabe der Christen ist es, die Hoffnung und die Freude aus dem Glauben in Erinnerung zu bringen: „Diese große Hoffnung kann nur“ – wie Benedikt XVI. in seiner Enzyklika ‚Über die christliche Hoffnung‘ (Spe salvi) sagt „Gott sein, der das Ganze umfasst und der uns geben und schenken kann, was wir allein nicht vermögen“ (Ziff 31) … „Es ist die verlässliche Hoffnung, von der her wir unsere Gegenwart bewältigen können“.

Hubert Gindert

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Pfarrer Häfner: Eine gültig geschlossene Ehe ist unauflöslich

Dass die katholische Kirche eine gültig geschlossene Ehe nicht auflösen kann, haben im Lauf der Geschichte schon viele Märtyrer mit ihrem Blut bezeugt. Am bekanntesten von ihnen sind wohl Erzbischof John Fisher und der englische Lordkanzler Thomas Morus. Während der Zeit des Nationalsozialismus mussten auch in Deutschland Priester wie beispielsweise die Pfarrer Otto Neururer und Georg Häfner ihre Treue zum Sechsten Gebot, zum Gebot der Unauflöslichkeit der Ehe, mit ihrem Leben bezahlen.
Georg Häfner wurde am 19. Oktober 1900 in Würzburg gegoren. Seine nicht begüterten Eltern hatten es nicht leicht, das damals übliche Schulgeld und die Internatskosten zu finanzieren. Nach dem Abitur 1918 wurde Häfner noch kurz zum Kriegsdienst eingezogen. 1924 wurde er zum Priester der Diözese Würzburg geweiht. Nach zehn Kaplansjahren wurde er zum Pfarrer in Oberschwarzbach bestellt. Dort ließ sich der Forstwart und hohe Parteifunktionär der NSDAP Michael Wünsch von seiner Ehefrau scheiden und heiratete eine andere Frau. Sein Austritt aus der Kirche wurde in der Öffentlichkeit sehr beachtet. Als Herr Wünsch jedoch 1940 ernstlich erkrankte und ihm die Ärzte keine Hoffnungen mehr machten konnten, wollte er die Sterbesakramente empfangen und eine kirchliche Beerdigung haben. Dieses Begehren konnten ihm Pfarrer Häfner und sein Kaplan Haun gemäß der Lehre der Kirche nur unter der Bedingung zusagen, dass er sich wieder zu seiner ersten Ehe bekennt und seine zweite Ehe bedauert. Um im Angesicht des Todes wieder zur vollen Gemeinschaft der Kirche zu gehören, ging Herr Wünsch auf diese Bedingung ein. Bei der Beerdigung mussten die Geistlichen die Rückkehr des Verstorbenen in die Kirche bekannt geben, um nicht den Eindruck zu erwecken, die Kirche hätte bei einem prominenten Nationalsozialisten eine Ausnahme gemacht. Diese öffentliche Rückkehr in die Kirche haben die nationalsozialistische Partei und der Staat als Niederlage empfunden. Deshalb waren für Pfarrer Häfner die Tage in Freiheit gezählt. Am 31.Oktober 1941 wurde er auf Anordnung des Reichsführers der SS verhaftet und bald darauf in das KZ Dachau überstellt. Man warf ihm vor, die Bevölkerung aufgehetzt und das Priesteramt zur Schädigung des Ansehens der Partei und des Staates missbraucht zu haben. Am 20. August 1942 starb Pfarrer Häfner an den Folgen von Misshandlung und Hunger. Seine Mitbrüder im KZ haben seinen Tod tief betrauert und seine Frömmigkeit und seinen Opfersinn einhellig bezeugt. In seinem Elend hat er nicht geklagt, sondern still gelitten und gebetet. 2011 wurde Georg Häfner von Papst Benedikt XVI. in die Liste der Seligen der Kirche aufgenommen. Möge die Kirche das Zeugnis ihrer vielen Märtyrer, die wegen ihres Eintretens für die uneingeschränkte Gültigkeit der Zehn Gebote sterben mussten, nie vergessen.

Eduard Werner

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