„Bundesbeauftragten gegen Christenfeindlichkeit“

Wenn ein Nichtchrist, in diesem Fall Henryk Broder, einen „Bundesbeauftragten gegen Christenfeindlichkeit“ fordert (kath.net 05.04.2019) ist es mit der Solidarität der Christen mit ihren verfolgten Mitbrüdern offensichtlich nicht weit her.
Henryk Broder ist Jude. Er weiß, wenn Menschenrechte, wie die Religionsfreiheit unterdrückt werden, dann kann das alle betreffen. Diese Erkenntnis mindert sein Engagement in keiner Weise. Das Gegenteil ist der Fall. Zuerst sollten wir dankbar registrieren, dass bei uns, dieser Einsatz, in einer Zeit weltweiter Christenverfolgung, noch ohne großes Risiko möglich ist. Zur Erinnerung: Die Zahl der dokumentierten Morde an Christen ist von 2782 im Jahr 2017 auf 4136 in 2018 gestiegen. Das sind 11-12 Blutzeugen pro Tag. Diesen Christen war bewusst, wofür sie litten und starben.
Aber auch bei uns nimmt die aggressive Form des Kirchenkampfs zu. In Frankreich ist die offiziell registrierte Zahl der Angriffe auf christliche Kirchen und Gräber von 878 im Jahr 2017 auf 1063 im Jahr 2018 angestiegen. Die Schändungen und Plünderungen der Gotteshäuser, es sind fast nur katholische Kirchen; hat in den letzten 10 Jahren dramatisch zugenommen.
Bei der Verletzung von Menschenrechten sind alle zur Solidarität verpflichtet. Aber es besteht eine Rangfolge dieser Verpflichtung. Es gibt Erstverantwortliche, die aufgrund ihrer Funktion, ihrer Machtstellung, d.h. ihrer Möglichkeit etwas zu ändern zunächst angefragt sind. Erstverantwortliche für die Christenverfolgung sind Papst, Bischöfe und Vertreter von Laienorganisationen. Aber auch die Politiker von Rechtsstaaten sind mit der Verletzung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit konfrontiert. Sie sprechen gerne von „unseren Werten“. Dazu zählen zweifellos Grundrechte. Aber auch die Wirtschaftsführer, die profitable Geschäfte mit Unterdrückerstaaten machen, hätten Einfluss. Schließlich sind es die Medien, die für sich beanspruchen, sich für die Unterdrückten, zu Kurzgekommenen und Ausgegrenzten einzusetzen. Wo bleibt ihr Protest? Sie schlagen gerne den großen Gong, wenn ein Journalist in der Arbeit behindert, vielleicht sogar eingesperrt wird. Wo aber 200 Mio. verfolgte Christen auf ihrer Agenda stehen müssten, interessiert das, wenn überhaupt, nur am Rande.

Hubert Gindert

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