Glaubensimpulse in einer Stadt des katholischen Aufbruchs

Kongress Freude am Glauben vom 14.-16. Juni in Ingolstadt

Ingolstadt – das war im Zeitalter der katholischen Reform nach Reformation und Trienter Konzil eine Stätte des katholischen Aufbruchs. Nach dem Trienter Konzil wirkten hier die Jesuiten – unter anderen Petrus Canisius, aber auch Jakob Rem, der die Studenten zur tiefen Christusverehrung über die Gottesmutter – als „Mater ter admirabilis“ führte. Könnte aus dieser Stadt vielleicht auch heute ein neuer katholischer Aufbruch hervorgehen? Diese Frage stellte Prof. Hubert Gindert, Vorsitzender des „Forums Deutscher Katholiken“ zu Beginn des Kongresses Freude am Glauben, der in Ingolstadt vom 14. bis zum 16. Juni stattfand. Er stand unter dem Motto „Ohne Gott – keine Zukunft“.
Die Notwendigkeit der Hinkehr zu Gott
Den Eröffnungsgottesdienst hielt der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. In seiner Predigt wies er auf die beiden Parallelen „Christus – Kirche“ sowie „Mann – Frau“ hin. Dies werde beim Ehesakrament deutlich, wonach die Ehe zwischen Mann und Frau Abbild der Beziehung Christi zu seiner Kirche ist. Diese Beziehung von Christus und Kirche komme auch wesentlich beim katholischen Verständnis des besonderen Priestertums zum Tragen: Der Priester repräsentiere Christus als Bräutigam der Kirche. Folglich müsse der Priester ein Mann sein. Dass eine Priesterweihe für Frauen nicht möglich sei, schließe allerdings keinesfalls „aus, dass die Kirche und alle ihre Glieder jedem Menschen mit Hochachtung begegnen, ganz gleich, welche biologischen oder psychischen Besonderheiten er hinsichtlich seines Geschlechtes aufweist. Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes.“ Gleichwohl habe die „grundsätzliche Infragestellung der in der Schöpfung gegebenen Bezogenheit von Mann und Frau aufeinander … aber nicht nur erhebliche anthropologische Folgen, sondern auch theologische, insbesondere sakramententheologische.“ Diese Sorge drücke auch das Gender-Dokument aus, das vom Vatikan unlängst veröffentlicht wurde. Die Gender-Ideologie hänge mit der von Papst Franziskus kritisierten „‚ideologischen Kolonisierung‘ zusammen, durch die gerade über den Weg der Erziehung der Kinder und Jugendlichen die Schöpfungswirklichkeit untergraben wird“.
Zudem sprach Bischof Voderholzer im Ingolstädter Stadttheater ein Grußwort, in dem er den Kongress als „wichtiges Forum des Austausches und der Begegnung, vor allem aber des gemeinsamen Ringens und Vertiefens des Glaubens“ würdigte.

Gegen die „political correctness“
Schirmherr des Kongresses ist Prof. Dr. Werner Münch, der in seinem Grußwort die Teilnehmer des Kongress als „große Familie“ bezeichnete, die in „Treue zu Gott steht“. Es sei eine Familie, auf die Verlass ist und die sich nicht von den Wölfen zerfleischen lasse.
Im anschließenden Vortrag sprach Münch davon, dass um der „political correctness“ willen hierzulande das Grundrecht auf Meinungsfreiheit bedroht ist. Grundsätzlich werde jeder, der sachlich gegen diese „political correctness“ argumentiere – sei es in der Flüchtlingsfrage oder zum Thema Homosexualität, „Gender mainstreaming“ oder Abtreibung – in die rechte Ecke gedrängt. In dieser Situation rief Münch die gläubigen Christen – die oft genug auch als „rechtsradikale Fundamentalisten“ gebrandmarkt werden – auf, einen mutigen Kampf für die Wahrheit zu führen, denn – so erinnerte er an das Motto des Kongresses – „Nur mit Gott ist Zukunft“.
Eine besondere Herausforderung für unsere Gesellschaft hierzulande ist heutzutage auch der Islam, denn mit den Flüchtlingen kommen auch immer mehr Muslime ins Land. Angesichts dieser Situation warnte der Orientalist und Volkswirt Hans-Peter Raddatz vor allzu viel Blauäugigkeit. Sicher gebe es unzählige Moslems, die hier friedlich leben, aber von der Botschaft des Korans her fordere Allah die Weltherrschaft des Islam und es gibt Strömungen, die dieses Ziel auch sehr konsequent mit allen Mitteln verfolgen.
Glauben leben in der Welt
Dass der Christ vor allem auch Grund zur Freude hat – wie es ja auch der Name des Kongresses „Freude am Glauben“ ausdrückt – darauf wies P. Sven Leo Conrad FSSP in seiner Predigt während der Messfeier im Außerordentlichen Ritus hin. Wichtig sei aber, dass Freude und Liebe untrennbar zusammenhängen. Beides bringe der Heilige Geist hervor, der in Taufe und Firmung gespendet wird. Die Feier der Eucharistie sei ein ewig andauerndes Pfingsten, sie stärke das Feuer des Heiligen Geistes in uns und befähige dazu, den Alltag zu heiligen und so auch der säkularisierten Gesellschaft zu begegnen. Diese, so P. Conrad, fliehen wir nicht, wir zeigen ihr aber, dass wir die kostbarere Botschaft haben.
Eben genau diese Aussage, dass wir uns als Christen nicht aus der Welt zurückziehen, sondern in ihr für unsere Botschaft Zeugnis geben, kam auch in der ersten Podiumsdiskussion des Kongresses zum Tragen. Ihr Thema war „Mensch bleiben in der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts“. Moderatorin Regina Einig, Redakteurin der katholischen Zeitung „Die Tagespost“, konnte drei Gäste begrüßen, die, jeder in seinem Arbeitsfeld, sich für christliche Haltungen in der Arbeitswelt einsetzen. Gekommen waren Prof. André Habisch, Professor für Christliche Sozialethik und Gesellschaftspolitik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Ulrich Bösl, Vorsitzender der Christlichen Gewerkschaft Postservice und Telekommunikation, sowie der Gesellschafter Dr. Rüdiger Freiherr von Stengel. Von Stengel zeigte sich davon überzeugt, dass Unternehmer wie Arbeitnehmer, die christliche Werte leben, ideale Vor¬aussetzungen für ein gelingendes Arbeitsleben haben. Sie strahlen Sicherheit aus, ohne überheblich zu werden, erkennen ihre eigenen Grenzen und vertuschen nichts. Sie sind umgänglich im Kontakt mit anderen und konsequent in ihrer Arbeit zugleich. André Habisch machte deutlich, dass der Mensch und seine Würde nach Auffassung des deutschen Grundgesetzes und der sich daraus ergebenden „sozialen Marktwirtschaft“ im Mittelpunkt stehen. Unternehmer müssten die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter anerkennen und dies bei der Aufgabenverteilung berücksichtigen. Ebenfalls habe der Arbeitnehmer auch ein Recht auf Mitbestimmung. Außerdem brach Habisch eine Lanze für das Handwerk. Gute Handwerker werden gesucht, und wer praktische Talente habe, der solle auch diesen Beruf ergreifen und sich nicht dazu zwingen, ein Studium zu absolvieren. Erfreulich sei, dass auch Nicht-Akademiker gute Verdienstmöglichkeiten hätten.
Ulrich Bösl, der ausdrücklich den Kongress dafür lobte, dass er sich dem Thema „Arbeitswelt“ widmete, warb für christlich ausgerichtete Gewerkschaften. Gleichzeitig plädierte er dafür, sich mit der katholischen Soziallehre und ihren bedeutenden Vertretern wie Anton Rauscher, Lothar Roos und vor allem auch Joseph Kardinal Höffner zu befassen. Die katholische Soziallehre stehe wesentlich auch für eine familienfreundliche Arbeitswelt.
Moderatorin Regina Einig sprach die Podiumsgäste auch auf die Herausforderung durch unsere immer älter werdende Gesellschaft an. Hier lobte André Habisch besonders die Bereitschaft älterer Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren.
Neben der Arbeitswelt ist auch die fortschreitende Digitalisierung in den Medien eine Herausforderung unserer Zeit. Darüber sprach Stefan Meetschen, Redakteur bei der „Tagespost“. Er stellte einerseits heraus, dass in den digitalen Medien oft nicht objektiv berichtet wird und man immer genau schauen müsse, welche Organisation hinter der entsprechenden Internetseite stehe. Zum anderen wertete er es aber als positiv, dass über die sozialen Medien gerade auch christliche Aktionen – wie etwa die Initiative „Maria 1.0“ als Gegenbewegung zu der Aktion „Maria 2.0“, die das Priesteramt der Frau anstrebt – gut verbreitet werden können. Meetschen mahnte aber auch an, dass man in der digitalen Welt respektvoll miteinander umgehen soll, wie es seinerzeit Papst Benedikt XVI. gefordert hatte. Es gehe nicht an, sich die Rosenkränze um die Ohren zu schlagen. Vielmehr gehören Liebe und Wahrheit zusammen. Auch Josef Kraus, ehemaliger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, befasste sich in seinem Vortrag zum Thema „Wie objektiv werden wir informiert?“ mit der Medienwelt und ihrer Auswirkung auf den Nutzer. Er beklagte, dass die 68er-Generation weitgehend die Medien beherrscht und letztlich deren veröffentlichte Meinung zur öffentlichen Meinung geworden ist. Die bürgerlich-liberal-konservativen Kräfte stellten dem 68er-Denken nichts entgegen. Konkret ging Kraus auch darauf ein, dass in der allgemeinen Medienwelt weder von den Millionen verfolgten Christen noch von den im Mutterleib getöteten Föten – ein Achtel aller Schwangerschaften wird durch die Abtreibung beendet – zu hören ist.
Mission: katholisch und marianisch
Gerade auch die Referate über die Macht der Medienwelt heute zeigten, dass missionarische Verkündigung jetzt eine wichtige christliche Aufgabe ist. Pfarrer Erich Maria Fink, der in Russland wirkt und außerdem Chefredakteur der Zeitschrift „Kirche heute“ ist, sprach über dieses Thema und betonte dabei, dass diese Verkündigung auch speziell katholische Glaubenssätze nicht ausklammern darf – so die Heiligenverehrung, insbesondere die der Gottesmutter, und die reale Präsenz Christi in der Eucharistie. Gleichzeitig mahnte auch er eine faire brüderliche Diskussion in christlichen Kreisen an. Man dürfe vor allem niemandem auf den Kopf hin sagen: „Du kommst in die Hölle!“ Ein solches Urteil stehe allein Gott zu und er sieht vielleicht in einem Menschen mehr Gutes als wir wahrnehmen. Dennoch sollen wir auch Andersgläubigen – so den Muslimen – von Jesus Christus erzählen und darauf vertrauen, dass die Gottesmutter uns in unserem missionarischen Kampf begleitet.
Ihr, der Jungfrau Maria, war am Abend des zweiten Tages die abendliche Prozession durch die Ingolstädter Innenstadt gewidmet. In vier Kirchen wurde Station gemacht. Gestaltet wurde diese Prozession mit Marienweihe vom Vororatorium des heiligen Philipp Neri in Ingolstadt.
Ehe, Glaubensweitergabe, Eucharistie
Der dritte Tag begann mit einem Vortrag des Publizisten Jürgen Liminski zum Thema Ehe und Familie. Er machte deutlich, dass Eheleute glücklicher und länger leben als Singles – und dies aufgrund ihrer immerwährenden Liebe. Das könnte auch für Zölibatäre gelten, denn auch diese leben ja eine immerwährende Liebe zu Gott. Die Ehe gelinge, wenn Gott in ihr einen Platz hat: Erst soll die Liebe zu Gott, dann die Liebe der Eheleute untereinander folgen.
Das Thema Mission stand wieder im Zentrum einer Podiumsdiskussion am dritten Tag des Kongresses. Mit Moderator Rudolf Gehrig sprachen Matthias Blum, Stephanie Bros, Martine Liminski und Pfarrer Christof Anselmann. Alle berichteten über ihre Erfahrungen, den Glauben in der Gesellschaft fruchtbar zu machen. Martine Liminski, die mit ihrem Ehegatten Jürgen Liminski zehn Kinder und 18 Enkel hat, berichtete davon, dass es eine große Hilfe ist, bereits in der Familie früh das Geschenk des Glaubens zu erfahren. Dies sei die Grundlage wahren Glücks. Pfarrer Christof Anselmann fügte aus seiner eigenen Familienerfahrung mit mehreren Geschwistern hinzu, dass gerade auch das spielerische Miteinander bei Raufereien und anschließender Vergebung ganz wichtige Grundlagen für ein späteres gutes Zusammenleben bildet. Als Seelsorger gab er den anderen die missionarische Empfehlung: „Von dem erzählen, was wirklich stärkt!“ Stephanie Bros vertraut darauf, Gott machen und wirken zu lassen, aber selbst dazu „Ja“ zu sagen. Matthias Blum schließlich ermutigte dazu, mehr Mut zu haben, und fügte auch gleich noch eine Geschichte hinzu. Im Kreis von Freunden, die offenbar nicht sehr kirchlich sozialisiert waren, sagte er: „Jetzt geh ich noch zur Kirche“. Und die Freunde kamen mit.
Dass das Zentrum des kirchlichen Lebens die Eucharistie ist und es dazu den Priester brauche, machte Prof. Dr. Christoph Ohly, Professor für Kirchenrecht in Trier deutlich. Der Priester repräsentiere in der Eucharistie Jesus Christus, er müsse sich aber immer als sein Werkzeug verstehen und auch seinen Lebensstil nachahmen – was auch die Bereitschaft zum Zölibat einschließe. Gleichzeitig plädierte Ohly für ein Zusammenwirken von Priestern und Laien, entscheidend sei aber, die Sehnsucht nach der Eucharistie immer wieder neu zu wecken.
Diese Sehnsucht wurde in den Eucharistiefeiern des Kongresses erfüllt – zum letzten Mal in diesen drei intensiven Tagen im Pontifikalgottesdienst zum Abschluss mit Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke im Liebfrauenmünster. In seiner Predigt verwies auch Hanke auf die Bedeutung der Eucharistie. Er erinnerte an die Begegnung des Auferstandenen mit den Jüngern aus Emmaus, den sie beim Brotbrechen erkannten. Christus ist gegenwärtig in seiner Kirche, machte Hanke deutlich, und darum ist diese Kirche auch kein „soziales Konstrukt“. Sie baue sich immer von der Auferstehung her auf und erneuere sich auch durch den Glauben an den auferstandenen Herrn.
Neuer Aufbruch aus Ingolstadt?
Vor dem Pontifikalgottesdienst hatte der Vorsitzende des Forums Deutscher Katholiken Prof. Hubert Gindert in seinem Schlusswort noch einmal die Frage gestellt, ob aus diesem Kongress tatsächlich ein Aufbruch für die Kirche hervorgeht. Tatsächlich gab es viel an geistiger Nahrung, die nun gut verinnerlicht werden muss. Ein Hoffnungszeichen für einen möglichen Aufbruch war vor allem auch das Jugendprogramm. Wesentlich lebte es von persönlichen Zeugnissen junger Erwachsener, die froh ihren Glauben leben, offen auch für Andersdenkende sind und damit zeigen, dass die christliche Botschaft eine Frohbotschaft zum Heil aller Menschen ist. Bei einer solchen Haltung stehen die Chancen gut, dass beim anderen die Sehnsucht geweckt wird. Und diese Sehnsucht ist der Anfang eines echten und tragfähigen Glaubens, der andere anstecken kann.
Ein treffendes Statement zum Kongress gab die im Bistum Eichstätt beheimatete Consuelo Gräfin Ballestrem ab, die im Jugendprogramm die Medienakademie für katholische Apologetik vorstellte und Wege zu einem fairen und ehrlichen Austausch über den Glauben vermittelte. Sie sagte: „Ich komme gern zum ‚Forum Deutscher Katholiken‘, das die Kongresse ‚Freude am Glauben‘ organisiert. Es gibt denen Raum und eine Stimme, die gerne ihren Glauben und ihr Wissen vertiefen. Katholiken, die sich in der Kontinuität und weltkirchlichen Einheit der Kirche zuhause fühlen. Konkret gefiel mir sehr der Vortrag des Journalisten Stefan Meetschen zum Thema „Was die Neuen Medien mit den Menschen und der Kirche machen“ – ein Referat mit viel Witz, doch auch mit Fairness. Ebenso im Jugendprogramm das Podium mit einigen jungen Leuten, die davon erzählten, wie sie mitten in der Welt aus ihrer Gottesbeziehung leben. Überhaupt fand ich das Zusammenspiel der Generationen auf dem Kongress, bei dem Jung und Alt zusammenkamen, sehr schön.“ 

Raymund Fobes, Diakon
Foto: Forum-Deutscher-Katholiken

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