Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Bischof Georg Michael Wittmann

In der heutigen Krise der Kirche werden Reformer gesucht, die in ähnlichen Situationen neue Wege aufgezeigt haben und sie mutig gegangen sind. Bischof Georg Michael Wittmann (1760 – 1833) von Regensburg war ein solcher. Wittmann war langjähriger Regens des Priesterseminars, Freund und enger Mitarbeiter von Bischof Michael Sailer. Bischof Rudolf Voderholzer charakterisiert Wittmann mit den Worten: „Wittmann ging es um die Erneuerung aus einer tiefen Christusverbundenheit, um eine Neuorientierung des von Säkularisation und Aufklärung geprägten kirchlichen Lebens … dabei übersah er die äußere Not seiner Zeitgenossen ebenso wenig, wie die innere Not einer geistlichen Orientierungslosigkeit als Folge der Aufklärung.“
Georg Michael Wittmann brachte für seine Mission gute Voraussetzungen mit: „Er war belesen, hoch intelligent, ungemein diszipliniert, demütig, bescheiden, gebetstreu, asketisch und von einer ansteckenden Spiritualität“. Er begnügte sich mit fünf Stunden Schlaf, um Zeit zu haben für vier Stunden Schriftlesung, Meditation und Anbetung und für rund 14 Stunden Arbeit. Seine Kraftquelle war das Gebet.
Die Zeit Wittmanns war von Umbrüchen, Unsicherheiten und Glaubensabfall geprägt. Das Ansehen und die Macht des Papsttums sank auf einen Tiefpunkt. „Auflösungserscheinungen und Glaubensverlust hatten eine zersetzende Wirkung im Klerus.“ Dieses Bild war auch eine Folge des Klostersturms der Säkularisation von 1803. Wittmann „wusste nur zu gut, dass die geistigen Urheber der Säkularisation auch vom Hass gegen die Kirche angetrieben waren“. Regens Wittmann brachte das nicht aus dem Tritt. Er konzentrierte seine Arbeit auf die Heranbildung glaubensstarker Priester. Er forderte „strenge Aufnahmeprüfungen“. Den Priesterkandidaten versuchte Wittmann zu vermitteln, dass das „tägliche Messopfer und die Begegnung mit dem eucharistischen Herrn, die wichtigste und intensivste Gebetsübung für Priester“ seien. Der Regens war überzeugt, „die wissenschaftliche und moralische Bildung hänge nicht von Studienordnungen ab, sondern in erster Linie von der Person des Regens“. Was der Regens verlangte, lebte er selbst vor.

Wichtig war Wittmann die Liebe zu Gott und das „sentire cum ecclesia“, d.h. das Mitfühlen mit der Kirche. Dazu gehörte für ihn selbstverständlich das Tragen der priesterlichen Kleidung, außerdem die Bereitschaft zur Umkehr durch die regelmäßige Beichte. Seine Studenten wurden später Bischöfe, Äbte, Domherrn und Universitätsprofessoren. Die gute Saat ging auf.
Übrigens gab es auch zu Wittmanns Zeiten Versuche, den Zölibat zu lockern. Wittmann trat dem vor allem mit dem Argument entgegen, der Priester müsse frei für seine Aufgabe sein.
Der Regens des Priesterseminars lebte nicht abgeschottet von der Welt. Er sah die sozialen Probleme, insbesondere die fehlenden Bildungsmöglichkeiten für Mädchen. Wittmann erkannte die pädagogischen Fähigkeiten seiner Schülerin Maria Theresia Gerhardinger. Er förderte und bestärkte sie zur Gründung der Ordensgemeinschaft der „Armen Schulschwestern von unserer Lieben Frau“, die sich der Bildung von Mädchen aus den unteren Schichten annahm.
Dem Regens und späteren Bischof Wittmann ging es um eine Kirche, die ständig bereit war, sich zu reformieren. Ein weiteres Anliegen war die Freiheit der Kirche vor Eingriffen des Staates. Er schrieb 1822: „Wenn man die Religion vom Staate abhängig mache, so könne sie den Staat nicht mehr stützen. Die Enteignung der Kirche und die Aufhebung der Klöster 1803 erfüllte ihn mit Schmerz, aber er war sich sicher, dass ein Neuanfang möglich würde: „Die Vorsehung kann und will alles wieder ersetzen.“ Die „Entweltlichung“ im Sinne der Freiburger Rede von Papst Benedikt XVI. hätte Bischof Wittmann wohl als einen Befreiungsschlag angesehen.

Hubert Gindert

Bild: Heiligenlexikon.de/BiographienM/Michael_Wittmann.html 

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