Wie sieht innerkirchliche Revolution aus?

In der Münchner Kirchenzeitung (4.8.2019, S. 31) berichtet Christoph Renzikowski, Leiter der Landesredaktion Bayern der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) über eine Veranstaltung der katholischen Akademie in Bayern. Sie wurde auf der Titelseite als „Denkwerkstatt über die Zukunft der Kirche“ angekündigt und hat den Titel „Ein Hauch von Revolution“.
Zu dieser Veranstaltung waren der Moraltheologe Daniel Bogner, Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf und die Tübinger Dogmatikerin Johanna Rahner, „drei ausgewiesene Reformer“, geladen. „Das Publikum hatte viel Gelegenheit zur Beteiligung“. Es war aufgefordert, über die bekannten Reizthemen abzustimmen: „Für die Abschaffung des Zölibats reichen 10 Minuten. Das Meinungsbild fällt eindeutig aus. Ähnlich die Zustimmung bei der Zulassung von Frauen zu allen Weiheämtern“. Der Leiter der Landesredaktion in Bayern der KNA konstatiert: „Würde es sich hier um eine verfassungsgebende Versammlung der katholischen Kirche handeln, sähe diese am Ende des Abends völlig anders aus als gewohnt“.
Für die „Rückkehr der Reformdebatte“ hatte die Akademie zuvor eine Umfrage durchgeführt zu Zölibat, Machtstrukturen, Geschlechtergerechtigkeit und Amtsverständnis. Das Ergebnis wurde auf Schautafeln präsentiert.
„Eine richtige Kontroverse kam indes nicht in Gang“, weil der „konservative Widerpart fehlt. Zudem ist sich das Publikum mit den Reihen viel zu einig“. Wen wundert das? Was sollen auch auf solchen Veranstaltungen Katholiken, die an der Lehre der Kirche festhalten. Die Richtung dieser katholischen Akademie ist eindeutig und bekannt. Die Auswahl der drei „Reformer“ bestätigt dies. Die Stammgäste der Akademie sind jene, die sich in ihrer Haltung für eine „andere Kirche“ immer neu bestätigt sehen wollen.
Die drei „Reformer“ zeigen sich über die Erfolgsaussichten neuer Gespräche (synodaler Prozess) nach den folgenlosen Talkshows der Würzburger Synode in den 70er Jahren, der Diözesansynoden und des dreijährigen Gesprächsprozesses der deutschen Bischofskonferenz skeptisch. Trotzdem dürfe „die nächst Runde kein Strohfeuer werden „sonst können wir den Laden zusperren“, lautet die These, die auf „starke Zustimmung stößt“.

Die Skepsis ist angebracht, wenn wir die Forderungen des synodalen Prozesses betrachten. Gefordert werden im Kern die Freistellung der priesterlichen Zölibats Verpflichtung, das Frauenpriestertum, die Änderung der kirchlichen Sexualmoral etc.. Würden die Forderungen beschlossen werden, wäre das der Auszug der deutschen Ortskirche aus der Universalkirche, die Spaltung der Katholiken. In jedem Fall werden wir den großen Frust, den die „Reformer“ seit Jahr und Tag herbeiprovozieren, haben.
Der saloppe Vergleich der Kirche Jesu Christi mit einem „Laden“ zeigt die Geisteshaltung der „Reformer“. Die wahren Reformen, die mit Umdenken und Umkehr den Anfang nehmen, kommen den „Reformern“ nicht über die Lippen. Bischof Voderholzer verdeutlicht: „Die Geschichte zeige, dass wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums und aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung, sowie aus einer radikalen Christusnachfolge erwachsen sind“.
Daniel Bogner bedauerte, dass das Kirchenvolk oft „so gering von seinen Möglichkeiten denkt“. Er sieht aber in der Initiative „Maria 2.0“ ein Hoffnungszeichen, deren „Entstehen er in seinem Wohnort Münster aus nächster Nähe beobachten konnte“. Dazu eine Anmerkung: „Maria 2.0“ entstand in der Münsteraner Pfarrei Heilig Kreuz. Sie hat „über 10.000 Kirchenmitglieder, 120 Messdiener, rund 250 Ehrenamtliche… Die regelmäßige Sonntagskerngemeinde bilden etwa 100 Personen“ (Konradsblatt 30.2019, S. 20). Der Theologieprofessor Bogner schöpft also seine Zukunftshoffnungen aus dieser „vitalen“ katholischen Gemeinde, in der knapp 1% am Sonntag den Weg zur Kirche finden.
Am Ende der Münchner Tagung stieg der Theologe Bogner „auf die Barrikaden“. Die entscheidende Frage sei doch: „wie fallen wankende Regime?“ Dabei kommt einem der Satz des heiligen Apostels Johannes (1 Joh. Brief 2.Kap, 19 in Erinnerung: „Sie sind aus unserer Mitte hervorgegangen, aber sie gehörten nicht zu uns; denn hätten sie zu uns gehört, wären sie bei uns geblieben. Es sollte sich aber an ihnen erweisen, dass sie nicht zu uns gehörten“.

Hubert Gindert

Erscheint auch in der Monatszeitschrift „Der Fels“

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2 Antworten auf Wie sieht innerkirchliche Revolution aus?

  1. Mathias Wagener sagt:

    Reformer gab es ja schon in Hülle und Fülle.Verbessert wurde durch sie gar nichts.Das Ergebnis war immer noch mehr Verwirrung unter den Gläubigen.Die Kirche ist Weltkirche und das ist gut so.Daher können Rädelsführerschaften warum auch immer Unzufriedener in einzelnen Ländern nichts bewirken.Die Einheit im Glauben und in der Tradition ist im Weltmaßstab stärker. Diskussionen mit diesen oft weit links Angesiedelten sind gar nicht möglich.Sie sollen sich gegenseitig die Richtigkeit ihrer Meinungen bescheinigen.Die nationalen Sonderwege in Deutschland haben offenbar Hochkonjunktur,was nicht nur für den kirchlichen,sondern auch für politische Bereiche gilt. Eine geradezu martialische Vorreiterzwangsvorstellung macht sich breit.

    • Rudolf Schaller sagt:

      Sehr geehrter Herr Wagner,
      treffender kann man es nicht formulieren!! Ein Lichtblick in dieser traurigen Causa ist tatsächlich, dass der deutsche Sonderweg ( täuschend „synodal“ genannt) in der Weltkirche keinen Anklang findet. Auch hier gilt: Am deutschen Wesen muss und darf die Welt NICHT genesen.

      Mfg

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