Mit zweierlei Maß gemessen

Die Katholische Nachrichten-Agentur KNA meldete am Wochenende, dass sich Bischof Voderholzer als Gastgeber des Katholikentags 2014 in Regensburg gegen eine aktive Teilnahme des Schwangerschaftsberatungsvereins „Donum Vitae“ wendet. Bischof Voderholzer machte geltend, dass nicht alles, was dieser Verein tue schlecht sei, in einer entscheidenden Frage aber habe der Verein den Boden dessen verlassen, was die Kirche für richtig halte. (kath.net/news/41697)
Zur Erinnerung: Der selige Papst Johannes Paul II. hatte die deutschen Bischöfe und damit ihre sozialen Werke unter Berufung auf seinen Jurisdiktionsprimat angewiesen, aus der staatlichen Schwangerschaftberatungspraxis auszusteigen, weil durch die Ausstellung eines Beratungsscheins die Abtreibung des Kindes erst möglich wurde. Dieses verdunkele das kirchliche Zeugnis, so der Papst. Darauf verfügten die deutschen Bischöfe den Ausstieg, nachdem sie jahrelang sich mehrheitlich den Wünschen des Heiligen Stuhls nicht gebeugt hatten. Auf eine Anfrage im Fernsehen sagte nach der Verfügung der Vorsitzende der DBK Karl Kardinal Lehmann: „Wenn ich mich dem Papst widersetze, bin ich kein katholischer Bischof mehr“.
Dem Papst widersetzte sich allerdings das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ZdK und gründete 1999 aus seinen Reihen heraus den Verein „Donum Vitae“, der die vom Papst untersagte Beratung mit Ausstellung des Scheines, der zur Abtreibung berechtigt, fortsetzte.
Zunächst wurde dieser Verein auch gelegentlich kirchlich finanziell unterstützt wie durch den Trierer Bischof Spital. Nach Bekanntwerden wurde diese Praxis sehr schnell eingestellt. Im November 2000 stellte der damalige Apostolische Nuntius Giovanni Lajolo im Auftrag der Glaubenskongregation klar, dass sich der Verein „im offenen Widerspruch zu den Anweisungen des Heiligen Vaters“ befinde und durch sein Handeln „das Zeugnis der katholischen Kirche, für das alle Glieder – Geistliche, Ordensleute und Laien – Verantwortung tragen“, verdunkle. Eine Erklärung der deutschen Bischöfe vom 20. Juni 2006 schuf hierzulande endgültige Klarheit. Die Bischöfe stellten fest, dass es sich bei dem Verein „Donum Vitae“ „um eine Vereinigung außerhalb der katholischen Kirche“ handelt. Kooperationen mit Caritas und dem Sozialdienst katholischer Frauen seien nicht möglich. Allen Katholiken, die in kirchlichen Gremien arbeiten wurde von der DBK mitgeteilt, „zum Zwecke der größeren Klarheit des kirchlichen Zeugnisses auf eine leitende Mitarbeit bei Donum Vitae zu verzichten“.
Am 12. Februar 2007 schrieb der damalige Präfekt der Glaubenskongregation William Kardinal Levada an Kardinal Wetter, den damaligen Vorsitzenden der deutschen bischöflichen Glaubenskommission, nicht nur auf eine leitende Mitarbeit bei Donum Vitae e.V. zu verzichten sondern auf jegliche Form der Unterstützung. Levada erinnerte daran, dass die Weisung von Papst Johnnes Paul II. „für alle Glieder der Kirche gilt“.
Damit steht eindeutig fest, dass der Verein „Donum Vitae e.V“ nicht nur ausserhalb der Kirche steht sondern auch in eindeutigem Widerspruch zur Weisung des Papstes und der mit ihm verbundenen Bischöfe. Er kann nicht als katholisch gelten.
Umso unbegreiflicher ist es, dass der Verein nach wie vor auf den Katholikentagen, deren Veranstalter das ZdK ist, auf einem Stand an prominenter Stelle für seine unkirchlichen Zwecke weiter werben darf.
Es ist sehr zu begrüßen , dass Prof. Rudolf Voderholzer, der neue Bischof von Regensburg, auf dieses Ungeordnetsein innerhalb der deutschen Teilkirche nunmehr aufmerksam macht und dieses für den Regensburger Katholikentag nicht fortzusetzen wünscht. Er befindet sich damit in völligem Einklang mit der Entscheidung Roms und der Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz.
Dass das ZdK durch seinen Sprecher erklärt, dass im Gespräch mit den jeweiligen Ortsbischöfen „immer eine vernünftige Lösung gefunden worden“ sei, zeigt doch, dass die Bischöfe ihre eigenen Entscheidungen nicht ernst nehmen und sich den Verhältnissen „vernünftig“ anpassen. Diese „vernünftigen“ Kompromisse mit dem Weltgeist zulasten des Evangeliums hat gerade Papst Franziskus in einer seiner morgentlichen Predigten als „Obstsalat“ bezeichnet: von jedem etwas, damit es für alle „lecker“ ist wie bei einer Nichtregierungsorganisation. Der Papst war sicher eingedenk der Worte des Apostel Paulus an die Korinther: „Wer wird denn zu den Waffen greifen, wenn die Trompete keine klaren Töne gibt.“ Wie soll bei uns das Volk Gottes zu den geistlichen Waffen greifen, wenn die Bischöfe ihr eigenen Entscheidungen unterlaufen lassen und keine klare Linie halten?
Dass Bischof Voderholzer dieses ändern will, können wir nur dankbar begrüßen und aus vollem Herzen unterstützen.
Diese Halbherzigkeiten eines weltlichen „Obstsalates“ setzten sich nun in Trier am gleichen Wochenende fort. Der Verein „Durchblick“ mit einem klaren, nicht wie ein Lämmerschwanz wackelndem katholischem Profil hatte am Samstag mit der örtlichen Gruppe der Lebensrechtsbewegung Alfa eine Aktion auf dem Großen Markt gestartet mit 650 Paar Kinderschuhen und der Verteilung seiner inzwischen berühmt geworden Plastikfigürchen, die orginalgetreu ein Kind in der 10. Woche seiner Entwickelung abbilden, damit die Menschen sehen und im wahren Sinne des Wortes „begreifen“, dass es sich hier nicht um einen Zellhaufen handelt sondern um ein Menschenkind. In dieser Woche sollen die Plastikembryos an 20.000 Trierer Haushalte versandt werden.
Der Trierische Volksfeund TV, die größte Regionalzeitung dort und berüchtigt für seine äußerst kirchenkritische Haltung, hatte im Vorfeld am 14.6.13 einen Artikel veröffentlicht, in dem er die scharfe Kritik von „Pro Familia“ an der Aktion kolportierte, die in der Behauptung gipfelte, dass es keine Untersuchung gäbe, dass Frauen die Abtreibung als Trauma erlebten. Auch aus der eigenen Betreuungspraxis sei das nicht bekannt. (Sic!)
Was aber besonders schmerzt, sind die Äusserungen des neuen Bistumssprechers Dr. André Uzulis, der erklärte, zwar trete Bischof Ackermann „selbstverständlich für den Schutz des ungeborenen Lebens ein“, doch „ob die von dem Verein praktizierte Art der Schocktherapie ein geeigneter Beitrag zur Abtreibungs-Diskussion ist, sei dahingestellt“. Hier haben wir wieder den typischen Obstsalat nach Trierer Art. Man ist selbstverständlich für den Lebensschutz aber auf keinen Fall für eine praktische Verdeutlichung desselben. Nur nicht die Leute aufrütteln; denn das ist ungesunder Schock. Ein bißchen Kirche, ein bißchen Welt, lecker gemischt, damit der Obstsalat auch allen und der Presse schmeckt.
Aber Uzulis setzte noch eins drauf, indem er darauf hinwies, dass es sich bei den Organisatoren um einen bürgerlichen Verein und nicht um eine katholische Organisation handele.
Hier wird wirklich in unglaublicher Weise mit zweierlei Maß gemessen. Der bürgerliche Verein Donum Vitae, ein Kind des ZdK, darf mit aller Unterstützung auf dem Katholikentag agieren, während der kleine aber sehr lebendige, noch uneingeschränkt katholische Verein „Durchblick“ keine katholische Organisation sein darf.
Der Unterschied zwischen beiden ist doch der: Hinter dem Verein „Donum Vitae“ steht das mit Millionen von Euro aus Kirchensteuern finanzierte ZdK mit seiner Macht und hinter dem Verein „Durchblick“ steht „nur“ die Lehre der katholischen Kirche und die Spenden treuer Katholiken.
Noch vor 2 Jahren, als der „Durchblick“ an alle Haushalte im Saarland seine Embryonen-Puppen versandte, hatte sich der damalige Bistumssprecher für das Bistum Trier von der Aktion scharf distanziert, obwohl die Ministerin Kramp-Karrenbauer, heute Ministerpräsidentin des Saarlandes, die Aktion des Durchblick verteidigt hatte. Einen Tag später hatte Bischof Ackermann in aller Öffentlickeit seinen Bistumssprecher korrigiert. Inzwischen aber ist die Verweltlichung in der deutschen Teilkirche weiter fortgeschritten und hat sich mit Hilfe des kirchlichen Apparates weiter zementiert.
Der Rom-Korrespondent Guido Horst, der meint, die Kirche werde sich am Ende des Jahres des Glaubens unter Papst Franziskus völlig verändert haben, drückt das bezüglich der Veränderungen im Vatican-Magazin im Juni-Heft so aus:
„Natürlich nicht in Deutschland, da ersticken zehn Meter Beton starr strukturierter Kirchenamtlichkeit jede Entwickelung zum Positiven hin im Keime.“ Dem wäre eigentlich nichts hinzuzufügen, wenn nicht auch über diesen zehn Metern deutschem Kirchenbetons der Heilige Geist schwebte, der stärker ist als aller Beton der Welt. Das bewies der Fall der Berliner Mauer.
Im Trierischen Volksfreund wurde dem tapferen Verein „Durchblick“ und der Alfa, ob beabsichtigt oder nicht, Hilfe durch ein großes, sehr anrührendes Photo zuteil. Dort wird in einer menschlichen Hand geborgen dem Betrachter der Embryo entgegengehalten. Und so kam der kirchenkritische TV der Aktion zuhilfe, indem er das „Schockbild“, das wirklich tief berührt, in viel mehr Haushalte bringt, als der Verein erreichen kann.
Ist das nicht ein Hoffnungszeichen? Nur Mut! Christus wirkt in seiner Kirche und in der Welt. Ob die das nun will oder nicht. Die Freude am Herrn ist und bleibt unsere Stärke!

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Mit zweierlei Maß gemessen

  1. Eduard Werner sagt:

    Viele Scheine, die donum vitae ausstellt, dienen der Tötung von ungeborenen Kindern. Also ist die Bezeichnung donum mortis – Geschenk des Todes – keine Überraschung mehr. Eine solche Organisation hat innerhalb der katholischen Kirche nichts verloren. Wer einen solchen Schein ausstellt oder befürwortet, ist kirchenrechtlich automatisch exkommuniziert.
    Die Beteiligung am Kindermord wird sich rächen.

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