Gedanken von Bischof Erwin Kräutler zur Amazonassynode

Der emeritierte Bischof Erwin Kräutler von Xingu/Brasilien schrieb im Osservatore Romano (Nr. 28, 12. Juli 2019, spanische Ausgabe) unter dem Titel „Amazonien: eine Herausforderung für die Kirche und die Menschheit“ einen Artikel. Im ersten Teil geht er auf die Bedeutung des Amazonasbeckens für die dort lebende indigene Bevölkerung ein, beschreibt deren wirtschaftliche und soziale Situation, ihre Ausbeutung und Einengung ihres Lebensraums sowie die Gefahren für das Weltklima, die von der Abholzung und Nutzung des Bodens durch gigantische Agrarunternehmen ausgehen.
Den zweiten Teil seiner Ausführungen widmet Kräutler der Synode, die im Oktober in Rom beginnt. In seinen Überlegungen geht er vom Bischofstreffen vom Mai 1972 in Santerrem aus. Kräutler sagt: „Wir fragen uns heute, was aus der Kirche in Amazonien geworden wäre ohne das Engagement der Laien, besonders der Frauen. In der Prälatur von Xingu wurden mindestens zwei Drittel der Gemeinden von Frauen geleitet. Ich bin sicher, in anderen Diözesen ist es nicht anders.“ Kräutler spricht dann über die Möglichkeiten von Eucharistiefeiern in Amazonien: „Nur 70% der Gemeinden haben die Möglichkeit drei- bis viermal im Jahr die heilige Messe zu feiern … Die Eucharistie wird zum Ausnahmefall.“ Kräutler nahm an der Vorbereitung des Arbeitspapiers zur Oktobersynode teil. Dort wurde gefragt: Wie kann die Rolle der Laien auf den verschiedenen pastoralen Feldern (Katechese, Liturgie, soziale Fragen) anerkannt und wertgeschätzt werden. Die abgefragten Beiträge aus den Gemeinden seien die Grundlage für die Ausarbeitung des Arbeitspapiers für die Oktobersynode geworden. „Die Synode findet im Vatikan statt, um so zum Ausdruck zu bringen, dass die behandelten Themen nicht nur eine Angelegenheit für die Amazonasländer, sondern für die ganze Welt sind.“ Papst Franziskus hat am 8. März 2018 die Synode mit dem Titel bezeichnet: „Amazonien: Neue Wege für die Kirche und für eine umfassende (integrale) Ökologie“.
Kräutler fasst am Ende seines Artikels die für ihn wichtigsten Themen noch einmal zusammen. Das sind u.a.:
• Die Wertschätzung der Laieninnen für den Dienst (Ministerio) ihrer Gemeinschaften.
• Die Rolle der Frau als Evangelisierende, nicht nur in der Familie, sondern auch in den Gemeinden und als tatkräftige Verteidigerin der Menschenrechte, mit Zugang zum Diakonat.
• Die Suche nach Alternativen, um den fehlenden Eucharistiefeiern zu begegnen, vielleicht dadurch, dass neben dem traditionellen Modell des Priesters andere Formen dazukommen – nicht nur für Männer.
• Die Stärke der kirchlichen Basisgemeinden als erstem und grundlegendem Kern der Diözesen.
• Die Inkulturation der Sakramente in das Leben der indigenen Bevölkerung und die Hereinnahme kultureller autochtoner Ausdrucksformen in die Liturgie.
• Die Bewusstmachung und Sensibilisierung der gesamten brasilianischen Gesellschaft für die Verteidigung von Amazonien gegen Unternehmen, welche die Umwelt schädigen.
Die Amazonassynode könnte der „gesamten Kirche eine radikale Kehrtwende verordnen“ (Guido Horst, Tagespost, 18.7.2019), „nach der nichts mehr so sein wird, wie es war“ (Bischof Overbeck, Münster).
Kardinal Müller hat die Verfasser des Arbeitspapiers der Bischofssynode mit der 2014 gegründeten „Rete Ecclesiale Panamazzonica (REPAM), in dem sich Anhänger der bisher unbekannten ‚Theologia India‘ zusammengeschlossen haben“, geortet. „Es ist eine geschlossene Gesellschaft von absolut Gleichgesinnten, wie sich auch leicht aus den Namenslisten der Vorbereitungstreffen in Washington und Rom erkennen lässt“ (Gerhard Ludwig Müller, Tagespost 18. Juli 2019). Kardinal Müller nimmt zum „Offenbarungsverständnis“ des Arbeitspapiers für die Amazonien-Synode Stellung und deckt die gravierenden theologischen Defizite auf (Tagespost 18.07.2019, S. 9/10).

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Gedanken von Bischof Erwin Kräutler zur Amazonassynode

  1. Nicht zufällig agitiert Bischof Kräutler seit Jahr und Tag, um unterschiedlichste Gruppierungen der Ökobewegungen, New Age und Linkskatholiken zu vernetzen, nicht weniger zufällig bereitet der (politisch der äußersten Linken nahestehende) laisierte Priester Leonardo Boff dem „Mutter Erde“-Kult seit Jahrzehnten den Boden („Zukunft für Mutter Erde: Warum wir als Krone der Schöpfung abdanken müssen“ von 2012).

    Offenkundig wird anhand des Kunstbegriffs „Amazoniens“ ein spiritueller Überbau der kommenden holistischen Menschheitsverbrüderungskirche, die den Menschen als Maß aller Dinge ansieht, angestrebt – die dazugehörige synkretistische „Liturgie“ (Stichwort: „Missa Gaia“) tritt nunmehr offen ans Tageslicht. Man wird davon ausgehen dürfen, dass Ban-ki moon und Jeffrey Sachs bei der Oktobersynode nicht aus Höflichkeit anwesend sind, sondern vielmehr eine gewisse Scharnierfunktion zu den Netzwerken der Funktionseliten haben.

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