Joseph Roth und sein Bekenntnis zur Kirche

Joseph Roth war ein katholischer Volksschullehrer. Er stammte aus einer katholischen Familie in Köln. Drei seiner Brüder waren Priester und eine Schwester von ihm war Ordensfrau. Mit seiner Frau Katharina und seinen drei Kindern lebte Joseph Roth in Friesdorf bei Bonn. Neben seiner Familie und seiner Berufstätigkeit fand er auch noch Zeit für die Politik. Er hatte Funktionen in der katholischen Partei „Das Zentrum“. Er war Mitglied im Kreistag Bonn-Land und auch Mitglied im Kreis-Ausschuss. Für den Katholiken Joseph Roth war von Anfang an klar, dass der „neuheidnische Nationalsozialismus“ mit christlichen Wertvorstellungen nicht vereinbar ist. Überdies hatten die Bischöfe schon 1932 in kirchlichen Rundschreiben bereits verboten, die Nationalsozialisten zu wählen. Diese Überzeugung vertrat Joseph Roth in der Öffentlichkeit. Der monatliche Empfang des Beichtsakramentes und der Kommunion waren damals wie in vielen katholischen Familien auch in der Familie Roth selbstverständlich. Als jedoch die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernommen hatten, rächten sie sich an ihren weltanschaulichen Gegnern. Auch Joseph Roth wurde gezwungen, vorübergehend aus dem Schuldienst auszuscheiden. Nur mit Unterstützung seiner Schwiegereltern und durch Artikelschreiben in den wenigen noch nicht verbotenen Zeitungen konnte er seine Familie ernähren. Seine Texte durften nur unter einem Pseudonym erscheinen. Von den Nationalsozialisten in seinem Wohnort Friesdorf wurde die Familie Roth heftig angefeindet. Eines Nachts wurden sogar ihre Fenster eingeschlagen und beide Eltern durch Steinwürfe verletzt. Da tat Roth etwas Außerordentliches: Um seiner Familie etwas Ruhe zu verschaffen, stellte er einen Aufnahme-Antrag in die ¬NSDAP. Solche Schutzversuche hatten in manchen Fällen zwar Erfolg, aber bei einem so bekannten Katholiken wie Joseph Roth lehnte die NSDAP den Aufnahme-Antrag sofort ab. Die Familie musste weiter leiden. Erträglicher wurde das Leben für die Familie Roth erst, als am 1. September 1939 der Krieg ausbrach. Das Militär brauchte Joseph Roth als Soldaten. Nach einer kurzen Verwendung als Soldat kam er wieder nach Hause, weil er noch an einer Verwundung vom Ersten Weltkrieg her litt. Auch als Lehrer wurde er nun wieder eingestellt. Das ging gut bis zum Stauffenberg-Attentat am 20. Juli 1944. Nun wurden viele politisch verdächtige Personen verhaftet. Am 22.08.1944 traf es auch Joseph Roth. Morgens um 4:00 Uhr wurde er von der Gestapo vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder aus dem Bett geholt und in Handschellen abgeführt. Der Sohn Wilhelm wurde einige Tage später vom Gymnasium weg gewiesen. Nach einem Gefängnisaufenthalt in Köln kam Roth ins KZ Buchenwald. Dort wurden an ihm medizinische Versuche durchgeführt. Todkrank wurde er dann nach Hause entlassen. Am 22. Januar 1945 starb er. Nun verlangten Parteidienststellen, dass der Tod als Folge von Bombenangriffen dargestellt werde. Sie verweigerten auch die Bereitstellung eines Leichenwagens. Treue Freunde schafften den Sarg in aller Frühe auf Schlitten auf den Friedhof und nahmen die Bestattung in aller Stille vor. Was mussten damals auch Katholiken unter Hitlers Terrorsystem nicht alles erleiden! Wer selbst nie in einer Diktatur gelebt hat, kann den Mut der Bekenner und den Hass ihrer Gegner kaum gerecht beurteilen.

Eduard Werner

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2 Antworten auf Joseph Roth und sein Bekenntnis zur Kirche

  1. Josef Roth sagt:

    Am 22. Januar 2020 jährt sich der 75. Todestag meines Großvaters. Bedauerlicherweise sieht die Stadt Bonn darin keinen Handlungsbedarf. Das Grab ist zwar ein Ehrengrab, doch die Stadt Bonn würde nur dann reagieren, wenn er ein Ehrenbürger gewesen wäre, was er aber in der NS-Zeit, zu Lebzeiten, nie hätte werden können. Ausserdem, so die Stadt Bonn, liege sein Grab ja eh auf Godesberger Gebiet (bis 1969 eigenständige Stadt, heute südliches Stadtgebiet von Bonn) und damit in dem Zuständigkeitsbereich der Godesberger Verwaltung. Es ist so schmerzhaft, dass nicht einmal die Menschen im Ortsbereich Friesdorf (2 Märtyrer des 20. Jahrhunderts sind von dort, aber nicht ein einziger Hinweis in der Kirche) sich so teilnahmslos benehmen. Für Bonn gilt mein Großvater „nur“ als Godesberger, für Godesberg „nur“ als Friesdorfer und für die gilt er „nur“ als zugezogener Kölner. So sieht die Ehrung für den größten NS-Gegner aus Bad Godesberg heute aus. Dabei sagte mir Prälat Moll, dass das Schicksal meines Großvaters, seine so große Marienverehrung und sein Vergeben für die eigenen Peiniger und denen an der Kirche auf seinem Sterbebett so bedeutend wäre, dass wenn er die Unterstützung aus der Bevölkerung hätte, er reelle Chancen hätte, in eine Seeligsprechung zu kommen. Doch davon ist sein Schicksal in der provinziellen Umgebung von Bonn leider viel zu weit entfernt. Oder es erinnert noch viel zu Viele an deren eigene dunkle Vergangenheit.

  2. Josef Roth sagt:

    Es berührt mich tief, dass ich hier einen Lebensbericht über das Schicksal meines Großvaters entdecken durfte. Vielen Dank, Josef Roth

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