Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Traumquoten für Fulton Sheen

Habe ich damals eine seiner Predigten im Radio gehört, habe ich sie gelesen? Viel Zeit ist seitdem vergangen, aber die Begeisterung für den großartigen Redner blieb lange erhalten. Dann kamen er und seine Texte nicht mehr vor. Ein Schauspieler gleichen Namens weckte noch die Erinnerung an den begnadeten Prediger.
Doch nun ist sie wieder lebendig geworden, denn die sterblichen Überreste des 1979 in New York verstorbenen Erzbischofs sind exhumiert und in seine Heimatdiözese Peoria übertragen worden. Es ist so etwas wie eine Auferstehung für den Himmel, denn nun endlich kann der Medienbischof auch offiziell selig gesprochen werden. Die Heilung des leblos geborenen James Fulton Engstorm wurde als Wunder anerkannt. Sein Herz hatte 61 Minuten nicht geschlagen, das EEG zeigte schwere Hirnschäden, die Beine waren gelähmt, er musste beatmet werden. Die Eltern rufen den Namenspatron ihres Kindes um Hilfe an und es wird zu einem gesunden, fröhlichen Jungen.
In der Kathedrale von Peoria hat Peter John Sheen, der am 8. Mai 1895 in El Paso geboren wurde, als Kind oft in der Heiligen Messe gedient. Seine Eltern hatten mit ihm und den drei jüngeren Brüdern ihre Farm verlassen und waren in die Hauptstadt von Illinois gezogen, damit die Kinder eine gute Schulbildung erhalten könnten. Peters Mutter hatte ihren Ältesten der Madonna geweiht und er erneuert diese Weihe am Tag seiner Erstkommunion.
Der Junge muss seine Mutter sehr geliebt haben, denn er macht ihren Mädchennamen Fulton zu seinem eigenen. Mit 24 Jahren wird er am 20. September 1919 – vor genau 100 Jahren – zum Priester geweiht. Damals beschließt er, jeden Tag eine Stunde bei Gott vor dem Allerheiligsten zu sein. Sechzig Jahre später stirbt er am 9. Dezember vor dem Allerheiligsten – so wie er es erbeten hatte. Kurz zuvor war er – alt und gebeugt – in der New Yorker St. Patricks-Kathedrale vor Johannes Paul II. auf die Knie gefallen. Der zieht ihn hoch, umarmt ihn und sagt: Sie haben gut von unserem Herrn Jesus Christus geschrieben und gesprochen. Sie sind ein treuer Sohn der Kirche.“

Der junge Priester Fulton macht brilliante Studienabschlüsse, arbeitet voller Begeisterung in einer armen Gemeinde. Dann lehrt er über zwanzig Jahre lang an der katholischen Universität in Washington, hält Vorträge und Exerzitien. Seine Mahnung von damals gilt auch heute: Der moderne Mensch wolle das Unmögliche: eine Religion ohne Kreuz, einen Christus ohne Kalvarienberg und einen Pfarrer, der nie über die Hölle spricht.
Er spricht über all dies und die Menschen hören ihm zu. Mit seiner wöchentlichen Fernsehsendung „Life Is Worth Living“ erreicht er 30 Millionen Menschen – eine Traumquote. Und was er sagt, macht das Leben für viele wirklich wieder lebenswert. Er beantwortet unendlich viele Brief ist aber auch viele Jahre Leiter der für alle Diözesen so wichtigen Gesellschaft für die Glaubensverbreitung.
Fulton Sheen – 1951 zum Bischof geweiht – nimmt am Zweiten Vatikanischen Konzil teil. Joseph Ratzinger erinnert sich viele Jahre später an den Weihbischof von New York „der uns abends mit seinen Vorträgen faszinierte.“
Lehren und Predigen hält der spätere Bischof von Rochester für eine besondere Verpflichtung, denn es gehe um Erkenntnis der Wahrheit und Wahrheitsliebe. Daher hält er die Kanzel auch für einen guten Ort zum Sterben.
Seine Aussage über das „Ende der Christenheit“ hat prophetischen Charakter. Abtreibung, Scheidung, Unmoral und Unehrlichkeit seien Symptome dafür, dass das von christlichen Prinzipien inspirierte gesellschaftliche Leben am Ende sei. Dies alles ist aber kein Anlass zur Resignation, denn: „Wenn es keinen Karfreitag in unserem Leben gibt, wird es auch niemals einen Ostersonntag geben.“ 

Ursula Zöller

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Eine Antwort auf Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Traumquoten für Fulton Sheen

  1. Gerhard Ley sagt:

    Wir haben nach dem Krieg seine Predigten verschlungen!
    Und bei unseren Gruppenabenden der Katholischen Jugend waren sie begeisterndes Gespräch!

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