„An den eigentlichen Problemen vorbei“

Der Brief der zehn Generalvikare von Trier, Berlin, Essen, Hamburg, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Münster, Osnabrück und Speyer vom 21.10.2019 an Erzbischof Kardinal Marx und an den ZdK-Präsidenten Prof. Dr. Sternberg, soll die Synodalen bestärken, den von der Bischofskonferenz am 25. September 2019 beschlossenen Fahrplan ohne Wenn und Aber weiterzugehen.
Die Generalvikare sehen ihr Schreiben „Als Ermutigung für den eingeschlagenen Synodalen Weg“. Sie „unterstützen ausdrücklich die Haltung unserer Bischöfe, die sich… für den Synodalen Weg ausgesprochen haben… wir begrüßen und unterstützen… den Synodalen Weg, seine Themen und seine Zielsetzungen mit Nachdruck“.
Die Generalvikare sind überzeugt, „dass uns Gottes Wille zu deutlichen Schritten der Veränderung ermutigt“. Sie appellieren an alle Mitwirkenden und Beteiligten des Synodalen Weges… an alle verantwortlichen und engagierten Gläubigen, diesen Geist (Gottes) nicht voreilig einzugrenzen“. Woher nehmen die Generalvikare die Sicherheit, dass Gottes Geist auf Seiten derer ist, die „neue Wege“ für unsere Kirche gehen wollen. Stehen die Forderungen für diesen neuen Weg im Einklang mit dem Wort und Beispiel Jesu und mit der Lehre der Kirche? Rudolf Voderholzer hat dem am 25. September beschlossenen Synodalen Weg attestiert, „dass die wahren Probleme nicht angegangen werden“. Das ZdK fordert beispielsweise
Frauen den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu gewähren.
Den Pflichtzölibat abzuschaffen.
In der kirchlichen Sexualmoral die vielfältigen Lebensformen und Lebenswirklichkeiten positiv anzuerkennen.
Entscheidungskompetenz für alle Getauften auf allen Ebenen der Kirche zu verwirklichen.
Die Generalvikare appellieren, denen, die „neue Wege“ gehen wollen, eine „lautere Motivation und einen ehrlichen Glauben zu unterstellen“ und auf „Unterstellung – oder gar dem Vorwurf mangelnder ‚Rechtgläubigkeit‘ zu verzichten“. Hier wird versucht, einen Schutzschirm aufzubauen, wenn bei „deutlichen Schritten der Veränderung“ Glaubensinhalte auf dem Spiel stehen. Diese können nicht wegdialogisiert werden, sondern erfordern geistige Auseinandersetzung, Beurteilung und Abgrenzung. Es geht um die Wahrheit! Relativismus verbietet sich, auch, wenn er im Gewand von „Pluralität“ und „Diversität“ und als „offene Vielfalt“ daherkommt.

Die Generalvikare haben recht, wenn sie sagen, im „Weiter so – Modus werden wir unserem Auftrag nicht mehr gerecht werden können“. Dieser jahrzehntelang praktizierte Modus ist schon bisher dem „Auftrag“ nicht gerecht geworden. Das Ergebnis dieser pastoralen Praxis sehen wir in der Massenabkehr der Gläubigen von der Kirche (2018: 220.000), in der geringen Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier (2018: 9,8%), in der katastrophalen Unwissenheit der Katholiken über Glaubensinhalte nach neun Jahren Religionsunterricht. Diese Phänomene haben wir seit langem, nicht erst seit Bekanntwerden der sexuellen Missbrauchsfälle. Wenn sich die Herde auflöst und zerstreut wird, sollten sich die Hauptverantwortlichen der Kirche fragen, ob sie die Ursachen dafür nicht gekannt und was sie dagegen unternommen haben. Sie sollten sich auch fragen, ob sie „die gesellschaftlichen Entwicklungen“ mit den Forderungen Jesu und dem Glauben der Kirche konfrontiert haben. Die Gläubigen können z. Beispiel von den Bischöfen, die ihre Stimme für den Umweltschutz erheben, verlangen dass sie auch und zuerst, die Ökologie für die Menschen einfordern. Auch Menschen sind bedroht, z.B. in der Embryonenforschung, durch die pränatalen Diagnostik, durch die Massenabtreibung, durch die aktive Sterbehilfe, durch den Menschenhandel, um die Bordelle zu füllen und durch die Leihmutterschaft. Das Schweigen der Bischöfe, Priester und verantwortlichen Laien zu Fragen, bei denen die Gläubigen zurecht eine Orientierung von der Kirche erwarten, führt zu der fatalen Meinung, dass die Kirche mit dem realen Leben nichts zu tun hat. Dann braucht man sie auch nicht mehr. Daraus resultiert die Abwanderung von der Kirche und schließlich von Gott. Hier liegen Probleme, mit denen sich der Synodale Weg beschäftigen sollte. Glaubensvertiefung und den Primat der Neuevangelisierung hat Papst Franziskus in seinem Schreiben an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ angemahnt. Die Gläubigen kennen nämlich das Evangelium nicht mehr. Das Wort des Papstes war klar und verständlich. Aber man wollte es nicht verstehen!

Hubert Gindert
Erscheint auch in der Monatszeitschrift „Der Fels“

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3 Antworten auf „An den eigentlichen Problemen vorbei“

  1. Mathias Wagener sagt:

    Das Ganze Sonderwegsgetue nennt sich also „synodaler Prozeß“.So sehr demokratisch ist das ganze Vorhaben aber auch nicht,da bestimmte Richtungen a priori,da im ZdK praktisch nicht vorhanden,von vorneherein ausgeschlossen sind.Wenn man schon so tönt,dürfte man sich auch nicht auf diesen Strukturen aufbauen,sondern müßte einei allgemeine Vertretung der Gläubigen aus allgemeinen Wahlen anstreben.Man ist „fortschrittlich“,soweit es eigene Positionen nicht gefährdet.Bei den Evangelischen,die die genannten Ziele schon realisiert haben,herrscht aber auch keine Aufbruchstimmung,sondern eher Resignation wegen immer weniger Gottesdienstbesuchern und Aktiven.

    • Peter Werner sagt:

      Sehr geehrter Herr Wagener,
      lassen Sie mich Ihren Gedanken weiterentwickeln. Wissen die Kräfte, die den
      synodalen Weg gehen wollen, incl. der zustimmenden Bischöfe, dass die ge-
      nannten Ziele keinen Glaubensaufbruch induzieren werden? Ich denke ja, die
      wissen das. Warum wollen sie dann trotzdem diesen Weg bestreiten? Weil sie
      es sich auch in Zukunft (sie tun es ja jetzt schon) in dieser „Kirche“ bequem einrichten wollen: sichere Arbeitsplätze in den Ordinariaten, um sich selbst zu verwalten. Alle paar Jahre ein neuer Pastoralplan. Der wird dann 2 Jahre später evaluiert, dann gibt’s den nächsten Plan usw. bis zur Rente.

      Ein paar dumme Schafe werden schon übrig bleiben, denen man diesen Mix aus Psycholaberei, Sozialengagement (diverse Sammelaktionen) und sonstigem Gutmenschentum als Glauben und Leben aus dem Glauben verkaufen kann; es darf halt bloß nicht mit der säkularen Welt und ihren „Errungenschaften“ anecken. So will man sich durchwurschteln bis zum totalen religiösen Relevanzverlust.

      Am Ende ist man so etwas ähnliches wie die sogenannte „Volkssolidarität“ in der ehemaligen DDR (ich glaube in den ostdeutschen Bundesländern gibt’s die heute noch). Die kümmert sich auch um alte und einsame Menschen u. ähnliche durchaus notwendige und gute Dinge, aber Gott und das Handeln aus dem Glauben an ihn, spielt dabei keine Rolle mehr.

      Wie Franziskus versucht man aber diesen Prozess schleichend zu vollziehen.
      Es wird in offiziellen Schreiben alles in wortreiches psychopastorales Gelaber
      gepackt, was sowieso kaum einer liest (siehe z.B. das Instrumentum laboris
      der kürzlich stattgefundenen Amazonassynode). Die meisten Gläubigen
      konsumieren nur das, was die säkularen Mainstreammedien an dem, was eh schon profillos ist, noch weiter zurechthobeln und lassen sich so
      einlullen. Irgendwann sind sie so entfremdet, dass sie sich bei irgendeiner Teuerung, wenn’s für die Familien wieder heißt, „jetzt muss gespart werden“,
      an die Kirchensteuer erinnern und bis zur Austrittserklärung ist es dann nur
      noch ein kleiner Schritt, wenn nicht für diese Generation, dann eben für die
      Söhne oder Enkel. In der Medizin nennt man so etwas „herausschleichen“ (z.B. die allmähliche [schleichende] Dosisverringerung eines Medikamentes über einen mittleren bis längeren Zeitraum bis zur vollständigen Absetzung).
      Was in der Medizin durchaus sinnvoll sein kann, ist aber, was den Auftrag
      Christi für seine Kirche betrifft, letztlich nichts anderes als die Verweigerung
      seiner Nachfolge. Die Bischöfe sind nicht blöd. Sie wissen ganz genau, dass es so läuft, aber nur wenige versuchen in die Speichen zu greifen. Die meisten treiben die Räder noch an (Marx, Bode, Bätzing, Kohlgraf, Willmer, Feige, Heße, Jung u.v.m.).

    • Peter Werner sagt:

      P.S.
      Über die Rolle des gegenwärtigen Petrusnachfolgers bei den (Dekonstruk-
      tions)Prozessen in der Kirche in Deutschland und in der Weltkirche darf ich
      auf den erstklassigen Videokommentar von Weihbischof Marian Eleganti vom
      26.10.19, dem letzten Sitzungstag der Amazonassynode, verweisen (youtube.com/watch?v=ZPZ2rLnCPa8).

      Meine Hoffnung ist, dass man auch in der Führung des Forums angesichts
      dessen, was im Vatikan jedes Kind erkennen kann, nicht mehr die Augen
      verschließt, „Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ hin oder her.
      Lasst Euch nicht täuschen!

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