Dr. Albert Münch – ein glaubensstarker Verteidiger der Kirche

Seit es die Kirche gibt, wird sie immer wieder von zeitgeistigen Strömungen bekämpft. Wenn die Vertreter des Zeitgeistes aus der Kirche selbst kommen, gilt 1 Joh 2: „Sie kamen zwar aus unserer Mitte, sie haben aber nie zu uns gehört.“ Deshalb kommt es in solchen Fällen stets zu Abspaltungen. Wenn dagegen die Vertreter des Zeitgeistes die Kirche von außen angreifen, rücken die Katholiken enger zusammen. Das führt immer zur Bereitschaft, Zeugnis für Christus abzulegen.
Diese Erfahrung zeigt sich auch beispielhaft im Leben von Dr. Albert „Abbé“ Münch in der Zeit des Nationalsozialismus. Dieser mutige Priester war 1932/33 Kaplan in Bensheim an der Bergstraße. In dieser Notzeit gab es viele Arbeitslose, politische Unruhen und viele Attentate. Obwohl auch Kaplan Münch die Friedensbedingungen von Versailles für Deutschland und St. Germain für Österreich für unangemessen hart empfand, predigte er dennoch den Versöhnungsgedanken mit Frankreich. Kaum hatte er seine erste Kaplanstelle in Bensheim angetreten, warb er im neuen Kolpinghaus in einem gut besuchten Vortrag für Aussöhnung mit Frankreich. Er organisierte Jugendlager, auf denen Kaplan Münch den Jugendlichen die Abgrenzung zu den Nationalsozialisten nahe brachte. Sein schwungvoller Einsatz ließ zunächst keine „Hitlerjugend“ aufkommen. Im April 1933 organisierte Kaplan Münch eine Aufsehen erregende „Friedensfahrt“ der Bensheimer Jugend nach Paris, vorbei an den Gräbern von Verdun und Reims. Dort entwickelten sich dauerhafte Freundschaften zwischen Deutschen und Franzosen, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu Keimzellen der deutsch-französischen Verständigung wurden. Die Franzosen nannten Münch liebenswürdigerweise „ihren Abbé“, was die Deutschen dankbar übernahmen. Am 1. Mai 1933 stahl er den Nationalsozialisten die Schau. Nach einem feierlichen Gottesdienst in der Kirche strömten die Jugendlichen mit ihren Eltern und mit Fahnenschmuck und Musikzug auf den Stadtplatz. Sie sangen gemeinsam das Deutschlandlied. Als ein kleines Grüppchen Hitler-Jugend das Horst Wessellied anstimmen wollte, trat peinliche Stille ein. Kaplan Münch und seine Jugendlichen beherrschten die Straße, so dass die Nationalsozialisten wiederholt seine Versetzung an andere Orte durchsetzten. Kaplan Münch kritisierte überall die Untaten, die Lügen und das Neuheidentum der Nationalsozialisten, so dass nach mehreren Verhaftungen die Einweisung in ein KZ drohte. Da schritt sein Schulkamerad Dr. Werner Best ein. Dieser Schulkamerad war inzwischen zu einem hochrangigen SS-Offizier aufgestiegen. Er wollte aber seinen Schulkameraden Albert Münch vor dem grausamen Schicksal Tausender anderer Priester bewahren. Deshalb schickte er ihn rasch nach Italien. Dass mancher NS-Funktionär heimlich gefährdete Zeitgenossen rettete, wurde bis jetzt in der Geschichtsforschung kaum beachtet. In solchen Fällen haben sich die Helfer selbst in Gefahr gebracht.

Eduard Werner, Eduard Werner, Verfasser des Buches „Helden und Heilige in Diktaturen“. Media Maria, Illertissen 2017

Foto: Manfred Forell: „Dr. Albert Abbé Münch, ein mutiger Priester in schwerer Zeit“ Dokumentation hrsg. Kolping-Familie, Bensheim

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*