Mein Leben als Opfer für die Welt. Zum 75. Jahrestag des Todes von Matthias Kaiser

Am 29. November 1944, also vor 75 Jahren, endete auf dem Hof des Wehrmachtsgefängnisses von Anklam (heute Mecklenburg-Vorpommern) das junge Leben des Soldaten und tiefgläubigen Christen Matthias Kaiser. Der 23-jährige, der fest vorhatte, Priester zu werden, wurde standrechtlich erschossen mit der Begründung „Feigheit vor dem Feind“. Es gibt allerdings triftige Gründe dafür, dass dieses sehr harte Todesurteil damit im Zusammenhang steht, dass Matthias aus seinem Glauben keinen Hehl gemacht hatte. Andere Soldaten waren wegen des gleichen Delikts nicht zum Tode verurteilt worden, und auch die Anklage hatte damals beim Gerichtsverfahren für Zuchthaus plädiert – das Gericht aber auf Tod durch Erschießen entschieden. Matthias Kaiser wurde so auch in das Martyrologium des Erzbistums Bamberg aufgenommen.
Sein Gedenken hält auch die KIM-Bewegung aufrecht, eine kirchliche Jugendbewegung, die 1962 in Ingolstadt gegründet wurde und jetzt noch in Österreich präsent ist. KIM hat das Kreuz und den Rosenkranz übernommen, die Matthias Kaiser lange Zeit begleitet haben, bis zu seinem Märtyrertod.
Matthias Kaiser stammt aus der Stadt Kronach in Oberfranken. Hier wurde er am 28, Juni 1922 geboren. Matthias wuchs in einer Familie auf, die eine Brauerei, eine Landwirtschaft und einen Gasthof betrieb. Seine Gymnasialzeit verbrachte er zunächst sechs Jahre lang bei den Benediktinern in Metten und dann in Bamberg. Matthias lebte in einem ursprünglich kirchlich geführten Schülerheim, das aber durch den Beschluss der Nazis vom Staat übernommen worden war und so im Sinne der NS-Doktrin geleitet wurde. Der junge Schüler fand in dieser Zeit einen väterlichen Freund in dem Bamberger Diözesanjugendseelsorger Jupp Schneider.
Als Matthias ein Jahr nach dem Notabitur im Jahr 1941 als Soldat in den Krieg musste, schlug ihm Jupp Schneider vor, er solle sich ein Kreuz schmieden lassen mit den griechischen Worten „Phos“ und „Zoe“, also „Licht“ und „Leben“. Eine befreundete Goldschmiedin stellte dieses Kreuz her, das Matthias nun immer trug.

Als Soldat wurde Matthias Kaiser dreimal verwundet. Er kämpfte in Russland, und dort kam es im Juli des Jahres 1944 zu den Ereignissen, die ihn den Kopf kosteten: Bei den Kämpfen um die Stadt Ostrow musste Matthias Kaiser eine ihm unbekannte Kompanie übernehmen. Erst kurz zuvor war er zum Leutnant befördert worden. Als der Kampf aussichtslos schien, wollte er unnötiges Blutvergießen vermieden und befahl den Rückzug. Zwei Tage später verlor er in der unübersichtlichen Situation den Kontakt zur Truppe und schlug sich allein durch bis nach Riga. Am 17. September 1944 wurde er deswegen zum Tode verurteilt – weil er seine Truppe nicht sinnlos opfern wollte.
Die Zeit bis zu seiner Hinrichtung – auch geprägt von einem ständigen Hoffen auf ein erfolgreiches Gnadengesuch – konnte Matthias Kaiser vor allem durch sein festes Gottvertrauen durchstehen. Sein Licht-Leben-Kreuz half ihm dabei genauso wie ein Fingerrosenkranz aus Silber, besetzt mit zehn Granaten. Im Gefängnis erstellte Matthias sich auch ein eigenes Brevier, das er den Tag über konsequent betete. Es ist nicht das übliche Stundenbuch mit den Psalmen, sondern es bestand aus unterschiedlichen Gebeten und Hymnen (wie dem „Te Deum“, dem Rosenkranz, dem Angelusgebet, verschiedenen Litaneien, doch auch einzelnen Psalmen). Die Bedeutung des Stundengebetes hatte Matthias Kaiser wahrscheinlich durch seine Kontakte zur katholischen Jugend und durch Pfarrer Schneider kennengelernt, die sich damals der liturgischen Bewegung jener Zeit verbunden wussten.
Doch die Tagzeitenliturgie, die Matthias Kaiser so wichtig war, verweist auch noch auf etwas anderes: In dem jungen Soldaten war das Bewusstsein gewachsen, dass Gott ihn zum Priestertum gerufen hatte. Daraus machte Matthias Kaiser keinen Hehl. Und wie ernst er es damit meinte, zeigt auch sein Briefverkehr mit seiner Freundin Gertrud, der er rund zwei Jahre vor seinem Tod schrieb: „Seit Jahren ringe ich um die Entscheidung, ob mich der Herrgott zum Priester gerufen hat oder nicht. Wenn ich einmal seinen Ruf klar vernommen habe, gibt es für mich natürlich kein Zurück mehr. … Kannst Du, liebe Trudl, dann soviel Liebe um meinet- und des Höheren willen aufbringen und auf mich verzichten?“
Ein Zeugnis für seinen tiefen Glauben war auch sein Tod, von dem Gefängnispfarrer Karl Biela in einem Brief an die Eltern berichtet. Nur wenige Stunden vor seinem Tod feierte Matthias mit dem Pfarrer in der Zelle die heilige Messe, und der Todgeweihte sagte am Schluss: „Wir haben das heilige Opfer gefeiert wie die ersten Christen in den Katakomben. Ich habe wie der Heiland mein Leben dem Vater zum Opfer gebracht für die Welt. Es ist schwer, im Vollbesitz der Kräfte dem Leben zu entsagen. Ich kann es nur, weil mich der Heiland stärkt. … ich kann nur noch beten.“ Bis zu dem Moment, wo er die Zelle zur Hinrichtung verließ, verharrte Matthias Kaiser im Gebet – und bevor ihn die tödlichen Schüsse trafen, sprach er: „Vater, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist.“

Raymund Fobes

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*