Religiös „unmusikalisch?“

Gespräche über die religiöse Situation in den westeuropäischen Ländern wirken oft hilflos, selbst, wenn die Runde aus Glaubenden zusammengesetzt ist. Das gilt auch, wenn die Lage weithin einstimmig analysiert wird. Jeder kennt die Situation:
die fast totale Unkenntnis der Glaubensinhalte. Den sonntäglichen Gottesdienstbesuch unter 10%, den Massenaustritt aus der Kirche (2018: 220.000).
Auch über die Gründe dieser Fakten besteht meist Übereinstimmung. Nämlich das fehlende Glaubenswissen von Kindesbeinen an. Das liegt nicht daran, wie Eltern und Erzieher in Kindergärten bestätigen, dass die Kinder nicht interessiert wären, sondern daran, dass das Interesse gar nicht geweckt wird. Wenn der schulische Religionsunterricht nicht mit persönlicher Überzeugung vorgelebt wird, kann die Wirkung nicht ansteckend sein. Und wenn in sonntäglichen Predigten Themen, die anecken (katholisches Eheverständnis, Keuschheit) aus Menschenfurcht aussparen („ich habe seit Jahrzehnten nichts darüber gehört“), legen sich die Zuhörer ihren „Glauben“ selber aus. Solche Gottesdienste wiegen dann weniger als Ausschlafen, zum Baden, Skifahren oder in die Kneipe Gehen.
Die Massenabkehr von der Kirche ist nicht Zeichen von wirtschaftlicher Not aufgrund der Kirchensteuer. Sie rührt meist daher, dass die Zugehörigkeit zur Kirche weniger wiegt, als das, was man sich mit der Kirchensteuer „leisten“ kann.
In der Gesprächsrunde werden weitere Gründe für die aktuelle Glaubenssituation genannt, die das Mosaik abrunden und Teilerklärungen liefern. Z.B.:
Der wirtschaftliche Wohlstand verschafft materielle Sicherheit und Unabhängigkeit von Gott;
Die gegebene totale Möglichkeit der Ablenkung durch Fernsehen und neue Medien;
Das auf die Spitze getriebene wirtschaftliche Denken. (Was bringt‘s), das auch vor der Familie und dem Freundeskreis nicht Halt macht und seinen Höhepunkt in einer totalen Selbstverwirklichung findet.
Loyale, aber enttäuschte Katholiken weisen noch darauf hin, die Kirche würde das Zerstörungswerk von Laiengremien, wie ZdK, BDKJ, Frauenverbände, kirchliche Medien alimentieren und die wuchtige Karosserie von kirchlichen Einrichtungen (Caritas, Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser) in Betrieb halten, obwohl zumeist das Personal nur seinem Job nachgeht und keine christliche Atmosphäre entfaltet.
Die resignative Schlussfolgerung der Gesprächsrunde lautet: Die Menschen seien religiös „unmusikalisch“ geworden und für Neuevangelisierung nicht mehr erreichbar.

Erinnert das Wort „unmusikalisch“ nicht an eine wenig veränderbare Naturausstattung? Vor allem, stimmt diese Feststellung? Richtig ist: Wer „unmusikalisch“ ist, wird auch bei bester Pädagogik in seinem Leben kein Opernstar. Aber glühende Kirchenfeinde sind schon Heilige geworden. Dass der Mensch auf Gott hin angelegt ist, war schon vor der Erkenntnis des heiligen Augustinus eine Tatsache.
Menschen sind für das Evangelium ansprechbar. Wohl kaum nach der von den Bischöfen am 25. September beschlossenen Methode des synodalen Prozesses, wohl aber auf Wegen, wie es uns zumeist kleine Gemeinschaften vormachen. Diese religiösen Inseln nehmen ihren Anfang oft auf ähnliche Weise. Das beginnt mit sakramentaler Anbetung. Das zweite Standbein sind Glaubenskurse, die das religiöse Basiswissen vermitteln. Diese Gemeinschaften praktizieren eine brüderliche Gesinnung, die an die Jerusalemer Urkirche erinnert: „Sie beharrten in der Lehre der Apostel und in der brüderlichen Gemeinschaft: im Brotbrechen und im Gebet“ (Apg 2, 42-43).
Die „kleine Herde“ wurde von Joseph Ratzinger schon 1970 vorhergesagt. Er sprach von „einer klein gewordenen armen Kirche, die weithin ganz von vorne wird anfangen müssen“. Er fährt fort „aber nach der Prüfung wird aus einer verinnerlichten und vereinfachten Kirche eine große Kraft strömen. Denn die Menschen einer ganz und gar geplanten Welt werden unsagbar einsam sein. Gespräche über die religiöse Situation in den westeuropäischen Ländern wirken oft hilflos, selbst, wenn die Runde aus Glaubenden zusammengesetzt ist. Das gilt auch, wenn die Lage weithin einstimmig analysiert wird. Jeder kennt die Situation:
die fast totale Unkenntnis der Glaubensinhalte. Den sonntäglichen Gottesdienstbesuch unter 10%, den Massenaustritt aus der Kirche (2018: 220.000).
Auch über die Gründe dieser Fakten besteht meist Übereinstimmung. Nämlich das fehlende Glaubenswissen von Kindesbeinen an. Das liegt nicht daran, wie Eltern und Erzieher in Kindergärten bestätigen, dass die Kinder nicht interessiert wären, sondern daran, dass das Interesse gar nicht geweckt wird. Wenn der schulische Religionsunterricht nicht mit persönlicher Überzeugung vorgelebt wird, kann die Wirkung nicht ansteckend sein. Und wenn in sonntäglichen Predigten Themen, die anecken (katholisches Eheverständnis, Keuschheit) aus Menschenfurcht aussparen („ich habe seit Jahrzehnten nichts darüber gehört“), legen sich die Zuhörer ihren „Glauben“ selber aus. Solche Gottesdienste wiegen dann weniger als Ausschlafen, zum Baden, Skifahren oder in die Kneipe Gehen.
Die Massenabkehr von der Kirche ist nicht Zeichen von wirtschaftlicher Not aufgrund der Kirchensteuer. Sie rührt meist daher, dass die Zugehörigkeit zur Kirche weniger wiegt, als das, was man sich mit der Kirchensteuer „leisten“ kann.
In der Gesprächsrunde werden weitere Gründe für die aktuelle Glaubenssituation genannt, die das Mosaik abrunden und Teilerklärungen liefern. Z.B.:
Der wirtschaftliche Wohlstand verschafft materielle Sicherheit und Unabhängigkeit von Gott;
Die gegebene totale Möglichkeit der Ablenkung durch Fernsehen und neue Medien;
Das auf die Spitze getriebene wirtschaftliche Denken. (Was bringt‘s), das auch vor der Familie und dem Freundeskreis nicht Halt macht und seinen Höhepunkt in einer totalen Selbstverwirklichung findet.
Loyale, aber enttäuschte Katholiken weisen noch darauf hin, die Kirche würde das Zerstörungswerk von Laiengremien, wie ZdK, BDKJ, Frauenverbände, kirchliche Medien alimentieren und die wuchtige Karosserie von kirchlichen Einrichtungen (Caritas, Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser) in Betrieb halten, obwohl zumeist das Personal nur seinem Job nachgeht und keine christliche Atmosphäre entfaltet.
Die resignative Schlussfolgerung der Gesprächsrunde lautet: Die Menschen seien religiös „unmusikalisch“ geworden und für Neuevangelisierung nicht mehr erreichbar.
Erinnert das Wort „unmusikalisch“ nicht an eine wenig veränderbare Naturausstattung? Vor allem, stimmt diese Feststellung? Richtig ist: Wer „unmusikalisch“ ist, wird auch bei bester Pädagogik in seinem Leben kein Opernstar. Aber glühende Kirchenfeinde sind schon Heilige geworden. Dass der Mensch auf Gott hin angelegt ist, war schon vor der Erkenntnis des heiligen Augustinus eine Tatsache.
Menschen sind für das Evangelium ansprechbar. Wohl kaum nach der von den Bischöfen am 25. September beschlossenen Methode des synodalen Prozesses, wohl aber auf Wegen, wie es uns zumeist kleine Gemeinschaften vormachen. Diese religiösen Inseln nehmen ihren Anfang oft auf ähnliche Weise. Das beginnt mit sakramentaler Anbetung. Das zweite Standbein sind Glaubenskurse, die das religiöse Basiswissen vermitteln. Diese Gemeinschaften praktizieren eine brüderliche Gesinnung, die an die Jerusalemer Urkirche erinnert: „Sie beharrten in der Lehre der Apostel und in der brüderlichen Gemeinschaft: im Brotbrechen und im Gebet“ (Apg 2, 42-43).
Die „kleine Herde“ wurde von Joseph Ratzinger schon 1970 vorhergesagt. Er sprach von „einer klein gewordenen armen Kirche, die weithin ganz von vorne wird anfangen müssen“. Er fährt fort „aber nach der Prüfung wird aus einer verinnerlichten und vereinfachten Kirche eine große Kraft strömen. Denn die Menschen einer ganz und gar geplanten Welt werden unsagbar einsam sein.

Hubert Gindert

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