Wo das Christentum unbefangen gelebt wird. Am Beispiel der kroatischen Gemeinde Ingolstadt

Es waren rund dreißig Jugendliche, die im Pfarrheim und der Pfarrkirche St. Martin im Ingolstädter Stadtteil Mailing an diesem Samstag und Sonntag Ende Oktober zusammenkamen. Ein buntes Programm wurde ihnen geboten: Sport und Spiel und Begegnung waren dabei, aber – und das war die Hauptsache – entscheidend ging es darum, den Zugang zu den Sakramenten der Eucharistie und der Beichte zu vertiefen. Und diese Jugendlichen sollten auch dazu ermutigt und angeleitet werden, den Glauben weiterzugeben.
Die Jugendlichen, die sich da versammelten, stammten alle ursprünglich aus Kroatien. Viele von ihnen sind allerdings hierzulande geboren, gleichwohl ist ihnen der Bezug zu ihrer Heimat wichtig. Andererseits leben sie aber jetzt in Deutschland, und so tragen sie ihren Glauben auch an die Menschen hier weiter.
Eingeladen hatte P. Mato Križić, Kroatenseelsorger im Bistum Eichstätt. Neben Ingolstadt betreut er auch kroatische Gemeinden in Neumarkt im Norden der Diözese sowie in Weißenburg, etwas nördlich von der Bistumsstadt Eichstätt. Als Salesianer Don Boscos liegt ihm besonders die Jugendarbeit am Herzen, doch P. Mato ist für alle da. So kann er sich Sonntag für Sonntag über sehr gut besuchte Gottesdienste freuen, zu denen Alt und Jung kommen.
Die jungen Kroaten bleiben dem Glauben und ihrer Pfarrei verbunden, heilige Messe selbstverständlich regelmäßig mit eingeschlossen. Sicher spielt auch das nationale Zusammengehörigkeitsgefühl eine Rolle: unter Kroaten zu sein – doch auch unter Menschen, die den Glauben leben und dies gern tun.

P. Mato arbeitet eng mit den Don-Bosco-Salesianern seiner kroatischen Heimat zusammen. Zu dem Wochenende in Ingolstadt war der Beauftragte für die Jugendpastoral aus der Kommunität in Zagreb gekommen, P. David Leskovar SDB. In seiner Grundhaltung gegenüber den Jugendlichen orientiert er sich an seinem Ordensvater Don Giovanni Bosco: „Ich liebe das, was die Jugendlichen lieben, damit die Jugendlichen das lieben, was ich liebe.“ Für Don Bosco und auch für P. David bedeutet das, dass sie gute Christen werden.
Die Jugendlichen, die an diesem Wochenende teilgenommen haben, erfuhren auch eine Schulung, wie sie selbst andere leiten können. Animateure oder Volontäre heißen diese Helfer in der Sprache der Don-Bosco-Salesianer. Die Ordensleute wissen, dass man gemeinsam besser weiterkommt, indem man durch das Wecken von Glaubensfreude wieder andere dafür gewinnt, diese Glaubensfreude qualifiziert weiterzutragen. So gibt es bereits in der Kroatischen Gemeinde von Ingolstadt einige, die zu Animateuren ausgebildet sind. P. Mato bietet für sie auch immer wieder Schulungen in Kroatien an. Beliebt ist die Insel Prvič bei Sibenik, wo sich in dem Ort Prvič Luka ein Ferienheim der Salesianer befindet.
Wertvoll ist für die Jugendlichen der Kontakt zu ihrem Heimatland auch wohl deswegen, weil dort viel unbefangener das Christentum und der Katholizismus gelebt werden als in Deutschland. So gibt es noch viele Familien, in denen ein Mitglied einem Orden angehört oder Priester ist. Diese Berufungen sind damit auch viel mehr in die Gesellschaft integriert als hierzulande. Das unbefangene Miteinander von Glauben und Gesellschaft, von Priestern, Ordensleuten und anderen Christen, die ihren Glauben im Alltag leben, führt dazu, dass dieser Glaube im Alltag dann auch tiefer gelebt wird.
Und eben auch dazu, dass kirchliche Jugendarbeit zu einer vertieften Glaubenspraxis führt, wo gerade die heilige Messe als Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens gesehen wird. Sicher ist da auch das Verhalten anderer Mitglieder der Gemeinde beispielgebend. So findet – wie P. Mato berichtet – in der Stadt Neuburg, wenige Kilometer von Ingolstadt entfernt, nur unregelmäßig eine Vorabendmesse in kroatischer Sprache statt. Wenn aber diese Messfeier stattfindet, so nehmen die Neuburger zuerst an ihr teil, am Sonntag kommen sie aber dann noch ein zweites Mal zur kroatischen Eucharistiefeier nach Ingolstadt.
Solche Zellen begeisterter Christen, seien es nun Landleute oder seien es die Gemeinden von Christen ausländischer Herkunft wie die kroatische Gemeinde, sind gewiss ein Segen für die Kirche in unserem Land. Sie machen Mut, offensiv, ohne Angst und optimistisch unseren Glauben zu verkündigen.

Raymund Fobes

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