Flucht in Aktivitäten statt Verkündigung der Botschaft Jesu

In einem Interview antwortete Kardinal Sarah auf die Frage „Wie würden Sie die geistige Lage des Westens charakterisieren?“ mit den Worten: Es ist „eine Art Depression, eine Ermattung, ein geistiger Überdruss, ein gewisses Schwinden der inneren Lebensfreude, eine Entmutigung und eine Erschlaffung der Seele“… Die Menschen „finden sich mit Mittelmäßigkeit ab, geben ihre großen Lebenssehnsüchte auf“.
Zu den „weitreichenden Folgen“ fehlender Hingabe, sieht Erzbischof Sarah „die mangelnde Hoffnung und das schwache Vertrauen zu anderen Menschen und zu sich selber“. Das „einzige Heilmittel ist und bleibt“, so Sarah, „die Rückkehr zum Gebet“. Das Heil besteht nicht in „Hauruckreden“. Denn Gott allein kann uns neue Hoffnung und Kraft zurückgeben.
Jeder von uns ist eine Idee Gottes mit einer Berufung. Sie zu erkennen bleibt eine Lebensaufgabe. Können wir den Lebensweg zu Gott finden und gehen? Kardinal Ratzinger hat einmal auf die Frage „Wie viele Wege gibt es zu Gott?“ geantwortet: „So viele als es Menschen gibt“. Gott gibt uns Angebote, das sind die Talente, und er gibt Gnaden sie umzusetzen. Der Rest liegt an uns.
Wir sind im Westen jahrzehntelang unsere eigenen Wege gegangen – weg von Gott. Das Resultat liegt ausgebreitet vor uns: Isolierung, die in Extremfällen zum Suizid führt, weil sich die Familie auflöst, die Halt geben könnte. Wir sehen, wie sich die Schere zwischen Arm und Reich öffnet. Die Zahl der Obdachlosen, die aus dem Erwerbsleben und aus der Gesellschaft herauskatapultiert werden, nimmt zu. Andererseits können Arbeits- und Lehrstellen nicht besetzt werden, weil uns seit Jahrzehnten Kinder fehlen. Wir blenden die Realität durch Vorhänge aus, die immer durchsichtiger werden. Als Ablenkungsmanöver praktizieren wir die Flucht in den Aktivismus. Wir können das heute in der Umwelthysterie beobachten.
Diesen Aktivismus können wir sogar in der Kirche beobachten: Der „Synodale Weg“, den die Verantwortlichen der Kirche in Deutschland in ihrem Fahrplan beschlossen haben, klammert die eigentlichen Probleme, nämlich Glaubensvertiefung und notwendige Neuevangelisierung aus.
Kurienerzbischof Georg Gänswein spricht von einer „wahrhaft endzeitlichen Krise, in der sich die katholische Kirche inzwischen seit langem befindet“. Mit ihr befindet sich, wie bei kommunizierenden Röhren, die Gesellschaft in der Krise, denn die Kirche hat die Aufgabe, die hoffnungsgebende Frohbotschaft zu verkünden. Dieser Aufgabe ist sie, durch Anpassung an den Zeitgeist, nicht mehr im notwendenden Umfang nachgekommen. Der Erneuerung der Gesellschaft muss die Erneuerung der Kirche vorausgehen.
Die Kirche sind wir. Also sind wir alle gefordert umzudenken. Die Kirche gibt uns in den Sakramenten ihre Hilfen. Wenn wir die verblassten Lebenssehnsüchte revitalisieren wollen, genügen für das neue Jahr 2020 nicht ein paar gute Vorsätze, die unser leibliches Leben betreffen, da müssen wir schon den Geist erneuern!

Mit den besten Wünschen für das Jahr 2020

Hubert Gindert

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