Der Kirche gehört unsere Liebe

Ganz am Anfang eines neuen Jahres ist es Zeit, eine alte Liebe wieder zu entdecken. Jene Liebe, die im Alltag unseres Lebens, über den Nachrichten, die von überall her so oft mit schrecklicher Wucht auf uns einstürmen, schnell vergessen wird. Es ist eine Liebe, die an Weihnachten wieder leichter den Weg in unsere Herzen findet, die Gottesliebe, welche die Liebe zu seiner Kirche einschließt.
André Frossard, der Atheist, der von einer Sekunde auf die andere katholisch wurde, weil Gott sich ihm in mildem und zugleich unwiderstehlichem Licht offenbarte, meint, dass gerade die erhabene Schönheit des Christentums einer der Hauptgründe für das Unverständnis und die Feindseligkeit der Welt sei. Die „Gewöhnung an das Göttliche“ mache uns oft unempfindlich für den Strom von Gnaden und Erleuchtungen, der uns durch die Kirche zufließt und den wir so leicht versickern lassen, zum Beispiel die Sakramente, die den Christen vom Anfang bis zum Ende seines Lebens begleiten. Gott, sagt er, vertraut die Seelen der Kirche an. Schon deshalb ist sie so liebenswert.
Es gibt unendlich viele Gründe, sie zu lieben. Martine Liminski, Autorin und Mutter von zehn Kindern, dankt ihr für „das Geschenk, immer Kind sein zu dürfen. Für die Schönheit ihres Kleides, der Liturgie. Für die Zärtlichkeit und den Trost in der Beichte. Für die Begleitung in schweren Stunden, für die Stärkung auf wichtigen Stationen, für den Weitblick auf dem Weg durch die Jahrtausende … für das Zuhause der Liebe.“
Jahrtausende ist Mutter Kirche alt und immer jung geblieben und immer noch führt sie uns zu unserem endgültigen Ziel, wenn wir Christus folgen, den sie verkündet. Denn so sagt es Clemens von Alexandrien in der Frühzeit des Christentums: „Die Fußspur Christi ist der Weg zum Himmel.“
Im letzten Jahrhundert singt Gertrud von Le Fort ihr Hymnen, die heute fast vergessen sind: „Du bekennst Ewigkeit und Deine Seele erschrickt nicht. Du gebietest Gewissheit und deine Lippen werden nicht stumm: Wahrlich, es müssen Wolken von Engeln über dir lagern …“
Manchmal hat man heute den Eindruck, dass die Lippen vieler Verkündiger stumm geworden sind, dass sie weniger die Ewigkeit als den Alltag verkünden und die Seelen der Gläubigen mehr vor dem Klima auf Erden denn vor der Allmacht Gottes erschrecken. Die Engel aber sitzen in Scharen auf den Gräbern der Toten.

Und es ist zu laut geworden um uns herum. Die Trommeln der Protestierer für die Rettung der Welt vertreiben die Stille. Aber in ihr – so schreibt Romano Guardini – geschehen „die großen Dinge … im verborgenen Opfern und Überwinden: wenn das Herz durch die Liebe berührt“ wird. Dann geht es auch nicht mehr um Macht oder Gleichberechtigung, sondern um das Glück des anderen. Es geht um etwas Ungeschuldetes, Unbezahlbares, um Gott. Von Mutter Teresa wird berichtet, ein Journalist habe ihr gesagt, nicht für ein Tageshonorar von tausend Dollar würde er ihre Arbeit machen. „Ich auch nicht“ sei ihre Antwort gewesen.
Unentgeltlich doch nicht leicht erreichbar ist, was unsere Kirche verheißt: ein Glück, das über unser irdisches Leben hinausreicht, das ihm Weite, Freiheit und Hoffnung gibt.
In einer Predigt zur Weihnachtszeit sagt Kardinal Ratzinger: „Unser Weg ist Hoffnung; inmitten der vergehenden Zeit gibt es den neuen Beginn, der im Hereintreten der ewigen Liebe aufgegangen ist.“ Und das ewige Leben? In seinem Buch „Gott ist uns nah“ spricht er von einer neuen „Qualität des Seins, die von der Zerstückelung der Existenz im Davonlaufen der Augenblicke erlöst ist.“
Gerade dieses Davonlaufen der Augenblicke spüren wir am Ende eines Jahres und am Beginn des neuen besonders schmerzlich. Und doch ist das ewige Leben „mitten in der Zeit da, … es kann durch das Hinschauen auf den lebendigen Gott so etwas wie der feste Grund unserer Seele werden. Wie eine große Liebe kann es uns durch keine Wechselfälle mehr abgenommen werden, sondern ist eine unzerstörbare Mitte, aus der der Mut und die Freude des Weitergehens kommen, auch wenn die äußeren Dinge schmerzlich und schwer sind.“
Von dieser großen Liebe berichtet uns die Kirche. Von ihr hat Papst Benedikt immer wieder gesprochen. Ihr gehört meine Liebe.

Ursula Zöller

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