Niemand muß seine Seele verkaufen

In der Münchner Kirchenzeitung (MK) vom 3. Februar 2013 ist ein Interview abgedruckt mit der Überschrift „Die Seele verkaufen“ – „Der Psychotherapeut und Theologe Wunibald Müller über Theologen, die an ihrem Glauben (ver-)zweifeln“ als Untertitel. Darin beklagt Wunibald Müller die fehlende „Grundidentität“ kirchlicher Mitarbeiter (Priester, Religionslehrer, Pastoralreferenten) mit der Kirche. Müllers Feststellung lautet:
„Das was sie (kirchliche Mitarbeiter) nach außen vertreten müssen (!), ist oft nicht das, von dem sie selbst überzeugt sind“ (Leben nach dem Tod, Haltung der Kirche zur Sexualität).
„Auch die persönliche Lebensgestaltung passt mitunter nicht zur Lehre der Kirche“ (wilde Ehe, in Beziehungen lebende Priester, homosexuelle Beziehungen).
„In manchen Diözesen sollen, so wird mir berichtet, die vermeintlichen Ausnahmen bzgl. der Lebenssituation eher die Regel als die Ausnahme sein.“
„Die genannten Aspekte tragen dazu bei, dass die kirchlichen Mitarbeiter immer weniger ihr Herzblut geben können.“
Müller meint, die Glaubenskrise der Gesellschaft sei „durchaus“ in der Mitte der Kirche angekommen. Diese „bemühen sich, loyal gegenüber ihrer Kirche zu sein, spüren aber immer mehr und immer öfter, dass sie damit sich selbst, ihren Überzeugungen, ihrer Seele gegenüber illoyal werden“.
Auf die Frage „Was kann ein Priester tun, wenn er merkt, dass er nicht mehr hinter dem steht, was er predigt?“ rät der Psychotherapeut und Theologe Müller: „Zunächst sollte er innerlich dazu stehen und diese Diskrepanz spüren. Vielleicht kann er seine Sichtweise auf die Kirche verändern, um damit leben zu können. Wenn der Betroffene aber spürt, dass er seine Seele verkaufen würde, dann sollte er tatsächlich seinen Beruf aufgeben“.
Bei dieser niederschmetternden Feststellung von Wunibald Müller tauchen Fragen auf:
Sind junge Menschen, die im Alter von 25 bis 30 Jahren stehen, nicht mehr reif, Lebensentscheidungen für das Priestertum, für die Mitarbeit im kirchlichen Dienst – und in anderen Fällen – für die Ehe zu treffen?
Ist die theologische Ausbildung kirchlicher Mitarbeiter so mangelhaft, dass sie nach Jahren des Studiums nicht wissen, wofür sie sich entscheiden? Denn niemand kann sie zwingen „nach außen zu vertreten, wovon sie selber nicht überzeugt sind“ oder gar „ihre Seele zu verkaufen“.
Wenn sie aber nach ihrer Priesterweihe oder als sonstige kirchliche Mitarbeiter nicht mehr zu dem freiwillig gegebenen Versprechen stehen können oder stehen wollen, müssten sie sich auch selber fragen, woran das liegt. Es mag ja viele Gründe geben.
Das sind auch Fragen wie die: Was haben Priester und andere kirchliche Mitarbeiter selber für ihr Glaubens- und Gebetsleben, ihre persönliche Beziehung mit Christus, getan? Diese wesentlichen Fragen tauchen in der Analyse des Psychotherapeuten und Theologen Wunibald Müller in diesem Interview überhaupt nicht auf. Das Problem auf Rom, den Bischof und die Lehre der Kirche abzuwälzen, wie es im Interview angedeutet wird, erscheint dann doch zu billig. Es geht nicht darum, dass Verantwortliche, im Interview „Dienstgeber“ genannt, „die eine oder andere Klippe umschiffen, indem sie eine gewisse Großzügigkeit (?) an den Tag legen“, sondern darum, dass sich die „Betroffenen“ den eigentlichen Problemen stellen.

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Niemand muß seine Seele verkaufen

  1. Michael Polgar sagt:

    Also, ich möchte dazu einen selbst erlebten Fall schildern: Ein Augustiner Chorherr des Stiftes St. Florian bei Linz, war Pfarrer der inkorporierten Pfarre Ebelsberg. Ich habe ihn gekannt, da er Seelsorger meiner Studentenverbindung war. Wir wussten schon länger, dass er eine Beziehung zu seiner Haushälterin hatte, und dass er die Strukturen der Kirche kritisch sah. Eines Tages entschied er sich kurzfristig, trat aus der Kirche und dem Orden aus, trat in die evangelische Kirche ein, bekam eine Nachschulung und wurde Pastor und etwas später Pfarrer in einer evangelischen Gemeinde. Er heiratete auch, die Ehe wurde aber nicht glücklich und später geschieden. Das ist ehrliche Vorgangsweise, sehr zu empfehlen allen die die Kirche protestantisieren wollen!

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