Der katholische Widerstand gegen Nationalsozialismus und Kommunismus

Der Nationalsozialismus und der Kommunismus haben vielen Millionen Menschen einen grausamen Tod gebracht. In dieser dunklen Zeit des zwanzigsten Jahrhunderts gab es aber auch Lichtblicke, denn viele Helden und Heilige haben völlig selbstlos ihr Leben für Menschlichkeit und für Freiheit riskiert. Sie kämpften für eine Welt, wie sie eigentlich sein sollte. Um ihr Wirken einordnen zu können, muss man das geschichtliche Umfeld betrachten.
Schon in den Notzeiten nach dem Ersten Weltkrieg radikalisierten sich die Parteien. Als in der Weltwirtschaftskrise 1929 der Hunger bei den Massen übermächtig wurde, arbeiteten im Reichstag Nationalsozialisten und Kommunisten zusammen, um demokratisch gewählte Regierungen zu stürzen. Schon am 9. November 1923 hatte Hitler in München einen Putsch versucht. Dabei ließ die bayerische Regierung auf ihn und auf seine Anhänger schießen. Der Aufstand brach kläglich zusammen. Innenminister Schweyer hatte schon ein Jahr vorher versucht, Hitler auszuweisen. Dabei scheiterte er am Widerstand der SPD, die Hitler trotz grundsätzlicher Differenzen die demokratischen Grundrechte zubilligen wollte. Damals waren die Leute nur sehr einseitig informiert. Zu Beginn der Zwanzigerjahre hatte kaum jemand ein Radiogerät oder ein Telefon. Eine Vernetzung von Gleichgesinnten war daher nur am jeweils gleichen Ort möglich. Die Verfolgung der Andersdenkenden durch zahlreiche Morde schüchterte die Menschen ein. Nach der „Machtergreifung“ 1933 kamen die Spitzeldienste, das Blockwart-System (= Überwachung durch die NSDAP) und die Angst vor den KZs noch hinzu.
Die Darstellung der Geschichte sollte eigentlich der Wahrheit dienen. Deshalb lernten früher die Geschichtsstudenten schon im ersten Semester, ihre Seminararbeiten unvoreingenommen – sine ira et studio – zu schreiben. Die Fakten sprechen lassen! Wenn man heute die Literatur zur Geschichte der katholischen Kirche in der NS-Zeit liest, so gewinnt man schnell den Eindruck, dass viele Darstellungen eher der Lüge, der Verleumdung und dem Mammon dienen. Das zeigt nicht nur der sattsam bekannte „Stellvertreter“ Hochhuths. Auch der wirre Altabt Schachleiter aus Prag muss dem Klischee einer angeblich nazifreundlichen Kirche dienen, weil er Hitlers Machtergreifung begrüßte und auf dem Nürnberger Parteitag dem Reichskanzler fotogen die Hand reichte. Dieser Altabt war jedoch mitnichten der Repräsentant der katholischen Kirche, denn wegen seines Verhaltens wurde er umgehend von Kardinal Faulhaber suspendiert. Von den 25 000 katholischen Priestern in Deutschland waren nur 0,34% nazihörig, während mehr als 12 000 katholische Priester ständig von der Geheimpolizei überwacht wurden.
I. Das Konkordat
Die Kirche (der Vatikan) musste ab der sogenannten Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 fürchten, die Seelsorge, ihre Hauptaufgabe, nicht mehr erfüllen zu können. Deshalb schloss sie mit der deutschen Reichsregierung einen Vertrag – das Konkordat –
ab, um bei möglichen Streitfällen wenigstens eine rechtliche Grundlage für die Seelsorge zu haben. Das Motiv für den Abschluss dieses Konkordats war keineswegs Sympathie für das NS-Regime, sondern Angst vor dem Regime. Das Konkordat wurde von den Nationalsozialisten zwar oft verletzt, aber manchmal wurde es doch beachtet. Dass Hitler diesen Vertrag auch als lästige Bindung empfand, zeigt schon die Tatsache, dass er die Ausdehnung dieses Vertrags auf Österreich und auf das Sudetenland ablehnte. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat am 26.März 1957 die Fortgeltung dieses Vertrags und die grundsätzliche Bindung der Bundesrepublik Deutschland an dieses Vertragswerk anerkannt. Es war also keineswegs ein „schändlicher“ Vertrag. Im Übrigen hatten zuvor schon andere Länder Verträge mit der Hitler-Regierung geschlossen. Überdies hatte sich die Hitler-Regierung 1933 auch noch nicht von der extremen Seite gezeigt, wie es in den späteren Jahren der Fall war. Der jüdische Autor Pinchas Lapide schildert in seinem Buch „Rom und die Juden“ ein Gespräch zwischen dem Kardinalstaatssekretär Pacelli und dem britischen Botschafter Sir Ivone Kirkpatrick, in dem Pacelli seine großen Bedenken gegen das Konkordat offen zum Ausdruck bringt, dieses aber dennoch unterschreiben will, weil er Verfolgungen der Kirche befürchtet.

II. Der kirchliche Widerstand
In ideologischen Diktaturen ist Widerstand erfahrungsgemäß lebensgefährlich. Das galt auch im nationalsozialistischen Deutschland und in der kommunistischen Sowjetunion. Beispielsweise widersprachen die beiden Priester Johannes Schulz und Josef Zilliken am 27. Mai 1940 Hitlers Stellvertreter, Hermann Göring, ins Angesicht und mussten dafür im KZ Dachau sterben (H.Moll, „Zeugen für Christus“, S. 680–690). Erich Kästner zog aus solchen Erfahrungen 1957 auf einem PEN-Kongress in Hamburg folgende Schlussfolgerung: „Widerstand ist keine Angelegenheit des Heroismus, sondern eine Sache des Terminkalenders. Wenn eine radikale Partei die Staatsmacht einmal übernommen hat, ist ein aussichtsloses Blutbad wahrscheinlicher als ein Sieg über die Gegner.“ Die Angst vor dem Staatsterror erklärt auch, warum die meisten Religionsdiener in den Konzentrationslagern katholische Priester waren, die nicht auf eine Familie Rücksicht nehmen mussten.
Hat die katholische Kirche die Gefahr erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen? Der damalige päpstliche Nuntius in Deutschland, Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., bezeichnete den Nationalsozialismus schon 1924 als „die vielleicht gefährlichste Häresie unserer Zeit“ (Margot Käßmann/Anke Silomon, „Gott will Taten sehen“, S. 192). Folgerichtig verurteilte am 25.März 1928 das Heilige Offizium in Rom (Glaubenskongregation) die widergöttliche Ideologie des Rassismus. Die kirchliche Erklärung lautet: „Da der Papst „allen Neid und alle Eifersucht zwischen den Völkern verurteilt, so verdammt er auch aufs Schärfste den Hass gegen das einst von Gott auserwählte Volk, jenen Hass nämlich, den man allgemein heute mit dem Namen Antisemitismus zu bezeichnen pflegt“ (Konrad Löw, „Die Schuld“, S. 26). Der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ nahm diese Erklärung dankbar zur Kenntnis. In der Not der Weltwirtschaftskrise nach 1929 wurden die Wahlkämpfe in Deutschland immer heftiger. In diesen Auseinandersetzungen verkündeten die katholischen Bischöfe Deutschlands einstimmig, dass Katholiken nicht die NSDAP wählen dürften. Auch eine Mitgliedschaft in der NSDAP sei mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar. Es war auch ein fortgesetzter geistiger Widerstand gegen den Nationalsozialismus, als der Vatikan 1934 das ideologische Hauptwerk der Nationalsozialisten, den „Mythus des 20.Jahrhunderts“ von Alfred Rosenberg, auf den Index der für Katholiken verbotenen Bücher setzte (siehe unten S. 3). Das war wieder eine weltweite kirchenamtliche Verurteilung der nationalsozialistischen Ideologie, die ja nur eine vermeintliche nordische Herrenrasse fördern wollte und selbst diese bei der Verfolgung ihrer Ziele mit menschenverachtenden Methoden verheizte. Inzwischen hatte Hitler in Deutschland die Regierung übernommen. Bei den letzten halbwegs freien Wahlen am 5. März 1933 hatte die NSDAP jedoch nur 44% der Stimmen bekommen.

III. Die geistigen Waffen
Wer der Kirche vorwirft, sie hätte dem Nationalsozialismus keinen Widerstand entgegengesetzt, vermeidet klugerweise, zu definieren, was er unter dem Begriff „Widerstand“ versteht, und er darf vor allem die Fakten nicht zur Kenntnis nehmen. Da die Kirche natürlich keine Armee hatte, konnte sie auch keine Kanonen gegen Hitler ins Feld führen. Sie hatte aber geistige Waffen. Und diese hat sie – wie hier gezeigt – auch eingesetzt. Die Antwort der Nationalsozialisten war brutal. Aus Rache ließen sie europaweit etwa viertausend katholische Priester ermorden. Die große Zahl der katholischen Laien, die in den zwölf Hitler-Jahren den Tod fanden, lässt sich kaum schätzen.
Dass die Katholiken die päpstlichen und bischöflichen Verurteilungen des Nationalsozialismus verstanden haben, zeigen die Stimmenanteile der NSDAP in den katholischen und in den nichtkatholischen Gebieten.

Dr. Eduard Werner, Einleitung zu seinem Werk:

HELDEN UND HEILIGE IN DIKTATUREN
Eduard Werner
Media Maria Verlag, 1. Auflage 2016
Alle Rechte vorbehalten
© Media Maria Verlag, Illertissen 2016
ISBN 978-3-9454013-0-9

www.media-maria.de

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