Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Franz von Sales (1567 bis 1622)

Das Problem der Kirche ist auch das Problem der Bischöfe. Das gilt für die Kirchengeschichte insgesamt und auch für heute. Franz von Sales ist das leuchtende Beispiel eines Reformers in der Kirche in der Zeit der sogenannten „Reformation“. Franz von Sales ist ein Bischof, der das „Gebot der Stunde“ erkannte und handelte. Er entstammte einer kinderreichen Familie aus dem alten savoyardischen Adel. Sein Vater bestimmte ihn für eine weltliche Laufbahn. Im Gehorsam studierte Franz Rechtswissenschaft in Padua und zusätzlich aus persönlicher Neigung Theologie.
Am 5. September 1591 erwarb er den Doktor beider Rechte und kehrte nach einer Wallfahrt nach Rom und Loreto 1592 in seine Heimat zurück. Von diesem Zeitpunkt an stand sein Entschluss Priester zu werden fest. Er schlug die Ehe aus, welche seine Familie für ihn angebahnt hatte. Schließlich gab sein Vater nach. Franz wurde am 18. Dezember 1593 zum Priester geweiht. Er missionierte zunächst das Gebiet von Cablais, das nach 1536 calvinistisch geworden war – zuerst durch öffentliche Diskussionen, Flugschriften und mit seinem Werk „Verteidigung der Standarte des heiligen Kreuzes“. Der eifrige Priester Franz gewann so Viele für den katholischen Glauben zurück. Sein Diözesanbischof ernannte ihn zum Coadjutor. Am 8. Dezember 1602 wurde Franz zum Bischof von Annecy geweiht. Der neue Bischof setzte „all seine Kräfte für seine Hirtenaufgabe in dieser Diözese in den Bergen ein. Er widmete sich ohne Ansehen der Person ebenso dem Adeligen, wie dem Bürger und dem armen Bauer. Er wurde allen alles. Mit vollem Recht erblickten seine Zeitgenossen in ihm das Idealbild des tatkräftigen, von seiner Aufgabe ergriffenen Bischofs. Mit allen Mitteln mühte er sich, den katholischen Christen eine persönliche Frömmigkeit einzupflanzen, die der der Calvinisten vergleichbar war“ (L. Cognet). Auf den Rat des Jesuitenpaters Touner schrieb er die „Einführung in das geistliche Leben“, bekannt unter dem Titel „Philothea“. Diese Schrift ist lebensnah geschrieben. Franz ging es darum aufzuzeigen, dass die Heiligung nicht von einer bestimmten Lebenslage, Beruf oder Stand abhängt, sondern für jeden möglich ist. Franz schreibt: „Nach Gottes Schöpferwillen soll jede Pflanze ‚Frucht bringen nach ihrer Art‘ … Die Frömmigkeit soll ein anderes Aussehen haben beim hochgeborenen Herrn als beim Handwerker, Arbeiter und Knecht, ein anderes beim Mädchen als bei der Ehefrau und wieder ein anderes bei der Witwe. Ja, sie richtet sich in ihrer praktischen Anwendung nach den Kräften, Aufgaben und Pflichten jedes einzelnen Menschen. Oder glaubt ihr, es wäre für einen Bischof geziemend, wenn er als Einsiedler leben wollte? Oder wäre es für Eheleute passend, wenn sie wie die Kapuziner nichts verdienen und sparen wollten? Oder stünde es dem Arbeiter oder Handwerker an, wenn er täglich stundenlang in der Kirche verweilte wie die Klosterleute? Wäre eine solche Frömmigkeit nicht lächerlich, unrecht und unausstehlich? … Je mehr aber ein Mensch aus Religion und Beruf eine Einheit zuwege bringt, umso liebenswürdiger ist er. Es ist ein Irrtum, um nicht zu sagen eine Ketzerei, eine Trennungslinie zu ziehen zwischen Frömmigkeit und anderen Aufgaben.“
Durch seine Freundschaft mit Madame de Chantal konnte Franz seinen Plan verwirklichen, einen kontemplativen Frauenorden zu gründen, der keine strenge Klausur hatte und sich deswegen den Werken der Nächstenliebe widmen konnte.
Durch seine unermüdliche Arbeit war seine ohnehin nicht robuste Lebenskraft am 28. Dezember 1622 aufgebraucht. Franz wurde am 8. Dezember 1661 selig und am 19. April 1665 heiliggesprochen; Am 16. November 1877 wurde er zum Kirchenlehrer erklärt.

Hubert Gindert 

(Quelle: Reformer der Kirche, herausgegeben von Peter Manns, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz, 1970)

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Eine Antwort auf Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Franz von Sales (1567 bis 1622)

  1. Hubert Krebser sagt:

    Wir brauchen solche Lebensgeschichten, einmal für uns ganz persönlich, aber auch als Maßstab für unseren Klerus, insbesondere den hohen.

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