Der verlorene Kompass

Ostern zeigt uns, dass selbst das schlimmste Ereignis der Geschichte zum Heil führen kann. Der Tod Jesu am Kreuz brachte dem reuigen Sünder das Paradies und den Menschen, die ihre Hoffnung auf ihn setzen, das Leben bei Gott. Der Auferstandene richtete die verängstigten Jünger hinter den verschlossenen Türen wieder auf. Jesus machte ihnen keine Vorwürfe wegen ihrer Feigheit nach seiner Gefangennahme, sondern sprach zu ihnen „der Friede sei mit euch“! Da fassten sie wieder Selbstvertrauen. Nach der Geistsendung brachen sie von Jerusalem auf und trugen die Frohe Botschaft in die Länder der damals bekannten Welt. Sie bezeugten das Evangelium, mit Ausnahme von Johannes, mit ihrem Leben. Seitdem gibt es keine wirklich ausweglose Situation mehr.
Am Samstag dem 1. Februar endeten in Frankfurt die ersten drei Tage des „Synodalen Prozesses“. Die Teilnehmer stellten mit ihren Beschlüssen die Weichen für den Ablauf der Beratungen der vier Themenkreise (Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht- und Gewaltenteilung, Rolle der Frauen). Die mit großer Mehrheit beschlossenen Weichenstellungen werden nicht zu einer Reform führen, wie sie Papst Franziskus in seinem Schreiben an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ mit Glaubensvertiefung und Neu-evangelisierung angemahnt hatte. Denn die Versammlung von Frankfurt beschloss mit 87% der abstimmungsberechtigten Mitglieder, dass selbst über Vorlagen, die nicht im Einklang mit der Lehre der Kirche stehen, abgestimmt werden könne. Papst Franziskus hat mit seinem nach¬apostolischen Schreiben zur Amazonassynode diese Pläne durchkreuzt. Das wäre eine Chance, die Beschlüsse von Frankfurt zu überdenken. Die bisherigen Stellungnahmen aus dem Kreis der enttäuschten Synodenteilnehmer sprechen nicht dafür.
Am Sonntag, dem 16. Februar 2020, brachen 35 Staats- und Regierungschefs, 100 Minister und weitere politische Akteure aus der ganzen Welt von der Münchner Sicherheitskonferenz nach Hause auf. Diese Konferenz sollte einen Beitrag für größere Sicherheit, besonders in der westlichen Welt, bringen. Das Ergebnis wurde in der Presse mit „Ratlosigkeit des Westens“ (Augsburger Allgemeine 17.2.2020) kommentiert. Weiter: „wir stehen in einer Welt, der der Kompass verloren gegangen ist. Wie lässt sich ein Ausweg finden?“ Der Organisator dieser erlauchten Versammlung sprach: „Wie beschreibt man eine Welt, die den alten und bekannten Regeln nicht nachfolgt, die ständig am Abgrund zu taumeln scheint und es nicht mehr schafft, ihre Krisen selbst zu lösen?“ Die „Ratlosigkeit“ führte zur „Sprachlosigkeit“. In München hieß sie „Westlessness“, d.h. „Westlosigkeit“. Die Sicherheitskonferenz produzierte wortreiche Zustandsbeschreibungen, aber keinen Ausweg aus der Krise. Auf der Sicherheitskonferenz spielte Gott keine Rolle. Das Wort fiel nicht. Das ist wohl der „verlorene Kompass“. Entscheidungsträger in Kirche und Gesellschaft können nur dann wieder zu Hoffnungsträgern werden, wenn sie ihren Hochmut ablegen. Ihre Verwirrungen sollen uns unsere Osterfreude nicht nehmen. Wir wünschen unseren Lesern Frohe Ostern!

Hubert Gindert

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