PfarrerSteinwenders Kampf für ein freies Österreich

Zwischen den beiden Weltkriegen 1919 und 1939 brachte die wirtschaftliche Not viele Österreicher zur Verzweiflung. Deshalb fielen viele Menschen auf die Lügen und Phrasen Hitlers herein. Sogar der österreichische Sozialistenführer Dr. Karl Renner ließ sich betören. Wer dagegen eine solide christliche Grundüberzeugung hatte, war gegen die nationalsozialistische Infiltration geschützt. Zu den Klarsichtigen gehörten vor allem Priester wie Jakob Gapp und Leonhard Steinwender mit seinen Mitarbeitern Pfarrer Franz Donat, Prälat Michael Neureiter und mit dem Franziskaner Cyril Fischer. Sie warnten von Anfang an vor der neuen Religion des neuheidnischen Nationalsozialismus. In vielen Gesprächen, in Zeitungsartikeln und in Vorträgen versuchten sie das Volk über den wahren Charakter der Nationalsozialisten aufzuklären. Das steigerte den Hass der Nazis gegen die Kirche und ihre Vertreter. Nachdem im März 1938 die Nationalsozialisten auch in Österreich die Macht übernommen hatten, wurden sie daher grausam verfolgt. Auch der als Journalist tätige Priester Leonhard Steinwender wurde in der Nacht vom 11. zum 12. März 1938 in Salzburg von laut schreienden Nationalsozialisten aus dem Schlaf geschreckt mit dem Ruf „Steinwender komm heraus“. Da Steinwender natürlich nicht hinausging, schlugen die Angreifer Fenster kaputt und drangen in das Haus ein. Dort schlugen sie Steinwender blutig und schleppten ihn hinaus. Der Priester wurde verhaftet und zunächst in ein Polizeigefängnis und schließlich in das KZ Buchenwald gebracht. Dort erlebte er Hunger und Kälte, Folterung, Angst und willkürliche Erschießungen von Seiten des Aufsichtspersonals, aber auch Freundschaft und tiefes Gottvertrauen unter den Mitgefangenen. Den Priester-Häftlingen war jede Seelsorge und ganz besonders das Abnehmen der Beichte bei Todesstrafe verboten. Steinwender war vorsichtig und hielt sich an dieses Gebot. Sein Mithäftling Pfarrer Neururer aber fiel auf einen Provokateur herein. Er glaubte einem Schwindler, dass er beichten und wieder in die Kirche eintreten wolle. Daher spendete er dem Provokateur die Sakramente. Sein seelsorgerliches Verantwortungsgefühl ließ ihm keine andere Wahl. Wenige Tage später wurde Neururer in den Verhörbunker befohlen und qualvoll hingerichtet. Der Betrüger aber erhielt für seine Untat die Freiheit. Dagegen passierte dem Pfarrer Steinwender ein seltener Glücksfall. Ein hochrangiger Nationalsozialist, der Pfarrer Steinwender von früher kannte, setzte sich für ihn ein und erreichte seine Freilassung. Nach Kriegsende 1945 arbeitete Steinwender sofort wieder mit am Aufbau der kirchlichen Presse in Salzburg. Als er 1961 starb, schrieb sein Nachfolger als Chefredakteur der Kirchenzeitung: „Sein Leben gehörte der Kirche und dem österreichischen Volk!“ Die Stimmung vieler Priester in den KZs drückte ein Mithäftling so aus: „Unser Innerstes sagte uns, dass wir Verfolgte nicht die Verlierer, sondern die Gewinner sein werden.“ Dieser Satz stimmt, denn diese Priester haben für menschliches und göttliches Recht gekämpft und gelitten. Ihr Zeugnis bleibt immer gültig.

Eduard Werner
Foto: Leonhard  Steinwender: Christus im KZ. Fe-medienverlag 2020. ISBN 978-3-86357-259-4. Seiten 144.  Preis 9;80 Euro.  Hauptstr. 22; D-88353 Kißlegg. www.fe-medien.de

HELDEN UND HEILIGE IN DIKTATUREN
Eduard Werner
Media Maria Verlag, 1. Auflage 2016
Alle Rechte vorbehalten
© Media Maria Verlag, Illertissen 2016
ISBN 978-3-9454013-0-9

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