Christentum light in der Krise?

Noch mitten in der Corona-Pandemie verkündet der Staat gigantische, einmalige Hilfsmaßnahmen in Höhe von 700 Mrd. Euro für Deutschland, um die Wirtschaft nach der Krise wieder in Schwung zu bringen, zumal Experten mit einer Arbeitslosigkeit von 1 Mio rechnen. Sicher geschieht dies auch, um den Bürgern eine wirtschaftliche Perspektive zu geben.
Die Kirche hat den Auftrag, den Menschen zu deuten, was uns Gott mit dieser Epidemie sagen will. Ihre Aufgabe ist es, prophetische Stimme zu sein, die den Menschen Orientierung gibt und nicht nur die Parolen der staatlichen Stellen von Solidarität, Hilfsbereitschaft, Hygienevorschriften, ärztlichen und pflegerischen Hilfen etc. zu wiederholen. Selbstverständlich ist es richtig, wenn die Kirche verstärkt zum Gebet aufruft.
Christen fragen, was will uns Gott mit dieser Epidemie sagen? Es ist nicht die Mehrheit, die fragt. So hat bspw. eine repräsentative Umfrage der Tagespost ergeben, dass nur 11% der Katholiken, trotz der grassierenden Seuche, mehr als sonst darüber nachdenken, was nach dem Tod kommt. Dieser Prozentsatz weicht nicht von dem der übrigen Bevölkerung ab. Die Katholiken sind seit Jahrzehnten in Religionsunterricht, Predigt und Katechese an ein Christentum light gewöhnt, das nicht aneckt. Sie sehnen sich nach der „Normalität des Lebens vor der Krise“ zurück, sind aber kaum zum Umdenken und zur Änderung ihres gewohnten Lebensstils bereit.
Wenn der Abt Johannes Eckert OSB von St. Bonifaz in München auf die Frage, ob die Pandemie als Strafe Gottes gedeutet werden könne, erwidert … „das ist aus meiner Sicht zynisch und eine absolute Anmaßung. Was maße ich mir an, über Gott zu sagen, dass er bestraft oder belohnt? Wer kann den Willen Gottes erkennen? Das ist für mich fast schon blasphemisch ….“. Dann ist das ist zunächst keine Antwort auf die Frage: „Was will uns Gott sagen?“ Vielmehr wird hier die Aufgabe, umzudenken und umzukehren, tabuisiert. Wir kennen das u.a. vom bisherigen Ablauf des „Synodalen Prozesses“.

Gott hätte in seiner Allmacht die Pandemie verhindern können. Er hat sie jedenfalls zugelassen, ob als Strafe, um die Menschen auf den rechten Weg zurückzuführen, weiß weder der Abt noch wir.
Die Frage von Eckert „Wer kann den Willen Gottes erkennen?“, können wir aber schon beantworten. Den Willen Gottes kennen wir aus den zehn Geboten, den Aussagen Jesu und der Lehre der Kirche. Noch gilt bspw. das fünfte Gebot: „Du sollst nicht töten!“ Dazu stehen die rund 100.000 abgetriebenen Kinder, die jährlich in Deutschland getötet werden, oder die 42 Mio, die 2019 weltweit umgebracht wurden, in deutlichem Gegensatz. Die Frage an Eckert wäre, ob er glaubt, dass der heutige „Tanz um das goldene Kalb“ Gott gleichgültig geworden ist?
Coronavirus als Strafe Gottes zu bezeichnen ist weder „zynisch“ noch mit Jesu Botschaft unvereinbar, wie Erzbischof Schick von Bamberg sowie der neue Vorsitzende der DBK Bätzing sagen. Beide verwechseln den theologischen Sinn von „Strafe“ mit „himmlischer Rache“ oder „göttlichem Zorn“ mit einem Aufruf zur Umkehr, d.h. einem Akt der Liebe und Barmherzigkeit. Für Christen geht es nach Pfarrer Winfried Abel darum, „dass der prophetische Geist wieder in der Kirche erwacht, der den verunsicherten Menschen Orientierung gibt – auch wenn die Botschaft schmerzt und zum Widerspruch führt“. Die Mutter Gottes wird uns dazu – besonders im Marienmonat Mai – ihre Hilfe nicht versagen.

Hubert Gindert

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