Wie Hochhut die Öffentlichkeit belog und hinters Licht führte.

Wegen der aktuellen Todesmeldung von Rolf Hochhuth ist nun das Drama „Der Stellvertreter“ wieder in allen Gazetten. Dieses Theaterstück aus dem Jahr von 1963 entwickelte sich zur erfolgreichsten literarischen Fälschung der Weltgeschichte. Denn Papst Pius XII. war nicht der kaltherzige Judenfeind, den Rolf Hochhuth frei erfunden hat. Das Gegenteil ist wahr. Der Papst hat gar nicht geschwiegen, wie Hochhuth behauptet. Er hat vielmehr in seiner Weihnachtsansprache 1942 im Radio Vatikan erklärt, dass „Hunderttausende ohne eigenes Verschulden nur wegen Ihrer Abstammung dem Tode geweiht oder der fortschreitenden Verelendung und Vernichtung preisgegeben sind.“ Der Papst hat also gar nicht geschwiegen. Er hat vor allem auch gehandelt. Er hat nach dem Zeugnis des jüdischen Historikers Pinchas Lapide und des römischen Oberrabbiners Israel Zolli Zigtausende von Juden gerettet, indem er sie im Vatikan und in den italienischen Klöstern untertauchen ließ. Vor allem hat er die Kontakte der deutschen Militäropposition mit der britischen Regierung hergestellt. Siehe Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 22 (1974) Seite 299 – 341) Damit hat der Papst sogar die Existenz des Vatikan-Staates riskiert. Soweit ging der Kampf des Papstes gegen Hitler. Hochhuths Papstankläger Riccardo im Drama ist frei erfunden. Dagegen ist der reale Papsthelfer bei der Judenrettung Pater Pankratius Pfeiffer eine nachweisbare Persönlichkeit. Nach ihm hat der römische Stadtrat aus Dankbarkeit eine Straße benannt. Und der römische Oberrabbiner Israel Zolli schrieb über Papst Pius XII. :“ Im Laufe der Geschichte hat kein Held eine solche Armee befehligt, keine Streitmacht ist je kämpferischer gewesen und keine ist je so bekämpft worden wie die von Pius XII. im Namen der christlichen Nächstenliebe geführte.“ So fasst ein Jude die Judenrettung des Papstes zusammen. Ehe der jüdische Dirigent Leonard Bernstein am Sterbetag des Papstes mit dem New Yorker Philharmonischen Orchester begann, bat er um eine Minute Schweigen „für das Hinscheiden eines sehr großen Mannes, des Papstes Pius XII.“ Und die damalige israelische Außenministerin Golda Me-ir telegrafierte an den Vatikan:“ Wir nehmen an der Trauer der Menschheit über das Hinscheiden seiner Heiligkeit des Papstes Pius XII. teil. In einer von Kriegen und Uneinigkeit bedrückten Welt vertrat er die höchsten Ideale des Friedens und des Mitleids. Als in dem Jahrzehnt des Nationalsozialismus unser Volk ein schreckliches Martyrium überkam, hat sich die Stimme des Papstes für die Opfer erhoben. (Pinchas Lapide in „Rom und die Juden“ S. 204) das Leben unserer Zeit wurde von seiner Stimme bereichert, die über den Lärm der täglichen Streitigkeiten hinweg deutlich die großen sittlichen Wahrheiten aussprach. Wir betrauern einen großen Diener des Friedens.“ Hochhuths Drama ist wohl eine der größten Fälschungen der Weltgeschichte. Man möchte hoffen, dass wenigsten einige Theaterbesucher zwischen einer geschichtswissenschaftlichen Dokumentation einerseits und einer aus Hass erdichteten Fiktion unterscheiden können. Im Übrigen hat der Protest der niederländischen Bischöfe gegen die Judendeportationen vom 26.Juli 1942 genau das Gegenteil von dem erreicht, was beabsichtigt war. Aber das wollte Hochhuth nicht wissen.

Dr. Eduard Werner
Ergänzung:

Im Jahre 1964 hielt im Katholischen Bildungswerk Wuppertal in Elberfeld der Ordinarius für Literaturgeschichte der Universität Dortmund Prof. Dr. H. Preuß einen Vortrag über das Theaterstück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth. Ich schrieb damals für die „Westdeutsche Rundschau“ und wurde von der Redaktion in diesen Vortrag gesandt. Mein Bericht erschien am 3. November 1964 in der Westdeutschen Rundschau unter dem Titel „Haß und Verblendung“. Ich zitiere aus meinem damaligen Bericht:
„… Mit seinen Schilderungen beweise der Schriftsteller eine erschreckende Unkenntnis der vatikanischen Verhältnisse. Preuß wies darauf hin, daß Hochhuth auf die präzisen Fragen eines Nachrichtenmagazins nach seinen historischen Quellen immer ausgewichen sei….
Hochhuth bleibe den Beweis für seine Anklagen schuldig. …
Prof. Preuß ist selbst im Vatikan gewesen! Er habe mit führenden Prälaten gesprochen und festgestellt, daß Hochhuth niemals im Vatikan historische Studien getrieben habe.“…
Hochhuth hatte nämlich dreist behauptet, dass er diese Studien im Vatikan betrieben hätte.
…“Der Historiker Preuß erklärte, es gäbe kein „hätte“ oder „wenn“ in der Geschichte. Es sei das gute Recht des Dichters, Tatsachen anders zu bringen als sie seien. Hochhuth aber habe Historie bringen wollen und sie mit sogenannten „Quellen“ belegt.“
Soweit zu den „seriösen“ historischen Quellen Hochhuths.

Dr. Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Wie Hochhut die Öffentlichkeit belog und hinters Licht führte.

  1. Nur ein, wenn auch aussagekräftiges, Beispiel für die Schaffung einer pseudo-historischen Ersatzrealität für das breite Publikum durch linke „Kulturschaffende“, hier konkret durch das Theater. Noch deutlicher wird es nach meinem Dafürhalten durch die bewußt verzerrte Darstellung etwa des „Mexikanischen Kaiserreiches“ in den massenwirksamen sog. „Revolutionswestern“, die durch signifikant viele Linke als Regisseure, Drehbuchautoren oder Schauspieler geprägt wurden (nur in Auswahl: Sergio Corbucci, Sergio Leone, Robert Siodmak, Robert Adolf Stemmle, Albert Maltz, Don Siegel).

    Seltsamerweise bleibt dies alles unterhalb der Wahrnehmungsschwelle bürgerlicher Demokraten, weder wird es untersucht, noch dargestellt.

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