Erinnerung und Auftrag – 50 Jahre „Der Fels“. Von Hubert Gindert

Die Monatszeitschrift  „Der Fels“ ist 50 geworden. Er ist auch das Organ des „Forums Deutscher Katholiken“. Was Pater Gerhard Hermes SAC und seine Mitstreiter bewogen hat, diese Zeitschrift zu gründen, kommt im Vorwort, das er der ersten Ausgabe vorangestellt hat, zum Ausdruck. Der Grund war die Entwicklung, die die Kirche nach dem 2. Vatikanischen Konzil genommen hat. Das Konzil war selbst nicht die Ursache davon, sondern die bewusste Fehlinterpretation und ein falsch verstandenes Aggiornamento.
War das Konzil notwendig?
Joseph Ratzinger hat schon Ende 1958 die Situation der Kirche richtig analysiert, als er sagte: „Die Statistik täuscht. Das dem Namen nach christliche Europa ist seit langem zur Geburtsstätte eines neuen Heidentums geworden, das im Herzen der Kirche selbst unaufhaltsam wächst und sie von innen heraus auszuhöhlen droht“. Joseph Ratzinger war nicht nur der Berater des Kölner Erzbischofs auf dem Konzil. Peter Seewald sagt in seiner Biographie „Dass Ratzingers Anteil am Konzil nicht marginal, sondern riesig ist… an der Seite von Kardinal Frings war er im Grunde der maßgebliche Spin-Doktor des Vaticanums“. Christian Schaller ergänzt… „Deshalb war sein Engagement im Vorfeld des Konzils während der Beratungen in Rom und in der flankierenden Vermittlung und nachfolgenden intensiven Rezeption eines der Bedeutendsten innerhalb der theologischen und kirchlichen Wirklichkeit“. (kath.net. 6.5.2020) Den Priestern und Ordensleuten, die nach dem Konzil, als sie ihre Erwartungen nicht erfüllt sahen, zu Tausenden der Kirche den Rücken zukehrten, ging es nicht um die Umsetzung der Konzilsbeschlüsse, sondern um Anpassung an die Welt. Pater Hermes hat darüber nicht gejammert, sondern gehandelt und im „Fels“ den Auftrag der Kirche angemahnt.
Was hat sich seit der Gründung des „Fels“ in der Kirche verändert? Man könnte die Entwicklung mit statistischen Zahlen dokumentieren, z.B. an Hand der Kirchenaustritte, am Rückgang der Priester- und Ordensberufe, am verlorenen Bußsakrament, am immer mehr verschwindenden religiösen Wissen, etc.. Der derzeitige Zustand der Kirche in Deutschland spiegelt sich im „Synodalen Weg“ wider. Auf der ersten Sitzung in Frankfurt am Main wurde mit überwältigender Mehrheit beschlossen, selbst die Lehre der Kirche zur Disposition zu stellen. Nur fünf der anwesenden Diözesanbischöfe stimmten dagegen. Die Themen des „Synodalen Weges“ sind die bekannten Nebenkriegsschauplätze, wie Zölibat, Frauendiakonat, Sexualmoral der Kirche usw., die den Weg zu einer an die Welt angepassten Kirche markieren. Es sind nicht Reformen, die Maß am Wort Jesu nehmen: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ In den Pressemitteilungen von Bischof Bätzing und des ZdK-Präsidenten Sternberg vom 21.4.2020 zur zweiten Sitzung des „Synodalen Weges“ heißt es u.a.: „Da der ‚Synodale Weg‘ zu allererst die Ermöglichung der Verkündigung des Evangeliums zum Ziel hat“ – Bischöfe wie Voderholzer und Woelki sehen das anders – weiter… „Die Coronakrise fügt unseren definierten Themen, die ihre volle Bedeutung (!) behalten, eine neue Dimension hinzu“. Eine solche Kirche ist weder Orientierung noch Korrektiv für die Gesellschaft, die in der „weltweiten Diktatur von scheinbar humanistischen Ideologien (steht), denen zu widersprechen, den Ausschluss aus den gesellschaftlichen Grundkonsenz bedeutet“. (Benedikt XVI. kath.net. 4.5.2020)
Eine Gewissenserforschung und Änderung des Lebensstils sind für uns alle notwendig. Weil wir nicht wissen, ob das geschieht, ist die Aufgabe, die Pater Hermes vor 50 Jahren begonnen hat, noch nicht vollendet.

 

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