Papst Franziskus und die Freude und eine Erinnerung an Erzbischof Dyba

Am 27. Juni 2013 hat der Heilige Vater Papst Franziskus in seiner Predigt in der täglichen Messe, die er in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ liest, von zweierlei Christen gesprochen, die in einander gegenüberliegenden „Häusern“ wohnen und die zwei schwerwiegende Mängel haben, die sie am wahren Christsein hindern. Er sprach zum Evangelium des Tages, in dem von den Männern die Rede ist, von denen einer sein Haus auf Sand baut und der andere auf Fels (Mt 7, 21-29).
Die einen der Sandbauer nannte er verbissen und traurig, die anderen heiter doch ohne eine Vorstellung von der christlichen Freude zu haben. Beide gründen aus einem aus Worten gemachten Christentum und nicht auf dem „Felsen“ des Wortes Christi. (siehe kath.net/news/41842).
Immer, so der Papst, hat es die Versuchung gegeben, jenseits des Felsens zu leben, der Christus ist. Ihnen stellt er die Christen gegenüber, die in Wahrheit handeln. Er nannte die ersteren Christen die der Worte, eines Christentums ohne Jesus, eines Christentums ohne Christus. „Christus ist der Fels. Er ist der einzige, der uns in den schwierigen Augenblicken trägt, nicht wahr? Wie Jesus sagt, es kommt der Wolkenbruch, die Wassermassen fluten heran, die Stürme toben, doch wenn der Fels da ist, ist Sicherheit gegeben. Handelt es sich aber nur um Worte, so fliegen diese Worte weg, sie nützen nichts. Das aber ist die Versuchung dieser Christen der Worte, eines Christentums ohne Jesus. …Und das geschieht auch heute in der Kirche: Christen ohne Christus zu sein.“
Einen ersten Typ der „Christen ohne Christus“ bezeichnete der Papst als den „gnostischen“, „der – statt den Felsen zu lieben – der schönen Worte frönt und lebt, in der er auf der Oberfläche des christlichen Lebens daherschwimmt“. Den anderen Typ der „Christen der Worte“ bezeichnete Franziskus als den „pelagianischen“. Diese zeichnen sich durch einen überernsten und verspannten Lebensstil aus. Sie seien Christen, “ die auf den Boden schauen.“
„Und diese Versuchung ist heute gegeben. Oberflächliche Christen, die wohl an Gott, an Christus glauben, dies aber in zerstreuter Art tun: Nicht Jesus Christus ist es, der das Fundament gibt. Das sind die modernen Gnostiker, die Versuchung des Gnostizismus. Ein ,flüssiges`Christentum. Auf der anderen Seite gibt es jene, die glauben, dass das christliche Leben derart ernst genommen werden müsse, dass sie dabei enden, Solidität und Festigkeit mit verbissener Rigidität zu verwechseln. Sie sind steif! Sie glauben, dass es für das Christsein notwendig ist, ein Trauergewand anzulegen, immer.“ Es gebe viele solcher Christen, so der Papst. „Sie sind keine Christen, sie markieren sich als Christen. Sie wissen nicht, was der Herr ist, sie wissen nicht, was der Fels ist, ihnen fehlt die Freiheit der Christen. Und um es ein wenig einfach zusagen: sie haben keine Freude.“
„Den ersten eignet eine gewisse oberflächliche „Heiterkeit“. Die anderen leben in einer ständigen Totenwache, doch sie wissen nicht, was christliche Freude ist. Sie wissen es nicht, das Leben zu genießen, das Jesus uns gibt, da sie es nicht verstehen mit Jesus zu sprechen….In ihrem Leben ist kein Platz für den Heiligen Geist. Der Geist ist es, der uns die Freiheit schenkt! Der Herr lädt uns heute ein, unser christliches Leben auf ihn zu bauen, auf den Felsen, der uns die Freiheit schenkt, der uns den Geist sendet, der dich voll Freude auf dem Weg in seinen Vorschlägen vorwärts gehen läßt.“
Papst Franziskus weist uns hier nicht nur auf die Defizite eines verfehlten Lebens links oder rechts des Weges hin, der Christus selber ist, sondern er betont das Wesen eines Christenmenschen. Wer mit Jesus täglich lebt, mit ihm spricht, sich ihm täglich neu verbindet von Herz zu Herz, sich ihm täglich neu anvertraut, der wird mit einer „himmlischen“ Freude erfüllt, die keinen irdischen „Freuden“ gleicht, die aber das „Leben in Fülle“ ausmacht. „Du zeigst mir den Weg zum Leben, vor dir ist Freude in Fülle und liebliches Wesen zu deiner Rechten in Ewigkeit“ (Ps 16,11) Und denen, die sich ein Trauergewand angelegt haben, wie der Papst sagt, ruft der große König David zu: „Da hast du mein Klagen in Tanzen verwandelt, hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet.“(Ps 30,12)
Das ist die Erfahrung eines Menschen, der wie Paulus sagt „Christus angezogen hat“, damit Er in ihm lebt. Das ist Freude in Fülle und nicht Lustigkeit als Mangel in Hülle.
Als wir auf Initiative und unter der Leitung von Prof. Hubert Gindert am 30. September 2000 in der Krypta des Hohen Domes zu Fulda am Grab des heiligen Bonifatius das Forum Deutscher Katholiken gründeten, gab es im Sommer vorher ein erstes Treffen im kleinen Kreis in Fulda, an dem abends Erzbischof Dyba zu uns kam und uns ganz ähnliche Worte in das erste Blatt unseres Stammbuches schrieb, wie sie hier Papst Franziskus gesprochen hat. Erzbischof Dyba, der als Nuntius die Weltkirche kennengelernt hatte und wie Papst Franziskus, die blühende Freude der armen, bedrängten aber im Herzen Christi beheimateten Völker kennengelernt hatte, war tief davon geprägt bis zu seinem jähen Tod. Er strahlte vor christlicher Freude und Optimismus. Ich haben wenige Menschen getroffen, die so viel Mut machen konnten und die Kraft des Herrn, in Seinem Weinberg zu arbeiten, so vermitteln konnten wie er.
Wenige Wochen später rief er Herr ihn heim. Und es war ihm und uns nicht vergönnt, dass er unsere „Gründungsmesse“ am 30. September am Grab des „Apostels der Deutschen“ hielt. Aber in unseren Gedanken und Herzen ist er immer dabei. Und wir sind glücklich, ihn nun als treuen Fürsprecher für die Kirche in Deutschland und auch für uns am Thron Gottes zu wissen, wo er in der Ewigen Freude nun Erbe Christi ist.
Die Freude, von der Papst Franziskus spricht und die Erzbischof Dyba so ausstrahlte, sollte und soll auch auf unseren jährlichen Kongressen für die Menschen erstrahlen. Und so wurde unser jährlicher Kongress „Freude am Glauben“ genannt, denn „die Freude am Herrn ist unsere Stärke“.
In diesem Jahr findet der Kongress „Freude am Glauben“ unter dem Thema „Damit der Glaube neu erstrahlt“ vom 30. August bis zum 1. September in Augsburg statt, zu dem Sie alle herzlich eingeladen sind. Das Programm finden Sie auf unserer Webseite. Hinweis dazu hier auf dem blog oben.

Michael Schneider-Flagmeyer

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