„Dem Glauben folgen“ – Predigt zum 13. Sonntag im Jahreskreis C

Liebe Schwestern und Brüder,
Seit es in unserem Lande eine so vielfältige Fernsehlandschaft mit unzähligen Programmen gibt, hat sich in unserer Sprache eine neues Tätigkeitswort entwickelt: sich durchzappen.
Ich drücke dabei mit der Fernsehbedienung von Programm zu Programm und schalte einfach schnell weiter, wenn mir etwas nicht gefällt oder zu langweilig wird.
Und so kann es vorkommen, dass ich zwar zwei Stunden vor dem Fernsehapparat gesessen habe, aber keinen einzigen Film und keine einzige Sendung im Zusammenhang gesehen habe sondern lauter Versatzstücke, die zusammengesehen keinen Sinn ergeben, sondern mehr meiner Vorstellung von interessantem Leben und Modernität entsprechen sollen. Ich habe mir mein eigenes Programm gemacht, bei dem am Schluß nichts herausgekommen ist.
„Obstsalat“ hat das Papst Franziskus kürzlich in einer Predigt genannt. Ausgewählte Stücke, die uns schmackhaft erscheinen, aber am Ende weder bekömmlich noch nahrhaft sind. Und so machen es viele Menschen mit ihrem Leben: weggezappt, ausgewählt und selbst gemacht.
Und weil sie merken, dass dies weder in der Schule noch im Berufsleben möglich ist, so haben sie umso höhere Erwartungen an die Freizeit und den Urlaub. Feiern bis zum Abwinken, Erlebnisabenteuer und Animation. Ich mache das, was mir gefällt und sonst nichts.
Allerdings: die Wirklichkeit des Lebens spricht eine andere Sprache und holt uns immer wieder zurück. Da gibt es Krankheit, Verbitterung, Krisen, Verlust, Abschied und Sterben. Da gibt es auch Stunden, die einem schwer zu schaffen machen und die man nicht überspringen kann. Sie sind da, auch wenn man sie nicht haben will. Wegzappen geht da nicht!
Und das, liebe Schwestern und Brüder, gilt auch für den Glauben. Viele Christen verhalten sich genau wie die Fernsehzuschauer mit der Fernbedienung in der Hand. Sie suchen sich am Glauben das aus, was ihnen gefällt und das, was ihnen nicht passt, das legen sie als unmodern und als nicht zeitgemäß zur Seite. Aber an Weihnachten in die Kirche gehen? Selbstverständlich! Das gehört dazu. So feierlich und stimmungsvoll wie in der Kirche bekommen wir das zuhause nicht hin! Aber regelmäßig zur Sonntagsmesse kommen? Nein, so eng sehen wir das nicht. Wir haben schon etwas anderes vor und wenn, dann nicht so früh morgens oder wenn parallel ein schönes Festchen ist!
Wir gehen zum Gottesdienst, wenn wir das Bedürfnis dazu haben. Auswahlchristentum nennt man das und nicht nur im Bezug zum Gottesdienstbesuch. Auch bei anderen Fragen wie der Moral, der Glaubenslehre gilt: wegzappen, wenn mir etwas zu fordernd ist und zu tief geht. Und nun kann man gesellschaftlich und politisch legalisiert ja auch noch zappen, was Ehe und Familie angeht. Alle Variationen und Konstellationen sind legal und denkbar, allen bisher gültigen Wertvorstellungen entgegengesetzt. Auch Familie passt sich dem Zeitgeist an.
Aussuchen, was mir passt und das andere auf später verschieben oder gar ganz weglegen! So wie im Evangelium von heute (Lk 9,51-62).
Ja, ich will ja nachfolgen aber erst noch vorsorgen, erst noch etwas „Ich“, erst einmal weggezappt und dann sehen wir weiter.
„Keiner, der die Hand an den Pflug legt und noch einmal zurückschaut, taugt für das Reich Gottes“, sagt Jesus. Das heißt ja nicht , dass jemand der konsequent Christ sein will, nicht mehr seinen Vater beerdigen darf. Nicht, dass jemand, der konsequent Christ sein will, alle Beziehungen mit seiner Familie kappen muß. Jesus weist uns hier auf die Prioritäten hin, auf das, was in unserem Leben an der ersten Stelle stehen soll zu unserem Heil. Christsein ist keine Sache der Beliebigkeit. Ich kann nicht so handeln: das, was mir am christlichen Glauben gefühlsmäßig wichtig ist, das mache ich mit; alles andere lasse ich sein. Wer glaubt, wählt nicht etwas aus einem Katalog aus, sondern begegnet einer ganz konkreten Person, Jesus Christus, und läßt sich bereit und freiwillig auf ihn ein. Das ist so wie bei der Liebe zu einem anderen Menschen. Da kann ich auch nicht sagen: Diese Eigenschaften, diesen Teil von Dir nehme ich an, mit den anderen kann ich nichts anfangen.
Liebe braucht mehr. Und auch der Glaube braucht mehr! Fragen wir uns also: Ist der Glaube, die Kirche für mich eine Art Wohlfühlverein oder ein echtes Einlassen auf Jesus Christus?
Christlicher Glaube will mehr sein als nur Wohlfühlmomente zu verschaffen. Wegzappen bringt nichts! Christlicher Glaube fordert zum „Sich-Einlassen“ auf. Nur dann hilft er das Leben, das harte Leben zu bestehen.
Amen.

Pfarrer Ralf Hiebert, St. Ludwig, Saarlouis am Sonntag den 30.6.2013

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