„Familie, was ist das eigentlich?“ – „Vier Berichte aus der Nachbarschaft.“

Im Wochenendjournal der Augsburger Allgemeinen Zeitung (AZ) vom 6. April 2013 werden unter der o.a. Überschrift vier Familien aufgereiht und dargestellt. Die Überschrift „Familie, was ist das heute eigentlich?“ mit Fragezeichen deutet an, dass nicht mehr klar ist, was Familie ist. Bisher war es eine auf das eheliche Zusammenleben von Mann und Frau mit Kind/ern gegründete Gemeinschaft. Insofern ist die Differenzierung in „klassische“ und „Großfamilie“ unnötig. Was meint hier „klassisch“? Zur so genannten „klassischen Familie“ gehören Vater, Mutter und zwei Kinder. Geschildert wird hier ein Familienleben, wie es sich bei 1000 anderen auch darstellt. Die „Großfamilie“ hat neun Kinder. Für sie trifft zu: „Unser Zuhause ist voller Leben“, und weil die ganze Familie musikalisch ist, gilt: „Wir könnten mit unserer Familie ein eigenes Orchester gründen“. Im Bericht heißt es: „Großfamilie muss man erleben. Jedes unserer Kinder ist eine Bereicherung, jedes bringt einen anderen Charakter, andere Interessen mit“. Die Mutter der neun Kinder sagt: „Für mich ist die Familie meine Lebensaufgabe.“ Kritik richtet sich gegen den Staat. Die Frau sagt: „Mein Mann findet es problematisch, dass die steuerlichen Vergünstigungen für Familien immer weiter schrumpfen, obwohl sich der Staat familienfreundlich nennt.“
Unter der Überschrift „Familie, was ist das heute eigentlich?“ werden noch „die Kleinstfamilie und die „Patchworkfamilie“ aufgeführt, obwohl beide der klassischen Definition nicht entsprechen. Das ist keine moralische Wertung, sondern eine pure Feststellung.
Die „Kleinstfamilie“ besteht aus der Mutter und ihrer zweijährigen Tochter Mona. Die allein erziehende Mutter sagt zwar: „Ich empfinde uns als intakte kleine Familie – Mutter, Kind und Oma.“ Was meint hier „intakt“? Die freiberufliche Journalistin berichtet über die Schwierigkeiten Beruf und Kindererziehung zusammen zu bewältigen. Sie äußert: „In solchen Momenten merke ich, dass ich allein bin und Mona nicht mal schnell abgeben kann. Auch Entscheidungen, die Monas Erziehung angehen, muss ich allein treffen: Der Vorteil ist, dass man sich nicht bei allem absprechen muss, sondern die Dinge nach meinen Vorstellungen laufen. Manchmal bin ich aber unsicher und hätte gerne jemanden an meiner Seite, der für Mona Verantwortung mit übernimmt … und ohne meine Mutter könnte ich mein Leben nicht so gut organisieren“. Der Mangel dieser „Kleinstfamilie“ ist offenkundig.
In der „Patchworkfamilie“ lebt eine Frau mit zwei Kindern zusammen mit einem Mann, der wiederum zwei Kinder in die Gemeinschaft eingebracht hat. Die Frau der Patchworkfamilie bekennt: „Eine gescheiterte Ehe, das ist das einzige in meinem Leben, was mir nicht hätte passieren dürfen. Wenn man Kinder hat, trennt man sich nicht. So lautete meine Einstellung. Das ist sie eigentlich heute noch …“ Die Frau stellt dann dar, wie es anders wurde, wie sie den Alltag organisiert und wie sie sich hinsichtlich der Kinder mit ihrem ehemaligen Ehemann arrangiert. Zum „größten Konfliktstoff in der Patchworkfamilie“ sagt sie, das sei „wie in jeder normalen Familie die Einigung auf Erziehungsnormen. Und das ist bei Patchworkfamilien anders. Im Zweifelsfall nimmt jeder seine Kinder in Schutz … Doch obwohl wir alles miteinander sehr gut hinkriegen, habe ich immer im Hinterkopf, nur eine Patchworkfamilie zu sein.“
Familie, was ist das eigentlich? Manche wissen es offensichtlich nicht mehr. Man kann den Inhalt von Worten verändern, unterschiedliche Wirklichkeiten werden deswegen nicht gleich. Das zeigen die vorgestellten Formen menschlichen Zusammenlebens, die unter dem Begriff „Familie“ zusammengespannt werden. Was soll damit erreicht werden?

Hubert Gindert

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