Ein Bündnis von Sex und Geld

Der Medienexperte Norbert Bolz sagt: „Wenn man über Jahrzehnte die Praxis der Massenmedien beobachtet, dann weiß man … dass sie mit Moral gar nichts am Hut haben. Es geht auch nicht so sehr um Aufklärung, sondern um Skandale und Sensationen, um das Empörungspotential von Entscheidungen. Dieses Potential wird ausgebeutet. Das ist die Logik der Massenmedien.“
Die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ) vom 26. März 2013 bringt ein Interview mit dem Titel „Männer sind eklig!“ Der Untertitel lautet: „Sie träumte vom schnellen Geld. Darum ging Lisa Müller mit 14 Jahren auf den Strich.“ Der Bericht zeigt einmal mehr, dass die 68er Kulturrevolution, die sich die Befreiung von allen Normen und Zwängen aufs Panier geschrieben hat, ihre Botschaft erfolgreich bis in den letzten Winkel getragen hat. Aber hätte die AZ das Interview deshalb abdrucken müssen? Der Wert der Aufklärung ist gering. Der Inhalt der Geschichte ist schnell erzählt. Ein Mädchen, das in einem Dorf in Baden Württemberg aufgewachsen ist, „hat mit 13 erstmals Sex“. Mit 14 Jahren ging sie auf den Strich. Sie hatte bis 18 Jahre 500 bezahlte Sexualkontakte mit Männern. Jetzt ist sie 20 und hat ein Buch darüber geschrieben. Der Titel: „Nimm mich, bezahl mich, zerstör mich!“. Lisa Müller ging nicht auf den Strich, weil sie durch Existenznot dazu getrieben wurde, wie man das aus Ländern der dritten Welt erfahren kann. Was sie suchte war „Bestätigung. Das lässt sich mit Geld gut verdienen“. Ihr Buch bringt sie mit ihrem wirklichen Namen und mit eigenem Foto auf dem Buchcover in die Öffentlichkeit. Auf die Frage des Interviewers: „Bereuen Sie das Leben als Hure heute?“, sagt sie: „Die Zeit hat mich geprägt, mich vorzeitig erwachsen, aber auch selbstbewusst gemacht. Ich stehe zu meiner Vergangenheit … was andere über mich denken, ist mir inzwischen völlig egal.“ Und auf die Frage: „Was ist seelisch zurückgeblieben?“ kommt die knappe Antwort: „Männerhass“.
Fazit: In welchem Umfang diese Darstellung ein Sittenbild dieser Gesellschaft liefert, lässt sich schwer sagen. Gewiss ist, dass der Interviewer seiner Zeitung einen Skandal mit Empörungspotential geliefert hat. Ebenso sicher scheint, dass ein Buchverlag und mit ihm die Schreiberin auf einen guten Umsatz hofft und eine junge Frau auf dem Götzenaltar „Geld“ ihre Scham und ihre menschliche Würde opfert.

Hubert Gindert

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2 Antworten auf Ein Bündnis von Sex und Geld

  1. Gerhard Stumpf sagt:

    Im Beitrag von Herrn Thewissen leuchtet auf, wonach sich die Menschen letztlich sehnen und wie Christen dazu beitragen könnten, den Menschen auf dem Weg ihrer Sehnsucht zu helfen.
    Wir Christen müssten unser Christsein authentisch leben. D. h. in der ständigen Begegnung mit Christus den Glauben immer tiefer mit Herz und Verstand erfassen, dabei uns zu unserer Sündhaftigkeit, nicht nur Unvollkommenheit, im Böses-Tun und Gutes-Unterlassen bekennen, persönlich immer wieder zum barmherzigen Gott zurückkehren und mit dem Bekenntnis der Sünden im Bußsakrament und mit Reue, Buße und gutem Vorsatz neu anfangen. Das ist auch der Weg der Tugend, weil ich dann lerne, mit den Augen und dem Herzen Christi meine Mitmenschen zu sehen und ihnen zu begegnen. Ob ich dann noch sagen kann: „Die echte christliche Umgangsform gibt es schon lange nicht mehr.“?
    Oder trage ich vielleicht eine Brille, die völlig verstaubt ist, so dass meine ganze Umwelt gleich ausschaut? Was muss ich eigentlich tun, um meine Mitmenschen richtig zu sehen? Sind es nicht oft die Gefühle, die mich zu falschen Urteilen führen?
    Ich erlebe, das Kinder getauft werden, zur ersten heiligen Kommunion gehen und gefirmt werden, dann aber plötzlich nicht mehr in der heiligen Messe zu sehen sind. Muss ich da nicht traurig sein, weil Eltern und Kinder die Verbindung zu Christus, die sie in den von Christus gegebenen Sakramenten geknüpft und verstärkt haben, aufgeben?
    Darf ich nicht dankbar sein, dass mir die Kirche Christus geschenkt hat und mich in dieser Gemeinschaft erhält? Sie bestärkt mich in der Liebe und Treue zu meiner Familie. So werde ich als Vater und Ehemann immer Gott für unsere Vorfahren danken, für unsere Kinder und Enkel, als Lehrer für meine Schüler und ich bete zu Gott, dass er sie und alle, mit denen ich jemals in Verbindung stand und stehe, durch Jesus Christus zur Vollendung führe. Dabei weiß ich, dass meine Kirche mich nie im Stich lässt. In jeder hl. Messe wird das Opfer Christi gegenwärtig. Er ist für mich gestorben und hat mir so den Weg zum ewigen Leben geöffnet. Das Gebet der Kirche begleitet mich mein Leben lang. Die Kirche wird mich auch nicht vergessen, wenn ich gestorben bin.
    Hat nicht Heinrich Böll etwas davon gespürt, als er sagte: „Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen …“
    Gerhard Stumpf

  2. Manfred Thewissen sagt:

    Je mehr ich die Kommentare und Beitäge in katholischen Printmedien aller Art lese, je trauriger werde ich. Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, daß auf jede moralische Untat ein mit hochgezogener Augenbraue moralisches „igitt, wie kann man nur“ ertönt. Ich habe immer das Gefühl, dass die Seelen vieler Frommen heimlich ausrufen.“Danke lieber Gott, daß ich nicht bin wie Jener dort“. Ich habe aber auch immer mehr das Gefühl, daß diese Art Menschen selbstgerecht sind und sich nicht trauen, in sich selbst hinein zu horchen. Sicherlich sind nicht alle Menschen zur selben Zeit gleich, aber alles zusammen gezählt ähneln sie sich doch sehr. Z.B. In dem Fall dieses Mädchens. Hat je einer den Versuch gemacht diesem Mädchen zu helfen? Ob´s gelingt ist eine andere Frage. Aber hat es je einer versucht. Es gibt viele Menschen die keinen richtigen Lebensmut haben. Die auf Grund ihres Lebens keinerlei frohmachende Perspektiven sehen. Die, die auf Grund ihres bisherigen Lebens keinen Sinn darin sehen, anders zu werden und anders zu handeln. Christen, aber die zu sich selbst ehrlich sind, erleben es doch an sich selbst und wissen es deswegen ganz genau, wie schwer es ist bzw. sein kann einen einmal eingerissenen Schludrian in den Griff zu bekommen. Seinen eigenen Schweinehund zu überwinden. Jeder Mensch lebt erst einmal aus seiner Vergangenheit. Menschen, die nicht daran glauben können daß sie von irgendeinem Menschen ehrlich geliebt werden, ja könnten, die können auch nicht daran glauben daß Gott der Heilige, der Vollkommene sie liebt. Solche Menschen leben in einer völlig anderen geistigen und seelischen Welt. Man kann sie nicht mit christlichem Maßstab messen. Wie wären wir Christen, wenn man uns die christliche Botschaft nicht gesagt hätte? Wie sind wir Christen obwohl man uns die Botschaft gesagt hat? Christen bringen es ja noch nicht einmal fertig Gemeinschaften zu bilden wo echte, ungeheuchelte Liebe herrscht. Ist es nicht so, daß die überwiegende Mehrzahl aller Christen zumindest hier im kultivierten Europa nicht von den so genannten Heiden zu unterscheiden sind ?
    Die echte christliche Umgangsform gibt es schon lange nicht mehr. Liebe ist tugendhaft, aber ohne Liebe ist sie nicht wert, daß man die Tugenden pflegt. Es gibt eine Liebe ohne viel Tugend. Ich sehe es immer wider in meiner Umgebung. Da gibt es beides. Beides ist nicht im Sinne Christi. Wenn ich mir eine davon aussuchen sollte, wüßte ich nicht was ich wählen sollte. Ich weiß nur, daß Tugend ohne Liebe totlangweilig und auf´s äußerste unehrlich ist.

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