Die Kirche und ihre Medien

Unruhe und Aufregung ist in der dahindümpelnden katholischen amtskirchlichen „Medienwelt“ ausgebrochen. Die „medienpolitische Behäbigkeit“ unserer Kirche, von der Guido Horst im Juliheft des Vatican-Magazins spricht, hat eine intramuskuäre Injektion von rotem Paprika und schwarzem Pfeffer ungebeten und vor allem unerwünscht erhalten, die den amtskirchlichen Medienstoffwechsel in Wallung gebracht hat. Gott sei Dank!
Die Koordination der katholischen offiziellen Medien und die Herrschaft über sie liegt beim Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz und dem Verband der der Deutschen Diözesen. Über beiden schwebt Pater Hans Langendörfer SJ. Hier liegt auch weitgehend die Verantwortung für den milliardenschweren Weltbild-Verlag. Nun hat einer der besten katholischen Publizisten, Peter Seewald, mit tatkräftiger Unterstützung des Bischofs von Eichstätt, Gregor Maria Hanke OSB, wider den medienpolitschen völlig stumpf gewordenen Stachel der DBK gelöckt und im Alleingang, ohne das Placet der Bischofskonferenz und ihres alles bestimmenden Sekretärs einzuholen – das er sicher nicht bekommen hätte – ein 84 Seiten starkes Magazin „Credo“ als Beitrag zum Jahr des Glaubens, das hierzulande auch amtskirchlich so dahindümpelt, in Millionenauflage aufgelegt, das führenden Tageszeitungen beigelegt wurde. Ein journalistischer Kollege, so berichtete Peter Seewald in „Die Tagespost“ (das ganze Interview mit Markus Reder ist noch einmal im Juliheft des Vatican-Magazins abgedruckt) hat das Credo-Heft wie folgt bezeichnet: „Es ist katholisch und ökumenisch, es ist klug, aber nicht verbissen, es ist geistvoll und ohne alle Anbiederung.“
Dem können wir nur voll beipflichten. Es ist online-lesbar unter www.credomagazin.de und kann auch in einigen Exemplaren beim Fe-Medienverlag kostenlos bestellt werden. (Telefon 07563-92006 oder Fax: 07563-3381 oder online: info@fe-medien.de siehe auch www.fe-medien.de)
Über die heftige Reaktion der oben genannten Injektion mit dem Heft „Credo“ bei einigen deutschen Bischofskollegen hat der Kirchenredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ Matthias Dobrinski berichtet. Bischof Hanke habe sich mit seinem Alleingang deren Zorn zugezogen. Er nennt zwar keine Namen und weist auch keine Belege dafür vor. Aber spätestens seit der Kampagne gegen Bischof Mixa wissen wir, dass die säkularen Leitmedien anonym aus der hauptamtlichen Mitarbeiterschaft der Kirche informiert werden. Wir wissen das definitiv, weil der „Spiegel“ genüssslich darüber berichtet hat. („Aber bitte nennen Sie nicht meinen Namen.“) So ist es durchaus wahrscheinlich, dass Dobrinski hier wahrheitsgemäß berichtet hat.
Die amtskirchliche katholische Medienpolitik zeichnet sich besonders, wie Guido Horst richtig bemerkt, dadurch aus, dass man nicht auffallen will. Wir nennen diese Haltung allerdings ganz offen Leisetreterei. Die amtskirchlichen Medien zeichnen sich meist durch eine Mischung von Angepaßtheit, Langeweile bis hin zur offenen sogenannten Kirchenkritik aus. Obwohl mit Millionen aus Kirchensteuern finanziert sinken die Auflagen der Kirchenzeitungen und den Internetauftritten der Kirche haben die „privaten“ katholischen Initiativen im Web und die katholischen Blogger längst den Rang abgelaufen, weil sie lebendig, wirklich katholisch und loyal gegenüber dem Lehramt von Papst und Bischöfen auftreten und eben nicht langweilig sind.
Eine Reihe von Bischöfen in Deutschland hat das längst erkannt und man darf mit Sicherheit vermuten, dass sie keinesweg ihrem mutigen Mitbruder Bischof Hanke deswegen in den Rücken fallen.
Peter Seewald, der für das „Credo“-Projekt einige Großsponsoren gewinnen konnte, berichtet im Interview mit Markus Reder, dass es seine Absicht war, im Jahr des Glaubens noch einige solcher Hefte herauszugeben und dass er deshalb beim „Weltbild“-Konzern mit seinem Milliardenumsatz vorstellig geworden sei, dort aber abgewiesen wurde mit der Begründung, das sei nicht die Aufgabe des Unternehmens.
Was, bitte schön, ist eigentlich die Aufgabe eines zu 100% sich im kirchlichen Besitz befindenden Medien-Konzerns, wenn nicht im Jahr des Glaubens auf diese Weise einen wesentlichen Beitrag zur von den Päpsten und Bischöfen angestrebten Neu-Evagelisierung zu leisten? Für was sind denn die Milliardenumsätze gut, wenn nicht für die eigentliche Aufgabe der Kirche, die Menschen zu Christus und damit zum Leben zu führen? Über die fehlgeleitete Aufgabenstellung und die Machenschaften beim Weldbild-Verlag haben wir hier oft genug berichtet und darüber wurde in der Öffentlichkeit breit diskutiert. Dass das Unternehmen sich für einen solchen Zweck der Evangelisation verweigert, bezeichnet Peter Seewald mit Recht als Skandal.
Guido Horst berichtet, dass ein führender Mitarbeiter der Deutschen Bischofskonferenz mitgeteilt habe, dass das „Credo“-Heft wie ein Paukenschlag eingeschlagen sei. Angst ginge um in den kirchlichen Funktionärsetagen. Wir möchten dieses als eine heilsame Angst bezeichnen; denn wenn Nichtbeamtete in der Kirche ohne kirchensteuerliche Mittel so lebendig und erfolgreich im Mediensektor tätig sind, dann stellen sich auch für die Bischöfe neue Fragen und ein Überdenken der katholischen Medienarbeit wird zwingend notwendig. Da ist es dann nicht mehr damit getan, dass ein Hauptamtlicher wie der KNA-Chef mit ein wenig Verachtung auf die papsttreuen katholischen Publizisten blickt. Diese Publizisten haben nun gezeigt, wie man erfolgreiche Medienarbeit macht, die mit ihren wahrhaft katholischen Inhalten die Menschen erreicht, auch und gerade die, die nicht mehr zur Kirche gehen.
Das Ganze gibt Hoffnung und wir sind uns sicher, dass die Bischöfe letztlich doch in ihrer Gesamtheit dem ihre Zustimmung geben werden und der sicher kluge und zuständige Sekretär der Bischofkonferenz sich diesen neuen Gedanken öffnen wird. Schließlich ist ein Ordensbruder von ihm nun Papst und nimmt in aller Deutlichkeit über die bürokratische Lähmung in Teilen der Kirche kein Blatt vor den Mund.

Michael Schneider-Flagmeyer

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4 Antworten auf Die Kirche und ihre Medien

  1. Mathias Wagener sagt:

    Was soll dann von „Weltbild“ zu erwarten sein ? Da können wir weitergehen. Positives hat uns Herr Schneider-Flagmeyer berichtet. Daran sollten wir festhalten, unsere Mitgläubigen ermutigen und tun, was wir können. Die schlimme Situation, die sich bietet, darf uns nicht entmutigen. Es gibt neue Zeichen, vertrauen wir diesen.

  2. Eduard Werner sagt:

    Es müsste doch selbst einem so kurzsichtigen Mann wie Dr. von Mitschke-Collande auffallen, dass es seine angeblichen Reformen, die ja nur Verwässerungen des Glaubens sind,in manchen Konfessionen bereits verwirklicht wurden und dort nichts gebracht haben. Im Gegenteil: Die Evangelische Kirche in Deutschland hat seit Kriegsende etwa die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Will Mitschke-Collande nun die gleiche Verwässerung in der katholischen Kirche erreichen?

  3. Eduard Werner sagt:

    Die Trostlosigkeit der Bistumspresse hat ihre Ursache darin, dass einfach die falschen Leute auf den entscheidenden Posten sitzen. Das wird so weitergehen, bis diese Posten mangels Masse „gestorben“ sind. Die Bistumspresse hat für ihre Jahrestagung vom 25. bis 28. Juni 2013 in Regensburg Herrn Dr. Thomas von Mitschke-Collande zum Referat eingeladen. Was soll dort ein Referent, der seinem Buch den angriffslustigen Titel gibt: „Schafft sich die Kirche ab?“ Nach seinen Rezepten würde sich die Kirche nicht abschaffen, wenn sie die Forderungen der so genannten Memorandisten vom Februar 2011 sofort erfüllen würde, die Hierarchie abschaffen, die Frauen zu Priestern weihen usw. – Wie soll dieser Referent die Kirchenjournalisten missionieren? Hier gilt der Erste Johannesbrief, zweites Kapitel Vers 19: „Sie kamen zwar aus unserer Mitte, haben aber nie zu uns gehört.“Dieser Satz gilt leider auch für die Förderer dieses Referenten in der Bischofskonferenz. Tröstlich ist nur, dass sich diese Herren alle selbst abschaffen – allerdings erst, wenn sie genug Schaden angerichtet haben.

  4. Heribert und Lieselotte Breu sagt:

    Obengenannter Bericht trifft den Nagel auf den Kopf. Wir haben „Credo“ mit Begeisterung gelesen. Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ für diese kath. Zeitschrift.
    Grüße aus Oberbayern von Heribert und Lieselotte Breu

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