Über die „Innere Freiheit“ kirchlicher Mitarbeiter

Kardinal Bergoglio hat sich nach seiner Wahl zum Papst den Namen des heiligen Franz von Assisi gegeben. Der Name steht für den Lebensstil des neuen Papstes. Auf die Frage einer Jugendlichen, warum er so leben will, antwortete Papst Franziskus: „… Ich glaube, dass es soviel Armut in der Welt gibt und zugleich soviel Reichtum. Die Armut heute ist ein Aufschrei. Wir müssen überlegen, wie wir ein bisschen ärmer leben, um Jesus ähnlicher zu sein“. Aber Papst Franziskus ist von seiner Ausbildung und Prägung her auch Jesuit. Das wurde deutlich, als er am 6. Juni vor angehenden päpstlichen Diplomaten über das „Freisein“ für den Dienst an der Kirche sprach: „Innere Freiheit bedeutet frei sein von persönlichen Plänen, Verzicht auf Möglichkeiten das Priestertum so zu leben, wie ihr es euch vorgestellt habt. Eure Zukunft zu planen, z.B. eine lange Zeit an einem Seelsorgeort zu bleiben … es heißt auch frei sein im Hinblick auf Kultur und Mentalität, von der ihr herkommt, nicht, um sie zu vergessen oder gar zu verleugnen, sondern, um euch zu öffnen für das Verständnis verschiedener Kulturen und für die Begegnung mit Menschen, die Welten angehören, die euch fremd sind. Vor allem bedeutet „Freisein“ wachsam zu sein und frei von Ehrgeiz und persönlichen Zielen, die der Kirche schaden können. Es geht nicht um eure Anerkennung in und außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft, sondern um das höhere Gut des Evangeliums und die Umsetzung der Aufgabe, die man euch übertragen wird. Frei sein von Ehrgeiz und persönlichen Zielen halte ich für sehr wichtig. Das Karrierestreben ist eine Lepra …“.
In diesen Worten leuchtet der Geist des heiligen Ignatius von Loyola und der Jesuiten auf, die neben den klassischen Ordensgelübten die Bereitschaft geloben, zu jeder Zeit an jeden Ort zu gehen, wo sie die Kirche braucht und wohin sie der Papst ruft. Das hat stets idealgesinnte junge Leute fasziniert und den Orden groß gemacht. Diese Haltung war der große Beitrag der Jesuiten für die Erneuerung der Kirche nach dem Konzil von Trient. Kadavergehorsam? Das Gegenteil ist der Fall! Wer ganz im „sentire cum ecclesia“, d.h. in einer Haltung der inneren Verbundenheit mit der Kirche steht, der kann unter diesem Dach im Engagement für die Kirche seine individuellen Fähigkeiten voll entfalten.
Als Ignatius von Loyola 1556 starb, hatte der Orden etwa 1000 Mitglieder. Sie waren in der ganzen Welt verstreut, von Amerika bis Indien und Japan. Franz Xaver stand vor den Toren Chinas. Sie waren an allen Brennpunkten, überall wo geistige Auseinandersetzung stattfand, präsent, vor allem an Gymnasien und Universitäten.
Die Geschichte der Kirche ist von ihren Anfängen in der Jerusalemer Urgemeinde bis heute begleitet von Neid, Eifersucht, Machtstreben und fehlender Kooperationsbereitschaft, die Kräfte lähmen und Energien blockieren. Ein aktuelles Beispiel aus jüngster Zeit liefert die Initiative von Peter Seewald mit dem Magazin „Credo“, das als Beilage in der „FAZ“ der „Süddeutschen“ und der „Zeit“ erschien. Dieses Magazin mit Berichten, Reportagen, Kommentaren, Statistiken, Zeugnissen und Interviews, „war nicht nur für kirchliche Insider, sondern auch für religiös Heimatlose und randständige Christen“ gedacht. Peter Seewald hat „Großspender“ aufgetrieben und ein professionell produziertes Heft auf die Beine gestellt und dafür Bischof Hanke von Eichstätt als Mitherausgeber gewonnen. Da sich der kirchliche Weltbild-Konzern weigerte, das Projekt zu unterstützen, konnte von den ursprünglich geplanten vier Ausgaben nur eine erscheinen.
Der Beitrag von Peter Seewald, die Privatinitiative eines engagierten Laien zum „Jahr des Glauben“ stieß bei kirchlichen Medieninsidern auf wenig Gegenliebe. Peter Seewald hat sich zu Recht in einem Interview darüber beklagt: „In erster Linie will „Credo“ ein Beitrag zum „Jahr des Glaubens“ sein. Ich denke, dass dazu in Deutschland viel zuwenig gemacht wird … Dieses Magazin will darüber hinaus aber auch ein Impuls sein für eine offensive Medienarbeit der Kirche. Es ist an der Zeit, neue Wege zu gehen, aber sie werden viel zuwenig genutzt. Es ist unübersehbar, dass hier wichtige Entwicklungen verschlafen wurden und dass Gutes zuwenig unterstützt wird … Wenn wir von der Verdunstung von Glaubenswissen und Glaubensbewusstsein sprechen, dann kann doch die Antwort nur sein, die eigene Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren. Leider ist das Gegenteil der Fall“. (Tagespost 20.6.13)
Die fehlende Initiative, die Peter Seewald hier anspricht, lässt den Geist vermissen, den Papst Franziskus von künftigen päpstlichen Diplomaten, aber auch von kirchlich engagierten Katholiken fordert, den Geist der wahren Reform in der Kirche!

Hubert Gindert

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