„Damit der Glaube neu erstrahlt“

so lautet das diesjährige Motto unseres Kongresses „Freude am Glauben“, der vom 30.August bis zum 1.September im Kongresszentrum (am Park) in Augsburg stattfindet. Alle Leser und alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen. Anmeldungen sind immer noch möglich. (Siehe die Hinweise oberhalb dieses Artikels.) Der Kongress soll von einem Glauben handeln, der strahlt und von Christen, deren Antlitz leuchtet. Das erinnert uns an Psalm 34 Vers 6, der in einer alten Übersetzung lautet: „Die auf Ihn schauen, deren Antlitz wird leuchten.“ Warum leuchtet unser Antlitz so wenig bzw. so selten? Weil – wie der große König David, ein „Mann nach Gottes Herzen“ im Psalm sagt – wir nicht immer und nicht intensiv genug auf den Herrn schauen.
„Ach. wenn die Erlösten doch erlöster aussähen, dann würde ich gerne glauben“ hat der Philosph Friedrich Nietzsche ausgerufen. Kommen Sie mit uns nach Augsburg, damit wir uns gemeinsam darüber Gedanken machen und uns von der Freude am Glauben, den das Evangelium unseres Herrn Jesus Christus ausstrahlt, neu anstecken lassen, damit der Glaube in unserer Welt neu erstrahlt und die Menschen erfahren, dass der Vater den Sohn gesandt hat und dessen Jünger den Menschen die Hoffnung auf Fülle des Lebens bringen sollen und können, „damit sich die Sehnsucht der in Wehen liegenden Welt nach dem Offenbarwerden der Kinder Gottes erfüllt“, wie der Heilige Paulus an die Römer schreibt.
Gold und Silber haben wir nicht, aber was wir mit Petrus haben, das wollen wir geben, nämlich Christus den Gekreuzigten und Auferstandenen, den Lebendigen.
Wie Papst Franziskus, der Nachfolger Petri, in Rio sagte:“Ich bringe euch Christus“, so wollen auch wir uns einmal mehr in Augsburg von der Kirche zurüsten lassen, um Christus den Menschen zu bringen.
In zwei Tagen feiern wir die „Verklärung des Herrn“. Papst Franziskus hat heute beim Angelus daran erinnert, dass vor 35 Jahren an diesem so wunderbaren Festtag Papst Paul VI. gestorben ist und in die ewige Verklärung mit dem Herrn eingegangen ist.
Dieses ruft in mir Erinnerungen an wunderbare Tage und viele Monate über Jahre in Rom wach, von denen ich hier einiges berichten möchte.
Im Jahre 1963 suchte ich als junger evangelischer Student die Kirche aller Deutschsprachigen St. Maria dell´Anima in Rom auf, um zum ersten Mal mit einem katholischen Priester zu sprechen und ihm meinen Wunsch nach Übertritt in die katholische Kirche zu offenbaren. (Ich habe darüber im Januarheft in „Der Fels“ 2012 berichtet. „Warum ich katholisch wurde“, siehe www.agtrier.de unter Aktuell/Veröffentlichungen).
Das II. Vaticanum war in der Hälfte seiner Zeit angelangt, sozusagen auf seinem Höhepunkt. Auch in den beiden Jahren davor war ich in Rom mit dem CVJM und einmal Wochen lang privat. In der „Anima“ war damals der junge Kölner Priester Dr. Norbert Westhoff Kurat, der später Stadtdechant von Köln war. Er war über mein Vorhaben erstaunt, akzeptierte aber verständnisvoll die Gründe, die mich zur Konversion veranlassten und die ich in dem oben erwähnten Aufsatz ( „Warum ich katholisch wurde“) ausführlicher geschildert habe und die ihren Ursprung in einem wunderbaren Erlebnis mit dem eucharistischen Herrn hatten, von dem ich als reformierter Junge keine Ahnung haben konnte.
Kurat Dr. Westhoff machte mich dann mit dem von Paul VI. noch als Monsignore im Staatssekretariat gegründeten Foyer Unitas damals gleich neben der Anima gelegen bekannt. Dieses Foyer wurde von Montini gegründet, um nichtkatholische Christen in Rom zu betreuen und zu beherbergen. (Heute am anderen Ort mit etwas anderen Aufgaben) Geleitet wurde das Foyer von holländischen Schwestern, den „Damen von Bethanien“, deren damalige Oberin Fräulein Luff mir noch lebhaft in Erinnerung ist. Diese Schwestern hatten Kontakte bis in das päpstliche Vorzimmer hinein.
Gedenken möchte ich an dieser Stelle auch der Wiener Caritasschwester Sr. Theresita, der rechten Hand von Kurat Westoff, die mir eine große und treue Hilfe und Ratgeberin war und blieb auch noch Jahre unter dem Nachfolger von Dr. Westhoff. Ältere Leser dieser Zeilen mögen sie noch gekannt haben.
Im Foyer Unitas wurde ich mit einer lutherischen jungen Berliner Pfarrerin bekannt, die, begeistert vom Konzil und der katholischen Kirche, mich in das „Einheitsekretariat“ von Kardinal Bea mitnahm. Durch sie lernte ich auch die „Focularini“, wie sie damals in Rom hiessen, kennen und die bei Paul VI. noch 1963/64 auf etwas Zurückhaltung stiessen. Einer der Höhepunkte dieser intensiven und erlebnisreichen Zeit war die durch die Damen von Bethanien bei der zuständigen Stelle im Vatikan bewirkte Erlaubnis, die römische Nekropole unter St. Peter mit dem Grab des Apostelfürsten besuchen zu dürfen. Die Nekropole war damals gesperrt, weil die Ausgrabungen am Petrusgrab noch nicht beendet waren. So durfte ich in das geöffnete Petrusgrab sehen, ein für mich unbeschreiblicher Augenblick.
Der Höhepunkt all dieser Ereignisse für mich aber war die Audienz bei Papst Paul VI. Zu dieser hatten mir die Damen von Bethanien verholfen. Die Audienzhalle gab es noch nicht. Die Audienzen fanden im Peterdom statt. Weil das Kirchenschiff aber mit den Logen der Konzilsaula gefüllt und besetzt war, fanden die Audienzen in meiner Erinnerung im rechten Arm des Querschiffes statt, wo natürlich nur für eine begrenzte Menge Platz war. Für die VIPs war eine kleine Tribüne aufgestellt, in deren erster Reihe der kleine unwichtige Student Michael Schneider recht armselig gekleidet unter ordensgeschmückten befrackten Exzellenzen und Fürstlichkeiten saß, die sehr erstaunt auf ihn blickten. Der päpstliche Thron war ca. 5 m entfernt. Wir saßen also dem Heiligen Vater direkt vor der Nase.
Papst Paul VI. wurde auf der seda gestatoria hereingetragen. In den nächsten Stunde erlebte ich einen Papst, der mich bis heute noch tief beeindruckt.
Paul VI. war ein sehr bescheidener, in sich gekehrter Mann, der mir geradezu als Verkörperung der Kontemplation erschien. Die große Geste nach aussen lag ihm nicht. Und doch strahlte von ihm eine große innere Kraft aus, die jeden erfassen mußte, der ihm nahe kam.
In zwei Tagen am 6. August ist der 35. Todestag dieses großen demütigen Papstes, der so oft mißverstanden wurde und wird, aber dessen tief inspirierte Enzyklika „Humanae Vitae“ auch heute noch erstrahlt und noch leuchten wird, wenn alle Spötter längst verblaßt sind.
Auch und besonders ihm verdanke ich, dass die Freude am Glauben noch immer meine Kraft und die Freude meines Lebens ist. Auf einem meiner Bücherschränke steht sein Bild, auf dem er vom Fenster des apostolischen Palastes aus nach dem sonntäglichen Angelus als Stellvertreter Christi schützend und segnend die Arme über die Herde Christi ausbreitet:
„Du bist Petrus der Fels. Und auf diesem Felsen gründe ich meine Kirche. Und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwinden.“
Der Montini-Papst Paul hat noch erleben müssen, dass das, was er, sein seliger Vorgänger und das Konzil gewollt haben, von vielen auch – Gott sei es geklagt – in der Kirche pervertiert wurde. Und so mußte er denn vom „Rauch Satans“ sprechen, der in die Kirche eingedrungen ist. Und doch bleibt uns die feste Zusage des Herrn, dass diese Kirche bleibt, bis dass Er kommt. Darum wollen wir uns am Glauben freuen und uns in Gemeinschaft in Augsburg stärken,
„damit der Glaube neu erstrahlt“.

Michael Schneider-Flagmeyer

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