Stepan Kardinal Trochta – sein Leben und Leiden für Gott

Dass der Nationalsozialismus und der Kommunismus „gleich grausam und gleich gottlos“ (Franz Werfel) waren, zeigt das Leben des Märtyrers Stepan Kardinal Trochta, des Bischofs von Litomerice (Leitmeritz). Er wurde 1905 in einer kinderreichen Bauernfamilie in Mähren geboren. Nach seinem Abitur trat der begabte junge Mann 1920 in den Salesianerorden ein und wurde 1932 zum Priester geweiht. Als Jugendseelsorger führte er rasch eine neue Form der Jugendseelsorge ein. Er predigte nicht nur die kirchliche Lehre, sondern spielte auch in den verschiedenen Sportarten mit den Jugendlichen aktiv mit. Das war damals eine ungewöhnliche Neuerung. Seine Popularität im ganzen Land stieg. Als Hitler 1938 Tschechien besetzte, wurden Trochta seine Erfolge zum Verhängnis. Die Nationalsozialisten misstrauten dem im ganzen Land bekannten Jugendseelsorger und überwachten ihn daher auf Schritt und Tritt. Lästige Verhöre waren die Folge. Nach dem Attentat auf Hitlers „Reichsprotektor “ Reinhard Heydrich 1942 ging die Gestapo in einem „Großreinemachen“ gegen alle religiösen Kräfte im damaligen Tschechien vor. Neben vielen anderen Geistlichen wurde auch Stepan Trochta verhaftet und nach einigen Zwischenstationen in das KZ Dachau gebracht. Dort überstand er jedoch manche Misshandlung und die Hungerzeit 1942/1943. Mit dem Ende des Krieges 1945 wurde er wieder frei und konnte in seine Heimat zurückkehren. 1947 ernannte ihn Papst Pius XII. zum Bischof von Litomerice. Es begann eine fruchtbare Zeit der Seelsorge. Als 1948 die Kommunisten die Macht in der damaligen Tschechoslowakei übernahmen, begann für alle Priester wieder eine Leidenszeit, wie sie sie schon von den Nationalsozialisten her kannten. Auch die Kommunisten wollten nicht hinnehmen, dass die Jugend dem Bischof Trochta in großen Scharen folgte. Deshalb stellten sie 1949 Trochta zunächst unter Hausarrest und verurteilten ihn dann bald wegen angeblichen „Hochverrats und Spionage im Dienst des Vatikans“ zu 25 Jahren Gefängnis. Im Gefängnis traf er bald wieder manchen Mitbruder, den er vom KZ Dachau her schon kannte. „Jetzt tragen wir halt wieder unsere Sträflingskleidung, wenn das Gefängnis auch nicht Konzentrationslager heißt,“ sagte er voll Gleichmut zu seinen Mitgefangenen. Im Jahr 1960 wurde er „amnestiert“ und als Bauhilfsarbeiter nach Prag beordert. Es gab Gerüchte, nach denen seine Gesundheit im Gefängnis u.a. auch unter Anwendung chemischer Mittel zerstört worden sei. Jedenfalls war die Gesundheit mittlerweile so geschädigt, dass er bald in ein von der Außenwelt isoliertes Pflegeheim gebracht wurde. Im Prager Frühling 1968 wurde er freigelassen. Er konnte in sein Bischofshaus in Litomerice zurückkehren. Aber im August 1968 übernahmen auf Geheiß Moskaus Truppen des „Warschauer Paktes“ die Herrschaft in der Tschechoslowakei, und die befreiten Priester gelangten von neuem unter politischen Druck. 1973 gab Papst Paul VI. bekannt, dass er Trochta 1969 insgeheim zum Kardinal ernannt hatte. Nun fürchtete die kommunistische Regierung die Weltöffentlichkeit und wagte keine neue Verhaftung. Aber sie hoffte auf seinen baldigen Tod, der tatsächlich am 6.April 1974 eintrat. An seinem Grab sagte spontan sein deutscher Freund Pfarrer Hermann Scheipers aus dem KZ Dachau: „Lieber Mitbruder, unermüdlich hast Du für die Freiheit des Glaubens und der Kirche gekämpft. Ohne die Drohungen der Feinde zu fürchten, hast Du dafür Gefängnishaft und schwere Drangsale ertragen. Der Herr schenke Dir nun seinen Frieden und die Krone des ewigen Lebens.“

Eduard Werner

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