Vorsicht Wölfe im Schafspelz

Den Papst- und Romkritikern scheinen bei Franziskus die Argumente auszugehen. Noch stehen wichtige Personalentscheidungen und Umbesetzungen der Kurie aus, die Anlass zu Kritik sein könnten. Nun gäbe es zwar die Möglichkeit, an der Kontinuität in theologischen Fragen, in die sich Papst Franziskus zu seinem Vorgänger stellt – was erneut in der Enzyklika „Lumen Fidei – Licht des Glaubens“ deutlich geworden ist – anzusetzen. Es geschieht nicht.
Die Kritiker sind auf die Medien, die Ihre Meinung transportieren, angewiesen. Sie wissen, was sich nicht in Überschriften und Schlagzeilen der Kommunikationsmittel wieder findet, existiert in einer Mediengesellschaft nicht. In dieser Zwangssituation befinden sich auch die „Kirchenvolksbegehrer von „Wir sind Kirche“.
Diese hatten ihre große Zeit im Jahr 1995, als sie mit einer bundesweiten, von den Medien massiv unterstützten Unterschriftenaktion, rund 1,5 Mio. Stimmen für ihre „Kirchenreformvorschläge“ einsammeln konnten. Das damalige Spiel dieser Rattenfänger gelang nur aufgrund der religiösen Unwissenheit der Katholiken, der Medienunterstützung, der teilweisen Illoyalität von Theologen und Pfarrern – und der Untätigkeit der Bischöfe. Sie informierten ihre Gläubigen nicht mit einem aufklärenden Hirtenwort, sondern ließen sie ins Messer laufen, obwohl sie durch das Kirchenvolksbegehren in Österreich im Jahr zuvor hätten gewarnt sein müssen. Die Euphorie der Kirchenvolksbegehrer von 1995 hat sich gelegt. Ihre Sympathisanten sitzen in kirchlichen Gremien als Reformverhinderer im Namen von „Reform“. In der medialen Öffentlichkeit tauchen sie immer dann auf, wenn aus bestimmten Anlässen im Fernsehen oder Hörfunk Kritik an der Kirche ansteht.
Noch rollt die Welle der Zustimmung für Papst Franziskus rund um den Globus. Um nicht im Meinungsabseits und in der medialen Bedeutungslosigkeit zu stehen, springen die Kirchenvolksbegehrer von „Wir sind Kirche“ auf den Sympathiezug auf, der Papst Franziskus durch die Medienwelt trägt. So hat die Ausgabe von „Wir sind Kirche – Extra Juli 2013“ die Überschrift „Erneuern wir unsere Kirche mit Franziskus“. In dieser Schrift werden als „ausgewählte Stimmen zu Franziskus“ u.a. Hans Küng, Leonardo Boff, der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider, Sr. Lea Ackermann aufgeführt.
Im Rundbrief des „Wir sind Kirche-Bundesteam vom Sommer 2013“ steht als Überschrift „Jetzt den pastoralen Kurs von Franziskus unterstützen!“. Unter „Konkrete Schritte der Erneuerung“ heißt es: „In den deutschen Bistümern und Gemeinden ist der neue Kurs von Franziskus noch viel zu wenig zu spüren. Wann sind die Bischöfe in Deutschland endlich bereit, die Reformappelle von Franziskus beherzt aufzunehmen und umzusetzen? Z.B. im ‚Gesprächsprozess’ der Bischofskonferenz oder in der Frage des Sakramentenempfangs für geschiedene Wiederverheiratete…“
Doch so ganz sicher sind sich die „Kirchenvolksbegehrer“ nicht in wie weit sie Papst Franziskus für ihre Ziele instrumentalisieren können. So heißt es weiter: „Doch ist auch vor zuviel Papsteuphorie zu warnen. Die Kirchenleitungskrisen sind noch lange nicht überwunden. Franziskus’ Vorbild und sein ‚spiritueller Leitungsstil’ alleine werden nicht ausreichen, die verkrusteten Strukturen wirklich aufzubrechen. Wichtige Personalentscheidungen stehen an. Und: Der neue ‚Bergoglio-Stil’ muss nicht nur im Vatikan, sondern auch in unseren Bistümern und Gemeinden spürbar werden, damit eine grundlegende Erneuerung möglich wird. Deshalb: Unterstützen Sie mit uns den pastoralen Reformkurs von Franziskus!“.
Was sind die Ziele von „Wir sind Kirche“ wirklich? Wer sich darüber informieren will, kann das in „Publik-Forum“ Nr. 2 vom 26. Januar 1996, in dem in einem vierzigseitigen Dossier die Strategie der „Kirchenvolksbegehrer“ sehr offenherzig dargelegt ist. Dort heißt es z.B. zum Thema „Volle Gleichberechtigung der Frauen“ (S. 16): „So wird der Gehorsam gegenüber Rom zum eigentlichen Problem für einen Dialog zwischen einem demokratisch, freiheitlich gesinnten Kirchenvolk und einer hierarchischen, diktatorisch strukturierten Kirchenführung. Der Wert dieses Kadavergehorsams muss vom „Kirchenvolk“ öffentlich infrage gestellt werden und gleichzeitig seine Problematik in Bezug auf Dialogmöglichkeiten bewusst gemacht werden.“
Dass sich „Wir sind Kirche“ bisher auf den Katholikentagen an Infoständen und im Programm präsentieren konnte, belegt, dass Katholikentage zu religiösen Supermärkten geworden sind, die nicht der Orientierung, sondern vielfach der Verwirrung und Desorientierung dienten.

Hubert Gindert

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*