Wihelm Caroli – ein Kämpfer gegen den Zeitgeist

In manchen Epochen herrscht ein dämonischer Zeitgeist, der jeden Widerstand brutal zu brechen versucht. In den zwölf Jahren zwischen 1933 und 1945 war dies der Nationalsozialismus. Damals haben europaweit über 4000 katholische Priester ihr Eintreten für die Menschenwürde und die Achtung der Zehn Gebote mit dem eigenem Leben bezahlt. Einer von ihnen war Pfarrer Wilhelm Caroli. Er wurde 1895 in Saarlouis geboren. 1921 wurde er im Speyerer Dom zum Priester geweiht. 1926 wurde ihm die Pfarrei Rheingönheim bei Ludwigshafen anvertraut. Dort gründete er u.a. einen Theaterverein, einen Cäcilienverein und eine Fußballabteilung innerhalb des katholischen Sportbundes DJK. Im „Katholischen Kirchenblatt“ trat er offen für den Schutz der Juden ein und zeigte die Verlogenheit der nationalsozialistischen Judenpolitik. Am 22.1.1933 schrieb er: „Hitler verkehrt in Berlin viel im Haus eines italienischen Vertreters. Dessen Frau ist reinrassige Jüdin. Dieser Frau überreichte Hitler jüngst einen Strauß roter Rosen und küsste ihr dabei die Hand. Ob zum ersten Mal? So handelt der Führer jener Bewegung, die den wüstesten Antisemitismus in Deutschland treibt. Ob der große Führer nun eingesehen hat, dass der Antisemitismus, genau wie so mancher andere Punkt seines Programms, ein ganz großer Blödsinn ist?“ Das Lächerlichmachen Hitlers reizte die Nationalsozialisten so sehr, dass sie Pfarrer Caroli am 27.6.1933 auf offener Straße krankenhausreif schlugen. Da Pfarrer Caroli trotzdem das Nazi-Regime weiter kritisierte, löste das Bezirksamt Ludwigshafen im September 1933 alle katholischen Vereine in der Pfarrei auf. 1935 veranstalteten die Nazis eine Demonstration gegen Pfarrer Caroli mit etwa 1000 Mann. Caroli war jedoch durch einen vertraulichen Hinweis schon informiert. Er verließ den Ort vorübergehend, um sich der Verhaftung zu entziehen. Seine Getreuen hatte er vorher beauftragt, die Kirchentüren zu verschließen und beim Aufmarsch der Nazis die Glocken zu läuten, um die Sprechchöre zu übertönen. Das taten sie auch. Dafür wurden sie von den Nazis verprügelt, und sie verloren auch ihren Arbeitsplatz. Nun war Pfarrer Caroli in seiner Pfarrei nicht mehr zu halten. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Die Gestapo verhängte darüber hinaus gegen ihn noch ein Aufenthaltsverbot für die Pfalz. Nach Verbüßung der Haft fand er Zuflucht in den Pfarrhäusern seiner beiden priesterlichen Brüder in Kell und in Kürrenberg in der Diözese Trier. Doch auch dort wurden seine Predigten abgehört. 1941 wandte er sich gegen die so genannte Euthanasie, bei der Behinderte massenweise vergast wurden. Vermutlich kannte er auch die einschlägigen Predigten des Münsteraner Bischofs von Galen. Den Schutz des Lebens für jeden Einzelnen hielt er für unveräußerlich – egal ob es sich um politisch, religiös oder medizinisch Verfolgte handelte. Seinen Mut bezog er aus dem Glauben an Gott. Pfarrer Caroli wurde erwartungsgemäß wieder verhaftet und in das KZ Dachau gebracht. Dort starb der unbeugsame Pfarrer am 23.8.1942 infolge von Misshandlungen. Völlig unterernährt musste er auch bei Regen und Gewittern einen Pflug durch die Plantage ziehen. Dabei musste er ständig mit Schlägen rechnen. An trockene Kleidung war nicht zu denken. Diesen Kreuzweg ging er bewusst bis zum Tod. Deshalb wird ihm auch die österliche Auferstehung sicher sein. Für ihn gilt das Bibelwort Mt 5,6: „Selig sind, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden.“ Heute bringen klare Worte gegen den Zeitgeist den sozialen Tod.

Eduard Werner

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