Predigt zum Fest des Heiligen Ludwig von Frankreich am 25.8.2013

„Wonach Du sehnlichst ausgeschaut, es wurde Dir beschieden.
Du triumphierst und jubelst laut, jetzt hab ich endlich Frieden.
Ach Freundchen juble nicht zu laut, bezähme Deine Zunge.
Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“
So, liebe Schwestern und Brüder, beschreibt Wilhelm Busch die Lebensphilosopphie vieler Menschen: Das Haben-Wollen und Schielen nach dem, was der andere hat und was ich dann auch haben muss; das Sichaustrecken nach Symbolen des Wohlstandes; die Gier ständig mehr und Größeres haben und besitzen zu wollen und die Unzufriedenheit und Leere, die sich einstellt, wenn beim Erhaschen des Begehrten die erwartete Erfüllung und die Stillung der Sehnsucht ausbleibt.
In der Sprache der Jugend nennt sich das, die Suche nach dem „ultimativen Kick“. Und diese Suche endet meist in einem ebenso kurzen, wie enttäuschenden Gefühl, das so anhaltend ist wie das Wort Kick kurz ist.
Die etwas ältere und erleuchtendere Sprache des Mannes aus Nazareth formuliert dasselbe so:
„Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüsst“!?
Oder genauer: Zufriedenheit über gelungene Erfolge, gewisser Wohlstand oder schöne Erlebnisse stellt sich nur dann ein, wenn das Fundament, auf dem mein Leben steht – ja, wenn meine tiefste Orientierung den Grundstein meines Handelns und Ausrichtens bildet. Nur wer das Hintergründige, den wahren, von Gott geschenkten Lebensinhalt sieht, kann sich wirklich am Vordergründigen, am Schönen und Beachtlichen dieser Welt freuen.
Bei dem heiligen König Ludwig war dieser tiefe Hintergrund das Kreuz, das er aus Lieb zu den Menschen tragen wollte und deshalb die Versuchungen vordergründigen Lebens zurückwies.
Daraus aber erwuchs uns allen, uns Christen, der wahre Hintergrund unseres je eigenen Lebens: Leben in Fülle, zu dem wir berufen sind, die letzte unvergängliche Erfüllung, nach der wir uns nicht vergeblich sehnen. Das ist der Hintergrund. Wer dies vor Augen und im Herzen hat, der wird zufriedener und gelassener. Der sieht mit frohem und neidlosem Blick auch die schönen und hoffnungsvollen Lebenswünsche und auch das Glück Anderer.
Zum Blick auf das Tiefere – weg vom Klick, dem kurzen Vordergründigen – führen uns auch heilige Menschen wie Ludwig, unser Pfarrpatron, der selbst die zu seiner Lebenszeit so begehrte Macht und das Privileg seiner adeligen Geburt unter das Zeichen der Dornenkrone zurückstellte und in Nächstenliebe und Verantwortung für die Anvertrauten auf das Tiefere verwies: Den Kick der Welt verlieren und das wahre Leben zu gewinnen, Lebenswerte dem Vordergründigen entgegenstellen.
Lassen wir diesen „Kick des Glaubens“ einmal wirken und merken wir, dass er trägt und anhält. Lassen wir dieses Geschenk des Glaubens wirken, das hilft, etwas von dem Leben hinter dem Vordergründigen zu spüren und zu erfahren und damit neue Gelassenheit und Zufriedenheit zu finden für die täglich gestellten Aufgaben. Und das Wort des Herrn aus dem heutigen Evangelium wäre dann umgewandelt: „Was nütz dir so mancher Kick und Computerklick, wenn du das wahre Leben aus dem Blick verlierst, nämlich deine Sendung aus Christi Botschaft zum Mitmenschen hin und zur Ruhe deines eigenen Herzens.
Wurde uns dies nicht nochmals ins Herz gelegt, wenn wir am vergangenen Weltjugendtag in Rio sehen durften, dass über 3 Millionen Jugendliche kamen, deren Ziel kein Kick-Klick dem modernen Zeitgeist entsprungener Funke war; sondern die kamen, um mit dem Papst Eucharistie zu feiern und katholische Kirche zu sein. Ihnen und uns rief Papst Franziskus zu, wie wir das Leben gewinnen im Geiste dessen, dem wir nachfolgen sollen: Worte die hoffentlich Frucht bringen und frohe Tatkraft schenken, wenn der Papst sagte, nachdem er mit den Jugendlichen an der Copacabana den Kreuzweg gebetet hatte:
„Viele Gesichter haben wir auf dem Kreuzweg gesehen, viele Gesichter haben Jesus auf dem Weg zum Kalvarienberg begleitet: Pilatus, Simon von Zyrene, Maria, die Frauen…Ich frage dich heute. Wer von diesen möchtest du sein? Willst du wie Pilatus sein, der nicht den Mut hat, gegen den Strom zu schwimmen, um das Leben Jesu zu retten, und der seine Hände in Unschuld wäscht? Sag mir: Bist du einer von denen, die ihre Hände in Unschuld waschen, bist du einer, der sich dumm stellt und zur Seite schaut? Oder bist du wie Simon von Zyrene, der Jesus hilft, den schweren Balken zu tragen, wie Maria und die anderen Frauen, die keine Angst haben, Jesus bis zum Ende zu begleiten, mit Liebe und Zärtlichkeit.
Und du, wie möchtest du sein? Wie Pilatus, wie Simon von Zyrene, wie Maria? Jesus blickt dich jetzt gerade an und sagt dir: Willst du mir das Kreuz tragen helfen, lieber Bruder, liebe Schwester mit all der Kraft eines jungen Menschen? Was antwortest du Ihm?
Liebe junge Freunde, zum Kreuz Christi tragen wir unsere Freuden, unsere Leiden und unsere Misserfolge. Wir werden ein offenes Herz finden, das uns versteht, uns verzeiht, uns liebt und uns bittet, diesselbe Liebe in unser Leben hineinzutragen:“
Amen!

Pfarrer Ralf Hiebert, St. Ludwig in 66740 Saarlouis am Fest des heiligen König Ludwig von Frankreich

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