Frohgemut Zeugnis ablegen! Resolution zum Abschluß des Kongresses „Freude am Glauben“ am 1.9.2013 in Augsburg

„Damit der Glaube neu erstrahlt“, unter diesem Wort von Papst Benedikt XVI. stand der 13. Kongress „Freude am Glauben“ in Augsburg. Am Ende des von Benedikt ausgerufenen „Jahr des Glaubens“ kam es darauf an, uns im Glauben gegenseitig zu bestärken, damit wir als Glaubenszeugen in einer säkularen Welt Zeugnis abzulegen bereit und imstande sind.
Wir haben deutlich gemacht, dass wir dabei als katholische Christen keinen Wert darauf legen, interessant zu sein, sondern klar zu machen, dass wir als getaufte Christen einen solchen Auftrag haben. „Christus hat nämlich keine Dozenten eingesetzt, sondern Nachfolger“ (Sören Kierkegaard). Die Fundamente unseres Glaubens bröckeln immer stärker, und er steht nicht mehr im Zentrum unseres Lebens, sondern verliert fortlaufend an Bedeutung und Anerkennung. Aber wenn Christus unsere große Liebe ist und im Mittelpunkt unseres Lebens steht, dann werden von uns in einem solchen Zeugnis Mut und Standhaftigkeit verlangt, und wir werden oft mit Schmähungen und „sprungbereiter Feindseligkeit“ konfrontiert werden. Denn Gott wird vom Menschen immer mehr dadurch herausgefordert, dass er mit der Rolle des Geschöpfes nicht mehr zufrieden ist, sondern sich zum Schöpfer erheben will. Dies wird besonders deutlich in allen Fragen des Lebensschutzes und in der Reduzierung des Stellenwertes und der Bedeutung von Ehe und Familie.
Da für uns biblische Schöpfungsordnung, Evangelium und Naturrecht unser Handeln bestimmen, akzeptieren wir keine Ideologie, die einen Menschen der Verfügungsgewalt eines anderen unterwirft. Wir sagen klar und deutlich, dass nur Gott Herr über Leben und Tod ist. Deshalb treten wir engagiert für den Schutz des Lebens von Anfang bis zu seinem Tod ein. Dies bedeutet: Wir sind gegen die Forschung mit embryonalen Stammzellen, gegen Abtreibung, auch gegen die sog. „Pille danach“, so lange keine zweifelsfreien Forschungsergebnisse darüber vorliegen, die belegen, dass sie ausschließlich eine verhütende und keine abtreibende Wirkung hat, gegen die Ziele der Selektion von behinderten Menschen durch die Präimplantationsdiagnostik (PID) und gegen Suizid-Beihilfe.
Und die Familie bleibt für uns „der Ort der Kultur des Lebens“ (Papst Johannes Paul II.), in deren Mittelpunkt das Kind steht, das Vater und Mutter braucht. Wir dürfen in unserer Gesellschaft nicht abseits stehen, müssen uns in der Politik einbringen und dort, wo notwendig, Widerstand leisten.
Papst Franziskus hat uns aufgerufen, nicht schön zu reden, weil die „Scheinheiligkeit die Sprache der Entstellung“ ist. Deshalb ducken wir uns nicht feige weg und schleichen uns nicht davon, sondern treten glaubensstark, mutig und engagiert auf. Und wer Gott verteidigt, der verteidigt wegen seiner Liebe zu uns auch die Menschen. Wir glauben fest an ihn, und „diesen Osterglauben kann uns niemand rauben“. In einem bekannten Kirchenlied heißt es: „Ich bin getauft und Gott geweiht“. Deshalb ist der Glaube für uns ein Geschenk und keine Last. Und deshalb legen wir frohgemut Zeugnis von ihm ab.

Prof. Dr. Werner Münch

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4 Antworten auf Frohgemut Zeugnis ablegen! Resolution zum Abschluß des Kongresses „Freude am Glauben“ am 1.9.2013 in Augsburg

  1. Lutz Starke sagt:

    …an der Erklärung stört mich allerdings eine Textstelle sehr – Zitat: „…dass sie ausschließlich eine verhütende und keine abtreibende Wirkung hat…“, was wohl wiederum impliziert, daß die Vereinigung von Mann und Weib auch außerhalb der Ehe stattfinden kann, respektive sich in Enthaltsamkeit nicht mehr geübt werden muß! Auch der Passus „…abtreibende…“, der hier gewählt wurde, verschleiert die Tatsache bewußten Mordens! Wann kommen die dem Christus Vertrauenden endlich mal aus ihrem Kastendenken (katholisch, evangelisch, kirchlich, etc.) heraus und benennen die Fakten wieder nach dem WORT G:TTes, wie es geschrieben steht und hören mit der unseligen Theologisiererei auf, was Kirkegard mit seinem Statement gemeint hat – Zeugen Jesu Christi – und nur Jesu Christi!

    • Gerhard Stumpf sagt:

      Der Erklärung liegt die Auffassung zugrunde, dass die Eheschließung (katholisch als Sakrament) die ganzheitliche Vereinigung (leib-seelisch-geistig) von Mann und Frau einschließt, also auch die Zeugung von Kindern einschließt. Dabei tragen Mann und Frau die Verantwortung für die Kinder, auch für die Anzahl der Kinder. Mit der Zeugung ist der Mensch mit allen Anlagen da, ab dem Zeitpunkt der Zeugung geht es um die Entfaltung der Anlagen. Es ist also klar, dass Abtreibung Tötung bedeutet. Auch das Wissen um eine möglicherweise eintretende Abtreibung ist sittlich zu verwerfen. Wenn absolut sicher ist, dass keine Empfängnis stattgefunden oder noch stattfindet – ob man das absolut ausschließen kann? – dann kann auch keine Rede von Tötung sein. Dann braucht man allerdings in der Ehe auch keine verhütende Pille. Es kann wohl auch Fälle geben – ich denke da an die Gefahr von Vergewaltigungen -, bei denen es angeraten erscheint, den Eisprung zu verhindern, wobei eine Abtreibung ausgeschlossen sein muss.
      Was als Kastendenken bezeichnet wird, ist mir unverständlich. Die katholische Kirche versteht sich als sakramental, die evangelischen kirchlichen Gemeinschaften verstehen sich nicht als sakramental. Das ist ein gravierender Unterschied. Die evangelischen Gemeinschaften haben sich seit Martin Luther von der katholischen Kirche abgesetzt und ein Gemeindeverständnis entwickelt, das politischen Strukturen entspricht. Dennoch besteht das Bestreben, miteinander zum Wohl der Menschen zu wirken und die unterscheidenden Auffassungen miteinander zu erörtern. Es ist bedauerlich, wenn nun die evangelischen kirchlichen Gemeinschaften sich nicht nur im Glauben an das Evangelium, sondern auch im ethischen Bereich mehr und mehr von der katholischen Kirche entfernen.

  2. Sehr geehrter Prof. Münch,

    mit dem Inhalt Ihrer Resolution stimme ich völlig überein.
    Alerdings wundere ich mich sehr, dass sie den nicht-katholischen Sören Kierkegaard zitieren mit seiner Behauptung:
    „Christus hat nämlich keine Dozenten eingesetzt, sondern Nachfolger“ (Sören Kierkegaard).
    Dies meint, wie es zur Zeit des öfteren, leider auch von katholischen Predigern zu hören ist: „Das Christentum, der katholische Glaube ist keine Lehre.“

    Das II. Vatikanische Konzil sagt in „Lumen gentium“ (17):

    Wie nämlich der Sohn vom Vater gesandt ist, so hat er selbst die Apostel gesandt (vgl. Joh 20,21) mit den Worten: „Gehet hin und lehret alle Völker, taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“ (Mt 28,18-20). Diesen feierlichen Auftrag Christi zur Verkündigung der Heilswahrheit hat die Kirche von den Aposteln erhalten und muß ihn erfüllen bis zu den Grenzen der Erde (vgl. Apg 1,8). Daher macht sie sich die Worte des Apostels zu eigen: „Weh … mir, wenn ich die Frohbotschaft nicht verkünde!“

    Bischöfe (und Papst) sind Lehrer (Dozenten), die beauftragt sind, den Glauben unverfälscht zu bewahren und weiterzugeben (ihn zu lehren).

    Ich bitte Sie, diese von dem Protestanten Kierkegaard übernommene Behauptung zu überdenken. Wo keine Lehre, da ist auch kein Lehramt notwendig. Und damit auch keine Kirche. Dann wollte Christus auch keine Kirche und schon garnicht die katholische Kirche gründen. Tatsächlich kam Kierkegaard zu diesen Schlüssen. Stimmen Sie dem zu? Ich kann mir das nicht wirklich vorstellen.

    Der christliche Glaube IST (auch) eine Lehre:
    http://frischer-wind.blogspot.de/2013/08/der-christliche-glaube-ist-keine-lehre.html

    • Michael Schneider-Flagmeyer sagt:

      Liebe „Frischer Wind“,
      aus meiner Sicht haben Sie Recht, aber Prof. Münch hat es auch.
      Kierkegaard lebte und schrieb in einer Zeit, in der sich im Protestantismus stark die liberale Theologie im Rahmen und in der Nachfolge des Rationalismus durchzusetzen begann. Große bekennende und auch schon früh ökumenisch gesinnte evangelische Theologen wie Adolf Schlatter gerieten in die Minderheit. Die liberale Theologie setzte sich im Protestantismus durch und erobertete im 20.Jahrhundert besonder stark nach dem Konzil auch die katholische Theologie.
      Aus meiner Sicht zitiert Prof. Münch hier völlig zu Recht Kierkegaard; denn gemeint sind nicht die von Christus eingesetzten Lehrer der Kirche und ihr Lehramt, sondern die Professoren, die ihre eigene „Lehre“ die mehr eine Leere ist, mit der Behauptung der Wissenschaftlichkeit über die Lehre der von Christus berufenen Lehrer stellen. Das ist heute die Situation in der evangelischen aber auch – Gott sei es geklagt – immer mehr in der katholischen Kirche. Das Wort „Dozent“ wie es Kierkegaard verwendet müsste man heute ergänzen mit Dozent „mit selbst gemachter Lehre (=Leere)“.
      Prof. Münch hat nur das geagt, was auch ganz ähnlich schon die letzten Päpste gesagt haben.
      Bei mir ist das auch genauso rübergekommen.
      Ihren grundsätzliche Ausführungen zur Lehre kann und will ich nicht widersprechen.

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