„Damit der Glaube neu erstrahlt“ (Papst Benedikt XVI.) Kongress „Freude am Glauben“ vom 30.08 bis 01.09.2013 in Augsburg

Der Kongress Freude am Glauben 2013 gab Impulse zur Neuevangelisierung

Am 11. Oktober 1985 sprach Papst Johannes Paul II. zum ersten Mal in einer Rede zur Notwendigkeit der Glaubensverkündigung im immer mehr säkularen Europa von einer Neuevangelisierung. Viele haben dies aufgegriffen, aber dennoch bleibt der Auftrag weiter bestehen – die säkulare Wirklichkeit, die vom Christentum nichts weiß oder auch nichts wissen will, ist allgegenwärtig.

Papst Benedikt XVI., der nicht müde wurde, die Schönheit des Glaubens herauszustellen, und auch sein Nachfolger Franziskus, der ebenfalls immer wieder deutlich macht, dass es Gott ist, der unsere Finsternis hell macht, stehen in der Tradition von Johannes Paul II., und so ist und bleibt der Auftrag zur Neuevangelisierung aktuell.

Das „Forum Deutscher Katholiken“ hat mit seinem 13. Kongress „Freude am Glauben“ unter dem Motto „Damit der Glauben neu erstrahlt“ dieses wichtige Anliegen aufgegriffen und die rund 1500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die vom 30. August bis zum 1. September nach Augsburg gekommen waren, konnten viele wertvolle Impulse mit nach Hause nehmen.

Der Kongress begann mit einem Pontifikalamt im Augsburger Dom mit Bischof Konrad Zdarsa. Der Augsburger Oberhirte machte in seiner Predigt deutlich, dass das Christentum eine Botschaft sei, die niemandem nach dem Mund redet, an der sich aber alle ausrichten können. Echte Glaubensfreude erwachse daraus, dass wir in der Erwartung auf Christus leben. Es sei gefährlich, sich in dieser Welt einzurichten und nicht mehr zu Gott hin aufzubrechen, nicht wach zu bleiben in der Erwartung auf ihn. Der Appell von Bischof Zdarsa, sich nicht einzurichten, sondern sich vielmehr an Christus auszurichten, war schon eine grundlegende Aussage über die Neuevangelisierung. Denn je mehr ich selbst von Christus begeistert bin, je mehr Glaubensfreude ich selbst erlebe, umso mehr kann ich diese auch ausstrahlen.

Ganz in diesem Sinn warb Prof. P. Dr. Karl Wallner von der Hochschule Heiligenkreuz bei Wien für Liturgien, die die Menschen berühren – so dass Gott uns dann erreicht. Ebenfalls verwies der Hochschulprofessor und Jugendseelsorger auf eine andere Erfahrung, die Christen immer wieder gemacht haben: „Gott wird handeln, wenn ich ihn lasse.“ Und er sprach davon, dass jeder, der tut, was er kann, Gottes Gnade erfahren wird. Gerade dies, so Wallner, könne uns Gelassenheit geben, denn es gehe nicht darum, große Werke zu vollbringen, sondern im Kleinen treu zu sein.

Wie der Glauben erfahrbar werden kann, zeigten auch solche Programmpunkte des Kongresses, in denen nicht das Wort im Zentrum stand – etwa eine Darbietung der Passion durch Jugendliche, die beeindruckend das Leiden, Sterben – aber auch die Auferstehung Jesu – darstellten. Eindrucksvoll und bewegend war auch wieder die Marienprozession mit anschließendem Nightfever – eucharistischer Anbetung mit besinnlicher Musik. Die Marienprozession und das Nightfever gehören schon seit mehreren Jahren zum Kongress dazu – genauso wie die heilige Messe im außerordentlichen Ritus nach dem Messbuch von 1962. Diesmal fand das levitierte Amt am Festtag des heiligen Raymund Nonnatus statt, der – wie Zelebrant P. Axel Maußen von der Priesterbruderschaft St. Petrus in seiner Predigt ausführte – als Ordensmann freiwillig in die Sklaverei gegangen ist und dort muslimische Mitsklaven für das Christentum gewonnen hat. Heute, so Maußen weiter, könne man einiges bewirken, indem man den Glauben im eigenen Bekanntenkreis weitergebe. Zu einer guten Glaubensverkündigung gehöre neben dem Mut, diesen Glauben unverkürzt weiterzugeben, sowie dem vorbildlichen Leben vor allem die Liebe.

Um den unverkürzten Glauben ging es auch in dem Vortrag von Prälat Dr. Wilhelm Imkamp, Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, der über den Modernismus sprach. Imkamp beklagte, dass die entscheidende Enzyklika gegen den Modernismus von Papst Pius X. immer noch kaum zur Kenntnis genommen und der bedeutende Papst oft als inkompetent dargestellt werde. Tatsächlich habe der Modernismus mit seiner Anbiederung an den Zeitgeist viel Schlechtes bewirkt. Die katholische Lehre sei sicher zuweilen hart wie Schwarzbrot, aber genauso nahrhaft. Hingegen habe der Modernismus mit seiner Anbiederung an den Zeitgeist und der Anpassung an menschliche Bedürfnisse Buttercreme verteilt – und die ist weich und macht dick. Zusammenfassend gab Imkamp die Empfehlung: „Das Ärgernis des Glaubens so deutlich leben, dass andere darauf aufmerksam werden.“

Ein solches Ärgernis des Glaubens ist auch das Eintreten für Ehe und Familie und gegen das „Gender-Mainstreaming“. Zu diesen Themen sprachen die Publizistin Gabriele Kuby und die Journalistin Birgit Kelle. Dass gegen gewachsene Kulturen und auch gegen Mehrheiten die Gender-Mentalität durchgesetzt werde, beklagte Gabriele Kuby. Gender, das bedeutet, dass keine vorgegebenen geschlechtsspezifischen Unterschiede mehr anerkannt werden. Genau dies sei, so Kuby, frauen- und familienfeindlich. Die fehlende Unterstützung für Familien sprach die Journalistin und Mutter von vier Kindern Birgit Kelle an. Bedenklich sei es, dass zwar Eltern, die ihre Kinder in Kinderkrippen und Kindertagesstätten bringen und selbst arbeiten, unterstützt werden – gleichwohl Mütter, die eine Erziehungszeit nehmen, deutlich benachteiligt werden. Während die Kosten für einen Krippenplatz pro Kind 1.200 Euro im Monat betragen, erhalten Eltern, die die Erziehung selbst ganz übernehmen, gerade einmal 150 EUR. Überhaupt sollte sich der Staat Kinder mehr kosten lassen, machte Kelle deutlich, denn jedes Kind ist für den Staat ein Nettogewinn von 50.000 EUR.

Der letzte Tag des Kongresses befasste sich stark mit den konkreten Wegen der Neuevangelisation. In einem Podiumsgespräch zeigten unter der kompetenten Leitung von Peter Winnemöller die Lehrerin Birgit Kerz, Thomas Jittenmeier von Nightfever, Bernhard Meuser, der unter anderem für die Redaktion des Jugendkatechismus „YouCat“ verantwortlich war, der Augustinerchorherr, Pfarrer und Internetblogger P. Alipius Müller sowie die Betriebswirtin und christlich sehr engagierte Mutter dreier Kinder Hedwig von Beverfoerde Wege auf, den Glauben wieder neu erstrahlen zu lassen. Einig waren sich alle, dass der Glaube einem selbst Freude machen müsse – und man ihn dann freudig weitervermitteln könne und solle. Aber es ist auch so, wie Birgit Kerz betonte, dass man den Glauben nicht machen, sondern nur die Voraussetzung dazu schaffen kann.

Dass es überhaupt für das Glaubensleben wichtig ist, nicht zum Macher zu werden, sondern immer seine eigene Bedürftigkeit anzuerkennen, betonte auch der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke OSB beim Abschlussgottesdienst des Kongresses. Bischof Hanke war kurzfristig für Erzbischof Rino Fisichella, dem Präsidenten des päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, eingesprungen, der aus persönlichen Gründen nicht kommen konnte. In seiner Predigt sagte der Eichstätter Oberhirte: „Superman kommt nicht zur Seligkeit des Glaubens“. Notwendig sei die Bereitschaft, umzukehren und sich so Gott zuzuwenden. So könne es zur wahren Glaubensfreude kommen. Als Wege zu dieser Glaubensfreude, die in einer intensiven Christusbeziehung wurzelt, nannte Bischof Hanke die Mitfeier der Eucharistie, Gebet, Bibellesung, den Austausch von Glaubenserfahrungen sowie die Begegnung mit Christus in den Notleidenden. Am Ende des Pontifikalamtes lud der Eichstätter Bischof alle Kinder sowie auch die anderen Mitfeiernden zu einer persönlichen Segnung ein. Dies gab – wie der ganze Kongress – wieder neue Kraft auf dem Weg des Glaubens und natürlich bei seiner Verkündigung.

So hat „Freude am Glauben 2013“ wieder einmal hervorragende Impulse für das gegeben, wozu wir alle gerufen sind: unseren Beitrag zu leisten, damit der Glaube neu erstrahlt.

Raymund Fobes

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