Der Geist des Konzils und der Geist des Papstes Franziskus – ein Zwischenruf

Vom „Geist des Konzils“ hat fast jeder schon einmal hierzulande gehört. In ihn wird das hineingelegt, was die, die sich auf ihn berufen, in der Kirche durchsetzen wollen. Man hat diesen Geist, der mehr ein von Menschen gemachtes Gespenst ist, uns bis zum Erbrechen vorgehalten. Weiss man doch ganz genau, dass die, die mit ihm immer wieder spuken, die Dokumente des II. Vaticanums, in denen sich einzig und alleine der Geist des Konzils verwirklicht hat, im Großen und Ganzen nicht kennen bzw nicht befolgen. Diese Geschichte hat einen so langen Bart, dass er von Grönland bis zum Kap der Guten Hoffnung reicht und man ihn dort schon lange gut aufwickelt hat.
Er wäre hier auf unserem Blog kaum noch einer Erwähnung wert, wenn sich nicht Ähnliches jetzt mit dem gerade neu amtierenden Papst Franziskus wiederholen würde. Alle führen seinen Namen im Munde und zollen ihm (noch) Lob und berufen sich auf ihn, aber nur ganz wenige hören ihm wirklich zu, und die Allerwenigsten beziehen seine Worte auf sich selbst und versuchen sie in ihrem täglichen Leben lebendig werden zu lassen. Auch manche kirchenoffizielle Zeitungen und Webseiten hierzulande zitieren nur das von ihm, was ihnen für ihre kirchenpolitischen Zwecke in den Kram paßt. Jeder beruft sich auf den Papst Franziskus. Wer hört ihm eigentlich zu? Dabei sind seine Worte ständig im Osservatore Romano und im Internet sowie viel von ihm in „Die Tagespost“ auf gut deutsch nachzulesen. Besonders die größte deutschsprachige Webseite kath.net veröffentlich als „Franziskusperlen“ täglich seine Predigt in der Kapelle des Domus Sanctae Marthae.
Hier kommt der wahre Geist des Papstes Franziskus ungeschminkt und unverfälscht zum Ausdruck. Hier spricht er frei von der Leber weg und wird so deutlich bis drastisch, dass man das gar nicht überhören und mißverstehen kann. Auch für geistliche Herren wie z.B. in Limburg und jetzt mal wieder in Wien (Prof.em.Zulehner) sollte das Klartext sein, der für ein Christenleben ein guter Leitfaden ist.
Gerade heute, am Freitag den 13.September 2013 sagt er dieses: „Die Menschen, die leben, um über ihren Nächsten zu urteilen, über den Nächsten schlecht zu reden, sind Heuchler, weil sie nicht die Kraft und den Mut aufbringen, auf ihre Fehler zu schauen.“
Das geht uns alle an, Kleriker wie Laien. Und der Papst betont, dass Klatsch ( zu ihm gehört auch die Verleumdung, die er schon früher mit harten Worten gegeißelt hat) kriminell ist, weil der den Bruder tötet. Der Klatsch und das Geschwätz bewegten sich immer in einer Dimension der Kriminalität.
Wenn jetzt der emeritierte Profossor für Pastoraltheologie in Wien, Paul Zulehner, im ORF erkärt, dass aus den Reihen der „Konservativen“ – wen immer er damit auch meint – der Mord an Papst Franziskus geplant werde, dann muß er nicht nur Roß und Reiter nennen, sondern auch sich fragen lassen, ob auch er jetzt vom „Geist des Konzils“ zum „Geist des Papstes Franziskus“ wechseln möchte unter Ignorierung der päpstlichen Predigten wie vorher der Konzilstexte.
Das Gleiche gilt für einen großen Teil der geistlichen Herren im Limburg, die mit gezieltem Klatsch und in die Medien gestreuten Verleumdung den eigenen Bischof zu „töten“ versuchen nach den Worten des Papstes, der diesem Bischof gerade sein Vertrauen ausgesprochen hat. Das gilt auch für jeden von uns.
Die täglichen „Franziskusperlen“ (kath.net) eignen sich gut für einen sehr zeitgemäßen Beichtspiegel.
Was sagt denn der Papst so?:
Wer in der Kirche als Priester oder als Laie Karriere machen will, befindet sich auf dem falschen Dampfer statt im Schiff Petri.
Hoffentlich hat dieses ein hochadeliger geistlicher Herr in Frankfurt/ Bistum Limburg gut verstanden.
Die, die mit dem Wort Christi Kirchenpolitik für ihre eigenen selbstsüchtigen Ideen treiben wollen, hat er schon ganz zu Beginn seines Pontifikates als Menschen bezeichnet, „die Christus die Herrlichkeit stehlen, weil sie sie für sich selber haben wollen.“
Zu denen, die sich aus allem in der Kirche und der Welt heraushalten wollen, ihre Hände in Unschuld waschen und „sich dumm stellen“ hat er an der Copacabana vor vier Millionen jungen Menschen ( und damit an uns alle) die Frage gestellt, ob sie damit dem Weg des Pilatus folgen wollen oder ob sie nicht vielmehr den Weg des Kreuzträgers wie Simon von Cyrene beschreiten wollen, der Christus hilft, das Kreuz zu tragen und dessen Weg damit der steile Weg ins Paradies ist.
Wer jetzt dem Papst und seinem neu ernannten Staatsekretär die Absicht unterstellt, den Zölibat abschaffen zu wollen, sollte man in Kenntnis dessen, was der Papst wirklich sagt, in Erinnerung rufen, dass er in Rio de Janeiro vor der CELAM diese Forderung der Konzils-und-Papst-Geist-Begabten dem von ihm scharf kritisierten „gnostischen Reduktionismus“ zugeordnet hat.
So wie wir das II. Vatikanische Konzil in der Befolgung seiner Texte endlich umsetzten sollen, wie es jetzt auch Papst Franzikus nach seinem Vorgänger Papst Benedikt XVI. fordert, so soll man auch aufhören, von einem „Geist des Konzils“ und dem neu gestrickten „Geist des Papstes Franziskus“ zu schwadronieren, sondern seine Worte (wie die des Konzils) ins  Herz dringen lassen und danach handeln.

Michael Schneider-Flagmeyer

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3 Antworten auf Der Geist des Konzils und der Geist des Papstes Franziskus – ein Zwischenruf

  1. Konrad Kugler sagt:

    Der ominöse „Geist des Konzils“ ist nicht identisch mit dem Heiligen Geist.
    Unter diesen so (!) genannten Umtrieben ist der Kirche schwerer Schaden entstanden
    Den Spieß umdrehen heißt: Umkehr! Mitten hinein in die Texte des Zweiten Vatikanum! Die Meinungsführerschaft liegt noch bei den Hw. H. Krawattenpfarrern. Aber diese sterben aus.

  2. Gertraud Neldner sagt:

    Als ich obigen, sehr guten Kommentar von Herrn Schneider-Flagmeyer las, kam in mir ganz unvermittelt der Gedanke auf:
    Es sind drei Handbewegungen, die wir katholischen Christen häufig ausführen sollten –

    1. die Hand zum anderen ausstrecken bzw. dessen Hand ergreifen,
    freundlich und versöhnungsbereit, zum Zeichen unseres guten Willens;

    2. die Hand zur Brust führen, wie beim Agnus Dei,
    an unsere eigene Brust klopfen angesichts der Erkenntnis, dass wir alle Sünder sind;

    3. das Kreuzzeichen machen –
    dieses große Zeichen und Erkennungsmerkmal katholischer und orthodoxer Christen,
    dass uns unverwechselbar macht und der Welt vermittelt:
    Der dreifaltige GOTT ist die Mitte unseres Lebens – oder sollte es zumindest sein.

  3. Addy Fabi sagt:

    Danke für deinen Mut ,und klare Worte .Mache weiter so .Gruß A.Fabi

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