Domprediger Maier: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen“

Priester, die mit vollem Einsatz Menschen zu Christus führen, treten vor allem in Zeiten der Verfolgung deutlich hervor. Über einen von ihnen berichtet Emmeran Ritter im Martyrologium „Zeugen für Christus“. Das ist der Regensburger Domprediger Dr. Johann Maier. Er kam 1906 als siebtes von 14 Kindern auf einem niederbayerischen Bauernhof zur Welt. Nach dem Abitur am Benediktinergymnasium Metten studierte er zunächst in Regensburg und bald darauf in Rom Philosophie und Theologie. 1933 wurde er zum Priester geweiht und auch zum Doktor der Philosophie promoviert. Sein anschließender Einsatz in der Seelsorge muss sehr eindrucksvoll gewesen sein, weil er schon 1938 zum Repetitor am Regensburger Priesterseminar und bald darauf auch zum Domprediger ernannt wurde. Ein so römisch gebildeter Prediger konnte den prinzipiellen Gegensatz zwischen dem Christentum und dem Nationalsozialismus nicht übersehen. Die Nazis beeindruckten damals die Menschen durch die Beseitigung der Arbeitslosigkeit und durch den Einsatz der neuen Technik und des Sports in ihre Propaganda. Sie wollten als die Träger des Fortschritts erscheinen, während die katholische Kirche mit dem Odium des Rückschritts belegt wurde. In diesen ungleichen Kampf griff Domprediger Maier beherzt ein und verteidigte die christliche Heilsordnung. Dem offiziell propagierten Rassenhass setzte er das universal geltende Liebesgebot Christi entgegen und dem nebulösen germanischen Volksgeist setzte er den Wert der einzelnen Seele vor Gott entgegen. Unter der Kanzel saßen regelmäßig Spitzel der Gestapo, die genau mitschrieben, was Maier sagte, und öfter schnitten sie sogar das Kabel zum Mikrophon durch, um den Prediger am Sprechen zu hindern. Vielleicht verhinderte die Popularität Maiers seine sofortige Verhaftung, aber bedrohliche Polizeiverhöre gab es öfter. Als sich kurz vor Kriegsende am Montag, den 23. April 1945 viele Regensburger am Moltkeplatz versammelten, um eine kampflose Übergabe der Stadt zu fordern, wollte Domprediger Maier die Leute beruhigen, die eine Zerstörung ihrer Stadt fürchteten. Er sagte: „Wir dürfen keinen Aufruhr machen. Wenn wir die Obrigkeit beindrucken wollen, so können wir das am besten, dass wir mit Ruhe und sittlichem Ernst vor sie hintreten.“ In diesem Moment wurde er von zwei Polizisten untergehakt und abgeführt. Trotz des lautstarken Protestes der Versammelten wurde Maier mit vier weiteren Regensburgern in die Polizeidirektion gebracht, wo er in der Nacht zusammen mit seinen Helfern Michael Lottner und Josef Zirkl zum Tode durch Erhängen verurteilt wurde. Das Urteil wurde am Moltkeplatz sofort vollstreckt. Die beiden Helfer waren bei der Verhaftung spontan für Maier eingetreten. Lottner war noch vor der Hinrichtung im Kampf erschossen worden. Auch wer nur einen „höflichen Widerstand“ riskierte, wurde sofort ermordet. Am Morgen sahen die Regensburger den Domprediger und Zirkl am Galgen hängen, während Lottner tot vor den Galgen lag. Da wussten die Regensburger, dass schon der leiseste Widerstand den Tod bedeutete.
Überraschenderweise blieb Regensburg vor der Zerstörung verschont. Manche Zeitzeugen glaubten fest daran, dass sich der Domprediger Gott als Opfer für die Rettung der Stadt angeboten hatte.

Edurad Werner

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