„Durch die Liebe Gottes zur Freundschaft fähig werden“

Für Jugendliche in Krisensituationen: Die Gemeinschaft Cenacolo

Die Gemeinschaft Cenacolo wurde am 16. Juli 1983 durch die italienische Ordensschwester Elvira Petrozzi ins Leben gerufen.
Sie sollte jungen Menschen in Krisensituationen, besonders solchen mit Drogenproblemen, die Möglichkeit zu einem Neuanfang bieten.

Zur Geschichte
„Nach Jahren des Wartens und des Gebetes, in denen Schwester Elvira in ihrem Herzen den Ruf spürte, ihr Leben den einsamen und ausgegrenzten Jugendlichen unserer Zeit zu widmen, erhielt sie die Schlüssel einer verlassenen und baufälligen Villa auf dem Hügel von Saluzzo (Provinz von Cuneo/ Nord-Itanien), die ihr von der Stadt überlassen wurde. Dort entstand das „Mutterhaus“ des Cenacolo.
Ohne jegliche materielle Sicherheiten, mit vielen Entbehrungen, viel Gebet und der einzigen Gewissheit, dass Gott treu ist, beginnt dieses Abenteuer. Schon bald klopfen die ersten jungen Menschen an die Tür der Gemeinschaft. Verzweifelte und süchtige Jugendliche, die eine Zuflucht suchen, einen Unterschlupf, einen Ort, an dem sie zu neuem Leben erwachen können. Gemeinsam mit den Jungen erreicht die Gemeinschaft Cenacolo auch die ersten konkreten Hilfen. Die Vorsehung beginnt sichtbar zu werden und zeigt, dass »Gott mit uns« ist.“1
Seitdem reißt die Zahl der jungen Menschen, die bei der Gemeinschaft Cenacolo um Hilfe anklopfen, nicht ab.
„Die Jugendlichen selbst – einst in der Dunkelheit ihrer Vergangenheit verloren – werden zu ersten „Missionaren“. Sie stellen sich unentgeltlich zur Verfügung und reichen anderen die Hand, die sich in Schwierigkeiten befinden.“2
Es wurden bisher weltweit mehr als 60 Cenacolo-Häuser (Info: www.comunitacenacolo.it) errichtet, wobei es im deutschsprachigen Raum nur ein Haus in Österreich, im burgenländischen Kleinfrauenhaid (bei Wien) gibt. Das erste Haus in Deutschland steht noch aus.
Im Oktober 2009 erhielt die Gemeinschaft Cenacolo in Rom, durch ein Dekret des Päpstlichen Rates für die Laien, die Anerkennung als „Internationale Vereinigung von Gläubigen Päpstlichen Rechts“.

Der Lebensstil
„Die Gemeinschaft Cenacolo bietet den Jugendlichen einen einfachen und disziplinierten Lebensstil, der auf der Wiederentdeckung der wesentlichen Gaben des Gebetes und der Arbeit (»ora et labora«), der wahren Freundschaft, des Opfers und des Glaubens an Jesus aufbaut.
Die Spiritualität der Gemeinschaft ist tief eucharistisch und marianisch. Der Tag gliedert sich in Zeiten des Gebetes (Anbetung, Wort Gottes, Rosenkranz), der Arbeit, des Gesprächs und in Augenblicke des Spielens und des Feierns.
Wir glauben, dass ein in Einfachheit und Fülle geführtes christliches Leben die wahre Antwort auf jede Unruhe des Herzens ist, und sind auch davon überzeugt, dass der Mensch durch die lebendige Begegnung mit der Barmherzigkeit Gottes zur Hoffnung wiedergeboren und von den Ketten der Sucht befreit wird, die ihn versklavt hat. So findet er wieder Freude zu lieben.“3
Dieses Angebot haben bisher auch über 70 deutsche Jugendliche wahrgenommen und eine Neuorientierung ihres Lebens gefunden.

Die Gemeinschaft Cenacolo lebt, außer von den Produkten ihrer eigenen Arbeit, von der Vorsehung Gottes, die sich zeigt durch Wohltäter und Freunde, die bereit sind, Menschen bei ihrem Neubeginn zu helfen.

Wahre Freundschaft
Das Jahresthema 2012 der Gemeinschaft Cenacolo lautet „Wahre Freundschaft“. Schwester Elvira hat es aus Anlaß ihres 75. Geburtstages im Januar mit der folgenden Katechese untermauert:
„Durch die Liebe Gottes zur Freundschaft fähig werden.
Es ist an der Zeit, dass wir uns selbst erkennen und dass wir untereinander zu echten Freunden werden.
Wir müssen die Götzen enttarnen, die uns innerlich zerfressen und durch die wir letztendlich vereinsamen: den Egoismus, den Stolz, die Überheblichkeit und die Gleichgültigkeit.
Wir müssen die Fähigkeit wieder entdecken, Männer und Frauen zu sein, die von Herzen lieben, die zärtlich, gütig und barmherzig sind.
Wir alle wünschen uns jemanden, der uns mag, mit dem man eine tiefe Freundschaft aufbauen kann. Aber dazu ist es notwendig, dass wir in aller Einfachheit zum Ausdruck bringen, wer wir sind; sonst passiert es, dass man nebeneinander her lebt, ohne sich zu kennen und zu lieben.
Um lieben zu lernen, ist es notwendig, miteinander zu sprechen und sich wirklich gegenseitig kennenzulernen; ohne das Gespräch fehlt eine Grundvoraussetzung für eine gute, dauerhafte und freundschaftliche Beziehung.
Eine Freundschaft lebt von Verständnis und Angenommensein, Uneigennützigkeit und Treue.
Viele von uns haben Angst, ihr Herz aus Stein gegen ein Herz aus Fleisch austauschen zu lassen. Wir fürchten uns davor, zu entdecken, dass wir ein Herz haben, das schlägt, das leidet und liebt, das weint und sich freut. Aber wer den Mut hat, sich von der Liebe Gottes heilen zu lassen, wer sich offen zu Ihm bekennt, ist zu großen Taten der Solidarität, der Freundschaft und Liebe fähig“. – So Mutter Elvira.

Familienarbeit
Über seine Erfahrungen mit der Gemeinschaft Cenacolo schreibt ein betroffenes Elternpaar:
„Für uns Eltern, die für ihr suchtkrankes Kind verzweifelt nach Hilfe gesucht und diese endlich in der Gemeinschaft Cenacolo gefunden haben, ist es am Anfang nicht leicht, das Kind abzugeben und wieder neues Vertrauen zu ihm aufzubauen.
Die Gemeinschaft ruft die Eltern und Angehörigen deshalb dazu auf, parallel mit ihren Kindern den Weg der Bekehrung zu gehen, da die langjährige Erfahrung gezeigt hat, dass die Veränderung der Jugendlichen entscheidend von den Bemühungen ihrer Eltern abhängt. Daher ist es von Bedeutung, dass wir Eltern unseren Lebensstil nach der Wahrheit und dem Glauben ausrichten.
Es war und ist deshalb für uns wichtig, sich mit anderen betroffenen Eltern regelmäßig zum gemeinsamen Gebet und Lebensaustausch zu treffen. Die gegenseitige Offenheit und das Vertrauen zueinander erlaubt, die eigenen Sorgen auszusprechen und dabei von anderen Hilfe zu erfahren.
Für uns begann ein Weg der Erneuerung. Es war der Beginn eines vertieften Glaubensweges. Die Tage des Gebetes, der Freundschaft und der Begegnung bei den verschiedenen Treffen der Gemeinschaft sind für uns fester Bestandteil in unserem Leben geworden.
Mit Gottes Hilfe haben wir auch wieder das Vertrauen zu unserem Kind zurückgewinnen können und freuen uns, der großen Cenacolo-Familie angehören zu dürfen.“2

von Hans-Ulrich Groß

Kontakt in Deutschland
Freunde der Gemeinschaft Cenacolo Deutschland e. V.
Homepage: www.cenacolo.de
Hauptansprechpartner in München: Reinhard und Margaret Schmittner
Tel.: 089-4301708
E-Mail: info@cenacolo.de

Kontakt in Österreich
Gemeinschaft Cenacolo
Kleinfrauenhaid 18
A-7023 Zemendorf
www.cenacolo.at
Tel.: +43 (0) 2626 / 5963
E-Mail: gemeinschaft@cenacolo.at

1 S. 9 aus dem Buch „Eine Hoffnung wird neu geboren“, welches im Juli 2011
von der Associazione San Lorenzo – Comunità Cenacolo, Saluzzo (CN), Italien
herausgegeben wurde.
2 ebd. S. 10
3 ebd. S. 11

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