Pfarrer Rupert Ritzer – Heimkehr aus tödlichen Gefahren

Nach dem 2. Weltkrieg staunte mancher Heimkehrer über seine Rettung aus großen Gefahren. Wie viele seiner Kameraden musste er elend sterben sehen! „Warum ist mir dieses Schicksal erspart geblieben“, fragte sich auch Pfarrer Rupert Ritzer. Er ist zwischen 1940 und 1945 so oft dem Tod entgangen.
Rupert Ritzer hatte 1935 am Gymnasium in Dillingen an der Donau die Reifeprüfung bestanden. Die Welt schien ihm offen zu stehen. Der junge Abiturient entschied sich jedoch für das Studium der Theologie mit dem Ziel des Priesterberufs. Das war damals ein Wagnis. Das Hitler-Regime war der katholischen Kirche feindlich gesinnt. Das römisch orientierte Christentum wurde als „artfremd“ bezeichnet. Und Hitler und sein Chefideologe Alfred Rosenberg wollten nur „ deutsche Christen“ unter dem evangelischen Reichsbischof Müller ertragen. Mit dem Kriegsbeginn 1939 endete das Studentenleben für Rupert Ritzer und seine Kollegen. Die Theologie-Studenten mussten wie andere Männer auch in die Kasernen zur militärischen Ausbildung. Bei einem Kurzurlaub im Februar 1940 wurden Rupert Ritzer und seine Kurskollegen überstürzt zu Priestern geweiht. Dies hatte eine willkommene Nebenwirkung: Priester wurden damals als Sanitäter eingesetzt und brauchten nicht mit der Waffe in der Hand zu kämpfen. Gänzlich befreit vom Kriegsdienst waren laut Konkordat nur die bereits in der Pfarrseelsorge und in der Diözesanverwaltung eingesetzten Priester. Rupert Ritzer kam rasch an die Westfront. Am 20.06.1940 fielen zwei Kameraden aus seiner Gruppe. Die Kugel, die ihn traf, blieb in seiner Brieftasche stecken. Schließlich kam der Sanitäter Ritzer an die sowjetrussische Front. Am 20.12.1941 entfernte Ritzer heimlich mit einer Stahlbürste ein Hakenkreuz an einer Wand, um dort das Christenkreuz für den Weihnachtsgottesdienst anzubringen. Wenige Tage später wurde er vom Zugführer verraten und vom Kompanie-Chef zum Rapport bestellt. Für solche Handlungen kam man im Normalfall vor das Kriegsgericht und wurde zum Tod verurteilt. Aber Ritzer wurde gerettet, weil es dem Kompanie-Chef gelang, die Meldung zu unterdrücken. Das Leben von Sanitäter Ritzer war aber noch von anderen Gefahren bedroht. Die Soldaten litten in ihren Sommeruniformen entsetzlich bei minus 40 Grad. Viele erfroren. Ritzer überlebte. Er schleppte immer wieder Verwundete aus der Kampfzone zurück und erlitt einmal selbst einen Streifschuss, der nur den Riemen am Stahlhelm zerfetzte und ihn nicht verletzte. Aber Sanitäter Ritzer schleppte weiterhin unter Lebensgefahr Verwundete aus der Kampflinie zurück und blieb dabei selbst unversehrt. In seiner unmittelbaren Nähe tauchten feindliche Panzer auf, Granaten schlugen ein, er wurde verschüttet und doch wieder gerettet. Und das jahrelang. Bei der Gefangennahme 1945 schoss ein betrunkener Soldat auf Ritzer, ohne ihn jedoch zu treffen. Der Sanitätsunteroffizier resümierte am Ende in seinem Tagebuch „Priesterrock und Uniform“: „Wir waren dämonischen Mächten ausgeliefert. In meinem Fall hat Gott Regie geführt.“ Voll Dankbarkeit weihte er seine neue Pfarrkirche der Göttlichen Vorsehung. Auch der Leser dieses Buches staunt über die unwahrscheinliche Errettung dieses Sanitäters aus extremen Gefahren. Aber Gottes Ratschluss bleibt für Menschen unergründlich.

Eduard Werner

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