Geeignet als Berater des Papstes?

Die Katholische Nachrichten-Agentur KNA hat jüngst in ihrem Briefdienst gemeldet, dass sich Dr. Thomas von Mitschke-Collande der Kirche hierzulande und vor allem in Rom als Berater in Sachen Kurienreform angedient hatte. Zurück geht diese Meldung offensichtklich auf einen Bericht des Vatikan-Journalisten Sandro Magister, dass von Mitschke-Collande „angeblich“ auf den Vorschlag von P. Hans Langendörfer SJ, dem Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, und „möglicherweise“ (sic!) auch von Reinhard Kardinal Marx Papst Franziskus bei der Reform der Kurie beraten werde (siehe Wikipedia).
Das war offensichtlich eine Ente; denn daraus scheint nichts zu werden. Und das aus gutem Grund.
Thomas von Mitschke Collande arbeitete von 1978-2010 in der Unternehmensberatung McKinsey und Co. zuletzt bis 2010 als Senior Director im Münchener Büro des Unternehmens. Er ist Mitglied im ZdK, im Stiftungsrat der Katholischen Universität Eichstätt und im Kuratorium der Eugen-Biser-Stiftung. Das klingt alles sehr katholisch. Ob es das aber ist, hat unser Mitglied Dr. Eduard Werner untersucht. Hier sein Bericht in „Der Fels“ August/September 2013. S.268:

Der Katholische Medienverband e.V. hat zu seiner Mitgliederversammlung vom 25. bis 28. Juni 2013 in Regensburg das ehemalige Führungsmitglied der deutschen Sektion der Unternehmmungsberatung McKinsey zum Referat eingeladen. Ist das der richtige Referent, um die katholischen Medien zu beraten?
Diese Frage muß man leider verneinen, wenn man seine Buchvorstellung am 19.06.2013 in Andechs erlebt hat. Sein Buch hat den für einen gläubigen Katholiken sehr ungehörigen Titel „Schafft sich die Katholische Kirche selber ab? Analysen und Lösungen eines Unternehmensberaters.“ ( München 2012 mit einem Vorwort von Karl Kardinal Lehmann )
Nun, die Kirche schafft sich niemals ab, wenn wir an Matthäus 16,18 denken: „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“ Die Kirche schafft sich auch deshalb nicht ab, weil sie den fragwürdigen Ratschlägen des Referenten nicht folgen wird.
Dr. von Mischke-Collande beginnt sein Referat mit seiner Darstellung des beklagenswerten Zustandes der Kirche: Über die Hälfte der Katholiken glaube nicht an ein Weiterleben nach dem Tod (warum wohl?) bzw. an die Auferstehung, die Unwissenheit sei groß (wohl wahr), der sexuelle Mißbrauch in der Kirche sei ein weiteres Krisensymptom und erfordere Reformen. Die angebliche Dialogunfähigkeit der Kirchenführer belegte er unter anderem mit folgendem Beispiel: 200 Theologen hätten aus Sorge um die Kirche ein Memorandum verfasst und nach Rom geschickt. „Und wie reagiert Rom?“, fragte er. „Kardinal Brandmüller nannte dieses Memorandum „protestantisch“. Damit war es erledigt.“
Die Kirche in Deutschland sei in den vergangenen 25 Jahren durch Kardinal Ratzinger bzw. Papst Benedikt XVI. in Geiselhaft gewesen (sic!), deshalb sei nichts vorwärts gegangen. Als Meister der indirekten Aussage ließ der Referent die Kardinäle Meisner und Marx negativ erscheinen, weil sie Reformen entgegenstünden. Zur Überwindung der Krise forderte Mischke-Collande Reformen wie z.B. die Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten, wie das ja auch bei den Orthodoxen üblich sei. Der heilige Franziskus sei mit viel Glück an den Scheiterhaufen vorbeigekommen; denn das grausame Schicksal der Waldenser und Albigenser habe man in Italien, dem Zentrum der Kirche nicht wiederholen wollen. Wir ersparen uns die Kommentierung solcher schlichten Geschichtskenntnisse und Vergleiche.
Eine geschickte Zusammenstellung von Zitaten aus der Bibel, von Kardinal Martini und von Papst Franziskus sollte den Zuhörern die Notwendigkeit von „Reformen“ zeigen. Das Kirchenbild, das die Kirche als Pyramide mit der Hierarchie als Spitze oben zeige, während die Laien, die Mehrheit, unten seien und nichts zu sagen hätten, sei verkehrt. Vom II. Vaticanum und seinen Beschlüssen auch und besonders über die Laien schien der mehr dem Gespenst des „Geistes des Konzils“ verpflichtete Referent noch nichts gehört zu haben. Die Kirche müsse vom Kopf wieder auf die Beine gestellt werden. Entscheidend seien schließlich die Laien. Und die Frauen seien die „Minderlaien“. Überflüssigerweise habe man nun auch das neue Gesangbuch, das im Dezember 2013 ursprünglich eingeführt werden sollte, zur Prüfung nach Rom geschickt. Das wäre gar nicht nötig gewesen.
Eine Wertschätzung der Eucharistie und des Priesteramtes war aus den Ausführungen nicht herauszuhören.Der Referent hat Papst Franziskus für seine eigenen Reformvostellungen vereinnahmt, seine Glaubenstreue aber nicht erwähnt. Auf die Frage, ob der Papst nun den Erzbischof Müller „in seine Schranken weisen würde“, antwortete Mitschke-Collande, dass dies wahrscheinlich schwierig wäre, da ja sein Vorgänger, der Müller berufen habe, noch lebe.
Wenn Dr. von Mitschke-Collande die Ideen der Gruppe „Wir sind Kirche“ und der Memorandisten vertritt, muß man seine Eignung zur Beratung der Kirchenpresse und sogar des Papstes bezweifeln. Diese Ideen mögen zur Berufung in das ZdK qualifizieren, aber nicht zur Beratung der Kirchenpresse oder gar des Heiligen Stuhls. Für Dr. von Mitschke-Collande trifft eher das zu, was im ersten Johannesbrief 2,19 steht: „Sie kamen zwar aus unserer Mitte, sie haben aber nie zu uns gehört.“

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Eine Antwort auf Geeignet als Berater des Papstes?

  1. Mathias Wagener sagt:

    Guten Tag,
    es ist unglaublich, wessen Geistes Kind sich da zum Berater hochstilisieren lassen will. Der Unglaube und der Zweifel rühren doch von zu vielem Infragestellen seitens mancher Würdenträger her. Auch verzettelt sich die Kirche in letztlich unfruchtbaren Dialogen, die bedrängten Christen nicht weiterhilft. Nur eine klare Linie schafft Vertrauen. Nur so kann auch ein Glaube wieder verstärkt unter die Mitkatholiken gebracht werden.

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