„In unserer Filiale gibt es den Porno-Bestseller“

Zum Interview von Markus Reder mit Prälat Michael Fuchs „Weltbild ist eben kein Bücherregal“ in der Tagespost vom 24. Juli:
Prälat Fuchs beantwortet die Frage nicht, ob es Aufgabe der Kirche sei, ein solches Geschäft zu betreiben. Wenn er von einem „gewaltigen Instrument der kulturellen und ideellen Arbeit“ spricht, dann muss doch die Frage an ihn gestellt werden, wie er denn mit einem christlich-katholischen Unternehmen, das seine Bezeichnung verdient, einen annähernden Umsatz von 1,6 Milliarden Euro erzielen will, um 6500 Arbeitsplätze zu erhalten.
Wie kann ein Prälat in verantwortlicher Position den Verkauf eines pornographischen Romans durch ein Unternehmen der Kirche mit dem Argument verteidigen, man habe die Kundschaft auf die Unmoralität des „Werkes“ hingewiesen und das eine kritische Auseinandersetzung nennen? Man traut seinen Augen nicht.
Im letzten Absatz des Interviews, sagt Fuchs, gehe es um Abwägung, in einigen Fällen wird man Kompromisse finden müssen, die nicht immer allen gefallen. Die völlig weiße Weste gebe es auch hier nicht.
Wirklich ungeheuerlich! Hier liegt der Hase im Pfeffer. Die katholische Kirche darf sich eben nicht an „Geschäften“ beteiligen, in denen man sich schmutzig macht.
Der Zweck darf die Mittel nicht heiligen. Wie soll ich denn das meinen Firmkindern im Unterricht erklären?
Dieses Interview lässt Schlimmes ahnen. Hier muss doch geradezu der Eindruck entstehen, dass mit der Stiftung lediglich die bisherigen verantwortlichen Inhaber, die Bischöfe, aus der Schusslinie genommen werden sollen.
Prälat Fuchs sagt, dass Weltbild in letzter Zeit intensiv Möglichkeiten erörtert und genutzt hat, christliche Literatur zu fördern. Erörtert vielleicht, genutzt nicht. Im hiesigen grossen Weltbildladen gibt es vier kleine Regalfächer mit christlicher Literatur. Zwei Papstbücher, viel Margot Käßmann und Anselm Grün und zwei oder drei Gebetsbüchlein. Wenn Fuchs sagt, dass der Sadomaso-Roman („Shades of grey“ Anm.d. Red.) nicht in den Filialen ausliegt, dann wird er hinters Licht geführt. Im hiesigen Laden liegt der Roman in einem Fach gleich neben der Kasse. Man braucht gar nicht zu suchen. Der große Umsatz wird gemacht mit Dingen, die dem Auftrag der Kirche zuwiderlaufen.
Die Leser der „Tagespost“ wissen seit Jahren um die Problematik beim Weltbildverlag. Der Weltbild-Konzern ist das herausragendste Beispiel dafür, dass die deutsche Teilkirche eben Gott und dem Mammon dienen will. Und das hat Christus in deutlichen Worten ausgeschlossen. Dieses geistliche Vergehen liegt wie eine Bleiglocke über dem kirchlichen, geistlichen Leben in Deutschland und auch über der Bischofskonferenz.

Dr. Michael Scheider-Flagmeyer
66740 Saarlouis

erschienen in der Tagespost vom 14.8.12

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3 Antworten auf „In unserer Filiale gibt es den Porno-Bestseller“

  1. Kurt Steil sagt:

    Die Katholische Kirche ist auf dem besten Wege den „Rest“ der Gläubigen aus der Kirche zu jagen. Da nützt die beste Predigt nichts, wenn bei Weltbild diese ekelerregende Schrift zum Verkauf angeboten wird. Bischöfe die zu Recht bei der Priesterweihe das Gehorsams-Gelöbnis entgegennehmen, auf der anderen Seite den Verkauf von Porno Schriften unterstützen. Derzeit wird mehr auf Sand gebaut, Felsen sind nicht mehr gefragt.

  2. Dr. Michael Schneider-Flagmeyer sagt:

    Dass in anderen Romanen auch Szenen wie hier beschrieben werden, ist kein Beweis dafür, dass die Szenen nicht pornographisch sind sondern eher ein Beweis dafür, dass pornographische Szenen heute von manchen Autoren durchaus als literarisches Mittel benutzt werden.
    Die Kirche darf sich an der Vertreibung solcher „Literatur“ nicht beteiligen, weil sie dem Evangelium verpflichtet ist und nicht dem Zeitgeist, der zur Zeit solches goutiert.

  3. Ich habe bis jetzt beide Teile gelesen und warte ganz gespannt auf den 3. Teil. Ich finde, dass es kein Porno-Roman ist. In anderen Romanen werden auch Szenen beschrieben wir hier.

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