Jehovas Zeugen, die Bibel und der Weltuntergang

Botschaften über ein kurz bevorstehendes Weltende haben zu allen Zeiten Leichtgläubige, Ängstliche, Sektierer und Esoteriker fasziniert, seien es Nachrichten von Meteoren, die auf die Erde stürzen und hier alles Leben auslöschen, oder seien es die aktuellen Spekulationen über die Zeitrechnung der Maya, welche am 21. Dezember 2012 das Weltende kommen sehen.
Im Gegensatz zu solchen Horrormeldungen haben die eschatologischen Aussagen der Hl. Schrift im katholischen Bereich nicht immer den ihnen zustehenden Stellenwert. So beklagt W. Beinert in seinem Artikel „Wege aus der Kirchenkrise“ (Christ in der Gegenwart Nr. 21/2012, S. 238:) „Zu den Urtraditionen der christlichen Religion gehört die Lehre von der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus (Parusie). Im Glaubensbekenntnis beten und bekennen wir, dass er kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten. Das nehmen wir allerdings kaum ernst. Wir verschieben die Wiederkunft auf einen Zeitpunkt in grauer Ferne.“

Wie Jehovas Zeugen in die Irre geführt werden

Die „Wachtturm-, Bibel- und Traktatgesellschaft“ (WTG), eine von Charles T. Russell um 1870 in Brooklyn (USA) gegründete Buch- und Zeitschriftenhandlung hat die biblische Botschaft von der Wiederkunft Christi für sich vereinnahmt, zur Kernaussage ihrer neuen Religion gemacht, den Zeitpunkt dieser „Gegenwart“ Jesu auf dieser Erde anhand biblischer Schriftstellen und eigener „logischer Schlussfolgerungen“ exakt für das Jahr 1914 berechnet und das Ergebnis in Millionenauflage unters Volk gebracht.
Die Aktion musste schief gehen, weil sich nach den Aussagen der Hl. Schrift (vgl. Apg. 1:7) Zeiten und Zeitpunkte für das Weltende nicht berechnen lassen und somit die Wiederkunft Christi zum Weltgericht zu dem von der WTG vorausgesagten Zeitpunkt nicht stattfand.
Die Gesellschaft errechnete – bis in unsere Tage hinein – immer wieder neue Termine (1918, 1925, 1975 u.a.), doch auch diese Daten erwiesen sich als Flop. Die Berechnungen der „Ernsten Bibelforscher“, wie sich die Russell-Gläubigen seinerzeit noch nannten, – ab 1931 bezeichneten sie sich dann als „Zeugen Jehovas“ – stellten sich jedoch durch den Verlauf der Geschichte immer wieder als falsch heraus. Die biblischen „Rechenmeister“ wurden hierdurch zudem als falsche Propheten entlarvt (vgl. 5. Mos18,22).
Jehovas Zeugen als falsche Propheten? Das durfte nicht sein!
Mit bemerkenswerter Unverfrorenheit leugnen daher die Wachtturm-Führer heute ihre ständigen falschen Prophezeiungen und behaupten statt dessen, das „Licht der Erkenntnis“ sei vielmehr im Laufe der Jahre „heller“ geworden und habe zu einem besseren Verständnis der Bibeltexte geführt. Im übrigen seien die „Brüder“, welche die strittigen Texte verfasst hätten „nicht inspiriert“ gewesen, was im Klartext heißt, die Brooklyner Weltuntergangspropheten haben sich nicht am Wort der Bibel orientiert, sondern ihre eigenen irrigen Thesen verbreitet.
Heute ist man bei der WTG in dieser Hinsicht, bedingt durch die über rund 150 Jahre hinweg gemachten schlechten Erfahrungen, etwas vorsichtiger geworden. „Bald“ heißt jetzt das neue Zauberwort, mit dem die Wachtturmgesellschaft nun die Menschen verführt.
„Bald“ würden die prophezeiten Ereignisse eintreten; „bald“ werde „dieses böse System der Dinge“ in Harmagedon vernichtet werden; „bald“ würden die Gefolgsleute der WTG – und nur sie – in einer paradiesischen Welt den Lohn für ihren neuen Predigtdienst empfangen. Diese Erwartungshaltung hat der ehemalige Zeuge Jehovas, Manfred Blank in seinem lesenswerten Buch „Jehovas Zeugen und ihre Botschaft – wie kann man ihnen als Katholik begegnen?“ (Bernardus-Verlag, 52396 Heimbach, ISBN 10: 3-8107-9277-2) sehr treffend wie folgt beschrieben:

„Fortwährend das angekündigte baldige Ende dieser Welt vor Augen, ist die Lebenseinstellung eines Zeugen Jehovas vor allem durch das Verharren in einer ständigen Erwartungshaltung geprägt, die alles Planen für das eigene Leben und das Leben ganzer Familien dominiert. Immerzu nach Anzeichen Ausschau zu halten, ob sich nun das schon so lange erhoffte Ende dieser maroden Welt nicht endlich zeigen will, erzeugt bei den meisten Zeugen Jehovas eine gewisse Lähmung für Aktivitäten die in die Zukunft gerichtet sind.“

Das Gespräch mit den Zeugen Jehovas suchen

Wir sehen also, die Zeugen Jehovas, die das Gespräch mit uns suchen, sind nicht nur Verführte, sondern auch Verunsicherte und von der Angst vor „Harmagedon“ Getriebene, selbst, wenn sie das niemals zugeben würden. Getriebene, die gehorsam alles tun, was die WTG von ihnen fordert, um dem „Strafgericht Gottes in Harmagedon“ zu entgehen.
Trotzdem ist die Fluktuation innerhalb der Wachtturm-Gläubigen hierzulande größer als von Außenstehenden vermutet. So verlassen im Durchschnitt jährlich zwischen 2000 und 3000 Zeugen ihre Glaubensgemeinschaft – oder werden ausgeschlossen. Sie betätigen sich dann als ihre eigenen Exegeten oder verlieren meist vollständig das Interesse an der Botschaft der Hl. Schrift. Doch selbst, wenn sie auch weiterhin den von ihnen geforderten Predigtdienst erfüllen, so werden nicht wenige ob der dubiosen Wachtturmlehren von Zweifeln über deren Wahrheitsgehalt befallen, die sie oft jahrelang selbst vor den eigenen „Glaubensbrüdern“ aus Angst vor Unannehmlichkeiten verbergen.
All diese Gründe – und sicherlich noch einige mehr – sollten Anlass zur Überprüfung unserer bisherigen Haltung gegenüber Zeugen Jehovas sein, um auch und gerade ihnen gegenüber Zeugnis von unserer biblischen Hoffnung zu geben.
Wir Katholiken sollten daher einmal einen Versuch wagen, Zeugen Jehovas an unserer Tür nicht abzuweisen, sondern sie auf ihre Irrtümer aufmerksam zu machen, um ihnen die Wahrheit der Hl. Schrift nahe zu bringen.
Als katholische Gemeinschaft, die sich schon seit vielen Jahren dem Zeugenapostolat widmet, bieten wir gerne unsere Hilfe an.
Sie können bei uns kostenlos Argumentationshilfen für die gängigsten Themen bei Gesprächen mit ZJ sowie „Denkanstöße“ für Zeugen Jehovas anfordern. Darüber hinaus beraten wir auch in Einzelfragen zu dieser Thematik.
Unsere Kontaktadresse: AG Augustinuskreis in der Stefanus-Gemeinschaft, Postfach 1152, 88381 Biberach.
Im übrigen vermag mitunter selbst eine kontroverse Diskussion über die biblische Lehre von der Wiederkunft Christi für jeden von uns tieferen Einblicke in diese zentrale Aussage unseres Glaubens zu bringen.

Max Fischer

Informationsschriften als Argumentationshilfe:

■ „Ein Blick hinter die Kulissen“
■ „Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben“
■ „Kein Auge hat es gesehen“
■ „Die Botschaft vom aufgerichteten Königreich“
■ „Nehmet hin und esset alle davon“
■ „Was halten diese Leute vom Menschensohn“
■ „Er wird wiederkommen in Herrlichkeit“
■ „Wo der Wurm nicht stirbt“
■ „Christus und die 144.000“
■ „Lasset uns den Menschen machen“
■ „Der unbekannte Gott“
■ „Du bist Petrus“
■ „Gehet hin und lehret alle Völker“
■ „Ärgernisse müssen kommen“
■ „Der »treue Sklave« und die »babylonische Hure«“

Zu beziehen bei dem Augustinus-Kreis in der Stephanusgemeinschaft, Postfach 11 52, 88381 Biberach

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3 Antworten auf Jehovas Zeugen, die Bibel und der Weltuntergang

  1. Dr.Michael Schneider-Flagmeyer sagt:

    Sehr geehrter Herr Huschka,

    nach meiner Erfahrung bringt es nichts, die Zeugen Jehovas mit Worten überzeugen zu wollen. Sie sind in der Regel Worten und Argumenten nicht zugänglich.
    Man kann ihnen eigentlich nur durch vorgelebtes Christentum helfen. Sie sind auf dem sozialen Sektor, was Fürsorge für Alte und Kranke angeht, ausserordentlich schwach.
    Ich möchte Ihnen Geduld, Freundlichkeit und vor allem Anteilnahme empfehlen. Versuchen Sie Ihrem „Gegenüber“ mit Liebe da zu helfen, wo es notwendig ist gemäß dem Wort Christi aus der Bergpredigt (Matth.5,20):
    „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weitaus größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Reich Gottes kommen.

    Gottes Segen für Sie und alle Ihre „Gegenüber“.

    • Edwin Huschka sagt:

      Sehr geehrter Herr Dr. Schneider-Flagmeyer,

      Vielen Dank für Ihre Anregung. Ich werde diesen „Weg“ gehen.

      Gottes Segen auch für Sie

  2. Edwin Huschka sagt:

    Der Artikel „Jehovas Zeugen, die Bibel und der Weltuntergang“ ist interessant zu lesen und grundsätzlich einleuchtend. Nur bitte ich zu bedenken: Wenn wir diese Herrschaften einmal zu uns in die Wohnung bitten, um mit ihnen über die Bibel zu sprechen, kommen die dann nicht immer wieder?

    Die „ZJ“ leugnen die Trinität und vieles andere was zur katholischen Lehre gehört. Hat diese Religion den selben Gott wie wir? Sind das überhaupt Christen? Ich bezweifle das. Mein „Gegenüber“ in der Arbeit gehört dieser Religion an.
    Vernünftig sprechen über Religion kann man mit dieser Person nicht.

    Weiß jemand Rat? Jeder vernünftige Rat ist willkommen.

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