Was uns der Fall Limburg lehrt

Der mediale Kampf gegen Bischof Tebartz-van Elst von Limburg ist ein Lehrbeispiel dafür, was die Katholiken in einer inner- oder außerkirchlichen Auseinandersetzung von den Medien zu erwarten haben.
Was Aufgabe der Medien ist und wo ihre Grenzen liegen ist im Weltkatechismus in einer Weise formuliert, wie sie jeder rechtlich denkende Mensch akzeptieren wird: „Die Information durch Medien steht im Dienst des Gemeinwohl. Die Gesellschaft hat das Recht auf eine Information, die auf Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität gründet.
Der richtige Gebrauch dieses Rechtes fordert aber, dass die Mitteilung inhaltlich stets der Wahrheit entspricht und bei Beachtung der durch Recht und menschliche Rücksichtnahme gezogenen Grenzen vollständig ist. Auch in der Form muss sie ethisch einwandfrei sein, d.h. beim Sammeln und Verbreiten von Nachrichten müssen die ethischen Grundsätze sowie die Rechte und Würde des Menschen beachtet werden’ (IM 5) (KKK 2494).
Schon aufgrund ihrer Berufsaufgabe im Pressewesen haben Journalisten die Verpflichtung, bei der Verbreitung von Informationen der Wahrheit zu dienen und das Liebesgebot nicht zu verletzen. Sie sollen sich in gleichem Maße bemühen, den Fakten gerecht zu werden und die Grenzen des kritischen Urteils über Personen zu achten. Sie sollen sich vor Verleumdung hüten“ (KKK 2497).

Sind die Medien ihrem Auftrag nachgekommen?

Wer seine Zeitungen der letzten Monate noch nicht entsorgt hat, sollte sie herausholen und die Artikel und ihre Überschriften durchgehen, um festzustellen, ob sie denn o.a. Vorgaben eines gewissenhaften und fairen Journalismus entsprechen. Die Berichterstattung über den Limburger Bischof war eine konzertierte Aktion aller Medien: Fernsehen, Zeitungen und Radio überboten sich mit einer Flut von Artikeln mit Vorwürfen gegen Bischof Tebartz-van Elst: Protz, Prunksucht, Verschwendung, Selbstherrlichkeit, Verschleierung der Vorgänge kamen in permanenter Wiederholung. Die Zeitungsleser, Fernsehzuschauer und Radiohörer wurden emotionalisiert und konditioniert für das Ziel: Dieser Bischof muss weg. Sofort!
Die Intensität und die Hektik der Medienberichterstattung war merkwürdig. Warum konnte nicht mit mehr Gelassenheit das Ergebnis der von den Bischöfen beschlossenen Überprüfungskommission, um die Tebartz-van Elst selber gebeten hatte, abgewartet werden? Schließlich gab es keine Fluchtgefahr, weder von Seiten des Bischofs noch Seitens des Bauprojekts um das es angeblich ging. Offensichtlich sollte ein Zustand des nicht mehr Zurückkönnens, eines „no return“ für den Bischof geschaffen werden. Der Bischof sollte zum „freiwilligen“ Rücktritt veranlasst werden, weil „alle“ gegen ihn seien, die Leitung der Diözese durch ihn unmöglich geworden sei.
Der durchschnittliche Medienkonsument war überfordert, sich ein Bild des wahren Sachverhalts zu machen. Wie sollte er beispielsweise wissen, dass die tausendfach kolportierte Luxusbadewanne des Bischofs nicht 15.000,– Euro, sondern 3.000,– Euro gekostet hat. Stimmen von Experten, wie die von Hubert Baumeister, Bauingenieur und Wirtschaftsingenieur, öffentlich bestellter und vereidigter Bausachverständiger, Geschäftsführer eines Ingenieurbüros für Instandsetzung, Bauplanung und Baustatik wurden verschwiegen. Baumeister äußerte: „Aus fachlicher Sicht ist kein Prunk- oder Protzbau vorhanden… die gegenwärtige Berichterstattung ist für mich absolut unverständlich“.
Als dann gegen Ende Oktober die Wahrheit scheibchenweise durchsickerte, war das Bild eines Bösewicht-Bischofs in den Köpfen vieler fest eingestanzt. Tatsächlich hatten die Mitglieder des Verwaltungsrates dem Bauvorhaben zugestimmt. Darunter auch der ehemalige hessische Staatskanzleichefs Jochen Riebel. Der apostolische Nuntius Perrisset war bereits vor Baubeginn im Jahr 2010 über die zehn Einzelprojekte auf dem Limburger Domberg informiert. Er hatte dieser Aufteilung, die von der Sache her begründet war, zugestimmt (Protokoll vom 28.08.2013). Das Gremium hatte spätestens zu diesem Zeitpunkt von den gestiegenen Kosten gewusst. Es genehmigte den Betrag von 31,5 Mio. Euro. Bereits im Juli 2011 hat der Vermögensverwaltungsrat lt. Protokoll die Höhe von 17 Mio. für die Baumaßnahmen festgestellt. Die Mitglieder des Gremiums hatten noch Montag, den 14. Oktober behauptet, sie seien vom Bischof hinters Licht geführt worden. Bezeichnend ist die Behauptung von Jochen Riebel, der Bischof sei „entweder krank, oder ein raffinierter Betrüger“. Das grenzt an den Versuch, eine Persönlichkeit zu zerstören.

Kritik an der Medienberichterstattung ist nicht erlaubt.

Zur Kritik an der Medienberichterstattung meldete sich der deutsche Journalistenverband: Sie (die Berichterstattung) sei „notwendig und im Sinne des Informationsauftrages der Medien gerechtfertigt“. Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken wies den Vorwurf einer medialen Hetzjagd auf den Bischof zurück. Jeder Medienkonsument der letzten Monate konnte sich ein Bild machen, ob die Behauptung von Michael Konken zutrifft. Hat eine Berichterstattung noch mit dem Informationsauftrag der Presse zu tun, wenn sie in eine mediale Hetzjagd ausartet und dazu führt, dass die Familie des Bischofs in Sippenhaft genommen wird, mit Schmähungen und Beleidigungen und sogar mit Morddrohungen konfrontiert wird?

Hubert Gindert

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2 Antworten auf Was uns der Fall Limburg lehrt

  1. Judith sagt:

    Die mediale Hetze gegen die Person Franz-Peter Tebartz-van Elst, betrieben mit eindeutig verzerrter tendenziös-stereotyper Bildpropaganda, die zuweilen an die Nazimethoden des „Stürmers“ erinnerte, lehrt vor allem eines:
    Dass in einem Staat, in dem die Menschen- und Persönlichkeitsrechte eines Einzelnen von den Medien so hemmungslos mit Füßen getreten werden und sich eine Masse Unbeteiligter von heute auf morgen auf geradezu bestialische Weise in einem unbändigen Hass entfesseln, aufheizen und gleichschalten lässt, ohne die Fakten zu prüfen, für uns alle bald das Unvorstellbare wieder möglich werden kann…
    Wir Protestanten haben jedenfalls die Zeichen der Zeit verstanden und wünschen unseren katholischen Geschwistern vor allem, dass sie wieder häufiger die Bibel zur Hand nehmen, um sich auf kommende Zeiten entsprechend vorbereiten zu können.

  2. Kemmer Hermann-Josef sagt:

    Der Journalismus schert sich wohl kaum um die moralisch richtigen Regeln des Weltkatechismus. Die papsttreuen Katholiken können nie damit rechnen, von den Medien fair behandelt zu werden. Die kath. Kirche ist immer Angriffen ausgesetzt, und zwar immer ungleich schwereren Angriffen. Es wäre sonderbar, wenn es anders wäre.
    Die kath. Kirche nach der Vergangenheit, die sie nun einmal z. B. mit den Borgia-Päpsten, der Inqusition und anderen Greueltaten hat, natürlich eine Belastung im Rücken, die viele Katholiken im Unterbewusstsein als Ballastrucksack mit sich herumschleppen. Nach der Aufklärung und auch nach der Reformation ist die freie Presse natürlich immer auf einem Sprung, besonders dieser Kirche zu schaden, die einmal die „allein seligmachende“ war. so muss sie sich der genauen Prüfung durch die Presse stellen. Die heutige Kirche bietet im heutigen deutschsprachigen Kirchensteuersystem eine mediale Breitseite, die keine andere Organisation, die nichtstaatlich ist, mit sich herumschleppen muss. Aus diesem Grunde müsste sie sehr sensibel mit dem Geld umgehen, was sie zur Verfügung hat. Kritik ist massig, teilweise auch berechtigt, vorhanden. Muss ein Bischof wie ein Staatssekretär besoldet werden? Müssen Priester als Singles so hoch besoldet sein? Das in das Verhältnis zu Jesu Lebenswandel hier auf Erden gesetzt, gibt schon echt medialen Zündstoff her. Das alles ist im Rahmen dieser Debatte um Bischof TvE ans Tageslicht gekommen. Die Kirchenaustrittszahlen in allen Bistümern sprechen Bände. Hinzu kommen die ewig gestrigen und ewig neuen unkatholischen Forderungen der „Kirche von unten“ und des „ZdK“ nach Abschaffung des Pflichtzölibats und der Ordination von Frauen zum Priestertum, die nicht mehr Gott in den Mittelpunkt stellen, sondern die Bedürfnisse des Menschen, auch die des Priesters. Die kath. Kirche hat hier im deutschsprachigen Kirchenspaltungsraum besonders mit den bohrenden Fragen der Presse zu kämpfen. Und letztlich ist das auch gut so.

    Ich glaube, dass die Medienschelte um Bischof TvE nur ein Aufhänger war, um die ganze kath. Kirche hier zu diskreditieren. Es werden weitere folgen, solange, bis das Kirchensteuersystem über Bord geworfen worden ist. Die Zeit ist nicht mehr weithin. Auf der anderen Seite ist dieses Kirchensteuersystem auch dafür verantwortlich, dass der Klerus immer unbeweglicher und beamtenmäßig agierender geworden ist, für viele ein Ärgernis. Man hat sich in diesem System „fett“ eingerichtet und ist der Lethargie erlegen, sich das Christusbild in satter Geisteshaltung auf die Bedürfnisse der Menschen zurecht zu legen, insbesonder nach dem 2. Vat. Ein voller Magen neigt zur Trägheit, auch zur Trägheit im Geiste und zur Trägheit in der Praktizierung des Glaubens.

    Heute stöhnen Priester bereits herum, wenn sie sonntags 2 Messen zu feiern haben. Früher waren Priester in der Lage samstags 1, sonntags 2 nebst Tauffeiern zu zelebrieren, und zwar jedes Wochenend, selbst als Katholik erlebt.

    Zu Bischof TvE: Wenn die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat und Strafbefehle beantragen wollte, so muss zumindest hinreichender Tatverdacht gegeben sein. Ich weiß nicht, was an den Geschichten dran ist. Wenn er falsche eidesstattliche Versicherungen abgegeben hat, so ist dies strafbar. Hat er dies nicht, muss er freigesprochen werden oder das Ermittlungsverfahren muss eingestellt werden. So einfach ist das. Die Wahrheit wird sich zeigen.

    Dass solche Dinge in den Medien natürlich zu einer Treibjagd führen ist seit dem Fall Kässmann nichts Neues. Dass die Medienschelte jedoch von Mitkatholiken ihren Anfang nahm und initiiert wurde und sie der Presse mit dem Brustton der Überzeugung Futter gegeben haben, ist bedenklich. Man kann immer unterschiedlicher Meinung sein, aber solch ein Verhalten ist unchristlich. Das unchristliche Verhalten der Presse ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

    Der „Reichtum“ der Kirche war schon in den 50er Jahren Thema und er wird immer Neidthema bleiben, solange es Kirche gibt.

    Ein Dilemma hat die deutschsprachige Kirche besonders, die ‚Weltkirche“ einschließlich jedes Papstes immer: Sie wird gemessen an der Leuchtpersönlichkeit Jesu Christi. Diese Maßstäbe, die Jesus an seine Nachfolger weitergegeben hat, kann keine Kirche im Grunde erfüllen. Einige Heilige konnten und können dies, aber die Gesamtheit weder der Chrsiten noch der Kirche können dies. Grund Jesus war Gottes Sohn: Petrus und Nachfolger nur Menschen, die sündigen.

    Dem Anspruch Jesu kann letztlich niemand gerecht werden. Das wird immer zu Konflikten mit dem Christsein Einzelner von außen betrachtet führen. Wer als Christ in der Öffentlichkeit versagt, muss damit rechnen, auch medial an den Ansprüchen Christi gemessen zu werden. Dieser Kelch wird an der Kirche niemals vorübergehen. Und eine reiche Kirche wie die deutschsprachige ist von diesem Ideal noch weiter entfernt als die arme Weltkirche. Das dürfen wir nie vergessen. Und darum sollten alle Vertreter der Kirche besonders sensibel mit dem Kirchensteuergeld umgehen. Wenn da auch nur ein Fehltritt getan wird, dann wird dies in dem medialen Aufschrei besonders „gewürdigt“. Ein Bischof braucht keine feudale Karosse, auch nicht zu Imagezwecken. Jeder Priester sollte einen einfachen Lebenswandel führen. Jeder führende Katholik hat eine Verantwortung gegenüber der Kirche und auch gegenüber der Außenwelt und nicht zuletzt auch gegenüber Christus selbst, der selbst auf einem Eselsfüllen in den Tod ritt. Meistens ging er jedoch zu Fuß. Insofern kann Papst Franziskus den heutigen Priestern in aller Welt zeigen, wie schlicht jeder Priester und jeder Vertreter der Kirche leben sollte.

    Die Entweltlichung, die Papst Benedikt, uns mit auf den Weg gab, scheint in diese Richtung zu weisen. Richten wir uns alle, die wir Katholiken sein wollen, danach.

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