Der Versuch Papst Franziskus zu instrumentalisieren

So genannte „Reformkatholiken“ und „Mainstream-Journalisten“ sind nicht zimperlich, Autoritäten für ihre Ziele zu vereinnahmen, um dogmatische Positionen, z.B. zur Abtreibung, Homo-„Ehe“ oder den Kommunionempfang geschiedener Wiederverheirateter aufzuweichen. Ein Kernsatz von Papst Franziskus aus einem Interview mit der Jesuitenzeitschrift „ La Civiltà catholica“, der hier eine Schlüsselrolle spielt, lautet: „Wir können uns nicht nur mit der Frage der Abtreibung befassen, mit homosexueller Ehe, mit Verhütungsmethoden“. Diejenigen, die versuchen, Papst Franziskus für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, vergessen, das hinzuzufügen, worum es der Kirche und dem Papst primär geht, ohne sich von der Lehre der Kirche zu distanzieren: Die Konzentration auf die missionarische Verkündigung der Botschaft von der Erlösung.
Gernot Facius nennt die mediale Rezeption der o.a. Interviewaussage einen „exemplarischen Fall von selektiver Wahrnehmung“, anders ausgedrückt, der Papst wird „bewusst missverstanden“ (Junge Freiheit, 27.09.13).
Papst Franziskus bewegt sich und spricht viel zu den Menschen. Da ist es möglich, die eine oder andere Aussage im gewünschten Sinn umzuinterpretieren, weil seine generelle Haltung, die sich in Sätzen wie „Die Kirche hat darüber schon klar gesprochen“ und „Ich bin ein Sohn der Kirche“ ausdrückt, gerne übersehen wird. Eine Veranstaltung zu Papst Franziskus und zur Berichterstattung über ihn in den Medien in der katholischen Akademie in München wurde mit „sie wittern bereits die Beute“ (Tagespost 10.10.13) überschrieben. Dort heißt es „Papst Franziskus bewegt sich auf dünnem Eis“. Als „halsbrecherisch“ bezeichnet der Fernsehjournalist Michael Mandlik die Kontaktfreudigkeit des Papstes… Die Medien bauen eine Erwartungsmaschinerie auf, die irgendwann kippt… auch bei Franziskus wird der Punkt kommen, an dem der Aufschrei erfolgt“.

Der Zeitpunkt, an dem das erwünschte Verhalten eingefordert wird, kam im Fall des Bischofs von Limburg.
In vielen Artikeln zu Tebartz-van Elst, so der Medienwissenschaftler Christian Klenk wurde der Papst als Gegenbeispiel aufgeführt. In einem Leitartikel der Augsburger Allgemeinen Zeitung („Ein Testfall für den Papst“) schrieb beispielsweise der Chefredakteur dieses Blattes Walter Roller: „Am Umgang mit dem Fall Tebartz-van Elst wird sich nun auch erweisen, wie ernst es dem Papst tatsächlich mit der Neuausrichtung der Kirche ist. Bliebe der Bischof im Amt, nehme auch die Glaubwürdigkeit von Papst Franziskus schaden… Der Fall des Limburgers ist, wie die weltweite Aufmerksamkeit zeigt, zum Testfall für den Reformkurs des Papstes geworden“. Das ist der Versuch, den Papst zu instrumentalisieren. Handelt er nicht so, wie es bestimmte Medien wollen, wird er seiner Sympathien verlustig gehen.

Ein weiterer Fall Papst Franziskus für seine Zwecke einzuspannen ist das Interview von Domdekan Andreas Möhrle zu der umstrittenen Freiburger „Handreichung für die Seelsorge zur Begleitung von Menschen in Trennung, Scheidung und nach ziviler Wiederheirat“. (Konradsblatt 44.2013) Bei dieser Handreichung geht es im Kern um die Zulassung geschiedener Wiederverheirateter zur Kommunion, wie die Medien sofort deutlich gemacht haben. Domdekan Möhrle versucht im o.a. Interview Papst Franziskus mit einem Satz aus dem vorhin erwähnten Interview mit der Jesuitenzeitschrift für seine Zwecke zurechtzubiegen. Der Interviewsatz lautet: „Jeden Fall für sich zu bewehrten, unterscheiden zu können, was das Richtige für einen Menschen ist, der Gott und seine Gnade sucht“. Es ist klar, dass die von Möhrle angesprochene Lösung an der klaren Aussage Jesu vorbeiführt, wo es heißt: „Das was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen“ (Markus 10, 5-9 Vergl. auch Matthäus 19; Lukas 16,18).

Papst Franziskus will und kann das Wort Jesu nicht aufheben, ebenso wenig wie dies die angekündigte Bischofskonferenz vom Oktober 2014 in Rom tun wird. Wer wird dann den Scherbenhaufen zu unrecht geweckter Erwartungen zusammenkehren? Wie die Reaktion gegenüber Papst Franziskus sein wird, kann man sich ausmalen.

Hubert Gindert

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Der Versuch Papst Franziskus zu instrumentalisieren

  1. Mathias Wagener sagt:

    Professor Gindert ist für diese Klarstellung zu danken, die indes nur einen überschaubaren Kreis erreicht. In den Medien werden leider die Aussagen des Papstes anders dargestellt, so dass im Leser/Zuschauer/Zuhörer ein anderes Bild entsteht und es mitunter auch unter Gläubigen zu Irritationen kommt. Für mich ist jedenfalls nicht wahrnehmbar, dass zum Beispiel hier in Deutschland leitende Hirten bzw. ihre Medienbeauftragten dieser Instrumentalisierung durch Falschberichterstattung entgegentreten würden. Das ist die Krux in diesem Kontext.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *