Pfarrer Joseph Müller – „Mein Tod wirkt jetzt mehr für das Reich Gottes als mein Leben“.

In politisch extremen Zeiten sind Priester besonders gefährdet. In der NS-Zeit wussten sie als universal denkende Katholiken von Anfang an, dass die nordische Rassenlehre mit dem wahren Christentum nicht vereinbar ist. Auch Pfarrer Joseph Müller aus der Diözese Hildesheim wusste das und er sagte das auch. Dafür sprach der berüchtigte Blutrichter Roland Freisler das Todesurteil über ihn. Es wurde am 11. September 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden vollstreckt.
Joseph Müller wurde am 19.08.1894 im hessischen Salmünster geboren. Wie schon zwei ältere Brüder wurde auch er Priester. Seine Berufung verstand er so: „Priester sein heißt Mensch sein mit einem starken Glauben, der auch durch den Widerstand der ganzen Welt nicht irre gemacht werden kann.“ Seine erste Anstellung als Kaplan fand Müller in Duderstadt. Dort nahm er sich sehr um die Jugend an. Dies tat er auch an seinen späteren Dienstorten mit großem Einsatz und Erfolg. Seine Predigten waren so eindrucksvoll, dass auch viele Taufscheinkatholiken wieder regelmäßig in die Kirche kamen. Dabei wies er immer wieder auf „das goldene Kreuz des Glaubens“ hin und warnte gleichzeitig vor „den Schattenbildern der Zeit“ , d.h. vor dem Sozialismus und vor dem neu aufkommenden Nationalsozialismus. In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die politischen Pressionen der NS-Regierung gegen die katholische Kirche ständig stärker. Das konnte aber Pfarrer Müller nicht zu einer leiseren Predigtart zwingen. Nach Kriegsbeginn 1939 kamen viele polnische Zwangsarbeiter in seine weit verzweigte Gemeinde im Harz. Diesen polnischen Arbeitern war es verboten, an den katholischen Gottesdiensten teilzunehmen. Zur Tarnung lud sie Pfarrer Müller deshalb in ihrer Freizeit zur Gartenarbeit ein, um sie heimlich seelsorgerlich betreuen zu können. Auch gegen die Schließung der katholischen Volksschule in Heiningen protestierte Pfarrer Müller heftig und sagte, dass Deutschland den Krieg nicht gewinnen dürfe. Unter den aussichtslosen politischen Belastungen erkrankte Müller an einem Magengeschwür. Nach einer schweren Operation bat er 1943 um Versetzung in die Gemeinde Groß Düngen. Dort entschied sich sein Schicksal. Bei einem Krankenbesuch erzählte er nämlich einem ihm bis dahin unbekannten Parteigenossen eine ironische Geschichte.
„Ein Verwundeter liegt im Lazarett im Sterben und will noch wissen, für wen er stirbt. Die Krankenschwester antwortet: „Sie sterben für Führer und Volk.“ Dann fragt der Soldat: „Kann dann der Führer an mein Sterbebett kommen?“ Die Schwester antwortet. „Nein, das geht nicht, aber ich bringe Ihnen das Bild des Führers“ und sie legt es ihm zur rechten Seite auf das Kopfkissen. Da sagt der Soldat: „Ich gehöre zur Luftwaffe.“ Da bringt ihm die Schwester das Bild des Reichsmarschalls Göring und legt es zur Linken. Darauf sagt der Soldat: „So, jetzt sterbe ich wie Christus.“
Der Parteigenosse verstand sofort, dass Christus zwischen zwei Schwerverbrechern gestorben war und zeigte den Pfarrer bei der Gestapo an. Dieser Vergleich führte zur Verhaftung und zum Todesurteil, zumal gegen den Pfarrer schon einiges vorlag. Dem Bischof Dr. Machens gelang es noch zweimal, seinen Priester Joseph Müller im Gefängnis zu besuchen. Er identifizierte sich mit ihm. Pfarrer Müller konnte noch auf einen Zettel schreiben: „Herr, ich bin dem Hass begegnet, dem bleichen aller Schönheit baren Hass auf die Wahrheit, der morden will ….“ . Das Satanische, das in diesem Hass sichtbar wird, ist inzwischen verdrängt. Aber Märtyrer wie Pfarrer Müller bleiben immer Glanzlichter der Kirche.

Eduard Werner

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