Bischöfe, Vorsicht bei Gedenktagen

Gedenktage sollen die historische Wahrheit in Erinnerung rufen statt sie verfälschen! Das tut aber mancher Bischof, der sich hin und wieder der political correctness anschließt. Am 08.11.2013 sagte beispielsweise ein  Bischof im Bayerischen Fernsehen: „Ich schäme mich für die Bischöfe, die 1938 bei der so genannten Reichspogromnacht nicht protestiert haben.“

Hätten die damaligen Bischöfe wirklich protestieren und zum Widerstand aufrufen sollen? Damit hätten sie mit Sicherheit ein Blutbad zu Lasten ihrer Gläubigen angerichtet. Oder glaubt dieser Bischof, dass Hitler und seine SS  so harmlos waren und einen offenen Protest geduldet hätten? Überdies gefährdete jeder Judenhelfer, auch wenn er bereit war, sich selbst zu opfern, nicht nur sich persönlich, sondern auch seine Familie und seine Verwandtschaft; denn im NS-Regime herrschte eine gnadenlose Sippenhaft. In dieser Zeit des Terrors erinnerten sich Priester und Laien an das Kindergebet  „Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“ Aber sie formulierten es um: „Lieber Gott mach mich stumm, dass ich nicht nach Dachau kumm.“  In dieser Zeit der Spitzeldienste und der Blockwarte gab es auch das Sprichwort: „Schweigen ist Gold, reden ist Dachau.“ Da war doch der jüdische Oberrabbiner Dr. Steinthal in Münster realistischer als mancher heutige Bischof. Dem Oberrabbiner hatte Bischof von Galen, der selige „Löwe von Münster“, angesichts der Ausschreitungen bei der Reichspogromnacht angeboten: „Ich gehe morgen für Sie auf die Kanzel, um dieses Unrecht  öffentlich anzuprangern, wenn Sie mir vorher schriftlich geben, dass Sie nicht mir die Schuld geben, wenn dann die Nazis noch grausamer zuschlagen.“ Nach kurzer Bedenkzeit antwortete der Oberrabbiner: „Tun Sie es nicht! Sonst wird s ja noch schlimmer.“  Wie zutreffend der Oberrabbiner die Rachegelüste der Nazis einschätzte, zeigte sich 1942 in den Niederlanden. Auf den Protest der katholischen Bischöfe gegen die Judendeportationen hin reagierte die SS  damit, dass sofort ausschließlich die katholischen Juden nach Auschwitz gebracht und vergast wurden.  Anne Frank schreibt in ihrem berühmten Tagebuch: „Uns Juden wird dieser Protest nicht helfen.“ Im Oktober 2011 klagten die katholischen und evangelischen Bischöfe in Baden und in der Rheinpfalz in einem gemeinsamen Kirchenwort darüber, dass die Christen 1941 einer Judendeportation tatenlos zugesehen hätten. Dabei vergaßen sie den Dank an die Katholiken der Diözese Freiburg, die wegen ihrer  Hilfe für die verfolgten Juden ins KZ kamen, wo manche von ihnen einen grausamen Tod fanden. Das waren unter vielen anderen auch Dr. Gertrud Luckner, Legationsrat Dr.  Richard Kuenzer, die Priester Eugen Weiler und Dekan August Ruf. Die Bischöfe trauen sich heute nicht, an ihre heroischen Judenhelfer zu erinnern und sie als Vorbilder hinzustellen, weil dann das Dogma von der deutschen Kollektivschuld angekratzt würde. Aber Angst vor dem Zeitgeist ist auch Angst vor der Wahrheit. Ist es heute bequemer, eine Scham über die Vorgängergeneration zu äussern, als mit der Laien für den Lebensschutz zu demonstrieren?

Für die Kirche während  der NS-Zeit braucht heute kein Bischof Scham zu empfinden. Der Vatikan hat den Nationalsozialismus schon am 25. März 1928 verurteilt und die deutschen Bischöfe sind diesem Beispiel wiederholt gefolgt.  Auch deshalb haben viele Katholiken Juden unterstützt und deshalb selbst den Tod gefunden. Allein im deutschen Martyrologium  „Zeugen für Christus“ von Prof. Helmut Moll sind 26 Judenhelfer verzeichnet, die wegen ihrer Judenhilfe mit dem Tode bestraft wurden. Glücklicherweise wurden die meisten Judenhelfer  von der Gestapo nicht erwischt aber nach dem Kriege, wenn sie bekannt wurden, hoch geehrt auch vom Staat Israel wie z.B. P. Aurelius Arkenau OP, der als Prior im Leipziger Dominikanerkloster verfolgte Juden versteckte.

Eduard Werner

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Eine Antwort auf Bischöfe, Vorsicht bei Gedenktagen

  1. Bazillus sagt:

    Mein Dank gilt Herrn Eduard Werner, der hier einmal eine Lanze für die kath. Kirche in Deutschland bricht, die es während der Nazi-Herrschaft ohenhin sehr schwer hatte.
    Ich darf daran erinnern, dass Protestanten die NSDAP doppelt so häufig gewählt haben wie die Katholiken. Somit hat die Kirche damals offensichtlch Vieles richtig gemacht, dass sich die Katholiken bei der Wahl Hitlers so zurückgenommen hatten.

    http://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/nationalsozialismus/tid-8712/hitlers-machtuebernahme_aid_235500.html

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