Es ist Zeit zu sagen, wofür wir stehen

Erzbischof Gerhard-Ludwig Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation der Katholischen Kirche, hat in einem Schreiben Robert Zollitsch, den Erzbischof em. von Freiburg aufgefordert, die diözesane „Handreichung für die Seelsorge zur Begleitung von Menschen in Trennung, Scheidung und nach ziviler Wiederverheiratung“ „zurückzunehmen und zu überarbeiten, damit nicht pastorale Wege gut geheißen werden, die der kirchlichen Lehre entgegenstehen“. Die Freiburger Handreichung, so der Präfekt der Glaubenskongregation, enthalte zwar „richtige und pastorale Hinweise“, sei „aber in der Terminologie unklar“ und stimme „in zwei wichtigen Punkten mit der kirchlichen Lehre“ nicht überein. Die Handreichung sieht nämlich vor, dass geschiedene Wiederverheiratete aufgrund einer persönlichen Gewissensentscheidung zur Kommunion zugelassen werden können. Die weitere Kritik bezieht sich auf Vorschläge der Handreichung zu einer „Quasi-Trauung“ für geschiedene Wiederverheiratete „eine Art Ritus mit Eröffnung, Hören auf das Wort Gottes, Segnung und Übergabe einer Kerze, Gebetsteil und Abschluss“.

Der Präfekt der Glaubenskongregation legt in seinem Schreiben die kirchliche Position zur Wiederverheiratung Geschiedener dar: „wiederverheiratete Geschiedene stehen selbst ihrer Zulassung zur Eucharistie im Weg, insofern ihr Lebensstand in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche ist, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht… ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies Verwirrung bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe“. Erzbischof Müller spricht hier nicht als Privatperson, sondern als Präfekt der Glaubenskongregation und nach Rücksprache mit dem Heiligen Vater!

Erzbischof Robert Zollitsch nahm auf der Herbstvollversammlung des Diözesanrates Freiburg zum Schreiben des Glaubenspräfekten Stellung „und machte deutlich, dass es in Sachen Handreichung nichts zurückzunehmen gibt. Die Freiburger Initiative verstehe sich als Beitrag zur derzeit laufenden Diskussion über dieses Thema“ (Konradsblatt 47-2013, S. 6). Zollitsch unterstrich die Notwendigkeit zum Wohl der betroffenen Menschen „theologisch und pastoral verantwortbare Wege zu entwickeln“. Erzbischof Zollitsch bat den Diözesanrat um „Geduld und langen Atem“, die Diskussion über dieses Thema werde „in der ganzen Breite“ weiter gehen.

„Ausdrücklich“, so heißt es in einem Bericht des Konradsblattes „unterstütze der Erzbischof die kürzlich vom Münchner Kardinal Reinhard Marx geäußerte Überzeugung, „dass der Präfekt der Glaubenskongregation die Diskussion nicht beenden kann“. Dieselbe Position vertrat inzwischen auch in der Öffentlichkeit Bischof Ackermann von Trier (Tagespost 23.11.13) und ebenso Alois Glück nach seiner Wiederwahl zum ZDK-Präsidenten.

Der für die Handreichung verantwortliche Sprecher Domdekan Andreas Möhrle hat das Papier in einem vorausgehenden Interview (Konradsblatt Nr. 44-2013) verteidigt. Er sagte: „wir suchen nach Wegen, die dem Geist Jesu Christi und der Botschaft des Evangeliums entsprechen“. Der Geist Jesu wird fassbar im Evangelium, wo es zu dieser Frage heißt: „Das was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen“ (Markus 10,5-9; vrgl. Matthäus 19; Lukas 16,18). Die katholische Kirche ist in ihrer Lehre und in der Praxis stets auf die Worte des Herrn über die Unauflöslichkeit der Ehe zurückgekommen. Der Bund, der die Eheleute innerlich und gegenseitig miteinander verbindet, ist von Gott errichtet. Er bezeichnet eine Wirklichkeit, die von Gott kommt und die deswegen der Verfügung der Menschen entzogen ist (OR, sp. Ausgabe Nr. 43 v. 25.10.13, S. 8-10). Die Freiburger Handreichung hält sich nicht an die Botschaft des Evangeliums.

Auf die Frage nach der Reaktion auf die Handreichung äußerte Domdekan Möhrle im o.a. Interview: „Es gab ein überwältigend positives Echo… viele Zuschriften zeigten sich erleichtert, dass etwas in die richtige Richtung in Bewegung kommt… insofern hat es mich sehr ermutigt, von Bischöfen aus dem In- und Ausland zu hören, die sich öffentlich und in persönlichen Gesprächen dahingehend geäußert haben, dass die Handreichung das ins Wort fasst, was in den meisten Bistümern pastorale Praxis ist“. Diese Aussage ist aufschlussreich. Es ist bekannt, dass in vielen Diözesen Pfarrer geschiedene Wiederverheiratete mit Wissen und zum Teil wohl auch mit Billigung der Bischöfe zur Kommunion zulassen. Das sagt aber auch viel über das Verständnis der Eucharistie und der sakramentalen Ehe aus.

Die Katholiken in Deutschland sind in einer Situation, dass der Präfekt der römischen Glaubenskongregation die verbindliche Lehre der Kirche darlegt und dafür in der Öffentlichkeit Widerspruch von Pfarrern und sogar von Bischöfen erfährt. Damit werden auch die katholischen Laien gezwungen, öffentlich Position zu beziehen. Für romtreue Katholiken kann das nur heißen, für die Lehre der Kirche, wie sie der Präfekt der Glaubenskongregation als die authentische Weisung Jesu Christi darlegt, einzustehen!

Hubert Gindert

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2 Antworten auf Es ist Zeit zu sagen, wofür wir stehen

  1. kaiserin sagt:

    Danke, Judith! Ich denke auch so. Der Weinberg des Herrn wächst besser ohne Unkraut.

  2. Judith sagt:

    Es gibt Christen, die stehen fest wie die Zedern des Libanon und haben es nicht nötig, sich wie gemeine Büsche in alle Richtungen zu verästeln, zu verzweigen und zu verblättern.
    Gott segne Gerhard-Ludwig Müller!
    Er erspart dem Gärtner viel Arbeit und ist ein seltenes Edelholz!

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