Buße wofür?

Die Rede von den letzten Dingen Tod, Gericht, Himmel, Hölle war schon immer ein Feld, um das die Menschen einen Umweg gemacht haben. Der moderne säkulare Mensch hat Gericht, Himmel und Hölle entsorgt. Den Tod, den er nicht abschaffen kann, hat er tabuisiert. Man spricht nicht darüber. Soweit möglich wird er aus dem Leben verbannt. Aber die Tabuisierung kann die Angst vor dem Tod nicht aus der Welt schaffen. Sie führt nur dazu, dass der Mensch damit allein gelassen wird.

Auch in der Kirche wird über die „letzten Dinge“ kaum mehr gesprochen, wie das früher in der Fastenzeit geschah. Das ist ein Zeichen der Anpassung an den Zeitgeist. Und das ist fatal. Denn Jesus spricht davon als von einer Realität. In der Bibelübersetzung von Otto Karrer gibt es beispielsweise achtzehn Stellen, die von der Hölle sprechen. Der Weltkatechismus der Katholischen Kirche nimmt an sieben Stellen darauf Bezug. Jesus spricht über die ewige Verdammnis, die „im ewigen Getrenntsein von Gott besteht, wenn sich ein Mensch in völliger Autonomie freiwillig aus der Gemeinschaft mit Gott ausschließt, wenn er bis zu seinem Tod in der Todsünde verharrt und die barmherzige Liebe zurückweist“ (Compendium der Katholischen Kirche, Ziff. 213.)

Jesus spricht nüchtern, aber deutlich von der Existenz der Hölle. Deswegen hat auch die Kirche davon zu reden, wenn sie das unverfälschte und unverkürzte Evangelium verkünden will. Das hat nichts mit „Angstmache“ vor dem Tod zu tun, wie das kürzlich ein Erzbischof der Katholischen Kirche in Deutschland gemeint hat (Tagespost, 11.11.13“). Jesus ging es nicht darum, Sünden aufzuzählen, sondern jedem Menschen Urteil und Rettung zuzusagen“, meint dieser Erzbischof. Was ist aber dann, wenn die Zusage nicht akzeptiert wird? „Wir müssen die Verantwortung übernehmen für das, was wir getan haben“. Das ist zweifellos richtig. Dazu gehört dann aber auch die Verantwortung für die Zurückweisung des Liebesangebots Gottes. Wenn der Erzbischof meint, dass „Gott den Menschen mit seiner Hilfe verwandeln und in die Vollendung führen werde, aber ohne erhobenen Zeigefinger und ohne eine Hölle mit Folter, Gefängnis und Siedeofen“ bleiben Fragen. Biblisch gesehen, lassen sich nicht alle „in die Vollendung führen“. Die Ablehnung, ja der Hass gegen Gott, ist real vorhanden und manche haben das schon eindringlich erlebt. Der Faschingssong „wir kommen alle, alle in den Himmel“ ist schon deswegen fragwürdig, weil nicht wenige gar nicht an die Existenz des Himmels glauben, auch wenn sie dieses Lied lauthals mitsingen. Vielleicht sollten wir für diesen Unglauben Buße tun.

Hubert Gindert

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Buße wofür?

  1. Bazillus sagt:

    Den Inhalt des Artikels kann ich voll und ganz bestätigen. Die Kirche kennt nur noch den Gott der Liebe, der alles mit dem Mantel der Liebe zudeckt. Ein fataler Irrtum!

    Das wird deutlich auch an den Gleichnissen Jesu. Der verlorene Sohn kehrt um, egal aus welchem Grund. Die Arbeiter der letzten Stunde kamen aber zur Arbeit, die Verurteilung Jesu der Ehebrecherin blieb aus, aber er gab ihr mit auf den Weg „und sündige nicht mehr“.
    Was, liebe Priester und Prediger, passiert also mit denen, die eben nicht umkehren, die nicht in letzter Stunde in den Weinberg gehen und die trotz Jesu Aufforderung immer wieder sündigen ohne Buße zu tun?
    Hier sollte unbedingt ein Umdenken in der Kirche stattfinden. Die Buße sollte wieder aus der Versenkung hervorgeholt werden. Das Voraugenhalten der Höllenexistenz im Form der ewigen Gottesferne sollte keine Angst erzeugen, sondern eher ein Umdenken.
    Der liebende Gott kann nicht seinen Mantel über die Menschen ausbreiten, die nicht umkehren, die willentlich und wissentlich die Liebe Gottes ablehnen. Der Gott der Liebe kann nur dem ein Gott der Liebe sein, der seine Liebe immer wieder nach dem Bußakt und der Heilkraft des von Jesus geschenkten und gespendeten Bußsakramentes in Anspruch nimmt. Diesen Akt der göttlich geschenkten Freiheit muss der Mensch vollbringen. Liebe kann nur in Entscheidungsfreiheit geschehen zumindest bei gesunden Menschen. Die echte Buße, die immer mit Reue verbunden einhergeht, ist somit der eminent wichtige Ausfluss des liebenden Denkens. Liebe erkennt, wann Buße ansteht, um die Liebe Gottes weiter genießen zu dürfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*